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Full text of "Verhandlungen des Botanischen Vereins für die Provinz Brandenburg"

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VERHANDLUNGEN 

DES 

BOTANISCHEN VEREINS DER 
PROVINZ BRANDENBURG. 

NEUNUNDFÜNFZIGSTER JAHRGANG. 

1917. 



IM AUFTRAGE DES VEREINS 

HERAUSGEGEBEN 
VON DEN SCHRIFTFÜHRERN 

II. HARMS, TH. LOESENER, F. TESSENDORFF. 

Mit einem Bildnis und 3 Textfiguren. 



Selbstverlag 
des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg. 



Dahlem-Steglitz bei Berlin, 

Botanisches Museum, Königin-Luisestraße 6- 
1918. 



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VERHANDLUNGEN 



DES 



BOTANISCHEN VEREINS DER 
PROVINZ BRANDENBURG. 



NEUNUNDFÜNFZIGSTER JAHRGANG. 

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IM AUFTRAGE DES VEREINS 

HERAUSGEGEBEN 

VON DEN SCHRIFTFÜHRERN 

H. HARMS, TH.LOESENER, F. TESSENDOREF. 



Mit einem Bildnis und 3 Textfiguren. 



Selbstverlag 
des Botanisclien Vereins der Provinz Brandenburg 



Dahlem-Steglitz bei Berlin, 

Botanisches Museum, Königin-Luisestraße 6^ — 8. 
1918. 



Ausgegeben am 15. Januar 1918. 



Die nächsten monatlichen Vereins-Sitzungen finden um 7 Uhr 
abends statt 

am Freitag, den 18. Januar 1918 ^ in Berlin im Bier-Restaurant 

am Freitag, den 15. Februar 1918 t «Zum Heidelberger" 

T-, .. 1 ^^ T,T.. ^r^^r^ 1 (Eingang ZU den Vereinszimmern 

am Freitag, den 15. März 1918 J Dorotheenstraße 16) 

am Freitag, den 19. April 1918 \ 

am Freitag, den 21. Juni 1918 ^^ Berlin-Dahlem, 

am Freitag, den 20. September 1918 i '^ ^^^- Botanischen Museum. 

Alle für den Druck bestimmten Beiträge sind völlig druckreif dem 
zeitigen ersten Schriftführer, Professor Dr. H. Harms, Dahlem-Steglitz 
bei Berlin, Kgl. Botanisches Museum, Königin-Luisestr. 6—8, zuzusenden. 

Es wird gebeten, sämtliche für den Verein bestimmten Drucksachen, sei 
es durch die Post, sei es auf buchhändlerischem Wege, ohne persönliche An- 
schrift an den Botanischen Verein der Provinz Brandenburg, Dahlem-Steglit? 
bei Berlin, Botanisches Museum, Königin-Luisestraße 6 — 8, adressieren 
zu wollen, da der Bibliothekar, Herr F. Tessendorff, zurzeit im Felde steht. 

Die neu eintretenden Mitglieder können den Bibliotheks-Katalog zum 
Preise von 1,20 Mark von dem Herrn Bücherwart erhalten. 



Die Mitglieder, welche den Jahresbeitrag für 1918 noch nicht entrichtet 
haben, werden gebeten, ihn mit 6,05 Mark (einschUeßlich Bestellgeld) gefälligst 
kostenfrei an unsern Kassenführer, Herrn Rechnungsrat Julius Gerber 
in Berlin N. 24, Linienstraße 115, einsenden zu wollen. 

Laut Vorstandsbeschluß sollen die Beiträge der Groß-Berliner 
Mitglieder im Laufe des Januar durch die Berliner Paketfahrt ein= 
gezogen werden; für alle ordentlichen Mitglieder soll die Be= 
Stimmung gelten, daß der Beitrag durch Postauftrag eingezogen 
wird, falls er nicht bis zum 1. April an den Kassenführer eingezahlt 
worden ist. 

Aenderungen in der Adresse wollen die Mitglieder gleichfalls dem 
Herrn Kassenführer kurz mitteilen. 



Inhalt. 



Seite 

Volkens, G. Nachruf von ihm selbst verfaßt 1 — 12 

Harms, H. Anmerkungen und Nachschrift zu dem Nachrufe von 

G. Volkens 12—23 

Jaap, 0. Achtes Verzeichnis zu meinem Exsiccatenwerk „Fungi selecti 

exsiccati" 24—40 

Harms, H. Nachruf auf Heinrich Rottenbach 41—46 

Harms, H. Nachruf auf Karl Supprian 47—50 

Geisenheyner, L. Ueber einige Panaschierungen 51—61 

Staritz, R. Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt . 62 — 111 
Harms, H. Bericht über den Ausflug des Botanischen Vereins der 

Provinz Brandenburg nach Paulinenaue 112—123 

Darin: 
Jaap, 0. Verzeichnis der bei Paulinenaue beobachteten Pilze 

und Gallen 118—119 

Hauchecorne, W. Bericht über das Waldgebiet des Zotzen . . 120—123 

Holzfuß, E. Erster Nachtrag zur „Rosenflora von Pommern" . . . 124 — 135 

Born, A. Ein neuer Standort von Gymnadenia cucidlata in Ostpreußen 136 — 137 

Holzfuß, E. Nachruf auf Albert Lüderwaldt 138 

Harms, H. Ueber die Verwendung der Samen der ZitterUnse (Vicia 

hirsuta) zur menschlichen Ernährung 139 — 145 

Harms, H. Ueber die Fluorescenz des Aufgusses der Rinde von 

Pncnus serotina . 146 — 150 

Kolkwitz, R. Ueber die Giftigkeit von Ämanita pantherina .... 151—156 
Harms, H. Bericht über die 104. (48. Herbst-) Haupt -Versammlung 

zu Berlin am 20. Oktober 1917 157—176 

Harms, H. Jahresbericht 158—165 

Gerber, J. Kassenbericht 165—166 

Ergebnis der Wahlen 166—167 

Winkelmann, J. Legt einen Pilz und Holzquerschnitte vor; Auf- 
findung von Elatine triandra in Pommern 1(37—168 

Schulz, Roman. Ueber das Vorkommen von Colchicum autuni- 

nale bei Spandau 168—169 

Schulz, Roman. Ueber einige höhere Pilze 169—171 

Hauchecorne, W. Bericht über forstbotanische Ausflüge und den 

Stand der Arbeiten für das Merkbuch 171 

Sabalitschka, Th. Ueber das Vorkommen der männlichen FAodea 

densa in Deutschland 171—173 

Winkelmann, J. Ueber den Nährwert der Pilze ...... 173—174 

Sabalitschka, Th. Ueber den Nährwert der Pilze 174—175 

Geisenheyner, L. Ueber krausblättrige Akazien 175—176 



Inhalt. 

Seite 
Loesener, Th, Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäfts- 
jahre 177—198 

Loesener, Th. Bespricht die Arbeit von Dr. H. Foerster über 
die Stechpalme und schließt eigene Bemerkungen über die 

Biologie der Pflanze an 177 — 178 

Duysen, Fr. Legt Cyttaria vor 179 

Lauche, R. Berichtet über Pflanzenfunde in der Oberlausitz, 

besonders über Gallen 179 

Harms, H. Spricht über Mittel und Wege zur Förderung der 

Gallenforschung in unserer Provinz 179 — 180 

Harms, H. Bespricht die neueste Arbeit von Rübsaamen über 

E. Ule's Gallenausbeute in Brasilien 180 — 181 

Hillmann, J. Ueber Flechtenfunde . • 181 

Schäfer, H. Ueber die Flora Kameruns 182 

Tessendorff, F. Legt neuere und ältere Literatur vor .... 182 — 183 
DIels, L. Ueber das Vorkommen und die Verwertbarkeit von 

Cornus sanguinea L. und C. mas L; 183 — 184 

Jahn, E. Ueber die Sexualität von Laminaria 184 

Tessendorff, F. Legt Literatur vor 184 — 185 

Jahn, E. Legt Pilz-Literatur vor 185 

Harms, H. Bespricht den Jahrgang 1916 der „Mitteilungen der 

Deutschen Dendrologischen Gesellschaft" 186 — 188 

Jahn, E. Bespricht neuere Arbeiten über Basidiomyceten . . 188 
Jahn, E. Weitere Mitteilungen über die Naturgeschichte der 

Myxobakterien 188 — 189 

Loesener. Th. Ueber Kaffee-Ersatzstoffe 189—190 

Hauchecorne, W. Ueber die Arbeiten am Forstbotanischen 

Merkbuch und einige floristische Beobachtungen in der Mark 190 — 191 
Duysen, Fr. Ueber die Pilz-Werke von H. Schnegg. ... 191 
Harms, H. Bespricht drei Werke von S. Killermann . . . 191—196 
Wittmack, L. Ueber seine eigenen Arbeiten betreffend die Ein- 
führungsgeschichte einiger Zierpflanzen 196 

Harms, H. Legt Gallen aus Mecklenburg vor 197—198 

Jahn, E. Bespricht neuere Pilz-Literatur 198 



NEW YöRi^ 



Georg Volkens. 

Nachruf von ihm selbst verfaßt. 
(Mit einem Bildnis.) 

Georg- Ludwig August Volkens wurde am 13. Juli 1855 in 
Berlin geboren^). Sein Vater, der aus Heide in Holstein, dem 
Stammsitz der Familie, gebürtige Klempnermeister Hans Jacob 
Volkens, starb schon im September desselben Jahres an der Cholera: 
seine Mutter Auguste geb. Lubrich verheiratete sich später wieder 
mit dem Klempnei-meister Adolf Koeppe, der für die Erziehung 
seiner beiden Stiefsöhne alles tat, was in seinen Kräften stand. 
V. besuchte anfangs die Kgl. Seminarschule, dann das Dorotheen- 
städtische Realgj^mnasium seiner Vaterstadt und bestand Ostern 1875 
das Abiturienten-Examen. Einer schon früh erwachten Neigung 
folgend, studierte er Naturwissenschaften, insbesondere Botanik, erst 
in Berlin, dann in Würzburg, zuletzt wieder in Berlin. Alexander 
Braun und Julius Sachs waren die Lehrer, denen er eine besondere 
Förderung verdankte. Nach Absolvierung des Militärjahres bereitete 
er sich für das Oberlehrer-Examen vor, beschloß aber, als sein Stief- 

') Am 27. Juli 1915 übergab mir Volkens ein an den Vorstand des Bot. 
Vereins der Provinz Brandenburg gerichtetes Schriftstück in geschlossenem 
Umschlag mit der Bestimmung, daß es nach seinem Tode zu öffnen sei. Es 
stellte sich heraus, daß in dem Umschlage ein vollständiger, von ihm selbst 
verfaßter Nachruf vorhanden war, der hiermit zum Abdruck gelangt, ganz in 
der Weise, wie er ihn geschrieben hat; es bedurfte nur der Einfügung des 
Todestages und einiger kleiner redaktioneller Aenderungcn. Auch ein fast 
vollständiges Schriftenverzeichnis war beigefügt. Da jedoch dieses manche 
bibliographischen Mängel hatte, so habe ich es noch einmal genau durchgesehen 
und ergänzt. Die im Text eingefügten Nummern beziehen sich auf das Schriften- 
verzeichnis. Am Schlüsse des Nachrufes habe ich einige Anmerkungen bei- 
gefügt, die zur Erläuterung einiger Stellen beitragen werden. Herrn Geh. Rat 
Professor Dr. A. Brauer sowie unseren Mitgliedern Herren Jahn und Rein- 
hardt spreche ich auch an dieser Stelle besten Dank für Hilfe in der Ermittelung 
der Literatur aus. — H. Harms. 

Verhaiidl. des Bot. Vereins f. Erandenb. LIX. -j 



Georg Volkens. 

vater 1882 starb, das Studium der Botanik wieder aufzuiielimen und 
sich ganz diesem Fach zu widmen. Nicht wenig trug zu diesem 
P]ntschlusse bei, daß so ausgezeichnete Lehrer wie Eich 1er und 
Schwendener nach Berlin berufen worden waren. Im neu ein- 
gerichteten Institut des letzteren, der ilui besonders anzog und für 
seine weitere wissenschaftliche Richtung ausschlaggebend wurde, 
fertigte er seine Arbeit (Nr. 1) „lieber liquide Wasserausscheidung 
an den' Blättern höherer Pflanzen" an, mit der er im Herbste 1882 
an der Berliner Universität promovierte. Ebenfalls noch nnter 
Schwendeners Leitung entstanden die beiden folgenden Mitteilungen 
(Nr. 2 u. 3): „Zur Kenntnis der Beziehungen zwischen Standort und 
anatomischem Bau der Yegetationsorgane" und „Die Kalkdrüsen der 
Plumbagineen''. 

Schon als Knabe war er von dem brennenden Wunsche erfüllt 
gewesen, ferne Länder zu schauen, und ganz besonders hatten die 
Reisewerke eines Barth, Overweg, Livingstone, später eines 
Schweinfurth, Nachtigall u. a. sein Interesse für iVfrika erweckt. 
Da grilf er denn eine gelegentlich im Botanischen Institut gefallene 
Bemerkung Schwendeners: man müsse die Beziehungen zwischen 
Standort und Bau der Pflanzen in einem Lande mit möglichst 
extremen klimatischen Werten studieren, sofort auf und kam seinem 
Lehrer mit dem längst wohl vorbereiteten Vorschlage, ihm von der 
Akademie der Wissenschaften Mittel für eine Reise in die ägyptisch- 
arabische Wüste zu erwirken. Schwendener sagte zu, die Akademie 
bewilligte 5000 Mk, und so begab sich denn V. im Herbst 1884 für 
etwa 10 Monate nach Aegypten. Die Frucht seines Aufenthalts 
daselbst war das mit 18 Tafeln ausgestattete Werk (Nr. 4): „Die 
Flora der ägyptisch-arabischen Wüste, auf Grundlage anatomisch- 
physiologischer Forschungen dargestellt". Das Buch hat Erfolg 
gehabt, es rief eine ganze Literatur hervor und trug mit dazu bei, 
eine besondere Disziplin der Botanik, die Oekologie der Gewächse, 
zu begründen und auszugestalten. 

Nach Abschluß des Werkes bewarb sich V. um die venia legendi 
bei der Berliner Universität und erhielt sie zu Beginn des Winter- 
semesters 1887. Genötigt seinen Lebensunterhalt selbst zu erwerben, 
hatte er schon vorher nach einer Stellung Umschau gehalten, die ihm 
bei einem bescheidenen Gehalte die Möglichkeit bot, neben der Aus- 
übung seiner akademischen Lehrtätigkeit weiter wissenschaftlich 
arbeiten zu können. Aber alles Suchen und Bewerben hatte bei 
dem damaligen Ueberfluß an jungen Botanikern keinen Erfolg. Als 
nach dem Tode Eichlers A. Engler nach Berlin kam, wurde V. 



Georg Volkens. o 

\'on (liesein das Anerbieten g-eniaelit. Ijeini Fxjtanisclien .Mnseiun zn- 
nächst als unbezahlter Volontär einzutreten. Y. tat dies und ging' 
gleichzeitig die Verpflichtung' ein, seine Qualifikation zum Systematiker 
dadurch zu erweisen, daß er die Che)iopodiaceae und Basellacme 
(Nr. 8 u. 9) für die eben in Angritf genommenen „Natürlichen Pflanzen- 
familien" zur Bearbeitung übernalim. Er kam der Verpflichtung 
nach, aber die erhoifte x\nstellung' blieb aus. . V. kehrte nach zwei 
Jahren zum Seh wen den er sehen Institut zurück und vollendete hier 
seine Mitteilung (Nr. 7): ..Ueber Pflanzen mit lackierten Blättern". 
Das Material dazu war ihm bei den Orduungsarbeiten zugeflossen^ 
die er für das Botanische Museum hatte leisten müssen. Das Privat- 
dozenten-Stipendium, das ihm 1889 verliehen worden war, half ihm 
in den nächsten Jahren über die Nöte dos Lebens hinweg. 

Im Winter 1891/92 unterbreitete er seinem Lehrer Schwendener 
den Plan, eine Eeise nach dem Kilimandscharo zu unternehmen. Es 
war ihm der Gedanke gekommen, daß man an einem Berge, dessen 
Fuß ausgesprochene Tropanvegetation zeigt und der mit seinem 
(xipfel bis in die Eegionen ewigen Eises hineinreicht, den Einfluß 
des Wärmefaktors auf den Bau der Pflanzen wäirde in ähnlicher 
AVeise studieren können, wie den Einfluß großer Trockenheit des 
Bodens und der Luft in der Wüste. Der Plan kam zur Ausführung, 
allerdings nicht ganz so, wie beabsichtigt war. Da die Mittel, welche 
wieder die Kgl. Preußische Akademie der Wissenschaften, und zwar 
aus dem Fonds der Humboldt-Stiftung zur Verfügung stellte, zur 
Durchführung des Unternelimens nicht ausreichten, trat man an die 
Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes heran. Diese erklärte sich 
bereit, die weiteren Kosten zu tragen, wenn das Unternehmen mit 
einem anderen vereint würde, das von der Deutschen Kolonial- 
gesellschaft zur Förderung mehr wirtschaftlicher Zwecke ins Leben 
gerufen worden war. Kriegerische Ereignisse, die am Kilimandscharo 
inzwischen eingetreten waren, verzögerten nicht nur V.'s Ausreise 
nach Ostafrika bis Ende November 1892, sondern zwangen ihn auch 
dazu, nachdem er im März 1893 auf der Militärstation Marangu an- 
gelangt war, von der Verfolgung aller wissenschaftlichen Ziele, um 
derentwillen er die Eeise unternommen hatte, zunächst abzusehen. 
Erst als der aufständische Häuptling Meli von Moschi durch eine 
von der Küste herbeigezogene Militärmacht unter Oberst von Scheele 
im August 1903 besiegt war, konnte er mit seinem Begleiter, dem 
Geologen Dr. Carl Lent, daran denken, die mittlerweile mit diesem 
aus eigenen Kräften errichtete „Wissenschaftliche Kilimandscharo- 
Station in Marangu" zu eröftnen und an die ihm gestellten Aufgaben 

1* 



4- Georg Volkens. 

heranzutreten (Anni. 1). Er überzeugte sich bald, daß der Kiliman- 
dscharo für anatomisch-physiologische Forschungen, wie sie ihm vor- 
geschwebt halten, kein geeignetes Feld bot. Was sich im Bau einer 
Pflanze wiederspiegelt, sind immer nur die Gegensätze von Naß und 
Trocken; andere klimatische Differenzen, die für die verschiedenen 
Höhenlagen eines bis in die Schneeregion ragenden Gebirges bestehen, 
piäg-en den Geweben keinen deutlich erkennbaren Stempel auf. Aus 
der Not eine Tugend machend, wandte sich V. darum botanisch- 
systematischen und pflanzengeographischen Studien zu, bereiste den 
Kilimandscharo während eines 15 monatigen Aufenthalts in allen 
seinen Landschaften, überall eifrig sammelnd und beobachtend, auch 
zoologisch und ethnographisch, um Unterlagen für eine beabsichtigte 
Monographie des Berges zu gewinnen. Als erster gelang es ihm, 
zusammen mit Dr. Lent und dem Kompagnieführer Johannes, ihn 
aucli auf der bis dahin noch unbekannten Nordseite zu begehen und 
an seinem Nordwestabfall bei fast 4000 m Meereshöhe ein großes, 
eigenartig hochalpines Seitenplateau zu entdecken, das Hans Meyer 
l)ei einem späteren erneuten Besuch als Galnmaplateau kartographisch 
festlegte. 

V. verließ das Gebiet, mit dessen botanischer Erforschung sein 
Name für immer verknüpft sein wird, in den letzten Tagen des 
Juni 1894 und war nach kurzem Aufenthalt in Daressalam und 
Zanzibar Anfang September wieder in Berlin. Noch in demselben 
Monat wurde ihm die Nachricht, daß sein auf der Kilimandscharo.- 
Station zurückgebliebener Gefährte Dr. Carl Lent, zusammen mit 
dem Arzt und Zoologen Dr. Kretschmer gelegentlich einer Exkur- 
sion in die Rombo-Landschaften von den Flingeborenen ermordet 
worden war (Anm. 2). Er selbst widmete sich in der Heimat, 
nachdem er eine Periode schwerer und wiederholter Malaria-Erkran- 
kungen überwunden hatte, der Niederschrift seines Buches (No. 15): 
„Der Kilimandscharo", das 1897 erschien, und das sich von den 
damals noch üblichen rein erzählenden Reisewerken insofern unter- 
schied, als es sich nicht auf die Wiedergabe von „Erlebnissen" be- 
schränkte, sondern in zusammenfassenden Kapiteln eine Naturge- 
schichte des Schneeberges bot, seinen Charakter, sein Klima, seine 
Pflanzen- und Tierwelt, seine menschlichen Bewohner, und die Aus- 
sichten schilderte, die eine Besiedelung der deutschen Kolonial- 
wirtschaft eröffnete. Von den wenigen Fachgelehrten, die vor ihm 
den Kilimandscharo besuchten, war V. ja der erste, der mehr als 
Jahresfrist an seinen Hängen geweilt und ihn in allen Landschaften, 
in allen Höhenlagen kennen gelernt hatte. Natürlich spielt in der 



Georg Volkens. 5 

Darstellung die Vegetation des Berges eine Hauptrolle; die Behand- 
lung seines geologischen Aufbaues tritt zurück, weil dieser ja das 
besondere Studiengebiet des leider so früh dahingerattten Dr. Carl 
Lent gewesen war. Eine Aufzählung der gesammelten Pflanzen, 
die gegen 3000 Arten umfaßten und die dem Berliner Botanischen 
Museum zufielen, gibt V. nicht; er konnte davon absehen, da die 
meisten derselben schon vor Erscheinen seines Buches in dem von 
A. Engler herausgegebenen Werke: ..Die Pflanzenwelt Ostafrikas 
1895" berücksichtigt und, soweit es sich um Neuheiten handelte, 
beschrieben worden waren. 

Es konnte nicht ausbleiben, daß V. nach seiner Rückkehr in 
die Kreise der Eeichshauptstadt gezogen wurde, denen eine Förderung 
kolonialer Interessen besonders am Herzen lag. Er beteiligte sich 
an der Gründung der Abteilung Berlin-Charlottenburg der Deutschen 
Kolonialgesellschaft, wurde in deren Vorstand berufen und hielt in 
zahlreichen Städten Deutschlands Vorträge, die damals auffielen, 
weil in ihnen der nüchterne, die Tatsachen erwägende Naturforscher 
zu Worte kam, nicht wie bis dahin fast ausschließlich der keck die 
Welt erobernde junge Leutnant. Er goß etwas Wasser in den Wein 
derer, die da meinten, man könne aus unseren Kolonien Reichtümer 
herausholen, ohne zuvor Kapital und Arbeit hineingesteckt zu haben. 
Zwei dieser Vorträge, weniger wirtschaftlichen als wissenschaftlichen 
Charakters, sind auch zum Druck gelangt, einer 1895 in den Ver- 
handlungen der Gesellschaft für Erdkunde (No. 11), der andere 1896 
in der Gartenflora (No. 12). Zum Druck kam auch später (1899) 
in der „Festschrift für SchAvendener" ein^^. Abhandlung (No. 24): 
„Ueber die Bestäubung einiger Loranthaceen und Proteaceen, ein 
Beitrag zur Ornithophilie", deren Inhalt auf Beobachtungen zurück- 
geht, die V. am Kilimandscharo gemacht hatte. 

Seine Betätigung auf kolonialem Gebiete führte dazU; daß V. 
1895 den Professortitel erhielt. 1897 zum wissenschaftlichen Hilfs- 
arbeiter, 1898 zum Kustos am Berliner Botanischen Museum ernannt 
wurde. Die Lebensstellung, die er damit nach langen Jahren des 
Harrens als 42jähriger Mann errungen hatte, war eine eigenartige. 
Durch einen zwischen dem Preußischen Kultusministerium und der 
Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes geschlossenen Vertrag war 
am 31. März 1891 die Botanische Zentralstelle für die Kolonien ins 
Leben gerufen worden. Sie sollte in erster Linie das Ziel haben, 
die deutschen Schutzgebiete mit tropischen Nutzgewächsen zu ver- 
sorgen, dann aber auch sollte sie eine Vermittelungsstelle sein, die 
ihre Dienste sowohl den heimischen, wie den überseeischen Behörden 



6 Georg Volkens. 

ZU leisten habe. Es fiel ihr zu, Auskünfte und Gutachten über 
vegetabilische Produkte zu erteilen, das Pflanzungswesen in jeder 
Weise durch Ratschläge zu fördern und nicht zuletzt, alle aus den 
Kolonien eingehenden botanischen Sammlungen wissenschaftlich zu 
bearbeiten. iVuch Gärtuer sollte sie für eine koloniale Wirksamkeit 
vorbereiten, Reisende mit Instruktionen und Sammelgerät versehen 
und das Publikum durch Ausstellungen tropischer Nutzgewächse und 
ihrer Erzeugnisse für koloniale Dinge interessieren. Natürlich 
konnte an all dies nur gedacht werden, wenn die Zentralstelle 
einem Institute angegliedert würde, das durch bereits vorhandene 
Einrichtungen in der Lage war. den gestellten Anforderungen zu 
genügen. Der Berliner Botanische Garten und das Berliner 
Botanische Museum kamen da einzig in Frage, und so erhielt Y., als 
er am 1. April 1898 dem Direktor des Berliner Botanischen Museums 
als Kustos der Zentralstelle untergeordnet wurde, zwar Titel und 
Charakter eines preußischen Beamten, war aber durch Ministerial- 
reskript verpflichtet, seine Dienste ausschließlich Reichsangelegon- 
heiten zu widmen. Er hat es in der Folge immer beklagt, daß 
ihm durch diese Zwitterstellung die Möglichkeit genommen wurde, 
eigenen Ideen zu folgen. Er sollte nur „Handlanger"' sein, und da 
er keine Natur Avar. die sich im Kampfe mit feindlichen Mächten 
um jeden Preis und mit jedem Mittel durchzusetzen wußte, so hat 
ihm die Art, in der er sein Amt auszuüben genötigt war, nie die 
rechte Befriedigung gewährt. Trotzdem bemühte er sich, sein 
Wirken für die wirtschaftliche Entwickelung der deutschen Kolonien, 
die damals erst eigentlich begann, nach Kräften nutzbar zu machen. 
Schon die Bearbeitung der aus den Kolonien eingehenden Pflanzen- 
samralungen allein nahm ausschließlich fast den gesamten Beamten- 
körper des Berliner Botanischen Museums in Anspruch und erfor- 
derte Mittel, die in gar keinem Verhältnis zu den Zuwendungen 
standen, die das Reich dem Preußischen Kultusministerium leistete. 
V.'s Tätigkeit umfaßte die mehr auf die Praxis gerichteten Ziele der 
Zentralstelle. Er unterhielt den schriftlichen A^erkehr einerseits 
mit dem Kolonialamt; anderseits mit den in den Kolonien wirkenden 
Behörden und Privatpersonen, arbeitete die erforderlichen Vorschläge 
und Gutachten aus, beschaffte und verteilte Sämereien und lebende 
Pflanzen all der zahlreichen Nutzgewächse, von denen eine lohnende 
Kultur in diesem oder jenem unserer Schutzgebiete erhofft werden 
konnte. Gerade diese letzte Seite seiner Tätigkeit, die schnell 
einen Erfolg oder Mißerfolg zeitigte, hat ihn mit manchem versöhnt, 
was seine Stellung zu wünschen übrig ließ. In einem Vortrage, 



Georg Yolkens. 7 

den er 1907 in Dresden hielt, und der im Jahresbericht der Ver- 
einigung für angewandte Botanik abgedruckt ist, hat V. eingehend 
geschildert, was die Zentralstelle bis dahin geschaffen und erreicht 
hatte, und man wird ihm wohl zugestehen können, daß ein nicht 
geringer Teil davon auf seine Rechnung zu setzen ist. Zu Gute 
kam ihm, daß in dem M-äile, wie sich unsere Kolonien weiter ent- 
wickelten, in ihnen der tropischen Landwirtschaft dienende Institute 
(Amani, Victoria, Eabaul) gegründet wurden, mit denen ein ersprieß- 
liches Zusammenarbeiten sich ganz von selbst ergab. 

Sein Amt hat V. nicht gehindert, daneben an der Universität 
Vorlesungen zu halten. Große Erfolge waren ihm als Privatdozent 
aber nicht beschieden. Sogenannte ,,Pauk-Kollegien" abzuhalten, 
sagte ihm nicht zu, und für Spezialvoidesungen bot Berlin am Ende 
des vorigen und am Anfange dieses Jahrhundorts keinen günstigen 
Boden, schon darum nicht, weil eine Ueberfülle botanischer Lehrer 
— bis zn 22 — vorhanden war. Die Ordinarien, ob sie nun Lehr- 
talent hatten oder dessen gänzlich ermangelten, litten nicht darunter, 
als Examinatoren wurden sie auf jeden Fall aufgesucht, aber den 
Privatdozenten blühte das Geschäft, vor 2 oder 3, wenn's hoch kam, 
auch mal vor einem halben Dntzend Hörer sprechen zu sollen. 
V., dessen Ankündignngen sich anfänglich auf die verschiedensten 
Themen erstreckten, kam am Ende dazn, sich unbekümmert darum, 
ob die Vorlesung zustande kam oder nicht, auf Kolonialbotanik zu 
beschränken. Daneben leitete er viele Jahre hindnrch in den 
Sommersemestern botanische Exkursionen, die sich eines größeren 
Zuspruches wohl darum erfreuten, weil sie weniger die Mehrung 
floristischer Kenntnisse, als eine Unterweisung im Anstellen 
botanischer Beobachtungen zum Ziele hatten. 

Trotz mangelhafter äußerer Erfolge im Unterricht erhielt V. im 
Herbst 1898 einen Ruf an die Universität Bonn. Die philosophische 
Fakultät derselben hatte ihn an erster Stelle als Ersatz für Schimper 
vorgeschlagen, wohl auf Betreiben Schimpers selbst, der kurz zuvor 
sich für Annahme der in Basel freigewordenen Professur entschieden 
hatte. V. lehnte den Ruf ab, obwohl ihm klar war, daß er sich 
damit die Aussicht, als Universitätslehrer vorwärts zu 'kommen, so 
gut wie abschnitt. Als Berliner zu sehr mit Berliner Verhältnissen 
verwachsen und damals noch in der Hoffnung lebend, sich eine 
selbständige Stellung als Kolonialbotaniker erringen zu können, hatte 
das Extraordinariat in Bonn, wo. der ihm wenig sympathische Stras- 
burger das Ordinariat innehatte, nicht die nötige Zugkraft, ihn der 
Hauptstadt des Reiches untreu werden zu lassen. Die im Jahre 1903 



ö Georg Voikens. 

an ihn herangetretene Anffonlcrung-. in den Jjelirkürper der Künigl. 
Gärtner-Lehranstalt in Dahlem einzutreten, nahm er an. Ohnedies 
mit der Ausbildung der am Botanischen Garten beschäftigten Kolonial- 
anwärter betraut, konnte es ihm nur lieb sein, einen größeren Kreis 
von Gärtnern mit der Theorie des tropischen Landbauos bekannt 
zu machen. 

Die Anstellung als Kustos der Zentralstelle brachte es mit 
sich, daß V. in seinen Veröif'entlichungen fortan andere Bahnen ein- 
schlug, als er vorher gewandelt war. Hatten ihn bis dahin als 
Schüler Schwendeners fast ausschließlich anatomisch-physiologische 
Fragen interessiert, so war es jetzt die angewandte, teilweise auch 
die systematische Botanik, der er seine Feder lieh. Besonders 
schreibselig ist er nicht gewesen. Praktisclie Erfolge, die durch 
seine Bemühungen in Ost- oder Westafrika, in Neu-Guinea oder 
Samoa erzielt wurden, schätzte er liöher als bloße schriftstellerische 
Leistungen. Für diejenige Seite der systematischen Botanik aber, 
die am Berliner Botanisclien Museum besonders gepflegt wurde und 
die ihr Ziel in der Anfertigung einer möglichst langen Eeihe latei- 
nischer Diagnosen sieht, hatte er kein Verständnis. Er war stets 
der Meinung, daß die Forderung einer lateinischen Diagnose das 
meiste zur hh'starrung und Yerknöcherung der Systematik bei- 
getragen liat und nur des wissenschaftlichen Mäntelcliens wegen bei- 
behalten wird. Eine mit Figurenerklärung versehene Abbildung sei 
jeder Beschreibung in A\'orten vorzuziehen, und bei dem jetzigen 
Stande der Reproduktionstechnik sei es auch ein leichtes, allen Inter- 
essenten Kenntnis von der Aufstellung einer neuen Art zu geben. 
das war eine Ansicht, die er mehr als einmal ausgesproclien hat 
(Anm. 3). 

Im Juli 1899, als V. auf lüigen im Sommerurlaub weilte, wurde 
er telegraphisch nach Berlin zurückgerufen. Vier Tage später befand 
er sich auf der Reise nach Genua, um sich nach den Karolinen ein- 
zuschiffen. Diese waren einige .Monate zuvor von den Spaniern 
käuflich erworben worden und nun sollte eine Reihe neuernannter 
Beamten hinausgehen, um den Flaggonwechsel und zugleich die Ein- 
richtung elfter deutschen Verwaltung vorzunehmen. A'. wurde ihnen 
als Reichskommissar mit dem Auftrag beigegeben, die wirtschaft- 
lichen Verhältnisse des damals noch sehr wenig bekannten Insel- 
gebiets zu erkunden und darüber Bericht zu erstatten. Die Reise 
ging zuerst nach Singapore, wo innerhalb 8 Tagen alles eingekauft 
wurde, was zur Ausstattung der drei Bezirksämter in Ponape, Yap 
und Saipan erforderlich erschien. Mit einem eigens gecharterten 



Georg Volkcns. 9 

Dampfer fuhr mau weiter, lief Makassar, Amboiua, die Bauda-Iuselii. 
Friedricli-Willielmshafeu iu Xeu-Guiuea au und gelaugte am 18. Sept. 
uacli Hcrbertshühe auf der Gazelle-Halbinsel. Die weitere Führung 
der Expedition, zu der hier das Kanonenboot ..Jaguar" stieß, über- 
nahm der Gouverneur Deutsch-Xeu-Guiucas, Herr von Beunigsen. 
Während dieser mit den Beamten das gecharterte Schiff; die ..Kudat" 
(Aum. 4), bestieg, ging- V. an Bord des „Jaguar". Nach kurzem 
Aufenthalt auf den Marshall-Inselu gelaugte man am 7. Oktober nach 
Kussai, der (istlichsten Karoliuen-Iusel. vier Tage später nach Ponape, 
deui Hauptsitz der spanischen \'er\valtung, danu nach deu Palaus, 
der westlichsten Gruppe, und endlich am 2. November uach Yap. 
Hier, wie schon in Pouai)e, fanden die Feierlichkeiten des Flaggen- 
wochsels statt, am 17. November auch auf Saipan, womit die Ueber- 
uahme der Karolinen und Marianeu in deutsche Yei-waltuug voU- 
zogeu war. V. kehrte darauf, nachdem er noch die Marianeu-Inselu 
Tiniau und Kota kennen gelernt hatte, an Bord des gecharterten 
Schiffes uach Yap zurück und blieb dort sieben j\[onate. Ein so 
lauger Aufenthalt war nicht beabsichtigt, er war erzwungen, da sich 
keine Möglichkeit des Fortkommens bot. Ein winziges Segelschiff", 
auf dem er iu 42tägiger Fahrt noch einmal uach deu Mariaueu 
und dann uach Yokohama gelaugte, erlöste Y. endlich am 25. Juni 1900 
aus wenig beneidenswerter Lage. Wenu er ja selbstverständlich auch die 
unfi'eiwilligeMuße dazu verwandte, das kleine, den Umfang des Bundes- 
staates Bremen erreichende Eiland uach alleu Eichtungen hin durch 
Anlage botanischer, mineralogischer, zoologischer und ethnographischer 
Sammlungen, durch luetcorologische und auf die wirtschaftlichen 
Yerhältuisse bezügliche Beobachtungen zu erforschen, so war es doch 
ein mißlicher Umstand, daß er sich immer bereit halten mußte, jedes 
fern am Horizont auftauchende Schiff, wenn es iu den Hafen lief, zu 
sofortiger Abreise zu beuutzeu. Er wußte nicht anders, als daß er 
nach zwei, höchstens drei Monaten von einem Kriegsschiff abgeholt 
werden würde. Es blieb aus, weil erst die inzwischen eingetretene 
Erwerbung Samoas, dauu der in China ausgebrochene Boxeraufstand 
seine anderweitige Verwendung erfordert hatte. 

Die an Abenteuern reiche Karoliuenreise ist Y. immer iu an- 
genehmer Erinnerung geblieben, trotzdem sie sein Leben wiederholt 
iu äußerste Gefahr brachte. So machte er im Verlaufe derselben 
zwei schwere Taifune durch, einen, bei dem das Zentrum des Wirbel- 
sturms über das Schiff hinwegging, an Bord des auf ein Korallenriff* 
getriebenen Kanonenbootes „Jaguar" im klippenerfüllteu Hafen von 
Yap, den andern auf dem nur 100 Tonnen bergenden Koprasegler, 



10 Georg Volkens. 

mit dem er nach Japan fiilir. Bei Gelegenheit eines Ausflugs nach 
der Südspitze der Insel Yap kam das Boot, das ihn und den Bezirks- 
amtmaun der Insel trug, zum Kentern, beide trieben auf dem Kiel 
reitend und im Angesicht der Brandung stundenlang umhev; bis Ein- 
geborene, die nur zweimal im Jahre den Weg machen, gerade an 
dem Tage vorüberkamen und die Schiffbrüchigen retteten. 

Als Y. anfangs Oktober 1900 wieder in Berlin eintraf, erfuhr 
er. daß er noch nicht hätte zurückkehren sollen. Telegramme, die 
ihm vorschrieben, nach Buitenzorg auf Java zu reisen, hatten ihn 
nicht erreicht. Zweierlei hatte Veranlassung zu diesem neuen Auf- 
trage gegeben; einmal die Möglichkeit, von dort aus die deutschen 
Schutzgebiete mit einer reichen Auswahl tropischer Nutz- und Zier- 
gewächse versehen zu können, dann der Wunsch, dem im Entstehen 
begriffenen neuen Botanischen Museum in Berlin-Dahlem zu Schau- 
stücken für die in Aussicht genommene koloniale Abteilung zu ver- 
helfen. Gleich wieder abzureisen, konnte sich V. nicht entschließen. 
Sein Antrag, ihm ein Jahr Frist zu geben, wurde bewilligt. Die 
Zwischenzeit benutzte er, um wieder durch Vorträge, von denen eine 
Anzahl auch gedruckt worden sind, Aufklärung über die Karolinen 
und Marianen zu geben, nicht bloß wissenschaftlichen Kreisen, 
sondern mehr noch den in fast allen größeren Städten Deutschlands 
vorhandenen Abteilungen der Deutschen Kolonial- Gesellschaft. Da- 
neben widmete er sich der Bearbeitung seiner mitgebrachten bota- 
nischen Sammlungen und veröffentlichte das Ergebnis in Englers 
Bot. Jahrbüchern unter dem Titel (Nr. 32): „Die Vegetation der 
Karolinen, mit besonderer Berücksichtigung der von Yap". Von 
seinen anderen Sammlungen, die dem Zoologischen Museum, dem 
Museum für Völkerkunde und der Geologischen Landesanstalt in 
Berlin zuflössen, war die ethnographische, die allein mehrere Zimmer 
füllte, an Umfang die bedeutendste; an wissenschaftlichem Wert war 
es vielleicht die verhältnismäßig kleine mineralogische Sammlung 
(Anm. 5), denn aus ihr ergab sich, daß die bis dahin geltende An- 
sicht, die Karolinen seien jung-vulkanischer Natur, fallen gelassen 
werden mußte. Sie sind Eeste eines im Meer versunkenen gewaltigen 
Landkomplexes, der sich weit nach Westen erstreckte. 

Im Spätherbst 1901 wandte sich V. seinem Auftrage gemäß 
nach Buitenzorg auf Java und blieb dort bis zum August des folgenden 
Jahres. Viele Hundei'te von Sendungen, Saat, Zwiebeln, Knollen, 
Rhizome und lebende Pflanzen umfassend, hat er von dort in die 
deutschen Kolonien und an die Zentralstelle in Berlin gelangen 
lassen und dadurch den botanischen Gärten, den Versuchsgärten 



Georg A'olkens. 11 

Stations- und Missioiisgärten iii Ost- luid AVestafrika, Xeii-Guiuea, 
Saraoa und auf den Karolinen die Möglichkeit gegeben, fast alle 
hervorragenderen ökonomischen Gewächse der Tropen zur weiteren 
Kultur und Verbreitung in ihren Bestand aufzunehmen. Vieles mag 
nicht gekeimt haben, vieles später wieder zugrunde gegangen sein, 
aber vieles ist auch geblieben, wie namentlich zahlreiche Palmen 
und Obstarten, blüht, fruchtet und pflanzt sich fort, kommenden 
Geschlechtern zum Nutzen. 

Neben Erledigung seiner praktischen Aufgaben, wozu auch die 
Beschaffung einer aus 27 Frachtkisten von Schauobjekten aller Art 
für das Dahlemer Botanische Museum gehörte, beschäftigte sich V. 
in Buitenzorg mit dem Studium periodischer Lebenserscheinungen 
tropischer Bäume und der Eigenart ihrer Verzweigung. Ueber einen 
Teil der gewonnenen Eesultate sprach er sich bald nach seiner 
Rückkehr, die im September 1902 erfolgte, in einem Vortrage aus, 
der 1903 in der Gartenfl.ora (Xo. 36) abgedruckt wurde. In abge- 
rundeter Darstellung veröffentlichte er seine Beobachtungen erst 1912 
unter dem Titel (No. 49): „Laubfall und Lauberneuerung in den 
Tropen". Jahrelang hatte das fertige Manuskript im Tischkasten 
geruht. Als dann aber die Arbeit von Klebs erschien, die das 
gleiche Thema behandelte, hielt er den Zeitpunkt für gekommen, 
mit seinen abweichenden Schlußfolgerungen hervorzutreten. Was er 
beabsichtigt hatte, trat ein. Die Frage, ob die Periodizität den 
Pflanzen nur von der Umwelt aufgezwungen; oder eine innere, erb- 
liche Eigenschaft sei, wnrde auch von anderen aufgegriffen und 
meist in seinem Sinne beantwortet (Anm. '6). 

Mit der Eeise nach Java war V.'s Streben in die Ferne zur 
Rahe gekommen. Sie hatte ihm ganz besonders Gelegenheit gegeben, 
das tropische Pflanzungswesen kennen zu lernen und damit in den 
Stand gesetzt, den Anforderungen, die an ihn nunmehr wieder als 
Kustos der Botanischen Zentralstelle gestellt wurden, in vollkommenerer 
Weise als zuvor gerecht zu werden. Es erfüllte ihn mit Freude, 
an dem Aufblühen der deutschen Kolonien teilnehmen zu können 
und das Bewußtsein in sich zu tragen, daß auch seine Arbeit in 
bescheidener AVeise dazu helfe, einen Erfolg herbeizuführen. Seine 
Betätigung als akademischer Lehrer trat immer mehr zurück; so 
sehr, daß er sich 1910 entschloß, seine Privatdozentur niederzulegen. 

V. ist Junggeselle geblieben. Als er in der Lage war, einen 
Hausstand zu begründen, hielt er sich für zu alt dazu. So fand er 
die Zeit, sich rege an der Erörterung öffentlicher Angelegenheiten 
zu beteiligen und in Vereinen und Gesellschaften für mannigfaltige 



12 Georg Volkens. 

Bestrebung'eu zu wirken. Er war Mitglied aller vier in Berlin an- 
sässigen der Pflege der Botanik gewidmeten Körperschaften, der 
Gesellschaft für Erdkunde, der asiatischen und der Kolonialgesell- 
schaft, der Gesellschaft naturforschender Freunde, des meteorologi- 
schen Vereins und des akademischen Turnvereins, welch letzterem 
er ganz besonders anhing (Anm. 7). Im Vorstände des Botanischen 
Vereins der Provinz Brandenburg war er viele Jahre hindurch 
tätig, schrieb auch eine Geschichte des Vereins (Xo. 46), als dieser 
sein öOjähriges Bestehen zu feiern sich anschickte. — Im August 1912, 
als er im Urlaub weilte, stellten sich ganz unvermittelt Anzeichen 
einer Arterienverkalkung ein. Seitdem kränkelte er, mußte wieder- 
holt in Bädern und Sanatorien Milderung seines Leidens suchen, 
fand sie anch, erlag aber dann doch am 10. Januar 1917 einem 
Herzschlage. 

Berlin, den 5. März 1915. 

Die Erinnerung an Volkens halten wach die Gattungen Volkcn- 
sia 0. Hoffmann (in Engler's Bot. Jahrb. XX. [1894] 219, in Engler's 
Pflanzenwelt Ostafr. C. [1895] 402 t. 45, und in Engler-Prantl, Nat. 
Pflzfam. IV. 5. [1895] 387; Composltae), Yolkensiella H. Wolff (in 
Engler's Bot. Jahrb. XLVIII. [1912] 2ü5; Unibdllferae), Volkensinia 
Schinz (in Vierteljahrsschrift der Naturforsch. Ges. Zürich, Jahrg. 57 
[1912], Heft 3, S. 535; Umtaufung für Keutrosphaera Volkens; 
Amarcmfaceae). Die von G. Lindau (in Englers Bot. Jahrb. XX. 
[1894J 27) aufgestellte Acanthaceen-Grättung Yolkensiophyton gehört 
zu Lepidagathifi. Pflanzenarten sind weit über 100 nach ihm benannt 
worden (Anm. 8). Auch die Benennung einer Anzahl von Käfern, 
Heuschrecken und Mollusken ist mit seinem Namen verknüpft w^orden 
(Anm. 9). 

Anmerkungen zu vorstehendem Nachruf. 

Von H. Harms. 

1. Die Eröffnung der Station wird mitgeteilt im Deutsch. Kolonialblatt IV. 
1893, S. 321 u. 536. Volkens selbst berichtete über die Aussichten 
tropis her Kulturen am Kilimandscharo (Deutsch. Kolonialblatt V. 1894, 
S. 143—144), über seine Reise nach Moschi (ebenda, S. 308—317), über 
die Möglichkeit einer Besiedelung der Landschaft Rombo bezw. Uschiri 
(Deutsch. Kolonialblatt IV. 1893, S. 435—436). — lieber die wissenschaftl. 
Station am Kilimandscharo vergl. Voß. Zeitg. Nr. 93 vom 24. Febr. 1895. 
— Ueber das Kilimandscharogebiet und seine wirtschaftliche Bedeutung 
hielt V. einen Vortrag vor der Abteilung Leipzig der Deutsch. Kolonial- 
gesellsch. (Leipzig. Tageblatt u. Anzeiger Nr. 90, 19. Febr. 1897, 2. Beilage). 



Georg Volkens. 1-^ 

2. Vergl. hierüber Deutsches Kolonialblatt V. 1894, S. 571 u. 622. — Carl 
Lent hat geschrieben: Tagebuch-Berichte der Kilimandjaro- Station; 
herausgegeben von der Deutsch. Koloniaigesellschaft, Heft 1—7 (Berlin 
1894, Carl Heyin ann's Verlag). Ferner: Vorschläge zur Verbesserung der 
Verbindung des Kilimandscharogebiets mit der Küste (Deutsch. Kolonial- 
blatt V. 1894, S. 599, 630, 653). — Ihm, dem Sohn eines Arztes in Soest, 
wurde in Wien eine Gedenktafel in Marmor gesetzt, deren 
goldene Inschrift lautet: „Karl Lent, geboren zu Dortmund am 6. XII- 
1867, Stud. geol. zu Wien 1889 und 1890, fiel als ein Opfer unserer 
Wissenschaft in Rombo-Kerua an der Ostseite des Kilimandscharo am 
25. IX. 1894." Links von der Tafel befindet sich die Photographie des 
jungen Forschers. Prof. Sueß sagte bei der Enthüllung der Tafel in 
seiner Gedenkrede: „Lent war nicht in Oesterreich geboren, doch rechnen 
wir ihn zu den Unsern. Uns alle hier eint die Unermeßlichkeit unserer 
Aufgabe, welche in uns eine gemeinsame geistige Strömung weckt, welche 
uns treibt, die heutigen Grenzen menschlicher Erkenntnis womöglich 
erobernd zu überschreiten und welche für uns ihre höchste Versinnlichung 
findet in den Namen jener Freunde, welche in unbegrenzter Begeisterung 
ihr Leben hingegeben haben für unsere gemeinsame Aufgabe." (Nach 
einem Zeitungsausschnitt.) 

3. Trotz jahrelanger Arbeit am Botanischen Museum und Herbarium hat V. 
niemals Verständnis für die Aufgaben und Ziele der systematischen 
Botanik gezeigt. Daß zu den wichtigsten Aufgaben eines großen 
Herbariums die wissenschaftliche Verwertung der ihm zufließenden 
wertvollen Sammlungen gehört und daß eine solche in zweckentsprechen- 
der Weise durch baldige Veröffentlichung der in ihnen enthaltenen, für 
die Wissenschaft n^iuen Arten geschehen muß, hat er leider nicht erkannt; 
die Fülle des besonders aus den Kolonien zuströmenden Materials fordert 
die Publikation einer großen Reihe von Arbeiten, die hauptsächlich oder 
ausschließlich die Beschreibungen der Neuheiten bringen. Die V. selbst 
durch sein Amt gestellten Aufgaben waren ohne diese Veröffentlichungen, 
in denen sich der große Aufschwung des Berliner Botanischen Museums 
unter der Direktion von Engler und Urban wiederspiegelt, teilweise 
gar nicht zu bewältigen. Die Beschreibungen werden in lateinischer 
Sprache gegeben, nicht, wie V. irrtümlich annimmt, wegen des „wissen- 
schaftlichen Mäntelchens", sondern damit sie allen Völkern verständlicli 
sind. Wer mit botanisch-systematischen Forschungen vertraut ist, weiß, 
daß eine Abbildung durchaus nicht immer, am wenigsten bei vielgestaltigen 
Formenkreisen, zur sicheren Erkennung der Art genügt; auf alle Fälle 
ibt die Vereinigung von Abbildung und genauer Beschreibung stets vor- 
zuziehen, da jene Irrtümer enthalten kann und manche Merkmale nicht 
erkennen lassen kann, die sich in dieser angeben lassen. 

4. Vergl. Bericht des Kaiserlichen Gouverneurs von Bennigsen über seine 
Reise zum Zwecke der Uebernahme des InSelgebietes der Karolinen, 
Palau und Marianen in deutschen Besitz (Deutsch. Kolonialbl. XI. 1900, 
S. 100-112). 

5. Ueber den geologischen Aufbau von Yap sagt W. Sievers (in H. Meyer's 
Deutsch. Kolonialreich IL [1910], 368): „Yap weicht in seinem Aufbau 
völlig von den übrigen hohen Inseln der Karolinen ab, insofern als auf 



14: Georg' Volkens. 

ihm bisher keinerlei vulkanische Gesteine, wohl aber kristalline Schiefer 
nachgewiesen sind, nämlich Strahlsteinschiefer, Amphibolite und Talk- 
schiefer, welch letztere mit den vorerwähnten härteren Gesteinen wechsel- 
lagern. Diese Funde zeigen ebenfalls, daß Jap wahrscheinlich einem 
Kontinent angehört, und zwar Asien." — Die Ausbeute von Volkens 
wurde bearbeitet von Erich Kaiser, Beiträge zur Petrographie und 
Geologie der dentschen Südsee-Inseln (Jahrb. Preuß. Geolog. Landes- 
anstalt XXIV. [1903], S. 91— 122; Alte Gesteine von den Karolinen, in 
Zeitschr. Deutsch. Geolog. Geselfsch. LIV. [1902], 62-63). Kaiser sagt 
a. a. 0. 93: Von M. Fried erich sen (Die Karolinen; Mitt. Geogr. Gesell- 
schaft Hamburg XA^II. 1901; 27 S.) sind die Angaben von Volkens mit den 
früheren Beobachtungen zusammengestellt worden in einer Schrift, in 
der Fr. aus der räumlichen Gesamtanordnung der Inseln und aus den 
Tiefenverhältnissen des die Karolinen umgebenden Meeres zu dem 
Schlüsse kommt, daß die Karolinen ehemals engere Beziehungen zu 
einem alten austral-asiatischen Kontinent besessen haben. — Ueber die 
Ethnographie der Insel vergl. bes. Arno Senfft, Ethnograph. Beiträge 
über die Karolinen-Insel Jap (Petermann's Mitt. [1903], S. 49-64, 83-87). 
6. G. Kleb s, Ueber die Rhytmik in der Entwickelung der Pflanzen; Sitzber. 
Akad. Wiss., Heidelberg, 1911, Abh. 23. — Später veröffentlichte Klebs: 
Ueber die periodisch. Erscheinungen trop. Pflanzen (Biolog. Centralbl. 
XXXII [1912], S. 257; Ueber Wachstum und Ruhe tropischer Baumarten 
(Pringsheim's Jahrb. f. wiss. Bot. LVI. [1915], S. 734). — S. V. Simon, 
Studien über die Periodizität der Lebensprozesse der in dauernd feuchten 
Tropengebieten heimischen Bäume (Pringsheim's Jahrb. LIV. [1914] 71). 
Während Klebs auf Grund seiner Versuche zu der Ueberzeugung 
gelangt war, daß die Periodizität des Pflanzenlebens in den Tropen durch 
die Periodizität des Klimas bestimmt werde, wollte Volkens die Rhytmik 
im Wachstum der tropischen Bäume in einem nahezu gleichmäßigen 
Klima hauptsächlich auf innere Ursachen zurückführen. Simon hat wie 
V. seine Beobachtungen im Garten von Buitenzorg ausgeführt, teilweise 
sogar an denselben Bäumen, und beider Ergebnisse stimmen vielfach 
überein. Beide verlegen im wesentlichen im Gegensatz zu Klebs die 
Ursachen der Periodizität in das Innere der Pflanze. Simon sagt (S. 184): 
Der Wechsel zwischen Wachstum und Ruhe, welchen nach unseren 
Beobachtungen die meisten Baumarten der stets feuchten Tropengebiete 
aufweisen, ist weder allein auf autonome noch allein auf aitionome 
Ursachen zurückzuführen. Es ist vielmehr anzunehmen, daß er durch 
eine Kombination verschiedener innerhalb wie außerhalb der Pflanze 
liegender Faktoren veranlaßt wird. Seine primäre Ursache müssen wir 
nach unseren bisherigen Erfahrungen bei der größeren Zahl der Baum- 
arten in der spezifischen Struktur suchen; denn diese bewirkt es, daß 
die betreffenden Arten ihr Laub resp. ihre Sprosse stoßweise und nicht 
kontinuierlich entwickeln. — Die Anschauungen von Volkens und 
Klebs wurden in folgenden, für die Verschiedenheit der Auffassungen 
beider Autoren sehr lehrreichen Besprechungen einander gegenübergestellt: 
L. Diels in Engler's Bot. Jahrb. XLVIIL 1912, Litt. S. 30-34; L. Jost. 
in Zeitschrift f. Bot. IV. 1912, S. 643—649; Tobler in Naturwiss 
Rundschau XXVIL, No. 42, Okt. 1912, S. 536-540; G. FuHer in Bot. 
Gazette LV. 1913, S. 333. Ferner vergleiche die Ref. im Bot. Centralbl. 



Georg Volkens. 1 ■> 

Bd. 120, 1912, S. 253 (Lakon); Plant World XV., No. 9, Sept. 1912, 
S. 220. Von neueren Arbeiten, die sich mit dem Problem befassen, seien 
noch genannt: 0. Drude, Die Oekologie der Pflanzen (1913); W. Magnus, 
Der physiologische Atavismus unserer Eichen und Buchen (Biol. 
Centralbl. XXXIII. [1913] 309). 

7. In den „Akademischen Turnbundsblättern" (Zeitschrift des Verbandes 
nicht farbentragender Akad. Turnvereine auf deutschen Hochschulen) 
XL 1895/96, S. 19-22, 51—51, 111—114, findet sich ein Aufsatz von 
ihm: „Spiele und Leibesübungen der schwarzen Deutschen". 

8. In Engler's Pflanzenwelt Ostafr. C. (1895) werden über 90 Arten genannt 
oder beschrieben, die nach Volkens benannt sind; zu diesen sind 
später bei genauerer Aufarbeitung des Materials noch einige hinzuge- 
kommen. U. a. wurden folgende neuen Gattungen auf Pflanzen begründet, 
die V. zuerst gesammelt hat: Pseudobromus K. Seh. 1. c. 108 (GraniineaeJ, 
Callopsis Engl. 1. c. 131 (Araceae), Dioscoreophyllum Engl. 1. c. 181 
(Menispermaceaej, Spathionema Taub. 1. c. 224 (Legiiminosae), Spondiopsis 
Engl. 1. c. 243 (Anacardiaceae), Traunia K. Schum. 1. c. 325 (Asdepia- 
daceaej, Lepistemonopsis Dammer 1. c. 331 fConvolvulaceae). 

9. Folgende zoologischen Arbeiten enthalten Beschreibungen von Tieren, 
die V. gesammelt hat: Käfer: H. Kolbe, Ueber die in Afrika gefun- 
denen montanen und subalpinen Gattungen der mit Calosoma verwandten 
Coleopteren (Sitzber. Gesellsch. Naturf. Freunde Berlin, 1895, No. 4, 
S. 50—68; Orinodromm Volkensii Kolbe n. sp., S. 65); Coleopteren aus 
Afrika (Stett. entomol. Zeit. 189-4, S. 361—397); Coleopteren Deutsch- 
Ostafrikas, in Stuhlmann's Deutsch-Ostafrika IV. 1898 (Aufzählung der 
von V. am Kilimandscharo gefundenen Arten). — Schnecken: 
V. Martens, Neue Arten von Landschnecken aus den Gebirgen Ost- 
afrikas (Sitzber. Gesellsch. Naturf. Freunde Berlin, 1895, S. 120—129; Cyclo- 
pliorus Volkensii n. sp., S. 121); in Stuhlmann's Werk (s. oben): S. 157 
Ampullaria Gordonii Volkensii, S. 9 Cyclophorus Volkensii, S. 107 Limi- 
colaria dimidiata Volkensii. — Thiele (in Wissensch. Ergebn. Zentral- 
afrik. Exped. III, S. 197) beschrieb Helicarion Volkensii. 



Nachschrift 

von 
H. Harms. 

Die Pflicht der Dankbarkeit, die wir dem uns so vorzeitig- 
Entrissenen schulden, gebietet es, an dieser Stelle noch einiges über 
seine Tätigkeit in nnserm Verein zu sagen. Sein lebhaftes Interesse 
für das Gedeihen des Vereins spricht sich vor allem in seiner „Ge- 
schichte de.5 Vereins'' (s. oben) aus; der mühevollen und im gewissen 
Sinne undankbaren Aufgabe, unser Vereinsleben während der ersten 
50 Jahre zu schildern, hat er sich seinerzeit mit aller Hingabe 
unterzogen, die eine, solche zeitraubende Arbeit erfordert. Mögen 



It) Georg Volkens. 

auch manche an Einzelheiten der Darstellung etwas auszusetzen 
haben, möge auch mancher gegenüber gewissen wissenschaftlichen 
Fragen einen andern Standpunkt einnehmen als Volkens, so wird 
man doch allerseits zugestehen, daß er die Hauptrichtlinien der Ge- 
schichte vorzüglich getroffen hat und daß die Arbeit in sehr an- 
regender Form geschrieben ist. 

V. trat unserm Verein als junger Student im Jahre 1875 bei; 
er hat ihm also 42 Jahre angehört. Zum Vorsitzenden wurde er 
im Oktober 1897 gewählt, und von da an hat er dieses Amt, teils 
an erster, teils an zweiter oder dritter Stelle bis zum Oktober 1910 
bekleidet. Nach dem Tode unseres langjährigen, damals fast un- 
ersetzlichen Ivassenführers W. Retzdorff (f 29. April 1910) über- 
nahm V. die Geschäfte dieses Amtes, zunächst nur provisorisch; er 
blieb in dieser Stellung nur ein Jahr, da es inzwischen im Jahre 
1911 gelang, in der Person des Ilofrat M. Proppe eine besonders 
geeignete Kraft für das verantwortungsvolle Amt des Kassenwarts 
zu linden. 

In unseren Sitzungen hat V, eine große Reihe von Vorträgen 
gehalten. Vorzugsweise behandelte er Gegenstäitflc, die mit seinem 
Amt als Kolonialbotaniker oder mit seinen Forschungen in den 
Tropen zusammenhingen. So z. B. über ostafrikanische Bohnen 
(XL. 1898, S. CXXVII), über die Blütenbiologie ostafrik. Lorantha- 
ceen (XL. 1898, S. CXXIV), über den Affenbrotbaum (XLL 1899, 
S. LXXVII; vergl. dazu Prometheus XL 1899. No. 523, S. 43), über 
Hakenklimraer und myrmccophile Pflanzen (XLV. 1903, S. XXXIX 
und XLIV), über den Kakaokrebs (XLVIIL 1906, S. XLI); öfter 
zeigte er Objekte aus den Kolonien von allgemeinerem Interesse 
(u. a. eine Parfümwurzel aus Uganda, LH. 1910, S. 45). Von 
größerer Wichtigkeit als diese gelegentlichen I\Iitteilungen und 
Demonstrationen waren seine Reiseberichte (Ueber die Reise nach 
den Karolinen, XLII. 1900, S. XX — XXI; über die Vegetation der 
Karolinen, XLVI. 1904, S. XXXHI — XXXVI; über die der Marianen, 
XLVI. 1904, S. XXVIII; über den Bot Garten in Buitenzorg, 
XLV. 1903, S. XXXVI, XLIX. 1907, S. XXXIX). In den letzten 
Jahren mit seinem Werke über den Laubfall tropischer Bäume be- 
schäftigt, hat er uns einige Male von seinen Forschungen darüber 
berichtet: Ueber den Laubwechsel tropischer Bäume (XLIV. 1902. 
S. XL VIII; L. 1908, S. XLIX); über die Laubknospen tropischer 
Holzgewächse (XLVI. 1904, S. XXVIT); über die biologische Be- 
deutung der Rotfärbung junger Blätter trop. Bäume (LH. 1910. 
S. 40); über die Verzweigung und die damit in Zusammenhang 



I 



Georg Volkens. 1 / 

stehenden liabituellen Eigentümlichkeiten trop. Bänme (LH. 1910. 
S. 4:3). Daneben hat er jedoch, meist im Anschlnß an nenere Er- 
scheinungen der Literatur, auch andere Themen behandelt, die seinem 
eigentlichen Forschungsgebiet ferner lagen, wie z. B. über die Ent- 
wickelung der Lehre von der Transpiration, über den bläulichen 
Glanz von Früchten und Blättern (LIT. 1910, S. 40; im Anschluß 
an die Arbeit Gentner" s in Flora Bd. 99, S. 289). Seinen Vor- 
trägen folgte man gern, denn er fesselte durch klare Darstellung 
und scharfe Fassung der Fragestellung die Aufmerksamkeit der 
Versammlung; beides hatte er in der Schule seines Lehrers 
Schwendener in vollendeter Weise ausbilden gelernt. Er war ein 
Meister des Stils und legte hohen Wert auf ein gutes Deutsch; 
nachlässige Behandlung der Muttersprache war ihm gründlich verhaßt, 
und oft genug tadelte er mangelhafte Satzbildung oder schiefe Aus- 
drucksweise in botanischen Schriften. Mit besonderem Geschick 
widmete er sich der Vorbereitung und Leitung einiger Frühjahrs- 
versammlungen unseres Vereins, deren die Teilnehmer noch gern 
und dankbar sich erinnern werden (wie z. B. der Versammlungen 
in Brandenburg, Lanke, Guben u. a.). Trotz all des schönen und 
viel großartigeren, das er in der Fremde gesehen hatte, behielt er 
seine Liebe zur Heimat und besonders zur märkischen Ijandschaft, 
deren eigenen Reiz er gern pries. Er bekannte sich stets als 
echten Berliner, hervorgegangen aus den Kreisen des Kleinbürger- 
tums; daher zeigte er so warmes Verständnis für die Bedürfnisse 
und Lebensgewohnheiten der sogenannten „kleinen Leute", die dieses 
Wohlwollen dankbar empfanden und ihm Anhänglichkeit bewiesen. 
Die nie wankende Treue, die er zur Heimat und Familie bekundete, 
kam auch in seinem Verhältnis zu Freunden und Amtsgenossen zu 
schönstem Ausdruck. Seinem geraden aufrechten Charakter konnte 
jeder nur Hochachtung entgegenbringen. Im frohen Kreise gleich- 
gesinnter Kollegen hat er manche festliche Stunde durch Scherz- 
Gedichte verschönt, die bei denen, die sie hörten, noch lange 
erheiternd nachklingen werden. Sein Sinn für humorvolle Dar- 
stellung von Reiseerlebnissen zeigte sich in seinen Briefen aus 
Ostafrika (abgedruckt in Alt-Herren-Zeitung des Akad. Turnvereins 
zu Berlin IX. 1893, S. 43, 74; X. 1894, S. 15 und Beilage S. 1, 
36, 65, 91). Durch einen Unstern verfolgt, war es ihm leider nicht 
vergihmt, diejenige Lebensstellung zu erreichen, die seiner Begabung 
am besten entsprochen hätte. Er war durchaus Gelehrter und Dozent, 
und eine Universitätsprofessur wäre die geeignetste Stelle für ihn 
gewesen, an der er seine Fähigkeiten als Forscher, Lehrer und 

Verhandl. des Bot. Vereins f. Brandenb LIX. O 



18 ~ Georg Volkens. 

Redner frei hätte entfalten können. Die abhängige Beamtenstellung', 
die er schließlich verhältnismäßig spät erreicht hatte, sagte ihm 
jedenfalls viel weniger zu, wenn er auch dabei Gelegenheit fand, 
die Erfahrungen, die er in den Kolonien gesammelt hatte, zu 
verwerten. Aus diesem Zwiespalt zwischen Erstrebtem und Er- 
reichtem, zwischen Gaben und Amt stammte jedeufalls das Gefühl 
des Unbefriedigtseins, das nicht selten bei ihm durchbrach, und das 
durch die Ungunst des Schicksals um so mehr genährt wurde, als 
er überhaupt eine zum Pessimismus neigende Natur war, die bei 
allen iVufgaben zunächst die Hemmungen sah und an der Unvoll- 
kommenheit des Erreichbaren leicht Anstoß nahm. Diese Geistes- 
stimmung war nur leider auf dem Gebiete seiner Tätigkeit, die sich 
mit praktischen Fragen der Kolonialbotanik zu befassen hatte, wenig 
günstig, denn da kam es oft darauf an, ohne Eücksicht auf baldige 
sichtbare Erfolge, die in vielen Fällen auch ganz ausbleiben konnten, 
erst einmal zu Versuchen in einer bestimmten Richtung anzuregen. 
Auf der andern Seite bewahrte ihn sein zur Kritik neigender Geist 
vor übertriebenen Hoifnungen und Versprechungen, die auf kolonialem 
Gebiete schon so manches Unheil angerichtet haben. Daß er durcli 
seine Stellung mehr, als ihm lieb war, genötigt wurde, auf Fragen 
der ihm fern liegenden systematischen Botanik einzugehen, war auch 
ungünstig für die Entfaltung seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, 
denn seine Fähigkeiten wiesen ihn auf die Bearbeitung allgemeinerer 
Probleme der Biologie, Anatomie und Physiologie hin. Trotz seines 
scharfen Auges und seiner vortreif liehen Beobachtungsgabe fehlte 
ihm bis zu einem gewissen Grade der Sinn für die Formenmannig- 
faltigkeit der Gewächse und damit für die systematische Kleinarbeit. 
Dies alles und manche anderen mit seinem Amt verknüpften unlieb- 
samen Erfahrungen verbitterten sein Gemüt im Laufe der Jahre 
zuni Leidwesen seiner Freunde, die ihm eine freiere für ihn ange- 
messenere Stellung gegönnt hätten. Da er in den letzten Jahren an 
Herzerkrankungen litt, so wurde er von dem Kriege stark seelisch 
niedergedrückt; in unermüdlicher Tätigkeit im Botanischen Museum, 
wo er sich um die Ordnung der größten Phanerogamenfamilie, der 
Conipositae. besondere Verdienste erwarb, suchte und fand er Ab- 
lenkung von quälender Unruhe und Sorge um die Zukunft unseres 
Vaterlandes und der Kolonien. Mußte ihn doch die Besetzung 
unserer Kolonien und besonders seines geliebten Kilimandscharo 
durch die Feinde besonders schmerzlich berühren! Auf der anderen 
Seite aber gab ihm die Hoffnung, den Sieg des Vaterlandes zu er- 
leben, stets neuen Lebensmut. 



Georg Volkens. 19 

Den Ernst und die Würde der AVissenscliaft bat er stets hoch 
g-ehalten, in einer Zeit, wo so mancher Gelehrte aus Gründen 
schnellen Gelderwerbs oder raschen Vorwärtskommens zu oberfläch- 
lichen Leistungen verführt wird; über solche Art wissenschaftlicher 
Tätigkeit, die niclit um der Sache willen betrieben wird, fällte er 
ein hartes Urteil, wozu er umsomelir berechtigt war, als er im An- 
fange seiner Laufbahn oft schwer mit Sorgen des Lebensunterhalts 
hatte kämpfen müssen. 

Unser Verein wird das Andenken an den gründlichen Forscher, 
dessen gediegene Arbeiten die Botanik in mannigfaltiger Weise ge- 
fördert haben, den um die wirtschaftliche Entwickelung unserer 
Kolonien verdienten Botaniker, den treuen, aufrichtigen Freund von 
uns allen, stets in Ehren halten. 



Schriftenverzeichnis. 

1. Ueber Wasserausscheidung in liiiuider Form an den Blättern 
höherer Pflanzen. Mit 3 Tafeln. Inaug.-Dissert. Friedrich- 
Wilhelms-Univ. Berlin 1882. — Jahrb. Kgl. Botan. Gartens 
Berlin IL 1883, S. 166—209, Taf. IV— VL — Ref. in Botan. 
Centralbl. IIL XIL 1882, S. 393—395 (Potonie). 

2. Zur Kenntnis der Beziehungen zwischen Standort und ana- 
tomischem Bau der Vegetationsorgane. — Ebenda, IIL 1884, 
S. 1—46, Taf. L 

3. Die Kalkdrüsen der Plurabagineen. — Bericht. Deutsch. Botan. 
Gesellsch. IL 1884, S. 334-341, Taf. Vm. 

4. Zur Flora der ägyptisch -arabischen Wüste. Eine vorläufige 
Skizze. — Sitzung'sber. Kgl. Preuß. Akad. Wissensch. Berlin 
1886, Nr. 6, S. 63—82. — Vergl. auch Verh. Bot. Ver. Prov. 
Brandenburg XXVIII. 1886, p. IIL 

5. Die Flora der ägyptisch-arabischen Wüste, auf Grundlage ana- 
tomisch-physiologischer Forschungen dargestellt. Gebr. Born- 
träger, Berlin 1887.-^ 

6. Zu Marioth's Aufsatz: „Ueber die Bedeutung der salzabscheiden- 
den Drüsen der Tamariscineen". — Bericht. Deutsch. Botan. 
Gesellsch. V. 1887, S. 434—436. 



2) Ein kurzer Aleioungsaustausch über den Einfluß des Lichtes auf die 
Verdunstung der Pflanze fand zwischen J. Wies ner und V. statt: J. Wiesner, 
Bemerkung zu einer Schrift des Herrn Volkens (Bot. Ztg. XLV. 1887, Nr. 25^ 
S. 399-402); G. Volkens, Herrn Wiesner zur Antwort (ebenda, Nr. 28, S. 452). 
— H. Harms. 

2* 



20 ^ Georg Volkens. 

7. Ueber PÜauzen mit lackierten Blättern. — Ebenda VIII. 1890. 
S. 120—140, Taf. VIII. 

8. Chenopodiaceae. In Engler-Prantl, Xatürl. Pttanzenfaniil. III. h^. 
1892, S. 36—48; 1893, S. 49-91. 

9. Basellaceae. — Ebenda, S. 124—128. ■ 

10. Eine Besteigung- des Kilimandscharo. Wdhagen n. Klasing's 
Monatshefte VIIL 1893/94, Heft 11 (Juli 1894), S. 578—586. 

11. Exknrsionen am Kilimandjaro. — Verh. Gesellsch. Erdkunde 
Bei-lin. XXII. 1895, Nr. 3, S. 152—173. — Vergl. außerdem: Ein 
Ausflug zum I)sclialla-8ee (Voss. Ztg. 10 — 16. Aug. 1894). 

12. Der Kilimandscharo in seiner Bedeutung für den (Gartenbau. 
— Gartenflora XLV. 1896, S. 2-4, 40-42, 59—63. 

13. Ueber bemerkenswerte Bäume des Kilimandscharo. — Xotizbl. 
Bot. Gart. u. Mus. Berlin I, 1896, S. 129—135. 

14. liiste des plantes recoltees par les Princes Demetre et Nicolas 
Ghika-Oomanesti dans leur voyage au pays des Somalis (zu- 
sammen mit G. Schvveinfiirth). Bucarest 1897. 

15. Der Kilimandscharo. Darstellung der allgemeinen Ergebnisse 
eines 15 monatigen Aufenthalts im Dschaggalande. Mit 11 Voll- 
bildern, 28 Textbilderii und 1 Ivarte. P)erlin, Dietrich Ueimer. 
1897. 

. iQ. Ueber das wohlriechende afrikanische Sandelholz (O^ijris teniii- 
folia Engl.) (zusammen mit A. Engler). — Notizbl. Bot. Gart, 
u. Mus. Berlin I. 1897. S. 269—275. 

17. Zur Frage der Aufforstung in Deutsch-Ostafrika. — Ebenda II. 
1897. S. 12—20. 

18. Identifiziei'ung einiger ostafrikanischer Rinden und Hölzer (zu- 
sammen mit M. Giirke). — Ebenda 11. 1897, S. 20—25. 

19. Bericht über Kultnrversuche in Deutsch-Ostafrika. — Ebenda 
IL 1898, S. 27—51. 

20. Kulturerfolge des Versuchsgartens von Victoria in Kamerun 
mit den von der Hotanischen Zentralstelle in Berlin gelieferten 
Nutzpflanzen. — Ebenda 11. 1898, S. 157—173. 

21. Gummi aus Deutsch-Ostafrika. — Ebenda IL 1898, S. 176—181. 

22. Ueber Gambia-Mahagoni in Ostafrika. — Ebenda IL 1898, 
S. 201—204. 

23. Kulturnachweisungen ostafrikanischer Stationen für das .lahr 
vom 1. .luni 1897 bis 31. ^lai 1898. Nach amtlichen Berichten 
zusammengestellt. — Ebenda IL 1898, S. 219—239. 



Georg Volkens. 21 

24. Ueber die Bestäubung einiger Loranthaceen und Proteaceen. 
lEiu Beitrag zur Ornitliopliilic. — Festschrift füi- Scliwendener 
1899, S. 251—270, Tafel X. 

25. Die cactusartigeu Eupliorbien Ostafrikas. — Notizbl. Bot. (Jart. 
u. Mus. Berlin 11. 1899, S. 262-268. 

26. Neue Nutzpflanzen Ostafrikas. 3. Erytlirupliloeuni guineense 
Don. 1. ('ord.yla africana Lour. — Ebenda 11. 1899, S. 271 
bis 273. 

27. Kulturnotizen ans der Kais. Versuchsstation Kwai in Usambara. 

— Ebenda 11. 1899, S. 368—378. 

28. lieber die Karolineninsel Yap. — Ver. Gesellsch. Erdkunde Berlin 
XXVIIl. 1901, Nr. 1, >s. 62-76, Tafel 1. 

29. Ueber eiue Schildlauskrankheit der Kokospalmen in Togo und 
auf der Karolineninsel Yap. — Notizbl. Bot. (-iart. u. Mus. Berlin 
m. 1901, S. 85—92. 

30. Einige Ergebnisse einer Keise nach den Karolinen und Marianen. 
Verh. Xm. Deutsch, (ieographentages Breslau 1901, 8. 167—179. 

31. Skizzen von einer Beise nach den Karolinen und Marianen. 

— tlartenflora L. 1901, 8. 153—163. — Vergl. auch Verli. Bot. 
Yer. Prov. Brandenburg XLll. 1900, .8. 20—21. 

32. Die Vegetation der Karolinen •''). mit besonderer Berücksichtigung 
der von Yap. — Kngler's Bot. Jahi-b. XXXl. 1901, S. 412—477, 
Tafel XI — XIY. — A^ergl. Demonstration bot. Materialien von 
den Karolinen, in "N'erli. Bot. Ver. Prov. Brandenburg XLVIL 
1905, 8. XXXII. 

33. Bericlit über die Tätigkeit der Botan. Zentralstelle für die 
Kolonien im Jahre 1901. — Notizbl. Bot. Gart. u. Mus. Berlin 
III. 1902, 8. 176—181. (Dieser regelmäßig verfertigte Bericht^) 
ist nur gelegentlich im Notizbl. abgedruckt, sonst findet er sich 
von 1898 — 1911 in der alljährlich dem Reichstag vorgelegten 
Denkschrift über die Entwickeluug der deutschen Schutzgebiete 
in A_frika und der Südsee.) 



*) Diese Studien wurden später fortgesetzt in den „Beiträgen zur Flora 
von Mikronesien. Botanische Ergebnisse der mit Hilfe der Hermann und Elise 
geb. Heckmann-Wentzel- Stiftung ausgeführten Forschungen in Mikronesien, 
verbunden mit der Bearbeitung anderer Sammlungen aus diesem Gebiet. Zu- 
sammengestellt von (j. Volkens". Serie I (in Engler's Bot. Jahrb. LH. 1914, 
S. 1—18). — H. Harms. 

*) Der Bericht ist auch abgedruckt in der Beilage zum Deutschen Kolonial- 
blatt 1897, S. 141; 1898, S. 147; 1899, S. 156; 1902, S. 339; 1903, S. 420; 1904, 
S. 486; 1905, S. 482; 1906, S. 382; 1907, S. 448. 



22 Georg Volkens. 

34. Der Botanische Garten in Buitenzorg imd seine Bedeutung für 
den Plantagenbau auf Java und Sumatra. — Verli. 1. Deutsch. 
Kolonialkongreß 1902, S. 182—193. 

35. Die Flora der Marshall -Inseln. — Xotizhl. Bot. Gart. u. Mus. 
Berlin IV. 1903, 8. 83—91. 

36. Der Laubwechsel tropischer Bäume. — Gartenflora LIT. 1903. 
S. 591—598. 

37. Ucber einige Ivulturerfolge in Togo. — Notizbl. Bot. Gart. u. 
Mus. Berlin IV. 1904, S. 160-168. 

38. Karl Schumann. Ein Nachruf. — Bericht. Deutsch. Bot. Gesellsch. 
XXII. 1904, S. (49)- (52) und Verh. Bot. Ver. Prov. Brandenburg 
XLVI. 1904, 8. LIX— LXII. 

39. Vortrag zu den Lichtbildern der Deutschen Kolonialgesellschaft 
über die Karolinen, Palaus und Marianen. Als Manuskript 
gedruckt von der Deutschen Kolonialgesellschaft, Berlin W. 9; 
1904. 

40. Ueber eine neue Basellacee. Basella panicidata Yolkens. — 
Engler's Bot, Jahrb. XXXVIII. 1905, S. 80—82. 

41. Uebersicht über die wichtigsten Kautschuksorten des Handels 
und die sie erzeugenden Pflanzen. — Verh. 2. Deutsch. Kolonial- 
kongreß 1905, S. 44 — 56. 

42. Die Orchideen des Kilimandscharo. — Orchis, Monatsschr. der 
Deutsch. Gesellschaft für Orchideenkunde. Nr. 2. 1906, S. 11 
bis 12. 

43. Die Botanische Zentralstelle für die Kolonien, ihre Zwecke und 
Ziele. — Jahresbericht der Vereinigung f. angewandte Botanik 
V. 1907, S. 1—18. . 

44. Die Nutzpflanzen Togos ■'). — Notizbl. Bot. Gart. u. Mus. Berlin- 
Dahlem. Appendix XXII. Xr. 1, 2,, 3. 1909-1910, S. 1—119. 

45. Die Nutzhölzer unserer Kolonien. — Koloniale Rundschau 1909, 
Heft 3, S. 163—170. 

46. Die Geschichte des Botanischen Vereins der Provinz Branden- 
burg, 1859—1909. — Verh. Bot. Ver. Prov. Brdbg. LI. 1909, 
S. (l)-(86). 

47. Die land- und forstwirtschaftlichen Versuchsstationen der 
deutschen Kolonien (zusammen mit A. Engler). Cougres Intern. 



") Pflanzennamen der Ewe-Sprache nach V."s Zusammenstellungen finden 
sich in dem Werke: Westermann, Wörterbuch der ?]we-Sprache, Anhang I. — 
H. Ilarms. 



Georg Volkens. 23 

d'AgTonomie Coloniale et Tropicale de ßruxelles. 20. bis 23. Mai 
1910. 16 S. 

48. Die Entwickelung' des auf wisseuschaf tliclier Grundlao^e ruhenden 
landwirtschaftlichen Versuchswesens in den Kolonien. — Verh. 
3. Deutsch. KolonialkongTcß. 1910, S. 60—70. 

49. Laubfall und Lauberneuerung in den Tropen. Berlin, Gebr. 
Bornträger, 1912. — Vergl. auch Verh. Bot. Ver. Prov. Branden- 
burg. L. 1908, S. XLIX.' 

50. Verzeichnis der von Hauptmann Fromm in Deutsch -Ostafrika 
gesammelten Pflanzen. — Mitteil, aus den deutsch. Schutzgeb. 
XXV. 1912, S. 235—238. 

51. Zu welcher Jahreszeit sollen Mangrovebäume zwecks Gewinnung 
der Gerbrinde geschält werden? — Notizbl. Bot. Gart. u. Mus. 
Berlin-Dahlem V. 1913, S. 279—282. 

52. Compositae; in Berichtigungen zu den von R. Muschler in Engl. 
Bot. Jahrb. XLIIL (1909), XLVL (1911), XLIX. (1913) und 
L. Snppl. (1914) veröffentlichten Diagnosen afrikanischer Pflanzen. 
— Engler's Bot. Jahrb. LIIL 1915, S. 367-368. 373—375. 



Achtes Verzeichnis 
zu meinem Exsiccatenwerk „Fungi selecti exsiccati", 
Serien XXIX bis XXXII (Nummern 701 bis 800), nebst 
Beschreibungen neuer Arten und Bemerkungen. 

Von 

Otto Jaap. 

Die Pilze dieser 8. Centurie sind je in 114 Kapseln zur Ver- 
teilung gelang-t. Die Serien 29 und 30 sind im Mai 1915 und die 
Serien 31 und 32 im August 1916 .ausgegeben worden. Ein großer 
Teil der Pilze stammt wieder aus Südeuropa, besonders aus Dal- 
niatien, die meisten aber aus der märkischen Flora. Sie verteilen 
sich auf die Gebiete, wie folgt: aus der Provinz Brandenburg 
Gl Arten, aus Hannover und Hamburg je 1 Art, aus Schleswig- 
Holstein 2, Thüringen 5, Hessen 3. aus der Schweiz und Italien 
je 2. aus Istrien und Montenegro je 1 Art und aus Dalmatien 
32 Arten. Das gesamte Material ist vom Herausgeber selbst einge- 
sammelt worden. 

Allen Herren, die das Exsiccatenwerk fordern halfen, sei auch 
an dieser Stelle herzlich gedankt. 

Peronosporin eae. 

701. Peronospora trifolioruni de B3. in Ann. sc. nat. 4. 
XX, S. 117 (1863). — Auf CoronUla scorpioides (L.) Koch, Scardona 
bei Sebenico in Dalmatien. 

Die Nährpflauze ist neu! Der Pilz war am Fundort auf 
Aeckern zwischen Getreide ziemlich häufig und wurde auch bei 
Spalato und auf der Insel Lesina von mir beobachtet. 

751. Peronospora viciae (Berk.) de By. in Anu. sc. nat. 4. 
XX, S. 112 (1863). — Auf Oruifliojms perpusiUus L. bei Triglitz in 
der Prignitz, Prov. Brandenburg. 



Verzeichnis zu meinem Exsiccatenwerli „Fungi selecti exsiccati" etc. 25 

Diese Nährpflaiize wird in der Bearbeitung" der Phycum3'cetcn 
von A. Fischer in der großen Kryptogamen-Flora von Eabenhorst 
nicht aufgeführt, was de.i Herausgeber veranlaßte, den sonst häufigen 
Pilz in seinem Exsiccatenwerk zu verteilen. Kr kommt bei Triglitz 
auch auf OrnWwpus sativus Brotero vor. Bemerkenswert ist, daß 
die Konidien bei der ausgegebenen Form zuweilen fast kugel- 
förmig sind. 

Protocliscifieae. 

752. Tapht'la hetulae (Fackel) Johans. in Sv. Vet.-Acad. 
ofv^ers. 1885, n. 1, 8. 40. — Auf den Blättern von Betala verrucosa 
Ehrh. bei Triglitz in der l^rignitz. 

Pezizineae. 

753. Acetahula leuco7nelas (Pers.) Bond, in Bull. Soc. 
Myc. Fr. 1, 8. 100 (1885). — Auf lehmigem Sandboden an Weg- 
rändern im Kiefernwald bei Jugenheim an der Bergstraße, Hessen; 
30. TU. 1916. 

702. Acetahula leuconielas (Pers.) Boud. var. Percevalii 
(Berk. et Cooke) Boud. in Hist. et Class. Discom., S. 40 (1907). — 
Auf Lehmboden unter Oelbäumen auf der Halbinsel I^apad bei Ragusa, 
Dalmatien. 

754 a, b. Sclerotinia Curreyana (Berk.) Karst, in Rev. 
mön. Ascom., S. 123 (1885). — Auf dürren, vorjährigen Halmen von 
JuncHS effusus L. mit dem Konidienpilz, IPlacosphaeria junci 
Bubäk bei Triglitz in der Prignitz. 

Diese schöne Art scheint in Deutschland bisher noch nicht 
beobachtet worden zu sein, ist aber bei Triglitz gar nicht selten 
und kommt dort auch auf Juncus conglomeratas L. vor. Placos- 
phaeria junci Bubäk in Ann. myc. 190G, S. 113, Fig. 1—6, gehört 
nach meinen Beobachtungen als Konidienform hierher, ist aber nach 
Professor v. Höhnel in Oesterr. bot. Zeitschr. 1916, S. 104. ein 
längst bekannter Pilz: Sphacelia tenella Sacc; er hat Myrio- 
conititn feneUuni (Sacc.) v. Höhn, zu heißen. Die Sklerotien 
(Sei. rose um Moug.) entwickeln sich alsbald mit dem Konidienpilz 
im basalen Teil der Halme und bringen die Binsen zum Absterben. 
Die gebleichten Pflanzen verraten dann schon im Herbst die An- 
wesenheit des Pilzes, sodaß er leicht aufzufinden ist. 

755. Sclerotinia scirpicola Rehm in Discom., S. 822 (1893). 
— Auf dürren, vorjährigen Halmen von Sclioenoiüectus laciistris (L.) 



26 Otto Jaap: 

Palla mit den Sklerotieii (Sclerotiuni foseuni Kneiif.) und dem 
Konidienpilz 3Iyrioconiuni scirpicoluni (Ferd. et Winge) Syd. 
bei Trigiitz in der Prignitz. 

Ueber den Konidienpilz, durch den sich diese Art ganz be- 
sonders von der vorigen unterscheidet, vergleiche man: Ferdinand- 
sen et Winge, Some Studies on Sclerotinia scirpicola in Biolog. 
Arbeiten, Copenhagen 1911, S. 281—298 und Ann. myc. XI (1913), 
S. 21. — Der Pilz wurde auch in Seen Schleswig-Holsteins wieder- 
holt von mir beobachtet. 

756. Dasysvyplia triglit^iensis Jaap n. sp. — Auf fau- 
lenden Nadeln von P'mus silvestris L. bei Trigiitz in der Prignitz, 
15. X. 1915. 

Beschreibung: Fnichtkörper gesellig, zuweilen gehäuft, 
sitzend, kugelförmig, später fast urnenförmig oder auch flach schüssei- 
förmig, von den Haaren seidig glänzend, wachsartig, 0,2 — 0,4 mm 
breit, außen braun, aus parenchymatischem Gewebe mit fast 
quadratischeil Zellen, die am Rande der Fruchtscheibe verlängert 
sind, und in lange, unseptierte, gelbliche, am Grunde rauhe und ge- 
drehte, oben glatte und spitze Haare auslaufen ; Schläuche zylindrisch- 
keulig, 35 — 40 |j- lang und 3,5 — 4,5 |j. dick, 8sporig; Sporen läng- 
lich, abgerundet, farblos, 5 — 8 [x lang und 1 — 2 \i. dick, mit 2 Oel- 
tropfen, einzellig (ob im Alter mehrzellig?); Paraphysen fädig, 
stumpf, die Schläuche nicht überragend; Jod bläut den Schlauch- 
porus nicht. 

Diese schöne, neue Art findet ihren nächsten Verwandten in 
Dasyscypha spirotricha (Oud.) Rehm, mit der sie darin über- 
einstimmt, daß die Fruchtkörper im trockenen Zustande durch die 
gedrehten Haare fast geschlossen erscheinen. Ob beide Arten in 
dieser Gattung ihre natürliche Stellung haben, erscheint sehr frag- 
lich; vielleicht könnte die Gattung Urceolella Bond, dafür in 
Betracht kommen. Da diese aber nur auf die äußere Form der 
Fruchtkörper gegründet ist, ist sie in dieser Umgrenzung unan- 
nehmbar. 

757. LcichnelUf spadicea (Pers.) Quel. in Enchir. fun^., 
S. 313 (1886). — Auf dürren Zweigen von Salix purjourea L. bei 
Trigiitz in der Prignitz. 

Eine kritische Art! Zu vergleichen ist No. 504 dieser Samm- 
lung und die Bemerkungen dazu in diesen Verhandlungen 1914, S. 78. 

758. LachneUa havhata (Kze.) Fr. in Summa veg. Scand.. 
S. 365 (1849). — An dürren Stämmen und Zweigen von Lonkera 
xylostemn L. im Mühltal bei Jena, Thüringen. 



Verzeichnis zu meinem Exsiccatenwcrk „Fungi selecti exsiccati" etc. "■!( 

759. Lachnuni Winterl (Cooke) Kelim in Disconi.. S. 90Jr 
(1893). — Auf faiüeiideii .Stengeln von Pliragmitcs communis Trin.. 
oft in Gesellscliaft von Tvaclmum controversum (Cooke) Relini 
bei Triglitz in der Prignitz. 

Diese Art ist schon äußerlich durch die mehr oder weniger 
gelbliche Inirbe auf den ersten Blick von Lachnuni contro- 
versum, in deren Gesellschaft sie in der Regel gefunden wird, 
zu unterscheiden; doch ist sie bei weitem nicht so häufig. 

760. Ungulcularla scriipulosa (Karst.) v. Höhn, in Fragm- 
z. Mykol. VI. S. 117 in Sitzungsber. d. K. Akad. d. Wiss. ^^'ien. 
Bd. CXVIII, 1909. — Auf faulenden Stengeln von Buhus idaeus L. 
bei Triglitz in der Prignitz. 

Der Pilz wird vorwiegend auf faulenden Himbeerstengeln an 
feuchten Waldstellcn gefunden, kommt aber auch auf dürren, ent- 
rindeten Baumzweigen vor. So auf Populus. Salix und Äbius bei 
Triglitz, auf Corylns im Sachscnwalde bei Hamburg. 

761. Phialea cJiioiiea (Fr.) Uehm im Discom.. S. 718 (1892). 
— Auf faulenden Nadeln von Piiins s/kestris L. bei Triglitz in der 
Prignitz. 

Das ausgegebene Alaterial zeigt den Pilz in jugendlichen, aber 
auch in völlig entwickelten und überreifen Exemplaren und wird 
dartun, das Helotium abacinum (Fr.) Karst, davon nicht ver- 
schieden ist. 

762. Cyafhicola coronata (Bull.) de Not. in Rett. Discom. 
in Comra. Soc. Critt. Ital. I, 1863, S. 381. — Auf faulenden Stengeln 
von Solidago canadeusis L. bei Triglitz in der Prignitz. 

703a.. b. Helotiuni scutula (Pers.) Karst, in Mycol. fenn. I, 
S. 110 (1871). — Auf faulenden, vorjährigen Stengeln von Solidago 
canadeusis L. (a) und MentJia aqaatica L. (b), bei Ti-iglitz in der 
Prignitz. 

763. Mollisia culniina (Sacc.) Rehm in Ber. d. Bayer. 
Bot. Ges. in München XIV. S. 92 (19U). — Auf faulenden Halmen 
von Phalaris anuidiiiacea L. bei Triglitz in der Prignitz. 

764. Pyrenopexixa eompi'e.ssiila Rehm n. var. inulae 
Jaap. — Auf dürren, voijährigen Stengeln von Inula saJiciiia D. bei 
Triglitz in der Prignitz, 18. VI. 1916. 

Vielleicht erweist sich diese neue Varität als eine selbständige 
Art, die besonders durch größere Sporen und Nährptlanze verschieden 
ist. — Die Schläuche sind fast zylindrisch, stumpf zugespitzt, 
45—55 \i. lang und 7—8 [i dick; die Sporen sind zylindrisch- 



28 Otto Jaap: 

spindelförmig, an den Enden abgerundet, 12—15 \>. lang und 2 bis 
2,5 iJ. dick, einzellig, mit 4 — 8 Oelkörpern; Paraphysen fädig, 2 \>. 
dick; Jod färbt den Schlaucliporus blau. 

765. Orbllia vinosa (Alb. et Schw.) Karst in Mycol. fenn. 
I., S. 101 (1871). — Auf faulenden Zweigen von Salix und Ähms 
glutinosa (L.) Gärtn. in alten, ausgetrockneten Mergelgruben bei 
Triglitz in der Prignitz. 

704. Denncitea alni (Fuckel) ßehm in Discom., S. 252 (1889). 
— Auf dürren Stämmen von Alnus glutinosa (L.) Gärtn. bei Triglitz 
in der Prignitz. 

Phacidiiiieae. 

705. Naemacyclus niveus (Pers.) Fuckel in Symb. myc, 

Naclitr. 2, S. 50 (1873). — Auf abgefallenen Nadeln von Firnis 
Jtalepensis Miller in Ragusa in Dalraatien. 

Auf dem ausgegebenen Material findet sich häufig auch Lopho- 
dermiuin pinastri (Schrad.) Chev. vor. 

76(i. Cryptoniyces maxinius (Fr.) Rehm in Disom., S. 107 
(1888). — Parasitisch auf Salix p^ntandra L. bei Triglitz in der 
Prignitz. 

Das hier verteilte Material zeigt den Pilz, der fast immer in 
unreifem Zustande eingesammelt wird, in schönster Entwickelung! 
Die Schläuche werden bis zu 225 X B5 |j. und die Sporen bis 42 X 22 jj. 
groß; letztere im Alter mit sehr hellgelb-bräunlicher Membran und 
dicht körnigem Inhalt. — Salix pentandra L. scheint als Nährpflanze 
neu zu sein. In Norddeutschland war der Pilz wohl früher noch 
nicht beobachtet worden. Häufig sah ich ihn auf Salix fragilis L. 
im Münchenrodaer Grund bei Jena. In seiner Gesellschaft wächst 
auf den Zweigen gern Scleroderris fuliginosa (Fr.) Karst. Durch 
beide Pilze werden die Weiden oft sehr geschädigt. 

706. Keithia tetrasj^ora (Phill. et Keitli) Sacc. in. Syll. 
fung. X., S. 50 (1892). — Auf lebenden Nadeln von Junipenis oxy- 
cedras L. auf dem Monte Petka bei Ragusa in Dalmatien. 

Die Paraphysen sind an dem ausgegebenen Material farblos 
und oben bis zu 12 \i. keulig-kopfig verdickt. — Scheint bisher nur 
aus England und Korsika bekannt geworden zu sein. Didyraascella 
oxycedri Maire et Sacc. ist derselbe Pilz! 

Hysteriineae 

707. Hypoderfna ericae v. Tubeuf in Bot. Centralbl. 1885, 
S. 15. — Auf Erica verticillata Forsk. auf der Halbinsel liapad bei 
Ragusa in Dalmatien. 



Verzeichnis zu meinem Exsiccatenwerk „Fungi selecti exsiccati" etc. 29 

Der Pilz ist auf dieser neuen Nährpflanze in der Umgegend 
von Ragusa sehr verbreitet. 

767. Hypodernia hederae (Mart.) de Not. in Piren. Isterini, 
S. 36 (1847). — Auf dürren, abgefallenen Blättern von Hedera Jielix 
L. mit dem Konidienpilz Leptostroma exhibens Fuckel bei Jugen- 
heim an der Bergstraße in Hessen. 

Die fSporen des von Fuckel in Symb. myc. S. 258 erwähnten 
Konidienpilzes, der offenbar zu diesem Ascomyceten gehört, sind 
länglich, farblos, einzellig und 5 — 6 X 1 — 1,5 jj. groß. 

J^yren omycetineae. 

768. Nectfia cosniariospora Ces. et de Not. in Schema 
classif. Sfer. in Comra. Soc. Crittog. Ital. I. (1863), S. 179, t. IV, f. 5. — 
Parasitisch auf Polyporus radiatus (Sow.) Fr. var. nodulosus (Fr.) 
Bres. an abgefallenen Aesten von Fagus siluaüca L. im Sachsenwald, 
Schleswig-Holstein. 

708. Myriangiuni Diirlaei Mont. et Berk. in Journ. of 
Bot., 1845, S. 72. — Auf der Rinde lebender Stämme und Zweige 
von Phillyrea latifolia L. in Gesellschaft von Septobasidium 
Michelianum (Oald.) Pat. auf der Halbinsel Lapad bei Ragusa in 
Dalraatien. 

Der Pilz wurde am Fandort auch auf Qaercas ilex beobachtet. 

— Phymatosphaeria abyssinica Pass. und Ph. yunnanensis 
(Pat.) Spez. sind synonym. Man vergleiche übrigens v. Höhnel, 
Fragm. z. Mykol. VI, S. 75 d. Sep., wo der Pilz zu den Dothideales 
gestellt wird, und wo er offenbar besser eingeordnet ist als bei den 
Plectascineen. 

742. Dothiclypeolutn pinastri v. Höhn. n. gen. et sp. — 
Auf lebenden Nadeln von Pinus halejjensis Mill. bei Arbe auf der 
Insel Arbe in Dalmatien, 1. V. 1912. 

Wie mir Herr Professor v. Höhnel nachträglich mitteilt, ist 
dieser Pilz mit Thyriopsis halepensis (Cooke) Theyss. et Syd., 
Die Dothideales in Ann. myc. 1915, p. 369, identisch. 

■ 769. ScirrJiia aspidioruni (Lib.) Bubäk in Ber. d. Deutsch, 
Bot. Ges. XXXIV (1916), S. 328. — Sc. microspora (Niessl) Sacc. 

— Auf dürren Wedelstielen von Athyriiün ßix fenüna (L.) Roth bei 
Triglitz in der Prignitz. 

709. Cuctirhitaria coronlUae (Fr.) Sacc. in Fangi ital., 
taf. 523 (1879). — Auf dürren Zweigen von Coronilla emerus L. bei 
Abbazia in Istrien. 



30 Otto Jaap: 

710a, b. Mycosphaerella filicnm (Desm.) Starb., Ascom. 
Oeland in Bihang- K. Sv. Vet.-Akad. Haiull. XV (1889), S. 9. d. Sep. 
— Auf Aspleuiun adiautiim nujriini L. bei lAig-auo in der Schweiz (a) 
und bei Castelnuovo (Bocclio di (Uittiro) in Dalmatien (b). 

770. Mycospltaerella 2>tf>i('ti/oi'inis (Pers.) Starb, n. var. 
clematldis Jaai). — Auf dürren, vorjährigen Blättern von Clemaüs 
Jnckmanii/ Van Houthc in Trigiitz in der Prignitz, .5. VI. 1916. 

Diese E'orm ist besonders durch größere Sporen verschieden. 
Auf Clemaüs scheint M. punctiforniis bisher nicht beobachtet worden 
zu sein. — Der Pilz bildet im Herbst auf den nocli lebenden Blättern 
dunkle Flecken. Solche Blätter wurden zwischen Drahtnetzen im 
Freien überwintert und erst Anfang Juni waren die Fruchtkörper, 
die auf den Flecken herdenweise beisammen stehen, völlig entwickelt. 
Die Schläuche sind zylindrisch, oben abgerundet und 35 — 60 X 5 — 7 ;). 
groß. Die Sporen sind zweireihig gelagert, länglich- eiförmig oder 
längiich-keulig, an den Enden abgerundet, gleich-zweizeilig, meistens 
etwas eingeschnürt und 8--12 >■ 2,5 — 3,5 n. grolx 

771. 31 i/cosph(( ereil a Llndlana Jaap n. sp. — Auf über- 
winterten Blättern von Tanacetmn r/df/rwc (L.) Beruh, bei Trigiitz 
in der Prignitz, 25. V. 1915. 

Beschreibung: Fruclitkörper gesellig stehend, punktförmig 
klein, schwarz, mehr oder weniger flach kugelförmig, etwa 0,1 mm 
breit, aus schwarzbraunem, parenchymatischem, ziemlich dünnwandigem 
(lewebe: Schläuche in Büscheln ohne Paraphysen, längiich-keulig, 
meist etwas gekrümmt, sitzend, oben breit abgerundet, 38 — 42 [j. 
lang und 8 — 10 |j- dick, 8 sporig; Sporen zwei- bis dreireihig gelagert, 
länglich-spindelförmig oder seltener etwas keulig, 14 — 20 \). lang und 
3,5 — 4- |>. dick, mit einer Scheidewand in der ]\Iitte, zuweilen etwas 
ungleichseitig. 

Die kleinen Fruchtkörper sind mit bloßem Auge kaum sichtbar. 
Sie stehen auf oder neben bleichen Flecken, die von der Ramularia 
tanaceti Lind herrühren. Zweifellos gehört die Konidienform in 
den Fntwickelungskreis der JMycosphaerella. Sie ist in meiner 
Sammlung unter n. 673 von demselben Fandort ausgegeben worden. 
Die mit dem Konidienpilz besetzten Blätter wurden im Herbst ein- 
gesammelt und zwischen Drahtnetzen überwintert. Ende Mai war 
der Schlauchpilz zur Entwickelnng gelangt. — Benannt ist diese 
neue Art zu Ehren des rühmlichst bekannten ]\Iykologen J. l^ind, 
der die Ixamularia-Form zuerst aufgefunden hat. 

263 c, d. 3iif<'0.sph((ei'(Il<t hierdcii (S;u'c. et Ib'iard) .laap 
in Verh. Hot. \'er. Brandenb. 1908. S. 36. — ■ Auf Kipruciiim fridcit- 



\'~ei'zeichnis zu meinem Exsiccatenwerk „Fungi selecti exsiccati" etc. 31 

tatum Fr. mit dem Konidienpilz. Maimilaria hieracii (Bäuml.) 
Jaap, bei Trigiitz in der Priguitz. 

Supplemement 40 (nicht 28) zu dem unter n. 263 ausgegebenen 
Pilz. Der in Kapsel c verteilte Konidienpilz ist schon etwas über- 
reif; es zeigen sich auf den meisten Flecken bereits die jugendlichen 
Perithezien. Aus diesem Material wurde der in Kapsel d ausgegebene 
Schlauchpilz durch Ueberwintern der Blätter zwischen Drahtnetzen 
ei'halten. Mitte Mai waren die Fruchtkörper entwickelt. Der Pilz 
wurde wiederholt auch von mir auf den Stengeln dieser neuen 
Nährpflanze beobachtet. Man vergleiche n. 263 a und b meiner 
Sammlung und die Bemerkung dazu in diesen Verhandlungen 1908, 
S. 36. — Auf den Stengeln des ausgegebenen Materiales findet sich 
auch Leptosphaeria ogilviensis (Berk. et Br.) Ces. und eine 
Phoma-Art mit 1 — 5X2 [j. großen Sporen vor. 

772 a, b, c. Pleospora hevharuni (Pers.) Eabenh. in Kabenhorst- 
Klotsch, Herb. myc. n. 547 (1857). — Auf dürren Stengeln von 
Beicliardia ijicroicles Roth (a), auf Asphodelus fisütlosiis L. (b) und 
auf Stachys salviaefolius Ten. (c), Gravosa bei Eagusa in Dalmatien. 

773. Gnotnonia acerina Starb, in Anteckningar skand. 
Pyren., S. 17, t. I, f. 6 in Bih. K. Svensk. Vet. Akad. Handl. XIV 
(1889). — Auf dürren, vorjährigen Blättern von Acer platanoides L. 
bei Coburg in Thüringen. 

Die Beschi-eibung des in Upsala gesammelten Pilzes paßt mit 
geringen Abweichungen ganz gut zu dem Coburger Pilz, der für 
Deutschland neu zu sein scheint. 

711. Valsa diatrypa Fr. in Summa veg. Scand., S. 411 
(1849). — An dürren Aesteu und Zweigen von Ahms (jluünosa (L.) 
Gaertner bei Trigiitz in der Priguitz. 

712. Valsella polyspo7^a (Nke.) Sacc. in Syll. fung. I, 
S. 162 (1882). — V. pulcherrima (Ellis) Berl. — An dürren 
Zweigen von Populus tremula L. in Gesellschaft von Valsa nivea 
(Pers.) Fr. 

Die Nährpflanze ist wahrscheinlich neu! 

Ustilagifieae. 

713. Vstilago bromivora (Tul.) Fisch, v. Waldh. in Apercu 
syst. Ustil., S. 22 (1877). — Auf Bronms madritensis h. bei Sebenico 
in Dalmatien. 

Die Sporen sind von dieser Nährpflanze ein wenig kleiner, 
7,5 — 9;5 |i. groß und gelbbraun: vielleicht handelt es sich um eine 
biologische Form! 



oJj Otto Jaap: 

714. TJrocystLs anemones (Pers.) Winter in Rabenli., 
Krypt.-Fl., Pilze I, ,S. 123 (1884). — Anf Anemone trifdia L. bei 
Portofino in Ligiirien, Italien, 

Vreäuieae. 

715. Cronai'tiuni rlblcola (Lasch) Dietr. in Archiv, f. 
Xaturk. Liv.-. Esth.- n. Kurland 1859, 8, 261. — Anf Jiibes nignun 
L. bei Triglitz in der Prig-nitz. 

Die Nährpflanze des nach Knltnrversnchen von Kleb ahn hier- 
her gehörenden Periderminm strobi Kleb, ist in Triglitz und 
Umgebung nirgends angepflanzt. Um so bemerkenswerter ist es. 
daß das Cronartium alljährlich sowohl auf wildwachsender als auch 
in Gärten kultivierter schwarzer Johannisbeere sehr häufig und 
schädlich auftritt, während daneben stehende Sträucher von Eihes 
ruhrum L. und B. (jrossularia L. pilzfrei bleiben. Und da nun 
auch das Peridermium bisher in der weiteren Umgegend nirgends 
von mir beobachtet wurde, müssen dessen Sporen vom Winde weit 
verbreitet werden können. 

717. Uredo inulae-candklae Trotter in Bull. Soc. bot. 
ital. 1905, S. 249. — Auf Tnnla Candida Cass. bei Lesina auf der 
Insel Lesina in Dalmatien. 

Diese Uredo, die in Süddalmatien häufig ist, gehört jedenfalls 
zu einem Coleosporium, das nach der Meinung des Autors eine 
neue Art sein dürfte. 

324d. Melanipsora Iftricis-daphHoidis Kleb, in Jahrb. 
f. wiss. Bot. XXXIV, S. 35Ü (1900). - III auf Salix daplmoides 
Till, auf der A'eddel bei Hamburg, 1. cl. 

Supplement 41 (nicht 29) zu dem unter n. 324a, 1) und c aus- 
gegebenem Material von Salix acuüfolia Willd. Ueber die von Prof. 
Kleb ahn mit Material von diesem Fundort ausgeführten Kultur- 
versuche vergleiche man Kulturv. VIII in Jahrb. f. wiss. Bot. 
1900, S. 356. 

718. Myalopsora adianfi-capilli-veneris (DC.) Syd. in 
Uredineen n. 1691 (1903). — Auf Adiantum cajnUus veneris L., 
Topla bei Castelnuovo (Bocche di Cattaro) in Dalmatien. 

In Gesellschaft kommt auf dem verteilten Material öfter auch 
Mycosphaerella Rehmiana Jaap vor. 

774a. b. Ifilesina blechni Syd. in Ann. myc. VIII (1910), 
S. 491. — I auf Abirs alba Mill. und .4. cephalonica (Endl.) Loud.. 
n und in auf Bleclmaiu spicant (L.) With. im Klecker Wald bei 
Härburo-. Hannover. 



Verzeichnis zu meinem Exsiccateuwerk „Fimgi selecti exsiccati" etc. 33 

Das in Kapsel a verteilte Aecidium wurde von Kleb ahn aus 
Material von Kapsel b gezogen; es ist daher Ijesonders wertvoll. 
Der Pilz ist neu für das norddeutsche Flachland und war am Fund- 
ort unter Fichten häufig. Er überwintert und verbreitet sich 
besonders durch die Uredosporen. Der Aecidiumwirt war dort nicht 
vorhanden. Ueber die Kulturversuche vergleiche man: Klebahn, 
Kulturv. XVI (1914—1915) in Zeitschr. f. PÜanzenkr. XXVI 
(1916), S. 262. 

719. Milesina Krier/etHana P. Magn. in Ber. d. Deutsch. 
Bot. Ges. XXVII (1909), S. 325. — Auf Aspidium acideaiam (L.) 
Doli bei Castelnuovo (ßocche di Cattaro) in Dalmatien. 

Die Xährpflauze ist neul Besclireibung und Abbildung bei 
P. Magnus, Ber. d. Deutsch. Bot. Ges. XIX (1901), S. 581. 

720. Gifinnosporangimn gracile Pat. in Bull. Soc. Mycol. 
France, XVIII (1902). S. 47. — Auf ■huiiperns oxycedrus L. auf der 
Halbinsel Lapad bei liagusa in Dalmatien. 

Der Pilz ist in Istrien und Dalmatien sehr verbreitet und 
kommt auch auf ■/. macrorarpa Sibtli. et Sm. vor. Er bildet große 
Hexenbesen und perenniert in den sehr verlängerten Zweigen, kann 
daher mit G. clavariaefornie (.Jac(i.) DC. nicht vereinigt werden. 
Man vergleiche auch R. Ma.ire in Bull. Soc. Bot. France (JCVI. — 
G. oxycedri Bres. in Broteria 1903, IL S. 88, dürfte kaum ver- 
schieden sein. Das Aecidium ist noch unbekannt: vielleicht gehört 
ein Aecidium auf Cratapijus ))ion()rjyna Jac(i., das am Fundort häufig 
ist, dazu. 

721. Ut'omi/ces scirpi (Cast.j Burrill in Bull. Illinois State 
Labor, of Xat. Hist. Peoria 11, 1885. — U. lineolatus (Desm.) 
Schroet. — Das Aecidium auf Oenanthe pimpineUoides L., Igalo bei 
Castelnuovo (Bocche di Cattaro) in Dalmatien. 

Die Xährpflauze wächst am Fundort unmittelbar neben und 
zwischen Scirpus mariümus L., auf dem bereits jugendliche Uredo- 
lagcr vorhanden waren. 

722. Vroniyces lilil (Link) Fuckel in Symb. myc. Xachtr. IIP 
S. 16 (1877). — Das Aecidium auf Fritillaria neglecta Pari, bei 
Cetinje in Montenegro. 

Die Xährpflanze ist neu! Der Pilz war in Eichengehölzen, 
namentlich südlich von Cetinje, reichlich vorhanden. 

775. Vroniyces amMguus (DC.) Lev. in Ann. sc. nat. 3, 
VIII (1847), S. 375. — Auf AJUum srorodoprasnm L. im München- 
rodaer G-rund bei Jena. Thüringen. 

Abhandl. des Bot. Vereins . Brandenb. LIX. g 



34 Otto Jaap: 

J. Lind hat in Ann. niyc. XIII (1915). S. 13. für diese Art 
den neuen Namen Fuccinia scorodoprasi I^ind in Vorschlag- 
gebracht. Bei dem vorliegenden Material aber kommen zweizeilige 
Teleutosporen nur äußerst selten vor; ich sah bei der Untersuchung 
nur eine einzige: deshalb belasse ich es vorläufig bei der alten 
Bezeichnung. 

776. Vromyce.s ervi (Wallr.) Westend, in Bull. Acad. 
Belg. XXI, II (1854), S. 246. - Auf Ykia hirsuta (L.) Koch bei 
Triglitz in der Prignitz. 

Das hier verteilte 3Iaterial ist dadurch bemerkenswert, dalJ 
sich gleichzeitig mit den Teleutosporen auch die Aecidien vorfinden. 

777. JPuccinia vulpinae Schroeter in liabenh.^ Fiingi eur., 
n. 1886 (1874). — II und III auf Cnrex vidpina L. bei Triglitz in 
der Prignitz. 

Das zugehörige, auf Tiuiacetum valf/are (L.) Bernh. wachsende 
Aecidium wurde bisher bei Triglitz nicht beobachtet. 

723. Puccinia agropyrl Ell. et I-Cv. in Journ. of Mycol. VII 
(1892), S. 131._ — Das Aecidium (Aec. clematidis DC.) auf Clematis 
vitalba L., Topla bei Gastelnuovo (a). und auf Clematis fiammula L., 
Scardona bei Sebenico (b) in Dalmatien. 

724. Piiccinia laguri Jaap in Ann. Myc. XIV (1916), S. 23. 
— Auf Lüfjarm oi-atus bei Sebenico in Dalmatien, 1. VL 1914. 

'Es ist eine Eorm der alten P. rubigo vera (DC.) Wint. Da 
diese „Art" aber -keine Berechtigung mehr hat, nachdem sich ver- 
schiedene Formen als selbständig erwiesen haben, so wurde auch 
die vorliegende unter einem neuen Namen ausgegeben. Kultur- 
versuche müssen das weitere entscheiden, da die morphologischen 
Unterschiede nur sehr gering sind. 

725. Piicclnia deniinuta Vleugel in Sv. Bot. Tidskr. II. 
1908, S. 318. — Auf OaUum palastre L. bei Triglitz in der Prignitz. 

Man vergleiche über diese Art die Ausführungen Klebahns 
in Kryptogamenfl. Brandenb., Pilze, Va, S. 566. 

726. Pucclnia Barheyi (lioum.) P. Magnus in Bot. Zeit. 
1883, S. 115. — I auf Asphodelus fisüdosus L., Gravosa bei Eagusa 
in Dalmatien. 

Häufig findet man auf dem Aecidium des verteilten Materials 
Tuberculina persicina (Ditm.) Sacc. vor. 

727. Piiccinia soncJil Rab. in Desm., Ann. sc. nat. 3. XI 
(1849). S. 274. — Auf S'nnrlms ohrdceus U. bei Portofino in Ligurien, 
Italien. 



Verzeichnis zu meinem Exsiccatenwerk „Füng:i selecti exsiccati" etc. 35 

629b, JPuccinia hyoserkUs-radiatae E. 3Iaire in Bull. 
Soc. JNJycol. France 1905, S. 220. — Auf Hyoseris radiata L. bei 
Lesina auf der Insel Lesina in Dalmatien. häutig-. 

Supplement tl:2 (nicht 30) zu dem unter n. 629 ausgegeljenen 
Pilz von Sesti'i Levante in Italien. 

272b. Puccinia PozMi Semadeni in Centralbl. f. Bact., 2. Abt., 
1904-, S. 532. — Auf Chaeroplnjllum Jursutiuii L. bei Saas-Fee in der 
Schweiz bei ca. 1750 m. 

Supplement 4-3 (nicht 31) zu dem unter n. 272 aus dem Grüdner 
Tal in Südtirol ausgegebenen Pilz. 

728. AecidUitii enjjhorbiae Gmelin in Linne, Syst. nat. IL 
S. 1473 (174-0). — Aut Eupliorhia Wu/fcnii Hoppe, (iravosa bei 
Kagusa in Dalmatien. 

Der Pilz ist auf dieser neuen >vährptianze am Fundort häutig 
und oft von Tuberculina befallen; er gehört jedenfalls zu einer 
der dort häutig vorkommenden Ui'omyces-Arten auf Papilionaceen. 

729. Aecidium phillyreae DC. in FL fr. VI, S. 96 (1815). 

— Auf PliUlyrea nwclift \j. und PJi. laüfolia L., Zelenika bei Castel- 
nuovo (Bocclie di Cattaro) in Dalmatien. 

Die Zugehörigkeit dieses Aecidiums ist noch unbekannt. 

716. Iredo phUUßveae Cooke in Fnngi Brit. exs. L n. 592 
(1871). — Auf PhUlijrcd latifoUa L. im Omblatal bei Eagusa in 
Dalmatien. 

Hynienomycetineae. 

778. Cyphella villosa (Pers.) Karst, in Fungi fenn. exs., 
n. 719 (1868). — Auf dürren Stengeln von Äster sp. in Triglitz in 
der Prignitz. 

122c. Typliula yyrcms (Batsch) Fr. in Syst. myc. I, S. 494- 
(1821). — Auf dürren Blättei-n von Salir puiyurea L. bei Triglitz 
in der Prignitz. 

Supplement 44 (nicht 32) zu dem unter n. 122 (nicht 170) 
ausgegebenen Material von Triglitz. 

730. Ciavaria avgillacea Pers. in C'omment . S. 74 (1800). 

— Auf Heideboden zwischen Heidekraut bei Triglitz in der Prignitz. 

731. Ciavaria muscoides L. in Flora suec. n. 1270 (1755). 

— Zwischen Gras auf schattigen Triften und Grasplätzen bei Triglitz 
in der Prignitz. 

779. Hydnum coralloides Scop. in Flora carn. IL S. 472 
(1772). — • An faulenden Stämmen von Fcifjus silratlra L. im Sachsen- 
wald. Schleswig-Holstein. 

3* 



36 Otto Jaap: 

732. Liniaciuni vitelluni (Alb. et Scliw.) Schroet. in Pilze 
Schles. I, S. 532 (1869). — x4.g-ariciis hypotliejus Fr. — Zwischen 
Gras und Moos in der Heide und im Kiefernwald bei Triglitz in 
der Prignitz. 

Daß dieser Pilz erst dann zum Vorschein kommen soll, wenn 
Nachtfröste eingetreten sind, wie öfter behauptet wi'^d, stimmt mit 
meinen Beobachtungen nicht. Als das hier äusgegcibene ]\Iaterial 
eingesammelt wurde, war die Temperatur in keinei^NÄcht unter Null 
gesunken. Der Pilz erscheint ebenso wie andere Art^^'T^ wenn ;;Seine 
Zeit gekommen ist'', ganz gleich, ob es dann schon gefroren hat 
oder niclit. 

733. Hebelonia niesopJiaeuni (Pers.) Sacc. in Syll. fang. V, 
S. 795 (1887). — Zwischen Gras an Weg- und Grabenränderii im 
Kiefernwald bei Triglitz in der Prignitz. 

734. Telainonia heniitriclia Pers. snb Agaricus in Syn. 
fang., S. 206 (1801). — Zwischen Moos unter Birken im Kiefernwald 
bei Triglitz in der Prignitz. 

735. Derrnocyhe seTnisanguinea (Fr.). — Agaricus 
cinnamomeus L. var. sem. Fr. in Syst. myc. I, S. 229 (1821). — 
Zwischen Moos im Kiefernwald bei Triglitz in der Priegnitz. 

Muß als eigene, selbständige Art beurteilt werden. Schöne 
Abbildung in Cooke, lUustr. Brit. Fungi t. -1:79. Vergleicht man 
hiermit die Bilder auf t. 787a, so muß man zu der Ueberzeugung 
gelangen, daß der Pilz mit Dermocybe anthracina (Fr.) nicht 
vereinigt werden kann. 

780. Flartiimila liquii'itiae (Pers.j. — Agaricus Liqui- 
ritiae Pers. in Syn. meth. fang.. S. 306 (1801). — An faulenden 
Aesten und Stümpfen von Pinus süvestris L. im Kiefernwald bei 
Triglitz in der Prignitz. 

781. Entolonia sericeuiu (Bull.) Quel. in Jura, 
S. 119 (1872). — Auf grasigen Triften und Viehweiden bei . yiglitz 
in der Prignitz. 

7b2. Ofiiphalia niatira (Fr.) Gill. in Hymen, l^ '. 290 

(1874). — Auf Kohlenstellen im Kiefernwald bei Triglitz in der 
Prignitz. 

783. Collybia anibusta (Fr.) Quel. in Champ. Vosges, S. 239 
(1872). — Sehr gesellig auf Kohlenstellen im Kiefernwald bei Triglitz 
in der Prignitz. 

Diese wie die vorige wachsen nur auf Kohlen- und Brand: '?Uen 
und sind beide bei Triglitz häufig. In ihrer Gesellschaft finden : ch 



Verzeichnis zu meinem Exsiccatenwcrk „Fungi selecti exsiccati" etc. -i l 

dort öfter: Flammiila carbonaria (Fr.) Quel, Collybia atrata 
(Fr.) Quel., Coprinus Boiulieri Qiiel.. Triclioloma caelatum 
(Fr.) und Rhizina inflata (Schaft'.) Sacc. 

736. Mycena jmlygranvnia (Bull.) Quel. in Champ. Vosg., 
S. 104 (1872). ..— In der Xälie alter Baumstümpfe unter Gebüsch 
und in Hecken J)ei Triglitz in der Prignitz. 

Der Pilzi-i).e^"'Oi:ziigt hier die Stümpfe von Conjlus und Quercus 
und kommt znwilen mit fast glatten Stielen vor. 

Lyeojjeräineae. 

781. i^yeoperdon unibrinuni Pers. in Disp. meth. fang., 
S. 53 (1797) und S^^nopsis,, S. 147. — Zwischen Gras auf schattigen, 
etwas trockenen Viehweiden bei Triglitz in der Prignitz. 

Man vergleiche auch Lloyd, ]\rycol. Notes 1905, S. 209 und 
225; PI. 43 und 58. — Die Sporen sind bei dem verteilten Material 
nur 4—5 jj. groß. 

737. CalvaUa uterifornie (Bull.). — Lycoperdon ut. 
Bull, in Charap., taf. 950, f. 1 (1791). — Zwischen Gras an Weg- und 
Waldrändern bei Triglitz in der Prignitz. 

Da der obere Teil des Peridiums bei der Reife völlig zerfällt, 
muß der Pilz in die Gattung Galvatia versetzt werden. 

Nidulariineae. 

785. JSkJula7'ia confluens Fr. et Nord, in Symb. Gaster. 
S. 3 (1817). — Auf faulendem Holz von Piniis süvestris L. bei Triglitz 
in der Prignitz. 

Fungi inij^erfecti. 

786. PhyUosticta mahoniae Sacc. et Speg. in Michelia I, 
S. 153 (1878). — Auf abgefallenen^ dürren Blättern von Mahoiüa 
aquifolium Niittal in Triglitz in der Prignitz. 

Der Pii^ bildet au lebenden Blättern große Flecken, die sich 
gewöhplkh vom Rande aus verbreiten; er reift dann auf den ab- 
gefal'f^i^^ vertrockneten Blättern, Die Sporen sind sehr verschieden 
in Grö. aid Gestalt, ellipsoidisch, spindelförmig bis kurz zylindrisch, 
6—12 ,>. icUig und 2—4 |j. dick, in der Regel mit zwei großen Oel- 
körpern. Ph. mahoniae (Sacc.) AUesch. dürfte daher mit dem aus- 
gegebenen Pilz identisch sein. 

787. Phoma equiseti (Desm.) Lev. in Ann. sc. nat., 3, V 
(1846), S. 282. — Auf dürren Halmen von Ecjuiseünu pahistre L. bei 
Triglitz in der Prignitz. 

Die Nährptlanze war neu! 



38 Otto J aap: 

788. JPlioma verhascicola (Scliw.) Cooke in Ravenel, Fmij^i 

Amer. exs., r. 141 (1878). — Auf (liirreii. vurjährigen Stengeln von 
Terhascum lycliiütis L. bei Jugenheim an der Bergstraße in Hessen. 

738. Myxofiisicocciini eoryli Died. in Ann. myc. X (1912); 
S. 71. — kwf düi'ren Zweigen von Coryhn^ tuhnloi^a Willd. in Triglitz' 
in der Prignitz. 

Die Nährpflanze ist neu! 

739. Myxofusicoccum Salicis Died. a. a. 0., S. 72. — 

Auf dürren Zweigen von Salir viininalis L. bei Triglitz in der Prignitz. 

740. ConioihyHinn inulae .Jaap in Ann. myc. 191G,. S. 34. 
— Auf alten, voi'jährigen Stengeln von Inuhi Candida Cass. bei Ragusa 
in DalmatieiK 23. III. 1914. 

741. Darluca filinn (Biv-Bernh.) Cast in Oat. plant. IVIars., 
Suppl.,, S. 53 (1851). — Auf Uredo queren^ Brond. an Quercus Hex 
L., Lapad bei Ragusa in Dalmatien. 

789. Diplodia inainillana Fr. in Summa veg. Scand.. 
S. 417 (1849). — - Auf dürren Zweigen von Coruns sanrju/nea L. l)ei 
Triglitz in der Prignitz. 

790. Cytosporina riiM Died. in lvryptog;unenfl. Brandenb., 
IX,, Pilze. S. 549 (1914). — Parasitisch auf lebenden Stengeln von 
Jinhn>^ plicatns W. et N. bei Triglitz in der Prignitz. 

Nachdem ich den Pilz zuerst im April 1906 beobachtet hatte, 
habe ich ihn alljährlich häufig angetrotfen; er wird den Brombeeren 
sehr schädlich, indem er die Stengel zum Abstei'ben bringt. 

743. PlUoeospora rohiniae (Lib.) v. Hfdm. in Ann. myc. 
III (1905). S. 330. — Auf lebenden Blättern von Eoh'mia pseudaca- 
cia L. bei Triglitz in der Prignitz. 

744. Discula quercus -ilicis (Sacc.) v. Höhnel in litt. — 
Auf Quercus ilex L., Lapad bei Ragusa in Dalmatien. 

Blattflecken, Größe und Gestalt der Sporen variieren sehr; 
Phyllosticta ilicicola Pass. • dürfte daher kaum verschieden sein. 

791. Cylindriiini li{:^ulae {JAh.) 'Sslcc. in Rev. niycol. VII, 

S. 160 (1885), Tab. LY, f. 8. — Auf faulenden Blättern von Carex 
liirta L. bei Triglitz in der Prignitz. 

Obwohl diese Form eines neuen Substrates von der Beschrei- 
bung etwas abweicht, möchte ich sie doch hierher ziehen, um keine 
neue Art aufstellen zu müssen. Die Sporen sind 3 — 8 \i lang und 
1—1,5 \i dick und enthalten 2 kleine polare Oelkörper. Der Pilz 
kommt am Fundort auch noch auf anderen Gare.r- Arten sowie auf 
faulendem Stroh vor. 



Verzeichnis zu meinem Exsiccatenwerk „Fungi selectj exsiccati" etc. 39 

745. Ovidario2)sis teucrii Jaap in Ann. myc. XIV (1916), 
S. 4-0. — Auf Teucrium chamaedrys bei Lesina auf der Insel Lesina 
in Dalmatien, 16. 5. 191 4-. 

Gehört vielleiclit als Konidienform zu Erysibe taurica Lev. 

792. Botrytis parasitica Cavara in Atti -Ist. bot. Tritt.. 
Pavia, 2. ser., I, S. 432 (1888). — Anf Tuliim Oesnerlaua L. in 
Triglitz in der Prignitz. 

Dieser sehr schädliche Pilz hat im Laufe einiger .Jahre in 
einem Garten in Triglitz sämtliche Tulpen zerstört; die Zwiebeln 
waren aus Holland bezogen worden. Die Sklerotien fanden sich im 
August auch auf den vertrockneten Blütenstengeln vor. 

793. Botrytis latebricola Jaap in Verh. Bot. Ver. Branden- 
burg 1908, S. 47. — Im Innern faulender Stümpfe von Popnlus 
italica Mönch bei Triglitz in der Prignitz. 

100b. Didyniaria linariae Pass. in Erb. critt. Ital. 
Ser. II, n. 1494 (1885). — Anf Linaria vulgaris Mill. bei Triglitz 
in der Prignitz. 

Supplement 45 (nicht 33) zu dem von der Insel Führ unter 
n. 100 verteilten Pilz. 

746. 3Iycogone cervina Ditm. in Sturm. Deutschi. Fl., 
Pilze I, S. 107 (1817). — Parasitisch auf Älacropodia macropus 
(Pers.) Fuckel bei Triglitz in der Prignitz. 

747. Baniularia frutescens Kab. et Bubäk in Hedwigia 
XLIV, S. 358 (1905). — Auf Sparganium simiüex Huds. bei Triglitz 
in der Prignitz. 

Im Herbst bilden sich auf den von der Ramularia befallenen 
Blättern sehr kleine, schwarze Perithezien, die einer neuen Mycos- 
phaerella anzugehören scheinen, in großer Zahl. Ich ließ solche 
Blätter zwischen Drahtnetzen im Freien überwintern, aber wohl an 
einem etwas zu trockenen Orte, denn die Fruchtkörper gelangten 
nicht zur Reife. Die Nährpflanze ist neu, und Eamularia 
sparganii Lindr. dürfte derselbe Pilz sein. 

794. Baniularia saxifragae Syd. in Mycoth. March.. 
n. 2596 (1889). — Auf lebenden und absterbenden Blättei'u von 
Saxifraga granulata L. bei Triglitz in der Prignitz. 

795. Baniularia anagallidis Lindr. in Act. Soc. Faun, 
et Fl. Fenn., XXIII, n. 3, S. 33 (1902). — Auf Veronica anagallis 
bei Triglitz in der Prignitz. 

796. Baniularia petasitis (Bäumler) Jaap. — E. cervina 
Speg. var. pet. Bäuml. in Verh. Zool.-Bot. Ges. Wien 18.88, S. 715. 
— Auf Petasites officinalis Mönch, Stützerbach bei Ilmenau in Thürin- 
gen bei ca. 600 m. 



40 Otto Jaa]): Verz. zu m. Exsiccatenw. „Fungi selecti exsiccati" etc. 

Der Pilz ist 1)esser als selbstäiiclig-e Form zu beurteilen. Die 
Kouidien sind in der Regel zweizeilig- und bis 25 ;j- lang und 2 — 4r\>. 
dick, seltener drei- oder vierzellig und dann sogar bis 35 i>. lang. 
R. variegata Ell. et HoUw. var. petasitis officinalis AUescli. 
scheint durch längere Konidien abzuweichen: vielleicht ist es aber 
auch derselbe Pilz. 

748. Haniularia senecloni.s (Berk. et Br.) Sacc. in Syll. 
fung. IV, S. 210 (1886). — Auf Seuccio neJmxlensh L. bei Oattaro 
in Dalmatien. 

Die Konidien sind an dem verteilten ^Material z^dindrisch, bis 
30 M lang und 3 — 4 |j- dick und ein- bis zweizeilig. Auf dieser 
neuen Nährpflanze ist der Pilz auch aus IMontenegro durch Prof. 
Bubäk bekannt geworden. 

749. C'ercosjyoreUa rannncull Jaap in Ann. myc. XIV 
(1916), S. 41. — Auf RcniiDirul/is murlcafuf^ L. bei Cattaro in 
Dalmatien. 

797. Periconla atva Corda iu Icon. I, S. 19, Fig. 258 
(1837). — Auf faulenden Blättern von Carex riparia Gurt, bei 
Triglitz in der Prignitz. 

798. Helnihithosporlntn Bornniälleri P. Magn., Hed- 
wigia XXXVlir, S. (73), t. 5 (1899). — Parasitisch auf Coronilla 
coronata L. auf dem Veronikaberg bei Martinroda in Thüringen. 

799. Melmiuthosporiuni genistete Fr. in Syst. myc. Ill, 
S. 360 (1832). — An dürren Stämmen von Saroihammis scoparms 
(L.) Wimm. bei Triglitz in der Prignitz. 

800. Sphaeridiuni cnndidum Fuckel in Symb. myc, S. 299 
(1869). — Auf faulenden Nadeln von Pinuf^ silvestris L. iu Gesell- 
schaft von Phialea acuum {AXh. et Schw.) Rehm bei Triglitz in 
der Prignitz. 

Daß dieser Konidienpilz zu Phialea acuum gehören soll, 
erscheint doch sehr fraglich. — Er weicht etwas von der Beschrei- 
bung ab. Die Fruchtlager sind kleiner und kaum gestielt; die 
Konidien 3 — 7X1 jj. groß, länglich oder länglich-spindelförmig bis 
kurz zylindrisch mit 2 kleinen, undeutlichen polaren Oelkörpern. 
Ist mit Cylindrium luzulae (Lib.) Sacc. zu vergleichen. 

750. Fiisariuni gipnnosjjoranc/il Jaap n. sp. in Ann. 
myc. XIV (1916), S. 44. — Parasitisch auf Gymnosporcmg'mm coii- 
fusum Plowr. an Zweigen von Juniperufi plioeiiici^a F. auf der Hall)- 
insel Lapad bei Ragu.sa, 3. III. 1914. 

Es ist die Konidienform von Calonectria gymnosporaugii Jaap. 

Hamburg, im November 1916. 



Heinrich Rottenbach. 

Xacliruf von H. Harms. 

Heinrich Rottenbacli wurde als Sohn des Pfarrers J. Rotten- 
bach am 28. März 1835 zu Xordheim bei JMeining-en geboren, war 
also nur ein Jahr jünger, als unser unvergefslicher Ascherson, mit 
dem er durch viele Jahre befreundet war. Er stammte aus einer 
kinderreichen Familie. Zunächst besuchte er die Schule seines 
Heimatortes und erhielt nebenbei durch seinen Vater Unterricht im 
Lateinischen und anderen höheren Fächern. Dann durchlief er das 
Lehrerseminar zu Hildburghausen und war nach bestandenem Examen 
eine Zeit lang Lehrer an einer Privatanstalt in Dresden, sodann 
Hauslehrer in JMeißen und Wien; während dieser Zeit unterrichtete 
er u. a. auch im Hause des bekannten Dichters Berthold Auer- 
bach.^) Später besuchte er zunächst als Hörer die Universität 
Göttingen, wo damals Grisebach lehrte; nach einem Studium von 
mehreren Semestern bestand er das Abiturientenexamen und einige 
Semester später das Staatsexamen. Nach Ablauf des Probejahres 
an der damaligen Realschule in Meiningen wurde er zuerst wissen- 
schaftlicher Hilfslehrer an der Realschule in Saalfeld, kehrte jedoch 
1871 nach ]\Ieiningen als ordentlicher Lehrer an die dortige Real- 
schule zurück, die später in ein Realgymnasium umgewandelt wurde. 
Am 2. April 1877 wurde er zum Professor ernannt. In Meiningen wirkte 
er an der dortigen Anstalt bis zum Jahre 189.5. Hier entstanden 
seine ersten Vcrötfentlichungen über die Flora der Umgegend von 
Meiningen, die er Jahre hindurch eifrig und erfolgreich erforschte. 
Im Jahre 1895 ließ er sich pensionieren und siedelte im selben 
Jahre nach Heidin über; im Jahre 1901 zog er nach Lichterfelde bei 
Berlin. Unserm Verein trat er 1896 bei; im Jahre 1913 schied er 
wieder aus. Um den sich in Groß-Berlin in Rücksicht auf sein 
hohes Alter immer mehr geltend machenden unerquicklichen Verhält- 
nissen zu entgehen, verzog er im Jahre 1915 nach Eiuhausen bei 
Meiningen. Dort ist er, ohne eigentliche Erkrankung, in hohem 



') Wohl in Dresden, wo Auerbach 1850—59 lebte. 



42 H. Harms: 

Alter am 5. Mai 1917 an Herzscliwäclie gestorben. Im Jahre 1866 
hatte er sich mit Anna Hartmann, der Tociiter des Bäckerei- und 
Konditoreibesitzers in Bad Liebenstein verheiratet. Ans der Ehe 
entsprossen zwei Töchter, von denen die ältere in Bad Liebenstein, 
die jüngere in Berlin-Lichterfelde verheiratet ist. Seine Frau wurde 
ihm am 9. November 1907 durch den Tod entrissen. 

H. Eottenbach hat sich besonders verdient gemacht um die 
Erforschung der Flora von Meiniugen; es war ihm vergönnt, noch 
im Jahre 1906 seine langjährigen Forschungen in diesem Gebiete 
zu einem Gesamtbilde zusammenzufassen. Auch andere Gegenden 
Thüringens hat er floristisch erforscht, und wir finden in der Irmischia 
.und in der Deutsch. Bot. Monatsschrift zahlreiche Berichte über 
botanische Ausflüge. Er wäre wohl berufen gewesen, dank seiner 
vortrefflichen Pflänzenkenntnis und vieljährigen Erfahrung, uns die 
Flora von Thüringen zu schenken, die uns eigentlich aus neuerer 
Zeit noch fehlt. Denn das für seine Zeit vortreifliche Werk von 
H, Schönheit') (Taschenbuch der Flora Thüringens, Rudolstadt 1850; 
Elrgänzender und berichtigender Nachtrag, in Linnaea XXIII [1864 — 65] 
309 — 338; Weitere Nachträge und Verbesserungen, a. a. 0. 751 bis 
753) ist begreiflicherweise schon veraltet undllse's sehr nützliche 
Flora von Mittel-Thüringen (1866; Jahrbücher der Kgl. Akademie 
gemeinnütziger Wissenschaften zu P]rfu]'t, N. F. Heft IV) bietet nur 
eine Aufzählung. Die kleineren Werke (Heinrich Vogel, Fl. von 
Thüringen 1875; L. Möller und B. Graf, Fl. von Thüringen und 
den angrenzenden Gegenden, 1874; beide bei Teubner-Leipzig) wird 
man freilich stets mit Vorteil zu Rate ziehen, sie können aber ein 
ausführliches Werk nur bis zu einem gewissen Grade ersetzen. 

Im Alter von 42 Jahren besuchte er zum erstenmale die Alpen, 
wohin er dann oft wiederkehrte, auch dort unermüdlich sammelnd. 
Mehrere Jahre wählte er als Sommerfrische das so herrlich am 
Fuße der gewaltigen ,.Götterburg" dos Schiern gelegene Bad Ratzes 
in Südtirol bei Seis, wo er mit unseren Mitgliedern, den Herren 
W. Behrendsen und 0. E. Schulz gemeinsam anregende Tage ver- 
lebte. Seitdem er die Alpen besuchte, hat er auch über die dort 



'^) Friedlich Cliristian Heinrich Schönlieit, geb. 18. Sept. 1789 zu Teich- 
röda (zwischen Rudolstadt und Teiche!), gest. 28. April 1870 als Pfarrer in 
Singen bei Stadtilm. Vergl. Oskar Schmidt, Fr- Chr. H. Schönheit, Ein 
Lebensbild des Thüringer Floristen zur Säkularfeier seines Geburtstages 
(Mitteil. Geogr. Ges. Jena VIÜ. Heft 3/4 (1890), S. 46). — Das ältere 12 bändige 
Bilderwerk von J. K. Zenker und E. Schenli (Flora von Thüringen und der 
angrenzenden Provinzen, 1836—48; Pritzel n. 10470) ist in Bibliotheken 
sehr selten. 



Nachruf auf Heinrich Rottenbach. 43 

von ihm durclistreiften Gegenden eine Reihe kleiner Mitteilnngen 
veröffentlicht, z. B. über die Flora von Eatzes^), von Gastein, vom 
Achensee iisw. 

Langjährige Freundschaft verknüpfte ihn mit August Garcke, 
dem er in den Bericht. Deutsch. Bot. Gesellschaft 1904 einen warm 
gehaltenen Nachruf widmete. An der 18. und 19. Auflage von 
Garcke's Flora hat er eifrig mitgewirkt; denn es heißt z. B. in 
dem Vorwort der 19. Aufl. von 1903, S. IV: „Zu ganz besonderem 
Dank ist er (der Verf.) aber seinem Freunde, Prof. Rottenbach-Groß- 
Lichterfelde. verpflichtet, welcher ihm sowohl bei der Redaktion als 
bei den Korrekturen in zuvorkommendster Weise behilflich war." 

Unser Verein schnldet dem alten, ehrwürdigen und freund- 
lichen Herrn, an den sich gewiß noch viele Mitglieder erinnern 
werden, noch ganz besonderen Dank für die sorgfältigen Berichte? 
die er von 1896 bis 1901 über nnsere Sitzungen in der Deutschen 
Botanischen Monatsschrift, Bd. XV — XXII, veröffentlichte. Der erste 
Bericht betrifft die Sitzung vom 11. Okt. 1896 (a. a. 0. XV [1897] 27); 
der letzte die Sitzung vom 8. Januar 1901 (a. a. 0. XXII [1904] 28). 
Unsere Versammlungen und Ausflüge besuchte er mit großer Regel- 
mäßigkeit: erst die Beschwerden des zunehmenden Alters hielten 
ihn mehr und mehr den Sitzungen fern. Wir werden sein Andenken 
stets in Ehren halten. 

Die -vorstehenden Angaben über den Lebensgang des Verstor- 
benen verdanke ich hauptsächlich der Tochter von Prof. Rottenbach, 
Frau Clara Schmidt in Berlin-Lichterfelde, die die Güte hatte, 
sie in einem Briefe an Herrn 0. E. Schulz mitzuteilen; Herr 
Schulz, der viele Jahre mit Rottenbach befreundet war, hat mir 
außerdem noch einige Mitteilungen nach pei'sönlichen Erinnerungen 
gemacht. Frau Gl. Schmidt und Herrn 0. E. Schulz spreche ich 
auch an dieser Stelle besten Dank aus. 



Schriftenverzeichnis von H. Rottenbach. 

Zur Flora Thüringens, insbesondere des Meininger Landes. 1. Beitrag: 
Polypetale Dicotyledonen mit h^^pogynischer Insertion. — 
Abdruck aus dem Programm der Realschule in Meiningen. 
1872. 29 S. 

2. Beitrag: Polypetale Dicotyled. mit perigynischer und epigynischer 
Insertion. — a. a. 0., Progr. 1877 (No. 570). 32 S. 



^) Vergl. auch P. Junge, Beitrag zur Kenntnis der Fl. der Umgeb. von 
Ratzes (Deutsch. Bot. Monatsschr. XXI. [1903] 19). 



44 H. Haims: 

3. Beitrag-: CaprifoUaceen, Rabiaceeii. Valerianaceeii. Dipsaceeu uiul 

Compositeen. — a. a. 0.. Progr. 1880 (Xo. 594). 22 S. 
Notizen zur Flora Tliüringoiis. — Yerh. Bot. Ver. Prov. Brauden- 
biirg XX. 1878, S. 101—102. — Vcrgl. auch F. Thomas, 
a. a. 0., XXL 1879. S. IGO (seltenere Pflz. ans der Flora von 
Meiningen). 

4. Beitrag: Campannlaceen, Ericaceen, Oleaceen. Asclepiadaceen, 

Apocj'naceen, (lentianaceen, Polemoniaceen, Convolvnlaceen und 
Boraginacoen. — a. a. 0. Progr. 1882. 11 S. 

5. Beitrag: Solanaceen, Scrofnlariaceen, Labiaten, Verbenaceen, 

Lentibnlariaceen, Primnlaceen, Globnlariaceen, Plnmbaginaceen 
nnd Plantaginaceen. — a. a. 0. Progr. 1883. 17 S. 

6. Beitrag: x\petale Dikotylen. Hydrocharitaceen, Alismaceen, Bnto- 

maceen, Jnncaginaceen, Potaraeen, Lemnaceen, Typhaceen, 
Araceen und Ordiidaceen. — a. a. 0. Progr. 1884. 20 S. 

7. Beitrag: Jridaceen, Amaryllidaceen, Liliaceen, Colcbicaceen, Jnn- 

caceen nnd Oyperaceen. — a. a. (). Progr. 1885. 16 S. 

8. Beitrag: (rramineen, Coniferen nnd Gefäßlvryptogamen. — a. a. 0. 

Progr. 1889. 18 S. 

(Hiermit schließen diese Beiträge ab.) 



Exkursion nach dem Dietrich nnd Ahlberg. — Irm. (= Irmischia) 

IV. 1884. S. 22. 
Fxk. von Schirnrod bis Siegmundsburg bei Eisfeld. — Eb., S. 30. 
Exk. zum Hutsberg bei Bettenhausen. Thüringer Thal bei Bad 

Liebenstein, Queienberg bei Eümhild. — Eb., S. 39 — 40. 
Exk ins Trusenthal. — Eb., S. 54 — 55. 
Das Moor bei Stedtlingen in der Gegend von Meiniugen. — D. B. M. 

(z= Deutsche Bot. Monatsschrift) III. 1885, S. 158—159. 
Exk. in das Trusenthal zwischen Herges und Brotterode. — Irm. V. 

1885, S. 20-21. 
Exk. nach dem Klauersberg bei Xeubrunn. — Eb.. S. 32. 
Exk. nach den Gleichbergen bei Eömhild und den drei Gleichen bei 

Arnstadt. — Eb., S. 67—68. 
Exk. in die Xähe von Meiningen. — Eb., S. 76. 
Exk. auf die Stirn und Heßberger Leite bei Hildburghausen. — 

Irm. VI. 1886, S. 23. 
Exk. auf die Spitzberge bei Welkershauscn nahe bei Meiningen. — 

Eb., S. 24. 
Ueber Oampanula latifolia L. — D. B. M. IV. 1886, S. 154—155. 



Nachruf auf Heinrich Rottenbach. 45 

Verzeichnis der in der Weißbacli bei Meiuingeii wachsenden Pflanzen. 

— D. B. M. IV. 1886, S. 158-159. 

Znr Flora am Achensee in Tirol. — D. B. M. V. 1887, S. 13—15. 
Ueber Pflanzenfunde. — Mitt. GeogT. Gesellsch. für Thüringen 

V. 1887, S. 65. 
Legt Seltenheiten der .Aleininger Flora vor. — Mitt. Geogr. Gesellsch. 

f. Thüringen VIII. 1890, S. 15. 
Seltene Farne Thüringens. — 1). B. M. VIII. 1890, S. 41—4^2. 
Die Flecken der Pnlmonaria-Blätter. — Mitt. Thüring. Bot. Vor. 

N. F. I. 1891, S. 13. 
Standorte von Kpipogou aphyllus S\v. ii. Aconitum Nai)ellns L. 

— Mitt. Thüring. Bot. Ver. X. F. II. 1892, S. 7. 
Zu Telekia speciosa Baumg. — Fbenda, S. 10. 

Znr Flora der Khön.^) — Mitt. Thüring. Bot. Ver. N. F. VI. 1894, S. 4. 
Zur Flora von Meiniugen. — Mitt. Thüring. Bot. Ver. N. F. VII. 1895, S. 4. 
Znr Flora von Meiningen (Berichtigungen und Ergänzungen). — 

ü. B. M. XIII. 1895, S. 156—157. 
Berichtigung zu dem Aufsätze von 0. Appel in X. F. Heft VIII. — 

Mitt. Thüring. Bot. ^'er. X. F. IX. 1896, S. 29. 
l.'eberPulmonaria moUisWoltf in Thüringen. — D. B. i\[. XIV. 1896, S.37. 
Zur Flora des Inselsberges. — D. B. M. XIV. 1896, S. 164—165. 
Die Verbreitung der Potentilla thuringiaca Beruh. — Allg. Bot. 

Zeitschr. II. 1896. S. 83-85, 98—100. 
Die Verbreitung von Euphorbia verrucosa Lamk., dulcis Jacq. 

und Esula L. in Deutschland, Uesterreich und der Schweiz. 

— D. B. M. XV. 1897, S. 37—40. 

Zur Flora des Bayrischen Hochlandes. — D. B. M. XV. 1897, 
S. 101—109. 

Xochmals Potentilla thuringiaca u. pilosa. — Allg. Bot. Zeit- 
schrift III. 1897, S. 176. 

Zur Flora des Bayrischen Hochlandes. II. Die Flora des Füßener 
Hochlandes. — D. B. M. XVI. 1898, S. 124—127, 151—153- 



*) Unser kurz nach seiner Ernennung am 7. Sept. 1916 gestorbenes 
korresp. Mitglied M. Goldschmidt (Lehrer in Geisa) hat folgende Arbeiten 
veröffentlicht: Die Flora des Rhöngebirges I. (Einleitung; in Allg. Bot. Zeitschr. 
1900 (1901), 238-239); II. (Verh. phys. med. Ges. Würzburg N. F. XXXIV. 
1902, 348-855); III. (a. a. 0. XXXV. 1903, 318-835); IV. (a. a. O. XXXVIL 
1905, 209-284); V. (a. a. 0. XXXVIII. 1906, 135—154); VI. (a. a. 0. XXXIX. 
1908, 263-290); VII. (a. a. 0. XLI. 1911, 151-170); VIII. (a. a. 0. XLIT. 1913, 
109—125). Ferner: Einführung in die Flora u. Vegetation des Rhöngebirges 
(Sep. Abdr. aus der Festschr. für die silberne Jubelfeier des Verbandes 
deutscher Touristenvereine. Fuldaer Aktiendruckerei in Fulda). 



4-6 H. Harms: Nachruf auf Heinrich Rottenbach. 

Zur Flora des Bayrischen Hochlandes. — 1). B. M. XVI. 1898, 
S. 187-188. 

Floristisches aus Süd- und Westthüringen, insbesondere über das 
Yorkommen von Batrachium hederaceum Dum. in Thüringen. 
Allg. Bot. Zeitschr. V. 1899, S. 91. 

Zur Flora der Umgebung- von Eatzes in Südtirol. — D. B. M. XVIII. 
1900, S. 160-163. 

Zur Flora von Oberstdorf im AUgäu. — 1). B. ^I. XIX. 1901, 
S. 129-131. 

Zur Flora von Berchtesgaden. — I). B. M. XX. 1902, S. 11—46. 

Zur Flora von Gastein. — D. B. M. XXI. 1903, S. 38-40. 

August Garcke. Xachruf. — Bericht. Deutsch. Bot. Gesellsch. XXII. 
1904 (1905), S. (44)— (48). 

Die Flora. — Schriften des Vereins für Sachsen-Meiningensche 
Geschichte und Landeskunde. Neue Landeskunde des Herzog- 
turas Sachsen-Meiningen. Hildburghausen (F. W. Gadow u. 
Sohn) 1906. 52. Heft. S. 527-604. (S. 605—618: Die 
niederen Kryptogamen. Von A. v. Lös ecke -Hildburghausen, 
unter Mitwirkung von Adam Brückner-Coblenz, Fr. Ruppert- 
Neustadt und Prof. Dr. Jul. Roll- Darmstadt.) 



Karl Supprian. 

Nachruf von H. Harms. 

Wenn auch Karl Supprian in den letzten Jahren seiues Lebens 
nicht mehr unserm Verein angehört hat, so glaubte ich doch ihm au 
dieser Stelle einig-e Worte des Gedenkens widmen zu sollen, da wir 
in Berliu zusammen die Studienjahre verlebt haben und er mit Rudolf 
Schulze, Aug'ust AVeberbauer und mir zu den ersten gehörte, die 
seinerzeit unter der Leitung von A. P^ngder in dem von diesem ein- 
g'erichteteu Laboratorium des alten Kgl. Botanischen Museums(ßerlin W.. 
Gruncwaldstr. 6-7) an ihren Dissertationen arbeiteten. Später habeu 
sich unsere Wege völlig getrennt, da S. bereits frühzeitig eiue Ober- 
lehrerstelle in Altona erhielt, und ich habe den Stadiengenossen 
leider nie wiedergesehen. Wir haben nur einmal noch im Brief- 
wechsel gestanden, als er im Jahre 1912 seinen Austritt aus dem 
Verein erklärte, dem er im Jahre 1892 beigetreten war. — Die An- 
gaben über den Lebensgang entnahm ich teilweise der Dissertation, 
wozu dann noch persönliche Erinnerungen kamen; vor allem aber 
lieferte mir der Schwager des Verstorbenen, unser Mitglied Herr 
Prof. Dr. Carl Schmidt in Steglitz, in liebenswürdiger Bereit- 
willigkeit alle wünschenswerten Daten aus den letzten 20 Jahren. 
Ohne seine Mithilfe hätte ich diesen Nachruf nicht verfassen können, 
und ich spreche ihm auch au dieser Stelle meinen besten Dank für 
seine Mühewaltung aus. 

Karl Wilhelm Supprian wurde am 18. Februar 1871 in 
Steinau a. d. Oder (Schlesien) geboren. Sein Vater Karl S. war 
später Schulrat, Direktor der Augusta-Schule und des Kgl. Lehrerinnen- 
Seminars zu Berlin; nach seinem Abgange wohnte er erst in Friedenau. 
später in Steglitz, wo er am 9. September 1910 gestorben ist. Die 
Mutter war eine geborene Maria Ranke. Unser S., der der evan- 
gelischen Konfession angehörte, besuchte vom Herbst 1880 an durch 
neun Jahre das Friedrich- Wilhelms-Gymnasium zu Berlin, das er 
Oktober 1889 mit dem Reifezeugnis verließ, um sich zunächst zwei 
Semester an der Universität in München, dann sechs Semester an 



48 H. Harms: 

der Berliner Universität dem Studium der Naturwissenschaften zu 
widmen. Bereits frühzeitig' zeigten sich seine turnerischen Inter- 
essen, denn schon in München trat er dem Akademisclien Turnverein 
Germania-^Iünchen. später dem Akademischen Tiirnvei-ein Berlin bei. 
Mit grolkm h^ifer sammelte ei- Pflanzen, so daß er gute floristische 
Kenntnisse besaß; in Berlin nahm er an den Exkursionen A scher sons 
sowie einem größeren Ausflug Englers in das Riesengebirge teil 
und besuchte die Vorlesungen beider sowie die von Schwendener, 
Magnus. Reinhardt. Tax, Schumann, AVarburg und Volkens. 
ITm sich zum Doktor-Examen vorzubereiten, arbeitete er vom Februar 
bis August 1891 und später vom April bis August 1892 im Königl. 
Bot. Museum an einer von A. Engler angeregten Arbeit über die 
anatomischen Verhältnisse der Thyiwlaeaccae und Penaeaceac, mit der 
er am G. Juni 1894- an der Berliner Universität promovierte (vergl. 
K.Supprian, Beiträge zur Kenntnis derTliymelaeaceae und Ponaeaceae, 
in Englers Bot. Jahrb. XVIII [1891], 306- 853 mit Tafel X). 

Es sei darauf hingewiesen, daß unter den vier Thesen sich 
eine turnerischen Inhalts befand: „Die deutschen Laufspiele (wie 
Barlauf u. a.) sind für die Schule den englischen, wie Fußball, vor- 
zuziehen". Daraus geht hervor, wie sehr ihn diese Fragen beschäftigten: 
auch später noch hat er, wie wir sehen werden, sich wiederholt über 
Gegenstände des Turn- und Spiel wesens ausgesprochen. Kurze Zeit 
nach der Promotion, am 16./17. Dezember 1895, bestand er das 
Staatsexamen. Vom Okt. 1898 bis Okt. 1899 war er als Probekandidat 
und Hilfslehrer am Joachimsthalschen Gymnasium zu Berlin-Wilmers- 
dorf angestellt; von dort kam er zuerst als Hilfslehrer, vom I.Januar 
1900 an als Oberlehrer an das Reform-Realgymnasium zu Altena 
(a. Elbe), und damit fand er einen endgültigen Wirkungskreis. Vom 
Oktober 1896 bis 1897 hatte er seiner Militärpflicht als Einjährig- 
Freiwilliger beim Jäger-Bataillon Nr. 3 in Lübben genügt. Nachdem 
er an Hebungen beim Infanterie-Regiment Nr. 155 in Ostrowo teil- 
genommen hatte, wurde er am 22. Mai 1900 zum Reserveleutnant 
befördert. Am 16. x\pril 1900 verheiratete er sich mit Susanne 
Ho che aus Freienwalde a. 0., Tochter des Gymnasiallehrers Barnim 
Hoche. Der Ehe sind zwei Kinder entsprossen, eine Tochter von 
16 Jahren, ein Sohn von 15 Jahren. 

In Altena pflegte er seine turnerischen Interessen unermüdlich 
weiter. Er betätigte sich außer seinem Lehrberufe an allen Be- 
strebungen, die zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung 
unserer Schuljugend beitragen. So war er jahrelang Vor- 
sitzender des Altonaer Wandervogels, ein Amt, das er schließlich 



Nachruf auf Karl Supprian. 49 

niederleo'te. An der Zeitschrift „Körper inid Geist" (auf Veranlassung' 
des Zentralausschussos zuv Förderung der Volks- und Jugendspiele 
in Deutschland herausgegeben von Karl Möller, F. A. Schmidt 
und H. Raydt; Verlag Teuhner-Tjoipzig) hat er seit 1902 viele Jahre 
liindurch eifrig mitgearbeitet und für sie eine grol^se Anzahl von 
Besprechungen sowohl wie auch einige eigene Aufsätze geliefei't. 
So hat er z, B. mehrere Jalire liindurcli das Jahrijuch für Volks- 
und Jugendspiele, außerdem eine große Anzahl anderer '\\''erke älin- 
lichen Inlialts besprochen. Da er Soldat war. interessierte ilin 
besonders die V^erwertuug des Turnens beim ^[ilitär; dies geht u. a. 
aus seinem Aufsatze hervor: Die neue Turnvorschrift für die In- 
fanterie (K. u. G. XIX. 191 F S. 289—292). Ferner hat er in der 
genannten Zeitschrift noch veröffentlicht: Fei'ienfahrten des Altonaer 
Ileformgymnasiums (XVII. 1909, S. 297 — 304); Zuviel Leibesübungen 
auf den höheren Schulen? (XX. 1912, S. 24:1 — 216); Aus dem Kriegs- 
tagebuch eines freiwilligen Jägers vom Fützowschen Freikorps (XXII. 
1914, S. 3 — 7; Rede vor den Schülern des Altonaer Realgymn. am 
10. März 1913). 

Seit dem Herbst 1904 unternahm er Ferienfahrten mit den 
Schülern, zunächst in die nähere Ihngebung, später auch in weiter 
entfernte Gegenden bis nach Hannover, Mecklenbui'g und in das 
Weserbergland. Er führte diese Ausflüge an der Anstalt ein und 
in jedem Jahre wurde eine Fahrt von mindestens drei Tagen unter- 
nommen. In „Körper und Geist" XVII. (1909), S. 297—304 schildert 
er eine auf 5'A Tage sich ausdehnende Fahrt in das Weserbergland. 
Von welchen Gesichtspunkten er dabei ausging, geht ans folgenden 
Worten hervor (S. 298): „Xicht dräut uns am Ende der Fahrt der 
Aufsatz, den wir darüber machen sollen, nicht brauchen wir Rechen- 
schaft ablegen über alle Pflanzen, die wir gesehen haben, wir machen 
auch keine „kleine Ausarbeitung" über „Das Kettengebirge"' oder 
„Die mecklenburgische Endmoräne", aber gelernt hat wohl jeder 
etwas: Siedlungen und Haustypen, IJergformon und Talbildungen, 
Pflanzenformation und Tierleben, Geschichte und Sage, Industrie und 
Bodenbewirtschaftung, sie alle haben hie und da Anlaß zu Beobachtung 
und Aussprache gegeben." 

Er gehörte seit Januar 1902 dem Hamburger Naturwissenschaft- 
lichen Verein au; am 9. Dezember 1903 hielt er hier einen Vortrag über 
die Vegetationsverhältuisse und Existenzbedingungen der norddeutschen 
Heide (Verhandl. Xaturwiss. Ver. Hamburg 3. Folge XL 1903 [1904J, 
S. LXXXIIt— LXXXIV). Seit einer Reihe von Jahren widmete er 
sich der Ordnung und Katalogisierung der umfangreichen Konchjdien- 

Abhandl. des Bot. Vereins f. Brandcnb. LIX. A 



50 ~ H. Harms: Nachruf auf Karl Supprian. 

Sammlung- des Städtischen Museums zu Altona; die Arbeit ist durch 
den plötzlichen Ausbruch des Krieges nicht zum Abschluß gebracht 
worden. 

Denn auch diese frische, ungebrochene und arbeitsfreudige Kraft 
rief das Vaterland. Schon am 2. August 1914 mußte unser S. seine 
Dienste dem Heere widmen; er kam zuerst als Oberleutnant und 
Führer eines Arbeits -Bataillons nacli der Festung Posen. Dann 
ging es Anfang September auf den westlichen Kriegsschauplatz; als 
Kompagniefiihrer nahm er an Stellungskämpfen bei Verdun bis 
Februar 1916 teil. Das Eiserne Kreuz IL Kl. hatte er sich bereits 
Weihnachten 1914 erworben. Beim Sturmangriff auf die Feste 
Hardaumont am 26. Februar 1916 traf ihn eine schwere Verwundung 
am Oberschenkel. Nach der Heilung g-ing er am 26. September 1916 
wieder ins Feld und kämpfte in der gewaltigen Sommeschlacht mit. 
Am 9. Oktober 1916 wurde er zum Bataillons-Kommandeur befördert. 
In einer Stellung am „Toten Mann" hatte er sehr schwere Kämpfe 
zu bestehen, besonders Ende Dezember 1916. Seine Verdienste 
wurden durch Verleihung des Eisernen Kreuzes I. Kl. Weihnachten 
1916 gewürdigt. Nach kurzer Ruhepause in der Gegend von Metz 
kam er an die Aisne-Front bei Rheims. Zur Einsegnung seiner 
Kinder erhielt er Urlaub vom 22. März bis 6. April 1917; es sollte 
das letzte Wiedersehen mit seiner Familie sein; denn nur wenige 
Tage, nachdem er wieder an die Front gekommen war, nämlich am 
13. April 1917, wurde er mit seinem Stabe durch die Explosion 
einer schweren Granate im Unterstände getötet. In Villers-devant- 
la-Thour wurde er am 17. April beigesetzt. Den unter seiner Führung 
kämpfenden Soldaten war er ein sehr wohlwollender Hauptmann 
gewesen, erfüllt von nie rastender treuer Sorge, daß ihnen nichts 
abging; vortrefflich verstand er es, den rechten kameradschaftlichen 
Ton zu treffen. So mußte auch dieser mitten in voller Lebenskraft 
stehende Mann, dem noch viele Jahre segensreicher Wirksamkeit in 
seinem schönen Berufe als Lehrer und Erzieher der Jugend zu gönnen 
waren, dem noch ein langes Zusammensein mit seiner aufblühenden 
Familie zu wünschen war, als Opfer des Krieges vor der Zeit fallen! 



Ueber einige Panaschierungen. 

Von 

L, Geisenheyner. 

(Mit drei Abbildungen.) 

In der langen Zeit, währeiKl der ich die micli umg-ebende Pflanzen- 
welt beobachtet habe, ist meine Aufmerksamkeit auch auf die tera- 
tologischen Formen einzelner Individuen gerichtet gewesen. A^er- 
liältnismäßig spät habe icli aber angefaugen, durch abweichende 
Färbung der vegetativen Organe sich auszeichnende Pflanzen mehr 
zu beachten und sie gegebenenfalls mit in den Bereich meiner 
Sammeltätigkeit zu ziehen. Ks kam mir auch dann zuerst nur 
darauf an, solche Stücke vor der Vernichtung zu bewahren. Erst 
in allerletzter Zeit ist mein Interesse für diese Art von Abnormi- 
täten durch einige mir wichtiger scheinende Funde gewachsen,, was 
ich auch durch einige Vorlagen in der Sitzung unseres A'ereins vom 
18. Juni 1915 bekundet habe. Darunter war eine Panaschierung 
von Stellaria holostea, die, wie mir Herr Prof. Dr. E. Jahn schrieb, 
die besondere Aufmerksamkeit der Anwesenden erregt hätte, weil 
es sich dabei wohl um eine Sektorialchimäre handele. Eine genauere 
Durchsicht der die abnorm farbigen Pflanzen enthaltenden Abteilung 
meiner Monstrositätensammlung war davon die Folge und ich fand 
noch einige solcher Chimären darunter. Inzwischen ist die neue 
Auflage der treÖ'licheu Küsterschen ..Pathologischen Pflanzenanatomie" ') 
herausgekommen und durch das Studium des in ihr enthaltenen Teiles 
von der Panaschierung bin ich zu der Meinung gekommen; daß es 
nicht überflüssig sein dürfte, einiges über die von mir gesammelten 
Panaschierungen zu veröftentlichen. Es sind nicht wenige dabei, 
von denen das Vorkommen dieser Abnormität bis jetzt noch nicht 



E. Küster: Pathologische Pflanzenanatomie. II. Aufl. Jena bei 
G. Fischer 1916. 



52 



L. Geisenheyner; 



bekannt geworden ist. Ich gebe zunächst ein Verzeichnis meiner 
Pflanzen und werde dann an die mir am wichtigsten scheinenden 
einige Bemerkungen anknüpfen. Es enthält dasselbe nur wild- 
wachsende Arten und einzelne von solchen, von denen panaschierte 
Formen zwar in Kultur sind, das betr. Stück aber von einem 
durchaus normalen Individuum stammt. 

la. Marginate Panaschierungen. 



1. Äjnum graveolens 

2. Ballote nigra 

3. Betonica officinal>.s 

4. Brassica rapa 

0- 11 11 

6. Prunus spinosa 

7. Palsatilla vulgaris 

8. Silene vulgaris 

9. Tlilaspi arvense 



1888 Kreuznach 
1915 Kr. 

1903 Kr. 

1889 Kr. 

1 902 Bosenheim 

1901 Haardt bei Kr. 

1873 Laubenheim a. d. Nahe 

1901 

1901 Kr. 



Marginate und marmorierte Panaschierung. 
10. Silene vulgaris 1906 Kr. 

Hierher gehört auch ein Blatt von No. 4. 





Ib^. Sektoriale 


Panasc 


hierungen. 


11. 


Ampelopsis quinquefolia 


1904 


Kr. 


12. 


Campanula trachelium 


1912 


Haardt b. Kr. 


13. 


Fragaria vir g in iana 


1890 


Kr. 


14. 


Hypericum perforatum 


1880 


Gähe b. Freilaubersheim 


15. 


MercuriaUs annua 


1898 


Kr. 


16. 


Orohiis niger 


1893 


Haardt bei Kr. 


17. 


PJnladeiplius coronarius 


1897 


Kr. 


18. 


Phragmites communis 


1913 


Odenwald 


19. 


Polygonatam mulüflorum 


1910 


Kr, 


20. 


Polygonum. aviculare 


■ 1913 


Kr. 


21. 


Prunus spinosa 


1912 


Haardt bei Kr. 


90 


Rubus leucodermis 


1910 


Frankfurt 


23. 


Taraxacum officinale 


1909 


Kr. 


24. 


11 11 


1913 


Kr. 


25. 


Teucrium scorodonia 


1898 


Kronweiler 


26. 


Viscum album 


1906 


Ebernburg 


27. 


Vitis vinifera pusilla 


1904 


Kr. (Galgenberg) 


28. 


n 11 !! 


1909 


Kr. (Norheim) 



lieber einige Panaschierungen. 



53 



Ibo. Sektorialchimären. 



29. 


Cheirantlms clieiri 


1910 


Kr. 


30. 


Oenista f/ermanica 


1906 


Stromberg 


31. 


FotentiUa anserina 


1904 


Kr. 


32. 


Stellaria holostea 


1914 


Kr. 


33. 


Valerianella carinata 


1912 


Kr. 




Ic. Marmorierte 


Panasc 


diierungen. 


34. 


Beta vulgaris 


1913 


Odenwald 


35. 


Brassica rapa gongylodes 


1916 


Kr. 


36. 


Cardamine pratensis 


1901 


Kr. 


37. 


Centaitrea jacea 


1900 


Kl-. 


38. 


Cynoglossuni officinale 


1905 


Kr. 


39. 


71 n 


1913 


Münster a. St. 


40. 


Eryvginm cawpestre 


1909 


Pflanzenschutzbezirk 


41. 


Heliantlius annuus 


1916 


Wallertheim 


42. 


Limaria annua 


1915 


Münster a. St. 


43. 


Platanus acerifolia 


1916 


Kr. 


44. 


Populus nigra 


1896 


Bingerbrück 


45. 


Prunus spinosa 


1914 


Haardt 


46. 


Rosa sp.? (kultiviert) 


1916 


Kr. 


47. 


Eilbus idaeus 


1909 


Kreuzbach b. Bingerbrück 


48. 


Ruhus spec? 


1916 


Rh ein stein ,. „ 


49. 


Rumex patientia 


1915 


Kr. 


50. 


Vinca minor 1905 i 


I. 1915 


Kr. (Lohr) 


51. 


Viola odorata 


1912 


Kr. 


52. 


Viola siluestris 


1910 


Kr. (Gaus) 


53. 


Vitis villi f er a 


1909 


Kr. (Norheim) 


54. 


7) n 


1910 


Kr. (Hungriger Wolf) 




Sektorial und marmorierte I 


*anaschierungen. 


55. 


Cornus sanguinea 


1907 


Trum b ach 


56. 


Fagus silvatica 


1911 


Kr. 


57. 


tSalüia pratensis 


1898 


Kr. 


58. 


SymplioricMrpus racemosa 


1916 


Kr. 


59. 


Teucriam scorodonia 


1898 


Kronweiler 


60- 


Urtica dioica 


1915 


Windesheim 




Id. Pulverulente 


Panaschierungen. 


61. 


Carpinus betulus 


1912 


Gas sei 


62. 


Robinia pseudacacia 


1910 


55 


68. 


Silene vulgaris 


1912 


Gudensburg 


64. 


Viburnum lantana 


1910' 


Kr. 



54 ~ L. Geiseuheyner: 

IIa. Zebrapanascliieruug'cii fehlen. 
IIb. P'leckenpauascliicruii gen. 

65. Bailote nigra 1913 Oppenheim 

66. Prunus spinosa 1916 Ebernbnrg 

67. Trifolium pratense 1916 Kr. 
6^. Vitis vinifcra 1910 

IIc. Netzadrige Panaschiernngen. 

69. (Jo)ivolvulu.s arvensis häufig 

70. Cyno(jlossum officinale 1911 Schloßböckelheim 

71. Pulmonaria obscura Dum. 1889 Huttental 

72. Sourlius arvensis 1898 Kr. 

Zu einigen dieser Panaschierungen möchte ich nun ein paar 
Bemerkungen machen: 

Bei Xr. 1, 2 und 3 sind iiui' die Zähne oder Lappen des Blatt- 
randes nicht grün, sondern bei 1 und 2 gelb, l)ei Betonira weiß. 

Nr. 6, 8 und 9 dürften auch als Periclinar-Chimären auf- 
zufassen sein. 

Bei Nr. 7 sind alle die linealen Fiederteilchen mit einem 
schmalen rötlichen Randstreifen umgeben, so daß die Blätter, besonders 
als sie noch frisch waren, einen ganz eigentümlich reizenden Anblick 
darboten. 

Nr. 11 enthält zwei Blätter von wildem Wein, die ich in meinem 
Cxärtchen gefunden habe. Das eine ist groß und normal gestaltet 
bis auf eines seiner Teilblättchen, das eine grüne und eine chlorophyll- 
lose Spreitenhälfte hat. Das andere zeichnet sich auch noch dadurch 
aus, daß es in ein gefiedertes Blatt umgebildet ist, von dem nur 
die eine Hälfte grün ist, während die andere chloroph^dlfrei und sehr 
viel kleiner und zarter als die grüne ist'-). Vergl. Abb. 1. 

Nr. 20. Ich bin mir nicht ganz klar, ob das Exemplar hierher 
zu setzen oder ob es eine an Chlorose erkrankte Pflanze ist. Ihr 
unterer Teil ist grün, der obere ganz und gar gelblich-weiß. Durch 
eine kleine Anzahl nur zur Hälfte grüner Blätter werden beide Teile 
vermittelt. 

Nr. 23 und 24. Die Abnormität ist bei Tar. off', recht häufig 
(ich habe mir nur zwei hübsch ausgebildete Exemplare aufgehoben), 
scheint aber bei Tis/^uDi 

-) Die der Abbildung zu Grunde hegende Zeichnung verdanke ich Frl. 
Joli. Danz. 



Üeber einige Panaschierungen. 



55 



Nr. 26 sehr selten zu sein. Das eine Blatt meines Stückes 
hat einen hellgrünen Längsstreifen, der aber nur wenig tief in die 
Blattmasse eindringt. 

Nr. 27, 28. Am Weinstock ist die Panaschierung hier um 
Kreuznach keine seltene Erscheinung, denn an den verschiedensten 
Rebensorten findet man häufig Blätter mit allen Arten von Bunt- 
blättrigkeit. In Nr. 28 habe ich mir eine so bunte Geize aufgehoben, 




Abb. 1. Ampelopsis quinquefolia. 



die es fast mit Ahaülon Thompsoni aufnehmen könnte. Leider ver- 
ändert sich das schöne Grün der Weinblätter trotz größter Sorgfalt 
beim Trocknen sehr zu seinem Nachteil. 

Nr. 34 und 41. Bei Schloß Lichtenberg im Odenwald fand ich 
einige Runkelrüben mit sehr großen weißen Placken in den Blättern 
und mit etwas graugrünen, bei denen nur die oberen Zellschichten 
chlorophylifrei sind. Die hellen Stellen sind so außerordentlich dünn 
und fast durchsichtig, daß man meinen könnte, es sei zwischen der 
ober- und unterseitigen Epidermisschicht überhaupt keine Zellbildung 
zustande gekommen. Ganz ähnliche Blätter hatten einige Stöcke der 



56 - L. Geisenheyner : 

vSonuenblume in der Piianzuiig in Waliortlieim-^), von denen ich eine 
Anzahl getrocknet habe, und ebenso die Blätter eines kleinen Schwarz- 
pappelzweiges, den ich 189G von einer der Ptheinkrippen mit- 
gebracht habe. 

Nr. 43. FUdaniis acerifoi/a. im August d. J., als die Platanen 
der vor kurzem Ijepflanzten Planiger Straße beschnitten wurden, 
schickte mir der Stadtgärtner Ahrens vier Zweige von je über 1 m 
Länge, die mit [lanaschierten Blättern bis zu 13 Stück besetzt 
waren. An allen sind die älteren am meisten, zum Teil sehr stark 
buntscheckig und insofern von prächtigem Aussehen, als zu den in 
verschiedenem Grün gekleideten Stellen noch Peile der chlorophyll- 
freien Aveißen Flecken bereits welk und darum braun gefärbt sind. 
Nach der Triebspitze zu nimmt die Fleckung ab. so daß die letzten 
Blätter ganz oder fast ganz grün sind. Alle vier Zweige stammen 
von demselben Baum, dessen einer Ast sich bis jetzt alljährlich so 
schön geschmückt hat. 

Xr. 69 — 72. Die Xetzpanaschierung, die von Küster als 
unter die Fleckenpanaschierung fallend angesehen wird, scheint mir 
doch so sehr auffallend von den übrigen Erscheinungsformen dieser 
abzuweichen, daß es mir geraten erscheint, sie als mehr oder weniger 
gleichwertig von ihr abzutrennen. I)ei kultivierten Holzgewächsen, 
wie z. B. bei Lonicera fiexuosa Thunb. var. üureo-reüculata, ist sie ja 
lange bekannt und wird ihres reizenden Aussehens wegen auch gern 
verwendet, aber für die freilebenden Stauden und die noch kürzer ihr 
Leben fristenden Gewächse hat doch wohl erst Kanngießer die 
Aufmerksamkeit darauf gelenkt durch seine Artikel über Oxalis ace- 
tosella in der Naturw. Wochenschr. XIL X. F. S. 79 u. 288. Bereits 
vor beinahe 30 Jahren habe ich solch ein schön gezeichnetes Exem[)la]' 
von Pnhnonaria ohsciira Dum. im Huttentale bei Münster a. St. ge- 
funden und zufällig mir auch aufgehoben. Später ist mir das sehr 
häutige Auftreten goldgelb geäderter Pflanzen von Conuoivulus arvensis 
aufgefallen,, aber immer nur im Vorsommer: daß ich sie jemals noch 
im Spätjahr gesehen hätte, dessen kann ich mich nicht erinnern. 
Bei den beiden Herbarexemplaren, die ich nur aufgelegt habe (Juni 
1913), sind die gelben Netzlinien schon blaß und dazu derartig breit. 
daß nur noch wenig deutlich grün gefärbtes Parenchym vorhanden 
ist. Die Blätter werden meist ganz und gar gelblich und treiben 
nur kümmerliche Blütenknospen. Meine Belegexemplare von C)jno- 
glossum und Sonrhuf^. beides blütenlose Triebe, sind auch im Juni 



') L. Geisenheyner, Teratologisclies und Blütenbiolog-isches. Berichte der 
Deutsch. Bot. Gesellsch. XXXIV. 191(5, S. 775. 



Ueber einige Panaschieruugen. 5 / 

aufgenommen und haben beide die schone klare Netzaderung- nur auf 
den älteren Blättern. Da sie sich bei den jüngeren nach der Trieb- 
spitze zu mehr und mehr verliert, so scheint mir daraus auch hervor- 
zugehen, daß die Xetzpanaschierung mehr eine Frühjahrserscheinung 
ist.- Uebrigens habe ich die von Kanngießer und seinen Ge\^'ährs- 
männern besprochene Netzaderung an OxaJis auch im Huttentale 
gefunden: ich habe sie aber in mein "S'erzeichnis nicht mit auf- 
genommen, weil mir ein Belegexemplar dazu fehlt. 

Xr. 29 bis 33. Sektorialchimären. 
Xr. 32. Stellar ia holosteah. Die folgenden fünf Pflanzen hatte 
ich als Beispiele von mehr oder weniger ausgeprägter Panaschierung 
in meine Sammlung gelegt, bis mir durch die oben angeführte Be- 
merkung von Prof. Jahn Zweitol an der Ivichtigkeit meiner Meinung 
aufstiegen, (ienanere Durchmusterung meiner Pflanzen und Einsicht 
in die einschlägige Literatur hat mich aber nun zu der Ansicht 
gebracht, daß nicht nur die damals vorgelegte SteUarhi. sondern 
noch vier andere Arten von den Panaschierungen auszuscheiden sind, 
da sie als Sektorialchimären angesehen werden müssen. Es dürfte 
sich empfehlen, die interessante Stellaria liolostea zuerst genauer zu 
betrachten. Ich fand sie am 25. April 1914- am Eaße der Haanlt 
])ei Kreuznach, wo sie sich aus einem dichten Eascn ihrer Art- 
genossen dnrch ihre rein weiß panaschierten Blätter auffallend heraus- 
hob. Mit einer dieser dnrchaus normalen Pflanzen war sie durch 
die kriechende (irundaclise verbunden. Aber nicht nur. daß sie 
panaschierte Blätter hatte, war das Auffallende, sondern vielmehr 
der eigentümliche Wechsel in der Verteilung der weißen und grünen 
Stellen. Schon bei den untersten, sehr kleinen, nur durch ganz kurze 
Internodien getrennten und bereits welkenden Blattpaaren finden sich 
zwei nur zur Hälfte grüne Blätter, das folgende l'/o cm davon ent- 
fernte größere Paar ist auch verschieden gefärbt. Das grüne Blatt 
desselben ist ganz mit Sporenhäufchen von Paccinia arenariae besetzt. 
Da ich zuerst nicht bemerkt hatte, daß die Farbenabnormität auch 
schon oberhalb dieses Blattwirtels aufgetreten ist, so glaubte ich, 
es könne der Pilz vielleicht für ihre Entstehung in Frage kommen: 
doch ist das ja schon darum nicht anzunehmen, weil bei seinem 
häufigen Vorkommen an Alsineen bei diesen die Panaschierung so 
äußerst selten ist. Mir ist außer der von mir gefundenen überhaupt 
keine bekannt. Diesem Blattpaare folgt nun ein weißes mit schmalem 
grünem Rande. Vom nächsten Paare ist das eine Blatt ganz weiß, 
das andere hat nur einen schmalen weißen Rand. Das darüber- 
stehende Internodium des vierkantigen Stengels hat zwei grüne und 



58 



L. Geisenheyner : 



zwei weiße Flächen, die auf den Kanten angehefteten Blätter sind 
beide zwischen grün und weiß geteilt und zwar so, daß das über 
dem mehr grünen Blatte des vorigen Knotens sitzende nur in seiner 
Vievtelbreite grün, das andere genau zur Hälfte weiß ist. Am nächsten 
luternodium bleiben, wie bei allen folgenden, dieselben zwei Stengel- 
seiton grün, aber die Blattfavbe wechselt: das über dem zur Hälfte 
grünen Blatte sitzende ist weiß, sein Gegenblatt zur Hälfte grün. 




Abb. 2. Stellaria holostea. 



Im nächsten Wirtel steht ein halbiertes Blatt über dem weißen, 
über dem grün und weißen ein ganz schmal grüngerandetes weißes; 
doch reicht der grüne Rand nur bis zur Mitte. Noch zwei Wirtel 
zeigen diesen Farbenwechsel, dann folgt der von einem weißen und 
einem grünen Deckblatt gestützte Blütenstand. Er ist noch nicht 
entfaltet — ich konnte die an sehr gefährdeter Stelle stehende 



Ueber einige Panaschierungen. 59 

Pflanze nicht länger stehen lassen — , aber es stehen sich weiße und 
grüne Knospen gegenüber, und die am weitesten entwickelte hat ein 
grünes und drei weiße Kelchblätter, Ist schon die Darstellung der 
Kombination von Farbenwochsel und Blattstellung nicht ganz leiclit, 
so glaube ich doch, daß es noch viel schwerer ist, sich daraus ein 
richtiges Bild der seltenen Bflanze zu machen, und darum habe ich 
Vorsorge getroffen, der Yorstelhing durch ein Bild zu Hilfe zu 
kommen, zu dem mir Herr Dr. Schmitthenner in dankenswerter 
Weise die Photographie aufgenommen hat. Noch in einer anderen 
Beziehung wird die Beschreibung durch die Abbildung ergänzt in- 
sofern, als die siclielfi'irmigen Blätter auf den ersten Blick erkennen 
lassen, daß der chlorophyllarme oder des Farbstoffs durchaus er- 
mangelnde Teil der Blätter dem grünen im Wachstum nicht folgen 
kann und deshalb überall von ihm überholt wii'd. wodurch eben die 
Sichelform entsteht. 

Es ist sehr schade, dal> ich die Pflanze nicht bis zur Samen- 
reife stehen lassen konnte, um eine nn'iglichervveise vorhandene 
Vererbung der Chimärenbildung feststellen zu können. Da ich aber 
den Standort sehr genau wußte, so habe ich im Frühjahr 1915 u. IG 
die Stelle eingcliend nach einem zweiten Exemplar untersucht. Da 
doch seine Wurzel im Zusammenliang mit den andern gestaiulen hatte, 
so glaubte ich an die Möglichkeit, noch ein Exemplar finden zu 
können. Meine äußei'st geringe Hott'nung ist zuschanden geworden. 

Nr. 30. Genlsta (jcrmaiücii L. Aus der Gegend des benach- 
barten Stromberg habe ich am 26. Juli 1906 ein nichtblühendes 
Stengelstück seiner eigentümlichen und schönen Panaschierung 
wegen mitgenommen. Von 8 cm Höhe an treten plötzlich drei 
grün-weiße Blätter auf. nicht unmittelbar übereinander stehend, aber 
von derselben Stengolkante entspringend. Diese ist zuerst kaum 
bemerkbar gelblich gefärbt, wird weiter oben aber deutlich gelb 
und etwas breite]-, an der Spitze des Triebes sogar breiter als der 
grüne Stengelteil. i\.llc auf dem hellen Streifen entspringenden 
Organe sind mehr oder weniger weiß, die dornigen Aestchen ganz, 
viele Blätter zur Hälfte; den letzten 15 fehlt das Grün ganz. Die 
auch von Herrn Dr. Schmitthenner herrührende Abbildung (siehe 
nächste Seite) zeigt diese Verhältnisse nicht so schön deutlich wie 
bei der Stellaria, weil hier die nichtgrünen Pflanzenteile von i^nfang 
an mehr gelblich als weiß waren. 

Nr. 31. PotcnüUa anserina L. Ganz ähnlich ist die Ausbildung 
der Abnormität an einem Blatte von Potentüla anserina, das ich 
1904 am Naheufer gefunden habe. In der Mitte der Oberseite der 



60 



L. Geisenheyner: 



Blattspindel verläuft eine hellere Linie, von der aus in die untere 
Hälfte des Grundes der rechts stehenden Teilblättchen je ein heller 
Fleck abgeht, der stetig an Größe zunimmt. Das gilt sowohl von 

den größeren gesägten ßlätt- 
chen als von den zwischen 
ihnen stehenden kleineu. tief- 
gespaltenen Segmenten. Die 
beiden letzten Blättchen vor 
der Spitze sind durchaus weiß, 
das ganze Endblättchen aber 
grün. 

Xr. 29. Cheirantims clieiri L. 
Bei dem Gärtner Hübsch- 
Eeuther, dem ich manche 
schöne Abnormität verdanke, 
fand ich Ende April 1910 im 
freien Lande einen 18 cm 
hohen, stark verzweigten Stock, 
der mir dadurch auffiel, daß 
er auf einer Seite chlorophyll- 
freie weiße Blätter trug. Ge- 
nauere Betrachtung zeigte, daß 
auch der Stengel von etwa 
Alertelhöhe an auf dieser Seite 
ganz weiß war und daß erst von 
da an die Blätter angefa.ngen 
hatten, sich zu entfärben. 
Die ersten sind ungleichseitig 
und haben eine grüne, normal 
ausgewachsene Hälfte. Die 
andere jenseits des Mittelnervs 
ist dünner, kaum halb so breit 
und weiß. Weiter nach oben 
am Stengel nimmt das Weiße 
zu; einige Blätter haben grüne 
Längsflecke von halber bis 
drittel Blattbreite, andere zeigen 
nur noch Spuren von Grün, die 
meisten sind ganz weiß, ein- 
schließlich der nach dieser Seite hin liegenden Sepalen. Von zweien 
am Bande des weißen Pflanzenteils nahe der Blüte stehenden Blättern 




Abb. 3. Genista germanica. 



Ueber einige Panaschierungen. 61 

ist das eine zur Hälfte grün, das andere sehr schmal weiß gerandet; 
ein Zweig, der aus dem hellen Stengelteil entspringt, ist ausnahmslos 
mit weißrandigen Blättern besetzt. 

Nr. 33. Valerianella carhiaia Loisel. Fast genau dieselben 
Verhältnisse finden sich an einem Exemplar dieser Art, das ich am 
30. April 1912 in der Nähe von Freilaubersheim gefunden habe. 
Auch hier trägt der Stengel zuerst zur Hälfte weiße Blätter, dann 
entspringt aus einem der Blattwinkel ein weißer Zweig, der einen 
sehr schmalen grünen Streifen hat. Außer einigen Blättern, die 
einen schmalen grünen Fleck über dem Mittelnerv zeigen, ist alles 
übrige an den beiden Gabelzweiglein weiß. 

Anhan g. 

In meiner Sammlung buntblättriger Pflanzen liegen noch 
einige, von denen es mir zweifelhaft ist, ob sie zu den Panaschierun- 
gen gerechnet werden können oder nicht. Zunächst ein schönes 
Exemplar von Falcaria vulgaris. Ich habe es im Juni 1913 am 
Wegrande gefunden und war durch seine Dojipelfärbung darauf 
aufmerksam geworden. Mir schienen die unteren Blätter schon 
verwelkt, obwohl die Pflanze sich eben anschickte, die Blüten zu 
ötFnen. Aber sie sind nicht welk, sondern stehen in voller Kraft- 
entfaltung an dem grünen Stengel, haben aber eine hellzimmetbraune 
Spreite und in allen ihren Verzweigungen einen dunkelbraunen Mittel- 
nerv. Auffallend ist dabei, daß die vier unteren Blätter so braun 
gefärbt sind und noch das sechste, während das fünfte, sowie der 
ganze übrige Teil der Pflanze normale Grünfärbung zeigen. 

Ferner besitze ich einige Stücke von Teucrium cliamaeclrys 
vom Rotenfels bei Kreuznach (1906) und vom Pflanzenschutzbezirke 
bei Schloßböckelheim (1909), an denen die Stengelblätter normal 
dunkelgrün gefärbt sind, aber die aus ihren Achseln entspringenden. 
Seitensprosse sind ganz blaß, allerdings auch noch nicht entwickelt. 
Ganz dieselbe Erscheinung zeigen Stücke von Meclicago sativa, nur 
ist da die Entfärbung in viel höherem Grade aufgetreten, da nach 
der Triebspitze zu alle Blätter ganz weiß (Haardt bei Kreuznach) 
oder doch ganz hellschwefelgelb (Simmern) geworden sind. Das 
dürften wohl beides Beispiele von Ghloroseerkrankung sein. 

Mit diesen kurzen Nachbemerkungen will ich meine Mitteilungen 
schließen und nur noch hinzusetzen, daß ich sie nur in der Absicht 
gemacht habe, die Aufmerksamkeit der Botaniker noch mehr auf 
diese Sachen, besonders aber auf das Vorkommen von Chimären 
hinzulenken. 



Dritter Beitrag 
zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 

Von 

R. Staritz. 

Auch dieser dritte Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt 
(vergl. Verh. II V. Prov. Brandenburg XLV. 1903. S. 59—96; und 
LV. 1913,, S. 55 — 80, zweiter Beitrag) scliließt sich an die Krypto- 
gamenflora Rabenhorst-Winter an und berücksichtigt besonders 
Teil 4 bis 7 mit Nachträgen zu den vorhergehenden; gleichzeitig wurde 
auch versucht, die Ergebnisse der neueren Forschungen anzuwenden. 
Das Gebiet der Angaben ist dasselbe geblieben, nur mit der Aenderung, 
daß einige Fundorte, welche mir Herr Kurt Schnltz= aus Köthen, 
Student der Naturwissenschaften, aus der Umgebung von Zürich n. a. 0. 
übergab, eingefügt wurden. Eis ist mir geglückt, einige für Deutsch- 
land neue Arten aufzufinden, z. B. Hainesia rJtoma (nach Professor 
v. Höhnel), Spliaeropf^is lauri, Rhabclo>ipora arnoseridis, Cylindroplioma 
Cookei (nach Prof. v. Höhnel), DendrojjJtonia affinis, Bussula densifoI/.a, 
^LijcospliaereVa SteUarinearuni Krst. und Clavaria pukJieUa, ebenso 
aber auch einige neue Spezies angeben zu können, diese sind: 
FJioma DiedicJ:ei. PJi. Lindauiana, Pli. Sherardiae. PJi. Stroeseana, 
Fh. cdisniatis, Ph. Idppuridis, Macroplioma Staritzii Sac, Ascochyta 
Herreana, Asc. Diedickei, Diplodina RicJitcrUüui, IJ. silybi mariani. 
D. Weyhei, Septoria Spergulariae Bres., Coniotliyrinui DlantJä, 
2Iicrodix)lodia Hennimjsii, M. CoUetiae. AI. Dracaenae, Hendersonia 
saponariae, Caniarosporinin ForsytJuae, C. Klrchneri, C. RJiodotypi, 
GloeosjjoriiüH Henninysil. Xcmaspora castaneae Bres., Jlarssonlna 
exfremorum Syd., il/. Staritcii Bres., Coryneum üiiludtinum. 

Das Herzogtum Anhalt war bis in die neuere Zeit in pilz- 
kundlicher Hinsicht wenig berücksichtigt worden. Im Jahre 1838 
erschien die das ganze Pflanzenreich umfassende Flora anhaltina 
von H. Schwabe. Nach dieser Zeit werden nur wenige Beobach- 
tungen über Pilze, bezw. Kryptogamen Anhalts bekannt gegeben: 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 6B 

Professor Lampreclit-Zerbst über das massenhafte Auftreten des 
Schleirapilzes Aetlialium sepücum in der Mitte der 70er Jahre des 
vorigen Jahrhunderts und Leptostroma liriodendri Linie in Rabenliorst 
Deutschlands Kryptogamenflora Bd. 1, S. 141, und P. Kummer, 
Führer in die Pilzkunde, gibt als den Standort seines Boletus urens 
das Friedrichsholz bei Zerbst an. 

Allen den Herren, die mich durch Bestimmung' mir zweifel- 
hafter Pilze, wie auch durch das Ueberlassen gesammelten Materials 
unterstützt haben, sage ich auch hierdurch nochmals meinen herz- 
lichsten Dank. Die vorgesetzten Nummern bilden die Fortsetzung 
der Nummeriernng des zweiten Beitrages. Die Abkürzungen bedeuten 
wie in den früheren Beiträgen: C = Köthen, D = Dessau, Z = Zerbst. 

TJstilagineae. 

Ustllago liypodytes (Sch\.) an Triticum repens, D: am Kornhaus. 

855. U. Maijdis (DC). C: am Bahnhof (Herr Mittelschullehrer Wind). 

856. U. scorzonerae (A. et Schw.), an Tragopogon pratensis, D: 
Friedhof zu Ziebigk, an Scorzonera liumüis, D : im Rößling bei 
Mosigkau^ zuerst von Herrn Lehrer k. Zobel und später 
auch von mir gefunden, [aus der Umgegend von Zürich-Schweiz 
durch Herrn K. Schultz erhalten, auch ?i\xi S cor zoner a liumilis\. 
JJ. Tiitici (Pers.) Jens, an Triticum vulgare, C: bei Baasdorf. 
U. Jensenii Rostr. an Hordeum vulgare, C': bei Köthen und 
Schortewitz, an H. Jiexastlclion, D: b. Mosigkau. 

JJ. nuda (Jens.) Kell. u. Sw. an Hordeum vulgare, C: Pilsenhöhe. 

U. perennans Rostr. an ArrJienatJierum elatias, D: in der Sale- 

gaster Aue und bei Roßdorf. 

U. violacea (Pers.) an Melandryum cdbum Grck., D: im Küh- 

nauer Park, im Rößling bei Mosigkau und bei Goltewitz bei 

Oranienbaum. 

Anthracoidea caricis (Pers.) in den Früchten von Carex flava 

[am Pilatus b. Zürich (K. Schultz)]. 

Thecaplwra capsularum (Fr.) Desm. in den Früchten von Con- 

volvulus arvensis, D: Jahnsche Gärtnerei, Friedhof in Mosigkau. 

857. Entyloma serotinum Schrot, an SgmpJtytum officinale, D: bei 
Ziebigk und im Unterbruch zwischen Kleinkühnau und Aken. 
Doassansia sagittariae (West), D: an Sagittaria sagittaefolia 
am Kühnauer See und am Kapengraben zwischen dem Kapen 
und Vockerode. 

Urocystis anemones Pers. an Anemone yiemorosa, C: auf dem 
Petersberg [und bei Schönebeck]. 



64 - R. Staritz: 

Vredineae. 

Uromyccs Ficariae Sclium. an Ficaria verna im Bergliolze am 
Petersberg'e [und bei Schönebock rechts der Elbe]. Z: am 
Hubertusberg bei Cosvvig und bei Roßlau. 

858. TL carijophyllinus (Sehr.) an kuitiv. Nelken. D: im Herzogl. 
Küchengavten. 

[Tl. jJiyteuniafuiii (1)0.) an Phytcnma spicatnm, bei Zürich 
(K. Schnitz)]. 

[TL alchemillae (Pers.) an AlcliimiUa vulyaris, bei Zürich 
(K. Schultz)]. 

859. Tl. gercmii (D(.'.) an Qeramum molle, V.\ bei Köthen und Edderitz. 
TJ. excavaüis D(!. an Eaphorhia cypar/ssias, (l: bei Arendsdorf 
(K. Schultz)]. 

TJ. j^olygoui (Fers.), (': bei Kr)thon an Polyyonnm avicidare 
(K. Schultz). 

Tl. acetosae Schrot, an Rumex acetosa, (': in der Lödderitzei' 
Forst. 

Tl. tr/foln (A. et Schw.) an Trifolium repens. C: bei Köthen 
am Wasserwerk (K. Schultz), 

TJ. Fahae (Pers.) an Vicia satiua, 0: an der Pilsenhöhe. 
T^. jwae Rbh. I an Ficaria venia, am Hubertusberg bei Coswig, 
und im Bergholz am Petersberg. 

[TJ. medicayinis falcatae (DO.) an Medicayo falcata bei Jena in 
'J'hüringen (v. K. Schultz und mir gefnnden)]. 
I f ^. cacaliae {DC.) an Adenostyles ylahra, bei Zürich (K. Schultz)]. 
[U. aconiti lycodoni (DC.) an Aconitum lycoctoiium, am Pilatus 
bei Zürich (K. Schultz)]. 

TJrom. piäi (Pers.) an Latliyrus platypliyllos, I): bei Wörlitz. 
[U. Dactylidis (Otth.) an Dactylis ylomerata, bei Zürich; 
K. Schultz]. 

Puccinia glecliomaüs DC. an Oleclioma Jiederacea, C: am Zehringer 
Busch (K. Schultz), D: in der Salegaster Aue. 
P. maluncearum Mont. an JSkdoa neylecta, C: bei Baasdorf und 
Wieskau. 

[P. compacta DBy. an Anemone verncdis, bei Jena in Thüringen 
(K. Schultz)]. 

P. Baryi (B. et Br.) an J3rarJiypodiu»i pinnatum, D: Sale- 
gaster Aue. 

P. arenariiw {ßiA\wm.) an SUilaria nemorum, D: im Unterbusch 
zwischen Kleinkühnau und Aken, auch an der Georgsburg bei 
Könnern an Arenaria serpyllifolia (K. Schultz)]. 



Dritter Beitrag' zur Pilzkunde des Herzogtums Anlialt. bo 

P. oliscuni iScliröt. au Luzuhi )iHiUif7ora, Z: bei Lindau im 
Gehege,, am Schwarzeuberge uud am llubertusberg bei Coswig. 
F. snaveoleiifi (Pers.) au (Jirsium (triyciisc, C: bei Güdersee uud 
an d-HT Pilseubühe. 

Pure, fnsca Eelh. an Anemone neniorosa, C: am Petersberg 
[und bei Zürich, K. Schultz]. 
. P. menthae (Pers.) an JSfentlia nruensis verbreitet, z. B. bei 
Most und Reiusdorf im Ivreisc ('. 

P. cielioraeearum DC. an Ciclioruim iutyhns. C: bei Güdersee 
(K. Schultz). 

P. lacüiraruiii S3'd. au Laetned ninralh, H: bei Güntersberge 
[Zürich: K. Schultz]. 

860. P. p/cridls Hazsl. au Fieris hieraeioides, C: an der Pilsenliöhe. 
[F. iuontana Fckl. an Cenieuirea montana, bei Zürich (K. Schultz)]. 

861. P. leontodontis Jack}^ an Leontodoii aatuiunalis, I): bei Quellendorf 
(K. Schultz); au L. hispklas. C: Eeinsdorf (K. Schultz). 

P. centüureae DC. an Centanrea Jacea, C: bei lildderitz und 
Pfaffendorf (K. Schultz). 

P. cirsii lanccolaü Schrot, an Cirsinm lanreolattnn, C: Lödderitzer 
Forst (K. Schultz). 

P. crepidis Schrot, an Crepis h/ennis, (!: an der Pilsenhöhe 
(K. Schultz). 

P. prenantliis (Pers.) an FrenanÜies purpurea [bei Zürich 
(K. Schultz)]. 

P. gcdii (Pers.) an üaliiua vennii, Z: bei Steckby (K. Schultz). 
P. adoxae D('. an Adoxa uioschdtelluHi auf dem Petersberge im 
Bergholz u. Z: b. Roßlau am Abhang nach der Hautwoll- 
fabrik zu. 

P. violae (Schum.) an Viola odorata, D: im Wörlitzer Park. 
[F. cariclfi montanae -AwCarex iiiontana, bei Zürich (K. Schultz)]. 
P. Simplex Köru. an Hordeum disticJium, C: bei Köthen. 
P. eoronifera Kleb, an Arrhenaihenun elatius. C: bei Güdersee; 
an Avena pratensis, C: hei \Yies]s.d.i\\ 1 ein Anchasa italica, C: in 
einem Garten zu Köthen (K. Schultz). 

P. coronataCd-a,. [I. an Rliamnas fraiif/ula, b. Zürich, K. Schultz)]. 
P. poarum Niels I an Tassilago farfara, C: bei Zehringen 
(K. Schultz). 

P. phraf)mitis (Scluim.) Körn, an F'Jiragmites communis. D: 
Graben zwischen Alten und der Brachmeierei. 
P. caricis (Schum.) an Cuj'ex riparia, (': Pfatfeudorfer Teich 
(K. Schultz). 

Veihandl. des Bot. Vereins f. Brandeub. LIX. K 



ßß ^ R. Staritz: 

PlircKjmidiam suhcorüriinu (.Sehr.) an Bosa, C: in Kötlien und 
D: im Wöiiitzer Garten. 

Gymnosioorangium sahinae (Dicks.) I an Pirns communis^ D: 
im Wörlitzer Park. 

862. G. juniiminum (L.) I auf Sorlin^ aiicuparia, C: bei Köthen 
(MittelscbuUehrer Wind- Köthen). 

Cronartiiüii rlbicolwn Dietr. an Ribes nigrum. D: im Wörlitzer 

Park. 

Melampsora eintea (Kze. et Schum.) Thüm. an Salix viminalis, 

C: am Schachtteich bei Pfalfendorf (K. Schultz). 

M. helioscopiae (Pers.) an Eujjhorhia iieplus in C. und D. 

verbreitet; an E. exigua C: bei Gröbzig; bei Baasdorf von 

K. Schultz gefunden; an E. Esula, C: bei Wieakau und Straße 

von Köthen nach Baasdorf. 

Tliecapsora galii (Lk.) Mag. an Galiam verum, D: bei Ziebigk. 

Coleosporium campanidae (Pers.) [an Phyteuma spicatum bei 

Zürich] an Campanula rapunndoides, C: bei Köthen und Kattau 

(K. Schultz). 

C. soncld arvensis (Pers.) an Sonchus asper, C: bei Güdersee; 

und an S. arvensis, C: bei Köthen und Baasdorf (K. Schultz). 

C. tussilagmis (Schum.) an TussUago farfara, C: bei Güdersee 
(K. Schultz). 

863. Ochrospora sorhi (Ood.) Dietel, die Aecidienform an Anemone 
nemorosa, D: im Georgengarten und auf dem Petersberge im 
Bergholz, Z: am Hubertusberg bei Coswig. 

Exohasidiaceae. 

Exohasidium vaccinri AVor., ü: an einem kult. Rhododendron 
aus Dessau erhalten. 

Dacryoniycetaceae. 

Calocera viscosa (Pers.) verbreitet, an Pinus silvestris, z. B. 
Z : Wälder am Spitzberg und Eoßlauer Forst. 

864. C. Cornea (Batsch) an faulendem Ast von Pinus silvestris, Z: 
am Spitzberg am 10. Nov. 1916. 

Dacryomyces deliquescens (Bull.) auch in Z. verbreitet. 

D. stillatus Nees, D: im Mausoleurapark. 

Tremellaceae. 

Tremella lutescens Pers. an faulenden- Quercusästen, D: im 

Kühnauer und Wörlitzer Park. 

Tr. fimbriata Pers. an Betula alba, D: im Wörlitzer Park. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. bi 

Theleph ovaceae. 

^tereiun saiigauiolentnm (Alb. et Scliw.), Z : Koßlaiier Forst. 

865. St. hirsutnm (Willd.) Pers. au faulendem Holz. D: Mauso- 
leum-Park. 

860. Corikiiun (uitochroinn Fr., Z: au Bdida alba am Spitzberg'. 

867. C. samhuci Pers. an Samhucns lüfjra, U: Mosigkauer Heide, 
östlich der Eisenbahn im Möster Revier. 

868. C. centrifiigum (Lev) Eres., bis jetzt nur D, beobachtet an 
Tilid, Bohuiia, Ulmus. Aesculus und Prunus domestica. Die 
Bestimmung verdanke ich Herrn Prof. Dr. G. Lindau. 

869. C. qiiercinuDi (Pers.) an Aesten von Qucrcu.s. D: im Kühnauer 
Park. Auf Seite 78 des ersten Beitrages, diese Verhandl. 1903, 
enthält die erste Zeile einen sinnentstellenden Fehler, es. muß 
nicht CijpJicUa ochraceum, sondern Corficium ochr. heißen. 

870. Pe))iopl/ora suhtiUs (Schrot.) v. Höh. et L., D: an Pinus silvestris 
in der ^tlosigkauer Heide, Eevier Most. 

TelepJiora terrestiis Ehrh.,, verbreitet, z. B. D: Mosigkauer 

Heide,. Z: Roßlauer Forst und ^^'älder am Spitzberg und bei 

Coswig. 

Th. Jariuluta Pers. verbreitet in den Wäldern des Kreises Z : 

im Roßkauer Forst, Bernsdorfer Revier und am Hubertusberg 

bei Coswig. 

Tli. caryoplnjUea (Schaff.) Pers. verbreitet in den Wäldern der 

Kreise D. u. Z. 

TJi. pahuatu (Scop.). Z: Roßlauer Forst, D: bei Oranienbaum 

und Gohrau. 

Solenia ochracea Hoftni. an Aesten von Salix und Quercus, D: 

im Luch zwischen Rehsen und Riesigk und in der Breske; au 

JRohinia pseudacacia und Lonlcera tatarka, D: im Kühnauer Park. 

Clavariaceae. 

Typhula pusilla Pers. an faulenden Blättern von Pirus 
communis und P. malus, D: an der Jahnschen Gärtnerei, und 
von Populus tremula am Golpaer Steinbruch. 
87L T. Candida Fr. an trockenen Blättern von Pirus japonica 
(Cydonia jap.), D: in der städtischen Pflanzenschule. 
Ckivaria inaequcdis Müll. f. capitata. D: im Mausoleum-Park 
(nach Bresadola), die Hauptform verbreitet D: im Kühnauer 
Park, und Z: Roßlauer Forst. 
Gl. cristata Holmskj. D: im Mausoleum-Park. 
Cl. [gracilis Pers. in den Wäldern bei Pulsnitz-LausitzJ. 



68 ^ R. Staritz: 

Cl. [strida Pers. bei Pulsnitz]. 

872. Cl. crocea Pers. D: im Mausoleuiu-Park. 

Cl. canaUciilata Fr. D: im Mausolenm-Park. 

873. Cl. spathuliformis Bres. v. capAata. D: im Mausoleum-Park 
(nach Bresadola). 

874. Cl. juncea Fr. 0: im Zietliebiiscli bei Köthen (K. Schultz). 

875. Cl. 2^ulc]iella. D: im Mausoleum-Park unter Tilia grandifolia 
(nach Bresadola). 

Im Georgengarten bei I). wurde im September 1916 die der 
Cl. jjnlchella ähnliche Form Cl. suhtilis Pers. gefanden. 

876. Cl.vermiculaiaWiQX^. D: im Mausoleum-Park und Kühnauer Park. 

877. Cl. grisea Krmbh. D: im Mausoleum-Park. 

878. Cl. rugosa Bull. D: im Georgengarten und im Mausoleum-Park. 

879. Cl. falcata Pers. auf Wegen. Z: in der Roßlauer Forst. 

880. Cl. Kromhholzii ¥i\ D: im Kühnauer Park. 

881. Cl. a.piculata Fr. Z: in der Roßlauer Forst am Grunde einer 
Kiefer. 

Cl. fastigiata L. Z : Roßlauer Forst. 

Sparassis crispa Fr. in den Wäldern der Kreise D. und Z. ver- 
breitet, Geruch angenehm. Das letzte schön entwickelte 
Exemplar dieses Jahres wairde am 10. Dezember 1916 ge- 
funden in der Kienheide bei D. Nach Herrn Lehrer Zobel: 
Z: Wörpener Kiefernwald. 

Hydnaceae. 

Irpex fuscouiolaceus Fr. D: bei Oranienbaum an der Müchauer 
Mühle und Wälder zwischen Goltewitz und Jüdenberg, Z: Wal- 
dungen am Spitzberg. 

Hydnum ■ Schiedermayri Heufl. Obst- (Apfel-) anpflanzungeu 
zwischen D. und Roßlau, an Apfelbäumen in Altjeßnitz. 
H. auriscalpium L. Z: Wälder am Hubertusberg (Möllensdorfer 
Revier). 
H. repandum L. D: Mosigkauer Heide (Kochstedter Revier). 

882. H. laevigaüim Sw. Z: Wälder am Spitzberg. 

H. imhrkatum L. D: Wälder zwischen Oranienbaum und 
Gräfenhainichen. 

JPolyporaceae. 

883. Daedalea unicolor (Bull.) Fr. D: an alten Baumstumpfen in 
der Kühnauer Forst. 

884. D. confragosa (Bull.) Fr. D: an alten Baumstumpfen im 
Kühnauer Park. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 69 

885. Porta subfascoflavkla (Rostk.). D: Mosigkauer Heide. 

886. F. incarnata A. et Schw. D: Mosigkauer Heide (östlich der 
Bahn) und Schieraiier Forst. 

887. P. riolarea Fr. au entrindetem Nadelholze. D: Mosigkauer 
Heide. 

P. ferruginea (Sehr.). D: am Kirschberg hei Ziebigk und bei 

Libehna bei Eaguhn. 

Fomes lucidus (Leyss.). D: an alten Baumstümpfen (Quercus) 

auf Waldwiesen. 1): zwischen Dellnau und Vockerode, Wör- 

litzer Park, im Rößling bei Mosigkau. Z: Roßlauer Forst 

zwischen Schlangengrube und Luko, Bernsdorfer Forst. 

F. ribis (Schura.). C: in Gärten an Rihes grossularia in 

Osternienburg (K. Schultz). 

888. F. fomentarius (L.). C: in Ziethebusch (K. Schultz). 

889. Polyporus hispidus (Bull.) an Apfelbäumen. D: Obstanlagen 
zwischen Dessau und Roßlau. 

P. betulinu.s (Bull.) an Betida alba. D: Mosigkauer Heide. 
Kühuauer Park. Z: am Spitzberg und in der Roßlauer Forst. 

890. P. Sclnueinitzii Fr. D: Große Kienheide und im Kühuauer 
Park. 

891. P. frondosus (Fl. dan.). Z: bei Roßlau. 

P. yiganteus (Pers.). D: an alten faulenden Quercusstumpfen, 
von Herrn Lehrer Zobel in der Mosigkauer Heide gefunden, 
auf Waldwiesen am Kühuauer See zwischen dem Kornhause 
und Großkühnau und in der Vockeroder Forst, hier nach einer 
Mitteilung des Herrn Lingner-Dessau im September 1916 in 
einem Exemplar von 55 Pfund Gewicht gefunden, Mosigkauer 
Heide; Z: in der Roßlauer Forst. 

P. confiuens (A. et Schw.). D: in den Wäldern bei Raguhn- 
Möhlau von Rektor Voigt-Raguhn gefunden. Z: am Spitzberg. 
P. ovinus Schaff, ebenfalls von Rektor Voigt. D: bei Raguhn- 
Möhlau gesammelt und Z: Wälder am Spitzberg (Streetzer 
Revier), bei Luko-Hundeluft von Herrn Lehrer Zobel gefunden. 
P. melanopus (Pers.). D: in den Salegaster Auenwäldern. 
P. adiistus (Willd.). D: Mosigkauer Heide, an einem alten 
Weidenstamme am Kühuauer See. 

P. brumalis (Pers.). D: Wälder in der Salegaster Aue und 
in der Vockeroder Forst. Z: am Spitzberg. 

892. P. nivms Fr. an faulenden Aesten. D: Mosigkauer Heide, 
Priorauer Forst. Z: Roßlauer Forst und am Spitzberg. 
Trametes gibbosa (Pers.). D: Mosigkauer Heide. 



70 ^ K. Staritz: 

PohjsUctas iOiuitas (Nees.). D: Musigkauer Heide. Z: Roß- 
lauer Forst. 

893. P. mur'mus ßostk. Z: an Bctida alba- Aeateii am SpitzlDcrg 
(Jütricliauer Revier). 

P. peroinii (L.) häufig iu den Wäldern der Kreise D. und Z. 

894. P. alveolarius Rostk. an einem faulenden Ast. Z: Roßlauer 
Forst, Meinsdorfer Revier. 

P. ahiethius (Üicks.) verbreitet. 

Lenzites hetuUna (Jj.). (': im Ziethebuscli (K. Schultz). 
Fistalina liepaüca (Schaft'.). D. und Z: verbreitet, besonders 
iu den Wäldern iu der Nähe der Elbe. 

Saillas castaneus (Bull.). 1): Mosigkauer Heide, Z: Roßlauer 
Forst. 

S. r//anesce}is (Bull.) im Jahre 191G häufiger als früher beob- 
achtet, z. B. D: Wälder bei Oranienbaum, Mosigkauer Heide, Z: 
Roßlauer Forst, Forstrevier Bernsdorf am Öpitzberg. 
Tijlopilas felleus (Bull.) im Jahre 1915 häufiger als im Jahre 
191G beobachtet, D: Mosigkauer Heide, östlich und westlich 
der Bahn, besonders in der Nähe von Kochstedt, in Rößling 
und Ghörauer Revier, Z : Roßlauer Forst und am Spitzberg. 

895. Boleto'psis degaiis (Schum.). 1): Kühnauer Park, Mosigkauer 
Heide, bei Schierau, Z: Wälder am Spitzberg. 

896. B. rafa (Schaff.). D: bei Pötnitz. 

B. lutea (L.). D: im Georgengarten, Mosigkauer Heide, Z: 

am Spitzberg und Roßlauer Foi'st. 

Boletus hadius Fr. D: Mosigkauer Heide, Kühnauer Park, Z: 

Roßlauer Forst und Wälder am Spitzberg. 

B. fjramdatus L. D: AVälder bei Raguhn. Z: Roßlauer Forst, 

Wälder am Spitzberg und „Thielebei-ger Fichten". 

B. bovlnus L. D: Mosigkauer Heide, bei Schierau, Z: Wälder 

am Spitzberg. 

B. (dirysenteron Bull. D: Mosigkauer Heide, Z: Roßlauer Forst. 

897. B. cinnamomeus Rostk. D: Große Kienheide, Rößling bei Mosig- 
kau, Mosigkauer Heide, AVald bei Pötnitz, Z: Roßlauer Forst 
und am Spitzberg. 

898. B. collinitus Fr. Z: wurde in einigen Exemplaren in den 
Wäldern am Spitzberg gefunden. 

B. impoUtus Fr. Z: Roßlauer Forst (Lukoer Revier). 
B. aereus Bull. D: Mosigkauer Heide, Z: Roßlauer Forst. 
B. suhtomeniosus Bolt. D: Mosigkauer Heide, Wälder bei Oranien- 
baum, Raguhn und in Kr. Z: am Spitzberg. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 71 

89^. B. caloptts Fr. D: in der Mosigkauer Heide. 

900. B. ijiideratns Bull. D: Kühnauer Park, Mosigkauer Heide, Z: 
Eoßlauer Forst, Wälder am Spitzberg; in einer kleinen Form 
D: in der Großen Kienlieide bei Dessau. 

901. B. tesselatus Kostk. Z: am Spitzberg. 

B. variegatus Sw. Z : bei Steutz und am Spitzberg. 

902. B. racUcans Rostk., Tfl. 26 (B. appencUculaüts Schält.) Z: am 
Spitzberg. 

903. B. squanunulosHs Eostk,, Tfl. 47. D: Mosigl<:aner Heide. 

B. luridas Schaff. D: Mosigkauer Heide, Z: R.oßlauer Forst 
nnd am Spitzberg. Er wird liier vielfach gesammelt und ge- 
gessen. 

B. scaber Bull. D: Chöraner Kiefern, Z:. am Spitzberg. 
Während eines für Dessauer Einwohner veranstalteten Pilz- 
ausfluges, 27. 9. 1916, nach den Wäldern am Spitzberg wurde 
mir die von Rostkovius als BoL holopus Rostk. bezeichnete 
nnd auf Tfl. 4-8 abgebildete Form gebracht, nur war dieselbe 
etwas kräftiger und kleiner. Voiksname: Rehhals. 
Im September 1915 wurden mir von Herrn Lehrer A. Zobel- 
Dessau einige Boletus-Exemplare gebracht, über welche ich 
mir noch nicht völlige Klarheit habe verschaffen können. Das 
eine Exemplar sei vorläufig als eine Form von Bolet. bulbosus 
bezeichnet; es zeichnete sich aus durch einen kürzeren, mehr 
kugligförmigen Stiel (ungefähr 2,5 cm breit und ca. 3 cm hoch), 
die Stelle, an welcher Hut und Stiel zusammen kamen, ungefähr 
1 cm breit, Hut braun, fast flach ausgebreitet (schirmartig) 
und Röhren nur wenig über 1 mm lang, die Porenöftnungen 
wie beim Steinpilz. Das Fleisch von Hut und Stiel weiß, fest 
und wohlschmeckend (nußartig). Die anderen Exemplare möchte 
ich für Formen von BoL sapidus Harz halten. Hoffentlich 
gelingt es uns im nächsten Jahre noch weitere Exemplare auf- 
zufinden. 

Durch Herrn Rektor Voigt -Raguhn erhielt ich aus dortiger 
Gegend einen Polyporus, welcher mit Polyx). pescaprae große 
Aehnlichkeit hat, aber Hut- und Stielfleisch ist intensiv gelb 
gefärbt, das Aeußere des Pilzes hellgelblich und der Hut mit 
größeren und kleineren dunkleren Schuppen bedeckt. Aller 
Wahrscheinlichkeit nach ist es aber eher möglich, daß dieser 
Polyporus einzeln gewachsen ist, und somit wäre er wohl in 
die Abteilung IV Pleuropus B. Lenti. )< "/. Hut schuppig oder 
flockig zu bringen (Rbhst.-Wlnter, 2. Aufl., Teil 1, S. 444), also 



72 ,. . - K. Staritz: 

in die Xälie von P. iJieÜDWßus, JllicJti'lii, BoucJieaiius und squa- 
mosus, zu denen nach Fries, Hymenoniycet.enrop. S.b3'6 P.ixilUdns, 
nummulai-las, mhins und difformls zu rechnen wären. Nirgends 
war eine Angabe der oben angegebenen Färl)ung des Hut- und 
Stielfleisches zu finden. 

AgarU-(tce(fe. 

Pamis stipticns Bull. Z: lioßlauer Forst, einige Exemplare 
hatten eine Breite von über 4 cm. 

Lputinus üfjriiius Bull, an einem alten Weidenstamm, D: am 
Wege zwischen Vockerode und Jonitz. 

U04-. L. leindeus Fr. D: in der Vockeroder Forst. 

Marasmias oreadps (Bolt.). I): in den Forsten bei Orauien- 
baum (Müchauer Mühle), im Mausoleum-Park, Z : Roßlauer Forst, 
bei Klieken und Luko. 

21. peronatas (Bolt.). D: im Mausoleum-Park und in der Uroßen 
Kienheide. 

J/. androsa(-('H.s (L.) au Rubus fruticosus. D: im Wi'irlitzer 
Park. 

M. cautknialis S\v. D: reckte (westi.) Seite der Friedrichs- 
Allee. 

1)05. }[. ramerüis (Bull.). D: au Cedern im Kühnauer Park. 

Cantliarellus auranüaciis [\\\\\t.), in den'Nadelwäldern der Kreise 
D: und Z: verbreitet, mitunter G cm und mehr breit. 
C. cibaiiits Fr. ebenso und ebenda verbreitet. 

90G. (-\ latesceiis Fr. ü: \'ockeroder Forst. 

liassnla grisea (Bers.). 1): Mosigkauer. Heide und Mausoleum- 
Park, Z : Roßlauer Forst und am Spitzberg. 
R. interjra Fr. D: Mosigkauer Heide, Vockeroder Forst, Z: 
am Spitzberg und bei I/uko. 

E. emetica Fr. Z: Roßlauer Forst im Lukoer Revier. 
Der im ersten Beitrag auf Grund von Mitteilungen des Herrn 
Rektor Rathmann, jetzt Dessau, angegebene Standort „Große 
Kienheide", wie auch der ' Standort „Groß-Kühnauer Park" 
müssen jetzt als fraglich bezeichnet werden, da bis jetzt keine 
weiteren hierauf bezüglichen Feststellungen gemacht werden 
konnten, sodaß eine Verwechselung mit ähnlichen Russula- 
arten angenommen werden kann. Nach einer gegebenen Be- 
schreibung ist P. emetica von Frau Prof. Dr. Volkmann- 
Dessau in der Nähe des Landhauses, nördlich von Dessau, 
einmal gefunden worden. Das Vorkommen des Pilzes muß 
hier als sehr selten bezeichnet werden. 



Dritter Beitrag zur Püzl^unde des Herzogtums Anhalt. 73 

R. ryanoxantha Fj'. Z : Eoßlauer Forst. 

907. B. lürescens (ScliäitV). D: Mosigkaner Heide, Z: Rol>laiier Forst 
Eevier liiiko. 

908. B. nigricans (Bull.). D: im (xeorgeiigarteii; oberster Teil des 
Stieles weißlich. 

909. R. densifolia Sccr. D: Mosig-kauer Heide. Vockeroder Forst, 
Mausoleum-Park. Orauienbaumer Heide, Z: vereinzelt Eoßlauer 
Frorst und Wälder am Spitzberg. 

Die Angabe dieser Rassnla geschieht auf Urund der an den 

gesammelten Exemplaren gemachten Beobachtung. Der junge 

Pilz ist fast weiß gefärl)t. später z, T. dunkelschwarzbraun. 

auch ist er jung nicht klebrig, das Fleisch vom Hut und dem 

kurzen Stiel wird langsam rosa, um erst nach langer Zeit eine 

schwarz-dunkelbraune Farbe anzunehmen. Der Geschmack des 

Pilzes, besonders gekocht, ist sehr unangenehm. Die Sporen 

sind 7 — 8 x\ 5— G |j.. 

R. lutea (Huds.). Z: Eoßlauer F^jrst. 

R. frar/ilis (Pers.). D: Mosigkaner Heide. 

910. R. rosacca Fr. D: Kühnauer Park, Kienheide, Mosigkaner 
F'orst, Z: am Spitzberg und Eoßlauer Forst. 

R. lafca (Huds.). D: Kühnauer Park, Z: am Eabenstein. 

R. aJntarea (Pers). D: Mosigkaner Heide, Z: Spitzberg und 

Eoßlauer Forst. 

R. pectinata (Bull.). D: Mosigkaner Heide. 

911. Ladaria pijrogala Fr. D; im Mausoleum-Park, Z: am Spitzberg. 
L. glijciosma Fr. D: Mosigkaner Heide und Kühnauer Park, 
am A^'allwitzberg. 

L. piperata (Scop.) in den Wäldern der Kreise D: und Z: zer- 
streut. 
9r2. L. suhdalcis (Bull.). Z: Wälder am Spitzberg. 

L. volema Fr. D: Mosigkaner Heide, im Eoßling bei Mosigkau 

und in der Vockeroder P'orst, Z: Eoßlauer B'orst bei Luko, sehr 

vereinzelt. 

Die Piilsnitzer Standortsangaben im ersten Beitrag beziehen 

sich auf L. vellerea. 

913. L. heloa Fr. D: Kühnauer Forst, Kienheide, Z: Eoßlauer Forst. 

L. rufa (Scop.) häufig. 
9U. L. uvida Fr. D: Mosigkauer Heide. 

L. serifi.ua (DC). D: Mosigkauer Heide. 
915. L. rniüssima F'r. in den Wäldern der Kreise D. und Z: zerstreut. 

1j. torminosa (Schaff.). D: Mosigkauer Heide, Z: Eoßlauer 



74 R. Staritz: 

Forst, besonders Revier an der Schlangengrube, D: auch im 
Mausoleum-Park und Külinauer Park. 

L. deliciosa (L.). D: Waldungen bei Orauienbaura. Z: Roß- 
lauer Forst, besonders zwischen Roßlau und Schlangengrube. 
Volksname : Feuerreizker. 

L. tarpis (Weinm.). Z: Roßlauer Forst, besonders Meinsdorfer 
Revier. Der Autorname ist im ersten Beitrag falsch angegeben. 

916. L. chrysorliea Fr. Z: am Spitzberg und bei Streetz. 

917. L. scrohiculata (Scop.). Z: am Spitzberg. 

Hyyropliorus conicus (Scop.). Z: Roßlauer Forst. D: Mosig- 

kauer Heide und bei Most. 

H. cemceus (Wulf). D : Mausoleum-Park und Vockeroder Forst. 

R. miniatus Fr. D: Mosigkauer Heide. 

Paxillus involutas (Batsch). Wälder des Kreises Z. verbreitet. 

918. P. panuoides Fr. an faulenden Balken von Pinus silvestris. 
D: Mosigkauer Heide, v. acJienintius ebenda. 

919. F. atrotomentosus (Batsch) weniger häufig als P. involutus, 
z. B. Z: Roßlauer Forst und am Spitzberg. 

920. Gompliidius viscidiis (L.). D: Wälder östlich von Oranien- 
baum. Z : Roßlauer B'orst und am Spitzberg. 

921. G. fßutinosHs (Schaff.). D: im Mausoleum-Park. Z: Roßlauer 
Forst bei Luko. 

922. G. roseus Fr. D: Wälder zwischen Oranienbaum und Jüden- 
berg. 

923. Limaciimi hjjpotJiejum (Fr.). D: Kühnauer Forst und Z: am 
Spitzberg. 

924. L. discoideum (Pers.) Fr. Z: Roßlauer Fost. 

925. L. erubescens Fr. D: Kühnauer Park, Wall zwischen Korn- 
haus und Kühnau. 

926. Cortinarius armillatus Fr. Z: Roßlauer Forst und am Spitzberg. 

927. C. saniosus Fr. Z: Kliekener Forst, Roßlauer Forst, Meins- 
dorfer und Luckoer Revier: 

928. C. cinnaharinus Fr. D: Georgengarten. Z: Kliekener Forst, 
Roßlauer Forst, am Spitzberg und am Rabenstein. 

C. scaurus Fr. D: Oranienbaum, Ziebigk, Z: Roßlauer Forst, 

C. sanguineus (Wolf). Z: Kliekener Forst, ü: (jranienbaumer 

Heide. 

C. anthracinus Fr. Z: Roßlauer F^'orst. 

929. C. Idnnulpüs (Sw.). D: Wald zwischen Groß- und Kleinkühnau 
Z: Waldungen am Spitzberg. 



Dritter Beitrag- zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. io 

930. C. erijthrinm Vv. D; Külmauer Park und Musigkaiier Heide. 
Z: am Rabensteiii. 

C. cinnainoDteus (L.). Z: Roßlauer Forst, die Var. crocea Fr. 
Z : Eoßlaiiev Forst im Kliekener und Lukocr Revier. 

931. C. infidxs (Scliätf.). I): im Mausoleum-Park. 

932. C. lavfjHs (Biiscli.). I): Külinauer Forst, Kleinkühnauer Revier. 
Coin'inus epheiiierus Bull. D: au Relikot im Külmauer Park. 

933. Afjaricfi.s gracilis Fr. D: au mit Erde vermisclitem Pferde- 
duug: im Mausoleum- Park. 

A. ■^padiccor/risens .Schaff. 1): Georgeugarteu. 
A. painliona<^-eu>i Bull. 1): au AVegeu der Vockeroder Forst. 
934:. A. canohninneus ßtscli. I): Külmauer Park. 
A. foenisedi Pers. D: bei Ziebigk. 

935. A. velatiims Pers. I): Mosigkauer Heide. 

936. A. laieriüus Scbätf. D: Mosigkauer Heide, Z: Roßlauer Forst 
uud ^^'älder aui Spitzberg. 

937. A. merdarins Fr. au Pferdeduug. C: bei Gröbzig. 

.1. coronillus Bull. 1): Mosigkauer Heide auf einer mehrere 

Jahre unbenutzten Meilerstelle. 

A. viridulas Schaff. Z: Roßlauer uud Bernsdorfer Forst. 

.4. caiiipestris L. D: im Georgeugarten. Die Var. praticola 

Vitt. D: im Georgengarten und Wörlitzer Park, letzterer 

Standort wurde mir von Herrn Hofgärtner Herre gezeigt. 

.4. comfAdus Fr. Z: am Spitzberg, ^\'ald\vieseu nach Jütrichau zu. 

.4. arvensis Schaff'. D : bei Großkühnau. 

.4. haustellaris Fr. Z : Roßlauer Forst. 

938. .4l. siägineus Fr. D: Kienheide bei Ziebigk. 
.4. vervacU Fr. D: Aecker bei Ziebigk. 

939. -4. sapineus Fr. Z : Roßlauer Forst, 4vliekener und Lukoer Revier. 

940. A. suhf/lobosus Alb. et Schw. Z : trockene Stellen in der Roß- 
lauer Forst. 

94:1. A. hilaris Fr. Z: Roßlauer Forst. 

942. .4. carpoplnliis Fr. Z: Roßlauer Forst. 

943. A. effugiens Quel. Z: Roßlauer Forst. 

A. carhonarius Fr. D: an Holzkohlenstückcheu auf Meiler- 
• stellen in der Mosigkauer Heide. 

944. ^4. truncatus Schtf. Z: am Spitzberg. 

945. .4. crustalimformis Bull. D: im Mausoleum-Park und Z: am 
Spitzberg. 

946. .4. frinnentaceas Bull. B: bei Aschersleben, nach gütiger Mit- 
teilung von Prof. Dr. Dittrich-Breslau. 



76 ^ R. Staritz: 

947. A. Bongardn Weinm. Z : Roßlauer Forst Bezirk SchlangengTube. 

948. A. lacerus Fr. Z: Roßlauer Forst. 

A. geophyllus Sow. D: Georgeng'arten. 

A. spectahiUs Fr. D: Wälder bei Oranicubaum. 

949. A. aurivellus Batsch. D: Kühnauer Forst iu der Nähe von 
„Grassows Teichen" an altem Eicheustumpf. auch bei Jüden- 
berg'. Die Var. ßamentosa (Schaff.) Sehr. Z: am vSpitzberg. 
A. destraeus Bond. I) : an alten Baumstämmen in der Stadt. 
Pflanzschule. 

.4. mutcMlis Schaft'. Z: Wälder am Spitzberg. 
^4. squarrosus Müll. D: Vockeroder Forst. 
9.50. .4. variabüis Pers. an abgestorbenen Aestchen und Zweigen 
von Robinia pseudocacia 4): am Kirscbberg bei Ziebigk. 

951. ^4. mammosas L. Z: 4loßlauer 4'orst, Klieken — 4juko. 

952. A. iiegledus Lasch. D: bei Heideburg. 
.4. lüeopodhis Bull. D: bei Most. 

.4. lazuUmis Y\\ v. atrocyanea Pers. 4): im Kühnauer Park. 

953. A. specMiüu Fr. D: im Mausoleum-Park. 

954. A. leoninus Schaff. D: im Mausoleum-Park, Z: Roßlauer Forst, 
C: am Grunde einer Pappel bei Werdershausen, 

955. .4. hypopithys Fi'. 4): im Kühnauer Park. 

A. ostreatus J-d^qu. y. glandulosus Bull. Z: an Robinia pseud'B- 
cacia bei Roßlau. 

956. A. nidulans Pers. an faulenden Pinusästen, D: Kienheide, Z: 
Roßlauer Forst. 

.4, fibida Bull., auch Z : verbreitet. 

A. seüpes Fr. 43 : Mosigkauer Heide, Z : Roßlauer Forst zwischen 

Moos. 

A. integrellus 4^ers. Z : Roßlauer Forst, 4vliekener 4vlosterholz. 

957. A. mkroscopiciis Wirtgen. 1): Mosigkauer Heide und Z: Roß- 
lauer 4'orst. 

A. scyphiformis Fr. D: Kienheide, Z: Wälder am Spitzberg. 

958. A. Jiiemalis Osb. an Quercus, D: im 4üihnauer Park. 

959. A. griseusFr. Z: Roßlauer Forst. 

A. galopus Pers. D: Mausoleum-Park, Z: Roßlauer Forst. 
A. scmgmnolentus Alb. et Schw. D: Mausoleum-Park, Kühnauer 
Park, Mosigkauer Heide, Z: Roßlauer Forst (4ievier in der 
Nähe der Schlangengrube). 

960. A. ladeus Pers. Z: Roßlauer Forst. 

A. galer iculatus Scop. D: alte 4uesgrube in der Nähe des Ost- 
ufers des 4uihnauer Sees. 



Dritter Beitrag- zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. i i 

A. staiiiiciis Fr. Z: Koßlaiier Forst Meiusdorfer Bevier. 
Ä. stylohates Fers. 1): au F>lätter und Stengeln im Wörlitze] 
Fark. 
96F .4. dryoplülus Bull. D: im Kühnauer Fark. 

962. A. asemus Fr. Z: Rnßlauer Forst. 

A. rwißuem Fers. Z: Foßlauer FcTst im Kliekener Bezii-k. 

963. A. fiisipes Bull. D: Mausoleum-Fark, Vockeroder Forst. AVälder 
bei Oranienbaum, (loltewitz, Z: am Spit/berg. 

964. A. hiityraceus Bull. D: Vockeroder Forst, Oranienbaumer Heide, 
bei Goltewitz und Jüdenberg, Z: Roßlauer Forst Kliekener und 
Lukoer Revier, auch am Spitzberg. 

A. conigenus Fers. Z: am Hubertusberg. 

965. A. laceratus Scop. D: Scliaffichten bei Großkühnau. Roßlauer 
Forst. 

A. laccatus Scop. ü: und Z: verbreitet. Die Var. rosella 
Batsch. Z: Roßlauer Forst, Var. amethysüua Bull. Z: AVälder 
am Spitzberg. 

966. .4. inversus Scop. D: im Mausoleum-Park. 

967. A. ericetorum Bull. Z: am Spitzl)erg,. 1): am Kirscliberg bei 
Ziebigk. 

968. A. diatretus Fr. Z : am Spitzberg. 

969. J. fßims Fers. Z: Roßlauer Forst. 

970. .4. siriopicMs Fr. Z: Waldungen am 41abenstein. 
.4. nehularis Batscli. Z: am Spitzberg. 

.4, personatus Fr. D: Mosigkauer Heide. Kienbeide am Rande 
einer Kiesgrube. 
97F .4. columhetta Fr. mit v. (dbiis. Z: am Spitzberg. 
.4. rutilans Schaff. Z: am Spitzberg. 

972. A. hicolor Fers. Z: am Spitzberg, D: Kühnauer Park, bei 
Ziebigk. 

A. variegatus Scop. Z: am Spitzberg. 

973. A. puüd,m Fr. I): im Mausoleum-Park auf einem Humushaufen. 
(iVach Herrn R. Schulz -Berlin.) 

974. A. midiis Bull. D: im Mausoleum-Park. 

A. imhrkatus Fr. D: verbreitet, z. B. Kühnauer Forst, zwischen 
Groß- und Klein-Kühnau, Z: Roßlauer und Bernsdorfer Forst. 
97,5. .4. ulmarius Bull. Z: Roßlauer Forst. 

976. .4. portensHs Y\\ Roßlauer Forst Meiusdorfer Revier. 

977. -4. fumosiis Fers. Z: Roßlauer Forst und am Spitzberg. 

A. sulpliuretis Bull. D: Kühnauer Forst und bei Klein-Kühnau 
nach Alten zu, Aken; Z: am Spitzberg. 



78 R. Staritz: 

Im stullicheu 'J'eile des ..Tiergarten", in der Nähe von Pötnitz. 
wurden im September 1915 einige Exemplare gefnnden, deren 
Stiele nach unten Üasclienartig verdickt waren. 
.4. sapoiiaceus Fr. Z: Koßlaner Forst und \^'älder am Spitz- 
berg, besonders nördliche Seite des Spitzberges; hier mit röt- 
lichen Flecken, auf tlenen Epicoccuin i)urpurascens wuchs. 

978. A. ustalis Fr. Z: Wälder am Spitzberg. 

979. A. tristis Fr. Z : Waldungen am Spitzberg. 
A. terreus Schaff. Z: Bernsdorfei- Forst. 

980. -.1. (jamhosus Vy. 1): im Mausoleum-Park. 

981. A. ronglohatus Vitt. Z: l»oßlauer Forst, D: Vockeroder Forst. 

982. A. fjlaucoccuins Bres. Z: Ivoßlauer Forst. 

A. equ-estris Fr. Koßlauer Forst, besonders aber am Spitzberg, 
von Lelirer Zobel gesammelt Pfalt'enheide und A\^jrpener Kiefern 
bei Cosvvig. 

983. A. latcovirem A. et Seh. Z: Hoßlauer Forst. 

A. melleiis Fi. dan. Z : Eoßlauer Foi'st und Waldungen am 
Spitzberg. l)eobachtet von Lehrer Zo])el Pfatt'enheide und 
AVr)rpener Kiefern bei ('oswig. 
981. .1. lent/cuhtris Lasch. Z: lioßlauer Forst. 

985. A. robustm Alb. et Schw. in der Var. niajor. D: in den Wäldern 
östlich von- Oranienbaum und Z: am Spitzberg, die Var. minor 
ü: in den Wäldern bei Oranienbaum zwischen Goltewitz und 
Gräfeuhainichen. Beide Formen haben Herrn R. Schulz vor- 
gelegen. 

A. granulosns Batsch. Z: Roßlauer Forst, am Spitzberg, Straßen- 
graben bei Jübrichan. L): Mosi.^kaner Heide, Mausoleum-Park. 
.1. dypeolarius Bull. D: Kienheide bei Ziebigk. 

986. A: carcliarias Pers. Z: Roßlauer Forst, D: Große Kienheide. 
^1. procerus Scop. D: und Z: verbreitet. 

987. A. rhacodes Vitt. Z: Wälder am Spitzberg. 
A. cepaesüpes Sow. Z: Bernsdorfer Forst. 

988. .1. acutescpuimosiis Weinm. ' D: Mausoleum-Park. 

989. .1. puäicus Bull. 1): nach Herrn Dr. Schneider-Üessau. 

990. A. sereniis Fr. D: Kühnauer Park. 

991. ,1. asper Fr. D: Vockeroder Forst, Mosigkauer Heide, bei 
Oranienbaum, Z: Roßlauer Forst. 

992. A. mappa Fr. D: Vockeroder Forst, Mosigkauer Heide, Mauso- 
leum-Park, Z: Roßlauer Forst. 

A. phallüldes ¥\\ D: undZ: verbreitet, Var. citrina, Z: Berns- 
dorfer Forst. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. /9 

Ä. pmitJicrhius DC D: A\'älder bei Oraiiienbaniii, Z: Roßlauer 

Forst. 

A. ruijescens Fr. D: und Z: verbreitet. 

993. Ä. umhrimis Pers. D: Mosigkauer Heide und Z: Roßlauer 
Forst. 

A. niuscarius L. 1): und Z: in mehreren Formen verbreitet. 

994. A. regalis. Z : Roßlauer Forst, selten (nach Abbildungen von 
Prof. Macku). 

995. A. jonquillinus. D: Mosigkauer Heide Möster Revier (nicht 
ganz sicher). 

Amanitopsis plwnhea. D: und Z: verbreitet, doch nicht häufig. 

Gasteroniycetes. 

Phallus iinpudicus (L.) Fr. D: und Z: verbreitet. 

Wiizopocjon ruhescens Fr. D: Wälder östlich von Oranienbamn. 

Eh. luteolas Fr. 1): bei Goltewitz, Z: bei Luko. 

Sderoderma vid(iare Flor. dan. D: und Z: häufig in den 

Wäldern besonders. 

Sei. vernicosum Bull. D: und Z: weniger häufig. 

Lijcoperdon raelatton Bull. In den Kreisen D: und Z: hie und da. 

L. Bovista L. D: im Rößling. 

996. L. jjijri forme Schaft". D: bei Mosigkau. 

L. pusillum Bsitsch. D: bei Oranienbaum, Z: bei Roßlau, Luko. 

Streetz. 

Geeister Bi-yanti Berk. D: im Wörlitzer Park, mitgeteilt von 

Herrn Hofgärtner Herre. 

Cr. limbaius Fr. wurde auch weiterhin an seinem Standorte 

im Wörlitzer Park beobachtet, wie auch 

997. O. Schmidelü Altt. l): Wörlitzer Park. 

Cnicibidum vulgare Tul. D: auf Pferdemist in -der Großen 
Kienheide. 

Cyathus striatus Huds. D: im Mausoleum-Park, bei Pötnitz im 
Gebüsch nach dem „Tiergarten" zu, Z: bei Lindau im Gehege. 
auch bei C: im Ziethebusch von K. Schultz beobachtet. 
Sp)haerobolus steUatus Tode. D: bei Pötnitz an faulenden Car- 
pinus- und Betulaästen, im Wörlitzer Park an (^uercus, Z : an 
letzterem auch bei Lindau im Gehege und Roßlauer Forst, wie 
auch am Spitzberg. 

Nachtrag : 

1563. Polyporus rufescens. D: Kühnauer Forst, sehr selten. 

1564. Phlebia merismoides. D: an einem Eichenstumpf an der Rinde, 
Kühnauer Park, 29. 12. 16. 



80 R. Staritz: 

Ascoinycetes. 

Spliaerotlieca JiumuJi (DC.j Schrot, auf Hmnulus liApulu^^. C: im 
Ziethebnsch bei Kötlien; au Cucumis scdiva verbreitet; au Epilo- 
lium hirsutnm, (•: am S cli ach tt eich bei Pfaffeudorf. 
Erysiphe polyfjoui DC. an Ra)iuiiridus fiammula. D: bei Horst- 
dorf: au Med/cof/o minima. G: bei Kattau uud Wieskau: au 
Cojivohjulus aruensis, verbreitet, z. B. Z: bei Bias; au Astragrdns 
(jJycypliyUos. C: bei Ivötheu und P)iendnrf: au <)uol)ry(:liis safira, 
■ D: bei Quelleudorf (K. Schultz). 
E. 'luidjelliferarum Do Bary au Heracletim Spliondylium, C: bei 
Gröbzig: uach K. Schultz-Kötheu im Ziethebusch uud Ijei 
Güdersee; au Aiidtrisnis mlyaris. D: bei Mosigkau. 
E. yaleopsidis DC. au Lamiiun parpureum, C: au der Pilseu- 
höhe: au Stachys sikatica. C: im Ziethebusch: au Bcdloia nigra, 
verbreitet; uach K. Schultz bei Baasdorf uud Merzieu im 
Kreise G. 

E. cicJioriacparum DC au Cirsiuni oleraccum. Z: bei Zerbst: 
au Tnnacetum vulgare. Z: bei Bias: au Cynoglossum ofßciuale, 
G: au der Pilseuhöhe; au SympjJiytum of/icijiale, uach K. Schultz 
C: im Ziethebusch: au Taraxaeum officinale, bei G; au Valeriana 
offiriiialis, bei Z: au Lappa major, im Kreise G; au Lactuca 
scariola, G: bei Güdersee (K. Schultz). 

MicrospJiaera astragali (De.) au Astragalus glycypjliyllos, [am 
Greifeusteiu bei Blaukeuburg i. Thüriugen (K. Schultz)]. 
Micros'jjhaera grossulariap (Willd.) au liihes grossularia. bei G: 
(uach K. Schultz). 

M. a/;?/ (Willd.) var. lonicusrae. D: KühuauerPark: au L. xylosteam, 
D: im Wörlitzer Park. 

998. üncimda Salicis (DC.) au Populus canadensis, D: zerstreut. 
Phyllactinia suffulta (Reb.) au Corylus tuhulosa, iu Rabis bei Jeua. 
Claviceps purpurea (Fr.) das Sclerotium Siiif PJicdaris canariensis, 
iu eiuer alteu Kiesgrube. .D: bei Ziebigk, September 1914. 
Cd. inicrocepliala (Willd.) au Molinia raernlea. Z: Roßlauer Forst, 
besonders auf \^'egeu. 

999. Chaetomium nrurorum Gda. auf feuchtliegeuder Pappe. D: 
Ziebigk. 

Sordaria fimicola (Rob.) au Hasenkot. Z : bei Roßlau. 
.S'. Jnunana (Fckl.) au Huudekot. D: im Kühuauer Park. 
Hypocopra merderia Fr. auf Kauiucheukot. D: bei ^losigkau. 
lOüO. Opliiosphaeria gracilis AV. Kirschst. au Carex riparia. G: bei 
Most an der Fuhue. 



Diitter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. bl 

1001. RoselUnhi Idrsida Bou. an Qaercu3s,\)M\Q\\. D: im Külniaucr 
Park. Scliläuclie, sporentragender Teil, 65—67X8 — 9 |j-, Sporen 
elliptisch oder rnndliclielliptiscb, 9 — 11X5.5 — 6.5 \i.. 

1002. Zifjnoella ovoidea Sacc. an Salix fraglUs. D. bei Ziebigk, alte 
Kiesgrube in der Nähe des Kernhauses. 

ÄLelanomma pulvis pyrius [Pers.) an Fraximis excehior. D: bei 

Gohrau. 

Ciirarbifaria Cohdeae (Rbh.) an Colidea crueida. C: bei Gröbzig. 

Stiguiatea robertiani Fr. an Geraniuni rolertianum. C: im Ziethe- 

busch; D: Eisenbahndamm am Wallwitzberg. 

1003. MijrofipliaereUa Typhae (Lasch) an Typlia angustifolia. D: bei 
Mosigkau. 

1004. M. iuiuimerelhi Kv^t. 'an Comarurn pcdmtre. C: Fuhne(Vogtei)- 
wiesen bei Wadendorf. 

1005. M. latehrosa Cke. Blätter von Acer pJatanoides. I): im Mauso- 
leum-Park und Mosigkauer Heide. 

1006. M. Stellar inear um KYfit. m\ Speryularia rubra. D: bei Oranien- 
baum - Goltewitz. Die Bestimmung verdanke ich Herrn 
W. Kirschstein. 

1007. Didymellü applanata (Krst.) S-dcc. r.\i Eabus ülaeus. D: Gärten 
in Ziebigk. 

1008. D. proxiniella (Krst.) Sacc. an Carex riparia. C: bei Most an 
der Fuhne und Z: bei Dornburg a. d. Klbe. 

1009. 2letaq)haeria avenae (Auersw.) Sacc, an BracJiypodium piimaünn. 
D: im Kühnauer Park. 

1010. M. juncl (Puv.) Sacc. an Juncus effusus. C: Most an der Fuhne. 
Leptospliaeria Miclwtii (West.) an Carex muricata und C. arenaria. 
D: bei Kühnau; an Typha latifolia, D: bei Mosigkau. 

L. culnwrum Auersw. an Molinia coeridea, Z : Eoßlauer Forst; an 
Triticum repens, D: bei Ziebigk; an Seeale cereale, D: im 
Kühnauer Park; an Glyceria fluitans, D: bei Ziebigk; an Carex 
muricata, D: bei Ziebigk. 

L. eustoma (Fr.) an Pliraymites communis. D: im Mausoleum- 
Park; an Glyceria fluitans. D: alte Kiesgrube bei Ziebigk. 
L. typJiarum (Dcsm.) an Typha Icdifolia, C: bei Most an der 
Fahne. 
.1011. L. typhae (Auersw.) an Tiypha angustifolia. D: bei Kochstedt im 
Ausstich an der Radegaster Eisenbahn. 

1012. L. yigaspora Niessl an Carex vesicaria, Z: bei Goswig am 
Hubertusberg. 

1013. L. personcda Xssl. an Poa prcdensis, Z: Coswig. 

Verh.^ndl. dcä Dot. Vereins f. Braiideiib. LIX. fi 



ö2 R. Staritz: 

L. FackeUi Nssl. an Phalaris arundinacea var. pid^, C: Gröbzig 

auf dem Friedhof; an Grashalmen vom Brocken im Harz. 

L. culmifraga (Fr.) an Holms nioU/s, I): bei Wörlitz; an Agrosüs 

stolonifera, D: im Mausoleum-Park. 

L. sparsa (Fckl.) an Glyceria aquatira, C: GriJbzig und D: im 

Beckerbruch. 

L. dumetoriim Nssl. an Erigeron canadensis, D: bei Ziebigk. 

L. cUvensis (B. et B.) an Chenoiiodium album und Cli. liyhridum, 

D: bei Ziebigk; an Cichorium Tntgbus. D: Großkühnau. 

1014. L. Nitsclikei (Rehm) an HgpocJioeris radicata, I): bei Kochstedt. 

1015. L. derasa (B. et B.) au Achillca miUefoIiu)», D: bei Gröbzig- 
Werdershausen; an faulenden Stengeln (Senecio?) am Brocken 
im Harz. 

lOlG. fj. cae.spitosaNasL an Artenusia aimpestris, (J: Gröbzig-Schlettauer 
Höhen. 

1017. L. acuta (Aloug. et Nestl.) au Galiuni verum, C: Gröbzig, [an 
Urtica dioica bei Piüsnitz bei Dresden]. 

1018. L. artenüsiac (Fckl.) an Artemisia cainpestris, C: Gröbzig- 
Mitteledlau [uud bei Schraplau]. 

1019. L. euphorbiac Nssl. an Euphorbia esula, D: Kühnauer FH^rst. 

1020. L. agnita (l)esm.) an Eupaioriaju cammbinam^ Z: Roßlau au 
Rodlebeuer Hautwollfabrik.. 

1021. L. planiuscula (Rieß) an Solidago serotina. D: auf dem alten 
Friedhof zu Ziebigk. 

1022. L. Cgiiaracearaiii Aw. et Nssl. an Carliua vulgaris, D: Golpaer 
Hteiubruch. 

L. [anceps Sacc. an Zweigen von Ribes grossularia, durch 

meinen Sohn Martin Staritz aus einem Garten in Erlangen- 

Bayern erhalten]. 

L. rivalaris Bom. et Rouss., auf vorjährigen Stengeln von 

Alisma plantago, C: bei Gröbzig an der Wassermühle. Die 

x\utorenbezeichnung im zweiten Beitrag, S. 80 Nr. 774, ist 

falsch angegeben. 

Pleospora vulgaris Nssl. an faulenden Stengeln von Jasione 

montana, Cirsium lanceolatuni, D: bei Dessau; an Clielidonium 

niajns, D: in Mnldenstein, [an Althaea officinalis bei Ober- 

röblingen a, S. (Eisleben)]; au Pligteuma spicatum, H: alter 

Stolberg im Harz. 

PL media Nssl. an Yicia tetrasperma, D: im ]\lausoleum-Park. 

PL lierbarum (Pers.) an Aqu.ilegia vulgaris, l): in der städtischen 

Pflanzschule und auf Friedhof II; Atriplex nitens, B: bei Gröna; 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzcgtimis Anlialt. 83 

Delphi uiiun datuiu, D: Dessau Friedhof I; au Slsynihrlum 
jKinnonlciu)), D: zerstreut; ArnoHeris piisilla, D: am Kühuauer 
Park; Papaver somnifeniin, D: Ziebigk iu Gärteu; Erywjmm 
rampestre, Z: bei Roßlau; Fraxinus excelsior au Früchteu, I): 
Mosigkau; [Dipsacus süuester, bei Oberröbliugeu am S., Sol- 
graben zwischeu dem See und Erdeborn] ; au Erigeron cana- 
dense, D: bei Ziebigk; au Cirsium lanceolatum, D: bei Ziebigk; 
Lactuca scariola, D: Kiesgrube iu der Nähe des Kühuauer See; 
Hieracmm horeale, D: Golpaer Steinbruch; Heliantlins cucumeri- 
foliu.s, D: Ziebigk; Medicago saüva, D: bei Ziebigk; au Blättern 
von Hellehorus niger, D: iu Ziebigk iu dem mir zur Benutzung 
überlasseneu Schulgarten. Eine der Var. major nahestehende 
Form auf Anethum graveolens, D: Ziebigk im Garten. 
PL Spegazziniana Sacc. var. major Berl. auf Scahiosa atro- 
jjurpurea, D: im Herzoglichen Küchengarten. 

1023. Pyrenophora lielveüca Sacc. [mi Picrls liieracioides, C: bei Gröbzig. 

1024-. P. phaeocomes Fi\ 2i\\ Seseli Inppomarailirum, C: au der Georgs- 
burg. Als 

1025. P. trichostoma Fckl. sei eine Form auf Blättern von Triticum 
repens bezeichnet, welche sich dadurch auszeichnet, daß das 
Blattgewebe durch die Perithecien gespalten wird, so daß 
dieselben von beiden Blattseiten in gleicher Weise sichtbar 
sind. Das von Winter S. 521 unter Nr. 3779 angegebene 
Merkmal „allenthalben mit steifen, allseitig abstehenden, 
schwarzen Borsten bekleidet", ist mir nicht gelungen auf- 
zufinden. Vielleicht sammelte ich zu früh oder zu spät. Staud- 
ort: C: Gröbzig im sogenannten Nekonschen Busch, vereinzelt 
auch D: bei Ziebigk. 

Opliioholus porpliyrogonus (Tode) au Atriplex patula, D: bei 
Ziebigk; an Delphinium elatum, Ü: bei Ziebigk. 

1026. 0. cesaUanus (Mont.) au Linaria vulgaris, B: bei Aschersleben. 

1027. 0. idnosporeus au Ballota nigra. D: bei Ziebigk und Gohrau. 
0. tenellus (Aw.) an Borago officinalis. D: iu Gärten zu Ziebigk. 
Gnomonia devexa (Desiu.). Z: au Polygonum dumetorum. 

1028. Diatrgpe favacea (B^r.) an Zweigen von Betula alba. D: im 
Kühuauer Park. 

1029. Fenestella vestita (Fr.) au Zweigen von Salix fragilis. D: bei 
Ziebigk. 

Phyconiycetes, 

1030. SynrJnjtrium taraxaci DBy. et Wor. an Blättern von Taraxanim 
officinale. D: im Lug bei Eehsen. 

6* 



84 R. Staritz: 

1031. S. stellariae Fckl. au Blättern und Blattstielen von Stellaria 
media. D: am Eirschberg bei Ziebigk. 

1032. ^S'. laetum Schrot, an Gagea lutea. D: im Lug bei Rebsen. 

1033. 8. aureum Sclnöt. au Caltlia iialustris. D: bei Mosigkau. 

1034. 8. anemones (DB. et W.) Wor. au Anemone nemorosa. D: im 
Lng bei Eehseu, [sehr häufig bei Piilsnitz in der Lausitz]. 
[Cladochytrium menyuntJns DBy. an Blättern von Menyantlies 
trifoliata. am Gruiiewaldsee bei Berlin, im Juli 1908]. 

1035. Macor mucedo (L.) Bref., allenthalben, besonders auf Hasen-, 
Kaninchen- und Pferderaist. 

1036. Sporodinia grandis Link auf faulenden Fleischpilzen, z. B. 
Pluteus cervimis bei D. verbreitet. 

1037. Pilaira anomala (Ces.) Schrot., auf Hasen- und Kaninchenkot. 
D: bei Dessau. 

1038. Piptocephalus repens van Tiegh. auf Pferdemist. D: in der 
Großen Kienheide. 

1039. Pytldiun de Baryanum Hesse, an den Keimlingen verschiedener 
Pflanzen in Gärtnereien zu D. und Erpäsetum arvense D. 

1040. PhytJtophtJiora infestans Mont. an Solanum tuberosum. Ü: und 
sonst weit verbreitet und schädigend. 

104L Alhugo Candida (Pers.) Ktze. an Cruciferen, besonders Capsella 
hursa pastoris, vereinzelt auch an Brassica sp.. Cheiranthus 
Cheiri und Tlilaspi arvense, von K. Schultz an Capsella 
hursa pastoris, an der Pilsenhöhe, und an Sinapns arvensis bei 
Quellendorf gefunden. 
A. portulacae (DC.) Ktze. an Portulaca. C: in Gärten zu Gröbzig. 

1042. A. tragopogonis (Pers.) Gay an Cirsium oleraceum und C. arvense, 
C: bei Gröbzig auf den Fnhnewiesen, an Tragopogon pratensis 
D: bei Dessau [v. K. Schultz-Köthen an Scor.ionera Jmmilis 
bei Martigny im Rhonetal]. 

1043. A. Bliti (Biv.) Ktze. an Amarantus Blitum. D: bei Gohrau 
und Ziebigk, besonders aber Z: bei Bergfrieden und Jever. 

1044. Ikisidiopliora eiüospora Roze et Cornu an Erigeron canadense 
sehr verbreitet [auch bei Pulsnitz in der Lausitz]. 

1045. Plasmopara pusilla (DBy.) Schrüt. an Geranium pJiaeum. 0: bei 
Köthen; an Oeranium rotundifolium Pilsenhöhe. 

1046. PI. nivea (Ung.) Schrot, an Aegopodium podagraria verbreitet, 
weniger häufig an Siuni latifolium bei C. und D. und Angelica 
silvestris^ an ersterer von K. Schultz auch bei Wieskau und 
im Ziethebusch gefnnden, dann srndi Siw Heracleum SpJiondylium 
im Ziethebusch und an Pastinaca sativa bei Köthen. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde, des Herzogtums Anhalt. 85 

1047. Plasmopara viticola (Berk. et Curt.) verbreitet an Viüs vinifera 
besonders im Kreise C. 

1018. Sderospora graminicola Sacc. -düt Setaria viridis. D: im Sclnü- 
garten zu Golirau. 

1019. Bremia lactiicae Rege] mit Ladaca sativa. D: in und bei Dessau; 
ebenso auch an SoncJius oleraceus und S. arvensis, an ^S*. asper 
von K. Schnltz-Iiöthen bei (jüdersee gefunden. An Senecio 
vulgaris bei Ziebigk. 

1050. Peronospora Holostei Casp. an Holosteum umhellatum. C: bei 
Gröbzig und Umgegend, Könnern, Radegast, Grötz. 

1051. P. calotheca DBy. an Galium aparine. C: bei Gröbzig. D; bei 
Ziebigk und Großkühnau. 

1052. P. alsiiiearum Casp. [an Stellaria media bei Jüterbogk in der 
Mark]. An Spercjularia rubra D: Goltewitz b. Oranienbaum. 

1053. P. viciae (Berk.) DB3^ an Vicia tetrasperma. D: im Mauso- 
leum-Park. 

1054. P. leptosperma DBy. an AntJiemis arvensis. D: am Wege von 
Ziebigk nacb dem Kirscliberg 1912 in Menge.. 

1055. P. obovata Bon. an Spergula arvensis auf Aeckern. D: bei 
Ziebigk und Großkühnau. 

1056. P. trifoUorum DBy. an Medicago sativa \\\\f\ Med. media. C: und 
D: verbreitet. 

1057. P. ScliacJitii Fckl. an Beta vulgaris im Kreise C. häufig. 

1058. Peronospora violae DBy. an Viola iricolor v. arvensis auf Aeckern^ 
I): bei Großkühnau. 

1059. P. laniii A. Br. an Lamium purpureum, D: in der Jalm sehen 
Gärtnerei. 

1060. P. affinis Rossm. an Fumaria officinalis, bei D: an Fam. 
Yaillantii [Freiburg a. U., besonders in den Schweigenbergen J. 

1061. P. valerianeUae Fckl. an Yalerianella dentata und V. oUtoria, 
0: bei Gröbzig. z. B. in der Nähe der früheren Wassermühle. 

1062. P. e/fusa (Grev.) Rbh. an Chenopodiam album, häufig bei D: 
und Atriplex Juistatam, Spinacia oleracea D: Ziebigk. 

1063. P. grisea Ung. an Veronica hederifolia, häufig D: im Kühnauer 
Park. ■ 

1061. P. ficariae Tul. an Ficaria verna häufig; an Ranunculus repens 
C: Gröbzig Friedhof und bei Könnern. 

1065. P. urticae (Lib.) DBy. an Urtica dioica, D: Große Kienheide 
und bei Ziebigk; an Urt. urens C: in Gröbzig. 

1066. P. parasitica (Pers.) Tal. an Brassica oleracea f. Botrytis, D: in 
und bei D., Großkühnau. 



86 R. Staritz: 

1067. P. Corydalis DBy. auf einer ConjrMis sj)., mir von Herrn 
Lehrer A. Zobel aus dem Kreise D: mitgeteilt. 

1068. P. sordida Bark, mi Scrofalaria nodosa, D: im Külinauer Park. 

1069. P. alta Fckl. an Plantcifjo major, C: bei Gröbzig, D: bei D. 
und Ziebigk. 

Sphaerojwideae. 

1070. Pliyllosticta aP(joi)odü ((Jurr.) All. an Aegopodiani ijodafjraria^ D: 
im Georgengarten. 

1071. Pli. aqaaäca Speg. an Lemna minor, Ü: im Kühnauer Park. 

1072. Pli. aryentinae Desm. an Potenülla anserina, C: bei Körmigk. 

1073. Ph. atr'qüicis Desm. an Atr'i-plex liastaia und Ch'eiiopodiuni 
Jnßrldum, D: bei Ziebigk, Weg an der Jahnschen Gärtnerei 
bei Dessau. 

1071. Ph. acoreUa Sacc. et Penz. an Acorus calamus. D: am Külinauer 
See und im Mausoleum-Park am Teicli. 

1075. Ph. aesculi Ell et M. au Aesculus Idppocadaimm, D: bei Dessau 
und Ziebigk. 

1076. Ph. betete Oud. an Beta cicla, C: bei Gröbzig, Kirchedlau, 
Gerlebogk und Bcrwitz. 

1077. PJi. Briardi Sacc. an Pirus malus „Königs Plainer", D: im 
Garten zu Ziebigk. Schule. 

1078. Ph. camelliae Wstd. ail CameUia jajMnica, D: im Park zu 
Wörlitz. 

1079. Ph. cruenta (Fr.) Kickx au Polijjoiiatuin ofßciiude, D: im 
Kühnauer Park. 

1080. PJi. cijdoniicola All. an Cijdonia vuhjaris, D: im Kühnauer Park. 

1081. Ph. castaneae Ell. et Ev. an Castanea uesca, D: im Kühnauer 
Park. 

1082. Ph. caiicicola (Bnm.) an Carex murlcuta, D: in der Hasenheide 
und im Kühnauer Park, Z: Roßlauer Forst. 

1083. Ph. coniotliyrioides Sacc. an Lahurnum vul//are, D: im Mausoleum- 
Park. 

1084. Ph. destructiva Desm. an Eooiiijmus japonicus, D: in Dessau 
und Ziebigk. 

1085. PJi. faginea Eres, an Fagus siluatica, D: im Kühnauer Park. 

1086. PJi. grossulariae Sacc. an Ribes grossularia. D: in Gärten. 

1087. Ph. liederacea (Are.) an Hedera helix, D: und C: verbreitet. 

1088. Pli. Jiedericola Dur. et Mont. an Hedera helix, D: verbreitet. 

1089. Ph. ilicis Oud. an Hex aquifolium, D: in Dessau, Ziebigk, 
Großkühnau. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Aahalt. 87 

1090. Pli. iridiun Sacc. an Iris pseudacorus, Ü: am Ivülniauer See 
und am Teiche im Beckerbrucli. 

1091. Ph. leucostigma (DC.) an Hedera Jielix, D: bei Ziebigk. Friedhof. 

1092. Ph. limnophila (Sacc.) an T/jpJta aiifjusüfolia, C: bei Grübzig-, 
D: bei Großkühnan, ]\Iosig"kan und Kochstedt, B: bei Gröna 
bei Bernburg [auch Ijei Falkenberg b. Torgau]. 

1093. Ph. limhcdis Bers. an Bujms sempervirens, D: Mosigkau auf 
dem Stiftsfnedhof. 

1094. Ph. Lihertianae Sacc. et March. an Viola odorata, U: Garten 
in Ziebigk. 

1095. PJi. mahoniae Sacc. et Sjjeg. an Mahonia uqidfollum. D: im 
Mausoleum-Park und Ziebigk. 

1096. Pli. nicdi Briard an Pirus malus (Königs Plainer, Königin 
Apfel), D: in Ziebigk. 

1097. PJi. nuKjnoliae Sacc. an Magnoüa graiidifolia, D: Mosigkau im 
Stiftsgarten. 

1098. PJt. nerii West, an Nerium oleander, D : (.Ti-oßkühnau, Herzog- 
licher Küchen garten zu Dessau. 

1099. Pli. hydrophila Speg. an Nympliaea alba, D: am Kühnauer See. 

1100. Ph. orobina Sacc. an Orohus vernus, Harz bei Lindenberg- 
Straßberg. 

1101. Ph. oxalidis Sacc. an Oxalis acetosella, 1): im Kühnauer Park, 
Pöplitzer Teich, Z: Roßlauer Forst. 

1102. PJi. osteosjwra Sacc. an Populns canadensis, D: rerbreitet, 
z. B. Mausoleum-Park. 

1103. Ph. phaseolonun Sacc. et Sp. an alten überwinterten Hülsen 
von Phaseolus multiflorus, D: in Ziebigk. 

1104. Ph. pirina Sacc. an Piras commaiäs und P. malus. D: bei Ziebigk. 

1105. PJi. p)olyfjonorumi Sacc. SlW Pohjr/oiuun persicaria und P. lapatJii- 
foUam, D: bei Ziebigk und Großkühnan. 

1106. Pli. primulaecola Desm. an Primula veris, C: bei Gröbzig. 

1107. Ph. phormii (Cke.) an Phormiiim tenax, D: Herzoglicher 
Küchengarten, Mosigkau im Stiftsgarten. 

1108. Ph. pilatanoidis Sacc. an Acer platanoides. D. 

1109. Ph. ruscicola Dur. et Netz, an Ruscus aculeatus, D: bei Ziebigk. 

1110. Ph. sagittifoliae Brun. an Sagiüaria sagittifoUa, D: zwischen 
dem Kapen und Vockerode und am Kühnauer See. 

1111. Ph. sambucicola Klchbr. an Sambucus nigra, D: bei Ziebigk 
am Kirschberg. 

1112. Ph. tricoloris Sacc. an Viola tricolor, D: in den Wäldeim um, 
Dessau verbreitet. 



88 . R. Staritz: 

1113. Pli. tulipiferae Pers. aii Liriodendron üdipifera, D: im Kühnaiier 

Park und Geoi-gengarten. 
1111. Ph. visci (Sacc.) an Viscuni cdhum, liäiifig um D, bei Lödderitz, 

nördlich von C. von Iv. Schultz gesammelt. 

1115. Ph. verhenae Sacc. an Ycrhena officlncdis, D: in Großkühnau. 

1116. Ph. vulgaris Desm. -aw Lonicera pcriclymenum, D: im Kühnauer 
Park.' 

1117. Ph. Westendorptt Thüni. an Berheris vulgaris, B:an Zäunen 
in Bernburg" und D: bei Ziebigk. 

1118. Ph. pliacidioides (S-äcc.) Siwt Buxus seiujjeruirens, D: im Georgen- 
garten und Mausoleum-Park. 

1119. Phonia alismatis P. Henn. et Stz. an Stengeln von Alisma 
plantago, D: an Teichen zwischen dem Kornhaus und dem 
Kühnauer See. 

1120. Pli. achilleae Sacc. an Stengeln von Achillea miUefolium, C: 
bei Gröbzig und Werdershausen, D: bei Ziebigk. 

1121. PJi. ahscondita Pass. var. Scirpi an abgestorbenen Halmen von 
Scirpus maritimus, an 8c. lacustris mit einer Sporengröße von 
6 — 7 = 3— 3;5 \i., D: am Kühnauer See. 

1122. Ph. acuta Fckl. an vorjährigen Stengeln von Ballota nigra 
verbreitet. C: bei Gröbzig, Werdershausen, Gerlebogk, D: 
Großkühnau, Ziebigk, Dessau (kleine Kienheide, Hasenheide usw.). 

1123. Pli. amorpltae Sacc. an abgestorbenen Zweigen von Aniorpha 
fruticosa, D: im Mausoleum-Park bei D. 

1124. Pli. africana Speg. an vorjährigen Zw^eigen von Tamarix 
africana, Ü: im „Küchengarten". 

1125. Ph. anaxea Speg. C: an Onohrycliis sativa, C: bei Gröbzig; 
an Trifolium pratense 0: bei Gröbzig und D: bei Ziebigk und 
Großkühnau. 

1126. Ph. anthrisci Brun. an abgestorbenen Stengeln von Anthriscus 
vulgaris, D: bei Ziebigk. 

1127. Ph. anceps Sacc. an trockenen Stengeln von Medicago sativa, 
D: bei Großkühnau, Alten, D. 

1128. Ph. acicola (Lev.) Sacc. an abgestorbenen Nadeln von Pinus 
siluesüis, bei D. 

1129. Ph. artemisiae Died. an abgestorbenen dünneren Zweigen von 
Artemisia vulgaris, D: in Gärten bei Ziebigk. 

1130. Ph. arundinacea (Lev.) Sacc. an toten Halmen von Phragmites 
communis, D: am Kühnauer See. 

1131. Pli. Berkeleyii Sacc. an Stengeln von Galeopsis bifida, D: in 
der Mosigkauer Heide und Z: bei Thießen. 



Dritter Beitrao- zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 89' 

1132. Ph. brasslcae (Th.) Sacc. au trockenen Stengeln von He$iieris 
matronalis, D: auf f'riedliof I. 

1133. Ph. bryoniae Sacc. et Syd. an abgestorbenen Kanken von 
Bnjonia alha, D. 

1131. Ph. cirsü Syd. an vorjährigen Stengeln von Cirsium lanceolatum, 
Y): bei Ziebigk, alte Kiesgrube. 

1135. Ph. coiuiüanata (Tde.) Desm. an Umbelliferenstengeln z. B. 
Heradeum spliondijlhun, Chaerophyllum und Anthriscas vulgaris D. 

1136. PJi. Crejnni Speg. et Eoum. an Populus canadensis, D: Mosigkait. 

1137. PJi. coiiipressa K. et Har. an Cytisus laburnum (Laburmun 
vulgare), D : bei Ziebigk. 

11 38. Ph. conigena Krst. an den Sclmppen der Zapfen von Pinus 
siluestris häufig, bei D. 

1139. PJi. cryptica (Nit.) Sacc. an abgestorbenen Zweigen von Lonicera 
tatarica, D : im Kühnauer Park und am Wallwitzberg. 

1140. Ph. catalpae (Th.) Sacc. an Catalpa syringifolia, D: im Stifts- 
garten zu Mosigkau. 

1141. Ph. cytisi P. ßrun. au Laburnum purpureum. D: im Wörlitzer 
Paik. 

1142. Ph. carpogena Sacc. et Roum. an den Früchten von Catalpa 
syringifolia, D: Dessau und Mosigkau. 

1143. Pli. Diedickei Stz. au Stengeln von Onaphalium idiginosiim, D: 
in Ziebigk. 

1144. Ph. Daturae Roll, et F. an Datura Tatula, D: Ziebigk. 

1145. Ph. Douglasii Ond. an Pinus Strobus, D: Friedhof 11 und 
Kühnauer Park. 

1146. Ph.doliolum Karst, an vorjährigen Stengeln von Sedum maxiinum, 
D: bei ]\[osigkau und Großkühnau im Park. 

1147. PJi. dulcamarae Sacc. an Solanum nigrum, D: bei Ziebigk. 

1148. PJi. eupyrena Sacc. an Solanum nigrum, D: bei Ziebigk. 

1149. PJi. equiseti Desm. an Equisetum limosum, D: im Kühnauer Park. 

1150. Ph. elaeagnella Cke. an Elaeagnus augustifolius u.E. argenteus, 
D: im Mausoleum-Park, auf ersterer mit einer Hendersonia. 

1151. Ph. eupliorbiae Sacc. an Euphorbia cyparissias, Z: in und bei 
Meinsdorf. 

1152. Ph. exigua Desm. an Polygonum avicnlare und Fagopyrum 
esculentum, D: bei Ziebigk. 

1153. Ph. Friesii Brun. an Ligustrum vulgare, D: in der städtischen 
Pflanzschule zu Dessau. 

1154. PJi. fraxinifolia All. an Negimdo fraxinifolia, D: in der Jahn- 
' sehen Baumschule. 



1 



90 



R. Staritz: 



1155. Pli. fuscata Sacc. an Dcüdla variaUüs, L): bei Ziebigk in Gärten. 

1156. Ph. fjhjceriae Brun. an Dadylis rjlomerata, D: Külmauer Park. 

1157. FJi. grovei B. et Vog. an Carduus acauthoides, C: bei Gfröbzig- 
Werdersliansen und D: Ziebigk. 

1158. Ph. graminis West, an Poa pratensis, D. 

1159. Pli. Idppuridis Stz. au Hippims vulgaris, 1): in Herzoglichen 
Küchen garten. 

1160. Pli. herbarum West, bis jetzt beobachtet au Polygonum lapathl- 
foliiim D, Humulus lupidiis D, Erigeron canadense D, Hesperls 
matronaUs D, Sisymhrium officinale D, S. pannoniciim D, 
Linaria vulgaris D, Centa.urea maculosa 0: bei Gröbzig, C. mon- 
tana im H: bei Güntersberge, Urtica dioica I). Galium mollug o 
C: bei Kattctu, an Galium aparine und mollugo D: bei Ziebigk, 
Aqidlegia vulgaris D: städtische Pflanzschule, Antirrlnnwn 
majus D. 

1161. Ph. hystericola (öacc.) All. an Rumex aceiosa, D: Ivühnauer 
Park. 

1162. Ph.junci Preuss. an Juucus e/fusus, D: z. B. Kühnauer Park. 

1163. Ph. japonica Sacc. au l\erria japonica, D: in der städtischen 
Pflanzschule und Friedhof in Sollnitz. 

1164. Ph. juglandina Sacc. an abgestorbenen Zweigen von Juglans 
regia, D: Ziebigk, Z: in Stackelitz. 

1165. Ph. lathyrina Sacc. an LatJiyrus latifolius, D: Friedhof II und 
Mosigkau. 

1166. Ph. laurina Th. an Lauras nobilis, D: bei Ziebigk. 

1167. Ph. limnophila Sacc. an Tgpßia angustifolia, D: am Beckerbruch 
und bei Mosigkau. 

1168. Ph. Lindaviana Stz. au Coiivolvulus arvensis und C. sepium bei 
D: Hasenheide und hohe Lache. 

1169. Pli. legmninum West, au Sarothamnus scojjarius, Z: am Spitz- 
berg; an Lahurnum vulgare, D: im Mausoleum-Park; an Cytisus 
hirsidus, D: ebenda und an der hohen Lache; an Caragana 
arborescens, D: im Mausoleum-Park. 

1170. Ph. lepidii (S.) All. an Lepidium ruderale, I): bei Ziebigk. 

1171. Ph. liliacearum West, an Hemerocallis fulva, U: im Kühnauer 
Park. 

1172. Ph. melaena (Fr.) M. et U. an Medicago sativa, D. 

1173. PJi. myxae Farn, an Kernen von Prunus domestica, [bei Rabis 
bei Jena]. 

1174. Ph. nebulosa (Pers.) Mtg. an Che?iopodium murale, D: bei Ziebigk. 

1175. Ph. nidulans Grogn. an Ampelopsis hederacea, D: bei Ziebigk. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 91 

1176. Ph. occulta J)e3ni. im Innern von Halmen von Phragnütes coui- 
vmnis, D: bei Ziobigk. Nach Alle.scher gibt es noch eine Ph. 
occulta Sacc. auf Zapfen von Picea excelsa. Diese müßte also 
anders benannt werden. 

1177. PJi. oculata (Preuss.) Sacc. D: an Stcngehi von Sedum niaxiinam, 
D: bei Mosigkan. 

1178. Ph. oleracea Sacc. an Hesperis uiatronalis, D: Ziebigk. 

1179. Ph. oncostoma Thüm. an Rohbüa pseudacacia, l): verbreitet. 

1180. P/t. innicola (Zpf.) Sacc. an Piniis s'dvestris. I). 

1181. Ph. pseudacaciae Sacc. an Eohinia pseudacacia, I): im Küh- 
nauer Park. 

1182. PJi. iietiolornra Desm. an Blattstielen von Pobiiiia pseudacacia, 
D: im Kühnaner Park, Sporengröße 6 — 7>s2,5 |j.. 

1183. Ph. petiolorum Desm. var. jutßandis P. Br. an Jur/lans regia. 
D: Ziebigk. 

1184. Ph. 'planiuscula Sacc. an Eohinia pseudacacia. D: am Becker- 
brnch und am Wallwitzberg, Mansolenmpark. 

1185. Pli. pohjstoma V. Tassi an Reseda luteola, D: alte Kiesgrnbe 
in der Nähe des Kornhauses und H: im alten Stolberg. 

Pli. [perexigua Sacc. an Carlina acaulis var. caulescens in 
Thüringen bei Jena]. 

1186. Ph. rliodotgpi Henn. auf Rhodotgpus herrioides, D: Anlagen 
und 31ausoleum-Park. 

1187. Ph. rimosa West, an Halmen (Blattscheiden) von Pliragmites 
communis, D: im Kühnauer Park. 

1188. Ph. ribesia Sacc. an Ribes grossularia, D: bei Ziebigk. 

1189. Ph. roseola Desm. an Medicago sativaj D: bei Alten. 

1190. Ph. radula B. et Br. an Platanu^ orienüdis, D : im Mausoleum-Park. 

1191. Ph. rubicola P. Br. an Rubus Idaeus, D: in Gärten. 

1192. Ph. ruborum Wst. an Rubus frnticosus, D: Ziebigk und Küh- 
nauer Park; an Ridnis caesiu.s. D: im Kühnauer Park. 

1193. Ph. rudis Sacc. an Laburnum vulgare, D. 

1194. PJi. sambucina Sacc. an Sambucus nigra, D: am Kuhberg 
zwischen Ziebigk und Kühnauer Park. 

1195. Ph. saubucella Sacc. an Sambucus nigra, D: bei Ziebigk. 

1196. PJi. sanguisorbae All. 'd\\ Poterium sanguisorba, B: bei Sanders- 
leben, nach Hettstedt zu. 

1197. Ph. sarmentella Sacc. an Humulus lupulus, D: in der Wasser- 
stadt, Sporengröße 5 — 6X2 |j., mit Oeltropfen. 

1198. Ph. strobilaria (Pr.) Sacc. an Zapfen von Pinus silvestris, D, 
ebenso 



92 R. Staritz: 

1199. Pli. strohiUjjena Desm. var. microspora. 

1200. Ph. Spartkola P, Br. au SarotJiamnus scoparius^ Z: im Golmcnglin. 

1201. Ph. Slierardiae Stz. au Sherardia arvensis, D. 

1202. Ph. strobi (B. et ß.) var. mkropits an Zapfeu vou Piiius 
Strohus, D. 

1203. Ph. Stroeseana Stz. au abgestorbeueu Steugelu vou Xicandra 
p)hysalokles, D: iu Ziebigk iu Gärteu. 

1204. Ph. suhtüissima Oucl. au Fruchtstielen von Laburmun vulgare, 
D: im Mausoleum-Park. 

1205. Pli. surculi (Fr.) Cke. an Sambucus nigra, D: am Ivirscliberg 
(Kuhberg) bei Ziebigk, nach Großkühuau zu. 

1206. Ph. sgrijigiua Siicc. dA\ Syriiiga vulgaris, D: im Küliuauer Park. 

1207. P/i. to.»?«nÄ7 (Mont.) Sacc. au Tamarix gallica, D: Hohe Lache. 
Mausoleum. 

1208. Ph. tatarica All. an Lonicera tatarica, I): im Kühuauer Park. 

1209. Ph. taiaricola 0\\(\. -d^w Lonicera tatmica, D: im Kühuauer Park. 

1210. Ph. tingens 0. et M. au DelpJÜJiiuni elatum. JJ: Friedhof I. 
PJi. [tgphicola (3ud. au Tgpha angustifoUa, bei Falkenberg bei 
Torgau]. 

1211. Ph. urticae Seh. et S. au Urtica dioica, D: bei Kochstedt. 

1212. PJi. vagina-e Sacc. au Blattscheideu vou Phragmites coniuiwiis, 
D: Kühuauer Park. 

1213. PJi. verbenaceae F. Tassi an Verbena officinalis, D: am Küh- 
nauer Park. 

1214. Ph. viniferae Cke. an Vitis vinifera, ü: bei Ziebigk. 

1215. Ph. vulgaris Sacc. au Medkago sativa, D. 

1216. Pli. vicina Desm. an Sambucus nigra, D: Große Kienheide. 

1217. Ph. vincetoxici West, au Vincetoxicum officinale, D: Kühuauer 
Forst und auf dem Muldeustein. 

1218. Ph. Zopfiana All. an Ononis spinosa,' C: im Neckenscheu Busch 
bei Gröbzig. Sporen ein wenig kleiner. 

1219. 2Pi.crophoma conica Pass. an Rubus Plaeus, D: Großkühuauer 
Park und Ziebigk. 

1220. M. Hemiebergii (Kühn) B. et Vogl. au Triticum vulgare, D: 
bei Alten. 

1221. M. pityophila (Cda.) Sacc. an Pinus silvestris, D: Ziebigk, 
Groß- und Kleinkühnau. 

1222. 21. Staritzii Sacc. n. sp. au Blättern vou Phragmites communis. 
D: am Kühuauer See. 

1223. -Jf. sp)Jiaerosperma (Krst.) B. et Yogi, an Equisetum li))iosum 
auf den Wiesen am Kühuauer See. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 93 

1224. Aimspliaeria mediella Krst. au den Zapfen von Pinus Strobus, 
D: im Kühnaner Park und Friedhof! zu D; an Plims süvestris, 
D: Beckerbruch und Ziebigk. Diese Form wurde mir von 
Herrn Prof. Hennings als/", fructigena bezeichnet. Z: Coswig. 

1225. ^1. lampsanae All. an Stengeln von Lampsana communis, D: 
am Kühnaner Park. 

1226. .4. labens Sacc. an freiliegendem Bast von Rohima pf^eudacada. 
D: am Eande der Großen Kienheide. 

1227. ^4. puUcaris Sacc. an faulenden Trieben von Samhucns nigra, 
D: am Kirschberge. 

1228. .4. pinea Sacc. an freiliegenden uud freihängenden dünneren 
^^'urzeln yow Pinm silvestris, D: Große Kienheide [an Kiefern- 
holz bei Rabis bei Jena]. 

1229. Benärophoma affinis Sacc. an Theophrasta huperkdis, D: im 
Herzoglichen Küchengarteu. 

1230. D. Gleditscliiae Pass. an GledUscJua macrocarpa, D: im Mauso- 
lenm-l^ark. 

1231. D. pleurospor'a Sacc. f. rosiflorarum Sacc, an Eosa canina, D. 

1232. Plenodomus herharnm All. an faulenden Blättern von Con- 
vcdlaria majaUs, D: im Kühnaner Park. 

1233. P. Ihifjam (Tde.) v. Höhn, an abgestorbenen Stengeln von 
Ecliinops spliaeroceplialus und Cirshwi küiceolatiiiii, D: bei 
Ziebigk. 

1234. Jlgcogala ßmeti Died. an Hnndekot, I): in der Jahnschen 
Gärtnerei nach Diedicke. 

1235. Spliaeronema suhtile Bon. an Urtica dioica und GlecJioma 
liederacea, D: im Kühnaner Park. Als 

1236. Asteroma nervi-^'eqnum (OC.) bezeichnete mir Herr Professor 
Hennings einen Pilz auf der Unterseite lebender Blätter von 
Melampgrum neiiwrosiou, Thüringen: Wälder bei Naumburg-S. 

1237. CgUndrophoma Cookei (Th.) v. Höhn, an Blättern von Prunus 
serotina, D: Mausoleum-Park und bei Ziebigk, nach v. Höhnel. 

1238. Yermicularki lükicearum West, an FrklUarkt nieleagris, C: in 
Gärten bei Gröbzig. 

1239. V. graminkoki West, an HoUus kinatus, D. 

1240. V. slplionis Thüm. an Aristoloclda sipho, D: Mosigkan. 

1241. V. inacukü is (Lmk) Besm. 2a\ DelpMnium elatum, D: Friedhof!. 

1242. T"". dematlum (Pes.) Fr. an Rheum offidnaU (Blattstielen), .ü: 
Ziebigk, an Stielen von Rudbeckia kiciniata, Zi an der Nuthe. 

1243. V. eryngii (Cda.) Feld. ri\ Er gngiwn campestre, Z: bei Roßlau. 

1244. V. Spätlikma All. an Xarcissus poetkus, l): in Gärten. 



94 R. Staritz: 

1245. F. tricliclla Fr. au Blättern und Steng-eln von Hedera Itelix, 
D: Ziebigk, Dessau: Friedhöfe. 

1246. Fusicoccitm qiierciis Oud. an Quercus pcduncnlata, Z: am 
Hubertusberg-. 

1247. DofJiioreUa Bereiu/eriana Sacc. an Syrimja vulgär Is, D: Friedhof I. 

1248. Myxofiiskoccnm mali Died. an Pirus malus, D: Jahnsche 
Gärtnerei, die Oberhaut ist an den befallenen Stellen meist 
glänzend und oft braunrot gefärbt, 

1249. M. pnmicoliim Died. an Prunus domestica, D: Ziebigk. 

1250. Cytosijora ambiens Sacc. an Ruhus caesius, D: Kühnauer Park. 

1251. C. ampelopsidis C. Mass. an Ampelopsis hederacea, D: Jahnsche 
Gärtnerei. 

1252. C. ceratopJiora Sacc. an Quercus peduncidata. D: im Georgen- 
garten. 

1253. C. capreae Fckl. an Salix caprea, D: Kühnauer See. 

1254. C. chrysosperma (Pers.) B'r. an Populus canadensis, D: Ziebigk. 

1255. C. capitata Sacc. et Seh. an Pirus Riversi und P. malus, D. 

1256. C. cydoniae Schulzer an Cydonia vulgaris, D: Ziebigk. 

1257. C CMida Sacc. var. amygdalina an Amyydalus communis var. 
aiiutra, D: im Wörlitzer Park; an Prunus cerasus, D: Ziebigk. 

1258. C. ceratophora Sacc. an Quercus sp. D: im Mausoleum-Park. 

1259. C. elaeagni All. an Elaeagnus augustifolius, D: hohe Lache. 

1260. C. flavovirens Sacc. an Ribes aureum, D: im Mausoleum-Park. 

1261. C. Friesii Sacc. an Nadeln von Abies alba, D: Ziebigk. 

1262. C. Gresclnkii Pres, an Tamarix gallica, D: Mausoleum-Park. 

1263. C. germanica Sacc. an Zweigen von Salix vitelUna, D: an 
Betida verrucosa, D: Mausoleum-Park. Pop. canad. Vockerode. 

1264. C. juglandina Sacc. an Arten von Ju.glans, J. regia, D: Ziebigk, 
im Kühnauer Park an J. cinerea. 

1265. C. kerriae Died. an Kerria japonica, D: städtische Pflanzen- 
schule, Friedhof in Sollnitz. 

1266. C. leucosperma (Pers.) Fr. an Ulex europaeus, D: Wörlitzer Park. 

1267. C. ludibunda Sacc. an Robinia pseudacacia, D: Kühnauer Park. 

1268. C. microspora (Cde.) Sacc. an Quercusästen, D: im Kühnauer 
Park. 

1269. C. ocellata Fckl. an Ribes aureum, D: Mausoleum-Park. 

1270. C. personata (Fr.) Sacc. an Pirus malus, D: am Kirschberg. 

1271. C. 2)andani PriJl. et Del. an Pandanus utilis, I): im Herzog- 
lichen Küchengarten. 

1272. C. prunorum Sacc. et Syd. an Prunus avium, D: bei Ziebigk. 

1273. C. rosarum Grev. an Rosa cariina. D: an verschiedenen Orten. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 95 

1274. C. rliodojilitld 8acc. au Rosa canina, l): in den beiden Kien- 
lieiden. 

1275. C. marcldca Syd. an Rlius cotinus, U: im Mausoleum-Park. 

1276. C. Salicis (Cda.) Rbli. an Salix fragüis, D: im Tiergarten, am 
Kühuauer See. 

1277. C. Scliiveinitzü Sacc. an Salix (hahylonica?) , D: im Mausoleum- 
Park. 

1278. C. salicella Sacc. au Salix caprea, D: Kühuauer Park. 

1279. C. translacens Sacc. an SaUx'Asten, D: Ziebigk. Diese Salix- 
art wurde mir als iS*. hisiKuiica bezeichnet. 

1280. C. leucosperma (Pers.) Fr. an Zweigen von Acer platanoides 
und Negundo fraxinifolia, D: Jahnsche Gärtuerei. 

1281. C. ruhescens Fr. an Pirus nuHus, D: Friedhof IL 

1282. C. chrysosperma (Pers.) an Zweigen y ow Populus canadensis, 
D: Mosigkau, Beckerbruch bei Dessau und Vockerode. 

1283. C. vitis Moni, au Reben von Vitis vinifera, I): bei Ziebigk. 

1284. Ceutliospora foliicola (Lib.) an Blättern von Hedera helix, 
Vinca minor. Prunus laurocerasus, Crataegits oxyacantlia, ü: 
mitunter häufig. 

1285. C. rhois Rbh. an Ritus typliina, D: Mausoleum-Park. 



1286. Ascochyta acori Oud. au Acorus Calanms, D: am Kühuauer See. 

1287. A. armoraciae Fckl. an Coclilearia armoracia, D: bei Ziebigk. 

1288. A. coluteae L. et Fautr. an Colutea arborescens, D : im Mauso- 
leum-Park. 

1289. A. cJienopodii (Krst.) Died. an Atriplex nitens, A. patula, 
A. liastata, Clienopodium hybridum und Ch. albiim, D: bei 
Dessau und Ziebigk; an Atrij^lex Imstata, C: Zehringer Busch. 

1290. A. g7riminicola S-dCC. an ArrhenatJierum elatius. D: im Kühnauer 
Park und kleine Kienheide. Auf Poa pratensis wurde eine 
Form gefunden, welche der var. leptospora Trail ähnlich ist, 
D: bei Ziebigk an der westlichen Friedhofsmauer. 

1291. A. Herreana P. Renn, et Stz. an Blättern von Fiinkia ovata, 
D: im Herzoglichen Küchengarten. 

1292. A. laurina F. Tassi an Blättern von Lauras nobilis, C: bei 
Gröbzig und D: bei Ziebigk. 

1293. A. pisi Lib. an Pisum sativum, Ü: und D: verbreitet. 

1294. A. Diedirkei Stz. an Glyceria acpiatica, D: am Kühnauer See. 

1295. ^4. teretiuscula S. et R. an Lunda campestris, I): große Kien- 
heide und Kühnauer Park, Z: Roßlauer Forst; an L. pilosa, 
Z: am Hubertusberg, Roßlauer Forst (Luko) und Lindau. 



96 R. Staritz: 

12U7. A. ligustri S. et S. an l^iyii.'itruni vnhjarc. L): in der städtisclien 

Pflanzschule. 
1298. A. rihurni (Eonm.) Sacc. an Vihurnum Opuhi-^. D: bei Mosigkan. 

[an V/h. Lantana bei Jena in Tliüringen]. 
1291). A. ol'aivlri S. et Sp. an Xerium oJeander. ü: im Kühnauer Park 

und im Stiftsgarten zu Mosigkan. 

1300. Stüfiouosporopsis equiseti (Sacc) Died. an Equiseium Ihnosiim. 
I): Ivühnauer See. 

1301. AscocJiytella [grossulariae (Sacc. et Br.) Died. an JRiles grossuJarja. 
durch meinen Sohn M. Staritz aus einem Garten in Eidangen 
erhalten]. 

1302. .1. (Ipfoiiuis (Krst.) Died. an SaiiibucHs nigra. D: große Kien- 
hoide und Kirschberg bei Ziebigk. 

1303. Dlplodlna aiiwrplKie AU. an Atiioi'pJia f)-utlrnsa. D: im ]\rauso- 
leum-Pavk. 

1301-. I). raragancu' Yest. an Caragana arhoresc'^ns var. pendula, D: 
Friedhof zu Ziebigk. Stiftsgarten zu Mosigkan: vom letzten 
Standorte zeigte das Material nur Sporen von 7— 8;\2,5 |). 
Größe, ob hierher gehörig? 

1305. D. donacina (Sacc.) au Bromus sferilis, D: bei Ziebigk und 
GohraU; C: Gröbzig im Xeckenschen Busch. 

1306. D. euplirasiae Oud. au Eaphrasia officinaJis. D: im Kühuauer 
Park. 

1307. -D. Injoscyami Vestergr. au Hgoscgamus niger, C: bei Gröbzig 
nach IMitteledlau zu. 

1308. B. lieJkhrysi Pass. an FUago minima. D: Ziebigk. 

1309. D. lieJiantJü Fautr. an HeJianilius ainuiu--^. D: Ziebigk. 

1310. D. ligustri Delacr. an Ligusfrum vulgare. D: an der ..Ueber- 
führung", hohe Lache. 

1311. I). Oudemansü All. an Bihes grossidaria. 

1312. D. pilana Krst. an Samhucus nigra. D: Ivühnauer Park und 
Kirschberg. 

1313. I). Bichteriana Stz. an Balsamina Jiortensis. D: in Gärten zu 
Ziebigk. 

1314-. D. salsolae (Oud.) an Salsola Jaili. D: zerstreut in der nähere.i 

Umgebung von Dessau. 
1315. T). silghi mariani Stz. u. sp. Fruchtlager zellig, gelbbräuulich, 

durchscheinend, später dunkler, klein, ca. 270 [jl hoch und 240 [j. 

breit, zuerst unter der Oberhaut, später, wenn letztere zerrissen. 

frei, Sporen elliptisch bis keuleuförmig-zjiindrisch, beidendig 

abgerundet, zweizeilig, oft eine Zelle etwas breiter, (Querwand 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 97 

miUmter etwas uiideutlicl], -1 — 8(— 10) X 2 — 8.4 ;}.. Au faulen- 
den Steugelu von Säyhain mariannm, D: Ijei Ziebigk. 

1316. D. Salicis West, an trockenen Zweigen von Salix habylonica, 
I): im Mausoleum-Park. 

1317. IJ. tatarica All. an Lonicera tatarica, I): im Kühnauer Park. 

1318. D. veronicae Brun. an l'cronica longifolia, D: im Kühnauer Park. 

1319. TJ. verhenacea Har. et T3riard an Verhena officiiudis, 1): in 
Groß kühn au. 

1320. D. volnhilis (SacG. et Malbr.) an Polyrjonum convolvidas. Z: 
zwischen Roßlau und der Hautwollfabrik Eodleben. 

1321. D. Weyhei Stz. an Rliizomen von Glyceria aquatir-a, D: im 
Beckerbrucb. 

1322. Darhica Fihun (Biv.) Capt. auf Uredineen auf Foa pratensis, 
I); Hordeum miiriniüYi, 1): kleine Kienbeide und am 2. Güter- 
babnbof; an Poa trivialis, C: Gröbzig; an Armeria vidgaris, I): 
bei Oranienbaum, Goltewitz, Gohrau; an Polygonum avicnlare, 
D: bei Ziebigk: au Sagina iJi'ocamheus, letztere Form nach 
H. Diedicke mit Sporengröße 13 = 3—4 [>.. 



1323. Septoria Podagrariae (Lasch) an Aegopodium Podagraria, D. 

1324. S. alismatis Oud. an Alisma Plantago, D: Sümpfe und am 
Kühnauer See. 

1325. S. apil ehester an lebenden Blättern von Apium graveolens, 
D: in Gcirten. 

1326. .S'. antirrJiini Desm. an Blättern von AntirrJännin majiis, D: 
bei Ziebigk und in Dessau; C: Gröbzig Friedhof. 

1327. 'S', arinoraciae Sacc. an Cocldearia armoracia, D: bei Ziebigk, 
Großkühnau, Z: Hundeluft; [Eabis b. Jena]. 

1328. -S'. atriplicis (West.) Fckl. an Atriplex nitens, I): 

1329. S. halsaininae Pass. an Balsamina Jiortensis. D: Ziebigk. 

1330. >S'. caricicola Sacc. an Carex pjseudocyperus, C: bei Gröbzig, 
D: am Kühnauer See. 

1331. S. caricis Pass. an C. riparia und C. glauca, U: am Kühnauer 
See. 

1332. 'S', cerastii Rob. et Desm. an Cerastiam triciale. D: am Kirsch- 
berg. 

1333. >S'. chdidonii Desm. an Clielidoni/tm majns, Z: Hnndeluft. 

1334. 'S', clienopodii Westd. an Blättern von Chenojjodium alöum und 
Ch. Injhridum. D: zerstreut bei Dessau, an ersterer auch am 
Kyffhäuser. 

Verhandl. des Dot. Vereins f. Brar.denb. LIX. 7 



98 R. Staritz: 

1335. S. eonvolfuli Desni, an Convolimlns arvcnsis, D; Aecker an der 
hohen Lache, bei Ziebigk und Großkühuaii. 

1336. •S'. cytisl Desm. au Luhurmim vulfjare, D: 

1337. S. ep il oh ii West, au EpiloUmn hirsutum, C: bei Gröbzig- mehr- 
licb, z. B. Pfaffeudorfer Schachtteich, an der Fnhue, Teiche 
zwischeu Gröbzig und Werdershausen usw. 

1338. 8. inijriUata Ivrst. au Carex hrizoides, D: im Kühuauer Park, 
au C. cUstans ebeuda. 

1339. S. enjngicola Gud. et Sacc. au Eryngium campestre, Z: bei 
Roßlau. 

1340. S. fuclisicola Syd. an FucJ/sla si^ecieS; C: im Kautorats-Garteu 
zu Gröbzig. 

1311. S. galeopsidis ^Vei^td. nw Galeopsis, H: bei Güutersberge, Straß- 
borg, D: Mosigkauer Heide. 

1312. H. fjc? Tiob. et Desm. au Geuni iirhaniini, Westseite des Kyif- 
häusergebirges (Steinthaliebeu). 

1313. S. (jrai)üiiUi)i Desm. au Triticum vulgare, C. bei Gröbzig, [au 
SesUrla coßvulea hü'i Jena i. Thüringen]. 

1344. S. Jtedcrae Desm. au Hedera Jielix, D: verbreitet, [bei Zürich 
von K. Schultz gesammelt]. 

1345. S. liydrocotyles Desm. au Hydrocotyle vidgaris, D: am frühereu 
Pöplitzer See, Mosigkauer Heide uud Mosigkauer Teich, Z: 
zwischen Roßlau uud Meiusdorf. 

1346. 8. liyperici Desm. au Hypericum perforatum, D: verbreitet, 

1347. 'S', inulae Sacc. et Speg. au Imda hritannica, C: bei Gröbzig 
uud Könuern. 

1348. 8. Lstendreami S-dCC. -dw Jaglans cinerea., D: im Kühuauer Park. 

1349. S. Luzulae Schrot, an Luzala muUiflora, Z: Lindau [bei Jena]. 

1350. 8. Lappornm Sacc. au Lappa minor, D: bei Ziebigk. 

1351. ;5'. lamii Pass. an Lamium album uud L. pmrpureum^ D: bei 
Dessau, Ziebigk, Großkühnau. 

1352. 'S*. maJwniae Pass. au abgestorbenen Blättern von Malionia 
aquifolium, D: im Mausoleum-Park. 

1353. 8. mercurialis West, au Älercurialis annua, am Kyitliäuser- 
gebirge. 

1354. 8. oenolherae Woät an Blätteru vou Oenoiliera biemiis, D: ver- 
breitet. 

1355. 8. oleandrina Sacc. an Nerium oleander, D: Kühuauer Schloß 
uud Stiftsgarten Mosigkau. 

1356. 8. pastinacae West, au Pastinaca sativa, D: bei Ziebigk. 

1357. 'S', petroselini Desm. au Petroselinum sativum, D: Ziebigk. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anlialt. 99 

1358. S.pldorjis Sacc. et Speg. an Phlox iKiniculata, D: im städtischen 
Pflanzgarten; Pli. decussata, D: in Gärten, 

1359. S. Drummondü Ell. et Ev. an Phlox Drumnwudü, D: in Gärten 
in Ziebigk. 

1360. 5', lüantüfjinis (Ces.) Sacc. an Plantago lanceolata, D. 

1361. ^S'. Polemonii Thüni. an Polemonium coeruleum, D: Friedhof II. 
und städtische Pflanzschnle. 

1362. S.pojjuJi Desm. an Blättern von Popidus nigra, B: bei Aschers- 
leben. 

1363. 8. polygonor um De.&m. Ein Polygomim hydrojnper, C: b. Gröbzig; 
an Polyg. la^mthifolium, D: verbreitet. 

1364. 8. pirkola Desm. an Pirus communis sehr verbreitet, C: bei 
Gröbzig; D: bei Dessan [in Thüringen bei Jena und Frei- 
bnrg a. U.]. 

1365. o. sparsa Fckl. an Potenülla reptans, C: bei Gröbzig im 
„Neckenschen Bnsch" [anch bei Jena], an Pot. anserina; C: bei 
Körmigk. 

1366. 8. grossulariae (Lib.) West, sm Ribes grossularia, D: in Gärten. 

1367. 8. ribis Desm. an Bibes rubrum, D: Ziebigk in Gärten. 

1368. 8. rosarum West, an Posa pomifera, C: Gröbzig. 

1369. 8. rubi West, an Pubus caesius, D: Kühnaner Park [auch bei 
Jena]; an R. Plaeus, D: Ziebigk. 

1370. S. saponariae (DG) Savi et Becc, 0: bei Gröbzig; D: bei 
Ziebigk, an 8ap)onaria officinalis. 

1371. S. scabiosicola Desm. an [Knautia silvatica in Thüringen bei 
Jena], an Scabiosa atropmpurea, D: im Herzoglichen Kücheu- 
garten. 

1372. 8. spergulariae Bres. an Spergularia rubra, D: in der großen 
Kienheide. 

1373. 5. stellariae Rob. et Desm. an 8teUaria media, D: bei Ziebigk 
am Kirschberg [anch bei Eabis bei Jena]. 

1374. 8. urticae Desm. et Rob. an Urtica urens, D: bei Ziebigk. 

1375. ;S'. violae West, an Viola tricolor, C: bei Gröbzig; D: in Gärten 
bei Ziebigk. 

1377. S. visci Bres. an Viscum. album, D: im Tiergarten. 

1378. Rhabdospora cynanchica Sacc. an Cynaiichum officinale, D : 
Kühnaner Forst: nene Wiesen und Saalberge. 

1379. Rh. decipiens (B. et C.) Sacc. an Lonicera tatarica, D: im 
Kühnaner Park. 

1380. Rh. betonicae Sacc. et Briard an Betonica officinalis, D: 
Mosigkau: im Rößling. 

7* 



100 R. Staritz: 

1381. Uli. arnoseridis Lind, an Ärnoseris minima, D: Aecker am 
..krummen Hals" zwischen Ziebigk und Großkühnau. 

1382. Rh. dinopodii All. an Clinopodiiim vidgare, Z: am Friedriclisholz. 

1383. Rh. diaiiorthoides Sacc. an Scdix sj:»., D: im Kühnaner Park. 

1384. Ell. asparagi Syd. an Asparagus o/ficincdis, D: bei Dessau und 
Ziebigk. 

1385. RJl JiypocJioeridls All. an Hypochoeris radicaüi, D: bei Koclistedt. 

1386. Rh. tragopogonis Rieb, an Tragopogon pratensis, ]): bei Ziebigk.. 

1387. Rh. tanaceti Oud. an Tanacelwn vulgare, Z: an der Scblangen- 
grube zwischen Eoßlau und Coswig. 

[Rh. jniici (Desm.) auf Jancns aiirips erhielt ich durch Herrn 
Lehrer Zobel von der Insel Langeoog.] 

1388. Cytosporina Indibunda Sacc. an Robinia pseudacacia, D: Küh- 
naner Park und Kii'schberg bei Ziel)iok. 



1389. Stagonospora Calanii Pres, an Acorus CahimuSj T): am KiUi- 

naner See. 
13i)0. tSt. caricis (Oud.) Sacc. an Carex ghiuca, D: im Hexensnmpf 

bei Kochstedt. 

1391. St. currnla I^omm., Eouss. et Sacc. an Poa trivialis, T): im 
Kühnaner Park. 

1392. St. galUYixwiv. an Galiu-ni mollugo, C-: Gröbzig; D: bei Ziebigk. 

1393. St. intennixta ((dve.) Sacc. an Brachypodium pim'iatum, ('; im 
Diebziger Busch. 

1394. St. macropns (B. et Br.) C. Sacc. an Carex riparia, D: im 
Kühnaner Park [an C. gracilis durch Heri'n Lehrer Zobel- 
Dessau von der Insel Langeoog]. 

139.Ö. St. neglecta (Wild.) Sacc. an Blattscheiden von Pliragmites 

roniuiunis, D: im Kühnaner Park. Sporen 18,5 — 21X4 [j. groß. 

139G. St. juglandis P. Br. an Aesten von Juglans regia, D: in Ziebigk. 

1397. St. suhseriata (Desm.) Sacc. an Calamagrostis lanceolata, C: bei 
Radegast. Die Var. moliniae Trail an Molinia coerulea, Z: 
Roßlauer Forst. 

1398. St. sparganii (Fckl.) Sacc. an Sparganiiim ramosuni, D: im 
Kühnaner Park, Sporengröße 25—26X6^7 \).. Die Var. 
&antonensis P. Brun an Sparganium ramosuin, Z: am Hubertus- 
berg bei Coswig. Sporen 24—25X5,5 |j. groß, mit vier Oel- 
tropfen und ungleichen Sporenhälften. 

1399. St. typhoidearam (Desm.) Sacc. an Typjha latifolia, D: im 
Beckerbruch. 

1400. St. simpjlicior Sacc. et Br. an Phragmites communis, D: im 
Mausoleum-Park. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 101 

1401. Sphaeropsis laurl Pass. et Br. an Laurus noJnlis, D: bei Ziebigk 
(alte Kiesgrube). 

1402. SijJi. demersa (Bon.) Sacc. an Prunus laurocerasus, D: im 
Kühnaner Park. 

1403. Spli. (jutiifera OHh. a.\i Tilla grandifolia, I): im Kühnauer Park. 

1404. S2)Ji. visci (Soll.) Sacc. an VLscum album, D: im Beckerbruch 
und Kühnaner Park. 

1405. Coniofltyrium aiwuhae Sacc. an Aucuha jrqjonica, D: im Wör- 
litzer Park. 

1406. C. diantld n. sp. an abgestorbenen, faulenden Stengeln von 
Biantlius cartliuskmorum, D: Straße von Dessan nacli Aken 
und im Rößling bei Mosigkan mit nachstehender Beschreibung: 
Fruchtlager einzeln, klein, bedeckt, rundlich, dunkelbrauu, 
Ostiolnm punktförmig hervorragend, Sporen eiförmigelliptisch 
oder eiförmiglänglich, bräunlich, beidendig abgerundet, 
10,5—15X4,5—6 [i groß. 

1407. C. DasyJirn Celetti an Dasylirion graciUs, D: im Herzoglichen 
Küchengarten. 

1408. C. concentricuni (Desm.) an Agave americana, D: im Herzog- 
lichen Küchengarten. 

1409. C. caesjjituJosum Sacc. an Tamarix tetrandra. 

1410. C. Castagnei Sacc. an Jasminum fruticans, D: Herzoglicher 
Küchengai'ten. 

1411. C. foedans Sacc. an Robinia pseudacacia, D: am Kirschberg 
und im Kühnaner Park. 

1412. C. Fackeln Sacc. an Rohinia pseudacacia, Bastfaser, D: große 
Kienheide. Sporen 3,5 — 5 |i im Durchmesser. 

[C. genistae (Ponm.) Berl. et Vogi. an Oeiiista saharae in Oran 
in Nordafrika leg. Cosson] ; ex herb, phanerog. meo. 

1413. C. hellehori Cke. et Mass. an welkenden Blättern von HeUeborus 
viridis, D: im Stiftsgarten zu Mosigkan. 

1414. C. ijinatum Krst. an Scdlx sp., D: bei Ziebigk, Sporengröße 
8—14 = 4-8 li. 

1415. C. lupulinum Bres. -äw Humulus lupulus, D: im Kühnauer Park. 

1416. C. mediellum. Krst. an Chenopodium album, D: bei Ziebigk 
nach Großkühnau zu. Sporengröße 3 — 5X3—3,5 \i. 

1417. C. laburnophilmn Oud. an Laburnum vidgare, D: im Mauso- 
leum-Park. 

1418. C. oUvaceum Bon. var. ononidis All. an Ononis spinosa, C: bei 
Gröbzig im Neckenschen Busch. Z: bei Roßlau. 

1419. C, ribicolum P. Br. an Rihes rubrum^ D: bei Ziebigk. 



102 R. Staritz: 

1420. C. sijhaerospermum Fckl. an Cytisus sagittaUs, 1): im Kühnaucr 
Park. 

1421. C. Wernsdorffiae Laub, an kultivierten Rosen, D: in Gärtnereien 
und Gärten in und bei D. 

1422. C. scirpi (Boy et Jacz.) an Scirjnis lacusiris, D: am Kühnauer 
See und an Acorus CalanuLs, D: im Mausoleum-Park. 

1423. Naemospliaera subtilissima Krst. an abgestorbenen Aesten von 
Sym-plioricarpiis, D: im Mausoleum-Park. 

1424. Microdiplodia conigena All. an Zapfensdiuppen von Pinus 
silvesfris, D: Große Kienheide. 

1425. j\I. Henniiigsii Staritz an Chenojjodiuin cdbum, D: bei Ziebigk. 

1426. M. inconspicua (Ckl.) an Buxus sempervirens (breit- und schmal- 
blättrige Form), D: im Georgengarten. Mausoleum-Park und 
Kühnauer Park (nach H. Die dicke). 

1427. M. visci (DC.) Pol. an Tisciim cdbum, D: Kühnauer Park. 

1428. M. colküae Jiorridae n. sp. an Colhtia horrida, D: im städtischen 
Piianzgarten: Fruchtlager zerstreut, zuerst bedeckt, später 
durch Verwitterung der Oberhaut frei, mittelgroß, Spüren braun, 
eiförmig oder länglich-eiförmig oder auch länglich-elliptisch, 
12 — 13,5 = 5 groß, an einem Ende öfter etwas verschmälert. 
Als 

1429. M. Dracaenae n. sp. möchte ich einen Pilz bezeichnen, welcher 
auf Bracaena in den Bahnhofsanlagen zu Dessau gefunden 
wurde: Fruchtlager groß, in einem helleren, braun umsäumten 
großen Flecken, einzeln, eingewachsen, schwärzlich, Sporen 
mitunter fast knglig, meist aber elliptisch oder auch etwas 
verlängert, zweizeilig, doch linden sich auch einzellige vor, 
hellbraun, 6.5 — 10,5 = 5,5—7,5 groß, an der Querwand nicht 
eingeschnürt. 

1430. Diplodla ampelopsidis Brun. an A)npelopsis Jiederacea, D: in 
Ziebigk „am Georgengarten". 

1431. D. auioipJiae (^ylld.) Sacc. an Amorplia fruücosa, D: im Mauso- 
leum-Park und im Stiftsgarten zu Mosigkau. 

1432. D. corni Wst. an Cormis sibirica und C. sangulnea, D: im 
Kühnauer Park. 

1433. D. Jiumidl Fckl. an Hunndiis lupulus, D: im Kühnauer Park 
und an Gartenzäunen der Wasserstadt bei Dessau und im 
westlichen Teil der Mosigkaucr Heide am „Rotehaus Busch". 

1434. Z). ilicis Fr. an Blättern von Hex CKpufolium, D: Friedhof IL 

1435. D. juglandis Fr. an Juglans regia, D: im Kühnauer Park, Z: 
Stackelitz. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 103 

1436. D. laurina Sacc. var. minor Pass. an trockenen Acsten von 
Lauriis nobilis, D: alte Kiesgrube bei Ziebigk. 

1437. I). Ihiariae Rbh. an Linaria vul/jaris, D: bei Ziebigk, Groß- 
kühnan: Parlv nncl Forst. 

1438. D. licalis West, an Syringa vulgaris, D: in Anlagen der näheren 
nncl weiteren Umgebnng von Dessan. 

1439. T). Igcii Feld, an Lgcium harbarum, 0: bei Dalena nach Wettin 
zu; ü: bei Großkühnan; auch auf dem Petersberg bei Halle-S. 

1440. B. mamiUana Fr. an Cornus Bretsclineideri, D: Friedhof II. 

1441. D. melaena Lev. an Ulmiis canipestris, Z: am Friedrichsholz. 

1442. D. Oiidemansii Sacc. et Syd. an Sarotliamnus scoparias, Z: im 
Golmenglin, Petersberg. 

1443. D. pseudod'ijjlodia Fckl. an Pirus Eiversi, D: im städtischen 
Schulgarten. 

1444. D. profusa DNot. an Rohinia pseudacacia, D: Kirschberg und 
Kühnauer Park. 

1445. D. sicula Scalia an Phoenix dadglifera. 

1446. D. ramulicola üesm. an Evonymus japonicus, D: in Ziebigk. 

1447. D. ruhi Fr. an Buhiis caesius, Z: bei Dornburg a. d. Elbe. 

1448. B. Segapelii Scalia an Ruhus Plaeus, D: Kühnauer Park. 

1449. D. vincaecola Brun. an Vinca minor, C: Gröbzig Friedhof, D: 
Ziebigk Friedhof. 

1450. D. visci (ÜC.) Fr. an ]lscn)n album, D: im Kühnauer Park. 

1451. Hendersonia arundinis (Lib.) Sacc. an PJiragniites communis, 
D: im Kühnauer Park und am Kühnauer See. 

1452. H. atramentaria Schrot, an Olyceria aquatica, C: an den Fuhne- 
gräben bei Gröbzig; D: am Fasanerieteich am Wallwitzberg. 

1453. H. coluteae Peck. et Ckl. an Colutea arborescens, D: im Mauso- 
leum-Park. 

1454. H. culmiseda Sacc. an Phragmites conuuunis, I): Kühnauer See. 

1455. H. distans Brun. an Carex vulpina, D: Ziebigker Hutung. 

1456. H. elegans Sacc. an Aira caespitosa, D: zwischen Kornhaus und 
Großkühnan. 

1457. H. epixyla Malbr. et Br. an Spänen von Po-pulus canadensis, 
D: südliches Eibufer zwischen Wallwitzhafen und dem Kornhaus. 

1458. H. OleditscJiiae Kickx f. Catalpae an abgestorbenen Zweigen 
von Catalpa ovata, Ü: an den Bahnhofsanlagen; und an C. syringi- 
folia, D: im Stiftsgarten zu Mosigkau: Sp. vierzellig, zuerst 
braun, später dunkelbraun, 12—16X6—7 \i., an den Quer- 
wänden eingeschnürt und an beiden Enden abgerundet, Frucht- 
lager meist in Reihen. Juni 1906. 



104 R. Staritz: 

1459. H. r/raniinicola Lev. an abg'estorbeiicn Halmen von Pliragmites 
communis, D: am Kühnauer See. 

1460. H. iihrarjmites Desm. an Blattsclieidon von Pliragmites com- 
munis, D: im Mausoleum-Park und bei Koclistedt. 

1461. B. crastophila Sacc. an Halmen von Plirarjmites communis, D: 
am Külmauer See. 

1462. H. Jietcrospora Trail an Blättern von PJtrarjmites communis, [): 
am Mülilteicli 1)ei Mosigkau. 

1463. H. vaginae (Ebb.) Kalcbbr. an Blattscbeiden von Pliragmites 
communis, C: bei Gröbzig und am SchachtteicU bei Pfatfenteicb. 

1464. PL equiseti Trail an abgest'U'benen Stengeln von Equisetum 
lim.osum, D: am Kühnauer See. Die Sporen sind bei den 
hiesigen Exemplaren länger als von Allescher S. 206 angegeben, 
da dieselben 26 — 30X2,5 \>. gemessen wurden, im übrigen war 
Uebereinstimraung vorhanden. 

1465. H. mali Thüm. an Blättern von Pirus malus kult. ,, Königs 
Plainer" in Gärten D: zu Ziebigk. 

1466. H. Grossulariae Oud. an dünneren Zweigen von Rihes Grossu- 
laria, D: in Gärten. Die Sporen zeigten sich zwei- bis vier-, 
selten fünfzellig, 'die zweizeiligen waren 11X3,5 \i groß, die 
viei'zelligen 17 — 19X4,5 — 5.5 nnd die füufzelligen 20X4 p.. 

1467. //. rulji (West.) Sacc. an PluIjus Pdaeus und P. caesius, D: 
PL Pdaeus Ziebigk in Gärten und P. caesius im Kühnauer Park. 

1468. H. rubi (West.) Sacc. f. ruhi Pdaci Brun. an Puhus Pdaeus, 
Z: bei Dornburg a. d. Elbe. Als 

1469. PI. sarmentorwn West, sei eine Form auf Rlius cotinus, D: im 
Mausoleum-Park bezeichnet; auch auf Populas canadensis, D: 
bei Vockerode mit 16 — £0X6,5 |j- großen Sporen, Lahurnum 
nigricans, D: Mausoleum-Park, Sporen (zwei- bis) vierzellig, 
13—14X4 11. , 

1470. H. samhuci Müll, an Samhucus nigra, D: am Kirschberg bei 
Ziebigk. 

1471. H. siloatica Fautr. an Loliiim perenne, D: bei Ziebigk, D: am 
Schillergarten. 

1472. PI. sjmrganii Nssl. an Sparganium ramosum, Z: am Hubertus- 
berg bei Coswig a. d. Elbe. Diese Form ist wohl eine echte 
HendersoniU' Art, wenn dieselbe auch von Allescher, Teil 7, 
S. 239 als fraglich in diese Gattung aufgenommen wird, „da," 
wie er sagt, „die Sporenfarbe nicht angegeben, ist diese Art 
unsicher, sie könnte auch zu Stagonospora gehören." G. v. Niessl 
sagt aber in seiner Arbeit: Vorarbeiten zu einer Kryptogamen- 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 105 

flora von Mähren nnd Oesterr.- Schlesien S. 34 nnter Nr. 215 
von nnsercr Art: ..Hendersoniae smilacinae Desm. ann. sc. 
natnr. XVL 3. p. 296 proxima, sed sporidiis obscurioribus diifert", 
folglich nuiß NJossl gefärbte Sporen vor sich gehabt haben, 
also eine Hcndersonia. 

14-73. H. fjjpliicola Oud. an Typha latifolia. D: am Kühnaner See nnd 
im Park an einem Tümpel. 

1174:. H. sapoiiariae n. sp. an abgestorbenen Stengeln von Saponaria 
officinaUs, D: Muldenstein bei Jeßnitz. Frnchtlager bis mittel- 
groß, mit Mündung, Sporen rußfarbig, länglich-elliptisch (zwei-, 
drei-) vierzellig, an den Querwänden nicht eingeschnürt, die zwei- 
zeiligen Sporen 9 — 11>;5. die vierzelligen 13;<(2,5— )5 — 5,5 \i. 
groß, gerade, auch vereinzelt gekrümmt, Querwände gleich- 
laufend oder auch schräg zu einander liegend, die beiden Enden 
abgerundet, eine der mittleren Zellen gewöhnlich etwas hervor- 
tretend. 

1475. Camarosporium alpiniun {ßi)Qg.) Sacc. an Sarothanmus scoparius, 
D: bei Most. 

1476. C. nrenariam Sacc, Bomm. et Eouss. an Halmen von Af/rostis 
vulgaris, D: am Pöplitzer Teich. 

1477. C. Coliiteae (F. et C.) Sacc. an Coltdea arhorescens, D: im 
Mausoleum -Park und in der städtischen Pilanzschule; an 
C. cruenta am früheren ..Salzigen See'" zwischen Erdeborn und 
Oberröblingen. 

1478. C. aeqiäüocum (Pers.) Sacc. an abgestorbenen Stengeln von 
Artemisia campestri<i, zwischen Schraplau und Esperstadt (z wisch. 
Halle-S. und Eisleben), D: bei Most. 

1479. C. Caragauae Kvst. Si\i Caragana arhorescens, D: im Mausoleum- 
Park und Friedhof zu Ziebigk. 

1480. C. dicJiomeroides Brun. an abgestorbenen Zweigen von Samhucus 
nigra, D: am Kirschberg zwischen Ziebigk nnd Großkühnan, 
mit Sporengröße 12 — 14X5 — 6 \i.. 

1481. C. Forsythiae n. sp. an abgestorbenen Zweigen von Forsytkia, 
D: im Mausoleum-Park: Fruchtlager einzeln oder gehäuft, 
zuerst bedeckt, später durch einen Längsriß der Oberhaut frei 
werdend, Sporen 13 — 17X8 jj., vierzellig, elliptisch oder länglich- 
elliptisch, schwach gelblich- oder olivenbraun. 

1482. C. ilicis Oud. an abgestorbenen Zweigen von Hex aquifolium, 
D : auf Friedhof IL 

1483. CJialtmodendri P.Henn. an trockenen Zweigen von Halimodend,ron 
. argentemn, D: im Mausoleum-Park. 



106 R. Staritz: 

1484. C. incrustans Sacc. auf Iihus typhina, D: im Mansolenm-Park. 

1485. C. Kirclmeri Stz. auf den abgestorbenen dünnen Zweigen von 
Prunus domestica, D: in C4ärten zu Ziebigk (cfr. H. Diedicke 
Kiyptogamenflora der Provinz Brandenburg, Bd. IX, S. 680, 
NiC 36). 

1486. C. Karstenii Sacc. et Syd. an Plrm communis var. glahra, D: 
im Scliulgarten auf Friedhof II zu Dessau. 

1487. C. lantanae (Fleiscbh.) Sacc. an Yihurnum lantana, D: Fj'iedhof 
zu Mosigkau. 

1488. C. luhurni (West.) Sacc. an trockenen Aesten und Zweigen 
von Lahurnum vuUjare. D: städtische Anhigen und Mausoleum- 
Park, auch in den Anlagen am früheren „Salzigen See" zwischen 
Oberröblingen und Erdeborn. 

1489. C. Poterä Päss. an Potermm sanfjuisorha, B: Abhänge bei 
Sandersleben. Eine vielleicht hierher gehörende Form wurde 
auf Linaria vulgaris, D: im Kühnauer Park und auf dem Fried- 
hofe zu Ziebigk beobachtet. 

1490. C\ jjseudacaciae Brun. an trockenen Aesten von Rohinia yseuda- 
cncia. D: im Kühnauer Park. 

1491. C. pityum Sacc, Eouss. et Bom. an Araacaria imbricata, D: 
im Wörlitzer Park. 

1492. C. (ßiaternatum (Hazsl.) Sacc. an abgestorbenen Aesten und 
Zweigen von Lgdum harharum verbreitet, z. B. I): am Kühnauer 
Park, bei Gohrau, Wettin, am Petersberg und bei Schraplau 
(zwischen Halle-S. und Eisleben). 

1493. C. ruhicolum Sacc. an Biibus fndicosus. Z: bei Eoßlau. 

1494. C. syringae Cke. et Mass. an Zweigen von Sgringa vulgaris^ D: im 
Kühnauer Park. 

1495. C. spiraeae Cke. an Spiraea crenata, D: im Kühnauer Park. 

1496. C. Bliodotypi n. sp. sei vorläufig eine Form auf Ehodotypus 
kerrioides genannt mit folgender kurzer Angabe der Sporen- 
verhältnisse: Sporen vierzellig, vereinzelt abnorm gebogene 
auch fünfzellig, braun, 14 — 17,5X5,5 — 6,5 mit 1 — 3 Längs- 
wänden. D: Mausoleum-Park. 

Nectrioideae. 

1497. Zythia resinae (Ehrenb.) Krst. auf dem Harz der Fruchtzapfen 
von Pinus, besonders von P. strobus, weniger von P. silvestris, 
D: im Kühnauer Park, auch in den übrigen Kiefern Waldungen, 
Wörlitzer Garten. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 107 

1498. Pleosporopsis strohiUna (A. et Seh.) an den Zapfen von Picea 
excelsa, H: bei Gnntersberge. 

1499. Polystigmina rubra (Desm.) Sacc. an lebenden Blättern von 
Primus domestica, häutig'.. 

Leptost7'07nataceae. 

1500. Leptothyrium jjeridynieiü (Desm.) Sacc. an lebenden Blättern 
von Lonkera ijericiymenum, D: bei Dessau, Z: im Hundelufter 
Forst (bei Bärenthoren), [auch im Mühltal bei Jena i. Thür.]. 

1501. L. quercinum (Ijasch) Sacc. an Blättern von Quercus rubra, ■ 
D : im Kühnauer Park. 

1502. L. polygonati F. Tassi an faulenden Blättern von Convallaria 
majalis, D: im Kühnauer Park. 

1503. L. coryUnmn Fckl. an Blättern von Corylus auellana, Z: im 
Gehege bei Lindau. 

1504. Leptostroma virguUorum Sacc. an trockenen Eanken von Rubus 
frutkosus, D: zwischen Groß- und Kleinkühnau, Z: bei Eoßlau. 

1505. L. fiUcinum Fr. an StrutMopteris germanka, D: im Herzoglichen 
Küchen garten. 

1506. L. pteridis Ehrenb. an Pterk aquiUna, Z: am Hubertusberg 
bei Coswig und Roßlauer Forst. 

1507. LabreUa potentillae Fckl. •ä.w Potenülla argentea, C: bei Werders- 
hausen, auch bei Langenbogen zwischen Halle und Eisleben. 

1508. Sackliuni natrkü Mont. an Ononis natrix, D: im Herzoglichen 
Küchengarten. 

1509. Melasmui acerina Lev. an Blättern von Acer platanoktes, Z: 
bei Reuden. 

1510. M. xmnctata Sacc. et Roum. an Blättern von Acer platanokles^ 
D: Mosigkauer Heide. 

1511. Dkcosia Artocreas (Tode) Fr. an Quercus pedunculata, Q. rubra, 
D: im Kühnauer Park besonders, an Platanus orkntalis im 
Kreise D. verbreitet, an Laurus nobilk (in einer alten Kies- 
grube) bei Ziebigk, an Stengeln von Polytrkhum jumperiimm, 
D: in Kühnauer Park und bei Horstdorf. 

D. alnea (Pers.) Berk. an Blättern von Alnus glatmosa, H: bei 
Silberhütte. 

1512. D. clypeata DNot. an Blättern von Amekinckkr canadensis, D: 
im Kühnauer Park. 

1513. ActinotJiyrium graminis Kze. an Molvnki coeridea, Z: in der 
Roßlauer Forst, ebenso auch an Festaca gkjantea und Aira 
caespitosa, an letzterer auch D: im Kühnauer Park. 



108 R. Staritz: 

Leptostromella caricina Brun. an Carex riparia, D: im Küh- 
iiauer Park. 

1514. L. hysterioides (Fr.) Sacc. au Vincetoxicmn officmale, D: Küli- 
nauer Forst und auf dem Muldeustein. 

Excipulaceae. 

1515. Spnronema platani Bäumler an abgestorbenen Blättern von 
Fiatanus orientalis, D: in und bei Dessau. 

1516. Dinemasporium gmininum Lev. an Lolium pereiine, Poa pratensis, 
P. compressa, verbreitet [an Carex trinervis auf Insel Langeoog', 
erbalten von Lebrer Zobel]. 

1517. D. grannnum Lev. var. sirigulosum Ivrst. an Gräsern (Poa 
pratensis, Seeale cereale) und ancb Carex leporina, bei Ziebigk. 

1518. D. decipiens (DNot.) Sacc. an Holz von Eohinia pseudacacia 
und Samhucus nigra, D: am Kirscbberg. 

1519. D. diantld (West.) Oud. an Diantims cartJatsianoruni, D: Große 
Kienbeide. 

1520. D. firneti Plowr. et PhilL an Kaninchenkot, D: Große Kien- 
heide und Kirschberg bei Ziebigk. 

1521. Dinemasporiopsis Jiisjndulum Bub. et Kab. an Sambucus nigra 

und Eohinia. D: Kühnauer Park und Kirschberg. 

Melanconiaceae. 

1522. Hainesia rJioina Ell. et Sacc. an abgestorbenen Blättern von 
BJms glahra, D: im Mausoleum-Park. Pilz und Nährpflanze 
nach von Höhnet, dem Material vorgelegen hat. 

1523. Gloeosporiiim aletridis P. Henn. an Blättern von Aletris fragrans, 
D: im Herzoglichen Küchengarten. 

1524. Gl. radiosum E. Rostr. an lebenden Blättern von Aquilegia 
vulgaris, D: Ziebigk im Garten. 

1525. Gl. [intermedium Sacc. an Blättern von Citrus aurantium von 
der Insel Korsika. Das Material erhielt ich von Branereidirektor 
Herrn Ebers -Dessau]. 

1526. Gl. Fragariae (Lib.) Mont. an FotentiUa argentea, D: bei Ziebigk. 

1527. Gl. Lindemuthiamtm Sacc. an den Hülsen von Phaseolus 
vidgaris, in Gärten verbreitet. 

1528. Gl. nuhilosum Pass. an einem in einer alten Kiesgrube liegen- 
den Wedel von Phoenix dactylifera, D; bei Ziebigk. 

1529. Gl. nervisequum (Fckl.) Sacc. an lebenden Blättern von Platanus 
orientalis. verbreitet und einen vorzeitigen Blattabfall ver- 
ursachend. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 109 

1530. Gl. Platani (^ront.) Oiid. an Blättern von Platwius orientalis, 

L): in und bei Dessau. 
1581. Gl. timlirnidlum Berk. et Br. an Blättern von Qn'ercus pedun- 

cidata, D: Külinauer Park und bei Ziebig'k. 

1532. Gl. ribis (Lib.) 31ont. et Desm. an Blättern von Rihes rnhrum, 
D: (Tärten verbreitet. Die dazwischen stehenden Sträucher 
von 7?. nif/rum sind bis jetzt verschont geblieben. 

1533. Gl. trifolli Peck an Trifolium pratense, D: bei Großkühnau, 
einzeln auch im Mausoleura-Park. 

153-1. Gl. coryli (Desm.) Sacc. an Co}-ijlns arellwia, Z: bei Lindau. 

1535. Gl. HeniiiiKjsii n. sp. an trockenen und abgefallenen Blättern 
von Prunus lauroc<=rasus, I): im Kühnauer Park. Fruchtlager 
unter der etwas gehobenen Oberhaut, das Blatt daher an 
dieser Stelle einen helleren Flecken zeigend, durch die Ober- 
haut durchsclieinend, meist in der Nähe der Mittel- doch auch 
der Seitenrippen, herdenweis zusammenstehend, meist oberseits, 
endlich die Oberhaut etwas aufweisend. Sporen oblang, doch 
auch fast elliptisch, gerade oder schwach gebogen, mit k<Jrnigcm 
Inhalt, 17—21X9 — 11 |).. Sporenträger vcrschiedengestaltet, 
meist kugelförmig, doch auch zylindrisch oder fast elliptisch. 
Zu Ehren meines mir unvergeßlichen Beraters des Herrn 
Prof. P. Hennings. 

153(5. Myxosporium pluiposorum (Sacc.) auf Ruhus caesius, D: Küh- 
nauer Park. 

1537. il/. incarnata (Desm.) Bon. auf Salix- KQ^idw, D: Kühnauer 
Park und bei Ziebigk. 

1538. Naemospora castaneae Bres. an abgefallenen und faulenden 
Fruchtschalen von Casiaiiea vulgaris, D: im Kühnauer Park 
(Originalstandort). " 

1539. Trullala olivascens Sacc. an Laurus nobilis, D: in einer alten 
Kiesgrube bei Ziebigk. 

1540. Collatotriclium gloeosporioides Penz. an abgestorbenen Blättern 
von Hedera helix, D: bei Ziebigk und Friedhöfe in Dessau. 



1541. Melanconium sphaeroideum Link an Alnus glutinosa, D: im 
Kühnauer Park. 

1542. M. sphaerospermum (Pers.) Link an Stipa capillata, C: bei 
Gröbzig, an PJiragmües communis, D: Mausoleum-Park und 
Kühnauer Park. 

1543. M. beüdinum Schm. et Kze. an Betula alba, D: Kühnauer 
Park, Z: Rcßlauer und Bernsdorfer Forst. 



110 R. Staritz; 

1541, M. hicolor Neos an Ccüylnus hehdas, D: Zaun am Kühnauor 

Park und am Georgengarten. 
1515. M. juglandinum Kze. an Jufßans regia, D: Umgebung von 

Dessau. Z: in Stackelitz. 
1546. Cryptomela atra (Kze.) Sacc. an Blättern yow Poa 2)ratensis, C: 

bei Löberitz a. cl. Fulme. 



1517. Marssonina Delastrei Sacc. an Melanänjiim album, D: am 
Lorck. 

1548. M. extremorum Syd. an Acorus Ccdamus, D: am Kühnauer See. 

1549. M. juglandis (Lib.) Sacc. an Juglans regia, verbreitet. 

1450. M. potentillae (Desm.) Sacc. an Potenülla anserina, 0: Gröbzig 
und Hoclicdlau, Z: Hundoluft [in Thüringen bei B,abis bei 
Jena an Potenülla reptans]. 

1551. M. Bosae Trail an Rom cordifoUa, D: Friedliof I. 

1552. M. Staritzii Bres. an Lonicera tatarica, C: bei Gröbzig auf 
dem Friedhof. 

1553. Septomyxa aniorpJiae All. an Amorpha friiticosa, D: im Mauso- 
leum-Park. 



1554. Stilbospora angustata Pers. an Syringa vulgaris, D: im Küh- 
nauer Park. 

1555. Coryneum microstichim Berk. et Br. an Vitis vinifera, D: bei 
Ziebigk. 

1556. C. umhonatum Nees an Zweigen von Carpinus und Quercus, 
D: im Kühnauer Park. 

1557. C. anhaltinum n. sp. an Blättern von Hex aqiiifolium, D: in 
Gärten und Friedhof Ziebigk. Fruclitlager beiderseits, doch 
besonders auf der Oberseite in mehr verlängerten Flecken, 
dieselben ausfüllend, groß, zuerst bedeckt, später etwas hervor- 
stehend, Sporen fünfzellig, rauchgrau, Endzellen heller, fast 
hyalin an den Querwänden eingeschnürt, fast keulenförmig, 
also nach einem Ende zu die hyaline Endzelle am schmälsten 
und mit dem kurzen hyalinen Sporenträger verbunden, 
17 — 18X6—7 |j., vereinzelt auch bis 8 \). breit, gerade, doch 
mitunter auch etwas gekrümmt. Die Endzellen müssen leicht 
sich loslösen, da dieselben oft fehlen. 

1558. MonocJiaetia monocliaetoidea Sacc. an Zweigen von Spiraea 
opmlifolia, D: in Trägers Garten am Kirschberg und im Mauso- 
leum-Park. 



Dritter Beitrag zur Pilzkunde des Herzogtums Anhalt. 111 

\bb^. Pestalozzia funerea Desin. an Thuja oricnüdis, I): bei Ziebigk, 
an Laiinis nohllis, 1): in Dessau und im kStiftsgarten zu 
Mosigkau. 

1560. P. funerexi Desm. i. tifiriccb- m\ Thuja orientalis, D: bei Ziebigk. 

1561. P. Jieteromorpha Tliüni. an Polygomim avicidare, IJ: bei Ziebigk 
alte Kiesgrube. 

1562. Cylindrosporium rohintae (Lib.) Died. an Eobinia x)seudacacia, 
C: bei Löberitz bei Radegast, D: am Kirschberg bei Ziebigk. 



Bericht über den Ausflug 
des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg 
am Sonntag, den 3. Juni 1917, nach Paulinenaue, 

Von 

H. Harms. 

Auch in diesem Jahre mußten wir wegen der Ungunst der 
Zeitverhältnisse auf eine Frühjahrsversammlung verzichten; dagegen 
ermunterte uns die reiche Beteilignng, die in den vergangenen 
Kriegsjahren unsere Frühjahrsausflüge gefnnden hatten, wiederum an 
Stelle der Versammlung einen solchen zu unternehmen. Wegen der 
wesentlich erschwerten Vcrpflegungs- und Verkehrsverhältnisse waren 
wir genötigt, uns nicht allzuweit von Berlin zu entfernen. Auf 
Vorschlag unseres Vorsitzenden, Herrn E. Jahn, wählten wir die 
Umgebung des an der Berlin-Hamburger Bahn nordwestlich von 
Nauen gelegenen Ortes Paulineuaue. Am 13. Mai unternahm er 
dorthin mit einigen Mitgliedern des Vereins einen Vorausflug, um 
die nötigen Verabrednngen wegen Unterkunft und Verpflegung zu 
besprechen. In der Hauptsache sollte der Ausflug auf einen Nach- 
mittagsspaziergaug in das Lindholz bei P. und zur Selbelanger Salz- 
stelle beschränkt bleiben; wer in der Lage war, schon in aller Frühe 
aufbrechen zu können, dem wurde vorgeschlagen, am Morgen des 
3. Juni die mit pontischer Flora bestandenen Jahnberge nordwestlich 
von P. zu besuchen. Auf einen Ausflug am Sonnabend vorher 
mußte man verzichten. — Am 29. Juli 1917 besuchten die Herren 
L. Diels, P. Kucknck, cand. E,. Höfke und H, Harms bei 
schönstem Somraerwetter die Jahnbei-ge und das Lindholz; wir 
konnten bei dieser Gelegenheit gerade die Hügclflora der Jahnberge 
in ihrer charakteristischen Eigenart beobachten. 

Urei Mitglieder des Vereins, die Herren W. HauchecornO; 
E. Kolkwitz und H. Harms, fuhren bereits am Sonnabend, den 
2. Juni, nach Nauen. Ein schöner Abendspaziergang bei warmem 
heiterem Wetter von Nauen aus nach dem Stadtwalde untsr der 



Bericht über den -Ausflug nach PauHnenaue- 113 

anregenden mul belehrenden Fülirnng' des Herrn Haucliecorno 
wird dem Verfasser dieses Berichts stets in angenehmer Erinnerung 
bleiben; wir konnten am Eingange des Gehölzes fast reine Bestände 
aus Stieleichen sehen, unter denen ein besonders stattliches Exemplar 
auch von Herrn Hauchecorne gemessen wurde zur Aufnahme in das 
Eorstbotanische Merkbuch. Erst gegen 7410 Uhr trafen wir wieder 
im Hotel Berliner Hof ein, wo wir Herrn Kolkwitz vorfanden, mit 
dem wir gemeinsam das trefflich bereitete Abendessen einnahmen; 
später gesellte sich uns noch Herr W. Schütze-Nauen zu. 

Um an dem Morgenaustiuge teilzunehmen, mußte man schon früh 
6 Uhr 13 Minuten vom Lehrter Bahnhof abfahren. Es trafen 
14 Herren bald nach 7 Uhr in P. ein, unter ihnen auch Herr 
0. Jaap aus Hamburg; als Gast hatte sich uns der Zoologe, Herr 
Lehrer F. Schumacher beigesellt, der noch am selben Tage Mit- 
glied des Vereins wurde. Leider hatte sich das Wetter zum 
schlechten gewandelt; so notwendig auch nach lange anhaltender 
Trockenheit während des Mai der Regen für die Felder war, so 
erschwerte er uns doch bis etwa 10 Uhr das Wandern und Beobachten. 
Allmählich ließ die Heftigkeit der Güsse nach und im Laufe des 
späteren Morgens wurde es immer heiterer und sonniger, sodaß sich 
schließlich der Himmel aufklärte und uns einen herrlichen, nicht zu 
warmen Nachniittag und Abend bescherte. 

Von P. fuhren wir zunächst 7 Uhr 47 Minuten mit der Neu- 
ruppiner Bahn nach der kleinen Station Lobeofsund. Von dort 
ging es südwestlich nach den kleinen Jahnbergen, niedrigen kahlen 
Sandhügeln, die sich inmitten der Wiesen des havelländischen Luches 
erheben. Die Jahreszeit war noch zu früh für die Beobachtung der 
bemerkenswerten Bestandteile dieser Hügelflora, erst der Spätsommer 
läßt die Eigenart der E'ormation besser hervortreten. Am Jahn- 
Damm bei Lobeofsund sahen wir große Exemplare von Polyporus 
squamosus auf Schwarzpappel. Die kleinen Jahnberge sind mit 
dichten Büscheln der Koeleria cristata bedeckt; von andern Gräsern 
und Cyperaceen seien, noch Plileum Boehineri, Avena elaüor und 
jjubescens, Festuca heterophylla und ovina, Carex arenaria und Jtirta 
genannt. Besonders aber erregte unsere Aufmerksamkeit Ä/zpa 
pemiata, die hier mehrfach, aber nicht reichlich auftritt. ^j Pulsatüla 
Ijratensis war teilweise noch in Blüte, meist aber schon in Frucht. 
Sonst wurden noch festgestellt: Equisetum hiemal^, Herniaria glabra, 



') In Ascherson's FJ. Prov. Brandenburg werden für die Jahnberge z. B. 
folgende Arten angegeben: Aster linosyris (S. 291), Achyrophorus maculatus 
(S. 374), Thesium intermediuin (S. 596), Slipa pennata (kleine Jahnberge, S. 812). 

Abhandl. des Bot. Vereins f. Erandenb. LIX. Q 



114 H. Harms: 

TJialidrum minus, Arabis arenosa, Camelina niicrocarpa, Turriiis glahra, 
Silene oütes, Sechiin maxinium (bei Paulineiiaue häufig), Oeranium 
sanguineum, Peucedanum oreoselinimi, Seseli annimm, Asperula 
cynancMca, Crepis tectorum. Im Sommer (Jiili-Aug-iist) blühen hier 
Veronica spicata, Scabiosa siiaveohns, Hieracium echioides (genannt in 
Ascherson's Fl. S. 390), Centaurea rhenana. Auf den Wiesen und 
an den Gräben konnten wir neben den weißschimmernden reichen 
Beständen von Anthriscus silvestris u. a. die im Havelländischen Luch 
häufige, im Sommer an der hellblaugriinen Farbe erkennbare 
Euphorbia '[jalustris feststellen^ ferner (teilweise nach freundlicher 
Angabe von Herrn E. lUbrich): Iris pseudacorus, Rumex hydro- 
lapatlium, Orchis latifolia und militaris, NympJiaea Candida, Sparyanium 
Simplex, Barbaraea mdyaris, Lathyrus palustris (violett und weiß 
blühend), Viola sfaynina^), Symphytum officiiiale (rot und weiß 
blühend), Ajiiya genevensis. Im Sommer leuchten uns im Luche 
überall die roten Trauben des LytJirum salicaria oft in dichten 
Massen entgegen. An trockenen Stellen sieht man dann das dunklere 
Gelb des Hypericum perforatum neben dem helleren Gelb der Linaria 
vulgaris. 

Die großen Jahnberge sind mit lichtem Gehölz (meist Eichen 
und Kiefern, nach Ulbrich einige starke Evonymus europaecC) be- 
standen. Unter dem Gehölz blühen Maiglöckchen. In Menge 
wachsen hier außer Pulsaiilla pjraiensis und Tlialictrum minus Vince- 
toxicum officincde und TJiesium intermedium. Sonst seien noch genannt 
Fragaria collina, Betonica officiiialis, HeliantJiemum vidgare (auch 
schon vorher in großen Polstern gesehen), Silene otites, AchyropJwrus 
maeulatus (wenige Exemplare) und besonders Aster linosyris, die 
z. Z. noch nicht blühte. Im Sommer finden wir Silene otites, 
Diantims Carthusianorum, Scabiosa suaveolens, Veronica spucata, 
Hieracium ecldoides, Centaurea rhenana, Asperida cynanchica in Blüte. 
Auf Thesium beobachtete Herr Schumacher die seltene Wanze 
Sehirus dubius. An den Gräben sahen wir dann weiterhin u. a. 
Hottonia pialiistris und konnten die Wasser- und Luftformen der 
Blätter des Sium latifolium beobachten. Dann ging es durch das 
mit dem Namen ,. Lutsche" bezeichnete Gehölz nach P. zurück. x4.n 
einem Erlengehölz vorlier am Rande des Weges wuchs massenhaft 
Anthriscus vulgaris. Dort sahen wir auch Onopordon offjrinale und 
Cynoglossum ofjicinale; eine Kiefer war mit Peridermium corticola 
(piniFj besetzt, an derselben Stelle v^airde die seltene Lycoperdaeee 
Ccdvcdia uteriformis festgestellt. An einem besonders schönen 



^) In Ascherson's Fl. S. 70 für Seibelang südlich am Lindholz angegeben. 



Bericht über den Ausflug nach Paulinenaue. 115 

Wacholder-Exemplar im Kieferngeliölz zeigte uns Herr Jaap die 
erst in den letzten Jahren näher anfgeklärten Gallen von ScJimiätiella 
yemmarum Rübsaaraen (in Sitziingsber. Ges. Naturforsch. Freunde 1915, 
S. 492). In der Lutsche beobachteten wir neben vielen andern Ge- 
hölzen 11. a. fast reine Birkenbestände. Sonst seien noch genannt 
Convallarki majalis, MajantJiemum bifoJhim, Süene nutans und venom, 
Helianthemum vulgare, Vei'onica prostrata, Potenülla alba^), später StacJiys 
recta, Calamintha cUnopodium, Änthericum ramosum. Herr Ulbrich gibt 
mir noch an: Genisfa tindoria, Viscaria viscosa.. Botrycliiimi lunaria 
(am Eande des Gehölzes). Herr Jaap zeigte uns am Wege einen 
Bastard Salix repensy^aurita. Ferner beobachteten wir hier einige 
Exemplare der Esche, Fraxinus excelsior, mit vorwiegend einfachen 
Blättern. Das eigentümlichste,, was wir sahen, war wohl ein niedriger 
kaum mannshoher, frei am Wege stehender Strauch von Evonymus 
europaea, der, völlig der Blätter beraubt, über und über mit den 
Gespinnsten der Motte Hyponomeida evonymella besetzt war; die 
Eaupan hingen in dicken Klumpen an den Zweigen. Auch das Gras 
daneben war mit den Fäden des Gespinstes durchzogen, ein daneben 
stehender Ahorn dagegen war frei geblieben. — Herr Di eis fand 
hier ein niedriges p]xeraplar von Ulimis campestris var. suherosa, das 
reichlich mit den großen Blasengallen der Schizoneura lanuyinosa 
Hart, besetzt war. 

Gegen Mittag trafen wir im Gasthaus Grab au in Paulinenaue 
ein, wo uns der Wirt ein ausgezeichnetes Mittagessen vorsetzte. 
Nach einem kurzen Nachmittagsspaziergange kehrten wir wieder in 
das Gasthaus zurück, nachdem wir von der Bahn die erst am Nach- 
mittag um 2'/4 Uhr angekommenen Teilnehmer des Ausfluges abgeholt 
hatten. Wir waren schließlich gegen 30 Teilnehmer; von Nicht- 
Berliner Mitgliedern seien außer den schon genannten Herren Jaap 
und Schütze noch Herr Kammann genannt, der so regelmäßig an 
unseren Ausflügen teilnimmt. Auch eines unserer ältesten Mitglieder, 
Herr Apotheker Fiedler, war erschienen. Ferner waren einige 
Damen als Gäste erschienen (Frau Oberlehrer Fuhrme ister, Frau 
Dr. Werth, Frau Professor Dr. E. Lippert aus Neu-Finkenkrug). 

Beim Kaffee im Gasthaus Grab au verlas der Vorsitzende, Herr 
Jahn, ein Begrüßungsschreiben unseres korrespondierenden Mitgliedes 
Kleb ahn -Hamburg, der lebhaft bedauerte, der Tagung fernbleiben 
zu müssen. Der Vorsitzende erinnerte daran, daß der Verein bereits 
im Jahre 1861 die Gegend besucht hatte, als am 21. Mai die dritte 



^) Wird für diesen Standort schon erwähnt in Ascherson's FI. S. 195. 



116 H. Harms: 

Versammlung des Vereins zu Nauen stattfand. Es knüpfte sich da- 
mals au einen Vortrag des Professor Schultz-Schultzenstein über 
Standorte märkischer Pflanzen und ihre Nomenklatur eine lebhafte 
Erörterung. Der Vortragende hatte sich uämlich gegen die von 
neueren Floristen vorgenommenen willkürlichen Aenderungen be- 
kannter Pflanzennamen gewandt, die oft durch weit weniger passende 
ersetzt würden, so Epipadis latifolia durch HeUeborlne, CUnopodium 
vulgare durch CalamiiitJia CUnopodium, obwohl der Habitus die Bei- 
behaltung von CUnopodium L. als einer natürlichen Gattung gebiete, 
Hierarium siloaticnm durch H. vulgcUnm, obwohl es nicht die gemeinste 
Art sei; man solle an der Nomenklatur unserer klassischen Floristen 
festhalten. Der damalige Schriftführer. P. Ascherson, betonte 
dem gegenüber, daß die getadelten Aenderungen durchaus nicht will- 
kürlich, sondern aus zureichenden Gründen vorgenommen seien, zum 
Teil vor allem aus Gründen der Priorität, dem einzigen Prinzip, 
durch welches jede Willkür aus der Nomenklatur verbannt werden 
könne. A. Braun legte dann seinen Standpunkt in dieser vielfach 
strittigen Frage dar, im allgemeinen dem Prinzip der Priorität bei- 
stimmend, jedoch die Erwägung darbietend, ob nicht für ältere, aber 
unbekannt gebliebene Namen, falls sie nicht passender als die jetzt 
gebräuchlichen seien, eine Verjährung anzunehmen sei; manche 
Namen, die von verschiedenen Schriftstellern verschieden angewendet 
seien, möge man ungeachtet ihrer Priorität lieber zurückstellen, um 
den durch ihre Anwendung veranlaßten Verwirrungen vorzubeugen. 
Endlich sei es ihm unzweifelhaft, daß Namen, welche etwas Falsches 
aussagen, unbedingt zu verwerfen seien (wie z. B. Asclepias syriaca L. 
für eine nordamerikanische Pflanze). — Auf der sich anschliessenden 
Exkursion wurde u. a. die Salzstelle an dem östlich unweit Lobeof- 
sund sich von Königshorst bis Dechtow in nordnordöstlicher Richtung 
erstreckenden Dechtower Damm untersucht, wobei dort A. Braun 
in Menge die Pottia Heimii, das bekannte halophile Moos, fand; 
etwas später fand Braun es auch an der Zeestower Salzstelle, und 
dies ist vermutlich der Originalstandort, wo der bekannte Spandauer 
Physikus das Moos auf seinen Wanderungen in der Umgegend 
Spandaus entdeckt hat. — 21 Jahre später wurde gelegentlich der 
Versammlung in Neu-Euppin vom 4. Juni 1882 (Verh. Bot. Ver. Prov. 
Brandenburg XXIV. 1882 [1883] p. I.) eine Vorexkursion am Sonn- 
abend, den 3. Juni, dem Besuche des Lindholzes und der Selbelanger 
Salzstelle gewidmet. 

Wie damals, so gestattete uns auch diesmal Herr von Erx- 
leben, der Besitzer des Lindholzes und der Selbelanger Salzstelle, 



Bericht über den Ausflug nach Paulinenaue. 117 

in liebeiiswürdig'er Bereitwilligkeit das iingehiiulerte Waiulern und 
Sammeln auf seinem schönen und ausgedehnten Besitztnm, wobei uns 
zwei seiner Töchter begleiteten. Auf dem Wege nach der Salzstelle 
wurden u.a. beobachtet: Herniaria glabra. Capsella hursa iiastoris von 
C>jstoj)us candidus befallen, Vicia villosa var. glahra am Grabenrand, 
Myosotis intermedia^ LitJiospermum arvense, Trifolium fragifernm: 
Melilotas altissimus wurde mir von einem Graben angegeben^). An 
einer sandigen Stelle des Wegrandes wuchs Fimaria hj/groiiietrira in 
dichten Rasen. Im Sommer findet man hier auch Eryihraea. Im 
Gehölz vorher hatten wir Platantltera (hifolia?) bemerkt. Am Retzower 
Damm und auf den Wiesen an ihm wurden außer Polggcda vulgaris 
(mit rötlichen und weißen Blüten). Ärabis Mrsuta, Lysimachia mmimu- 
laria, Carex disiam, Saxifraga granuJata und tridactylites, Orcliis 
militaris und iiicamata, Dianthus supcrbus (im Sommer bei Paulinenaue 
überall in Menge blühend), Thalictrum flavum. (in Menge), noch 
besonders beachtet Glaux maritima (einige im Graben und am Eande), 
Samolus valerandi und vor allem der hier häufige, schön blühende 
Tetragonolohus siliquosus in großen Exemplaren^) Auf einer trockenen 
Wiese wuchsen (nach Herrn F. Schumacher): Carex distans, 
C. Oederi, Lotus temiifolius, Thrincia hirta, Glaux (daneben Peziza 
aurantiaca) ; der hier früher beobachtete Plantago coroiwjnis wurde 
nicht wiedergefunden. 

Wir begaben uns dann durch das Lindholz nach der Station 
Paulinenaue. Früher war dies Gehölz offenbar hauptsächlich aus 
Linden gebildet; jetzt finden wir dort als Reste ehemaliger größerer 
Bäume nur noch niedriges Lindengebüsch, dem in größter Menge 
Haselnußgesträuch beigesellt ist. Die Hauptmasse höherer Bäume 
wird von Eichen, Birken und teilweise großen Ulmen gebildet; da- 
zwischen stehen auch einige recht stattliche Exemplare von Carpinus 
hetulus, auch mehrere wilde Apfelbäume wurden bemerkt. Auf dem 



^) In Asclierson's FI. S. 142 wird Melilotus macrorrhizus (W. K.) Pers. 
vom Selbelanger Jägerhaus genannt; ebenso bei Warnstorf (in Verh. Bot. Ver. 
XXIV. 1882 [1883], S. 141) vom Vorwerk Bienenfarm, das an der Stelle des 
früheren Jägerhauses liegt. 

'") In dieser Gegend hat seinerzeit C. Warnstorf botanisiert, der in 
seiner Arbeit in Verh. Bot. Ver. Brdbg. XXIV. 1882 [1883] S. 138-155 mehrere 
Standorte aus der Umgegend von Paulinenaue nennt. — Die drei genannten 
Pflanzen werden schon in Ascherson's Fl. Prov. Brdbg. für unsere Gegend 
genannt {Tetragonolohus siliquosus S. 149; Glaux maritima S. 555; Samolus 
valerandi S. 558, letztere soll zuerst am Selbelanger Jägerhause für die Provinz 
entdeckt worden sein). Ueber diese Salzstellen vergl. auch Ascherson im 
Jahrb. Kgl. Preuß. Geolog. Landesanstalt XXXII. 1. Heft 8. 1911 (1912), S. 494. 



118 H. Harms: 

Boden kriecht Ruhus saxatilis. Die dort beobachtete Alnus incana 
ist vielleicht nur angepflanzt oder verwildert. Zur Zeit erfreute uns 
das Blühen der Convallaria majalis, des Majanthemwn hifoUum und 
Polygo7iaüim_ officinale; auch Prlmula ofßcmalls und Pulmonaria offi- 
cinalis sind hier zu finden. Im Juli ist A.ntJiericuni ramosuui zahl- 
reich iu Blüte, vereinzelt Epipacüs laüfolia. In großer Menge sahen 
wir blühendes Vincetoxicum officinale. Ferner wurden festgestellt: 
HierocJdoa oclorata, Milium effiisum, Avena elaiior, Brachypodiwn 
siluaticum, Luzula x^ilosa und multiflora, Silene venosa. Ranunculus 
polyanthemus (später an einer Stelle R. auricomus var. fallax in 
großen Exemplaren), Anemone hepatica, Tarriti.s glahra, Alliavia offi- 
cinalis (in auffallend dichten hohen Massen am Kande des Gehölzes 
mit voriger), Potentilla alba, Vicia sepium., Geranium sanguineum, 
Viola hirta, Asperugo procmnbens, Betonica officinalis, Melampyruni 
nemorosum (im Sommer in Menge, auch mit weißen Deckblättern), 
Monotropa hypopitys (von Herrn Di eis am 29. Juli gesammelt), 
Campamda persicifolia, Pliyteuma spicatnm, Galium boreale, Aspenda 
odoraia, im Juli auch Aclnllea ptarmica. In der Nähe des Forst- 
hauses fiel uns eine weißgefleckte Form der Brennessel auf; dort 
war auch Cochlearia armoracia verwildert. Im Jahre 1916 wurden 
unter der Führung unseres Mitgliedes Herrn Plöttner-Rathenow 
Carex caespiiosa. Festuca lieteropliylla und Ajaga pyramidalis''') beob- 
achtet; die Stellen wurden indessen diesmal vergeblich gesucht. 
Herr Jaap zeigte schließlich noch den Bastard Salix repensX cinerea. 
Nach anregend verlebten Stunden fuhren wir gegen V28 Uhr 
nach Berlin zurück. Im Namen des Vereins sei hiermit allen, die 
zu dem guten Gelingen des Ausfluges beigetragen haben,, noch ganz 
besonderer Dank ausgesprochen. 



Herr 0. Jaap hatte die Freundlichkeit, folgende beiden Ver- 
zeichnisse einzusenden, wofür ihm auch an dieser Stelle bester Dank 
ausgesprochen sei. 

1. Verzeichnis der von Herrn 0. Jaap bei Paulinenaue 
beobachteten Pilze. 

Taphrinci hetulina, große Hexenbesen an Betula puhesceyis und Betula 
carpathica. 



") In Ascherson's Fl. S. 541 für Lindholz und Lutsche angegeben. Carex 
caespitosa ebenda S. 773 für Lindholz und DecLtower Heide genannt; Festuca 
heterophylla, S. 856, für Lindholz und Lutsche. 



Bericht über den Ausflug nach Paulinenaue. 119 

Taphrina epiphylla, Hexeiibeseii an Alnus niccuia, erster sicherer 

Fundort in der Mark. 
Perono^pora parasiüca, auf Sisymbrium sopliia. 
Peronospora calotheca, auf Galium mollugo. 
Peronospora alta. auf Plantago major. 
Alhugo Candida, auf Capsella bursa pastoris, häufig'. 
Perideiinium pini anct. auf Phms silvestris (vielleicht P. 'pini [Willd.] 

Kleb.). 
Äecidium euphorhiae Gmel., auf Euphorhia c/jparissias. 
Pacclnia persisteiis PJowr. I (Äeddiwn tJiaUctri fiavi Wint.) auf 

Thalictrnm flauum (4. Fundort in der Mark). 
Paccinia coronifera Kleb. I (Äecidium rhamni) auf Rhamnus catJuirtica. 
Piiccinia urticae-caricis (Schum.) I (Äecidium urticae) auf Urtica dioicq 

neben Carex yracilis, wahrscheinlich f. sp. urücae-acutae Kleb. 
Puccinia süuaüca Schroet. I (Äecidium taraxaci Schm. et Kze.) auf 

Taraxacum officinale.. 
Puccinia pimpineUae, auf Pimpinella saxifraga. 
Coprinus disseminatus, auf einem faulenden Pappelnstunipf. 



2. Verzeichnis der von Herrn 0. Jaap bei Paulinenaue 
beobachteten Gallen. 

Eriophyes macrorhynclms auf Acer pseudoplatanus, häufig. 

Tylenclius millefolii auf Ächillea millefoUum, häufig. 

Eriophyes Ncdepai auf Alnus glutinosa. 

Epihlema tetraquetrana \ „ ^^ , -, ,, . 

_ . , ,. , ) aui Betuta carpat/uca. 

Eriophyes lionotus ) 

Eriophyes avellanae auf Corylus avellina. 

Geocrypta cialii \ o ^ i- n 

, -, . ,.. \ aui (jratium mottuqo. 

Aphis galii } 

Geocnjpta galii auf G. horecde. 

Contarinia yeicola srnt Geum iirhanuni. 

Macrolabis hieracii ßübsaaraen (non Kieffer, da sein Name nomen 

nudum ist) auf Hieracium umbeUatum. 
Aulacidea hieracii auf H. umbeUatum. 
SchmidtieUa gemmarum auf. Juniperus communis (in verschiedeneu 

Formen auf einem Strauch in Menge). 

Adehies abietis 1 .. t->- , ^ ■■ h 

,. , , , ,,-,,• auf Picea excelsa, haung. 
Cnaphatodes strobilmms ) 



120 H. Harms: 

Herr W. Haucliecornc hatte sich am Morgen des 3. Juni i;ns 
nicht angeschlossen, vielmehr, nm seine Studien für das Forst- 
botanische Merkbuch zu fördern, einen Ausflug in das noch wenig 
bekannte Waldgebiet des Zotzen unternommen. 



Bericht iiber das Waldgebiet des Zotzen'). 

Von 

W. Handle corne. 

Beschreibung 
auf Grund der Besichtigung am Sonntag, den 3. Juni 1917. 

Das verschiedenen Eigentümern gehörende Waldgebiet des zum 
Teil auf Dünengelände am Xordrande des Havelländischen Luches 



'') Das Waldgebiet des Zotzen hat jetzt kaum den siebenten Teil seiner 
früiieren Ausdehnung; es erstreclite sicti einst zusammenhängend vom Ehin 
über die Gegend, wo jetzt Königshorst steht, und den Brieselang längs der 
Glin-Havelländlschen Grenze fast bis an die Spandauer Stadtheide und die auf 
dem linken Ufer der Havel bei Spandau liegenden Forsten von Heiligensee 
und Tegel (vgl. Berghaus, Landbuch der Mark Brandenburg, Bd. I, 1854, 
S. 392). Als Ueberreste des uralten Waldgebietes sind bei den unter Ver- 
wendung russischer und französischer Kriegsgefangener in den Jahren 1915 und 
1916 im Havelländischen Luche vorgenommenen Bodenverbesserungsarbeiten 
westlich der Kgl. Domäne Kienberg (nördlich von Nauen) im Grunde des urbar 
gemachten Moores mächtige Stämme gestürzter Stieleichen gefunden worden 
— bis zu 1,50 m Durchmesser — , deren Holz unter dem Einflüsse des Moores 
durch und durch schwarz' geworden ist. Der Name Zotzen (auch eines Dorfes 
nebst zwei Seen in der Prlegnitz bei Wittstock, eines Dorfes in der Ucker- 
mark bei Schwedt und zweier Seen bei Liehen) wird in älteren Urkunden auch 
Zoozen, Zootzen, Czotzen, Soetzen, Zuzen, Czutzen, Suzen, Titzutzen, Sucene, 
Sozene, Titzütz, Zuetz, Zinz, Tzutzeln geschrieben (Riedel, Novus Codex diplo- 
maticus Brandenburgensis, Namensverzelchnis, Bd. HL Berlin 1868, S. 515). Er 
wird abgeleitet von dem slawischen Worte sosna, polnisch die Kiefer, tschechisch 
und russisch-slawisch die Fichte (Weisker, Slawische Sprachreste, insbesondere 
Ortsnamen aus dem Havellande, Teil I, 1890, S. 33; Hammer, Ortsnamen der 
Provinz Brandenburg, Teil I, 1894, S.. 67). Der noch heute vorhandene Misch- 
bestand des Zotzen ist uralt. In der ältesten, ihn erwähnenden Urkunde des 
askanischen Markgrafen Waldemar vom 10. August 1515 über die Verleihung 
der Holzgerechtigkeit und zweier Juden an die Stadt Nauen (Riedel, a. a. 0., 
Teil I, Bd. 7, S. 308) wird die Art des Bestandes erwähnt: donamus fruitionem 
omnem lignorum in nostris paludibus et llgnis, jacentibus inter paludes seu 
mericas dlctas Zuzen et Briesenlanck, super totum Glyn usque ad terram 
dictam Beilin, demptis quercinis, faginis, betulinis, fraccineis et 
pinieis lignls .... Die Vorfahren der jetzigen Eigentümer, vier Brüder 
von Bredow, wurden von dem ersten bayrischen Markgrafen Ludwig L durch 
Urkunde vom 5. Dezember 1335 mit der Stadt und dem Lande Friesack neb§t 
dem Zotzen beliehen (Riedel, a. a. 0., S. 48/49). 



Bericht über den Ausflug nach Paulincnaue. 121 

zwisclicii Yietznitz und Friesack g-elegenen Waldgebietes des 
Zotzen hat sowohl schöne einzelne starke Bäume, wie schöne ge- 
mischte Bestände. 

Beschreibung- von Osten nach Westen. 

Wagenitzer Zotzen (Freiherr von Bredow-Wagenitz). Am 
Anfang des Waldes an der Straße von Yietznitz nach Brunne am 
Einschnitt des Weges in die Düne auf der Ostseite eine überständige 
alte Winterlinde, auf der Westseite Gruppen von alten Stiel- 
eichen mit weitragendem Wurzelwerk, auf einem zurücktretenden 
Bogen eine alte Rotbuche von 4 m U mit schrägliegendem Schaft 
von 3 m H und malerisch und seltsam nach allen Seiten weit aus- 
ladenden Aesten, 25 m KD, 18 m H. '\^'eiterhin auf der Südseite 
der Straße etwa 200 m vor dem Forsthaus und Vorwerk Wagenitzer 
Zotzen am Wege auf der Südseite mehrere alte Rotbuchen, die erste 
stärkste von 4 m U, stärk überständig, 16 m H. In dem feuchten 
Dünental am Forsthause und am Vorwerk ein gemischter Bestand 
von alten Flatterrüstern und Stieleichen, durchschnittlich 
30 m H. Die stärkste Stieleiche vor dem Forsthause am Wege süd- 
lich von 5 m U, 7 m Seh, von da ab zweistämmig, 18 m KD. Die 
stärkste Flatterrüster am Eingang zum Förstereigehöft 1 m U, 
4 m Seh, 12 m KD, auf allen Aesten vom Stamm ab mit Zweig- 
ausschlag bedeckt; daselbst eine Stieleiche 3,90 m U, 6 m Seh, 
14 m KD. Weiterhin etwa 100 m vom Forsthause mitten im AVege 
eingezäunt der Wurzolstock einer gewaltigen gefällten Rotbuche, 
länglich rund. Längsdurchmesser von Südwest nach Nordost 3 m (!); 
weiterhin rechts (südöstlich) am Dünenhang eine mächtige Rot- 
buche 4 m U, 3 m Seh, 15 m H, 15 m KD. Nach Ueberschreitung 
der den Weg kreuzenden Wiese, einige hundert Meter weiter, weithin 
sichtbar auf der linken Seite des Weges (nordwestlich) eine mächtige 
Hängekiefer auf einem Hügel am Rande von Kiefernstangenholz 
2,70 m U, 20 m H, 12 m KD mit sehr breiter Krone. Die Aeste 
hängen sogar aus 18 m H herab bis auf Manneshöhe über dem Wege, 
dauernder Erhaltung wert. 

Briesener Zotzen (Freiherr von Bredow-Briesen). Auf dem 
mit Dünen durchsetzten Waldrevier östlich und südöstlich des Forst- 
hauses und Vorwerks Briesener Zotzen ein etwa lOOjähriger Kiefern- 
bestand, durchstellt mit Stieleichen verschiedener Größe bis zu 3 m U, 
die stärksten und höchsten beim Vorwerk und Forsthause, eine 
besonders hoch und langschäftig gewachsene im Garten des Gehöfts 
westlich des Weges vom Forsthaus nach dem A'orwerk Brandstelle, 
^egenübei' dem Forsthause Briesener Zotzen. Schöne Eichenbestände 



122 H. Harms: 

zu beiden Seiten des Weg'es vom Forsthause nach dem Vorwerk 
Brandstelle. Nördlich der Straße von Brandstelle nach dem Vor- 
werk Klessener Zotzen nicht weit von dem Vorwerk am Rande der 
Niederung und auf der Niederung gemischte Bestände von Kiefern, 
Stieleichen und einzelnen Rotbuchen von sehr starkem Höhenwuchs, 
bis 35 m H; weiterhin nach Westen, nördlich des den Weg begleitenden 
Kiefernholzes, ein schmaler reiner Stieleichenbestand. 

Auf der Südseite des Weges, fast bis zum Vorwerk Brand- 
stelle, auf Dünengelände ein urwüchsiger,, etwa 60 Jahre alter Stiel- 
eichenbestand mit einigen Rotbuchen; der Boden dicht mit üppigem 
Aufwuchs der Heidelbeere bedeckt. 

Die gemischten Laubwaldbestände in der Niederung auf der 
Nordseite des den Weg nach Klessener Zotzen umgebenden Kiefern- 
waldes erstrecken sich bis zum Vorwerk Klessener Zotzen. Ein 
besonders schöner, etwa 60 bis 80 Jahre alter, gemischter Laubwald- 
bestand, meist Weißbuchen, Rotbuchen mit eingestreuten Stieleichen, 
Birken, Faulbaum usw., östlich vom Vorwerk Klessener Zotzen am 
Rande von Hut wiesen. xVn dem von der Vorwerksfeldmark durch 
das Gehölz nach den Aeckern führenden Wege eine Rotbuche von 
2,50 m U, 20 m H, 16 m KD, 4 m Seh, mit sehr dichtem Zweig- 
ausschlage auf allen Aesten vom Stamme ab (selten). Zu beiden 
Seiten der vom Ende dieses Waldweges nach Nordosten zum Gatter 
führenden Trift mächtige Rotbuchen, eine rechts, kurz vor dem 
Wildgatter am Rande des gemischten Laubbestandes (südöstlich), 
mit weit überragender Kuppe 3,20 m U, 3 m Seh, 30 m H, 15 m KD, 
von oben bis unten mit dicht belaubten Zweigen bemäntelt. Gegen- 
über links am Wege (nordwestlich) eine desgleichen 8 m Seh, 
20 m H, 16 m KD; dahinter im Bestände zwischen gepflanzten 
Fichten zwei Rotbuchen von 2,80 m U, 16 m KD, 30 m H. Am 
Rande des Gutsackers, etwa 300 m hinter dem Gattereingang, noch 
hinter dem Gatter, eine Rotbuche 3,20 m U, 35 m H, mit breiter 
Krone; weiter nördlich im gemischten Bestände, 10 m vom Feld- 
wege, eine gewaltige zweistämmige Rotbuche 5 m IT, von 2V2 m H 
ab zweistämmig, von 2,70 und 2,80 m U, 35 m H, 17 m KD. In 
dem Kiefernbestande am Wege nach dem Vorwerk Klessener Zotzen 
eingesprengt viele übergehaltene Stieleichen, Rotbuchen und Weiß- 
buchen. 

Beim Vorwerk Klessener Zotzen, südlich von einem ver- 
fallenen Backofen, auf einer Anhöhe eine weit sichtbare riesige 
Stieleiche, 5,50 m U, 4 m Seh. von da ab zweistämmig, 20 KD, 
25 m H. Zu beiden Seiten des auf der Südseite des Weges belegenen 



Bericht über den Ausflug nach Paulinenaue. 123 

Haiiptg'ehöfts je eine starke Rotbuche, auf der Ostseite 3,50 m U, 

3 m Sch^ 16 m H, mit mäclitigeni, breit ausragendem Astvverk, 20 ra KD, 
auf dev Westseite von 3 m U, 3 ra Seh, 16 m H, 14 ra KD, mit kuppei- 
förraig'cr Krone; westlich davon am Rande der Wiese und des Kiefurn- 
hoch Waldes zwei starke Akazien, die stärkste 3,10 ra U, von 1 ra H 
ab dreistämraig, 16 m II und 16 m KD, die andere 2,40 ra U, sonst 
wie die vorige. 

Nördlich des Vorwerks hinter dera Acker in der Wiese ein 
alter Ringwall von etwa 400 Schritt im Umkreis. 

Friesacker Zotzen (Graf von Bredow auf Burg Friesack). 
Nördlich des Weges vom Vorwerk Klessener Zotzen nach dera Vor- 
werk Friesacker Zotzen in der Niederung ein großer, feuchtgründiger, 
gemischter Laubwaldbestand von Stieleichen, Birken, einzelnen Rot- 
buchen. Kiefern, Haselsträuchern, vereinzelt Bergahorn. Zu beiden 
Seiten, namentlich auf der Nordseite des Weges, beginnend kurz vor 
der Stelle, wo das Gatter von Norden her an den Weg herankommt, 
schöne kuppeiförmig und hochgewachsene, bveitausladende Rotbuchen 
bis zu 3,50 m U, auch vereinzelt Weißbuchen, Laubkronen bis zu 
1,50 ra über der Erde herabreichend, Höhen von 13 m bis zu 25 ra, 
teils innerhalb, teils außerhalb des Gatters ara Wege stehend. Einige 
100 ra vor dera Vorwerk Friesacker Zotzen, auf der Südseite des 
Weges, ara Rande des Kiefernstangenholzes, eine alte Eberesche von 
1,50 ra U, 6 m KD, 7 ra H, mit trockenem Wipfel. Auf dera Dünen- 
gelände um das Vorwerk Friesacker Zotzen zahlreiche, sehr alte 
Stieleichen, teils einzeln stehend, teils in Gruppen, die stärkste am 
Wege zum Hofe des Vorwerks von 4,15 ra U, 18 ra KD, 18 ra H, 

4 m Seh, mit gerade aufwachsendem, stark verzweigtera Stamme; 
näher am Hofe eine Traubeneiche von 3,50 m U, Westlich davon 
ein alter Busch eines wilden Birnbaumes, vom Erdboden an in vier 
knorrige Stämme von 1 m U geteilt, 8 ra H, Gesaratdurchmesser 
der Krone 12 ra. Westlich davon die schönste Stieleiche von 4 m U, 
2 m Seh, 25 ra KD, sehr breitästig, überstäudig, 20 ra H. 



Erster Nachtrag zur „Rosenflora von Pommern". 

iVci'gl. Verliaudlungen des Botanischen Vereins der Provinz Branden- 
burg LVII. (1915) 187—190]. 

Von 

E. Holzfuß (Stettin). 

Seit meiner ersten Veröifentliclmng- über die Eosonflora von 
Pommern, die im wesentlichen nur eine Aufzählung der gefundenen 
Arten und Formen enthält nebst Angabe der Fundorte, habe ich 
der Gattung weitere Aufmerksamkeit gewidmet und wertvolles 
Material aus dem in Frage kommenden Gebiete gesammelt. Ich 
hoffe; in diesem und den folgenden Jahren weitere noch nicht be- 
tretene Gegenden besuchen zu können und so eine vollständigere 
Uebersicht über einen größeren Teil unserer Provinz bezüglich der 
Rosenflora zu liefern. Wenn ich in dem Nachtrage eine Einordnung 
der Formen nach systematischen Gesichtspunkten verfolge und eine 
Beschreibung liefere, so geschieht es in der Voraussetzung, dadurch 
andere Floristen zum Forschen anzuregen und ihnen die Arbeit zu 
erleichtern. Ebenso läßt sich auf diesem Wege auf einfache Weise 
eine etwaige Abweichung der Formen angeben und eine Eingliederung 
besser vornehmen. Denn jedes größere Gebiet eines wenig durch- 
forschten Teiles von Nordostdeutschland wird im Vergleich zu dem 
mittlem und südlichen Vaterlande, das bezüglich der wildwachsenden 
Posen besser, zum Teil gut bearbeitet ist. Formen liefern, auf die 
nicht immer die vorhandenen Diagnosen präzise passen, als Neuheiten 
aber aus praktischen Gründen nicht' gut angesprochen werden können. 
In vorliegender Arbeit sind nur die Funde angegeben, die seit der 
ersten Veröff"entlichung neu sind, also eine Ergänzung bilden. — 
Benutzt sind aus der Rosenliteratur R. Kellers Bearbeitung der 
Gattung in der Mitteleuropäischen Synopsis von Ascherson und 
Gräbner; Beck, Flora von Nieder-Oesterreich; Schwertschlager, 
die Rosen des südlichen und mittleren Frankenjura; C. W. Christi- 
ansen über Rosa urabelliflora (Swartz) Scheutz in der Allgemeinen 



Erster Nachtrag zur „Rosejiflora von Pommern". 125 

Botanischen Zeitschrift von Kneucker und C. W. Christiansen 
über die Gattung Rosa in Schleswig-Holstein in Schriften des Natur- 
wissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein. Band XVI. 
2. Heft. Kiel 1916. 

Hosa oniissa Deseglise. 

var. typka E. Keller. Kleinei-, gedrungener Strauch, mit 
dicken Aesten und oft zickzackförmig wachsenden Zweigen. 
Durch seinen Wuchs schon aus einiger Entfernung von 
R. tomentosa zu unterscheiden; auch die tief rosafarbenen 
Blüten sind auffallend. Stacheln gleichartig. Blättchen 
klein, oval, mit kaum merklicher Spitze, i'eichlich zu- 
sammengesetzt drüsig gezähnt, beiderseits reich drüsig; 
ebenso der oft filzig behaarte Blattstiel. Scheinfrucht 
klein, kuglig. kurz gestielt, mit Stieldrüsen besetzt, ebenso 
die Kelchzipfel. — Allem x\nschein nach ist diese Abart 
in Norddeutschland selten festgestellt. Sie kommt in 
Pommern im Schlawer Kreise auf den Gemarken der 
Dorfschaften Rützenhagen, Natzmershagen und Neuon- 
hagen zerstreut vor. Bei Neuenhagen habe ich sie neu 
festgestellt am Südufer des Vietzker Sees nahe dem 
Dorfe. Ebenso ist sie neu gesammelt am hohen Weg- 
rande vor dem Dorfe Krolow. In diesem Gebiete dürfte 
die Varietät noch eine weitere Verbreitung besitzen. 
Auch im Lebatale ist sie vertreten. Die Exemplare von 
Paraschin (leg. H. Kusserow) gehören zur Varietät typica. 

f. GilloÜi Deseglise am nächsten stehend (wenn nicht dazu- 
gehörig), stellen einige Sträucher dar, die durch drüsig 
gewimperte Blütenblätter auffallen. Sie weiclfen nur ab 
durch nicht wollige, sondern nur stark behaarte Blatt- 
stiele und durch unterseits kahle Nebenblätter, deren 
Oehrchen nur unterseits Stieldrüsen tragen. 

Schlawe: Jershöft, einige niedrige Sträucher im Dorfe 
an einem Steige und am Polizei wege. 

Mosa tomentosa Smith. ■ 
I. Blättchen grob doppelt gezähnt; ohne Siibfoliardrüsen. 
(Formenkreis var. suhglobosa [Smith] Carionj. 

1. var. suhglobosa (Smith) Carion. Kräftiger Strauch mit 
derben Stacheln. Blättchen beiderseits weichfilzig, wenig 
tiefer Zahnung, ohne Subfoliardrüsen. Kelchblätter nach 



126 E. Holzfuß: 

der Blüte meist flach ausgebreitet, bald abfallend. Schein- 
frucht kuglig. Stiel mit Stieldriisen. Griffel behaart. 

Stettin: Frauendorf, Schlucht hinter Bergquell, eine 
Anzahl Sträucher. 
f. Bülotiana Crepin, von der Hauptform abweichend durch 
oft verlängerte, reichlich behaarte Blütenstiele. Sind die 
Blütenstände mehrblütig. so ist die mittelste Scheinfrucht 
nicht kugelig, sondern oft birnförmig. 

Stettin: Frauendorf in der Schlucht hinter Bergquell 
mehrere Strauch er. 

IL Blättchen fein, mehrfach gezähnt, mit Subfoliardrüsen. 
(Formenkreis var. Serui/jeana Dumortier.) 

2. var. SerlngemiaDumortii^Y. Blättchen oval, oberseits schwächer 

behaart: Biütenstiele oft verlängert, stieldrüsig, Schein- 
frucht eiförmig bis kuglig. Kelchzipfel vor der Frucht- 
reife abfallend, meist aufgerichtet. Grjffel schwach behaart 
bis borstig, 

Stettin: Frauendorf in der Schlucht hinter Bergquell 
nicht selten; hinter dem Julo rechts am unteren Wege 
nach Stolzenhagen. Hier stehen am Rande der Tongrube 
einige Sträucher, deren vorjährige Zweige völlig blau 
bereift sind. 

3. var. cuspidatoides Crepin. Stacheln etwas gebogen. Blättchen 

oval bis breit oval. Kelchblätter nach der Büte abstehend, 
vor der Fruchtreife abfallend. Griffel stark behaart bis 
wollig. Scheinfrucht kuglig bis eikuglig. 
. Stettin: Schillersdorf. Karamin: Dünen wald zwischen 
Klein-Divenow und Lüchenthiu. 

III. Subspezies 11. scahriuscida (H. Braun) Schwertschlager. 

Stacheln vorwiegend gerade, an der Basis nicht auffällig 
verbreitert. Blättchen fein, mehrfach gezähnt und drüsig, 
auch an der Unterseite mehr oder weniger drüsig. Blüten- 
stiele lang, mindestens Vj.m^il so lang wie die Frucht. 
Kelchzipfel nach der Blüte aufgerichtet und anscheinend 
persistent. Griffel wollig. (Schwertschlager, die Eosen des 
südlichen und mittleren Frankenjura. München, Isaria- 
Verlag 1910). 

4. var. Vera Schwertschlager. Blättchen mittelgroß, elliptisch, 

zum Blattstiel verschmälert oder schmal zugerundet, oben 



Erster Nachtrag zur „Rosenflora von Pommern". 127 

nur zerstreut, unten dicht behaart, iiiiterseits reichsdrüsig-. 

Krone meist hlaßrosa. Scheinfrucht kugiig bis eikuglig. 

Stettin: Schillersdorf am Wege nach Hohen-Zahden. 

Hosa c an in ff L. 

I. Uliiserrafae Crepin. Blättchen vorwiegend einfarli gezähnt. 
(Formenkreis der B. Lntetiana Leman.) 

1. var. (jlaucescens Desvaux. Blättchen elleptisch, unterseits 

seegrün; Griffel behaart; Scheinfrucht ellipsoidisch. 

Schlawe: Rützenhagen am AVege nach Jershöft: melirere 
Sträucher. 

2. va.r. oxyxjliyVa Ripart mit kleinen, nacli beiden Enden ver- 

schmälerten, tief gezähnten Blättchen und eiförmigen 
Scheinfrüchten. Griftel + behaart. 

Schlawe: Jershöft rechts am A\'ege nach Xatzmers- 
hagen gegenüber dem ^Moorgehölz: eine Anzahl kleiner 
Sträucher. 

3. var. glolosa Desvaux (= sphaerica (Trenier). 

f. analoga Desegl. Blättchen spitz, zur Basis schmal zuge- 
rundet. Scheinfrucht kugelig oder eiförmig-kugelig. 
Diskus kegelig. 

Schlawe: Rützenhagen Abbau, am Wege nach Yitte. 

f. corylicola H. Braun. Blättchen eiförmig bis elliptisch, 
zur Basis abgerundet. Scheinfrucht eiförmig-kugelig. 
Diskus flach. 

4. var. oxijodoiHa Kerner. Strauch klein. Zweige kurz, mit 

Blattbüscheln endigend. Blättchen klein, unterseits blau- 
grün. Blüten fast weiß. Scheinfrucht kugelig. 

Stettin: Julo rechts am untern AVege nach Stolzenhagen. 

IT. Transiforiae Crepin. Blättchen teils einfach, teils doppelt 

gezähnt. 

A. Formen ohne Stieldi'üsen an den Blütenstielen. 

a) Griffel kahl oder fast kahl. 

5. var. ololeia (Ripart) H. Bi'aun. Blütenzweige meist wehrlos. 

selten mit einigen Stacheln. Blättchen mittelgi'oß. 
eiförmig bis elliptisch, spitz. Scheinfrucht länglich eiförmig. 
Schlawe: Xatzmershagen. auf dem Abhänge der Hütnng 
am Telegraphenwege nach Jershöft. 



128 E. Holzfuß: 

b) Gritfei mehr oder wenig-er stark behaart. 

6. var. simria (Piiget) Borbäs. Blütenzvveige, Neben- und 

Hochblätter rötlich überlaufen. Stacheln derb, wenig 
gekrümmt. Blättchen oval bis elliptisch, zur Basis abge- 
rundet. Scheinfrucht eiförmig. 

Schlawe: Jershöft an einer Hecke bei dem Badestrande. 

7. var. frondosa (Steven) H. Braun. Blütenzweige meist unbe- 

stachelt, ebenso die kahlen Blattstiele. Blättchen mittel- 
groß, eilänglich, zum Grunde verschmälert. Scheinfrucht 
länglich oval bis elliptisch. 

Stettin: am Kurhause Eckerberg; Nieder- Zahden. 
Schlawe: Rützenhagen Abbau. 
f. fissidens Borbäs mit unterseits grasgrünen, zum Stiel ab- 
gerundetenBlättchen und eiförmigen bis eiförmig-elliptischen 
Scheinfrüchten. 

Stettin: Frauendorf in der Schlucht hinter Bergquell; 
bei Bachmühlen vor der Klappmühle. 
/. acuminata H. Braun. Blättchen unterseits blaßgrün, scharf 
zugespitzt, Zahnung weniger doppelt. Scheinfrucht 
länglich-verkehrt-eiförmig; Diskus kegelig. 

Stettin: Frauendorf in der Schlucht hinter Bergquell; 
Nieder-Zahden hinter dem Dorfe unweit der Anlegestelle 
der Boote. Bachniühlen vor der Klappmühle. Schlawe: 
Natzmershagen auf dem Abhänge einer Hütung. 

c) Griffel wollig oder fast wollig. 

8. var. iniercedens H. Braun. Blättchen zum Blattstiel ver- 

schmälert, mit zurückgeschlagenen Kelchblättern und 
weniger stark behaarten Griffeln. 

Stettin: Nieder-Zahden unweit der Anlegestelle der 
Boote hinter dem Dorfe. 

9. var. semihiserrata Borbäs.' Blättchen beiderseits grün, elliptisch 

oder breit-elliptisch, am Grunde abgerundet. Scheinfrucht 
oval-länglich. 

Stettin: Frauendorf in der Schlucht hinter Bergquell. 
10. var, mentacea (Paget) H. Braun. Blättchen grün, spitz, zum 
Blattstiel verschmälert. Blattstiel mehr oder weniger mit 
Stieldrüsen besetzt. Scheinfrucht eiförmig bis eiförmig- 
länglich. Diskus kegelig. 

Stettin: Eollberge rechts am Wege hinter der ersten 
Ziegelei. 



Erster Nachtrag zur „Rosenflora von Pommern". 129 

11. var. enoxypliylla Borbas. Zweige rot überlaufen, oft unbe- 

stachelt. Blättchen eiförmig-lanzettlich, an beiden Enden 

zugespitzt. Diskus fast eben; Scheinfrucht fast kugelig. 

Stettin: Frauendorf in der Schlucht hinter Bergquell. 

B. Formen mit Stieldrüsen an den Blütenstielen. 
(Formenkreis der R. hirtella Ripart.) 

12. var. Bihariensis Borbas. Die Pflanzen besitzen an den 

Blütenstielen wenige bis zahlreiche Stieldrüsen; zuweilen 
fehlen sie an einzelnen Blütenzweigen. Auch die Rücken 
der Kelchzipfel sind mit Stieldrüsen besetzt. Die Blüten- 
blätter sind meist tief rosa gefärbt. Blättchen eiförmig, 
spitz. Griffel mehr oder weniger dicht behaart. Schein- 
frucht klein, meist kugelig. 

Schlawe: Im Küstengebiet der Ortschaften Rützenhagen, 
Vitte, Jershöft und Natzmershagen nicht selten. 

13. var. vinealis (Ripart) R. Keller. Von voriger Abart haupt- 

sächlich unterschieden durch den Mangel der Stieldrüsen 
auf dem Rücken der Kelchzipfel. 
Schlawe: Jershöft, Natzmershagen. 

III. Biserratae Crepin. Blättchen mit zwei- bis mehrfacher Zahnung. 
a) Griifel kahl oder spärlich behaart. 

14. var. oUongata Opiz. Blättchen eiförmig, zugespitzt. Blatt- 

stiel drüsig, kahl oder an den Gelenken etwas behaart. 
Scheinfrucht eiförmig-länglich. 

Stettin: Rosenhecke bei Eckerberg. 

b) Griffel stark behaart bis wollig. 

15. var. riibeUiflora (Deseglise) Borbäs. 

f. racemulosa H. Braun. Blättchen elliptisch, gegen den 
Grund verschmälert oder schmal zugerundet, unterseits 
grün. Blütenstiele mittellang. Scheinfrucht ellipsoidisch- 
eiförmig oder länglich. 

Stettin: Frauendorf in der Schlucht hinter Bergquell 
nahe dem oberen Ausgange; selten. 

16. var. laxifolia Borbäs. Blättchen entfernt, elliptisch, spitz, 

scharf gesägt, Zähne lang, am Grunde keilig. Diskus 
kegelig, Scheinfrucht eiförmig. 

Stettin: Nieder- Zahden hinter dem Dorfe mehrere 
Sträucher. 

Verhandl, des Bot. Vereins f. Brandenb LIX. g 



130 E. Holzfuß: 

17. var. glcmclna ßipart. Blättclien unterseits grau- bis seegTün, 

spitz, zur Basis schmal ziig-erunclet oder verschmälert. Blatt- 
stiel kahl oder mit einzelnen Haaren, fast drüsenlos. Schein- 
frucht elliptisoidisch bis länglich. Diskus etwas kegelig. 

Stettin: Frauendorf in der Schlucht hinter Bergquell 
nahe dem oberen Ausgange vor der Ziegelei. 

18. var. fjlaucifolia (Opiz) H. Braun. Von voriger Abart ver- 

schieden durch dauernd schwach behaarte, drüsige Blatt- 
stiele und eiförmige Scheinfrüchte. 

Nörenberg: bei der Endmoräne am Enzig-See. 

19. var. eriostyla Ripart und Deseglise. Blattstiel kahl bis leicht 

behaart, wehrlos oder mit kleinen Stacheln. Blättchen 
unterseits nicht seegrün, eiförmig, spitz bis stumpf lieh. 
Scheinfrucht kugelig oder eikugelig. Diskus schwach 
kegelig, von dem sich die weißwollige Gritfelsäule stark 
abhebt. 

Stettin: Frauendorf in der Schlucht hinter Bergquell. 

Mos ff diimetoruin Thui liier. 

I. Blättchen vorwiegend einfacli gezähnt. 

(Formenkreis R. platyphylla Kau.) 

a) Blättchen nur auf den Nerven der Unterseite behaart. 

1. var. urhica Christ. Am häufigsten vertreten. 

Stettin: Eckerberg, Cavelwisch, Schiliersdorf. 
f. semiglahra (Ripart) J. B. v. Keller. Ausgezeichnet durch 
eikuglige Scheinfrüchte und stark behaarte Griifel. 

Stettin: Nieder-Zahden; Frauendorf in der Schlucht 
hinter Bergquell. 
f. sphaerocarpa (Füget) H. Braun. Scheinfrüchte kuglig, 
Griffel kahl. Unsere Exemplare haben dagegen stark 
behaarte Griffel; trotzdem stelle ich die Form hierher, da 
sie im übrigen mit solchen von Jena (leg. M. Schulze) 
übereinstimmen, von denen der Sammler auf dem Zettel 
bemerkt: „var. sphaerocaiya kommt mit kahlen und behaarten 
Griffeln vor." . 

Stettin: Nemitz Schlucht hinter Kückenmühle. 

2. var. ohscura (Puget) H. Braun. Bestachelung etwas ungleich. 

Behaarung der Blättchen wechselnd, indem die Nerven 
bald dicht, bald zerstreut behaart sind. Scheinfrucht 
länglich-eiförmig. 

Stettin: Frauendorf Schlucht hinter Bergquell. 



Erster Nachtrag zur „Rosenflora von Pommern". 1^31 

3. var, hirta H. Braun f. urUcoides (Christ) H. Braun. Von der 

Varietät abweichend durch geg'en den Grund verschmälerte 
Blättchen und weniger stark behaarte Griffel. 
Stettin: Nieder-Zahden. 

II. Blättchen unregelmäßig doppelt gezähnt. 
(Formenkreis der B. liemitriclia Eipart.) 

a) Blättchen uuterseits nur an den Nerven behaart. 

4. var. subglahra Borbäs f. decalvata Crepin. Blättchen scharf, 

sehr spitz gezähnt, mit vielen Spaltzähnen. Blütenstiele 
zuweilen behaart. Griffel leicht behaart; Scheinfrucht 
eikuglig bis länglich-eiförmig. 

Schlawe: Jershöft am Moorgehölz am Wege nach 
Natzmershagen. 

b) Blättchen unterseits auch auf der Fläche behaart. 

5. var. uncinelloides (Puget) H. Braun. Obere Blättchen eilänglich, 

einfach gezähnt, untere eiförmig, unregelmäßig gezähnt; 
blaugrün. Griffel mehr oder weniger stark behaart. 
Scheinfrucht kuglig- eiförmig. 

Schlawe: Jershöft im Dünenwalde; selten. 

6. var. hirtifoUa H. Braun. Blättchen eiförmig oder elliptisch, 

am Grunde abgerundet. Griffel dicht wollig-zottig. Schein- 
frucht kuglig bis eikuglig. 

Stettin: Frauendorf in der Schlucht hinter Bergquell. 

ni. Blättchen doppelt und mehrfach gezähnt'. 
(Formenkreis E. amblyphylla Eipart.) 

7. var. iKilaüna Schwertschlager. Diese Abart besitzt mittel- 

große, länglich-eiförmige bis länglich-rautenförmige, zu- 
gespitzte Blättchen, die auf der Oberseite schwache, an- 
liegende, auf der Unterseite auf der Fläche flaumige Be- 
haarung zeigen; die Nerven sind dicht behaart. Blattstiele, 
Kelchzipfel und Eücken derselben sind reich an Stiel- 
drüsen. Griffel schwach behaart. Scheinfrüchte eikuglig. 
— Obgleich unsere Pflanze durch oberseits kahle Blättchen 
und auf dem Eücken drüsenlose Kelchblattzipfel abweicht, 
stelle ich sie zu dieser Varietät, mit der sie sonst gut zu 
vereinigen ist. 

Stettin: Bachmühlen oberhalb der Schmetterlingsmühle 
zwei Sträucher. 

9* 



132 E. Holzfuß: 

Mosa glauca Villars. 

A. Kelchblätter nach der Blüte aufgerichtet oder aufrecht abstehend, 

bleibend. 

I. Blättchen sehr vorwiegend einfach gezähnt. ■ 

(Formenkreis var. tyjiica Christ.) 

1. var. tyj)ica Christ. Blättchen groß, breit oval bis rundlich, 

Blattstiel kahl, drüsenlos oder mit einzelnen Drüsen. 
Blütenstiele kurz. Scheinfrucht kugelig bis eikuglig. 
Kelchblätter nach der Blüte aufgerichtet; Griffel ein 
wolliges Köpfchen bildend. 

Stettin: verbreitet. Schlawe: Eützenhagen, Jershöft, 
f. püosula Christ. Ausgezeichnet durch behaarte Blattstiele ; 
einzelne Haare auch auf dem Mittel nerv der Blättchen. 

Selten; bisher nur an einer Stelle im Kreise Schlawe 
bei ßützenhagen. 

n. Blättchen unregelmäßig, aber vorwiegend doppelt gezähnt. 
(Formenkreis var. complicata [GrenierJ Christ.) 

2. var. complicata (Grenier) Christ. Blättchen wie typica; Blatt- 

stiel mit einzelnen Drüsen, oft etwas flaumig. Schein- 
frucht kuglig bis eikuglig, mittlere meist birnförraig. 

Schlawe: Natzmershagen auf dem Abhänge einer Hütung 
mehrfach. NeuenhageU; Weg nach Lanzig. 

B. Subspezies E. siibcanina (Christ.) Schwertschlager. 

Brakteen schlecht entwickelt; Blütenstiele verlängert; 
Kelchblätter nach der Blüte zurückgeschlagen; Griffel 
gestreckt und schwach behaart: diese Merkmale einzeln 
oder mehrere zusammen. (Nach Schwertschlager in Eosen 
des südlichen und mittleren Frankenjura. München 1910.) 

I. Blättchen ■ einfach gezähnt. 

3. var. melanophylloides J. B. v. Keller. Blättchen elliptisch 

oder länglich eiförmig, beiderseits gieichgefärbt ; Zahnung 
grob. Griffel wollig; Scheinfrucht kuglig bis eikuglig. — 
Unsere Exemplare weichen insofern etwas ab, als die 
Blättchen unterseits etwas heller grün sind; aber sie 
müssen nach ihren anderen Eigenschaften hier unter- 
gebracht werden. 

Schlawe; außer Jershöft (in der ersten Veröffentlichung 
angegeben) bei Natzmershagen mehrfach. 



Erster Nachtrag zur „Rosenflora von Pommern". 133 

II. Blättclieii unregelmäßig, aber vorwiegend doppelt gezähnt. 

4. var. bracJiypoda Deseglise und Eipart. Blättchen elliptisch, 

beiderseits verschmälert, scharf zugespitzt. Blattstiel kahl, 
mit zerstreut stehenden Stieldrüsen. Scheinfrucht eiförmig 
oder kurz verkehrt eiförmig; Fruchtstiele sehr kurz; 
3 — 4: mm lang, von den breiten, rot überlaufenen Hoch- 
blättern eingehüllt. Kelchzipfel nach der Blüte auf- 
gerichtet. Griifel ein großes, wolliges Köpfchen bildend. 
Blütenzweige meist rot überlaufen, zum Teil mit starken, 
oft wirtelig stehenden Sichelstacheln bewehrt. Großer, 
kräftiger Strauch. 

Stettin : Frauendorf am Eande einer Kiesgrube oberhalb 
Gotzlow; häufiger in der Schlucht hinter Bergquell. 

5. var. monüvaga Deseglise. Zweige oft rot überlaufen, mit 

etwas ungleichen, bis fast geraden Stacheln. Blattstiel 
leicht behaart, mit einzelnen Stieldrüsen; Zahnung teils 
einfach, teils doppelt. Endblättchen kreisrund bis oval, 
zugespitzt. Blütenstiele kurz, kürzer als die Hochblätter. 
Kelchblätter abstehend, früh abfallend. Griffel dicht be- 
haart bis wollig. Scheinfrucht meist kuglig. 

Stettin: Nur an einer Stelle bei der Lübschen Mühle. 

m. Blättchen mehrfach gezähnt. 

6. var. (jlandiiUfera R. Keller. Nebenblätter dicht drüsig ge- 

wimpert. Blattstiel dicht mit Stieldrüsen besetzt, die auf 
die Nerven der Unterseite der Blättchen übergehen. 
Blättchen oval, beiderseits fast gleichmäßig verschmälert; 
zum Teil auch eiförmig. Fruchtstiel meist kurz; Schein- 
frucht kuglig, Griffel borstig behaart. — Diese Abart 
fehlt auf weite Strecken, scheint aber im östlichen Hinter- 
pommern reichlicher vorzukommen und weitere Verbreitung 
zu besitzen. Sie konnte festgestellt werden im Kreise 
Schlawe an verschiedenen Stellen bei Rützenhagen (Abbau 
am Wege nach Vitte, am Eande des Dünenwaldes und 
am Wege nach Jershöft), bei Jershöft und auf der Feld- 
mark Natzmershagen ; Vitter Düuenwald. 

/. longifolia benenne ich eine Abweichung, die durch lange, 
zugespitzte, elliptische Blättchen auffällt; sie haben eine 
Länge von 4V2 bei einer Breite von 2V2 cm. Der Blatt- 
grund ist meist abgerundet. Sägezähne groß, abstehend. 



134 E. Holzfuß: 

Scheinfrucht länger gestielt als die der Hauptform. Die 
ganze Pflanze ist sehr kräftig, und die Zweige sind ziem- 
lich lang. 

Schlawe: Natzmershagen am Nordrande eines Feld- 
gehölzes. 

Mosa coriifolia Fries. 
A. Kelchblätter nach der Blüte abstehend, später aufgerichtet. 
Griffel wollig behaart. 
I. Blättchen sehr vorwiegend einfach gezähnt. 
var. typica Christ. Strauch sehr ästig, gedrungen, kurz- 
stachlig. Blattstiel filzig, drüsenlos oder mit einzelnen 
Stieldrüsen. Blättchen dichtstehend, sich berührend, läng- 
lich oval bis breit oval; gegen den Grund verschmälert 
bis abgerundet, spitz oder abgerundet. Oberseits an- 
gedrückt, unterseits dicht behaart. Scheinfrucht kuglig bis 
eiförmig; kurzgestielt. Griffel ein wolliges Köpfchen bildend. 
Stettin verbreitet: Schillersdorf bei den Eichbergen; 
Bachmühlen vor der Klappmühle; Warsow. 
var. ohlonga Christ. Blättchen groß, länglich-elliptisch, beider- 
seits weißgrau behaart, stumpf, vielfach aber auch zu- 
gespitzt, sehr entfernt stehend. Scheinfrucht groß kuglig. 
— Diese recht auffällige Form hat bei uns vielfach stachel- 
lose Blütenzweige, zugespitzte Blättchen und eikuglige, 
oft langgestielte Scheinfrüchte. 

Stettin: Am oberen Wege hinter dem Julo nach Stolzen- 
hagen zu. 

IL Blättchen unregelmäßig doppelt gezähnt, 
var. Vagiana (Crepin) R. Keller. Blättchen groß, breit oval, 
stumpf oder kurz zugespitzt, die seitlichen gestielt, ober- 
seits kahl, glänzend, unterseits bleichgrün, an Mittel- und 
Seitennerven behaart, auf der Fläche kahl bis zerstreut 
behaart. Scheinfrüchte so lang oder kürzer gestielt als 
der Kelchbecher; groß eikugiig. 
Stettin: Eckerberg mehrfach. 

B. Subspezies siibcoUina (Christ.) Schwertschlager. 

Kelchblätter nach der Blüte zurückgeschlagen; Hochblätter 
schlecht entwickelt; Blütenstiele verlängert; Griifel ge- 
streckt und schwach behaart: diese Merkmale einzeln oder 
mehrere zusammen. (Schwertschlager in Rosen des süd- 
lichen und mittleren Frankenjura. München 1910.) 



Erster Nachtrag zur „Rosenflora von Pommern". 135 

III. Zähnung der Blatt eben einfach, 
a) Blättchen oberseits kahl, unterseits mehr oder weniger stark 

behaart, 
var. dimorjjJioccnya Borbäs und H. Braun. Blattstiel locker 
behaart; Blättchen elliptisch oder elliptisch verkehrt- 
eiförmig, gegen den Grund verschmälert, seltener zugespitzt, 
mit offener, scharfer Zahnung, unterseits meist nur an 
den Nerven behaart. Blütenstiele kurz; Scheinfrucht 
kuglig bis eikuglig; Griffel dicht behaart. — Unsere 
Pflanze weicht etwas ab durch spitze Blättchen und lang- 
gestielte, bis 2V2 cm lange Scheinfrüchte. Sie nähert 
sich in ihrem Aussehen der Abart incana. 

Schlawe: Rützenhagen, Abbau am Wege nach Vitte im 
Weißdörngebüsch. 

b) Blättchen beiderseits mehr oder weniger dicht grauweiß behaart, 
var. incana (Kitaibel) R. Keller. Blattstiel wollig; Blättchen 
meist mittelgroß, elliptisch, am Grunde abgerundet, zu- 
gespitzt bis stumpf. Zahnung oft mit einigen Neben- 
zähnchen. Blütenstiele kurz, von der Länge der kugligen 
Scheinfrucht, von den Hochblättern umhüllt. Griffel wollig. 
Diese Abart scheint auf weite Strecken zu fehlen und 
nur im östlichen Teile der Provinz reichlicher vorhanden 
zu sein. Sie wurde bisher nur festgestellt im Kreise 
Schlawe: Rützenhagen, Abbau am Wege nach Vitte; Jers- 
höft, am Badestrande; Natzmershagen, am Rande eines 
Feldgehölzes. 

IV. Blättchen vorwiegend doppelt bis mehrfach gezähnt, 
var. Hausmanni H. Braun. Blattstiel wollig; Blättchen klein 
bis mittelgroß, eiförmig - elliptisch, zugespitzt, oberseits 
kahl oder zerstreut behaart, unterseits am Mittelnerv 
wollig, auf der Fläche anliegend behaart. Blütenstiele 
etwa 1 cm lang. Kelchblätter nach der Blüte zurück- 
geschlagen; Griffel wollig. Scheinfrucht kurz eiförmig. 
Selten. Stettin: Rosenhecke bei Eckerberg. 

Stettin, 24. Juni 1917. 



Ein neuer Standort von Gymnadenia cncuUata 

in Ostprexissen. 

Von 

A. Born. 

Die Sommerferien 1916 verbrachte ich zum ersten Mal im 
Osten unseres Vaterlandes und besuchte dabei die Bernsteinküste, 
die Kurische Nehrung und von Tilsit aus die Gegend bis zur 
russischen Grenze. Auf meinen botanischen Ausflügen lernte ich 
den ganzen Charakter der östlichen Flora kennen und fand auch 
einige Seltenheiten, unter denen besonders Linaria odora und 
Gymnaclenia cucullata bemerkenswert sind. 

Letztere wollte ich bei Sarkau auf der Kurischen Nehrung 
aufsuchen; die Umstände ließen es aber nicht dazu kommen, was 
ich um so weniger bedauerte, als die Blütezeit dieser seltenen 
Orchidee noch nicht gekommen war. Ein glücklicher Zufall ließ 
sie mich an ganz unerwarteter Stelle auffinden. 

Am 3. August 1916 machte ich in Begleitung des Herrn Dr. 
P. Kopzcynski, Oberlehrer am Tilsiter Realgymnasium, einen 
Ausflug in die Schreitlaugkener Forst, die oberhalb Tilsits am 
rechten Memelufer, der Kreisstadt Ragnit gegenüber, einen nach 
Norden geöffneten Bogen des Flusses ausfüllt. Sie ist ein typischer 
ostpreußischer, prächtiger, moosiger und hügeliger Kiefernwald, 
reich im Unterholz an Vaccinien und besonders auch Piroleen, von 
denen Chimaphila umhellata recht häufig ist, und an den trockeneren 
Stellen sieht man fast überall die w^eißen wehenden Fähnchen des 
Dianthus arenarius. Hier an einer moosigen Stelle, wo auch 
Epipaciis rubiginosa nicht selten war, stießen wir plötzlich auf zwei 
zierliche Orchideen, die sich zu unserer Ueberraschung als Oym- 
nadenia cucullata entpuppten. Ein paar Schritt davon entfernt standen 
noch zwei Pflanzen. Während die beiden ersteren eine sehr blasse 
Rosafarbe wie eine vollerblühte La France-Rose an den hell- 
beleuchteten Blumenblättern zeigte, besaßen die beiden letzteren eine 



A. Born: Ein neuer Standort von Gymnadenia cucullata in Ostpreußen. 137 

dunklere Farbe wie in den beschatteten Teilen dieser Rosenblüte. 
Von jeder Gruppe nahm ich eine Pflanze mit^ die beiden übrigen 
ließen wir stehen. 

Herr Prof. ilbromeit, der verdienstliche Erforscher der Flora 
Ostpreußens, schreibt mir auf meine Mitteilung, daß der Fundort 
neu sei, und spricht zugleich sein Bedauern darüber aus, daß die 
Schreitlaugkener Forst, wie er gehört habe, nach dem Kriege ver- 
kauft und abgeholzt werden soll, womit dann dieser neue Fundort 
wieder verschwinden dürfte. 

Gymnadenia cucullata Reichb. ist der einzige Vertreter der Sektion 
Neotticmthe Reichb. mit lanzettlichem, spitzem Helm, bei der die 
Klebkörper nicht senkrecht, sondern parallel mit dem Längsdurch- 
messer des Fortsatzes des Schnäbelchens stehen; auch ist sie habituell 
durch die beiden einzigen fast kreisförmigen grundständigen Laub- 
blätter von den anderen Arten der Gattung verschieden. Bei keiner 
anderen Orchidee unseres Vaterlandes zeigt die Lippe so schmale 
Seitenzipfel, die bei den gefundenen Exemplaren fadenförmig sind. 

Die westliche Verbreitungsgrenze läuft von Lemberg und 
Brody in Galizieu nach dem östlichen Polen bis zur Weichsel, 
Narew und Pissa, die Pflanze besitzt also Standorte im Lubliner 
Hügelland und im ostpolnischen Uebergangsbezirk (nach Pax, die 
natürliche Gliederung Polens, 3. Zeitsch, d. Ges. f. Erdk. zu Berlin 
1917, Heft 5, p. 283 und 284, und F. Pax, Die Pflanzenwelt Polens, 
in Handbuch von Polen [1917] 184, 203, dazu auf Karte VII Vege- 
tationslinie von O. cucullata). Die Fundorte auf preußischem Gebiet 
liegen unweit der polnisch-russischen Grenze, westlich der Pissa in 
den Kreisen Neidenburg (Forst Kaltenborn) und Johannisburg am 
Niedersee, östlich der Pissa im Kreise Goldap am Nordrande der 
Romintener Heide im Forst Warnen (nicht Warnau wie bei Ascherson 
und Graebner, Synopsis Bd. III p. 827) bei Iszlandszen; dann folgt 
nach einer größeren Pause der neue Fundort gegenüber Ragnit. 
Weit getrennt davon liegt der von Salkowski (nicht Salkowiki wie 
bei Ascherson und Graebner an der angeführten Stelle) am frühesten 
entdeckte Fundort auf der Kurischen Nehrung zwischen Cranz und 
Sarkau und der im Kreise Fischhausen bei Lochstädt, der übrigens 
nach Abromeit sehr unsicher ist. Der westlichste Fundort liegt bei 
Bromberg im Jagdschützer Forst bei Hoheneiche. Das Verbreitungs- 
gebiet erstreckt sich also von Bromberg bis nach Ostsibirien. 



Albert Lüderwaldt. 

Nachruf von E. Holzfuß fStettin). 

Am 19. Mai 1917 erlitt die pommersche und namentlich die 
Stettiner floristisclie Forschung einen empfindlichen Verlust durch 
den plötzlichen Tod des König-lichen Zollinspektors Albert Lüder- 
waldt. Ein Herzleiden, verbunden mit asthmatischen Beschwerden, 
hielt ihn in den letzten Jahren ab, seiner Lieblingsbeschäftigung so 
eifrig nachzugehen, wie er es vordem getan hatte. In der freien 
Natur, im Eckerberger Walde, vor den Toren der Stadt, machte ein 
Herzschlag im Beisein seiner Tochter seinem Leben ein jähes Ende. 
Mit dem Verstorbenen ist ein edler, friedfertiger, hilfsbereiter Natur- 
freund dahingegangen. Geboren am 5. März 1861 zu Gollnow, 
widmete er sich dem Zollfach und ist in den verschiedensten Gegen- 
den Pommerns tätig gewesen. In ßegenwalde; wo er von 1893 — 1899 
weilte, fing er an. Pflanzen zu sammeln. Erfolgreiche Förderung 
seiner botanischen Beschäftigung fand er in Swinemünde von 1899 
bis 1905 durch den uns allbekannten Kreistierarzt und Botaniker 
Rudolf Ruthe, den er oft auf seinen Exkursionen begleitete. Eine 
Versetzung nach Neidenburg in Ostpreußen 1905 — 1906 entführte 
Lüderwaldt aus Pommern; aber schon 1906 kehrte er nach Stolp 
zurück. 1908 wurde er nach Stettin versetzt; hier hat er bis zu 
seinem Tode gelebt. Die Ferienzeit erschloß ihm die Gebiete in 
Kl.-Zarnow, Kreis Greifenhagen, Woltersdorf im Kreise Dramburg, 
Rewahl an der Ostsee und Kölpin-See auf Usedom. Seine Lieblinge 
waren die Equiseten und die Farne, von denen er viel Material an 
Ferd. Wirtgen geliefert hat. In den letzten Jahren v/andte sich 
Lüderwaldt den Carices und Gramineen zu. Sein scharfer Blick 
ließ ihn den neuen Bastard Calamagrostis arimdinacea X neglecta = 
Calam. Zerninensis Lüderwaldt erkennen und die Form ramosa von 
Elynius arenarms, die er in der Allg. Botan. Zeitschr."^) 1909 veröltent- 
lichte. Das reichhaltige Herbar, entstanden durch eigenes Sammeln und 
Tausch, ist in den Besitz des Stettiner Museums übergegangen. Sein 
unermüdlicher Fleiß ist daraus zu erkennen, daß er für Kneuckers 
Exsiccaten-Werk einige 20 Nummern geliefert hat. Dem Botanischen 
Verein der Provinz Brandenburg gehörte er seit 1903 an. 

Albert Lüderwaldts Andenken wird bei uns unvergessen bleiben! 



*) A. Lüderwaldt, Einige Seltenheiten der Pommerscheu Flora; Allg. 
Bot. Zeitschrift XV. 1909, S. 89. 



Ueber die Verwendung der Samen der Zitterlinse 
CVicia hirsutaj zur menschlichen Ernährung. 

Von 

H. Harms, 

Herr L. Geisenheyner (Kreuznach) übermittelte uns im 
April d. J. einen Zeitungsausschnitt^, der die Verwendung der sog. 
„Vogelwicken" zu einer Suppe betraf. Im „Eingesandt" des Oeifentl. 
Anzeigers für den Kreis Kreuznach Nr. 61 Yom 13. März 1917 gibt 
Frau Forstmeister Paulus -Neupfalz folgendes Rezept zur Bereitung 
einer schmackhaften Kriegssuppe: „Ich weiß nicht, ob es bekannt 
ist, daß man aus Vogelwicken eine sehr gute Suppe bereiten kann, 
die im Geschmack sehr an Linsen erinnert. Nur brauchen die 
Wicken eine viel längere Zeit zum Kochen wie Linsen, und es 
empfiehlt sich, dieselben schon am Abend vorher gut zu waschen und 
mehrmals, nur eben bedeckt mit lauwarmen Wasser, dem man eine 
Messerspitze voll Natron oder etwas Soda hinzugefügt hat, aufzu- 
kochen und die erste und zweite Brühe wegen der dunkelbraunen 
Färbung wegzugießen. Am andern Tage kocht man dann die Suppe 
mit Sellerie und Lauch und noch einem kleinen Zusatz von Natron 
etwa 3 — 4 Stunden, bis die Wicken weich sind. Eine Mehlschwitze 
oder einige in kleine Stücke geschnittene Kartoffeln machen die 
Suppe gebunden. Durch Fleischklößchen oder kleine Pökelfleisch- 
stücke und Brühe davon wird das Gericht besonders schmackhaft, 
doch darf man von der salzigen Brühe nur ganz zuletzt an die 
Wicken tun, da dieselben sonst nicht weich werden." — Nach vor- 
stehender Mitteilung konnte man zunächst vermuten, daß die Ein- 
senderin des Rezepts unter „Vogelwicken" unsere meist so genannte 
blaublühende V. cracca L. verstand; indessen ergab sich aus Material, 
das Herr Geisenheyner sich erbat, daß die kleinblütige zierliche, 
sog. rauhhaarige Wicke, Vicia liirsuta^) (L.) S. F. Gray 



') Aus Prioritätsgründen ist zu zitieren: Vicia hirsuta (L.) S. F. Gray, 
Nat. Arr. Brit. PI. IL (1821) 614; sonst wird meistens Koch angegeben (Synops. 
Fl. germ. [1837] 191). — Ervum hirsutum L. Spec. pl. ed. 1. (1753) 738. 



140 



H. Harms: 



(= Ervum hirsutum L.) gemeint war. Kurze Zeit vorher (24. März 
1917) hatte das Kaiserliche Gesundheitsamt Herrn E. Gilg unter 
Einsendung einer Probe von „Zitterlinseu" um Auskunft über die 
Art der Bestandteile dieser Probe mit besonderer Berücksichtigung 
etwaiger darin enthaltenen gesundheitschädlichen Stoffe gebeten; es 
handelte sich besonders um die Frage, ob der Verwendung des 
Mehles dieser Samen als Streckungsmittel von Brot nicht Bedenken 
entgegen stünden. Die Probe bestand zum allergrößten Teile aus 
den kleinen Samen der Vicia liirsuta (grüngelbliche, einfarbige und 
schwärzlich marmorierte gemischt); beigemengt waren zerbrochene 
Weizenkörner, und die schwarzen Samen der Kornrade^) (Ägrostemma 
githago) in erheblicher Menge, in viel geringerem Maße Samen einer 
kleinsamigen Wicke (vermutlich Vicia tetrasperma) und von V. angusti- 
folia, Samen von Kornblume (Centaurea cyanus), Früchtchen von 
Oalium aparine und Medicago hqmlina (Gelbklee). Die Probe stellte 
offenbar einen Trieurabgang dar, d. h. einen Abfall der Getreide- 
reinigungsmaschinen, denn darin treten verschiedene Unkräuter, die 
unter dem Getreide wachsen, oft in Menge auf, und gerade Wicken- 
arten spielen dabei eine Rolle. Man spricht geradezu von Trieur- 
wicken'), meint damit wohl meist Vicia cmgustifolia L.; doch können 
auch die Samen anderer Wicken, wie die von V. liirsuta. tetrasperma, 
cracca, villosa, vielfach im ausgedroschenen Getreide und schließlich 
als Trieurausputz erscheinen (Vergl. L. Miltner, Ueber die Ver- 
wendung von Samen wildwachsender Wicken; Prakt. Blätter für 
Pflanzenbau und Pflanzenschutz XIV. Aug. 1916, S. 96). 

Nach Wehmer (Pflanzenstoffe [1911] 360) soll V. hirsuta in 
den Samen eine Blausäure liefernde Substanz enthalten. Eine im 
Kaiserl. Gesundheitsamt vorgenommene qualitative Untersuchung einer 
Probe des aus den Samen der Zitterlinse hergestellten Mehles ergab, 
daß darin Cyanwasserstoff selbst nicht in Spuren nachgewiesen werden 

^) Wenn Kornraden-Samen in einem solchen Gemenge vorkommen, so 
ist seine Benutzung zur menschlichen oder tierischen Ernährung nicht unbe- 
denklich, da sie Gift enthalten. Der Kern der Radensamen besteht aus un- 
giftigem, nahrhaftem Eiweiß und wird von dem Keim umschlossen, der das 
giftige Githagin enthält. Beim Rösten oder scharfen Backen verschwindet 
das Gift. Vor der Verfütterung ist radenhaltige Kleie durch Rösten zu ent- 
giften. Will man Radensamen für die Ernährung nutzbar machen, so schrote 
man sie derart, daß Schale und Keim vom Mehlkern losgelöst werden; letzterer 
liefert wohlschmeckendes, nahrhaftes Mehl (nach H. Kühl, Ueber die Giftig- 
keit radenhaltiger Kleie; Die Mühle 1915, Nr. 29, S. 518; nach Naturw. 
Wochenschr. XXX. Nr. 38, 1915, S. 605). 

•'') G. Krafft, Pflanzenbaulehre, 9. AufJ. v. C. Fruwirth (1913) 72. 



lieber die Verwendung der Samen der Zitterlinse. 141 

konnte. (Schreiben des Kaiserl. Gesundheitsamtes vom 24. März und 
9. Juli 1917; G. N. I. 592 und 1785.) Demnach dürfte einer Ver- 
wendung dieses Mehles zur menschlichen Ernährung zunächst nichts 
im Wege stehen. Freilich ist dabei immer noch zu berücksichtigen, 
daß nach Erfahrungen bei anderen Leguminosen-Samen {Vicia sativa, 
Phaseolus lunaüis) Blausäure bei einer bestimmten Probe oder Varietät 
fast oder ganz fehlen, bei einer anderen in meßbarer Menge, ja in 
schädlichem Maße auftreten kann. 

Daß die Samen verschiedener Wickenarten Blausäure ent- 
wickelnde Stoife enthalten, ist bekannt. In Nobbe's Handb. Samen- 
kunde [1876] 136 heißt es schon: „In der Futterwicke (Vicia sativa) 
läßt das Auftreten von Blausäure in dem mit Wasser angeriebenen 
Samenpulver auf einen Gehalt des Samens an Amygdalin schließen" ; 
es wird dazu zitiert: Ritthausen, Die Eiweißkörper der Getreide- 
arten, Hülsenfrüchte und Oelsamen (1872) 168 und Journ. f. prakt. 
Chemie N. F. VII. (187B) 374. Auch Harz (Landwirtsch. Samen- 
kunde [1885] 668) gibt für dieselbe Art an, daß die Samen mit 
Wasser Blausäure entwickeln (nach Ritt hausen in Ber. deutsch, 
ehem. Ges. Berlin IX, 301; XIV, 2284). F. F. Bruyning und 
J. van Haarst (Sur l'acide cyanhydrique des graines du genre Vicia, 
in Recueil des trav. chim. Pays-Bas XVIII. [1899] 468) nennen 
folgende Arten als Blausäure entwickelnd: V. angusüfolia L. (diese 
Art entwickelt die meiste Blausäure), V. hirsuta S. F. Gray, V. sativa 
in allen analysierten Exemplaren verschiedener Herkunft, dann noch 
V. sativa var. dura, V. sativa var. flore albo, V. sativa var. Bernayer, 
V. sativa \'di\ hritannica, V. canadensis Zucc. Wehmer fügt noch bei 
F. macrocarpa Bert. Keine Blausäure entwickeln: F. narhoyiensis L., 
F. agrigentina (nach Kew. Index agrigentinum Link, Handb. IL [1913J 
190 = F. Bivonea Raf., Sizilien), F. biennis L., F. cracca L., 
F. disperma DC, F. pannonica Crtz., F. cassubica L. Dazu kommen 
nach Hiltner (a. a. 0. 97) als blausäurefreie Arten noch F. dumetorum 
(Heckenwicke) und F. villosa (Zottelvvicke). 

Hiltner hebt a. a. 0. hervor, daß man die Artzugehörigkeit 
der in den Trieurabgängen enthaltenen Wickensamen genau beachten 
solle, um zu entscheiden, ob es sich um unschädliche oder um solche 
handelt, die wegen Blausäuregehalt bei der Verfütterung schädlich 
wirken können. Das zur Verfütterung bestimmte Schrot der Trieur- 
wicken solle man jedesmal vor dem Verfüttern mehrere Stunden 
lang in einer gi'ößeren Menge von lauwarmem Wasser einweichen 
und danach die Masse im Futterdämpfer dämpfen oder sie zur Ver- 



142 H. Harms: 

treibung der gebildeten giftigen Blausäure gut durchkoclien. Handelt 
es sich um die Zubereitung erheblicher Mengen solchen Wicken- 
futters, so sei dabei wegen der dann in größerer Menge entweichen- 
den Blausäuredämpfe einige Vorsicht geboten; am besten werde man 
die Dämpfe durch Zugluft fortführen. Durch eine derartige Behand- 
lung, die auch wegen der harten Beschaffenheit der Wickensamen 
in jedem Falle zum Erweichen der Schrotteile sehr dienlich sei, 
erhalte man eine sehr eiweißreiche Futterbeigabe, von der man aber 
wie bei jedem neuen Futter zunächst nur kleinere Gaben reicht. 
Allmählich könne man dann die Beigabe steigern. Besonders werde 
derartig behandeltes Wickenschrot zur Verfütterung an Milchkühe 
empfohlen; unter den gegenwärtigen Verhältnissen komme es aber 
auch als Beifutter für Pferde und Geflügel in Betracht. 

Ich erhielt in Samenhandlungen Groß-Beilins (jetzt sind Wicken 
dem Verkehr entzogen) ein paarmal unter dem Namen „Vogelwicke" 
ein Gemisch von vorwiegender Vicia Jiirsuta mit den Samen oder 
Früchtchen anderer Ackerunkräuter, offenbar Trieurabfälle ; natürlich 
waren dabei auch Reste des betreffenden Getreides z. B. Weizen- 
körner. Es treten besonders die schon genannten Samen und Früchte 
in solchen Gemischen auf, manchmal recht reichlich Vicia sativa; 
auch Litliospermmi arvense und andere Borraginaceen finden sich 
darin. 

Der Name „Zitterlinse" für Vicia Jiirsuta findet sich bei 
A. Garcke (Fl. Deutschi. 17. Aufl. [1895] 153); in landwirtschaft- 
lichen Werken (z. B, Fr. Nobbe, Handb. Samenkunde [1876] 65 
Fig. 59 und G. Krafft, Pflanzenbaulehre, 9. Aufl. v. C. Fruwirth 
[1913] 29 Fig. 30) wird sie rauhhaarige Wicke genannt. Andere 
Namen sind z. B. Brillenwicke, behaarte Linse oder Erve, 
zottige oder zweisamige Linse, rauhe Linsenwicke (Harz 
a. a. 0. 676); kleine Vogelwicke (Schkuhr, Bot. Handb. IL [1805] 
367); rauhhaarige Linse (W. Koch in Röhling's Deutschi. Fl. V. 1. 
[1839] 161); wilde Linse (E. Hallier in Schlechtendal, Lange- 
thal und Schenk, Fl. Deutschi. XXIV. 2. 177 t. 2495). Pritzel 
und Jessen (Deutsche Volksnamen d. Pflz. [1882] 437) geben an: 
Erwenwicke (Schweiz), Fippelswäcken (Siebenbürgen), Eeif 
(Siebenbürgen, Eifel), Vogelheu (Schweiz), Zisern (Siebenbürgen), 
Zitter linse (Garcke). 

Herr Geisenheyner hat später im Oeffentl. Anzeiger für den 
Kreis Kreuznach Nr. 168 vom 20. Juli 1917 selbst darauf hinge- 
wiesen, daß der von Frau Paulus zuerst gegebene Name „Vogel- 



Ueber die Verwendimg der Samen der Zitterlinse. 143 

wicke" leicht irreführen kann, insofern man dabei meist an die schöne 
blanblühende V. cracca denkt, nicht an die ganz verschiedene viel 
zierlichere V. hirsuta mit ihren sehr kleinen unansehnlichen bläulich- 
weißen Blüten. Bei der Gelegenheit nennt Herr Gr. auch die der 
Zitterlinse ähnliche F. tetrasperma Moench (viersamige Wicke), die 
ebenfalls als Unkraut zwischen Klee und Getreide vorkommt, und 
leicht mit V. hirsuta verwechselt werden kann, sich aber von der 
letzteren durch etwas größere, fast immer einzeln oder zu zwei bis 
drei beisammen stehende (ebenfalls bläulichweiße) Blüten — bei 
V. hirsuta haben wir 4 — 6-blütige Trauben — und kahle längere 
schmälere hellbräunliche oder gelbbräunliche meist vier Samen ent- 
haltende Hülsen unterscheidet, während die breiteren schwärzlichen 
oder bräunlichen Hülsen der V. hirsuta behaart sind und meist nur 
zwei Samen haben. Herr G. meint, die Samen der V. tetrasperma 
seien sicherlich ebenso genießbar wie die von V. hirsuta. Uebrigens 
dürften sich größere Mengen beider Arten von Samen nur aus dem 
Getreideausputz gewinnen lassen, da sonst das Einsammeln der 
Samen aus den Hülsen sehr zeitraubend ist. — Es empfiehlt sich, 
den Namen Vogel wicke nicht auf V. hirsuta anzuwenden, zur Ver- 
meidung von Verwechselungen mit T'". cracca, die im allgemeinen 
als Vogelwicke bekannt ist. 

Die Zitterlinse gehört zu den sehr weit verbreiteten Arten der 
gemäßigten Zone; sie kommt in fast ganz Europa vor und fehlt nur 
im nördlichen Skandinavien und Rußland. x4.ußerdem findet sie sich 
im westlichen Asien bis Persien und Ostindien, in Nord-Afrika bis 
Abyssinien und auf Madeira; in Nord- Amerika ist sie eingebürgert 
und auch sonst verschleppt (vgl. Ascherson-Graebner, Synops. mittel- 
europ. Fl. VI. 2. [1909] 907). Bei uns findet man sie auf Gras- 
plätzen, in Gebüschen, au rasigen Abhängen, in steppenartigen 
Formationen, besonders jedoch auf Aeckern als Unkraut zwischen 
dem Getreide. Sie wird als eines der häufigsten Unkräuter im 
Roggenfelde erwähnt (Krafft-Fruwirth, a. a. 0. 29), doch ist sie auch 
recht häufig zwischen Gerste, weniger vielleicht auf Weizenäckern 
anzutreffen. Im allgemeinen ist sie ziemlich wenig veränderlich; 
nur in der Frucht finden sich wichtigere Abweichungen, insofern 
es neben der gewöhnlichen Form mit behaarten Früchten (F/c/a 
hirsuta ti/pica Beck in Reichb. Icon. XXII [1903J 202; Vicia hirsuta 
A. eriocarpa Aschers, et Graebn. 1. c. 906) eine seltenere Form mit 
kahlen Früchten gibt: F. hirsuta ß. Terronii (Ten.) Burnat, Fl. Alp. 
marit. II (1896) 188, die besonders im Südosten Mitteleuropas zer- 
streut vorkommt (Istrien, Dalmatien, Montenegro; genaueres Lind- 



144 H. Harms: 

berg') in Oefvers. Finska Vet. Soc. Forh. XLVIH. [1906] 61, flg. IV). 
Dazu gehört noch eine Form mit größeren Samen {macrosperma 
Clav. Fl. Gir. [1882—84] 319). Durch die Gestalt der Nebenblätter 
weicht vom Typus die forma fissa Beck (Fl. Nieder-Oesterr. [1892] 
877) ab, bei der die Nebenblätter mit 2 — 4 fast fadenförmigen Zähnen 
versehen sind. 

Alefeld (Oesterr. Bot. Zeitschr. IX. [1859] 359) hat unsere 
Art mit Ervum Loiseleurii M. B. (Caspi-See) in eine eigene Gattung 
Endiusa (Brillenerfe) gestellt, deren wichtigste Merkmale sind: Gestalt 
des Schiffchens (Carinalplatte oben convexrandig), die kurze Staubfaden- 
röhre, der sehr verbreiterte freie Staubfaden, der kahle Griffel; der 
schmal-lineale Nabel nimmt den größten Teil der Oberseite des 
Samens ein, Strophiolum auf der Hinterseite. Der Same ist vor 
denen anderer Wicken-Arten schon durch seine glatte, glänzende 
Schale erkennbar, während sie bei andern Ficia- Arten meist matt und 
und glanzlos ist. Ein sehr wichtiges Merkmal ist das Verhalten des 
Nabelkissens (pulvinus umbilici bei Alefeld) oder Funiculus-Rest 
(funiculi reliquiae) auf dem Nabel; es bleibt nämlich als dünner, 
schmaler, bräunlicher Kamm über dem Nabel lange erhalten und 
haftet oft dem Samen an oder löst sich teilweise oder fast ganz ab, 
ihm oft noch an einer Stelle anhängend. Dies Gebilde wird 
auch bisweilen als Samenmantel oder Arillus bezeichnet; Nobbe 
(a. a. 0. 65) spricht in diesem Falle von einem auf einer frühzeitigen 
Entwicklungsstufe beharrenden, den Nabel wenig übergreifenden, 
gewöhnlich mit dem Nabelstrang an der Frucht verbleibenden 
„unvollständigen" Arillus. Der darunter liegende, sehr feine, schmale 
Nabel ist bräunlich oder schwärzlich. Die Größe der rundlichen, 
fast kugeligen, doch seitlich ziemlich zusammengedrückten Samen 
beträgt 1,5 — 3 mm. Nach Harz wiegen 100 Stück der größeren 
0,952 gr., die kleineren 0,598 gr. — Die in der Größe ähnlichen, 
doch fast kugeligen Samen der F. tetrasperma haben eine matte, 
glanzlose Schale und breiten, sehr kurzen Nabel; sie sind meist 
grünbraun oder graugrün mit dunkleren Flecken. 

Eine besondere Besprechung verdient die Farbe der Samen. 
Herr Geisenheyner sprach brieflich bereits seine Verwunderung 
darüber aus, daß die ihm seinerzeit von Frau Paulus zugesandten 
Samen einfarbig graugrün oder dunkler punktiert waren, während 
er in seinem Herbar nur rotbraune reife Samen fand. Die Angaben 



*) Nach Lindberg soll sich diese Form außer durch fast kahle, dunkel- 
braune, vorn fast gestutzte, holperige, etwa 1 cm lange Frucht noch durch 
mattschwarze, einfarbige Samen unterscheiden. 



Ueber die Verwendung der Samen der Zitterlinse. 145 

der Floren lauten verschieden. Aschers on-Graebn er sagen: 
„grüng-elb, schwarz gefleckt". Dieselbe Farbe findet man auf den 
Abbildungen bei Hoppe in Sturm, Deutschi. Flora I. 8. (1812, ein 
grünlicher Same mit dunkleren Flecken) und E. Hallier in 
Schlechtendal, Langethal und Schenk, Fl. Deutschi. XXIV. 2. t. 2495 
(im Text heißt es „bräunlich, schwarz punktiert"). Entsprechend 
lauten die Angaben z. B. bei ßeichenbach, Fl. germ. exe. (1832) 527 
(semin. oli vaeeis fusco-marmoratis), W. Koch in Rohlings Deutschi. 
Fl. V. 1. (1839) 161 (grünlichgelb, bunt von schwarzen Fleckchen und 
Punkten), Hallier-Wohlfahrt in Kochs Synops. I. (1892) 685, 
während z. B. Doli (Fl. Baden [1857] 1155) sie als braunschwarz 
bezeichnet und Reichenbach (Icon. fl. germ. ethelv. XXII. ed. G. Beck 
[1903J 202) sie rotbraun (fusca) nennt. Gaudin (Fl. helvet. IV. [18291 
522) nennt sie subfusca, Immaculata. 

Von Angaben aus ausländischen Floren seien noch erwähnt: Lange 
(Haandbog i den danske Fl. [1888] 847): graubraun mit dunkleren 
Flecken; Babington (Man. Brit. Bot. 6. ed. [1867] 91): rot mit 
dunkleren Flecken; Grenier et Godron (Fl. France I. [1848] 473, 
unter Cracca minor): gelblich, marmoriert; Bertoloni (Fl. ital. VII. 
[1847] 536): bald rotbraun-dunkelg'elb und schwarz-gefleckt, bald 
ganz schwärzlich. Harz (a. a. 0. 676) nennt sie „auf weißlichem, 
grauem, hell- bis dunkelrotbraunem Grunde fein dunkelfleckig oder 
fast einfarbig"; merkwürdigerweise erwähnt er die auffällige oliven- 
grünliche Farbe nicht. Ich selbst fand sie im Herbar an den wenigen 
samentragenden Exemplaren, die ich prüfen konnte, meist einfarbig 
rotbraun; die vom Kaiserlichen Gesundheitsamt geschickte Probe 
zeigte ebenso wie die von mir gekauften „Vogelwicken" eine gelb- 
grünliche bis graugrüne Färbung, und die Samen sind entweder ein- 
farbig oder sehr oft dunkler (schwärzlich bis bräunlich) gefleckt oder 
marmoriert. So verhielten sich auch Samen, die ich im August 1917 
auf einem Gerstenfelde bei Graal in Mecklenburg sammelte. Es ist 
die Meinung geäußert worden, die Samen hätten anfangs stets die 
letzterwähnte Farbe, nähmen aber im Herbar allmählich die braune 
oder rotbraune Farbe an. Obgleich ich dies bezweifeln möchte, so 
habe ich doch nicht genügend Erfahrungen für ein sicheres Urteil, 
vermute aber, daß es Farbenvarietäten vielleicht nach Standorten 
gibt. Nähere Mitteilungen darüber würde ich mit Dank entgegen- 
nehmen. 



Abhandl. des Bot. Vereins f. Brandenb. LlX. -j^Q 



Ueber die Fhorescens des Aufgusses der Rinde von 
sPrunüs serotina. 

Von 

H. Harms. 

In unseren Verhandl. LVI. 1914 (1915) 187 hatte ich im An- 
schluß an eine Angabe bei Wehmer (Pflanzenstoffe [1911] 301) er- 
wähnt, daß sich . bei Prunus virginiana L. Methylaesculetin findet. 
Vor kurzem wies mich Herr P. Graebner auf eine Angabe bei 
Dragendorff (Heilpflz. [1898] 280) hin, wonach die Rinde von 
Pr. serotina Ehrh. eine fluorescierende Substanz enthält. Bekanntlich 
ist Prunus serotina Ehrh., eine amerikanische Art der Gruppe Padus 
(mit vielblütigen verlängerten Trauben), bei uns jetzt in Gärten und 
Parks sehr verbreitet, säet sich leicht selbst aus, verwildert oft und 
ist an manchen Orten der Umgegend Berlins schon fast eingebürgert. 
Gegenüber unserm Faulbaum {Pr. imclus L.) ist sie an den derberen, 
oberseits glänzenden Blättern (sie sind länglich bis lanzettlich, am 
Grunde meist keilförmig verschmälert) und den kleineren, später 
erscheinenden Blütentrauben erkennbar; man nennt den Baum bei 
uns „späte oder spätblühende Traubenkirsche" (vgl. Graf v. Schwerin 
in Mitt. Deutsch. Dendrol. Ges. 1906, S. 1 — 3, mit farbiger Abbildung 
eines blühenden Zweiges und der Früchte, sowie der Photographie 
eines prächtigen alten Baumes, hier auch Aufzählung der Garten- 
formen; ferner H. Mayr, Fremdl. Wald- und Parkbäume [1906] 495 
und besonders E. Koehne in Engler' s Bot. Jahrb. LH. [1915] 285), 
aiTch bisweilen „Lorbeertraubenkirsche". Es ist ein meist kleiner 
oder mittelgroßer, bis etwa 10 m hoher, selten (in der Heimat) bis 
über 30 m hoher Baum mit später schwarzgrauen Zweigen; die 
lebende Rinde hat einen aromatischen Geruch. Die zuletzt schwarz- 
roten Früchte sind eßbar, werden übrigens von Vögeln sehr begierig 
gefressen. Der Baum ist in Nordamerika, besonders im Osten, sehr 



lieber die Fluorescenz des Aufgusses der Rinde von Prunus serotina. 147 

verbreitet und findet sich südlich noch im andinen Südamerika^). Man 
hat ihn neuerdings wegen des hochwertigen Holzes'^) zur Anpflanzung 
in Wäldern empfohlen und stellenweise erfolgreiche Versuche damit 
gemacht (vgl. A s eher son-Gra ebner, Synops. mitteleurop. Fl. VI. 2. 
[1907] 168; Graebener in Mitt. Deutsch. Dendrol. Ges. 1909, 150; 
Schwappach in Mitteil. Deutsch. Dendrol. Ges. 1911, 17). Nach 
Goeze (Mitt. Deutsch. Dendrol. Ges. 1916, 184) wurde er schon 
1629 in Europa eingeführt. Bei uns neigt er leicht zu strauch- 
artigem Wüchse, indem er oft bald über dem Boden mehrere oder 
einige stärkere Stämme bildet. Nach Ch. Spr. Sargent (Manual of 
the trees of N. Amer. [1905] 524) heißt der Baum in Nordamerika 
„Wild Black Cherry" oder „Kum Cherry"; die Rinde, besonders der 
Zweige und der Wurzel liefert Blausäure und wird medizinisch als 
stärkendes und beruhigendes Mittel gebraucht; die reifen* Früchte 
werden zur Würzung alkoholischer Getränke oder zur Bereitung von 
Kirschsyrup benutzt. Die Pharmacopoeen kennen die Rinde als 
„Cortex Pruni serotinae" oder „Cortex Pruni virginianae"; englisch: 
„Wild Black Cherry Bark" (nach Flückiger and Hanbury, Phar- 
macogr. [1874] 224; vergl. auch H. Kraemer, Textbook of Bot. and 
Pharmacogn. [1907] 287, 537 Fig. 235). In die Pharmocopoe der 
Vereinigten Staaten wurde sie 1820 eingeführt; sie ist auch in England 
offlcinell, doch wenig gebraucht. Die frisch vom Stamme geschnittene 
Rinde ist hell und hat einen strengen Bittermandelgeruch; man gibt sie 
meist als kalten Aufguß oder Syrup. Nach Th. Holm (Medicinal pl. of 
N. Amer., Merck's Rep. XVIII. [1909] 287—290, Bot. Centralbl. 
CXni. [1909] 558) wird die Wurzelrinde für besonders wirksam 
gehalten. Man gibt die Droge in solchen Krankheitsfällen, wo 
Schwäche des Magens oder des Systems mit allgemeiner oder ört- 
licher Reizung verbunden ist; sie wird viel gebraucht bei hektischem 
Fieber von Skrofulöse oder Auszehrung (nach Holm). 



*) Die Angabe über das Vorkommen in Südamerika bezieht sich offenbar 
auf die nach Koehne von serotina nicht scharf unterscheidbare, aber von ihm 
doch als eigene Art aufgeführte Pr. capuli Cav. (Südl. Vereinigte Staaten^ 
Mexiko bis Peru). Alkoholischer Auszug eines nur 4 — 5 mm dicken Herbar- 
stückchens von Pr. capuli var. salicifolia (Ecuador, Hall) zeigt nach Zusatz 
von Kalilauge blaue Fluorescenz in gelbbrauner Flüssigkeit. Vielleicht verhalten 
sich alle fünf Arten der Sektion Iteocerasus so wie serotina. 

^) Nach Graf von Schwerin (a. a. 0. 2) wird es als „amerikanisches Kirsch- 
holz" in Bautischlereien wegen seiner Struktur, Festigkeit und schönen hellrot- 
braunen Farbe sehr begehrt und in reichem Maße eingeführt. Das schöne rot- 
braune Holz im Innern der Wagen der „Großen Straßenbahn-Gesellschaft" ist 
nach Graf von Schwerin „Späte Traubenkirsche". 

10* 



148 H. Harms: 

Mit der chemischen Zusamraensetzimg der Rinde beschäftigen 
sich besonders zwei Arbeiten: Erstens Fred. B. Power and Henry 
Weimar, On tlie constituents of Wild Cherry Bark (Pninus serotina 
Ehrh.), in Pharmac. Rnndschan New York V. (1887) 203, und zweitens 
F. B. Power and Gh. W. Moore, The constituents of the bark of 
Prunus serotina, in Jonrn, Chemie. Soc. XCV. (1909) 24-3. In beiden 
Arbeiten wird der fluorescierende Stoff eingehend besprochen. Es 
handelt sich um sogenanntes Jj.-Methylaesculetin, ein in sehr geringer 
Menge vorhandenes Glykosid, das in farblosen und geruchlosen Nadeln 
von sehr bitterem Geschmack krystallisiert. Auf die umständliche 
Gewinnungsweise des Stoffes aus der Einde soll hier nicht ein- 
gegangen werden. In der erstgenannten Arbeit wird angegeben, 
daß R. Roth er (Amer. Joarn. Pharm. [1887] 286) ebenfalls auf 
den fluofescierenden Stoff" hingewiesen habe und ihn durch ein 
besonderes, sehr umständliches Verfahren gewonnen habe. Uebrigens 
zeigt sich auch in diesem Falle der schon früher von mir betonte 
Zusammenhang, der zwischen medizinischer Wirksamkeit und dem 
Gehalt an fluorescierenden Stoffen offenbar besteht. 

Näheres über die sonstige Zusammensetzung der „Wildkirschen- 
rinde"' vergleiche auch im Bericht von Schimmel & Co. (Leipzig- 
Miltitz), Oktober 1909, Seite 122; die Rinde enthält l.-Mandelnitril- 
glykosid im wasserlöslichen Teil des alkoholischen Auszugs; Blau- 
säuregehalt 0,075 Prozent. 

Ich wollte nun versuchen, ob nicht die fluorescierende Sub- 
stanz in einfacher Weise sichtbar gemacht werden kann, wie etwa 
bei der Rinde der Roßkastanie oder der Eschen^). Dies gelang ziem- 
lich leicht. Ich schnitt mir von einigen kleineren Bäumen von 
Prunus serotina aus dem Botanischen Garten Berlin-Dahlem im Laufe 
des Oktober 1917 etwas Rinde des Stammes ab, erhielt auch von 
Herrn Loesener in freundlicher Weise Proben von Bäumen seines 
Gartens und stellte zunächst Aufgüsse (mit Leitungswasser) her. 
Alle verhielten sich im wesentlichen gleichartig, doch zeigten sich 
individuelle Unterschiede, indem die Erscheinung bei einigen undeut- 
licher als bei anderen auftrat. Am besten bewährte sich die Rinde 
des Stammes eines ziemlich starken, breit ausladenden Baumes des 
Systems, der vier kräftige Stämme aus gemeinsamem Grunde ent- 
wickelt; an der Stelle, wo ich die saftreiche Rinde entnahm, hatte 
der Stamm etwa 30 cm Umfang. Viel schwächer als die Staram- 



^) Vergl. A. Lingelsheim, Die Fluorescenz wässeriger ßindenauszüge 
von Eschen in ihrer Beziehung zur Verwandtschaft der Arten (Berichte der 
Deutsch. Bot. Ges. XXXIV. [19161 665; Naturw. Wochenschr. XXXII. [1917] 576). 



lieber die Fluorescenz des Aufgusses der Rinde von Prunus serotina. 149 

rinde reagierte die Rinde dünner Aeste; ja hier wurde der Stoff 
meist erst nach Zusatz von Alkalien sichtbar. Wenn man zerkleinerte 
Eindenstücke in eine mit Leitungswasser gefüllte Glasröhre tut. so 
sieht man schon bald oder erst nach einigen Stunden einen bläulichen 
oder violettblauen Schimmer in der nach bitteren Mandeln riechenden 
Flüssigkeit, die allmählich eine gelbliche, später hellbraun-gelbliche 
Färbung annimmt. Die Erscheinung erinnert in der Färbung sehr 
an die bekannte Fluorescenz des Petroleums. Viel deutlicher noch 
tritt die bläuliche Fluorescenzfarbe nach dem Zusätze einiger Tropfen 
Kalilauge oder Ammoniak zutage; dann färbt sich der Auszug all- 
mählich tiefbraun bis rotbraun mit dunkelblauer bis violettblauer, "bis- 
weilen etwas ins Grünliche spielender Fluorescenz. Eine deutlichere 
Fluorescenz als der wässerige Auszug, in dem. bisweilen der Schimmer 
nur sehr schwach oder kaum wahrnehmbar sein kann, zeigt der 
alkoholische Auszug (mit etwa 50 Proz. Alkohol) ; hier ist der blaue 
Schein sogleich deutlich erkennbar; der Auszug wird später braungelb. 
Auch in diesem Falle wird die Deutlichkeit der Erscheinung durch 
den Zusatz einiger Tropfen Kalilauge erhöht. Offenbar, wie schon 
betont; verhalten sich die Bäume nicht ganz gleichartig und jüngere 
Aeste wirken schwächer als die Stämme. Es könnte wohl sein, daß 
der Stoff' mit höherem Alter der Einde zunimmt. Jedenfalls ist der 
fluorescierende Stoff in der Einde der Prunus-AYt nur in sehr 
geringer Menge vorhanden, da der Schimmer sehr viel schwächer ist 
als zum Beispiel der, den man in wässerigen Eindenauszügen der 
Eoßkastanie sieht. 

Durch das freundliche Entgegenkommen von Herrn Geheimrat 
Professor Dr. H. Thoms und die Yermittelung von Herrn 
Th. Sabalitschka, denen hier bestens gedankt sei, erhielt ich aus 
der Sammlung des Pharmac. Instituts eine Probe der tief zimmet- 
braunen Droge „Cortex Pruni virginianae". Wässeriger Auszug 
kleiner Stücke davon entwickelt Bittermandelgeruch und zeigt nach 
kurzer Frist blauviolette oder bläuliche Fluorescenz in der gelblichen 
Flüssigkeit. 

Den naheliegenden Versuch, auch bei der Einde anderer Prunus- 
Arten nach fluorescierenden Stoffen im wässerigen oder alkoholischen 
iluszug zu fahnden, hatte ich unternommen; doch konnte ich bisher 
bei den verwandten Arten P7\ virginiana L. und Pr. pacliis L. keine 
Fluorescenz feststellen. Es dürfte sich aber doch wohl lohnen, der 
Verbreitung solcher Stoffe bei der Gattung Prunus in günstigerer 
Jahreszeit noch weiter nachzugehen. Denn der anfangs gelbe, nach 
Zusatz einiger Tropfen Kalilauge oder Ammoniak gelbbraune oder 



150 H. Harms: Ueber die Fluorescenz des Aufgusses der Rinde usw. 

braune wässerige Auszug der Rinde des Stammes von Prunus 
spinosa L. zeigt eine allerdings sehr schwache dunkelblaue bis 
violettblaue Fluorescenz*). Das Vorhandensein eines fluorescieren- 
den Stoifes in der E,inde dieser Art, wenn auch nur in geringer 
Menge, kann nicht Wunder nehmen. Hat doch W. Seifert (Ueber 
die in einigen Früchten resp. deren Fruchtschalen neben der Wachs- 
substanz vorkommenden Körper; Landwirtschaftl. Versuchsstation. 
XLV. [1895] 28 — 35) nachgewiesen, daß die Früchte von Prunus 
spinosa L. (Schlehen) einen in Wasser und Alkohol löslichen Blau- 
schillerstoff enthalten, der möglicherweise mit dem Aesculin 
identisch ist. Er gewann aus 3 kg Früchten 4,1 gr. trockenen 
Chloroform extrakt auf eine Weise, die hier nicht näher beschrieben 
werden kann. Die alkoholische Lösung des aus den Früchten 
erhaltenen gelblichen Pulvers zeigte mit Kalilauge oder Ammoniak 
eine intensive blaue Fluorescenz, die bei sehr starker Verdünnung 
noch sehr deutlich wahrnehmbar ist (a. a. 0. S. 34). — Später scheint 
dieser fluorescierende Stoff nicht wieder untersucht worden zu sein; 
wenigstens führt Wehmer (a. a. 0. [19111 302) keine weiteren 
Arbeiten darüber an. 

Es sei hier noch erwähnt, daß nach H. Thoms und H. Michaelis 
(Die Linde als Fettlieferant, in Bericht. Deutsch. Pharmac. Ges. XXVI. 
Heft 4, S. 189) ein nach Vorbehandlung mit Aether hergestellter 
alkoholischer Auszug der Rindenspäne von Tüia ulniifoUa cordata 
eine bläuliche Fluorescenz zeigte, was vielleicht auf das Vorhanden- 
sein von Aesculin oder eines verwandten Stoffes hindeuten würde. 



^) Die Rinde dünner Aeste reagiert scliwächer oder garnicht. 



Ueber die Giftigkeit von Amanita pantherina 

(D.C.) Quel. 

Von 

R. Kolkwitz. 

1. Einleitung. 

Die vorliegende Arbeit bringt Mitteilungen über einen typischen 
Yergiftungsfall durch den Pantherpilz {Amanita loantherina). 

Die Giftigkeit dieses Pilzes ist besonders in neuerer Zeit 
gegenüber älteren Angaben vielfach bestritten worden. Es wird 
neuerdings betont, man müsse nur die Vorsicht anwenden, die Ober- 
haut, welche der Sitz des Giftes sei, vor dem Zubereiten abzuziehen. 
Mit dieser Einschränkung bezeichnet ihn z. B. Gramberg (1913) 
auf Grund besonderer Erfahrungen als „guten Speisepilz", während 
andere Autoren, wie gesagt, vor seinem Genuß warnen. 

P. Kummer (1871) z. B. gibt an, daß Amanita pantlierina 

„giftig" sei; 
J. Schroeter (1889) bezeichnet den Pilz als „sehr giftig", 
P. Hennings (1900) schreibt, daß er „für sehr giftig gilt", 
A. Kicken (1915) hält ihn für „giftig". 
Das Pilzmerkblatt des Kaiserl. Gesundheitsamtes (1913) 
rät vom Genuß des Pautherschwammes ab, da er „von 
den einen als giftig, von den andern als eßbar be- 
zeichnet wird." 
Eines der in dem Pilz vorhandenen Gifte, ein Muskarin, ist 
durch R. Boehm (1) besonders eingehend chemisch und durch Tier- 
versuche nachgewiesen worden. Außerdem findet sich beim Panther- 
pilz das weniger wirksame Cholin neben einem bisher kaum 
studierten dritten Giftstoif. 

In dem hier zu schildernden Vergiftungsfall war die Oberhaut 
sorgfältig abgezogen und somit der vermeintliche Sitz des gefähr- 
lichen Stoffes entfernt worden; aber trotzdem waren Vergiftungen 
eingetreten. Es muß hier also, wie weiter unten näher auseinander- 
gesetzt werden soll, wider Erwarten eine Form vorgelegen haben, 
deren Gift weniger lokalisiert war. 



152 E. Kolkwitz: 

2. Standort und Zubereitung im vorliegenden Fall. 

Die Erkrankung ereignete sich am 27. August 1917 in Zehlen- 
dorf bei Berlin in der Familie eines Architekten. 

Die Familie, welche auch in früheren Jahren gern Pilze ge- 
gessen hatte und sich für Pilzkunde schon seit längerer Zeit 
interessierte, sammelte die in Frage kommenden Pantherpilze auf 
einem unbebauten, sandigen, z. T. mit Kiefern und Laubbäumen 
bewachsenen Grundstück, welches dicht neben dem eigenen Hause 
lag. Die Pilze wuchsen dort in großen Mengen gruppenweise an 
trockenen Stellen. Sie konnten hier noch gut gedeihen, weil es im 
genannten Monat wiederholt ausgiebig geregnet hatte. Auf dem 
gleichen Grundstück wuchsen außerdem Ziegenlippe, Butterpilz, 
Krempling und Birkenröhrling. Die braune Form des Fliegenpilzes 
(Amcmita muscaria var. umhrina), die mit dem Pantherpilz Aehnlich- 
keit hat, wurde an genannter Stelle nicht beobachtet. 

Die eingesammelten Pilze habe ich nicht gesehen, doch wurden 
mir nachträglich Exemplare gezeigt, an denen ich feststellen konnte, 
daß es sich tatsächlich um den Pantherpilz handelte. Außer diesem 
wurden einige der oben genannten, als vollkommen unschädlich be- 
kannten Pilze zu dem Gericht verwendet. 

Das Einsammeln geschah am Sonntag, den 26. August 1917. 
Die Pilze, alles junge und tadellose Exemplare, wurden sofort ge- 
waschen und zurechtgemacht, wobei die Haut des Hutes abgezogen 
und der Stiel abgeschabt wurden ; die Lamellen blieben an den Hüten 
sitzen. Da die Pilze erst 2-1 Stunden später genossen werden sollten, 
so wurden sie, um Zersetzung zu vermeiden, abgekocht. Das hierbei 
benutzte Wasser kam am Mittag des nächsten Tages bei der weiteren 
Zubereitung zur Verwendung, wobei die Pilze unter Zusatz von 
Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Fett und etwas Mehl nochmals gekocht 
wurden. 

Das wohlschmeckende Gericht genossen vier Personen (Mann, 
Frau, 14jährige Tochter und Dienstmädchen), wobei auf jede Person 
etwa 4 — 5 Exemplare des Pilzes entfielen. 

« 

3. Auftreten und Verlauf der Erkrankung. 

Das Mittagsmahl wurde gegen IV2 Uhr eingenommen. Etwa 
V4— 1 Stunde nach dem Genuß der Pilze erkrankten alle vier Personen, 
aber verschieden stark. Mann und Frau empfanden zunächst Brennen 
im Schlund. Bald stellte sich bei allen, also auch bei Tochter und 
Dienstmädchen, Schwindel ein, bei der Frau außerdem starkes 
Flimmern vor den Augen und Unfähigkeit bequem zu lesen, woran 



Ueber die Giftigkeit von Amanita pantlieriDa. 153 

auch bald Mann und Tochter litten. Bei allen gesellten sich später 
dazu noch leichtes Muskelzucken, besonders in den Gliedmaßen, und 
Erregungszustände bezw. Niedergeschlagenheit. 

Um 3V2 Uhr bat die erkrankte Frau den benachbarten Arzt 
telefonisch um einen Besuch, wobei sie nach wenigen Worten sagte, 
sie fühle sich so matt, daß sie nicht weiter sprechen könne. Der 
Arzt war um 3^4 Uhr zur Stelle und stellte folgenden Befund') fest: 

Die Frau saß etwas apathisch da, gab aber auf die gestellten 
Fragen jede gewünschte und genaue Auskunft. 

Der Mann war bei vollem Bewußtsein. 

Die Tochter sprach etwas zögernd, hatte rote Augenlider und 
gab an, daß sie nach Einführen des Fingers in den Hals und Reizung 
des Schlundes mit einer Hühnerfeder reichlich erbrochen habe. 

Das Dienstmädchen machte noch einen ganz klaren Eindruck, 
klagte aber über Kopfschmerzen. Sie hatte ebenfalls erbrochen. 

Da bei der Frau eine Magenspülung sich als unmöglich erwies, 
weil die noch unverdauten Pilzstücke die Sonde verstopften, ver- 
ordnete der Arzt ihr und ihrem Manne Brechwein (vinum stibiatmn). 

Nach etwa IV2 Stunden suchte der Arzt, der inzwischen Sprech- 
stunde abhielt, die Familie von neuem auf. Das Bild hatte sich 
wesentlich geändert. 

Der Mann war in gedrückter Stimmung. 

Die Frau hatte sich gelegt und befand sich im Exzitations- 
stadium, redete viel, oft Unverständliches durcheinander. Sie warf 
sich im Bett hiu und her und bekam mehrmals einen Krampf anf all. 

Die Tochter geriet ebenfalls in ein Exzitationsstadium, das 
durch Rufen, Schreien und heftiges Weinen zum Ausdruck kam. 

Das Mädchen kam mit schlürfenden Schritten, war völlig 
interesselos und machte einen müden, fast benommenen Eindruck. 

Die Frau verlor bald den aufgeregten Zustand, wurde stumpf 
und müde und offenbar verwirrt. Die Dosis Brechwein war bei ihr 
sowohl wie beim Mann ohne rechten Erfolg gewesen. 

Frau und Mädchen, die am schwersten erkrankt waren, be- 
kamen nunmehr Apomorphin- Einspritzungen, nach denen sich in 
5 bis 10 Minuten bei beiden starkes Erbrechen einstellte. Die Zeit 
zwischen den einzelnen Brechakten verbrachten beide in vollständiger 
Benommenheit, zeitweise war die Frau auch besinnungslos und 
empfand nach Rückkehr der Besinnung für kürzere Zeit Ohrensausen. 

Durchfall stellte sich nicht ein. Die Herztätigkeit war günstig, 
aber etwas geschwächt; Cyanose war nur in geringem Grade auf- 
getreten. Lichtreaktion der Pupillen war vorhanden, aber ver- 
langsamt. 

Alle vier Personen wurden gegen 6V2 Uhr zur weiteren 
Beobachtung ins Krankenhaus gebracht, die Frau liegend in einem 
Krankenwagen, das Mädchen sitzend. Während des Transportes 
konnte die Frau schon wieder einzelne Fragen beantworten; das 



Nach freundlicher Mitteilung des behandelnden Arztes. 



154 R. Kolkwitz: 

Mädchen zeigte sich zwar noch stark benommen, vermochte aber 
ohne Unterstützung aufrecht zu gehen. Mann und Tochter benutzten 
die Vorortbahn, wobei sie von dem inzwischen hinzugekommenen 
Bruder des Mannes, der selbst Arzt ist, begleitet wurden. Der Zwang, 
kurze Strecken in der frischen Luft zu gehen, hatte augenscheinlich 
günstigen Einfluß auf das Befinden der Patienten, deren Zustand sich 
zusehends besserte. Die Tochter hatte sich inzwischen beruhigt; 
die Cyanose war schon jetzt fast ganz geschwunden. Beim Eintreffen 
im Krankenhaus zeigten beide nur noch geringe Benommenheit. Alle 
vier erhielten dort Abführmittel. Im übrigen war die Behandlung 
eine abwartende. Der Mann bekam am Abend etwas Appetit auf 
Kaffee. Am Morgen hatten alle vier Patienten wieder Nahrung zu 
sich genommen. 

Nach etwa 24 stündigem Aufenthalt im Krankenhaus waren alle 
wieder leidlich hergestellt. Der Mann verließ das Krankenhaus an 
diesem Tage, das Mädchen nach weiteren drei, Frau und Tochter 
nach vier Tagen (am 1. September). 

Geringe schädliche Nachwirkungen waren auch dann noch, und 
zwar einige Tage lang vorhanden, so beim Mann gelegentlich momen- 
tanes Versagen des Gedächtnisses, bei den Frauen unregelmäßige 
Herztätigkeit und vorübergehend wechselnde Bilder und Figuren vor 
den Augen. 

An dem Verlauf dieses Krankheitsfalles ist von Wichtigkeit, 
daß der Mann am wenigsten Krankheitssymptome zeigte, obwohl er 
nicht erbrochen hatte und deshalb die Pilze verdauen mußte. Er 
hatte von Natur einen guten Magen, doch war auch von den anderen 
Personen niemand magenkrank, höchstens die Frau etwas empfindlich. 

Faßt man die wesentlichen Kennzeichen dieser typischen Ver- 
giftung kurz zusammen, so ergeben sich folgende Merkmale: 

1. Brennen im Halse und Uebelkeit, 

2. Geistige Exzitations- und Depressionszustände, verbunden 
mit Benommenheit, die sich vorübergehend bis zur Be- 
wußtlosigkeit, in einem Falle bis zu Krämpfen steigerte, 

3. Muskelzuckungen, 

4. Verlangsamte Lichtreaktion der Pupillen. 

Man ersieht hieraus, daß es sich vorwiegend um ein Nerven- 
gift, nicht um einen das Blut oder den Darm schädigenden Stoif 
handelte. 

4. Erkrankungsfälle durch den Pantherpilz nach 
Literaturan gaben. 

Nach den Angaben von Inoko (1) ist der Pantherpilz in Japan 
besonders giftig und gefährlich. Erkrankungen nach seinem Genuß 
wurden sicher beobachtet. Hierbei machten sich ebenfalls Störungen 



lieber die Giftigkeit von Amanita pantherina. 155 

des Bewußtseins niid Erregmigs- sowie Depressionserscheinungen 
bemerkbar. Weitere sechs bezw. drei Fälle werden durch Ramella(l) 
und Giacosa (1) mitgeteilt. 

Tierversuche mit dem Pilz stellten Krombholz (1) und 
Boehm (1) an. Hierbei zeigte sich, daß der Pantherpilz in seiner 
Giftwirkung dem Fliegenpilz ähnlich war. In beiden sind mehrere 
Gifte gleichzeitig vorhanden, sodaß nicht reine Muskarinwirkung in 
Frage kommt. 

5. Ueber Schwankungen im Giftgehalt der Pilze. 

Der in der vorliegenden Arbeit mitgeteilte Erkrankungsfall 
zeigt, daß der Giftstoif des Pantherpilzes nicht immer bloß auf die 
Oberhaut beschränkt ist. Es ist möglich, daß sein Auftreten sich 
im wesentlichen auf den Hut beschränkt, da der vom Hut befreite 
Stiel in manchen Gegenden Deutschlands ohne Schaden genossen wird. 
Sichere Erfahrungen über die Lokalisierung liegen aber nicht vor. 

Vieles spricht dafür, daß der Giftgehalt des Pantherpilzes nach 
Wachstumsstadium, Standort, Witterung und Klima wechselt. So 
gibt Inoko (1) an, daß er in Japan weit giftiger sei als der dort 
ziemlich unschädliche Fliegenpilz. Nach Nencki ist im nordischen 
Fliegenpilz das Muskarin als solches nicht frei gebildet. 

In Deutschland scheint es Gegenden zu geben, in denen der 
Pantherpilz ungiftig ist, wodurch die neueren Angaben über seine 
Genießbarkeit bedingt sein werden. Vielleicht verhält er sich ver- 
schieden, je nachdem er auf Sandboden, auf Kalk, im Kiefern-, 
Tannen- oder Buchenwald, in der Ebene oder im Gebirge wächst. 
Näheren Aufschluß darüber könnte uns die chemische Untersuchung 
der in den verschiedensten Gegenden gesammelten Pilze im Verein 
mit einer sehr sorgfältigen Statistik geben. 

Daß wechselnde Bedingungen Verschiedenheiten im Giftgehalt 
der Fruchtkörper hervorrufen, ist nicht bloß für die Fliegenpilze, 
sondern auch für einige andere bekannt. So gilt nach Kobert 
Amanita mappa nur in manchen Jahren als giftig, nach Jeanmaire (1) 
Amanita jnnquülea nur im April und Mai, während er zu vorgerückter 
Jahreszeit ein guter Speisepilz ist. 

Schwankungen im Giftgehalt der Pilze je nach Klima und 
Standort erwähnt Feuilleaubois (1). 

6. Schlußbemerkungen. 
Die Gattung Amanita ist reich an giftigen Arten, enthält abej- 
auch zuverlässig eßbare Edelpilze, z. B. den in Wäldern Südeuropas 
(selten auch Süddeutschlands), Nordamerikas und des Himalajas vor- 



156 R. Kolkwitz: Ueber die Giftigkeit von Amanita pantherina. 

kommenden Kaiserling- (Amanita caesarea). Der in vorliegender 
Arbeit behandelte Pantherpilz wechselt offenbar in seinem Giftgehalt 
und kann deshalb selbst unter Vorbehalten nicht zu den einwand- 
freien Speisepilzen gerechnet werden. Es ist deshalb vor seinem 
Genuß zu warnen. 

Ein zwingendes Bedürfnis, ihn zu essen, liegt auch in der 
jetzigen Kriegszeit nicht vor. Nur wer ihn in seiner Gegend genau 
als einwandfrei kennt, wird daran denken können, ihn als Speisepilz 
weiter zu verwenden. 

Literatur. 

Boehm, E. (1), Beiträge zur Kenntnis der Hutpilze in chemischer 
und toxikologischer Beziehung. — ilrch. f. exp. Pathologie und 
Pharmakologie. 1885, Bd. 19, S. 60—100. 

Dit trieb, G., Ermittehmgen über die Pilzvergiftungen des 
Jahres 1916. — Ber. d. Deutsch. Bot. Ges. 1916, Bd. 34, S. 719. 

Feuilleaubois (1), Revue mycologique, 1894, Bd. 16, S. 97. 

Giacosa (1), Rivista di Chim. med. e farm., 1883, S. 136 u. 389. 

Jeanmaire, M. J. (1), De la nocivite temporaire de 1' Amanita 
junquillea. — Bull. Soc. mycol. France. 1908. Bd. 24, S. 178—180. 

Inoko, Y. (1), Ueber die giftigen Bestandteile und Wirkungen 
des japanischen Pantherschwammes (Amanita pantherina). — Mitt. 
a. d. med. Fak. d. Kais. Japan. Univ. Tokio, 1890, Bd. 1, S. 313. — 
Vergl. auch Cbl. f. klin. Medizin. Leipzig, 1892, Bd. 13, S. 463. 

Kobert, R., Lehrbuch der Intoxikationen. 2. Aufl. Stuttgart. 
Bd. 1 1902, Bd. 2 1906. 

König, J., Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genuß- 
mittel. 4. Aufl. 1903—1914. 

Krombholz, J. (L), Naturgetreue Abbildungen und Beschrei- 
bungen der eßbaren, schädlichen und verdächtigen Schwämme. — Prag, 
1831—1847. Mit 78 Tafeln. 

Ramella, Biagio (1), Annal, de Therap. med. et chir. Juni 1844. 
— Referat in Canstatt's Jahresb. 1844, Bd. 5, S. 243. 



Bericht 

über die 

104. (48. Herbst-) Haupt-Versammlung 

des 

Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg 

im Restaurant „Zum Heidelberger" in Berlin, Dorotheenstr. 16, 
am Sonnabend, den 20. Oktober 1917. 

Die Versammlung wurde um 6 Uhr durch den ersten Vor- 
sitzenden, Herrn E. Jahn, eröffnet. Nach Verkündung von zwei 
neuen Mitgliedern verlas der erste Schriftführer das Glückwunsch- 
schreiben des Vorstandes an Herrn L. Wittmack zum 50jährigen 
Doktorjubiläum; der anwesende Jubilar sprach seinen herzlichen 
Dank aus. 

Der Vorsitzende berichtete kurz über den unter seiner Leitung 
am Sonntag, den 14. Oktober, unternommenen Mykologischen Ausflug 
nach Chorinchen; es waren nur fünf Teilnehmer eingetroffen, unter 
ihnen Herr Klitzing aus Ludwigslust. Trotz der ungünstigen 
Jahreszeit wurden doch manche bemerkenswerten Beobachtungen 
gemacht, und Herr Jahn beabsichtigt die Fortsetzung solcher Aus- 
flüge zur Belebung des Interesses an unserer heimischen Pilzflora. 
— Unser zweiter Vorsitzender, Herr Claussen, hatte Grüße gesandt 
und über einen Ausflug nach Grodno, Wilna und Brest-Litowsk an 
Herrn Jahn berichtet. 

Herr Dr. Graf von Schwerin dankte in herzlichen Worten für 
die Begrüßung der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft durch 
unsern Vorsitzenden anläßlich des 25jährigen Stiftungsfestes der 
Gesellschaft im August und würdigte die Hilfe, die verschiedene 
Mitglieder unseres Vereins bei den Führungen und Ausflügen geleistet 
hatten, sowie auch die freundliche Aufnahme, die die Mitglieder der 
Gesellschaft in den Räumen des Botanischen Museums sowie im 



158 Bericht über die (Herbst-) Haupt-Versammlung zu Berlin. 

Botanischen Garten durch unser Mitglied, Herrn L. Di eis, Unter- 
direktor des Botanischen Gartens und Museums, bei dieser Gelegen- 
heit gefunden hatten. 

Darauf verlas der erste Schriftführer, Herr H. Harms, den 

folgenden Jahresbericht: 

Die Zahl der ordentlichen Mitglieder belief sich am 1. Oktober 
1916 auf 256, am 1. Oktober 1917 auf 252. Es traten im ver- 
gangenen Vereinsjahre 10 ordentliche Mitglieder dem Vereine bei, 
6 schieden aus. Durch den Tod verloren wir die ordentlichen Mit- 
glieder Fräulein Gertrud Bar tu seh (München), Frau Professor 
Dr. Hoeck (Husum), Professor Dr. Otto Müller (Charlotteuburg), 
Geh. Justizrat E. Uhles (Berlin), Professor Dr. G. Volkens (Berlin), 
Zollinspektor A. Lüderwaldt (Stettin), Lehrer H. Schütz (Lenzen 
a. d. Elbe), Lehrer Otto Willmann (Berlin-Schöneberg). 

Unser langjähriges treues Mitglied, Herr J. Winkelmann in 
Stettin, der am 4. August 1916 sein 50jähriges Doktorjubiläum 
gefeiert hatte, wurde in der Herbstversammlung vom 21. Oktober 1916 
zum Ehrenmitglied erwählt. 

Er sandte folgendes Antwortschreiben: 

Stettin, 19. November 1916. 
Wenn ich noch jetzt meinen tiefgefühlten Dank ausspreche 
für die große Auszeichnung, die mir der Verein erwiesen 
hat, so bitte ich um Entschuldigung, da ich einige Zeit 
erkrankt war. Ich weiß aber wirklich nicht, wodurch ich 
die Ehrung verdient habe. Mein entfernter Wohnort hat 
mich verhindert, für meine Heimatprovinz arbeiten zu können, 
aber immerhin habe ich für meine Vaterstadt eine große 
Anhänglichkeit bewahrt und, soweit es die Verhältnisse ge- 
statteten, mit großer Freude an den Versammlungen teil- 
genommen. — Noch unvergeßlich ist mir der Ausüug im 
Frühjahr durch die schönen Wälder und der langentbehrte 
Gedankenaustausch mit Fachgenossen, den ich hier so sehr 
vermisse. — Solange es meine Kräfte gestatten, werde ich 
auch fernerhin ein treuer Anhänger des Vereins bleiben. 
Diesem meinen herzlichsten Gruß und nochmals innigsten 
Dank. Hochachtungsvoll ergebenst 

J. Winkelmann. 

Am 29. Dezember 1916 feierte unser Ehrenmitglied, Herr 
G. Schweinfurth, seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlasse 



Bericht über die (Herbst-) Haupt-Versammlung zu Berlin. 159 

sandte ihm der Verein das folgende Glückwunschschreiben, das noch 
von unserem bald darauf verstorbenen Mitgliede G. Volkens ver- 
faßt wurde: 

Hochgeehrter Herr Professor! 
Unter den Glückwünschenden, die sich Ihnen am Tage 
der 80, Wiederkehr Ihres Geburtstages nähern, darf der 
Botanische Verein der Provinz Brandenburg nicht fehlen. 
Er ist stolz darauf, Sie seit einem Menschenalter zu seinen 
Ehrenmitgliedern zu zählen, und rühmt sich, feststellen zu 
können, daß die ersten wissenschaftlichen Arbeiten, mit 
denen Sie an die Oeffentlichkeit traten, in seinen Ver- 
handlungen zum Abdruck gelangten. Alexander Braun, 
Ihr Lehrer, und Paul Ascherson, Ihr Jugendfreund, hatten 
den Verein eben aus der Wiege gehoben, als Sie ihm bei- 
traten. Von beiden angeregt, unternahmen Sie es, die Um- 
gebung Straußbergs floristisch zu erforschen und die Ergeb- 
nisse Ihrer Untersuchungen für eine Vegetationsskizze zu 
verwerten, die eine noch heute giltige Formationsschilderung 
des Gebietes bringt. Ein kleines märkisches Landstädtchen 
war es demnach, das man als Ausgangspunkt eines Forscher- 
triebes betrachten darf, der Sie wenige Jahre später nach 
Afrika und schließlich bis ins Herz des schwarzen Erdteils 
führte. Geographen und Ethnographen, Geologen, Anthro- 
pologen und i^rchäologen beanspruchen Sie für sich. Alle 
können auf die wertvollsten Arbeiten hinweisen, durch die 
Sie ihre besonderen Wissenszweige förderten, alle stimmen 
darin überein, in Ihnen den unübertroffenen und schwerlich 
in gleich vielseitiger Vollkommenheit je wiederkehrenden 
Meister der Afrikaforschung zu sehen. Der Botanische Ver- 
ein schließt sich an, aber er erblickt in Ihnen doch in erster 
Linie den Pflanzenkenner, den Pflanzenfreund, den unermüd- 
lichen Mehrer unserer Kenntnisse der Flora Afrikas in 
heutiger wie längst entschwundener Zeit. Der Verein war 
Beobachter Ihrer Lebensarbeit fast sechs Jahrzehnte hin- 
durch. Er sah, wie Sie nach den mannigfachsten und frucht- 
barsten Abschweifungen sich doch immer wieder Ihrer ersten 
Liebe, der Botanik, zuwandten. Darum stehen Sie ihm 
besonders nahe nnd auch darum, daß Sie seinen Bestrebungen 
von Anfang an das lebhafteste Interesse entgegenbrachten 
und nie aufgehört haben, es zu betätigen. Durch den Mund 
Ihres Freundes Ascherson oai)en Sie ihm Kunde von Ihren 



160 Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. ■ 

Arbeiten und Ihren Erfolgen, auch wenn Sie in den fernsten 
Zonen weilten. Für alles das danken wir Ihnen heute und 
verbinden damit den Wunsch, daß Sie uns noch lange 
erhalten bleiben und sich der Segnungen ei-freuen mögen, 
die ein ehrenvoller Friede für Deutschland und Ihr Heimats- 
land hoffentlich in sich schließen wird. 

Der Vorstand 
des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg. 

Herr G, Schweinfurth schickte darauffolgendes, an den ersten 

Schriftführer gerichtetes Antwortschreiben, das in der Sitzung am 

19. Januar verlesen wurde: 

Partenkirchen, 2. Januar 1917. 

Hochgeehrter Herr Professor! 

Die überaus freundliche Zuschrift, die Sie mit Professor 
Jahn im Namen des Botanischen Vereins für die Provinz 
Brandenburg in Veranlassung meines 80. Geburtstages mir 
zugehen ließen, sowie die ehrenvollen Glückwünsche und 
wohlmeinenden Rückblicke auf mein Leben, haben mir große 
Freude bereitet und ich sage Ihnen allen dafür tiefempfundenen 
Dank. Stolz äi\t den Titel eines Ehrenmitgliedes und stolz, 
dem Verein meine erste botanische Arbeit geliefert zu haben, 
wünsche ich dessen Gedeihen für alle Zeiten zum Ruhm der 
deutschen Wissenschaft, 

Das dankbare Ehrenmitglied 
Georg Schweinfurth. 

Unser Ehrenmitglied, der angesehene Moosforscher Fr. Stephan! 

in Leipzig, feierte am 15. April 1917 seinen 75. Geburtstag; aus 

diesem Anlasse sandte ihm der Vorsitzende ein Glückwunschschreiben. 

Am 10. Oktober 1917 beging unser Ehrenmitglied, Herr 

L. Wittmack, die Feier des 50jährigen Doktorjubiläums. Der 

Verein sandte ihm folgendes Glückwunschschreiben: 

Hochgeehrter Herr Geheirarat! 

Bei der Feier des 50jährigen Doktorjubiläuras, die Sie 

am 10. Oktober d. J. begehen, darf der Botanische Verein 

der Provinz Brandenburg nicht unter denen fehlen, die Ihnen, 

unserem hochgeschätzten Ehrenmitgliede, aus diesem Anlasse 

herzliche Glückwünsche darbringen. Gehören Sie doch zu 

unseren ältesten Mitgliedern; denn schon während Ihrer 

Studienzeit in Berlin, in der zweiten Hälfte der 60er Jahre 

des vorigen Jahrhunderts, traten Sie unserem Verein bei. 



Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. 161 

sodaß wir Sie mehr als 50 Jahre zu den Unseren zählen 
können. Viele Jahre hindurch gehörten Sie dem Vorstande 
an,, teils als Vorsitzender, teils als Schriftführer; später sind 
Sie lange Zeit Mitglied des Ausschusses gewesen und haben 
in allen diesen Stellungen an der Entwickelung unseres 
Vereins tätigen Anteil genommen und ihm mit Ihrer unermüd- 
lichen Arbeitslust und Ihren Erfahrungen gedient. Zahl- 
reiche Arbeiten aus den verschiedenen Fächern Ihres um- 
fassenden Arbeitsgebietes zieren unsere Verhandlungen, 
besonders in der Zeit vor der Gründung der Deutschen 
Botanischen G-esellschaft. Sie geben Zeugnis von der 
Mannigfaltigkeit Ihrer Interessen und Ihrer Betätigung, denn 
sie behandeln die verschiedensten Themata aus der Morpho- 
logie, Systematik, Floristik und Teratologie; ganz besonders 
aber beschäftigen sie sich mit Nutz- und Zierpflanzen, einem 
Gebiete, auf dem Sie als erste Autorität gelten. Oftmals 
streifen Sie dabei die Kulturgeschichte, mit der Sie sich wie 
Ascherson wiederholt beschäftigt haben. Unsere Sitzungen 
haben Sie stets mit großer Eegelmäßigkeit besucht und wir 
danken Ihnen für Ihre Vorträge und die Fülle von An- 
regungen, die Sie im Laufe so mancher Erörterung aus dem 
reichen Schatze Ihrer Kenntnisse gespendet haben. Mit 
unserem Paul Ascherson verband Sie langjährige Freund- 
schaft, der Sie durch das Lebensbild, das Sie von ihm ent- 
worfen haben, in so schöner Weise Ausdruck verliehen 
haben. Unvergessen bleiben auch Ihre so oft betätigten 
persönlichen Bemühungen um eine würdige Ehrung der Ver- 
dienste älterer Fachgenossen; bei diesen Gelegenheiten trat 
das herzliche Wohlwollen zutage, das Sie aUen Ihren Kollegen 
zeigen. — Möge es Ihnen vergönnt sein, sich in körperlicher 
und geistiger Rüstigkeit noch viele Jahre Ihren wissenschaft- 
lichen Forschungen zu widmen! Mögen Sie uns in unseren 
Versammlungen noch oft Gelegenheit bieten, aus dem Borne 
Ihrer Erfahrungen zu schöpfen! 

Der Vorstand 
des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg. 

Herr L. Wittmack schickte darauf am IB. Oktober folgende 
Antwort an den Vorstand: 

Ihre so herzlichen Glückwünsche zu meinem goldenen 
Doktorjubiläum am 10. Oktober haben mich ganz außer- 

Verhandl. des Bot. Vereins f. Brandenb. LIX. ;[J^ 



16^ Bericht über die (Herbst-) Haupt-Versammlung zu Berlin. 

ordentlich erfreut, und erlaube ich mir, Ihnen dafür meinen tief- 
gefühltesten Dank auszusprechen. Ja, es sind schon 52 Jahre, 
daß ich Ihrem Verein angehöre, und ich habe ihm immer 
mit Vergnügen angehört. Hat er mir doch immer so viel 
Anregung und Belehrung geboten, auch mir Gelegenheit 
gegeben, mit so manchem der Mitglieder ein Freundschafts- 
band zu knüpfen. Seitdem mir aber die hohe Auszeichnung 
eines Ehrenmitgliedes zuteil geworden ist, fühle ich mich 
doppelt dem Verein verpflichtet und wünsche ihm von ganzem 
Herzen eine segensreiche Tätigkeit. 

In vorzüglicher Hochachtung 

Ihr ganz ergebenster 

L. Wittmack. 

Herr Dr. Hans Foerster, Direktor einer chemischen Fabrik 
in Barmen, Verfasser der Abhandlung „Die Hülse, ein Naturdenkmal", 
Vorsitzender des Bergischen Komitees für Naturdenkmalpflege, wurde 
wegen seiner Verdienste um die Naturdenkmalpflege und die Er- 
forschung der Pflanzenwelt des Bergischen Landes zum korrespon- 
dierenden Mitgliede gewählt. 

Unser zweiter Vorsitzender, Herr P. Claussen, war während 
des ganzen Jahres im Heeresdienste in Mitau tätig. Unser 
Bibliothekar, Herr F. Tessendorff, wurde im April zum Heeres- 
dienste einberufen; er steht z. Z, in einem Landsturm-Fuß- 
Artillerie -Bataillon an der Ostfront. — Zu dem in Verh. LVII. 
1915, S. 224, gegebenen Verzeichnis der zum Heeresdienste einge- 
zogenen Mitglieder sind noch die Herren R. Goerz und G. Kroll 
nachzutragen. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse haben die Herren 
W. Ruhland und R. Schlechter erhalten. Weitere Nachrichten 
über im Felde stehende Mitglieder nehmen wir mit Dank entgegen. 

Im vorigen Jahresbericht (S. 215) war erwähnt worden, daß 
Herr Zschacke, der zusammen mit Herrn F. Hermann und Herrn 
Oberpfarrer Dr. G. Kükenthal s. Z. auf Korsika festgehalten wurde, 
zur Wiederherstellung seiner Gesundheit nach der Schweiz beurlaubt 
worden war; er ist nach einer Mitteilung an Herrn Lindau seit 
Anfang Juni d. J. wieder in Bernburg und also der Heimat wieder- 
gewonnen. Anfang Oktober sandte uns unser korrespondierendes 
Mitglied, Dr. John Briquet in Genf, der in dankenswertester Weise 
seit 1914 den Briefwechsel zwischen Oberpfarrer Kükenthal und 
seiner Familie vermittelte, die Nachricht, daß Herr Kükenthal nun- 
mehr als Zivilinternierter nach der Schweiz kommen würde, wie ihm 



Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung' zu Berlin. 163 

(Briqiiet) der Präfekt von Korsika kürzlicti mitgeteilt Imhß. Nach 
einem Briefe vom Anfang November an den Unterzeichneten aus 
Heiden (Appenzell) ist Herr K. dort in guter Gesundheit angelangt; 
trotz erschwerter Umstände, aber dank mancher ihm vom Präfekten 
der Insel für seine Forschungen gewährten Erleichterung, ist es 
ihm gelungen, eine Pfianzensammlung von fast 2000 Nummern während 
der Gefangenschaft zusammenzubringen. AVir sprechen unsere be- 
sondere Freude darüber aus, daß beide Herren nicht mehr in Korsika 
festgehalten werden, nachdem sie so lange Zeit, ein Opfer ihres 
Forschungstriebes, in Gefangenschaft bleiben mußten. Herr F. Her- 
mann befindet sich z. Zt. noch in Korsika. 

Am 1. und 2. Dezember 1916 fand die Tagung der 8. Konferenz für 
Naturdenkmalpilege in Preußen statt; als Vertreter unseres Vereins 
nahmen daran die Herren H. Harms, Th. Loesener und F. Tessen- 
dorff teil. Von unseren Mitgliedern waren bei der Tagung außerdem 
die Herren Th. Ahrens, P. Graebner, E,. Kolkwitz, G. Lindau, 
F. Moewes und E. Ulbrich zugegen. Ferner außer dem Leiter der 
Ivonferenz, unserem Ehrenmitgliede Herrn H. Conwentz, noch 
unsere Ehrenmitglieder A. Engler und J. Winkelmann. Zu der 
Frage der Schaffung von Moorschutzgebieten, die von der Staatlichen 
Stelle für Naturdenkmalpflege angeregt worden war, nahm auch 
unser Verein Stellung. Unser Mitglied Herr E. Ulbrich wurde 
von der Staatlichen Stelle mit einer näheren Untersuchung von drei 
Moorschutzgebieten im ßegierungsbezirk Potsdam betraut (vergl. 
Beiträge zur Naturdenkmalpflege VI, Heft 1 [1917]. 23, 24). Ferner 
hatte unser Verein bestimmte Vorschläge nach dieser Kichtung durch 
die Herren Diels, Jahn, Kolkwitz, Tessendorff und Ulbrich 
unterbreitet. Ueber eine Besichtigung des Pechsees im Grunewald 
vergl. a. a. 0. 24; ein Gutachten über dieses Gebiet haben die 
Herren L. Diels und E. Ulbrich verfaßt. — Herr E. Ulbrich 
sprach sich auf der Konferenz in einem Vortrage für Erhaltung ge- 
wisser „pontischer Hügel" als Naturdenkmäler aus, für die in dieser 
Hinsicht in der Provinz Brandenburg leider noch nichts geschehen 
sei, trotzdem es gerade wichtig wäre, diese für die Wissenschaft 
wie für den naturkundlichen Unterricht so bedeutungsvolle Pflanzen- 
genossenschaft bei uns zu schützen. Er schilderte des näheren die 
Vegetation des Pimpinellenberges bei Oderberg (vergl. a. a. 0. 110). 

Die Deutsche Dendrologische Gesellschaft, deren Präsident, 
Herr Dr. Fritz Graf von Schwerin, unser Mitglied ist, feierte 
in diesem -Jahre ihr 25jähriges Bestehen und hielt bei dieser Ge- 
ll* 



164: Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. 

legenheit am Mittwoch, den 29. August, im Hörsaal des Botanischen 
Museums in Dahlem, eine Festsitzung ab. Unser erster Vorsitzender, 
Herr E. Jahn, überbrachte die Glückwünsche unseres Vereins, 
indem er zugleich auf die mannigfaltigen wissenschaftlichen und 
persönlichen Beziehungen zwischen der Deutschen Dendrologischen 
Gesellschaft und unserem Verein hinwies. 

AVie im vergangenen Jahre, so haben wir auch in diesem von 
einer Frühjahrsversammlung absehen müssen. An deren Stelle wurde 
am 3. Juni ein Ausflug nach Paulinenaue unternommen (Vergl. 
Bericht S. 112). — Auf Anregung unseres Vorsitzenden, Herrn Jahn, 
und unter seiner Leitung wurde am 14. Oktober eine mykologische 
Exkursion nach Chorinchen veranstaltet, an der eine Anzahl Mit- 
glieder des Vereins teilnahmen; bei günstigem Wetter nahm sie 
erfolgreichen Verlauf. 

Auch in diesem Jahre wurde uns wieder vom Provinzial- 
Ausschuß eine Unterstützung gewährt. 

Die wissenschaftlichen Monatssitzungen wurden im Winter (vom 
November bis März) im Restaurant ..Zum Heidelberger" in Berlin, 
im Frühjahr und Sommer dagegen (vom April bis September) im 
Botanischen Museum in Berlin -Dahlem abgehalten; trotz der Ungunst 
der Zeitverhältuisse waren sie meist gut besucht und nahmen einen 
anregenden Verlauf. 

Die schon im vorigen Bericht betonten Schwierigkeiten bei der 
Drucklegung unserer Verhandlungen bestehen jetzt im verschärften 
Maße weiter. Die Herausgabe des Jahrganges 1916 (Bd. LVm) 
verzögerte sich bis zum 1. Mai 1917. Es lagen damals bereits seit 
längerer Zeit eine Anzahl Manuskripte zum Drucke bereit, die aber 
erst nach Fertigstellung des vorigen Jahrganges an die Druckerei ge- 
liefert werden konnten; so w^aren war wiederholt genötigt, die Ver- 
fasser, die begreiflicherweise ihre Arbeiten in absehbarer Zeit gedruckt 
sehen wollen, um Geduld zu bitten im Hinblick auf die Schwierig- 
keiten, unter denen jetzt der Di'uck aller wissenschaftlichen Ver- 
öffentlichungen zu leiden hat. Unsere Druckerei konnte den Druck 
des neuen Jahrganges 1917 erst beginnen, als wir ihr 50% Auf- 
schlag zu den Druckkosten bewilligt hatten; seitdem sind erst sieben 
Bogen gesetzt worden. Wir hoffen Ende dieses oder x4,nfaug des 
nächsten Jahres den Band fertigstellen zu können, sehen uns aber 
genötigt, in Anbetracht der so starken, leider unvermeidlichen Er- 
höhung der Kosten, den Umfang des Bandes wesentlich einzuschränken, 
um unsere Finanzen nicht zu ungünstig zu gestalten. So müssen 



Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. 165 

wir diesmal von einer Mitgliederliste leider absehen. Unsere Mit- 
glieder werden, so hoffen wir, Nachsicht üben; sie mögen überzeugt 
sein, daß die Schriftleitung nichts unversucht läßt; um trotz des 
Leutemangels der Druckerei und der erheblichen Steigerung der 
Druckkosten unsere Verhandlungen auf annähernd gleicher Höhe zu 
halten wie in Friedeuszeiten. 

Herr 1\ Tesseudorff war zum Heeresdienst einberufen und 
konnte daher keinen Bericht über den Stand der Bibliothek ein- 
liefern. Es sei jedoch hervorgehoben, daß unsere Bücherei auch in 
diesem Jahre einen bedeutenden Zuwachs durch w^ertvolle Schenkungen 
erfahren hat. Von den Geschenkgebern seien genannt die Herren 
Victor Hoffmann (mehrere Abhandlungen aus der Bibliothek 
seines Vaters), E. Jahn, G. von Lagerheim, Th. Loesener, 
von zur Mühlen, C. F. 0. Nordstedt, E. Pilger, E. Rubel, 
J. Winkelmann (eine größere Anzahl floristischer Abhandlungen, 
besonders aus oft schwer erhältlichen Schulprogrammen), G. Volkens 
(aus dem Nachlasse). Allen sei hiermit aufrichtigster Dank gesagt! 

Herr J. Gerber berichtete sodann über den Rechnungsabschluß 
für das Jahr 1916, wobei er auf die immer größer werdenden Aus- 
fälle an Mitgliederbeiträgen und vor allem auf die außerordentliche 
Steigerung der Kosten für unsere Verhandlungen hinwies, woraus 
sich notwendig eine erhebliche Verschlechterung unseres Kassen- 
bestandes ergibt. Daher ergibt der Abschluß einen verhältnismäßig 
hohen Verlust, den wir durch Einschränken unserer Veröffentlichungen 
nach Möglichkeit zu vermindern suchen müssen. 

A. Einnahmen: 

1. Ueberschuß aus dem Jahre 1915 ....... M. 401,55 

2. Beiträge der ordentlichen Mitglieder, einschließlich 

des Beitrages des Herrn Geh. Kommerzienrats 

Arnhold in Höhe von 20 Mark „ 1340,— 

3. Zinsen der Wertpapiere und der Guthaben bei der 

Dresdner Bank und der Teltower Kreissparkasse ,, 454,95 

4. Erlös aus verkauften Vereinsverhandlungen und 

Büchereiverzeichnissen . . . : ,, 30, — 

5. Beihilfe des Provinzial-Ausschusses der Provinz 

Brandenburg ■ . . ., 500,— 

M. 2726,50 



166 Bericht über die (Herbst-) Haupt-Versammlung zu Berlin, 

B. Ausgaben: 

1. Ueberweisung an den Reservefonds M. 600, — 

2. Drucksachen : 

a) Verschiedene Drucksachen . . M. 35,70 

b) Verhandlungen „ 2321,30 „ 2357 — 

3. Kunstbeilagen für die Verhandlungen „ 36, — 

4. Verwaltungskosten : 

a) Hilfeleistung, Bedienung usw. . M. 193,10 

b) Porto „ 153.20 „ 346,30 

M. 3339,30 
Gesamtausgabe . . . M. 3339,30 
Gesamteinnahme . . „ 2726,50 
also Verlust M. 612,80 

Herr E. Ulbrich verlas den Bericht über die Kevision der 
Kasse, die er gemeinsam mit Herrn L. Diels vorgenommen hatte. 
Die beantragte Entlastung des Kassenführers wurde von der Ver- 
sammlung erteilt. Der Vorsitzende stattete dem Herrn Kassenführer 
den Dank des Vereins für die sorgfältige und umsichtige Führung 
der Kassengeschäfte ab. 

Die neuen Wahlen ergaben folgende Zusammensetzung des 
Vorstandes für 1917/18: 

A. Weisse, Vorsitzender, 

P. Claus sen, erster Stellvertreter. 

E. Jahn, zweiter Stellvertreter. 
H. Harms, Schriftführer. 

Th. Loesener, erster Stellvertreter. 

F. Tessendorff, zweiter Stellvertreter und Bücherwart, 
J. Gerber, Kasseuführer. 

In den Ausschuß wurden gewählt: 

L. Diels, K. Osterwald, E. Pritzel, 

G. Lindau, R. Pilger, E. Ulbrich. 

Die Redaktionskommission umfaßt außer den Schriftführern die 

Herren: 

I. Urban, 0. E. Schulz, R. Kolkwitz. 

Die Kryptogamenkommission : 

R. Kolkwitz, G. Hieronymus, A. Moeller, 

R. Pilger, P. Claussen, E. Jahn, 

K. Warnstorf. 



Bericht über die (Herbst-) Haupt-Versammlung zu Berlin. 167 

Die Bestimmungskommission : 

F. Tessendorff, K. Osterwald, P. Kuckuck, 

P. Claussen, E. Ulbrich, L. Loeske, 

R. Schulz, J. Hillmaun, G. Brause, 

R. Kolkwitz, W. Kirschsteiii, E. Jahn, 

H. Harms. 

Ein vou zahlreichen Mitgliedern unterzeichneter Antrag, unsere 
langjährigen ordentlichen Mitglieder, die Herren E. Koehne und 
I. Urban, die sich beide in vielseitigster Weise um die Entwickelung 
und das Gedeihen des Vereins verdient gemacht haben, aus x4.nlaiS 
des 70. Geburtstages, den sie beide im nächsten Jahre begehen, zu 
Ehrenmitgliedern zu erwählen, wurde einstimmig angenommen. 

Herr J. Wiukelmann, unser Ehrenmitglied, der aus Stettin ge- 
kommen war, dankte noch einmal persönlich für die Ernennung zum 
Ehrenmitgliede und hob hervor, welche große Freude ihm dadurch 
gemacht worden sei; mit kurzer Unterbrechung habe er 44 Jahre dem 
Verein angehört, an dessen Versammlungen und Ausflügen er stets 
sehr gern teilgenommen habe. 

Herr Wiukelmaiin (Stettin) legte dann einige Sachen vor, die 
er dem Botanischen Museum überwies. 1. Querschnitte von Oleclü- 
schia triaccmihos. Der Baum stand am Rande des Festun gsglacis, die 
Außenseite frei, nach Süden gerichtet, die andere nach innen dem 
Schatten anderer Bäume zugekehrt. Der größere Schnitt von etwa 
30—32 cm Durchm. zeigt zwei Punkte mit Jahresringen, die aber 
bald von gemeinsamen umschlossen werden, woraus ersehen werden 
konnte, daß der Baum aus der Verwachsung zweier junger Bäume 
entstanden war. Außerdem wechselten dickere und dünnere Jahres- 
ringe ab, als ob ein stärkeres und schwächeres Wachstum statt- 
gefunden hätte. Bei dem zweiten Schnitt von 20 cm Durchm. aus 
größerer Höhe desBaumes lag die Markröhre exzentrisch und die Jahres- 
ringe lagerten daher an einer Seite enger als an der andern, welche 
nach der offenen Südseite also stärker belichtet v\^ar. — 2. Ein Feuer- 
schwamm Fomes (Polyporus) fomentarius. Im Jahre 1866 an einer 
Kiefer auf Rügen gefunden, 37 cm lang und 20 cm breit. Herr Roman 
Schulz erklärte ihn für die var. j9mzcoZa. Der Vortragende versprach 
dem Museum noch zu übersenden: einen jungen Buchenstamm mit 
Henkelbildungen, die jedenfalls durch „Försterspiele" erzeugt waren, 
und einen jungen Birkenstamm aus dem Moore bei Liebeseele (Insel 
Wollin), gefunden im Jahre 1887, um den eine Lonicera sich gerankt 



168 Bericht über die (Herbst-) Haupt-Versammlung zu Berlin. 

hatte. Uer Stamm wurde dadurch so eiugeschuürt, daß der rück- 
kehrende Saftstrom über der Ranke das neue Holz erzeugen konnte, 
das nun eine Spirale um den Stamm bildete. — „Im August war ich 
in dem Moränengelände südlich von Pollnow und es gelang mir einige 
guterhaltene Gletschertäler mit Moränenresten, einige große Steine 
und kleine Hochmoore zusichern. Dabei begleitete mich Herr Kohl- 
hoff aus S3^dew. AVir fanden im Papenziener See 50 cm unter Wasser 
im Schlamm Elaüne tricmdra. Da diese Pflanze in keiner pommer- 
schen Flora erwähnt ist, hielt ich den Fund für neu. Herr Holzfuß 
teilte mir darauf mit, daß der verstorbene Doms die Pflanze schon 
bei Callies gefunden habe." 

Herr Roman Schulz berichtete unter Vorzeigung von Beleg- 
exemplaren folgendes: 

I. Ueber das Vorkommen von Colchicum auüimnale 
bei Spandau. 
Jeder Freund der heimischen Flora sieht mit Bedauern, wie 
durch die fortschreitende Bebauung und Kultivierung des Geländes 
eine Pflanzenreiche Oertlichkeit nach der andern vernichtet wird. Die 
einst sehr mannigfache und schöne Flora der näheren Umgebung von 
Berlin hat besonders gelitten, und um so wertvoller erscheinen unter 
diesen Umständen ihre noch vorhandenen Ueberbleibsel. Zu denPflanzen, 
die aus der Berliner Flora verschwunden sind, mußte in den letzten 
Jahren auch die Herbstzeitlose gezählt werden. Nach Ascherson, 
Flora der Provinz Brandenburg (1864), S. 731, wurde sie ehemals bei 
der Bredower Forst und im Jahre 1858 einzeln bei den Fuchsbergen 
beobachtet. Aber die Flugsanddünen der Fuchsberge bei Rummels- 
burg sind mitsamt ihrer interessanten Flora längst abgetragen und 
die anstoßenden Wiesen des Spreetals in Kulturland umgewandelt 
worden. Nach der Flora des Nordostdeutschen Flachlandes (1898—99), 
S. 182, wurde die Herbstzeitlose noch neuerdings auf den Rudower 
Wiesen gefunden. Auch hier kann sie nicht mehr vorhanden sein, da 
durch die Anlage des Teltow-Kanals der Grundwasserspiegel gesenkt 
und die früher sumpfigen Wiesen in trockenes Ackerland umgewandelt 
worden sind. Ebenso besteht die im Jahrgang XVIII (1876) unserer 
Verhandlungen, Sitzungsbericht S. 32, angegebene Fundstelle auf dem 
Pfefferluch an der Jungfernheide nicht mehr, da die ehemaligen 
Wiesen des Pfefferluchs überall aufgeschüttet worden sind. Auch 
die Wiesen vor dem Frankfurter Tore und zwischen dem Zoologischen 
Garten und Wilmersdorf, die in demselben Jahrgang, S. 3 und 137, 
als Fundstellen genannt werden, sind längst verschwunden, und das 



Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. 169 

Vorkommen in der „Liepe" am Havelufer des Grunewalds, sowie 
zwischen Spandau und Falkenhagen, das S. 138 erwähnt wird, war 
bis jetzt nicht bestätigt worden. Um so erfreulicher ist es daher, 
daß es am 28. August d. J. Herrn Kuno Becker gelang, die Herbst- 
zeitlose in der zuletzt genannten Gegend wieder aufzufinden, nämlich 
auf den Radeland-Wiesen bei Spandau. Am nächsten Tage 
besuchte ich den neuen Fundort unter seiner Führung und konnte 
feststellen, daß es sich in der Tat um ein ursprüngliches Vor- 
kommnis handelt. Die Pflanze wächst dort spärlich, aber schön auf 
einer jener kurzgrasigen Alluvialwiesen, die den Niederungen des 
Spreetals und Havelluchs eigen sind und auch in den schon 
besprochenen Fällen als Fundorte für die Herbstzeitlose in Betracht 
kamen. Sie sind blumenreich, im Frühlinge geschmückt mit Orchideen, 
im Sommer mit Dianthus superbus, im Spätsommer mit Gentiana 
pneumonanthe außer vielen anderen schönen Pflanzen. Die erste 
Nachricht von dem Vorkommen der Herbstzeitlose in der Spandauer 
Gegend finde ich in dem „Wegweiser für die botanischen Exkursionen 
in der Mark Brandenburg, besonders in der Umgegend Berlins*' von 
J. H. Schulz, 1857, S. 112; dort wird angegeben, daß Colchicum 
autumnale bei Falkenhagen vorkomme, also nicht allzuweit entfernt 
von dem hier mitgeteilten Fundorte. 

Vortragender legt auch diese Schrift vor, die besonders wegen 
der in ihr enthaltenen Pflanzenlisten von Standorten aus der Um- 
gebung Berlins, die der heutigen Generation zum Teil nicht einmal 
mehr dem Namen nach bekannt sind, für den Heimatforscher von 
Interesse ist. 

IL Ueber einige höhere Pilze. 

1. Tricholoma ijersonaium (Fries). Die Benennung dieses in 
unseren Wäldern häufigen, aber auch auf Wiesen vorkommenden, 
meist schön violett gefärbten Pilzes ist nicht einheitlich. Er wird 
in den Werken von Fries deutlich und unverkennbar unter dem 
Namen Agarims personatus beschrieben (vgl. z. B. Hym. Eur., S. 72). 
Schroeter (Pilze Schlesiens, S. 658) wählt für ihn aus Prioritäts- 
rücksichten die Bezeichnung Ag. bicolor Fersoon, und Ricken (Blätter- 
pilze, Nr. 1046) identifiziert ihn mit Ag. nudus Bulliard, den aber 
Fries (auch Schroeter) für eine andere x4.rt ansieht. 

2. Tricholoma loersoncdum (Fries) var. Auf den Luchwiesen bei 
Friesack kommt neben der typischen violetten Form eine anders 
gefärbte Abart vor. Ihr Hut ist blaßlederbräunlich bis graugelblich. 
Die Lamellen sind fleischfarben-bräunlich. Der Stiel ist unten hell- 



170 Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. 

violett und oben weißlich; er färbt sich durch Berührung schmutzig- 
bräunlich. Das Fleisch ist schwammig-weich, fast weiß, genau 
gesagt, schwach blaßbläulichweiß, wie bei Tricholoma personatum 
erst später, am Grunde des Stieles im Alter blaßbräunlich, wie auch 
bei der typischen Form. Im übrigen weist dieser Pilz nicht die 
geringsten Verschiedenheiten gegenüber der Leitart auf; er unter- 
scheidet sich von ihr also nur durch den Mangel des violetten Farb- 
stoffes im Hut und in den Lamellen, allenfalls noch durch einen 
schwächeren Geruch, was aber mit dem Farbstoff zusammenhängen 
könnte. 

Diese Farbenvarietät hält Eicken (L c. Nr. 1045) für eine 
besondere Art und für den echten Agaricus jjersonatus Fries, eine 
Ansicht, der ich nicht beipflichten kann. Die Form mag in ihrer 
Färbung durchaus beständig sein. Sie kann aber nur als eine 
Varietät der häufigen violetten Art, die Fries als Ag. personatus 
beschreibt, angesehen werden. Konstante Farbenvarietäten kommen 
bekanntlich auch bei anderen Agaricaceen vor, z. B. bei Clitocybe 
laccata. Auf die Veränderlichkeit von Ag. ijersonatus in der Farbe 
weist Fries 1. c. mit den Worten hin: Ut omnes vulgatissimae valde 
quoad colores variabilis. 

3. Tricholoma irinmn (Fries). Dieser Pilz kommt im Herbste 
häufig auf Wiesen, aber auch im Walde vor, z. B. im Walde bei 
Sandkrug unweit Chorin. Er wächst meist in dichten Haufen und 
bildet auf Wiesen große, auffallende Hexenringe. Im Havelländischen 
Luch, z. B. bei Spandau und Friesack, ist er sehr häufig anzutreffen. 
Ein bemerkenswertes Kennzeichen ist sein starker, aromatischer 
Geruch, der an die Veilchenwurzel (Rhizoma Iridis florentinae) er- 
innert. Er ist ein vorzüglicher Speisepilz und noch wohlschmeckender 
als der Champignon. Durch die diesjährigen Pilzausstellungen des 
Vortr. im Märkischen Museum zu Berlin und im Rathause zu Spandau 
ist er der Bevölkerung als Speisepilz bekannt geworden; er wird 
von Liebhabern bereits eifrig gesammelt. 

Schroeter (1. c. p. 658) beschreibt den Pilz unter dem älteren 
Namen Agaricus cychphüus Lasch. Die Beschreibung von Tricholoma 
irinum bei Ricken, Nr. 1043, weicht in einigen wesentlichen Punkten 
ab (Hut fast seidig; nicht rasiges Wachstum; ohne auffallenden Ge- 
schmack und Geruch; man lasse den angeblichen Veilchengeruch bei 
der Bestimmung nicht maßgebend sein!). Eher könnte Ricken 's 
Beschreibung von Tricholoma panaeolum, Nr. 1041, auf den vor- 
gelegten Pilz passen, der aber keinen Mehlgeruch hat. Daß Agaricus 
irinus und panaeolus Fries identisch sind, hält Vortr. für sehr wahr- 



Bericht über die (Herbst-) Haupt-Versammlung zu Berlin. 171 

scheinlich, da auch der von ihm gefundene Pilz auf der Oberfläche 
des Hutes einen eig-entümlichen grauen Eeif besitzt, der erst im 
Alter schwindet. 

4. Polijporus arcularius (Batsch). Vortr. fand diese Art an 
abgefallenen Buchenästchen zahlreich im Forstschutzbezirk Grlambeck 
bei Joachimsthal in der Uckermark im Juli d. J. An der gleichen 
Stelle kam an abgefallenen Birkenästchen P. brumalis (Persoon) vor. 
Beide Arten stimmen in der Tracht überein. P. arcularius ist jedoch 
durch die weitmaschigen, wabenartigen Poren leicht zu unterscheiden. 

5. Tylostoma mammosimi (Micheli). Das niedliche Pilzchen 
wurde vom Vortr. Anfang April d. J. auf den „pontischen" Hügeln 
am Rande des Odertals bei Buchsmühle unweit Stolzenhagen, Kreis 
Angermünde, in großer Anzahl gefunden. 

Herr E. Jahn besprach die TricJioloma- Arten und erwähnte 
noch mehrere Standorte für Tylostoma. 

Herr W. Haiichecorne berichtete über die von ihm in den 
letzten Wochen vorgenommene Aufarbeitung seines außerordentlich 
umfangreichen photographischen Materials für das Forstbotanische 
Merkbuch. Aus dem großen Bestände kann man natürlich für die 
Veröffentlichung nur eine ganz beschränkte Zahl von Bildern aus- 
wählen. Er teilte mit, daß er seit Monaten fleißig an der Fertig- 
stellung des Manuskripts für das Forstbotanische Merkbuch gearbeitet 
habe und daß etwa zwei Drittel des Ganzen bereits an die Schrift- 
leitung des Vereins abgeliefert seien ; er hoff'e den Rest in der nächsten 
Zeit fertigstellen zu können, sodaß in absehbarer Zeit mit dem 
Drucke des Ganzen begonnen werden könne. 

Die schönen, von ihm vorgezeigten Bilder stellten eigenartige 
Bäume oder Baumgruppen aus folgenden Gebieten dar: Brandenburg 
a. d. Havel, Schwedt, Falkenberg, Heinersdorf, Plagefenn, Breitefenn 
bei Oderberg, Boitzenburg (hier einer der herrlichsten Waldbestände 
unserer Provinz), Pechteich (in neuester Zeit von ihm erforscht) u. a. 

Herr Th. Sabalitschka sprach über das Vorkommen der 
männlichen Eloclea clensa in Deutschland (irrtümlich als Elodea 
canadensis bezeichnet). In der Apotheker- Zeitung 1914, S. 582, 
wird über ein Vorkommen der männlichen Elodea canadensis in Deutsch- 
land berichtet; die Mitteilung stammt von Herrn xlpotheker Leuken 
in Süchteln (Rheinprovinz) und lautet: 

„In unseren botanischen Lehrbüchern und Floren findet sich 
überall die Angabe, daß die aus Nordamerika eingewanderte Wasser- 
pest bei uns nur in weiblichen Exemplaren vorkommt. Ich war daher 



172 Bericht über die (Herbst-) Haupt-Versammlung zu Berlin. 

sehr erstaunt, an einer seit ungefähr anderthalb Jahren in meinem 
Aquarium befindlichen Pflanze eine männliche Blüte anzutreffen. Die 
neun Staubbeutel waren, entgegen Garckes Beschreibung, nicht sitzend, 
sondern kurz, aber deutlich gestielt. Unter dem Mikroskop zeigte 
sich, daß die Antheren der Länge nach aufspringen und eine Menge 
Pollenkörner enthalten. Es wäre interessant festzustellen, ob männ- 
liche Blüten bei uns anderwärts auch schon beobachtet worden sind." 
Da mich diese Angabe interessierte, trat ich mit dem Verfasser dieses 
Berichtes im letzten Monat in Verbindung. Ich erhielt von ihm in 
entgegenkommender Weise ein Exemplar der in seinem Aquarium zur 
Blüte gekommenen Eloclea. Er gibt an, daJ] die Pflanze aus einem 
zur Niers führenden Kanal stammt, woher er sie für sein Aquarium 
geholt hat. Die von Herrn Leuken für Elodea canadensis gehaltene 
Pflanze wurde aber von Herrn Professor Graebner als Elodea clensa 
identifiziert. In der Synopsis der Mitteleuropäischen Flora von 
Ascherson und Graebner, 2. Aufl. I. (1913) 610 wird bereits über 
das Vorkommen dieser Pflanze in Deutschland berichtet und sie näher 
beschrieben. Dort heißt es u. a.: „Sie ist in allen Teilen viel größer 
als Eloclea canadensis. Stengel dick und kräftig, Blätter meist gedrängt, 
zu 4, seltener zu 5 im Quirl; Blüten sehr groß; Staubblätter 9; Staub- 
fäden die Antheren um etwa das li/gf^^che überragend. In Südamerika, 
in Argentinien heimisch, bei uns in den letzten Jahrzehnten in 
Aquarien sehr beliebt, aus ihnen mehrfach in Teiche usw. gelangt 
und dort namentlich in wärmeren Gebieten verwildert. Im flachen 
Wasser im nördlichen Gebiet wenigstens während des Winters oft 
wieder verschwindend. An günstigen Orten besitzt die Art aber 
anscheinend dieselbe Vermehrungsfähigkeit wie Elodea canadensis; so 
erfüllte sie bereits 1910 mit Potamogeton lucens und Myriophyllmn 
den noch unfertigen Elster — Saale-Kanal bei Leipzig derartig, daß die 
Verwaltung desselben mit mehrfachem Eäumen den Schiffahrtsweg 
nicht often halten konnte. Die Blütezeit ist Juli — September." 

Da Elodea densa weder in den Floren von Garcke, noch von 
Hegi, noch von Thome angeführt wird, ist der Irrtum des Herrn 
Leuken wohl erklärlich, Herr Leuken hatte seine Beobachtung 
bereits im naturwissenschaftlichen Verein zur Erforschung des Nieder- 
rheins vorgetragen, ohne damals eine Eichtigstellung zu erzielen. 
Auf seine Anfrage in der Apotheker-Zeitung von Ende Juni 1914 
hatte er von keiner Seite irgendwelche Zuschrift erhalten, was wohl 
hauptsächlich auf den Weltkrieg, dessen drohende Nähe damals schon 
aUe Gemüter in Spannung hielt, zurückzuführen ist. Als Standort 
gibt Herr Leuken einen zur Niers führenden Kanal an. Die Niers 



Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. 173 

selbst, die zwischen Maas und Rhein parallel zu diesen fließt, soll 
infolge der in sie laufenden Fabrikabwässer sehr arm an Flora und 
Fauna sein, im Gegensatz zu den in sie mündenden Kanälen. Leider 
ist heute diese Elodea an dem damaligen Standort nicht mehr zu 
linden, was ja auch bei Elodea canadensis beobachtet wird. Der von 
Leuken angegebene Standort ist somit der zweite bisher in Deutsch- 
land festgestellte. 

Uebrigens findet sich in der Literatur noch eine weitere Mitteilung 
über das Vorkommen der männlichen Elodea canadensis. So wird in 
Engler und Prantl, Die natürlichen Pflanzenfamilien, I. Nachtrag 1897, 
S. 39, über ein solches in Schottland berichtet. Heute ist männliche 
kanadische Wasserpest im Botanischen Garten in Bonn und ist auch von 
dort dem Botanischen Garten in Berlin-Dahlem überwiesen worden. 
Dort ist sie im Sommer 1917 in den Anlagen für Wasserpflanzen in 
der biologischen Abteilung reichlich zur Blüte gelangt. Da wir nun in 
Berlin im Freien männliche Elodea canadensis haben, dürfte es bei 
der intensiven Verbreitungsfähigkeit der Elodea canadensis nicht mehr 
lange dauern, bis sie auch in den Gewässern um Berlin gefunden 
wird, wohin Wasservögel sie aus dem Botanischen Garten ver- 
schleppen werden. 

Herr H. Kolkwitz sprach über einen VergiftungsfalD) mit Amanita 
jmntheiina (vgl. S. 151). 

Im Anschluß daran warf Herr Winkelmann die Frage auf über 
den Nährwert der Pilze. Er selbst habe an sich in den Abgängen 
vollständig unverdaute Pilzreste nachgewiesen. Jedenfalls fehlen 
unserm Kijrper die zur Verdauung der schwerlöslichen Zellulose 
nötigen Säfte. Der große Wassergehalt der Pilze verlangt eine 
größere Menge zur Aufnahme, die den Magen belastet; der Eiweiß- 
gehalt ist im Vergleich zu dem Wassergehalt gering, als Zugabe zu 
Speisen oder als Gewürz mögen Pilze genügen. — Es knüpfte sich 
daran eine längere, teilweise recht lebhafte Erörterung über den 
Nährwert der Pilze, an der die Herren Duysen, Hauchecorne, 
Herter, R. Schulz, Kolkwitz, Sabalitschka und Winkelmann 
teilnahmen, wobei die einen sich über die Frage teils zweifelnd, 
teils in dem Sinne äußerten, daß sie den Wert der Pilzgerichte im 



1) Herr P. Graebner teilte uns nachträglich einen eigenartigen Fall von 
Pilzvergiftung mit. Während seines Aufenthaltes in Bialowies (West-Rußland) 
im August d. J. erkrankten dort etwa 30 russische Gefangene nach dem Genüsse 
von Bidgaria; es traten Anschwellungen des Körpers, besonders des Kopfes, 
auf, jedoch verlief die Erkrankung nicht tötlich. 



174: Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. 

Verhältnis zum Gemüse ziemlich gering einschätzten, vor allem (wie 
z. B. Herr Duysen) den Vergleich derselben mit Fleisch als ganz 
unstatthaft abwiesen und der Auffassung, die Pilze seien als Volks- 
nahrungsmittel anzusehen, entgegentraten; ohne damit natürlich den 
Nährwert der Pilze gänzlich abstreiten zu wollen, während andere 
den hohen G-ehalt der Pilze an löslichem, verdaulichem Eiweiß und 
damit die große Bedeutung der Pilze für menschliche Ernährung in 
fleischarmen Zeiten stärker betonten. Im Zusammenhang damit wies 
Herr E. Schulz auf die Schwerverdaulichkeit vieler Pilze hin, frei- 
lich auch hervorhebend, daß sie großen Schwankungen nach der 
Konstitution der einzelnen Personen unterliege. 

Herr Th. Sabalitschka äußerte sich über den Nährwert der 
Pilze in folgender Weise: Um über den Nährwert der Pilze ent- 
scheiden zu können, muß deren chemische Zusammensetzung und 
ihre Verdaulichkeit studiert werden. Die chemische Zusammen- 
setzung ist in dem vorzüglichen Büchlein von Schnegg: „Die 
eßbaren Pilze und deren Bedeutung für unsere Volkswirtschaft und 
als Nahrungsmittel" ausführlich geschildert. Es sei hier nur kurz 
erwähnt, daß der Steinpilz 5,39% Eiweiß enthält, der Champignon 
4,88%, der Parasolpilz 4,65 7o und daß der Durchschnittswert von 
den am meisten gegessenen Pilzen einen Eiweißgehalt von 3,08% 
ergibt. Nur durch Vergleich mit der Zusammensetzung anderer 
menschlicher Nahrungsmittel ist es uns möglich, ein richtiges Urteil 
über den Wert der Pilze zu fällen. Von den Gemüsen hat das 
eiweißreichste, der Spinat, nur 3,71% Eiweiß, die anderen Gemüse 
im Durchschnitt 2,32%. Somit enthalten die Pilze mehr Eiweiß als 
frisches Gemüse. Aehnlich verhält es sich mit dem Fett, Inbezug 
auf den Gehalt an Gesamtkohlehydraten sind die beiden Nahrungs- 
mittel einander gleichwertig. Wie die frischen Pilze mit frischem 
Gemüse, so empfiehlt es sich, die getrockneten Pilze mit dem Fleisch 
zu vergleichen. Der lufttrockene, ca. 13% Wasser enthaltende Stein- 
pilz enthält 36,66% Stickstolfsubstanzen. steht also dem Ochsenfleisch 
nahe, sagt Tschirch in seinem Vortrag „Kriegsbotanik"-). 

Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Fleisch einerseits 
und den Pilzen und Gemüsen andererseits besteht aber darin, daß letztere 
der Verdauung viel schwerer zugänglicli sind. So war es bei der 
bisherigen Zubereitung der Pilze nur möglieb, von ihren Eiweiß- 
körpern höchstens, im günstigsten Falle, bis zu 74% auszunützen. 
Meistens betrug der Verlust an Stickstoffsubstanzen aber 40 — 50%- 



2) Bericht der Pharmazeut. Ges. 1916, S. 331. 



Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. 175 

Im Laufe des Krieges wurde nun versucht, die Ausnutzbarkeit des 
in den Pilzen enthalteneu Xährraaterials zu verbessern. So hoffte 
man durch feines Vermählen, wie dies Friedenthal mit großem 
Erfolge in neuerer Zeit für manche Gemüsearten angewendet hat, 
dies zu erreichen. Die ersten Versuche, über die Prof. Loewy in 
der Physiologischen Gesellschaft zu Berlin 1915 berichtete'), ergaben 
kaum eine Verbesserung der Ausnützung der Pilznährstotfe. Nun 
wurden in der allerneuesten Zeit von anderer Seite diese Versuche 
fortgesetzt und ergaben ein bedeutend günstigeres Resultat. Die 
Arbeiten wurden im Hygienischen Institut der Universität in Halle 
von Schmidt, Klostermann und Scholta ausgeführt und in der 
Deutschen Medizinischen Wochenschrift veröffentlicht ■*). Das Ergebnis 
der Versuche war eine Ausnutzung der Stickstoffsubstanz von 85% 
bei sehr feinem Pulver. Sie beweisen auch, daß der Chitingehalt 
der Pilze nicht erheblich sein kann und erstrecken sich auch auf die 
Verdauung der Kohlehydrate. Außer Mannit, Traubenzucker, 
Glykogen usw. ist auch die Zellulose der Pilze verdaulich, wodurch 
sich diese vorteilhaft von den Gemüsen unterscheiden. Am Schlüsse 
ihrer Mitteilung glauben die Verfasser, daß man den Pilzen bisher 
noch nicht die Beachtung geschenkt hat, die sie als Nahrungsquelle 
verdienen. Nach ihren Angaben sollen Pilze möglichst feingepulvert, 
wie Gemüse mit Wasser gekocht, dann mit Fett versetzt und als 
Suppe (Kartoffel-Pilzsuppe) genossen werden. Das Pulver kann auch 
allen Gemüsen, Soßen und Suppen zugesetzt werden; es ersetzt dann 
Fieischextrakt und erhöht den Nährwert. 

Am Schlüsse der Sitzung begrüßte der Vorsitzende unser aus 
dem Felde zurückgekehrtes Mitglied, Herrn F. G. Meyer. 

Nachträglich sei noch erwähnt, daß unser Ehrenmitglied, Herr 
L. Geisenheyner in Kreuznach, in einem freundlichen Briefe an 
den ersten Schriftführer seinem lebhaften Bedauern Ausdruck gegeben 
hatte, daß er der Sitzung nicht beiwohnen könne, zugleich hervor- 
hebend, daß seine Gedanken am Samstag im „Heidelberger"' weilen 
würden. Um ein Lebenszeichen von sich zu geben, sandte er junge 
Zweige und Blätter von RoUnia pseudacacia. Er hatte nämlich im 
Frühsommer einen kleineu, seltsam aussehenden Baum mit reich- 
lichem Wurzelausschlag und vielen Trieben am unteren Teile des 
Stammes auf der Chaussee nach Bretzenheim-Bingen beobachtet; 



=*) Verhandlungen der Physiologischen Gesellschaft zu Berlin, 40. Jahrg., 
1915, n. Teil, S. 19. 

*) Deutsche Medizinische Wochenschrift 1917, S. 1221. 



176 Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. 

sämtliche Blättchen sahen aus, als ob sie schraubenförmig gedreht 
wären, und so sind sie es auch, aber die Mittelrippe bleibt in der 
Ebene mit ihrer nächsten Nachbarschaft, sie ist aber auch durch 
teilweise sehr enges Adernetz scheinbar verbreitert und heller (fast 
gelb) gefärbt als das übrige Blattgewebe. Eine Pflanze mit solchen 
Blättern hatte Herr G. zum erstenmale im Jahre 1885 gefunden, 
später (September 1900) fand er wieder einen solchen Baum. Es 
handelt sich in den drei Fällen um die von C. K. Schneider (Illust. 
Handb. Laubholzk. II, 82) erwähnte var. crisjni DC. Prodr. II. 261, 
eine krausblättrige Form der Akazie (vergl. darüber auch 0. Penzig, 
Pflanzenteratologie I. [1890] 393, wo es heißt: „häufig kultiviert ist 
eine var. foliis crispis, bei der die Spreiten der Fiederblättchen 
unregelmäßig kraus oder spiralig eingerollt sind. Letztere Form ist 
übrigens nicht sehr konstant und schlägt leicht in die Normalform 

zurück"). 

H. Harms. 



Nachtrag zu S. 162: 

Herr Oberpfarrer Dr. Kükenthal teilte uns Ende November 
mit, daß er nach Deutschland zurückkehren würde. 



Tagesordnyng 

lelaufenen Qesc 



Die Sitzungen fanden während des Winterhalbjahres im Restau- 
rant „Zum Heidelberger" in Berlin (Dorotheenstr. 16) statt, in einem 
dem Verein zur Verfügung gestellten Zimmer, in den Sommer- 
monaten im Hörsaal des Kgl. Botanischen Museums in Dahlem und 
wurden sämtlich vom ersten Vorsitzenden, Herrn E. Jahn, geleitet. 

Sitzimg vom 17. November 1916. 

Der Vorsitzende gibt bekannt, daß unser Ehrenmitglied, Herr 
G. Schweinfurth, im nächsten Monat (am 29. XII.) seinen 80. Ge- 
burtstag feiert. 

Herr Tli. Loesener legt die Arbeit von Dr. H, Fo erster^) 
(Barmen);, Vorsitz, des Bergischen Komitees für Naturdenkmalpflege, 
vor über: „Die Hülse oder Stechpalme ein Naturdenkmal", erschienen 
als Heft 13 der von der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege 
herausgegebenen ;, Naturdenkmäler, Vorträge u. Aufsätze" Band II, 3, 
Berlin (Gebr. Borntraeger) 1916. Bei Besprechung des Inhaltes der 
Abhandlung geht er näher auf die Theorieen ein, die man zur Er- 
klärung der Abwandlung in der Form, Berandung und besonders der 
Bestachelung der Blätter der Stechpalme, die bekanntlich bei älteren 
und großen Exemplaren schließlich gänzlich die Stachelbildung ein- 
stellen, aufgestellt hat. Nach der Auffassung des Ref. müsse man 
den Verlust der Randstacheln mindestens zum Teil auf den Einfluß 
eines rein mathematischen Gesetzes zurückführen, das darin besteht, 
daß die Zufuhrsmöglichkeit der zum Aufbau der Stacheln notwen- 
digen Festigkeitsmaterialien in quantitativer Hinsicht nicht gleichen 
Schritt halten kann mit dem im Kubus (nach drei Richtungen des 
Raums) sich vollziehenden Wachstum des Baumes und der damit Hand 
in Hand gehenden außerordentlichen Vermehrung der Anzahl der ein- 
zelnen Laubblätter, während die Zufuhrswege sich nur verlängern 



^) Mit aufrichtiger Teilnahme erhielten wir kürzlich die Nachricht, daß 
der verdiente Forscher nach langem schweren Leiden am 6. Dezember 1917 im 
Alter von 53 Jahren gestorben sei. 

Abhandl. des Bot. Vereins f. Brandenb. LIX. j^O 



178 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

aber nicht entsprechend erweitern. Dieselbe Erscheinung ist auch 
bei den verwandten Arten dieser Gattung (Z cormda Lind!., /. di- 
pi/rena Wall u. a.) sowie bei stachelblättrigen Angehörigen ganz 
anderer Formenkreise (z, B. Villaresia) zu beobachten. In manchen 
Gattungen ist die Vereinfachung und Verkleinerung (meist Ver- 
schmälerung) der ßlattform und Biattgröße, die in den oberen Par- 
tieen älterer Exemplare eintritt, auf dieses selbige Gesetz zurück- 
zuführen. — Foerster äußert sich ferner auch über den Dioecismus 
der Hülse, In dieser Hinsicht verdient ein von ihm beschriebener 
Fall von Geschlechtswechsel; den er bei der nach ihm benannten 
und als Naturdenkmal geschützten prachtvollen und ehrwürdigen 
„Dr. Foerster-Hülse" in Mittel-Enkeln beobachtet hat, allgemeines 
Interesse. Nach seinen Angaben prangte dieser Baum 1911 im 
Schmucke seiner roten Beeren, bei nachfolgenden Besuchen in 
den nächsten Jahren hatte er das Blühen unterlassen und im Früh- 
jahr 1916 habe er ausschließlich männliche Blüten gezeigt. 
An eingesandten verblühten Zweigen konnte Eef. dies bestätigen. 
Es wäre nun wichtig, in Gegenden, wo Hex urwüchsig ist, darauf 
zu achten, ob solcher Wechsel des Geschlechts an alten Bäumen 
öfters vorkommt, oder ob es sich, wie auch Ref. zunächst noch ver- 
muten möchte^ hier nur um eine seltene x^usnahme handelt, wie sie 
nach unsern bisherigen Kenntnissen innerhalb dieser Gattung bis 
jetzt einzig dastehen würde. — Auch der bei der Hülse so schwere 
und langwierige Keimungsprozeß wird von Foerster besprochen, 
und im Anschluß daran stellt er fest, daß in den Wäldern des Ber- 
gischen Komitees fast nirgends junge Samenpflanzen zu finden seien, 
sondern alle jüngeren Pflänzchen, auch wenn sie einzeln wachsen, sich 
auf Wurzelausschlag zurückführen lassen, eine Beobachtung, die auch 
anderwärts schon gemacht ist. 

Endlich zeigte der Vortr. Zweige zweier Doppelexemplare 
aus dem Botanischen Garten in Dahlem vor, bei denen zwei 
verschiedene und zugleich auch verschieden geschlechtliche Formen 
aufeinander gepfropft waren. Dabei hatte sich gezeigt, daß die ein- 
zelnen Reiser auch in ihrer weiteren Entwicklung völlig unabhängig 
voneinander ihr ursprüngliches Geschlecht sich bewahrt hatten; 
Uebergangsformen in den Blüten (etwa Zwitterblüten oder partielle 
Zwitterblüten) waren dadurch nicht entstanden. 

An der sich anschließenden ziemlich ausgedehnten Diskussion 
beteiligten sich die Herren Jahn, Lauche, Graf von Schwerin, 
Roman Schulz, Wächter, Weisse, Schikora, Diels, Tessen- 
dorff und der Referent zum Teil wiederholt. 



I 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 179 

Herr Fr. Diiysen sprach darauf über durch den Pilz Cyttaria 
hervorgerufene Holzwucherungen, Darwin hatte ihn zuerst an Notlio- 
fagiis beobachtet und beschrieben. Der Vortragende legte Präparate 
und Photographien der Wucherungen vor. — Ferner zeigte er ein von 
einem Schulknaben aufgefundenes Kugelgebilde von etwa 6 cm Durch- 
messer vor, das an einer Kiefern würzet entstanden war und dessen 
Entstehungsursache zunächst noch unbekannt bleibt, endlich eine 
Karotte, die unten in eine Pferdemöhre übergeht. Zu diesem Fall 
äUxßerte sich Herr Weisse. 

Herr R. Lauche berichtete hierauf unter Vorlage von Beleg- 
exemplaren über interessantere Pflanzenfunde aus der Oberlausitz, 
anderen Teilen der Mark, aus Schlesien usw., über Gallen und 
andere Abnormitäten {Anagallis mit reichverzweigter Inflorescenz, 
Carex lex)oriiia mit eigentümlichen Stützblättern; die er in dieser Form 
seit einigen Jahren in Kultur hat, Elatine liexmidra seit 15 Jahren 
zum erstenmal wieder aufgefunden, Jimcus ohtiisifiorus neu für 
Schlesien u. a.) 

Zum Schluß gab Herr F. Tesseiidorff einen kurzen Bericht 
über eine von ihm ausgeführte Bereisung von Moorgebieten. 

Sitzung vom 15. Dezember 1916. 
Herr H. Harms sprach über Mittel und Wege zur Förde- 
rung der Gallenforschung in unserer Provinz. Als Endziel 
stellte er die Abfassung einer Gallenflora der Mark Brandenburg 
hin; notwendige Vorarbeiten dazu sind eine umfassende Sammel- 
tätigkeit und ein vorläufiges Verzeichnis der bisher aus der Provinz 
bekannten Gallen, von dem er sich eine Anregung zu weiteren For- 
schungen auf dem Gebiet versprach. Er berichtete zugleich über 
eigene Studien, die er in dieser Richtung bereits in Angriff genommen 
hatte, und wies auf die bisher erschienenen Arbeiten hin, die sich mit 
märkischen Gallen beschäftigen; insbesondere hob er die großen 
Verdienste unseres Mitgliedes, des Herrn 0. Jaap, um die Gallen- 
kunde der Umgebung von Triglitz in der Prignitz hervor. Vergl. 
auch die „Aufforderung zum Sammeln der Gallen in der Provinz 
Brandenburg''^ in unseren Verhandl. LVHI. 1916. (1917), S. 168. 
Außerdem besprach er eine Reihe von Arbeiten, die sich mit der 
Gallenkunde verschiedener Gebiete Mitteleuropas beschäftigen; das 
Studium dieser Aufsätze wird auch auf die märkischen Forschungen 
befruchtend einwirken können. Er legte ferner zwei unter- 
irdische Gallen vor, nämlich 1. Die Sproßspitzengalle von Cecidomyia 

12* 



180 Tagesordnung der Sitzungen iro abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Braueri Handlirscli (in Verh. Zool.-bot. Ges., Wien XXXIV. 1884, 
135 t. V.), die er neuerdings im Grunewald bei Nikolassee g-esammelt 
hatte; sie besteht in Verdickungen unterirdischer eiförmiger oder 
fast rundlicher bis breit kegelförmiger Knospen, deren eiförmige 
oder lanzettliche Schuppenblätter etwas fleischig und gelblich verfärbt 
sind. Diese Galle hatte er im vorigen Jahre (August 1915) stellen- 
weise in großer Menge bei Sachsa a. Harz im Walde wie besonders 
auf Brachäckern angetroffen; in der Umgebung Berlins scheint sie 
noch nicht beobachtet worden zu sein. Man sollte auf diese Galle 
bei uns achten; da sie unterirdisch ist, wird sie leicht übersehen. 
iVbbildung auch bei C. Houard, Zoocecid. des pl. d'Europe II. (1909), 
728 (als Perrisia Bremen). Bei H. Roß (Pflzgall. Mittel- u. Nord- 
europ. [1911] 163) wird sie als Dasyneiira Braueri erwähnt. 2. Die 
bei Cruciferen verbreitete Käfergalle von Ceutorrliynchus auf Berteroa 
incana aus der Umgegend Berlins, bestehend in rundlichen, kuollen- 
artigen Verdickungen des Wurzelhalses. 

Darauf legte Herr H. Harms vor: die Arbeit von Ew. H. 
Rübsaamen, Beitrag zur Kenntnis außereuropäischer Gallmücken 
(Sitzungsber. Geseilsch. Naturforsch. Freunde, Jahrg. 1915, Nr. 9, 
S. 431 — 481). Unser verstorbenes Mitglied E. Ule hat auf seinen 
Reisen in Brasilien eine große Anzahl Gallen gesammelt, etwa 1300, 
wie ich bereits in meinem Nachrufe (Verh, Bot. Ver. Prov. Branden- 
burg LVII. [1916] 169) erwähnt habe; außerdem hat er in vielen 
Fällen die Tiere, in diesem Falle Mücken, aus den Gallen gezüchtet. 
Die Bearbeitung der Gallensammlung E. Ule 's hat Herr Professor 
Rübsaamen in Metternich b. Coblenz besorgt und darüber zwei 
größere Abhandlungen veröffentlicht (Marcellia IV. [1905] 65 — 85, 
115—138; VI. [1907] 110—173; VII. [1908] 15-79). Rübsaamen 
benannte nach Ule nicht Vv^eniger als zwei neue Gattungen der Gall- 
mücken (Jlleia und TJleella) und außerdem zwei neue Arten {Tarso- 
nemus TJlei, eine Milbe, und Badericera Ulei, eine Psyllide); ferner 
stellte er auf Ule's Material außer den beiden eben genannten 
Gattungen noch vier neue Genera auf. Es fehlte bisher noch die 
Aufarbeitung der Gallensammlung Ule's von seiner letzten Reise. 
In der vorliegenden Arbeit hat nun R. eine Anzahl Gallmücken 
(Cecidomyiden) dieser Ausbeute beschrieben. Ule selbst hatte diese 
Mücken aus den Gallen gezüchtet und mitgebracht. Das in Alkohol 
konservierte Material gehört jetzt dem König!. Zoolog. Museum zu 
Berlin. Es haben sich dabei zehn neue Gattungen ergeben, deren 
Auffindung man Ule verdankt. — In dieser Arbeit beschreibt R. 
außerdem noch die neue Schhomyia ericae von Süd- Afrika, Erzeugerin 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 181 

von Zvveig'spitzeugalleii. und Dasyneura Dielsii, die auf Acacia cyclops 
eigenartige Blütengallen liervornift. Trockenmaterial letzterer Galle 
hatte E. von L. Diels erhalten, der sie zusammen mit E. Pritzel 
in West- Australien sammelte; die Mücke ist aus den bereits trockenen 
Gallen ausgeschlüpft. 

An der Erörterung hierüber nahmen die Herren Wächter, 
Jahn und Wittmack teil. 

Herr Fr. Diiysen kam auf die in der vorigen Sitzung vorgelegte 
Doppelkarotte zurück, die er als eine durch einen Spatenstich zu- 
fällig entstandene Pfropfung erklärt. 

Darauf zeigte Herr J. Hlllmano folgende bemerkenswerte 
Flechtenfunde vor: Lecanora Jieidelbergensis, zuerst bei Heidelberg 
gefunden, aus der Uckermark; Cladonia crispata, eine Art Tirols, von 
Jaap in der Prignitz festgestellt und von ihm selbst bei Barut. 

HeiT L. Wittmack hatte ein Eiesenexemplar einer Pastinak- 
wurzel mitgebracht, das die Länge von 62 cm und ein Gewicht von 
0,85 kg besaß, und bemerkte dazu, daß dieses Gemüse in England 
sich größerer Beliebtheit erfreue als bei uns. Sie soll übrigens nach 
Trojan, der dieses Gemüse besonders schätzte, ein gutes Mittel 
gegen Zahnschmerzen sein. 

Herr E. Jaliii legte sodann eine von Herrn Geisenheyner 
eingesandte Arbeit: „Ueber Panaschierungen und Sektorialchimären" 
vor (vergl. S. 51). 

Herr Tk, Loeseiier zeigte und besprach das Heft 2/3 der „Mit- 
teilungen des Bergischen Komitees für Naturdenkmalpflege 1916'', 
worauf Herr Tessendorff den Schriftenaustausch mit dem Komitee 
anregte. 

Endlich sprach Herr E. Jahn über sogenannte „Hexenringe", 
die durch ringförmige Anordnung der Fruchtkörper von Tricholoma 
personatum und Tr. sucliim zustande kommen und sich gelegentlich auf 
feuchten Wiesen finden. Man hat ein zentrifugales Wachstum des 
Mycels angenommen, das auf die Entwicklung des Grases von Ein- 
fluß sein müsse. x\.uch Hennings habe sich mit der Erscheinung 
beschäftigt, die aber noch weiter zu beobachten sei. In der Dis- 
kussion, zu der die Herren Reinhardt, Wittmack und Jahn sich 
äußerten, wurde darauf hingewiesen, daß manche dieser Hexenringe 
einen Durchmesser von 50 m erreichen können. Das Mycel müsse 
in solchem Falle eine Wachstumszeit von 75 Jahren hinter sich haben. 



182 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Zum Schluß bat Herr F. Tessendorff um Einsenduug von 
Material von Enphrasia, einer Gattung, mit der er sich jetzt näher 
zu beschäftigen angefangen habe und die ja auch in der Mark in 
einigen Arten vertreten ist. 

Sitzung vom 19. Januar 1917. 

Der Vorsitzende macht Mitteilung vom Tode von Georg 
Voll<;ens, der am 10. Januar 1917 unerwartet einem Herzschlage 
erlag, und widmet dem Entschlafenen einige Worte dankbarer 
Erinnerung. 

Darauf verliest er das von Georg Schweinfurth auf die 
ihm vom Verein zum 80. Geburtstage ausgesprochenen Glückwünsche 
eingegangene Antwortschreiben (vergi. oben S. 160). 

Sodann hielt Herr Dr. H. Schäier, als Gast, einen ausführ- 
lichen Vortrag über die Flora Kameruns und die Vegetation der 
kanarischen Inseln, auf denen er einige Tage zubrachte, wohin- 
gegen er in Kamerun 4 Jahre gelebt hat bis zum Ausbruch des 
Krieges. Zur Veranschaulichung seiner Ausführungen zeigte er 
eine größere Anzahl von Vegetationsbildern in Form ausgezeichneter 
stereoskopischer Aufnahmen. Mit Hilfe von zwölf Stereoskop- 
Apparaten gelangten die Aufnahmen prachtvoll plastisch zur An- 
schauung. (Vergl. Abh. Naturforsch. Ges. Görlitz XXVIII. 1917, 458.) 

Sitzung vom 16. Februar 1917. 

Der Vorsitzende teilte den Tod zweier Mitglieder mit: des 
Geh. Justizrats Herrn E. Uhles, gestorben am 19. Dezember 1916, 
und der Frau Prof. Dr. Hock, die am 21. Dezember 1916 ihrem 
Ehemanne in den Tod gefolgt war. Sie hatte dem Kgl. Botanischen 
Museum in Dahlem die wertvolle Bibliothek ihres verstorbenen Mannes 
als Geschenk überwiesen und dabei bestimmt, daß die in der Bibliothek 
des Botanischen Museums bereits vertretenen Werke dem Vereine 
zufallen sollten. 

Darauf verlas er ein von Herrn J. Winkelmann als Antwort 
auf seine Ernennung zum Ehrenmitgliede eingegangenes Dankschreiben 
und teilte mit, daß aus der Bibliothek unseres verstorbenen Mit- 
gliedes G. Volkens noch einige Werke zu mäßigen Preisen abgeb- 
bar seien. 

Herr F. Tessendoiif machte folgende Vorlagen: 

1. Des Albums, das eine Sammlung von Photographien unserer 
Mitglieder enthält, unter Aufforderung, man möge die 
Kollektion durch Einsenden von Bildnissen weiter ergänzen; 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 183 

2. der Abhandlung von Leo von zur Mühlen (Riga) über 
die Entstehungsgeschichte der Hochmoorseen, wobei er die 
Ursachen, die die Bildung von Tümpeln und Seen auf den 
Hochmooren bedingen, besprach; 

3. der Arbeit von A. Voß, ^Der Botanikerspiegel von 1905 
und 1910", die sich mit Otto Kuntzes Nomenklatur befaßt; 

4. der in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie der 
Wissenschaften, 1916, Heft L, S. 1198, erschienenen x4.b- 
handlung von J. Orth, „Das biologische Problem in Goethes 
Wahlverwandschaften" . 

Herr L. Diels sprach darauf über das Vorkommen und die 
Verwertbarkeit von Cornus sanguinea L. und C. mas L. Die Literatur 
darüber sei nur mangelhaft; er habe deshalb eine Eundfrage an 
28 Botaniker gerichtet. C. sanguinea gehört zur größten Gruppe 
der Gattung, der Sect. Thelycrania Endl., Subsect. AmUycaryum 
Koehne; die Verbreitungsgrenze, die Vortragender auf einer Karten- 
skizze eingetragen hat, reicht über die der Buche hinaus/ mit deren 
Grenzverlauf sie sonst viel Aehnlichkeit hat. In der Mark ist die 
Pflanze vielleicht in den alten Stromtälern besonders verbreitet. 
Häufig anzutreffen ist sie in den deutschen Mittelgebirgen in den 
tieferen Lagen, in Laubwäldern und Gebüschen. Als deutsche Namen 
werden in den Büchern angegeben: „Hartriegel", oder Volksnamen, 
die mit „Weide" zusammengesetzt sind, wie Blutweide, Rainweide. 
Was die Verwendung betrifft, so soll die Rinde als Bast, das Holz 
als Wurstholz, die Früchte gegenwärtig als Kaffee-Ersatz in Gebrauch 
sein. Ob das in den Früchten enthaltene Oel noch irgendwo ge- 
wonnen wird, ist nicht bekannt. Die Angabe, daß es ein brauch- 
bares Brennöl gebe, stamme wohl von Matthioli. Ausbeutung und 
Gewinnung wäre leicht, z. B. in der Gegend von Hannover und im 
Rheinland. Es käme zunächst darauf an, festzustellen, wo die Pflanze 
häufig genug vorkommt. — Die andere Art, C. mas L., gehört in 
eine andere Gruppe, in die Sect. Macrocarinum Spach. Das Areal 
dieser Gruppe ist, wie die vorgelegte Kartenskizze zeigte, bedeutend 
zerrissener, so bildet das Gebiet von C. mas in Deutschland nur 
einzelne Haseln, an der Saar, am Oberrhein, ferner oberhalb Regens- 
burg, im Harz und Thüringen. Ob man die Verbreitung als eine 
pontische zu betrachten habe, erscheine fraglich, eher wohl als eine 
ägäische. Der Strauch scheint sich gegenwärtig in der Defensive 
zu befinden. Der in den Floren angegebene Name ist „Cornelkirsche", 
volkstümliche Bezeichnungen sind „Herlitze" oder „Dirlitze". Das 



184 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Holz wurde früher zu Spazierstöcken verwendet. Die Blüten ent- 
halten Honig, die Früchte Zucker, aber kein Oel. Im allgemeinen 
fruchtet die Pflanze- schlecht, vielleicht erst besser im Alter. Die 
Geschlechtsverhältnisse müßten noch genauer untersucht werden. 
Man möchte daher, wo dazu Gelegenheit ist, darüber noch Beob- 
achtungen anstellen. 

Was C. scmguinea betrifft, so sei hier noch verwiesen auf 
L. Di eis: „Ueber den Hartriegel, eine weniger bekannte Oelpflanze 
der Heimat, in Nr. 4 der Merkblätter des Königlichen Botanischen 
Gartens und Museums zu Berlin-Dahlem über die Verwendung nutz- 
barer Gewächse der heimischen Flora April 1917", mit Abbildungen. 

Kw der sich anschließenden Debatte beteiligten sich die Herren 
Emmerling, Tessendorff und Jahn. 

Danach berichtete Herr E. Jalin im Anschluß an die Arbeiten 
von C. Sauvageau und H. Kylin über die in letzter Zeit entdeckte 
Sexualität von Laminaria. Bei dieser Gattung bringen die Sporangien 
Schwärmsporen hervor. Die Untersuchung der Entwicklung der- 
selben, auf die der Vortragende näher einging, habe ergeben, daß 
die Sporen zunächst einen Thallus mit Antheridien und Oogonien 
bilden. Erst aus der befruchteten Eizelle entstehe die große 
Laminarie. 

Sitzimg vom 10. März 1917. 

Der Vorsitzende machte Mitteilung vom Tode unseres Mitgliedes, 
Fräulein G. Bartusch in München, die früher auch für den Verein 
als Zeichnerin tätig gewesen war. Darauf verkündete er fünf neue 
Mitglieder und berichtete, daß der Provinzial- Ausschuß die bisherige 
Unterstützung wieder bewilligt habe, und daß das Ehrenmitglied, 
Herr Fr. Stephani, im nächsten Monat seineu 75. Geburtstag feiere. 

Herr H. Harms verlas sodann die Selbstbiographie unseres 
G. Volkens, die dieser seinerzeit für den Verein bestimmt hatte, 
und knüpfte daran noch einige eigene Ausführungen über die Per- 
sönlichlceit und die Verdienste des Verstorbenen um unseren Verein 
(Vergl. S. 1). 

Darauf legte Herr F. Tessendorff einige neuere Literatur 
vor, nämlich eine Arbeit von S. E. Brunies (Basel) über den 
schweizerischen Nationalpark, ferner die von E. Ptübel, K. Schroeter 
und H. Brockmann-Jerosch entworfenen Programme") für geo- 



^) Die von der Pflanzengeographischen Kommission der Schweizerischen 
Naturforschenden Gesellschaft (Beiträge zur geobotanischen Landesaufnahme) 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 185 

botanische Arbeiten (Gebietsmonographien, Monographien einzelner 
Pflanzengesellschaften usw.) und regte an, auch für unser Gebiet 
solche Programme aufzustellen. 

Ferner teilte er mit, daß in einer Kreuznacher Zeitung die 
Samen der Vogelwicke als Ersatz für Linsen empfohlen worden 
seien, woran sich eine längere Diskussion zwischen den Herren 
Harms, Herter, Reinhardt, Duj'Sen und Tessendorff ent- 
spann. (Vergl. S. 139). 

Herr Fr. üiiyseii kam nochmal auf die kugelige Anschwellung 
an der Kiefernwurzel zu sprechen, die er in der Novembersitzung 
vorgelegt hatte und die auf rein physikalische Einflüsse zurückzu- 
führen sein müsse, da wenigstens eine pilzliche Schädigung nicht 
vorliege, wie die seither ausgeführte Untersuchung gezeigt habe. 

Zum Schluß legte Herr E. Jahn Literatur über Pilze vor, 
nämlich „Mittel und Wege zur Pilzkenntnis" von G. Dittrich, und 
ein altes Pilzbuch aus dem Jahre 1729 von P. A. Micheli, Nova 
])lantarmn genera, das er zur Aufklärung einer Nomenklaturfrage 
betreffend Myxomyceten durchgesehen hatte. Es handelte sich um 
die Namen Sjjumaria und Mucilago. Da die Berechtigung des Namens 
Mucilago sich aus der alten Literatur nicht erweisen läßt, müsse der 
Name Spumaria erhalten bleiben. 

Sitzung- vom 20. April 1917. 

Der Vorsitzende teilte mit, daß unser Miglied, der bekannte 
Diatomeenforscher Prof. Dr. h. c. Otto Müller am 29. März d. J. 
verstorben und unser Buch erwart, Herr F. Tessendorff, zur Fuß- 
artillerie eingezogen sei. Als Ort für den geplanten Frühjahrsausflug 
habe man Paulinenaue in Aussicht genommen. 

Herr H. Harms berichtete, daß unser Mitglied J. Mildbraed 
aus der Umgegend von Marseille, wo er sich in Gefangenschaft 



herausgegebenen Hefte, die den Bericht, d. Ges. Bd. XXIV. (1916) beigelegt 
wurden, sind: 1. Ed. Rubel, Vorschläge zur geobotanischen Kartographie, 
14 S., 12 Tafeln; einzeln käuflich zu 1,50 Fr. (ausgeg. 26. Sept. 1916). — 
2. E. Rubel, C. Schröter, H. Brockmann-Jerosch, Programme für 
geobotanische Arbeiten; 28 S., einzeln käuflich zu 1 Fr. (ausgeg. 30. Nov. 1916). 
— Wir empfehlen beide Hefte, besonders aber das letztere, der sorgfältigsten 
Beachtung alier, die sich mit floristischen und pflanzengeographischen Arbeiten 
beschäftigen; sie bieten eine vortreffliche Uebersicht der bei solchen Forschun- 
gen zu berücksichtigenden Fragen und werden schon dadurch allein, wie zu 
hoffen ist, befruchtend auf die Pflanzengeographie einwirken. Besonders 
nützlich sind auch die beigegebenen Literatur-Hinweise. 

Die Schriftführer des B. V. 



186 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

befand, nach der Insel St. Martin de E,e westlich La Eochelle (Dep. 
Charente inferieure) gebracht und daß er Offiziersstellvertreter ge- 
worden sei. 

Herr IL Harms legte sodann den Jahrgang 1916 der „Mit- 
teilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft" 
vor, die einen stattlichen Band von 360 Seiten in prächtiger Aus- 
stattung und mit zahlreichen Abbildungen geschmückt darstellen. 
Wir begrüßen mit besonderer Freude diesen Band, der wiederum 
Zeugnis von der unermüdlichen Tatkraft des Präsidenten der Gesell- 
schaft, unseres Mitgliedes Dr. Fritz Graf von Schwerin, ablegt, 
dem es trotz der Ungunst der Zeitverhältnisse gelungen ist, die 
unter seiner Leitung stehenden „Mitteilungen" so reich, mannigfaltig 
und anregend auszugestalten, wie nur je in Friedenszeiten. Finden 
wir doch im vorliegenden Bande Aufsätze, die nicht nur dem Baum- 
kenner und Baumliebhaber von Wert sind, sondern auch solche, die 
der wissenschaftlichen Forschung dienen. Unter den letzteren sei 
beispielsweise die Arbeit unseres Mitgliedes, Herrn R. Pilger, über 
die Taxales genannt, eine Zusammenfassung aller Forschungen aus 
neuester Zeit über diese dendrologisch wichtige Koniferengruppe, 
eine auf breitester Grundlage aufgebaute und mehr für die Dendro- 
logen berechnete Ausgestaltung und Erweiterung seiner 1903 in 
Engler's Pflanzenreich erschienenen Monographie der Taxaceae; im 
Anschluß daran geben Praktiker eine Eeihe von Notizen über die 
Winterhärte der Taxales in Deutschland (Jensen, H, A. Hesse, 
A. Purpus, Nohl). So sehen wir innerhalb der Gesellschaft ein 
erfreuliches und für beide Teile ersprießliches Zusammenwirken von 
Wissenschaft und Praxis. — H. Schenck führt uns im Anschluß an 
eine stattliche Verbäuderung an Pinus pinaster von der Insel Madeira 
alle derartigen Monstrositäten an Nadelhölzern vor, von denen die 
Literatur Kunde gibt oder die er in erreichbaren Sammlungen 
studieren konnte; ein wichtiger Beitrag zur Kenntnis dieser morpho- 
logisch höchst interessanten und in mannigfaltigster Form auf- 
tretenden Bildungsabweichungen, von denen hier eine ganze Reihe 
in bildlicher Wiedergabe vorgeführt wird. — Eine für die Baum- 
kunde sehr v/ichtige Arbeit ist die von Dr. Goeze: Liste der seit 
dem 16. Jahrhundert bis auf die Gegenwart in die Gärten und 
Parks Europas eingeführten Bäume und Strauch er; eine Arbeit, die 
auf gründlichen jahrelangen Literaturstudien fußt und eine empfind- 
liche Lücke in unseren dendrologischen Kenntnissen ausfüllt. Die 
behandelten Arten sind nach den Heimatländern angeordnet (Europa, 
Südeuropa bezw. Mittelmeerländer, Orient, Nord- und Zentralasien, 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 187 

Himalaja. China imd Japan, Nordamerika bezw. ]\Iexiko und Chile). 
Innerhalb dieser geographischen C^ruppen werden sie nach Familien 
anfgezählt; bei jeder Art wird die Jahreszahl der Einführung bei 
uns und der betreffende Garten, der Sammler oder das Einführungs- 
land im allgemeinen angegeben. Einleitungen zu jedem Abschnitt 
belehren über die Zahl und Bedeutung der aus den verschiedenen 
Ländern herrührenden Einführungen; eine steigende Bedeutung hat 
in dieser Hinsicht in letzter Zeit bekanntlich Ostasien gewonnen, 
das schließlich das bis zum Jahre 1910 an erster Stelle stehende 
Nordamerika überholt hat: in einem dendrologischen Wettkarapf 
müßte die Neue Welt also vor der Alten die Segel streichen. Ohne 
der Bedeutung dieser fleißigen Arbeit irgendwie zu nahe treten zu 
wollen, sei es doch gestattet, hier auf folgenden Mangel hinzuweisen. 
Es wäre nämlich äußerst nützlich gewesen, wenn der Verfasser bei 
jeder Jahreszahl die Literaturstelle genau angeführt hätte, aus der 
er das Datum der Einführung entnahm ; er weist freilich in der Ein- 
leitung auf verschiedene Quellenwerke hin, aber man vermißt doch 
oft gerade bei älteren Einführungen den Hinweis auf die Literatur 
darüber; wäre dieser in jedem Falle beigesetzt worden, so wäre der 
Wert dieser Zusammenstellung beträchtlich höher als er schon ohne- 
dies ist. Wir v/ollen aber zufrieden sein, daß wir dieses Ergebnis 
jahrelanger Studien, so wie es ist, jetzt vor uns haben; der einzelne 
Forscher möge dann die Quellenschriften selbst nachsehen, falls er 
noch genauer in die Geschichte der Einführung eindringen will. 
Nützliche Angaben über die in den verschiedenen Gebieten tätig 
gewesenen Sammler finden wir in den einleitenden Bemerkungen. — 
Für die Schädlingsbekämpfung ist der Aufsatz von Fr. Scheidter 
wichtig: Tierische Schädlinge an Gehölzen. Er ist offenbar ent- 
standen aus verschiedenen an die Gesellschaft gerichteten Anfragen 
über die Ursachen gewisser Fraßerscheinungen und Schädlichkeiten 
sowie die Mittel zu ihrer Beseitigung. Mit Hilfe trefflicher Ab- 
bildungen wird Belehrung geboten über den Fraß durch den 
Grünrüßler Phyllohius psittacinus, Schaden durch Weiden-Gallmücken, 
Zerstörungen an Eschen durch Borkenkäfer (Hi/lesinus), Schildläuse 
an Fichten, Eichengallen und Fichtengallen usw. — Von dem 
sonstigen Lihalt des Bandes seien noch die lebensvollen Schilderungen 
erwähnt, die uns Fr au de von den Parks und Gärten der Herrschaft 
Putbus, Siehe von der Flora und dem Baumbestand des Innern 
Kleinasiens liefert. C. Sprenger gibt uns anziehende dendrologischo 
Schilderungen aus dem ihm vertrauten griechischen Gebiete, bei 
verschiedenen Gelegenheiten die Kulturgeschichte in den Kreis seiner 



188 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Betraclitimgen ziehend (z. B. über Oelbaum und Oleaster; neue Mit- 
teilungen über den Lorbeer). Zahlreiche im Felde weilende Mit- 
glieder der Gesellschaft haben ihre Beobachtungen aus den Kriegs- 
gebieten (Belgien, Frankreich, Polen^ Serbien) mitgeteilt, die unter 
dem Titel ;,Dendrologische Feldpost" zusammengestellt wurden. 
Groß ist daneben natürlich die Zahl kleinerer Mitteilungen über 
interessante Gehölze oder einzelne eigenartige Bäume. — Möge es 
dem Herausgeber gelingen, die folgenden Bände ebenso reich und 
anziehend zu gestalten! 

Weiter machte Herr H. Harms ausführliche Mitteilungen über 
die Zitterlinse, Vicia liirsuta (Vergl. S. 139). 

An der sich hieran anschließenden Debatte beteiligten sich die 
Herren Duysen, Loesener, P. Schulz, Herter und L. Peters. 

Herr E. Jalin besprach die neueren Arbeiten über Basidiomy- 
ceten. Er ging auf die Untersuchungen von Dangeard über die 
Karyokinese und auf das Problem der Sexualität, das bei den 
Ascomyceten durch Claussens gründliche Studien schließlich auf- 
geklärt wurde, näher ein. Die Bildung der Doppelkerne bei den 
Ascomyceten, die von Kniep untersuchten Schnallenbildungen bei 
den Basidiomyceten, die den Pferdekopfgebilden bei den Ascomyceten 
entsprechen, die parallel verlaufende Karyokinese u, a. wurden von 
dem Vortragenden eingebender erörtert. — Im Anschluß hieran 
entspann sich eine kurze Diskussion zwischen Herrn Duysen und 
dem Vortragenden. 

Zum Schluß machte Herr E. Jahn nähere Mitteilungen über 
die Ergebnisse seiner eigenen weiteren Arbeiten über die Natur- 
geschichte der Myxobakterien. In der Umgebung Berlins kommen 
mehrere primitive Arten vor, die eine Untersuchung des vegetativen 
Zustandes und der Natur der eigentümlichen langgestreckten Stäbchen, 
die den Schwärm bilden, gestattet haben. Das j?ilerkwürdigste ist 
die ungeheuere Schleimerzeugung durch diese Stäbchen, die sich 
kreisförmig ausbreiten und eine Schleimscheibe hinter sich zurück- 
lassen. Durch diese Schleimerzeugung bewegen sich die Stäbchen 
auch fort. 

Unter der von ihm neu aufgefundenen Form ist eine neue 
Gattung Melittangium sehr merkwürdig. Die Stäbchen erzeugen 
hier den Schleim, der die Cystenwand des Fruchtkörpers bildet, in 
der Weise, daß sie sich parallel legen und nun den Schleim nur 
mit ihren vorderen Spitzen absondern. Sie bilden die Cystenhaut, 
also genau so wie die Bienen eine Wachswand. Jedes Stäbchen 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. lo9 

läßt auch eine Grube in der erhärteten Haut zurück, soclaß bei der 
Keimung das zurückbleibende - Häutclien eine schöne wabenartige 
Skulptur zeigt. 

Sitzung vom 18, Mai 1917. 

Nachdem der Vorsitzende ein neues Mitglied verkündet hatte^ 
machte er Mitteilung vom Tode zweier früherer Mitglieder: Professor 
Dr. Karl Supprian, Oberlehrer in xiltona, sei im April d. J. an 
der Westfront als Hauptmann gefallen, und Prof. Dr. H. Rottenbach 
am 5. Mai verstorben. Aus dem Felde seien Grüße eingetroffen von 
den Herren Claussen (aus Mitau) und Tessendorff (aus Lötzen), 

Herr H, Harms widmete einige Worte der Erinnerung den 
beiden eben genannten Verstorbenen. 

Darauf sprach Herr Th. Loesener über Kaffee-Ersatzstoffe. 
Die Kaffee-Surrogate würden entweder von Früchten und Samen 
oder von Wurzeln oder AVurzelstöcken geliefert. Von Früchten 
kommen in Betracht Eicheln (zugleich auch als Mastfutter wichtig), 
Bucheckern (wegen ihres Oelgehaltes aber wohl besser zur Oel- 
gewinnung zu benutzen), Berberitzenfrüchte, neuerdings die Mehl- 
beeren und besonders die Früchte des Weißdorns, zu deren Ein- 
sammeln die Kriegsgesellschaft für Kaffee-Ersatz durch Verbreitung 
eines Flugblattes und Einrichtung einer großen Zahl von über ganz 
Deutschland verteilten Sammelstellen aufgefordert hat, ferner die 
Samen der Roßkastanie, die aber ebenfalls zur Oelgewinnung und 
auch zur Seifenfabrikation wohl notwendiger sind. Was Kräuter 
und Staudenpflanzen betrifft, seien zu nennen: die Sonnenblume, deren 
Samen indessen gleichfalls besser für die Oelgewinnung freigehalten 
würden. Wichtiger seien Lupinensamen, die aber erst von ihrem 
gesundheitsschädlichen Bitterstoff befreit werden müssen. Am ge- 
eignetsten und gesündesten seien jedenfalls die Getreidesamen, Gerste 
und Rüggen, wie sie im Malzkaffee, Kornfrankkaffee usw. in Ge- 
brauch sind. Auch Maiskörner können so verwendet werden. In 
der Literatur werden ferner die Samen von Iris pseudacorus als für 
diesen Zweck benutzbar angegeben. Sehr gut sollen sich auch 
Spargelsamen dazu eignen. 

Zu Kaff'ee-Ersatz verwendbare AVurzeln oder Rhizome liefern 
folgende Pflanzen : Am bekanntesten und seit den Zeiten Friedrichs 
des Großen in Gebrauch ist die Zichorie. Ebenso können Schwarz- 
wurzeln und auch die Wurzel des Löwenzahns verwendet werden, 
ferner Runkelrüben, die übrigen Rüben (Brassica), Mohrrüben, ja 
sogar auch die Kartoffeln, die aber als Nahrungsmittel schon sonst 
zu stark benötigt werden, und endlich das Queckenrhizom. 



190 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Eöstversuche hatte der Vortr. mit Quecken- und Taraxacum- 
wurzeln gemacht. Zwei von ihm hergestellte Proben zeigte er vor, 
ebenso eine ihm von der Kriegsgesellschaft für Kaffee-Ersatz zur 
Verfügung gestellte Probe, die zu einem großen Teile aus gerösteten 
Crataegus samen hergestellt war. Sehr käme es auf die Art und den 
Grad des Röstens an, was schließlich Sache der praktischen Er- 
fahrung sei. Zum Schluß verlas er einige Schreiben der Kriegs- 
gesellschaft für Kaffee-Ersatz und des Kriegsausschusses für Kaffee, 
Tee und deren Ersatzmittel, unter besonderer Berücksichtigung eines 
riutachteus über die Gefährlichkeit des Coffeins. Ausführlichere 
Angaben über diesen Gegenstand finden sich in dem von L. Di eis 
herausgegebenen Buche „Ersatzstoffe aus dem Pflanzenreiche", Kap. 12, 
das in einigen Wochen erscheinen soll. 

An der Debatte beteiligten sich außer dem Vortr. die Herren 
Schikora, Duysen, Hauchecorne und Wittraack. 

Herr W. Haiiclieconie berichtete über den Stand seiner Arbeiten 
am Forstbotanischen Merkbuche. Man möge ihm nichts nach- 
tragen, er sei seit 1910 und besonders seit Kriegsausbruch zu stark 
durch dienstliche Berufsaufgaben in Anspruch genommen worden, 
auch sei ein Teil des Manuskripts verloren gegangen, so daß er das 
Verlorene aus dem Aktenmaterial nochmals zusammenzustellen ge- 
nötigt sei. Diese Arbeit sei ihm selbst Herzenssache und er hoffe 
sie nunmehr bald endgiltig zum Abschluß bringen zu können. (Ein 
Teil des Manuskripts ist inzwischen an den Verein abgeliefert.) 

Im Anschluß hieran macht der Vortr. Mitteilung von Beob- 
achtungen au Holzgewächsen und erörtert die Schwierigkeit der 
Unterscheidung unserer beiden Eichenarten, der durch terrassen- 
artigen Aufbau gekennzeichneten Stieleiche und der mehr besenartig 
wachsenden Traubeneiche, die durch Kreuzung oft ineinander über- 
gehen. Aehnlich sei es bei den Birken, die gleichfalls viele Hybriden 
erzeugen. Elr bespricht das Vorkommen der Betula carpathica auf 
dem Fläming. Auffallend sei es, daß ^ie auf so vielen Bäumen 
v/achsende Mistel auf unseren Eichen nicht vorzukommen scheine. 
Auch auf bemerkenswerte Standorte der Eiben geht der Vortr. näher 
ein (Veronikaberg bei Mcirtinroda, Kammerlöcher bei Elgersburg, 
Normandie), die meistens bezüglich ihres Alters überschätzt würden. 
Die in Rußland häufige Sommerlinde habe er bei Buckow überall 
eingesprengt gefunden, sie sei wohl in den märkischen Wäldern an 
beiden Seiten des Urstromtales urwüchsig. Als floristisch bemerkens- 
wert teilt er weiter mit, daß er bei Buckow am Scharmützelsee 



Tagesordnung dei' Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 191 

Linum perenne gefunden habe. Es sei der einzige Standort in Nord- 
deutschland. Die Art soll von Pfahlbauern gebaut sein, gegenüber 
der Fundstelle habe ein Pfahlbau gestanden. Die Art könnte somit 
dort urwüchsig sein. 

In der sich anschließenden. Erörterung wurde diese Vermutung 
von Herrn E. Jahn angezweifelt. 

Danach besprach Herr Fr. Diiyseii einige neuere Literatur über 
eßbare und giftige Pilze, nämlich drei Publikationen von Hans 
Sehne gg in Weihenstephan: 1. Die eßbaren Pilze und deren Be- 
deutung für unsere Volkswirtschaft^, mit 32 Abbildungen, München, 
Verlag Natur und Kultur, 1916; 2. Merkblatt für die Giftpilze; 
3. Unsere Giftpilze und ihre eßbaren Doppelgänger. 

Zum Schluß sprach Herr A. Born über einen neuen Standort 
von Gymnaclenia cucullata (vergi. S. 136). 

In der Diskussion berichtete Herr Jahn, daß Claussen die 
Art von Soldaten aus Mitau erhalten habe. 

Sitzimg: vom 21. September 1917. 

Der Vorsitzende machte Mitteilung vom Tode folgender Mitglieder, 
der Herren 0. Willmann (Berlin-Schöneberg), H. Schütz (Lenzen) 
und A. Lüder waldt (Stettin). Vier neue Mitglieder seien dem 
Verein beigetreten. Bei der Feier des 25jährigen Bestehens der 
Deutschen Dendrologischen Gesellschaft im August d. J. habe der 
Vorsitzende die Glückwünsche des Vereins persönlich zum Ausdruck 
gebracht. 

Ein Antrag, Herrn Dr. H. Fo erster in Barmen wegen seiner 
Verdienste um die Naturdenkmalspflege und um die Floristik in den 
Bergischen Landen zum korrespondierenden Mitgliede zu ernennen, 
wurde angenommen. 

Ferner teilte der Vorsitzende mit, daß das Bild der Dahlemer 
Kirche aus dem Nachlasse von G. Volkens der Bibliothek des Ver- 
eins geschenkt worden sei. Aus dem Nachlasse von Ferd. Hoff- 
mann läge noch ein Angebot von Büchern vor. 

Grüße seien eingegangen von unserm Vorsitzenden, Herrn 
P. Claussen, der nach Biga komme, und vom Bücherwart, Herrn 
F. Tessendorff, der sich jetzt an der Ostfront befinde. 

Herr H. Harms besprach folgendes Werk: S. Killerraann, 
Die Blumen des heiligen Landes. Botanische Auslese einer Frühlings- 
fahrt durch Syrien und Palästina. Mit einer Bestimmungstabelle 



192 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

sowie 5 Tafeln und 60 Abbildungen im Text. Leipzig, J. C. Hinrichs'sclie 
Buchhandlung, 1916. Der erste allgemeine Teil (ohne die Bestimmungs- 
tabelle) ist auch erschienen 1915 als Heft 5 und 6 (zu je 0,60 M.) 
des I. Bandes des Sammelwerkes von Dr. G. Kölscher, Das Land' 
der Bibel, gemeinverständliche Hefte zur Palästinakunde. — Wer 
sich in die recht mannigfaltige, in der Hauptsache mediterrane, 
jedoch im tiefliegenden Jordaiitale auch Beziehungen zum so- 
genannten afrikanisch-indischen AVüsteiigebiete aufweisende Flora 
Palästinas vertiefen will, muß das bekannte Werk von G. Post, 
Flora of Syria, Palestine and Sinai (Beirut, 1896) zu Rate 
ziehen, das für genauere Forschungen unentbehrlich ist. Vor- 
liegendes Werk ist nun keine eigentliche Flora, es kann aber bis 
zu einem gewissen Grade eine solche ersetzen, da es in seinem 
zweiten Teile allerdings sehr knapp gehaltene Bestimmungsschlüssel 
für die verbreitetsten Arten gibt, die zugleich in recht deutlichen 
Figuren abgebildet werden. Für den weniger Erfahrenen ist ein 
Anhang sehr nützlich, der eine Zusammenstellung von Palästina- 
Pflanzen nach ihrer Tracht und anderen Eigentümlichkeiten bringt 
und so das Erkennen der Pflanzen sehr erleichtert. Jeder Palästina- 
Eeisende, der sich für die Pflanzenwelt interessiert, wird also das 
Buch mit großem Vorteil benutzen. Es ist wohl möglich, daß das 
so mannigfaltig gegliederte und an großen Erinnerungen so reiche 
Land nach dem Kriege mehr besucht Averden wird als bisher, da für 
uns jetzt der Osten des Mittelmeergebietes mehr Anknüpfungspunkte 
bietet als die bisher viel mehr bevorzugte Mitte. Und da kann man 
nur jedem Reisenden raten, das Werk als Ratgeber in floristischen 
Dingen mitzunehmen. Gar mancher wird bei einer Frühlingsfahrt 
in das heilige Land gern auf denselben Wegen wandeln, die der 
Verfasser gegangen ist, der im ersten, längeren Teile seines 
Buches sehr anschauliche, lebensvolle Schilderungen der Pflanzenwelt 
bietet, dabei oft auf Stellen der heiligen Schrift hinweisend, die viel- 
leicht zu den berührten Orten ' in näherer Beziehung stehen. Von 
Beirut ausgehend, begleiten wir den Reisenden über den Libanon, 
dessen wunderbarer alpiner Blütenteppich so anziehend beschrieben 
wird, mit den vielen Kreuzblütlern, Steinbrech-Arten und Nelken- 
gewächsen. Vom Libanon geht es nach Baalbek mit seiner ver- 
schwundenen Tempelpracht, dann nach Damaskus und der rauhen, 
eintönigen Steppenlandschaft des Hauran. Weiter durch Galiläa mit 
seinen heiligen Orten zum Berge Karmel, in die fruchtbare Ebene 
Saron, nach Jerusalem und Jericho und schließlich an die Gestade 
des Toten Meeres. Wir erfreuen uns an der anschaulichen Schilderung 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 193 

der Landschaft und bewundern die vielseitige Belesenheit des Ver- 
fassers, der eine Fülle anregender, knitm'liistorischer Bemerkungen 
in seine Darstellung einfließt. Möge das Buch recht viele zu einer 
;ßeise in das heilige Land und dort zu einer eingehenden, aufmerk- 
samen Betrachtung der Pflanzenwelt anregen! Ein besonderer Vor- 
zug desselben ist noch der nie fehlende Hinweis auf die Kultur- 
pflanzen der durchreisten Gegenden, die leider in so manchen Eeise- 
beschreibungen arg vernachlässigt werden. 

Bei dieser Gelegenheit seien noch zwei ältere Werke Killer- 
mann's erwähnt, die auf dem Grenzgebiete zwischen Kunstgeschichte 
und Botanik stehen. Der Verfasser, ein gediegener Kenner unserer 
heimischen Flora und der der Mittelmeerländer, beschäftigt sich 
mit besonderer Vorliebe mit den Beziehungen zwischen Kultur- 
geschichte und Botanik oder Zoologie, wie wohl jeder Leser der 
„Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" weiß, die ja mehrere Auf- 
sätze von ihm über derartige Gegenstände enthält^). Er geht gerne 
den ältesten Nachrichten über die Pflanzen und Tiere nach, weiß 
daher gerade mit der Literatur der ,.Patres",. der Väter der Botanik 
und Zoologie, gut Bescheid. In beiden unten angeführten Werken 
handelte es sich um einwandfreie Deutung malerischer Darstellungen 
von Pflanzen und Tieren aus dem 15. und 16. Jahrhundert; dazu 
gehört sowohl eine genaue Kenntnis unserer Flora und Fauna, wie 
eine Beherrschung der älteren vorlinneischen Literatur. 

Das erste, 1910 erschienene Werk ist einem der größten 
deutschen Künstler, nämlich Albrecht Dürer (1471 — 1528) ge- 
widmet: A. Dürers Pflanzen- und Tierzeichnungen und ihre Be- 
deutung für die Naturgeschichte (Straßburg, J. H. Ed. Heitz [Heitz 
u. Mündel], 1910; Studien zur deutschen Kunstgeschichte, Heft 119; 
120 S., 22 Tafeln). Der Verf. behandelt alle ihm bekannten Pflanzen- 
zeichnungen Dürers und beschäftigt sich mit ihrer botanischen 
Deutung. Sie sind freilich nicht allzu zahlreich, meistens nur 
Studien, indessen doch von unschätzbarem Werte. Wie der Verf. 
nachweisen konnte, haben wir in vielen von ihnen die ersten 
oder doch sehr frühe Darstellungen der betreffenden Gegen- 



^) S. Killermann, Die ausgestorbenen Maskarenenvögel (Naturwiss. 
Wochenschrift, XXX. 1915, S. 353, 369); Die Zitronen und Orangen in Geschichte 
und Kunst (a. a. 0. XXXT. 1916, S. 201); Zur Geschichte des Wisents (a. a. 0., 
S. 71); Der Alraun (a. a. 0. XXXII. 1917, S. 137; vergl. dazu mehie Bemerkung 
S. 351); Die Entdeckung der Paradiesvögel (a. a. 0. XXXII. 1917, S. 409; vergl. 
dazu R. Zaunick, Literaturhinweise zu dem Aufsatze, S. 594); Maischwamm 
und Erdsimmerling (a. a. 0., S. 430). 

Verhandl. des Bot. Vereins f. Brandenb, LIX. w o 



194 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäfts] aiire. 

stände vor uns, so in der Mannstreu, im Drachenbaum , in 
manchen Heilkräutern wie in gewissen Tieren, worauf hier 
nicht näher eingegangen werden kann. Dürers erste Darstellung 
einer Pflanze findet sich auf einem Selbstporträt aus dem 
Jahre 1493, auf dem er in der Hand eine Distel hält, die 
bereits Groethe als ein blaublühendes Eryngium deutete (1805). 
Nach K. dürfte hier Eryngium amethystinum L. dargestellt sein. Von 
außerordentlicher Schärfe und Treue der Darstellung sind manche 
Zeichnungen von Heilkräutern, die aus den letzten Lebensjahren des 
Künstlers stammen; da finden wir z. B. schöne Bilder der Akelei, 
des Schöllkrautes, der Pfingstrose usw. Manche Zeichnungen sprechen 
von einer ganz neuen und originellen Auffassung der Natur, wie die 
beiden Rasenstücke, die nie mehr geschaffen wurden und nach K. 
auch einem modernen Buche über Pflanzenbiozönose zur Zierde 
gereichen würden, so überaus lebensvoll ist ihre Darstellung. Da 
Dürer meistens in Nürnberg lebte und besonders Pflanzen und Tiere 
seiner Heimat zeichnete und malte, so bilden diese Zeichnungen für 
die Geschichte der Nürnberger Flora und Fauna eigentliche „Natur- 
urkunden", so alt und zugleich so treu und schön, wie sich ihrer keine 
Stadt Deutschlands und der Welt rühmen kann. 

Zwei Höhepunkte des Schaffens können wir in diesen Dar- 
stellungen erkennen, das sind die beiden Rasenstücke (besonders das 
große, die Darstellung eines kleinen Ausschnittes einer Wiese, mit 
äußerst deutlicher Abbildung der einzelnen Arten, die K. fast alle 
mit Sicherheit bestimmen konnte) und die Vogelbilder, unter denen 
besonders das Bild einer glänzend gemalten Mandelkrähe hervorragt, 
und dann die Heilkräuter. Dürer liebte die Natur innig und ver- 
senkte sich mit geradezu wissenschaftlichem Interesse in ihre Ge- 
heimnisse; daher sind auch seine zeichnerischen und malerischen 
Leistungen auf dem Gebiete so hervorragend; er übertrifft durch 
Großartigkeit der Auffassung wie auch durch peinlich genaue Nach- 
ahmung der Einzelheiten alle anderen Pflanzen- und Tierzeichnungen 
jener Zeit, wie sie uns in den Kräuterbücheru oder auf Kunstwerken 
entgegentreten. Unserem Dürer gebührt jedenfalls in einer noch 
zu schreibenden Geschichte naturkundlicher Illustrationen ein dauern- 
der Ehrenplatz. 

Ein zweites Werk S. Killermanns, Ihrer Königlichen Hoheit 
der Prinzessin Therese von Bayern, der ausgezeichneten Amerika- 
forscherin zugeeignet, behandelt: Die Miniaturen im Gebetbuche 
Albrechts V. von Bayern (1574). Ein Beitrag zur Geschichte der 
Insekten- und Pflanzenkunde. (J. H. Ed. Heitz-Straßburg 1911; 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 195 

90 Seiten uod 29 Tafeln.) Das Gebetbuch (im Oktavformat von 
14X8 cm) gehört in die Gattung der Miniaturen*); es ist mit 
9 Vollbildern geschmückt, die hauptsächlich Stoffe aus dem 
Marienleben behandeln. Ferner ist auf jedem der 132 Pergament- 
blätter, die meistenteils beiderseits mit einem lateinischen Texte 
beschrieben sind, ein breiter Rand freigelassen, der mit Tierchen, 
Blumen und Früchten in geschmackvoller Weise geziert ist; mit 
"wunderbarer Treue und Feinheit sind die Farben und Formen der 
Blumen und Insekten wiedergegeben. Das ganze Buch wird durch 
einen rotseidenen Einband zusammengehalten; dazu ist noch ein in 
köstlicher Arbeit verfertigter Buchdeckel aus Silber vorhanden, in 
den das Büchlein nach Belieben gelegt werden kann. Der Wert des 
Buches wird auf 200 000 M. geschätzt; der Einband rührt von Hans 
Lencker her, die Vollbilder und die Zeichnungen werden vom Ver- 
fasser auf Georg Hoefnagel (geb. 1545 in Antwerpen) zurück- 
geführt. Der Verf. hat sich nun der Mühe unterzogen, die dar- 
gestellten Pflanzen und Tiere wissenschaftlich zu bestimmen. Dabei 
ergaben sich recht bedeutungsvolle Aufschlüsse für die Natur- 
geschichte des 16. Jahrhunderts; können wir doch beispielsweise aus 
dem Buche den Bestand der damaligen Gärten ermitteln und nach- 
weisen, welche amerikanischen Pflanzen um 1570 bereits bei uns» 
d. h. in diesem Falle in einem Münchener Garten, kultiviert wurden. 
Außer zahlreichen Gartenpflanzen werden auch viele heimischen 
Pflanzen in vortrefflicher Weise dargestellt. In einem eigenen Auf- 
satze in der Naturwiss. Wochenschrift (XXIV. 1909, Nr. 13, S. 193 
bis 200: Zur ersten Einführung amerikanischer Pflanzen im 16. Jahr- 
hundert) hat der Verf. näher auseinandergesetzt, welche amerika- 
nischen Einführungen sich bereits im Gebetbuche Albrechts V. ab- 
gebildet finden; hier findet sich jedenfalls zum erstenmal Tradescantia 
virgifiica L. dargestellt; ferner ist dort bereits eine Kapuzinerkresse 
(Tropaeohmi) abgebildet, doch genügt leider das Bild nicht zur 
sicheren Bestimmung der Art, vielleicht ist es Tropaeolum minus, 
das damals jedenfalls schon gezogen wurde. Von den abgebildeten 
amerikanischen Pflanzen seien außerdem noch erwähnt: Tagetes 
'patula L., Nicoüana tabacimi L. (in einem feinen farbigen Bilde), 
MirabiUs jalappa L., Ipomoea purpurea Lam. Auch eine i^nzahl 
orientalischer Blumen sind abgebildet, wie die Hyazinthe, die Tulpe 
(diese in verschiedenen Formen). Dieses künstlerisch sehr wertvolle 



*) Miniatur (vom lateinisch minium, Mennige) heißt ursprünglich und im 
eigentlichen Sinne des Wortes der gemalte Schmuck der geschriebenen Bücher 
vor Erfindung des Buchdrucks. ^ 

13* 



196 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Gebetbuch ist ein dauerndes Zeugnis für das Interesse, das im Hause 
Witteisbach immer für Kunst und Wissenschaft rege war; es ist das 
erste und ein in seiner Art einzig dastehendes Denkmal; das die 
Flora und die dazugehörige Insektenfauna zu schildern sucht, eine 
Urkunde für die Naturgeschichte Münchens und seines botanischen 
Hofgartens, und schließlich eine der ersten Quellen für die aus 
Amerika im 16. Jahrhundert eingeführten neuen Pflanzen. Es darf 
daher in einer Geschichte der Botanik nicht übergangen werden. 

An der Erörterung nahmen die Herren Diels, Jahn, Harms 
und Wittmack teil. Herr Jahn wies darauf hin, daß Solms- 
Laubach^) stets ein besonderes Interesse für die Geschichte der 
Einführung unserer Zierpflanzen gezeigt habe; in der genannten 
Arbeit habe er eine Reihe verbreiteter und formenreicher Zierpflanzen 
behandelt und dabei auch einige Punkte grundsätzlicher Art be- 
sprochen, die bei derartigen Forschungen zu beachten sind, so daß 
seine Ausführungen auch für weitere Untersuchungen nach dieser 
Richtung maßgebend sind. Herr Jahn regte an, daß vielleicht Herr 
Prof. S. Ki Hermann veranlaßt werden könne, eine Geschichte der 
Einführung unserer Zierpflanzen zu schreiben, für die er wegen 
seiner vortrefflichen Kenntnis der älteren Literatur wie kein anderer 
die nötigen Vorbedingungen besitze. Diese x^nregung wurde von 
Herrn L. Wittmack unterstützt, der betonte, wieviele Lücken auf 
diesem Gebiete noch auszufüllen seien, für das er selbst einige Bei- 
träge geliefert habe, über CJirysanthenmm indicum (Zum hundert- 
jährigen Jubiläum des Chr. Ind., Gartenflora XXXVIII. 1889, 595 
bis 600, hier auch die ältere Literatur, besonders J. B. Rupprecht, 
Ueber das Chr. ind., seine Geschichte, Bestimmung und Pflege, 
AVien 1833, sowie Ghys, Essai sur le Chrysantheme comprenant son 
histoire, Auzin [Nord] 1887; vergl. ferner k. Credner, Chr. ind. 
und seine Kultur, Möller u. Voigt, Erfurt und Leipzig, 1889), über 
die Georgine (Unsere Herbstfloren und ihre Stammformen, nebst 
Nachtrag, Gartenflora LVL 1907, 617—633, 647, mit Kopien der 
ersten Abbildungen der Dahlien aus F. Hernandez, Rer. medic. 
Novae Hisp. thesaurus, Rom 1648; Die ersten Abbildungen der 
Dahlien, in Sitzber. Ges. Naturf. Freunde [1907] Nr. 9, S. 299—303) 
und zur Geschichte der Begonien (Bull. Congres Internat. Bot. et 
d'Horticult. St. Petersbourg 1884, S. 243—268); eine kurze Geschichte 
der 1733 eingeführten Azcdea indica lieferte G. Truffaut fil. (Ver- 
sailles) in seinem Buche: Etüde sur la culture de l'Azalea indica 

^) Artikel „Zierpflanzen" im Handwörterbuch der Naturwissenschaften, 
(Jena) X. (1915) 929—949. 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 197 

(vergi. Gartenflora XLIII. (1894) 420 ; ganz kurz wird die Geschichte 
erwähnt in Gartenflora XXXV. [1886] 581). Herr Di eis wies auf die 
erst kürzlich von A. W. Hil^) behandelte Geschichte der Einführung 
von Primula obconica Hance hin, eine in mancher Hinsicht vorbild- 
liche Studie, in der z. B. das Auftreten der Variabilität in den einzelnen 
Merkmalen dieser erst seit 1880 bei uns verbreiteten Primel, sowie 
auch die Bastardierungsversuche zwischen ihr und der chinesischen 
Primel genau historisch festgelegt sind. Herr Harms erwähnte die 
Zusammenstellung Dr. Goeze's über die Einführungsjahre der Bäume 
und Sträucher (in Mitt. Deutsch. Dendrolog. Gesellsch. 1916; 
siehe oben). 

Herr H. Harms legte einige von ihm im August 1917 bei 
Graal in Mecklenburg gesammelte Gallen vor, u. a. die Sproß- 
spitzengalle der Zehrwespe Isosoma granünicola auf Triüciim juncenm 
(Sproßspitze schopfförmig vergröiJert, Blattscheiden vergrößert, im 
Mark des Stengels eine dickwandige, über 3—4 Internodien sich 
erstreckende Larvenkaramer; Abbildung in Eoß, Pflzgall. Mittel- und 
Nordeurop. (1911) 89 Fig. 13, 14 für Ägropynim repens, wo dieselbe 
Galle vorkommt). Man findet sie dort am Strande der Ostsee recht 
häufig; die befallenen Exemplare stehen meist gruppenweise bei- 
sammen und sind durch starke Anschwellung der Sproßspitze leicht 
kenntlich, die Blattscheiden sind stark verbreitert und oft violett- 
rötlich überlaufen. Auf Phragmites communis findet sich dort am 
Strande auch nicht selten die ebenfalls in Anschwellung der Sproß- 
spitze bestehende Galle der Fliege Lipara lucens (Spindelförmige 
Anschwellung mit etwas verholzter Achse, Blattscheiden eng 
anliegend, stark entwickelt, Blattfläche sehr reduziert oder fast 
fehlend). — Auf den Aeckern war die in Anschwellungen der 
Blütenknospen bestehende Galle von Dasyneiira raphanistrl auf 
B.ap}ianus raphanistrum sehr häufig. Sehr verbreitet war auch dort 
die Käfergalle von Gymnetron an Linaria vulgaris (kugelige bis 
eiförmige Knollen am Wurzelhals). Die in unsern Verh. LVIII, 
1916, (1917) 158 besprochene Galle') von Dasyneura galeohdolontis 
auf Lamium galeohdolon war in der Rostocker Heide nicht selten 
auzutreff'en. Auftallend war in diesem Jahre die Seltenheit der 
Eichengallen; doch fanden sich an einer Stelle des Waldrandes 



*') Arthur W. Hill, The history of Primula obconica Hance, under 
cultivation, with some remarks on the history of Primula sinensis Sab. (Journal 
of Genetics H. Nr. 1. [Febr. 1912] 20 S., 2 Tafeln). 

') Für Mecklenburg ist dort S. 163 nur ein Standort genannt: am Flauer 
See (Jaap br.). 



198 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

die sonst häufigen Gallen von Dijilolepis longiventris und D. quercus 
folii in reichster Meng-e. Als ein bemerkenswerter Fund sei die 
Galle von Rhopalomyia tcmaceticola auf Tanacetum vulgare angeführt: 
Vorbildungen und Vergrößerungen einzelner Blüten des Köpfchens. 
— Für Mecklenburg besitzen wir eine Zusammenstellung der Gallen 
in der Abhandlung von F. Rudow, Die Pflanzengallen Norddeutsch- 
lands und ihre Erzeuger (Archiv der Freunde der Naturgeschichte 
in Mecklenburg XXIX. 1875, S. 1—96); leider gibt der Verfasser 
der schon recht veralteten Arbeit keine genaueren Standorte an. 

Herr E. Jahn zeigte einen Pilz, Hydnum jmsÜhim, der von 
der Westfront, von unserm Mitgliede Herrn A. Nauwerck, vom 
Chemin des dames eingesandt worden war; ferner eine Kultur von 
Sporodinia grandis auf einem Stücke eines Riesenbovist unter Hinweis 
darauf, daß diese Art 1818 von stud. med. Ehrenberg bei Berlin 
entdeckt worden sei, der die Jochsporenbildung daran beobachtet 
hatte. Sodann besprach er neuere Literatur unter Vorlage folgender 
Werke: 1. Einer neuen Auflage von E. Michael, Führer für Pilz- 
freunde, in der die von Herrn Roman Schulz angegebenen Fehler z. T. 
verbessert sind und sich auch einige neue Abbildungen finden. 2. Der 
Abhandlung von Petersen über die aerophilen x4,lgen Dänemarks 
(Studier over Danske Aeroflle Alger in Mem. xicad. Roy. Sei. et 
Lettres, Kopenhag. 1915), wobei er auf die in feuchtem Sande oder 
an Strohdächern lebenden Diatomeen^ die sich bei Gattungen wie 
Navicula, Pinnularia u. a. finden, näher einging, und ebenso auf 
die aerophilen Chlorophyceen, die entweder im Boden, oder Va m 
über dem Boden oder noch höher darüber, oder endlich auf hohen 
Aesten vorkommen können und zu den Pleurococcaceen, Proto- 
coccaceen, Urococcaceen, Vaucheriaceen u. a. gehören. Besonders 
schwierig sei die Gattung Protococcus. 

Zum Schluß brachte Herr Fr. Duysen eine Mitteilung über 
Elodea canadeyisis und zeigte ein Exemplar mit 9 Blüten vor, 
worauf sich eine kurze Debatte über das Fehlen der d" Exemplare 
in Europa zwischen den Herren Wittmack, Sabalitschka und 
Jahn entspann. 

Nach der Sitzung fand eine Besichtigung der von Herrn 
E. Ulbrich im Botanischen Museum veranstalteten Ausstellung eß- 
barer und giftiger Pilze unter seiner Führung statt, wobei ei- 
erklärende Erläuterungen gab. Einen ausführlichen Bericht darüber 
hat er in der Gartenflora, 66. Jahrg., Heft 19 und 20, vom 5. Oktober 
1917, S. 297—301, mit Abbildungen veröffentlicht. 

Th. Loesener. 







VERHANDLUNGEN 



DES 



BOTANISCHEN VEREINS DER 
PROVINZ BRANDENBURG. 



SECHZIGSTER JAHRGANG. 

1918. 



IM AUFTRAGE DES VEREINS 

HERAUSGEGEBEN 
VON DEN SCHRIFTFÜHRERN 

H.HARMS, TH.LOESENER, E. TESSENDORFF. 



Selbstverlag 
des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg-. 



Dahlem-Steglitz bei Berlin, 

Botanisches Museum, Königin-Luisestraße 
1918. 



L 



ERHANDLÜNGEN 



DES 



BOTANISCHEN VEREINS DER 
PROVINZ BRANDENBURG. 



SECHZIGSTER JAHRGANG. 

1918. 



IM AUFTRAGE DES VEREINS 

HERAUSGEGEBEN 
VON DEN SCHRIFTFÜHRERN 

IL HARMS, TH.LOESENER, F. TESSENDORFF. 

ßOTANlCAl, 
OAROE» 

Selbstverlag 

des Botanisclien Vereins der Provinz Brandenbnro:. 



Dahlem-Steglitz bei Berlin, 

Botanisches Museum, Königin-Luisestraße 6- 
1918. 



Ausgegeben am 16. Dezember 1918. 



Die nächsten monatlichen Vereins-Sitzungen finden um 7 Uhr 
abends statt: 



Freitag, den 20. Dezember 1918 
den 17. Januar 1919 



in Berlin im Restaurant 



den 21. Februar 1919 1 "^^^ Heidelberger" 

„ den 21. März 1919 I Dorotheenstr. 16. 

Donnerstag, den. 17. April 1919 > in Berlin-Dahlem, 

Freitag, den 16. Mai 1919 im Botanischen 

„ den 19. September 1919 J Museum. 

Alle für den Druck bestimmten Beiträge sind völlig druckreif dem 
zeitigen ersten Schriftführer, Professor Dr. Th. Loesener, Dahlem-Steglitz 
bei Berlin, Botanisches Museum, Königin-Luisestr. 6 — 8, zuzusenden. 

Es wird gebeten, sämtliche für den Verein bestimmten Drucksachen, sei 
es durch die Post, sei es auf buchhändlerischem Wege, ohne persönliche An- 
schrift an den Botanischen Verein der Provinz Brandenburg, Dahlem- 
Steglitz bei Berlin, Botanisches Museum, Königin-Luisestraße 6 — 8, 
adressieren zu wollen, da der Bibliothekar, Herr F. Tessendorff, zurzeit im 
Felde steht. 

Die neu eintretenden Mitglieder können den Bibliotheks-Katalog zum 
Preise von 1,20 Mark von dem Herrn Bücherwart erhalten. 



Die Mitglieder, welche den Jahresbeitrag für 1918 noch nicht entrichtet 
haben, werden gebeten, ihn mit 6,05 Mark (eiaschließlich Bestellgeld) gefälligst 
kostenfrei an unsern Kassenführer, Herrn Apotheker R. Güldenpfennig 
in Berlin-Steglitz, Beymestraße 6, einsenden zu wollen. 

Laut Beschluß der Herbstversammlung vom 19. Oktober 1918 
ist der Mitgliedsbeitrag für 1919 auf 8 Mark festgesetzt. 

Laut Vorstandsbeschtuß sollen die Beiträge der Groß=Berliner 
Mitglieder im Laufe des Januar durch die Berliner Paketfahrt ein= 
gezogen werden; für alle ordentlichen Mitglieder soll die Be= 
Stimmung gelten, daß der Beitrag durch Postauftrag eingezogen 
wird, falls er nicht bis zum 1. April an den Kassenführer eingezahlt 
worden ist. 

Aenderungen in der Adresse wollen die Mitglieder gleichfalls dem 
Herrn Kassenführer kurz mitteilen. 



Inhalt. 



Seile 

Jaap, 0. Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten 

Zoocecidien 1 — 55 

Ulbrich, E. Die nördliche Niederlausitz . . 56—106 

Graf von Schwerin, F. Veränderungen der Holzstruktur 107—116 

Graf von Schwerin, F. Ueber das Variieren der Pflanzen in ilirer 

chemischen Zusammensetzung 117 — 122 

Raebinger, H. Zur Beurteilung der Genußfähigkeit von Ämanita 

jKintherina 123 — 12-1 

Loesener, Th. Nachruf auf Hans Fo erster . 125—130 

Harms, H. Bericht über den Ausflug des Bot. Vereins in das Tal 

der oberen Löcknitz am 26. Mai 1918 131—135 

Darin : 

Schulze, P. A^erzeichnis der gesammelten Gallen ..... 134 — 135 

Harms, H. Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre 136 — 194 
Glückwunschschreiben an' die Senckenbergische Naturforschende 

Gesellschaft in Frankfurt a. Main ■ . 136 

Harms, H. Literatur über Geschlechtsveränderung bei Pflanzen 137 — 138 
Harms, H. Besprechung der Arbeiten von F. Pax über die 

polnische Flora . . . ."^ . 138—140 

Jahn, E. üeber Korkleisten bei Acer campestre 140 

Duysen, Fr. Ueber die Einwirkung des strengen Winters und 

der sommerlichen Dürre auf die Schädlinge ...... 140 — 141 

Weiße, A. Ueber zwei monströse Maispflanzen 141 — 145 

Glückwunschschreiben an Herrn C. Warnstorf . . . . . 146 

Schreiben an die Kgl. Ungarische Gesellsch. d. Wissenschaften 147 
Glückwunschschreiben an die Naturforschende Gesellschaft in 

üanzig ' 147—148 

Diels, L. Ueber Verschiedenheiten in den Standortsverhält- 
nissen bei einer und derselben Pflanzenart 149 

Graf von Schwerin. F. Ueber Atterrenisation 150 

Sabalitschlia, Th. Bespricht Arbeiten von R. Willst ätt er 

imd A. Stoll 151-154 

Weiße, A. Bespricht das Buch „Wildgemüse und Pilze" . . 154—155 
Harms, H. Bespricht die Arbeit von R. Rakete über Anbau 
und Verwendung von Panicum sanguinale und Setaria 

italica in der Görlitzer Heide 155—159 

Glückwunschschreiben an I. Urban 159 — 161 

Glückwimschschreiben an E. Koehne 162 — 165 

Harms, H. Ueber Pflanzenfunde aus altperuanischen Gräbern . 165 — 166 

Koikwitz, R. Ueber Apfelschalentee 167—168 



Inhalt. 

Seile 

Herter, W. Ueber die Schimmelpilze des Brotes 168 — 171 

Karstadt, C. Ueber die Erhaltung der Lebuser'Adonis-Berge . 172—174 

Harms. H. Ueber Fruchtbildung bei Aiiciiha japonica . . . 174 

Pohle, R. Lichtbildervortrag über die A'egetation in Sibirien 175 

Geisenheyner. L. Ueber das Oel aus der Frucht von Cornns 

sanguinea 175 

Besichtigung des Instituts für Vererbungsforschung unter der 

Führung von E. Baur 176 — 177 

Loesener. Th. Bespricht die Arbeit von H. Fo er st er, Bäume 

in Berg und Mark 177 — 178 

Harms, H. Legt vor die Arbeit von H. de Vries (Von den 

Amoeben bis zum Menschen) und die Mitteilungen aus der 

Forstl. Versuchsanstalt Schwedens 178 

Warnstorf, C. Ueber Gallenbildung auf Nasturtium silvestre . 179—181 
Harms, H. Nachschrift dazu (Literatur über die Galle auf 

Nasturtium) 181 — 184 

Warnstorf, C. Xero-photophüe Pflanzengenossenschaften in den 

Rauhen Bergen bei Steglitz 184 — 187 

Warnstorf, C. Ueber Potentilla recta L. bei Stahnsdorf . . . 187—188 
Harms, H. Bespricht die von der Landesfuttermittelstelle 

in Bützow (Mecklenburg) herausgegebenen Rund- 
schreiben zur Bucheckernsammlung 188—190 

Hillmann, J. Bespricht die Sammlung H. Sandstede, Cladoniae 

exsiccatae 190 ' 

Charton, J. D. Ueber das Vorkommen von Salvia aethiopis 

am Bielstein in Hessen 190 — 191 

Harms, H. Nachschrift dazu (Literatur über das Vorkommen 

der Salvia aethiopis in Deutschland) 191—193 

Graebner, P. Ueber die Standortsverhältnisse einiger Arten des 

Waldes von Bialowies 193—194 

Hedicke, H. Nachruf auf A. Nauwerck 195—196 

Harms, H. Bericht über die 105. (49. Herbst-) Haupt-Versammlung 

in Berlin am 19. Oktober 1918 197—205 

Harms, H. Jahresbericht 197—199 

Gerber, J. Kassenbericht 199—200 

Ergebnis der Wahlen 200 

Antrag auf Erhöhung des JMitgliedsb eitrages auf 

8 bezw. 10 Mark • • • , 201 

Herter, W, Ueber das Oel aus den Beeren von Sambucus 

racemosa 201—202 

Sabalitschka, Th. Ueber den Giftstoff der Buchein .... 202—204 

Herberg, M. Ueber tropfsteinartig abgelagerten Holzschliff . . 204 — 205 
Schlkora, F. Ueber die Rolle, die Oscillarien in einem Falle 

bei der Bildung von Holzschliff spielten 205 



Verzeichnis 

der bei Triglitz in der Frignitz beobachteten 

Zoocecidien nebst Bemerkungen zu einigen in 

meiner Sammlung ausgegebenen Arten. 

Von 

Otto Jaap. 

Vorliegende Arbeit ist das Ergebnis einer etwa 15jährigen 
Beobachtung und Sammeltätigkeit des Verfassers bei Triglitz in der 
Prignitz. Das gesammelte Material hat zum größten Teil dem 
rühmlichst bekannten Gallenforscher Herrn Professoi' Ew. H. Riib- 
saamen zur Durchsicht vorgelegen; es befindet sich jetzt in der Station 
für Pflanzenschutz in Hamburg. Aus zahlreichen Mückengallen, 
namentlich solchen, deren Erzeuger noch unbekannt oder ungenügend 
beschrieben waren, zog Rübsaamen die Tiere aus Material von 
Triglitz und beschrieb sie, teils in Marcellia XIV (1914): Cecido- 
myidenstudien IIL teils in Sitzungsberichten der Gesellschaft natur- 
forschender Freunde, Berlin, 1915—1917: Cecidomyidenstudien IV. 
V und VI. Alle diese Arten sind in der Aufzählung durch ! ge- 
kennzeichnet. Bei den Gallmilben aber bedeutet dieses Zeichen, 
daß Herr ßegierungsrat Prof. Dr. A. Nalepa, bekanntlich der beste 
Kenner der Eriophyiden, die Tiere in dem betreffenden Material 
nachgewiesen hat. Das bisherige Ergebnis sind 42 neue Gallmücken 
und 6 neue Gallmilben. Die neuen Gallmücken sind folgende: 
Jaapiola tarda auf Carex vesicaria, Contarinia floruni auf 
Convallaria majalis, Contarinia polygonati SluI Polygon atum 
midtiflonim, Marmandia populi omI Poindus tremula, MJiab- 
dophaga gemmarum SiXii Salix aurita, JSeliconiyia deletrijc 
auf Salix alba und S. fragilis, ^liabdoptliaga Jaapi auf 
Salix repens, Jth. oeuliperda auf Salix aurita, Hh. exsiccan» 

Abhandl. des Bot. Vereins f. Brandenb. LX. -j 



'2 Otto Jaap : 

auf Salix repens, Dasyneura auritae auf Salix aurita. 
Dasyneurci dryophila auf Qaercus robur. Macrolahis 
Jiolosteae auf Siellaria liolostea, Dasyneura Jaapiana auf 
Fiiipendula ulmaria, Contarinia floriperda und Clino- 
diplosis sorMcola auf Sorbus aucuparia, Coutarinia geicola 
auf Oeum rivale und G. urbaniun. Macrolahis rosae auf Bosa 
canina, Jaapiella sarothanfiii auf Sarotham^rus scoparius. 
Jaapiella Jaapiania auf Medicago lupulina, Tricholaba 
trifolii auf Trifolium pratense, Dasyneura spadicea^ 

D. Loewiana und Tricholaba siniilis auf Yicia cracca, 
ContafHnia Jaapi und Jaapiella volvens auf Lathyrus 
pratensis^ Dasyneura frangulae auf Frangula alnus, 
Contarinia inquilina, Trotteria n. sp.. Dasyneura umhella- 
taruni und Ameraplia gracilis in den Kiefferia- Gallen auf 
Pimpinella, Dasyneura n. sp. auf Pimpinella saxifraga, 
Dasyneura angelicae auf Angelica silvestris, Jaapiella 
catariae auf Nepeta rataria, Contarinia laniiicola auf 
Lamiiim maculatum, JKacrolabis Jaajii auf Oalium aparine, 
Contarinia dipsacearuni auf Succisa pratensis, Misopatha 
cajnpestris und Cecidophila arteniisiae auf Artemisia cam- 
pestris, Contarinia arteniisiae auf A. vulgaris, Clinodi- 
plosis (?) oleracei auf Cirsium oleraceum, Jaapiella cirsiicola 
•auf Cirsium- KYt&w, Macrolahis hieracii auf Hi er aci um- Arten. 
Die neuen Gallmilben sind: Eriophyes tenuis var. lissus auf 
Molinia coerulea, E. longirostris auf Alnus gluiinosa, 

E, goniothoradc var. sorbeus auf Sorbus aucuparia, JE. 2>i*'i 
var. niarginemtorquens auf Pirus acerba, Phyllocoptes 
reticulatus var. lathyri auf Latliyrus pratensis und Eriophyes 
tuberculatus var. calatliinus auf Tanacetum vulgare. — Mit- 
aufgenommen wurden auch die zahlreichen Veränderungen, die die 
Larven der Schaumzikade besonders an den Wiesenpflanzen hervor- 
rufen, da sie doch auch wohl den Gallbildungen zugezählt werden 
müssen. Auch hier liegt viel neues M9,terial vor. — Nach jahre- 
langem Beobachten an derselben Oertlichkeit ist es nun auch möglich. 
2;uverlässige Angaben über die Häufigkeit oder Schädlichkeit des 
Auftretens der Gallentiere hinzuzufügen. Selbstverständlich müssen 
solche Angaben Durchschnittsangaben sein; denn in einem Jahre 
kann eine Galle sehr wohl häufig sein, während sie in einem andern 
selten ist oder garnicht beobachtet wird. Miterwähnt wurden 
schließlich auch einige Parasiten, die Verfasser aus den Gallen ge- 
zogen hat und die von Herrn Dr. H. Hedicke bestimmt worden sind. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 3 

Die Anordnimg der auf einer Pflanze beobachteten Cecidien 
geschah nach dem bekannten Buch von Dr. H. Eoß: Die Pfl.anzen- 
gallen Mittel- und Nordeuropas. 1911. Wo es notwendig erschien, 
wurde die betreffende Nummer der Galle aus diesem Buch zitiert 
(abgekürzt: R.), bei einigen Arten auch die Nummer, unter der die 
Galle in dem großeu Werk von C Houard: Les Zoocecidies des 
Plantes d'Europe etc.. 1908 — 13, beschrieben worden ist (abgekürzt : 
H.). Nach diesem W^erk wurden auch die Nährpflanzen angeordnet. 
Eine alphabetische Anordnung derselben mag aus manchen Gründen 
praktisch sein; doch kann sich Verfasser damit nicht befreunden. 
Als Grundlage zur Bezeichnung der Nährpflanzen diente die Flora 
des nordostdeutschen Flachlandes von Ascherson und Gra ebner, 
1898 — 99. Die iVutorenbezeichnung der Galle konnte wegen Literatür- 
mangels leider noch nicht bei allen Arten genau festgestellt werden. 
Eine große Zahl der bei Triglitz beobachteten Gallen ist in der 
vom Verfasser herausgegebenen Zoocecidien-Sammlung, von der 
bisher 500 Nummern erschienen sind, verteilt worden. Die Nummer 
der Sammlung ist in diesem Verzeichnis bei der betrettenden Art 
unter Z. S. angeführt worden.. 

Allen denen, die den Verfasser . beim Studium der Zoocecidien 
unterstützten, ganz besonders aber Herrn Professor Ew. H. Rüb- 
saamen, sei auch an dieser Stelle bestens gedankt. 

MuscL 

Fontinalis aiitipyretica L. 

Tylenchus sp. 
Blätter an der Sproßspitze knospenartig gehäuft. — In einer alten 
Mergelgrube, nur einmal beobaclitet; neue Nährpflanze. 

tPilices. 

Athyriuni filix fetuhia (L.) Roth. 
Anthomyia signata (Brischke). 

Nicht sehr verbreitet, nur stellenweise, an den Fundorten jedoch 
ziemlich häufig I — Z. S. 401. 

Aspidiuiu thelypteris (L.) Svv. 
Anthomyia signata (Brischke). 
Nicht häufig'. 



4 Otto Jaap: 

JPteridium aquilifium (L.) Kuhn. 
Anthomyia sigriata (Brisclike). 
Da der Adlerfarii bei Triglitz nicht häufig ist, wurde die Galle 
auch nur wenig beobachtet. — Z. S. 1 von Sattenfelde bei Oldesloe 
in Schleswig-Holstein. 

Dasyneura pteridicola (Kieff.) Eübs. 
Wie die vorige Art. — Z. S. 201 aus dem Sachsenwald. 



Coni/e 



rerae. 

JPinus L. 

Evetria buoliana Schiff. 

Auf P. süvestris L. häufig, den jungen Kiefern sehr schädlich; seltener 
auf P. Banksiana Larab. 

Eriophyes pini Nal. 
Auf P. silvestris L., nicht sehr häufig, aber auf einigen älteren 
Bäumen massenhaft auftretend. — Z. S. 101. 

Evetria resinella L. 
Sehr häufig und schädlich an P. silvestris L., spärlicher an P. Bank- 
siana Lamb. — Z. S. 102. 

Insekt? 
Mißbildung der Nadeln von P. Banksiana Lamb.; entspricht der 
Abbildung und Beschreibung in Houard: Les Zoocecidies, des 
Plantes d'Europe, III, S. 1264, von P. halepensis Mill. — Scheint 
in Deutschland und auf dieser Kiefer bisher noch nicht beobachtet 
worden zu sein. Diese amerikanische Kiefer wird erst seit einigen 
Jahren hier kultiviert. 

Thecodiplosis brachyntera (Schwägr.) Kieff. 
Auf P. silvestris häufig! An manchen Bäumen in großer Menge 
und dann sehr schädlich. — Z. S. 152. Auf P. austriaca Höß bei 
Laaske. 

Brachonyx pineti Payk. * 

Auf P. silvestris L., nicht selten; spärlich auch auf P. Banksianah'dmh, 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. «-^ 

Larix decidua Miller. ^ 

■ Adelges geniculatus Ratz. 
Die Lärche ist hier nur wenig* angepflanzt und die Laus tritt nur 
an einigen Bäumen zahlreich auf. 

Picea excelsa (Lam.) Link. 
Chermes abietis L. 
Nicht häufig, weil die Fichte hier nur wenig vorhanden ist. häufig 
aber in der Nähe bei Laaske. — Z, S. 252 als Adelges abietis L, 

Cnaphalodes strobilobius (Kalt.) C. Börner, 
Wie die vorige Art. — Z. S. 251. An manchen Bäumen in solcher 
Menge, daß die Zweige, namentlich die unteren, zum Absterben 
gebracht werden. 

Juniperus communis L. 

Schmidtiella gemm'arum Rübs. in Marcellia 1914, S. 89. 
Häufig und wohl in ganz Norddeutschland die häufigste Jiuäperus- 
Galle, aber leicht zu übersehen. Nicht nur an wildwachsendem 
Wachholder, sondern auch in Gärten, Anlagen und auf Friedhöfen 
stets von mir gefunden, wo ich nur danach suchte. Die Galle ist 
nicht immer knospenförmig, sondern sehr veränderlich und erreicht 
zuweilen fast die Länge der Nadeln, die dann nach oben lötfelförmig 
verbreitert sind, so namentlich an den Sproßspitzen I — H. 125 und 
R. 889 gehören wohl zu dieser Art. ^ Z. S. 402. 

Oligotrophus juniperinus (L.) Winn. 
^^icht selten! — Z. S. 2 (als 0. Panteli Kieff".). Man vergleiche 
Rübsaamen, Cecidomyidenstudien IV in Sitzungsber. Ges. naturf. 
Freunde, Berlin, 1915, S. 553. — 0. Panteli Kieff. ist nur ein 
Name und als Synonym wahrscheinlich hierher zu ziehen. 

0. Schmidti Rübs. in Marcellia 1914, S. 9L 
In Gesellschaft der vorigen und dieser ähnlich, aber etwas kleiner 
und seltener. In Thüringen sah ich diese Galle häufiger! — Z. S. 403 
von Jena. 

Die Jimiperus -Gsilleii sind zur Zeit nach den vorhandenen 
Bestimmungstabellen nicht immer mit Sicherheit zu bestimmen, da 
die meisten sehr veränderlich sind und einige sich sehr ähneln; es 
müssen daher die Tiere gezüchtet werden. Ich sammelte in Dal- 
matien auf Juniperus oxycedrus L. eine Galle, die ich unbedingt für 



6 Otto Jaap : 

das Produkt von 0. juniperinus hielt, aus der Herr Professor 
Rübsaameu aber eine neue Mücke zog, die er a. a. 0., S. 555, 
als 0. oxycedri Ixübs. beschrieben hat. — Z. S. 253 von Ragusa. 

Sramina. 

Calaniagrostis epigeios (L.) Roth. 

Isosoraa calamagrostidis Hed. 
Bisher nur an einer Fundstelle, nicht häufig! 

Lasioptera sp. 
Nicht häufig! Im unteren, etwas angeschwollenen Teil des Halmes 
rote Larven. 

Lepidopterarum sp. 
Schwache Anschwellung des Halmes, mehrere Larvenkammern über- 
einander, August 1913! 

Holcus mollis L. 

Brachycolus stellariae (Hardy) Bückt. 
Häufig! — Z. S. 404. 

Aera caespitosa L. 

Lepidopterarum sp. 
Schwache Anschwellung des Halmes. Mehrere Larvenkammern über- 
einander. Nicht häufig. Neu. September- 1914. 

Tarsonemus sp. 
Neue (jralle! Bisher nur an einer Stelle. — Sproßachse gestaucht,- 
Blüten vergrünt, in Knäueln. Tiere besonders zwischei) Halm und 
Blattscheide. 

JPhragniites communis Trin. 
Lipara lucens Meigen. 
Hier nicht häufig. Sehr häufig z. B. in der Umgegend von Hambui'g; 
Z. S. 26 von Escheburg bei Bergedorf. 

Tarsonemus phragmitidis Schlechtd. * 

Bisher nur an einer Fundstelle, aber dort zahlreich! — Z. S. 203. 

Molinia coerulea (L.) Mönch. 
Pemphigocecis ventricola Rübs. 
Nicht häufig! R. 1080. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 7 

Eriophyes tennis Nal. var. lissus Nal. iu litt. 
Achse der Rispe meist etwas gestaucht. Rispenäste verkürzt und 
gehäuft, Rispe zuweilen fast gekuäuelt. Neu! — Z. S. 451. 

Festuca ovina L. 

Isosoma Hieronymi Schlechtd. ' 

Selten; bisher mir einmal beobachtet. 

Bromus niollis L. 

Eriophyes tenuis Nal. 
Nicht häufig. — Z. S. 204 von Duhnen bei Cuxhaven. 

Agropyrum repens (L.) Pal. 

Isosoma hyalipenne Walk. (I. graminicola Gir.). 
Nicht selten. R. 70. 

J. hordei Harr. 
Häufig. R. 72 und 76. — Z. S. 452 (I. agropyri Schlechtd., 
nom. und.!). 

Siphonaphis padi (L.) v. d. Goot (Aphis avenae Fabr.). 
Nicht selten. 

Qyperaceae. 

Carex L. 

Dichrona gallarum Rübs. 
Auf C. Goodenougliii Gay, häufig!. Z. S. 205; seltener an C. stricta Good. 

Jaapiola tarda Rübs. in Marcellia XIV (1914), S. 95. 
KVitC^veslcaria L., nicht selten! Z. S. 254.- Auch bei Piitlitz und 
Hamburg, Z. S. 453; wahrscheinlich eine weit verbreitete Art. Die 
Gallen sind denen der vorigen Art ähnlich, aber größer und dauernd 
weiß, während die der vorjährigen sich frühzeitig bräunen. 

In dieser Galle lebt auch Sterrhanlus corneolus Rübs. als 
Inquilin. — Eine ganz ähnliche Galle beobachtete ich hier auf 
C. pseudocyperus L. 

Wachtliella riparia(Winn.) Rübs. in Cecidomyid. IV, S. 545. 
Auf C. imlpina L., hier nicht häufig! Sehr häufig an der Elbe bei 
Hamburg, Z. S. 103. — Synonym: Dasyneura muricatae (Meade). 
R. 396. Auf C. muricata L. fand ich die Galle bei Paulinenaue im 
Havelländi scheu Luch. 



o Otto Jaap: 

Juncaceae. 

Jtmcus Ij. 

Li via juncornm Latr. 
Auf /. lamprocarpiis Ehrh. und ./. supinus Mönch, ziemlich häufig. 

Ciliaceae. 

Convallaria majalis L. 

Contarinia florum Rübs. in Cecidomyidenstud. VI(1917), S. 90. 
R. 502. Maiblumen sind bei Triglitz nur spärlich vorhanden; daher 
wurde die Galle nur wenig beobachtet. 

Polygonatuni mtütiflorwtn (L.) All. 
Contarinia polygonati Rübs. n. sp. in litt. 
Nicht selten; auch im Eisholz bei Laaske! Blüten etwas ange- 
schwollen, geschlossen bleibend; darin zahlreiche weiße Larven, neu, 

Majantheniuni bifoUum (L.) F. W. Schmidt. 
Cecidomyidarum sp. _ 

Blüten geschlossen bleibend, grünlich weiß, weiße Larven; neu. 

Juglandaceae. 

Juglans regia Tj. 

Eriophyes tristriatus Nal. v. erineus Nal. 
Li manchen Jahren häufig. — Z. S. 4. — Die Hauptform sah ich 
bisher im norddeutschen Flachlande nicht. 

Salicaceae. 

JPopulus L. 

Eriophyes dispar Nal. 
Auf P. tremula L., ziemlich selten; bisher nur an einigen Sträuchern. — 
Z. S. 352 vom Sachsenwald bei Hamburg, 

E, populi Nal. 
Auf P, tremula L., ziemlich häufig. — Z, S, 27. — Den jugendlichen 
Bäumen sehr schädlich. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. ^^ 

Cliionaspis Salicis (L.) Sign. 
An P. tremula L., Eindellungen der Einde, wie sie z. B. an Alnus 
)mosa (L.) Gärtn. häufig vorkommen. Neu. 



Euura atra Jur. 
Auf P. tremula L. Schwache Anschwellung der einjährigen Sproß- 
achsen. Das Tier wurde von Prof. Rübsaamen gezogen und von 
Dr. Enslin bestimmt. Von Pappel bisher unbekannt. 

Saperda populnea L. 
An P. tremula L., sehr häufig; Z. S. 27; seltener an P. cajiadensis 
Michaux. 

Nepticula argyropeza Zell. 
Auf P. tremula L., sehr häufig. — Z. S. 302. 

Syndiplosis Winnertzi ßübs. in Zeitschr. f. wiss. Insekten- 
biologie VII (]911), S. 13. 

Auf P. tremula L., ziemlich häufig! — Z. S. 107, als Harmandia 
petioli Kieff. — R. 1265 und 1274. 

Pemphigus bursarius (L.) Kalt. 
Auf P. italica Mönch und P. iiigra L. 

P. spirothecae Pass. 
Auf P. italica Mönch, sehr häufig. Z. S. 109, weniger an P nigra L. 

Trichiocampus viminalis Fall. 
Auf P. tremula 'h., nicht selten. 

Eriophyes diversipuuctatus Nal. 
Auf P. tremula Ij., sehr häufig. — Z. S. 108. 

Pemphigus filaginis (Fonsc.) Paß. ^- 
Auf P. italica Mönch und P. nigra L., häufig. Die Frühjahrs- 
generation: P. marsupialis (Koch) Licht. — Z. S. 406 von Jena. 

Harmandia cavernosa (Rübs.) Kieff. 
Auf P. tremula L., häufig! — Z. S. 54. 

H. populi Rübs., Cecidomyidenstudien VI in Sitzungsber- 
Ges. naturf. Freunde. Berlin, 1917, S. 82. 

Auf P. tremula L.! Die Gallen sind denen der vorigen Art ähnlich, 
aber etwas kleiner. 



10 Otto Jaap: 

Lasioptera populnea Wachtl. 
Auf P. trenmla L. — Z. S. 55. Bedarf noch weiterer Beobachtung'. 
Die bisher aus dem Material von Triglitz gezogenen Mücken gehören 
nach Prof. Eübsaamen der folgenden Art an. 

Sj'ndiplosis populi ßübs. a. a. 0., S. 81. 
Auf P. trenmla L., häufig! Die Gallen gleichen denen der vorigen 
Art, Man vergleiche die Ausführungen ßübsaamens a. a. 0.. S. 76, 

Harmandia globuli (Rübs.) Kieff. 
Auf P. trenmla L., häufig! — Z. S. 53. 

H.. n. sp.? 
Auf P. trenmla L. — Galle der der vorigen Art ähnlich, aber dünn- 
wandiger und am Grunde eingeschnürt. Erzeuger noch unbekannt. 

H. Löwi (Rübs.) Kieff. 
Auf P. trenmla L., ziemlich häufig! — Z. S. 52. 

Thecabius affinis (Kalt.). 
Auf P. italka Mönch und P. nigra L., nicht selten. — Z. S. 353 
von Jena. 

Dasyneura popületi Rübs. 
Auf P. trenmla L., häufig! — Z. S. 156. 

Phyllocoptes populi Nal. 
Auf P. trenmla L., sehr häufig. — Z. S. 5. 



Eriophyes varius Nal. 
Auf P. trenmla L.: viel seltener als vorige Art. 

Salix L. , 

? Phyllocoptes parvus Nal. 
Wirrzopf an S. alba L., hier selten. 

Eriophyidarum sp. 
Wirrzopf au S. fragüis L. und S. fragilis L. X pentandra L., nur 
wenig beobachtet. 

Euura saliceti (Fall.)., 
An S. aurita L. und S. cinerea L. häufig, seltener an S. viminalis L. 
— Z. S. 304. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 11 

Rliabdophag-a gemmarum Rübs. a. a. 0.. IV, S. 540. 
Auf S. aurita L. — Knospengalle wie die der vorigen Art, nur 
etwas kleiner. 

Helicomj^ia pnlvini (Kieff.) Rübs. 
Häufig! Beobachtet an S. aurita L. (am häufigsten), 5'. cinerea L., 
S. aurita X cinerea, S. aurita X repens, S. caprea L. — R. 1655, wohl 
auch 1653 (Rhabdophaga superna Kieif., nom. nud.). Auch Rhab- 
dophaga rosariella Kieif., nom. nud.,. ist nach Prof. Rübsaamens 
Züchtergebnissen dieselbe Art; R. 1659. Sie ist auf S. aurita L., 
S. cinerea L., S. repens L. und 8. aurita X re;pens bei Triglitz nicht 
selten. — Z. S. 456. 

Rhabdophaga, n. sp. 
Auf t^alix repms L., häufig! Knospen verlängert, aus schuppen- 
förmigeu Blättern bestehend, meist gehäuft, besonders an der Sproß- 
spitze. Mücke noch nicht bestimmt. 

Helicomyia deletrix Rübs. n. sp. in litt. 
Starke Anschwellung des Blattkissens. Auf S. alba L., S. fragilis L. 
und S. alba X fragilis^ häufig! — Z. S. 455. Die Meisen stellen den 
Larven sehr nach, wobei die Zweige derartig beschädigt werden, 
daß sie in den meisten Fällen vertrocknen. ■ Hier sind also nicht 
die Insekten, sondern die Vögel die Schädlinge. — Von , Parasiten 
zog ich aus der Galle Syntomaspis sp. 

Aphis amenticola Kalt! 
Auf S. caprea L., nicht häufig: R. 1662. 

Dasyneura terminalis (H. Loew) Rübs. 
Häufig. An S. fragilis L. !, S. fragilis Xpentandra, 8. alba L. !, Z. S. 256, 
8. alba X fragilis, Z. S. 207, 8. purpurea L. 

Rhabdophaga rosaria (H. Loew) Kieif. 
Häufig. Bisher auf 8. fragilis L., -S*. alba L.!, 8. alba >. fragilis l, 
Z. S. 354, 8. cinerea L., 8. caprea L., -S'. aurita L.j Z. S. 162, 
8. repens L., 8. aurita X repens, 8. aurita X purpurea. 

Rh. Jaapi Rübs. a. a. 0., IV, S. 526 (mit Abbildung). 
Auf 8. repens L. und 8. aurita X repens, häufig! — Z. S. 303. Auch 
bei Hamburg häufig. 

Rh. heterobia (H. Loew). 

Auf 8. amygclalina L.. sehr häufig. R. 1666 und 1711. — Z. S. 6 
und 160. 



12 Otto Jaap: 

Dasyneura iteobia (Kieflf.) Rübs. 
Auf S. caprea L., selten. In Süddeutschland ist diese Gralle viel 
häufiger. Auch R. 1693 gehört hierher. 

? Eriophyes gemmarum Nal. 
An S. caprea L. nicht selten, seltener an S. cinerea. S. caprea X cinerea 
und S. aurita L. — Z. S. 255. — Die ausgegebene Galle entspricht 
der schönen Abbildung in Rübsaamen. Die Zoocecidien, II, Taf. XII. 
Fig. 1. — Die Tiere wurden noch nicht untersucht; vielleicht eine 
Aphiden-Galle? 

Euura amerinae (L.). 
Häufig an 8. yentandra L., seltener an S. fragilisy.penian(lra. — 
Z. S. 29. — Die Tiere wurden aus den Gallen von Triglitz von 
Dr. Enslin gezogen und bestimmt. Von Parasiten erhielt ich Eury- 
toma aciculatum Ratz. Zuweilen so massenhaft auftretend, daß 
ganze Sträucher zum Absterben gebracht werden. R. 1672 als 
Cryptocarapus medullaris (Hartig). 

? Pontaiiia coUactanea Forst. 
Auf S, repens L. ziemlich häufig! R. 1673. Die Galle ist der 
vorigen ähnlich, aber meistens in Gesellschaft der folgenden. Herr 
Dr. Enslin erhielt bei Zuchtversuchen aus Material von Triglitz nur 
die folgende Art; Z. S. 212 wird demnach auch zu Euura atra 
Jurine gehören. 

Euura atra Jurine. 
Häufig. Auf 8. repens L., Z. S. 211, 8. fragilis, Z. S. 454, 8. fragilis 
y. pentandra, 8. alba und 8. cinerea L. Bei der zuerst genannten 
Weide sind die Anschwellungen sehr stark hervortretend, während 
sie bei den anderen Arten nur schwach, oft kaum wahrnehmbar sind. 
Die von mir aus 8. fragilis L. gezogenen Tiere wurden von Dr. Enslin 
als zu E. atra gehörig bestimmt. . 

Agromyza Schineri Giraud. 
An S. alba L., 8. cinerea \j., 8. caprea, 8. aurita h.l (am häufigsten), 
8. repens L. und 8. aurita X repens. — Z. S. 305. 

Rhabdophaga oculiperda Rübs. n. sp. in litt. 
Auf 8. aurita L.! Bis zu 1 cm lange einseitige Anschwellungen an 
einjährigen Sproßachsen unterhalb einer Knospe. Auch bei dieser 
Art vertrocknen die Zweige häufig, was aber auf Tätigkeit der 
Meisen zurückzuführen ist. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 13 

Rh. Karschi Kieif. 
Auf S. repens L.!, nicht häufig; oft in Gesellschaft von Rh. Jaapi 
Rübs. und der folgenden Art. 

? Rh. Xielseni Kieff. 
Auf S. aurita L. und S. rppens L., nicht häufig. Tiere noch nicht 
gezogen. 

Rh. exsiccans Rübs. a. a. 0., IV, S. 533. 
Auf S. rppens L.. bisher selten! Zahlreiche Larven in langen, 
schwachen Anschwellungen der einjährigen Sproßachsen, diese zum 
Absterben bringend. 

Laspeyresia Servilleana (Dup.). 
Auf S. aurita L.!, 5. cinerea L., S. caprea und <S. aurita X rejjens. 
nicht häufig. 

Helicomyia saliciperda (Dufour) Rübs. 

Auf 8. fragilis. S. alba L. und S. alba > ' fragilis; häufig, aber seltener 
als die folgende Art. — Z. S. 407 von Jena. 

H. Pierrei (Kiefi'.) Rübs. 
Häufig. An S. peniandra L., S. frafjilis L. !. S. fragilis X pentandra 
(auch an einjährigen Sprossen!). (S'. amygdalina L.! Z. S. 356, S. cinerea 
L.! Z. S. 408,, S. aurita L.! Z. S. 306, S. aurita X cinerea, S. aurita 
Xrepens, S. repens L.\ Zuweilen, namentlich an ^S". aurita L., in 
solcher Menge auftretend, daß die Sträucher zum Absterben gebracht 
werden. Bei Hamburg auch an S . purpurea h.l Das Abblättern der 
Rinde ist kein Charakteristikum für diese oder die vorige Art, sondern 
wird durch die nach den Larven suchenden Meisen bewirkt, die 
dadurch da2u beitragen, daß die Sträucher vertrocknen. 

Rhabdophaga Salicis (Schrank) Kieff". 
Häufig an S. aurita! Z. S. 357, seltener an S. cinerea L. ! und S. aurita 
X repens. Die Gallen kommen mitunter auch am Blattstiel vor. Von 
Parasiten zog ich aus der Galle Torymus tipulariarum Zett. und 
Ptero malus sp. 

Rh. ramicola Rübs, a. a. 0., IV, S. 534. 
An S. purpurea L., bisher nur wenig beobachtet. Z. S. 358 von Cassel. 

Rh. dubia Kieii. 
Nicht selten an S. aurita L.!, Z. S. 307, auch an »S. aurita '/. repens ^ 
Bei Jena sah ich die Galle häufig an S. caprea L., Z. S. 409. Ich 
zog aus der Galle Eurytoma aciculatnm Ratz, und Torymus sp. 



14 Otto Jaap: 

Rh., 11. sp.V 
Au S. aurita L. und -^S". aurüa /. repens. Die Galle ist der vorigen 
ähnlich und häufig in ihrer Gesellschaft, aber sie bildet eine mehr 
einseitige Anschwellung, die an- die Galle von Agromyza 
Schineri erinnert. Vgl. Z. S. 409. 

Saperda populnea L. 
Beobachtet an S. viminalis L., 8. cinerea L., *S'. ccqjrea L., aS. aurita L., 
S. aurita X cMprea und S. purpiirea L.. aber viel seltener an den 
Weiden als an Populus tremula L. 

Trochiliura flaviventre (Stand.). 
An S. caprea L. und S. aurita L., nicht häufig. 

Ohionaspis Salicis (L.) Sign. 
An S. repens L., Eindellungen der Rinde. 

Trichiocampus sp. 
An S. aurita L. — Perlschnurartig aneinander gereihte Eiertaschen 
an jungen Sproßachsen. ■ 

Euura venusta (Zadd.). 
An S. caprea L. und S. aurita Jj., nicht häufig. 

E. testaceipes (Zadd.). 
An S. fragilis L., hier nicht häufig. 

Pontania vesicatrix (Bremi). 
Auf S. purpurea L., sehr häufig. — Z. S. 159. 

P. capreae (L.) [P. proxima (Lep.)]. 
Sehr häufig auf S. frayilis L., Z. S. 157,. *S', fragilis X pentandra, 
Z. S. 257, ^S'. alba L.,, Z. S. 208, S. alba X fragilis L. und S. amyg- 
clalina L.f nicht so häufig an S. pentandra L., S. cinerea L., 8. caprea L. 
und 8. aurita L. 

P. femoralis (Cameron). 
Auf S. purpurea L., häufig. — Z. S. 362. 

P. viminalis (L.) [P. Salicis (Christ)]. 
Häufig' auf 8. p)urpurea 1j- nnd 8. repens Ij., Z. S. 158 und 210; 
seltener an 8. aurita X. repens und 8. aurita X. purpurea. 

P. pedunculi (Hartig). 

Auf «S*. caprea L., 8. cinerea L., 8. aurita L., 8. aurita -.cinerea, 
8. auritaX. repens und 8. repens, nicht selten. — Z. S. 209. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. '^-•y 

Iteomyia capreae (Winn.) Kielf. 
Häufig. Auf S. cinerea L., S. capreah.. S. capreaX cinerea, S. anrita L., 
Z. S. 163, S. auritaX cinerea. S. anrita Xcaprea, S. anrita -.rej^ens; 

var. major Kietf. 
Viel seltener; auf S. cinerea L' und S. aurita L, 

P^riopliyes tetanothrix Nal. 

.Sehr häufig auf 5'. aurita L.. Z. S. 164, *S'. cinerea L./ Z. S. 310, 
8. auritaXcinerea; seltener auf S. alba L. ■ und S. alhay^fra-gilis^ 
Z. S. 206. 

? E. t'runcatus Nal. 
Auf S.'purjpurea L., häufig; Z. S. 112. Gekräuselte Blattrandrollung; 
bedarf noch weiterer Untersuchung. Auch eine Form auf *S'. alba Ji. 
gehört vielleicht hierher. 

Phj^Uocoptes magnirostris Nal. 
.Sehr häufig. k\\.i 8. fragilis L., Z. S. 412, 8. fraciilis)\pentandri'i\ 
Z. S. 309, 8] alba L., 5'. albaXfragilis. Z. S. 258, 8. amygdalin.ali., 
Z. S. 111. Es bleibt noch festzustellen, ob alle Gallen von dieser 
Milbenart hervorgerufen werden. R. 1708 gehört zum Teil hierher. 

Dasyneura auritae Rübs. a. a. 0.. VI, S. 509. 
Auf 8. cinerea L.! und *S'. aurita L.!. nicht selten. — Z. S. 161 und 308. 

D. marginemtorquens (Winn.) Rübs. 
Auf *S'. viminalis L., häufig. — Z. S. 457. 

Pontania piliserra (Thoms.). 
Auf 8. viminalis L.. nicht häufig. 

P. leucaspis (Tischb.). 
Auf *S'. pentanclra L.. Z. S. 359, *S'. fraf/ilisl-pefitandm, 8. pnrpurea L. 
und 8. cinerea L.. Z. 8. 411. Häufig. 

P. leucosticta (Hartig). 
Auf 8. aurita h,. 8. auritaXrepens und ^5'. caprea L.. häufig. — 
Z. S. 411 und 458. 

P. puella (Thoms.). 
Auf 8. albah., 8. fragilis h. und 8. ciJba>. fragilis: hier nicht häufig. 

? P. sp. 
Auf 8.purpnrea L., nicht selten. Blätter locker eingerollt und spiralig 
gedreht, ähnlich wie bei Blennocampa pusilla Klug auf Rosen. 



Ib Otto Jaap : 

? Dorytomus taeniatus Fabr. 
Auf S. cinerea L., nicht selten, R. 1714. 

Lepidopterarum sp. 
Auf S. caprea L., R. 1715. 

JSefulaceae. 

Carpinus betulus L. 

Zygiobia carpiiii (F. Low) Kieff. 
Ziemlich häufig! — Z. S. 56. 

Eriophyes macrotrichus Nal. 
Ziemlich häufig. — Z. S. 57. 

E. tenellus Nal. 
Nicht häufig. — Z. S. 165 von^Cä-ssel. 

Contarinia carpini Kieff. 
Ziemlich selten. 

Aschistonyx carpinicolus Rübs. a. a. 0., VI, S. 66. 
Hier häufig; wahrscheinlich allgemein verbreitet! — Z. S. 459. 

Corylus L. 

Eriophyes avellanae Nal. 
Sehr häufig. Auf C. avellana L. und C. tiibulosa Willd. — Z. S. 31 
und 113. 

E. vermiformis Nal. 
Auf C. avellana L., ziemlich selten. — Vielleicht nur eine veränderte 
Form der vorigen Galle, in der diese Milbe als Einmieter lebt. 

Contarinia corylina (F. Low). 
Auf C. avellana L., häufig! — Z, S. 460. In dieser Galle lebt auch 
Dasyneura corylina (Kieff.) Rübs. als Inquilin. 

Betula L. 

Eriophyes rudis (Can.) Nal. v. calycophthirus Nal. 
Auf B. piibescens Ehrh. und B. j/abescensy '.verrucosa Ehrh., nicht 
selten. — Z. S. 363. 

Semudobia betulae (Winn.) Kieff. 
Auf B. verrucosa Ehrh., B. pubescens Ehrh. und B . puhescensXverrucosa^ 
ziemlich häufig. — Z. S. 413. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 17 

EpibJema tetraquetrana Havvorth. 
Auf B. verrucosa Ehrh.-, B. puhescens Ehrh. und B. puhescens /.verrucosa, 
sehr häufig. — Z. S. 311. 

Plemeliella hetulicola (Kieff.) Rübs. a. a. 0., S. 87. 
Auf B. verrucosa Ehrh., häufig!, Z. S. 364; seltener auf B. puhescens X 
verrucosa. 

Massalongia rubra Kieff. 
Auf B. verrucosa Ehrh., selten! 

Eriophyes betuläe Nal. 
Auf B. verrucosa Ehrh., ziemlich häufig, Z. S. 213; nicht so häufig 
auf B. puhescens yc. verrucosa. — R. 277 und 286. 

Plemeliella(?) betulina (Kieff.) Rübs. a. a. 0. 
Auf B. puhescens Ehrh., hier nicht häufig. 

Eriophyes rudis (Can.) Nal. 
Auf 5. verrucosa Ehrh., B. puhescens 'Ei\n:\i. und B.puhescens'Kverrucosa^ 
häufig. — Z. S. 214. 

E. rudis (Can.) Nal. v. longisetosus Nal. 
Auf B. puhescens Ehrh. und B. puhescens Y. verrucosa, nicht selten. — 
Z. S. 215. — R. 279. 

E. lionotus Nal. , 
Auf B. puhescens Ehrh. und B. puhescensX verrucosa, häufig. — Z. S. 32. 

Hamamelistes sp. (?H. betulae Mordw.). 
Auf B. puhesceits Ehrh. und B. puhescens X verrucosa, nicht selten. 
Tier noch nicht mit Sicherheit bestimmt. Blasenförmige Blatt- 
ausstülpungen. 

'? Gallipteriuella annulata (Koch) v. d. Goot. ' 
Auf B. verrucosa Ehrh., nicht liäufig. R. 290. 

Aphididarum sp. 
Auf B. verrucosa Ehrh. — Blätter bleiben kleiner, sind verbogen 
und etwas gerollt. 

Anmerkung: Die hier häufig und auch als Baum vorkommende B. car- 
pathica Willd. ziehe ich zu B. j)ubescens X verrucosa, da ich sie als eine Form 
dieses Bastardes betrachte. 

Alnus Gärtn. 

Epiblema tetraquetrana Haworth. 

Auf Ä. glutmosa (L.) Gärtn., häufig. — Z. S. 167. 

Verhnndl. des Bot. Vereins f. Brandenb. LX. O 



18 Otto Jaap: 

Eriophyes longirostris Nal. n. sp. in litt. 
Auf Ä. glutinosa (L.) Gäi'tn., häufig! Z. S. 461. Die Milben leben 
zwischen den Falten jugendlicher Blätter, die dadurch deformiert 
werden. Die Blätter bleiben meist kleiner, schrumpfen oft sehr zu- 
sammen oder sind etwas gekräuselt; die Blattnerven sind infolge- 
dessen verbogen oder geschlängelt, zuweilen etwas augeschwollen, 
und die Blattfalten erscheinen meist grau oder gelblich-grau verfärbt. 
Zeitweilig bewohnen die Milben auch wohl die jungen Sproßachsen; 
diese sind etwas gestaucht und die Rinde ist oft geschriirapft. Die 
Verzweigung ist etwas dichter, zuweilen an Hexenbesen erinnernd, 
woran die mit den Milben besetzten Sträucher leicht kenntlich sind. 
Besonders werden 2 — 4jährige Stockausschläge von den Milben 
bewohnt. 

Eriophyes laevis Nal. 
Auf A. glutinosa (L.) Gärtn., sehr häutig;- Z. S. 9; nicht ganz so 
liäufig auf A. incana (L.) Willd. und A. glutinosa >". incana. — Z., S. 414. 

Dasyneura alni (F. Low) Rübs. 
A-uf A. glutinosa (L.) Gärtn., häufig! Z. S. 58; seltener auf J. incana 
(L.) Willd. und A. glutinosa Y^inama. In dieser Galle lebt auch 
Jaapiella clethrophila Rübs, und Macrolabis alnicola Rübs. 
Man vergl. Rübsaamen a. a. 0., VI., S. 41, und in Marcellia XIV 
(1914), S. 101. 

Eriophyes Nalepai (Fockeu) Nal. {¥i. Altami Lieb.). 
Auf A. glutinosa (L.) Gärtn., sehr häufig; Z. S. 10; auf A. glutinosa 
X incana in Gesellschaft der folgenden Art, bisher nur auf einem 
Strauch, aber in großer Menge; Z. S. 168. 

E. brevitarsus (Fockeu) Nal. 

Auf A. glutinosa (L.) Gärtn., sehr häufig; Z. S. 11; auf A. incana 
Willd. häufig; auf A. glutinosa X incana, selten. 

^agaceae. 

Fagtis silvatica L. 

? Pterochlorus exsiccator Altum. 
Nicht häufig. Tier noch nicht untei^ucht. 

Mikiola fagi (Hartig). 
Häufig, doch nicht alljährlich in gleicher Menge. 



Verzeichnis der bei Trifflitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 19 



Hartigiola anniilipes (Hartig) Eübs. 
i häufig. — Z. S. 114. 

Pbyllaphis fagi (L.) Koch. 



Häuflg, 

Eriophyes stenaspis Nal. 
Häufig. — Z. S. 59; 

var. plicator Nal. iu litt. 
Viel seltener, bisher nur an zwei Sträuchern autgefunden. — Z. S. 415, 
häufig mit Phyllaphis fagi (L.) Koch besetzt. In Verh. d. Zool.- 
Bot. Ges. Wien 1917, S. 21 belegt Nalepa die Varietät nunmehr mit 
dem Namen „plicans". 

E. nervisequus (Can.) Nal. (Eriheum nervisequum 
Kunze). 
Ziemlich häufig. — Z. S. 60; 

var. maculifer Trotter (Erineum fagineüm Pers.). 
Meistens in Gesellschaft der Hauptform, nicht selten. — Z. S. 61. 

Monochetus sulcatus Nal. 

Nicht häufig. 

Quercus robiir L. 

Bemerkung: Quercus sessiliflora Martyn kommt bei Triglitz nicht 
vor; alle Angaben beziehen sich auf die Stiel-Eiche. Auf einigen hier an- 
gepflanzten amerikanischen Eichen wurden bisher keine Gallen beobachtet. 

Biorrhiza pallida (Oliv.). 
Die agame Generation. B. aptera (Bosc.) G. Mayr. an den Wurzeln, 
ziemlich häufig. 

Andricus quercus radicis (Fabr.). 
Nicht häufig. R. 1364 und 1425. 

Trigonaspis megaptera (Panzer) Schenk. 
Nicht liäufig. R. 1365. 1382 und 1404. — Z. S. 416. Von Parasiten 
zog ich aus den Gallen Torymus amoenus Boh.. T. flavipes 
Walk., Synergus varius Hartig und Pteromalus sp. 

Andricus fecundator (Hartig) G. Mayr. 
Häufig. — Z. S. 217. 

A. glandulae (Hartig) G. Mayr. 
Ziemlich selten. 



20 Otto Jaap: 

A. Lambert Olli Kieff. 
Selten. 

A. albopunctatus (Schleclitend.) G. Mayr, 
Nicht selten. — Z. S. 417. 

A. inflator Hartig. 

Die agame Generation, A. globuli (Hartig) G. Mayr, nicht häufig. 
— Z. S. 219 von Neugraben bei Harburg. 

A. nudus Adler. 

Die agame Generation, A. Malpighii (Adler) G. Mayr, ziemlich selten. 

Biorrhiza pallida (Oliv..). 

Die sexuelle Generation, B. quercus terminalis (Fabr.), häufig. 
R. 1384. — Z. S. 33. 

Cynips Kollari Hartig. 
Bei Triglitz selten, bisher nur auf zwei Sträuchern angetroffen. 

Andricus s o 1 i t a r i u s (Fonsc.) G. Mayr. 
Ziemlich selten. E. 1398. 

Oontarinia quercina Rübs. 

Häufig! Z. S. 462. Aus dem Material von Triglitz zog Rübsaamen 
auch Arnoldia quercus Binnie und Dasyneura dryophila Rübs.,. 
Cecidomyidenstudien VI (1917), S. 47. Es bleibt noch festzustellen^ 
ob beide als Einmieter leben oder selbständig Gallen hervorzurufen 
vermögen. 

Andricus inflator Hartig. 

Häufig. — Z. S. 12. 

? Pamene splendidulana Guenee. 

Nicht häufig. R. 1420. Der Schmetterling wurde bisher nicht gezogen: 
daher Bestimmung nicht sicher. 

Andricus quercus corticis (L.). 
An überwallten Verletzungen der Stämme, nicht häufig. R. 1424. 

A. testaceipes Hartig. 
Die agame Generation, A. Sieboldi (Hartig) G. Ma^T, nicht selten. 
R. 1426. 

Asterolecanium variolosum (Ratz.) Ckll. 
Häufig; tritt oft sehr schädlich auf. Ausgegeben in meiner Cocciden- 
Sammlung, 1 und 49. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 21 

Aspidiotiis zonatus Fraiienf. 
Häufig-. — Meine Coccideu-Sammlung' 15. 

Heliozela stanneella Fisch, v. K. 
Scheint hier selten zu sein. 

Andricus testaceipes Hartig. 
Mcht selten. E. 1433. / 

A. ostreus (Hartig) G. Mayr. 
Häufig. 

Trigonaspis megaptera (Panzer) Schenk. 
Die agame Generation. T. renum (Hartig) G. Mayr, nicht häufig-. 

Diplolepis quercus-folii (L.). 
Häufig. — Z. S. 34/ von Besenhorst bei Geesthacht. Syn.: Dryo- 
phanta folii (Hartig) Forst. 

D. longiventris (Hartig). 
Nicht häufig. 

D. disticha (Hartig). 
Nicht häufig. 

D. divisa (Hartig). 
Häufig. — Z. S. 13 von Ahrensburg in Holstein. 

Neuroterus numisraalis (Fonsc.) G. Mayr. 

Die agame Generation, sehr häufig. — Z. S. 15 von Sattenfelde bei 
Oldesloe. ■ , 

N. albip es (Schenk) G. Mayr. 
Die agame Generation, N. laeviusculus Schenk, häufig. — Z. S. 218 
von Trittau in Holstein. 

N. quercus-baccarun^ (L.) 
Die agame Generation, N. lenticularis (Oliv.) G. Mayr, sehr häufig. 
— Z. S. 14 von Klein-Flottbek bei Altona. Die Gallen der agamen 
Form werden häufig durch die orangegelben Larven von Parallelo- 
diplosis galliperda Fr. Low und die der vorigen Art durch 
Xenodiplosis laeviusculi Rübs. deformiert. 

N. tricolor (Hartig) G. Mayr. \ 

Die agame Geheration, N. fumipennis Hartig, nicht häufig. 



22 Otto Jaap: 

X. albipes (Schenk) G. Mayr. 
Häufig. — Z. S. 367. 

Andriciis marginalis (Schlechtd.) G. ]\Iayr. 
Ziemlich selten. 

A. curvator Hartig-. 
Ziemlich häutig*. — Z. S. 63 von Bad Nauheim in O^berhessen. 

Neuroterus quercus baccarum (L.). 
Sehr häufig, an Blättern und Kätzchen. R. 1457 und 1475. — Z. S. 366. 

X. tricolor (Hartig) G. Mayr. 
Die sexuelle Generation. E. 1461. Nicht häufig. 

N. nnmismalis (Fonsc). 
Die sexuelle Generation, X^ vesicator (Schlechtd.) G. Mayr, häufig. 
E. 1463. 

Macrodiplosis dryobia (F. Low) Kiefi^ 
Häufig. — Z. S. 64. 

M. V 1 V e n s Kieif. 
Etwas seltener als vorige Art. — Z. S. 65. 

Phylloxera quercus Fonsc. 
Xicht häufig. — Z. S. 463, det. C. Born er. 

Trioza remota Forst. 
Nicht selten. 

Andricus semin ationis (Giraud) G. Mayr. 
Nicht häufig. 

A. quadrilineatus Hartig. 
Häufiger als vorige Art. — Z. S. 365. 

Wmaceae. 

Vlmus L. 

Tetraneura pallida (Haliday) Del Guercio. 
Auf U. camjjestris h., nicht häufig. 

Schizoneura lanuginosa Härtig. 
Auf U. campestris L., nicht selten. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. '--3 

S c h. u 1 m i (L.) Kalt. 
Auf U. campestris L., häufig. — Z. S. 260. 

Tetranenra ulmi (Geoifr.) Hartig. 
Auf U. campestris L. und U. pedunculata Fougeroux, sehr häufig". — 
Z. S. 418. 

Colopha compressa (Koch). 
Auf U. pedunculata Foug., häufig. — Z. S. 259. 

Eriophyes brevipunctatus Nah 
Auf U. pedunculata Foug., häufig. — Z. S. 118. 

Physeraocecis ulmi Rübs. in Marcellia 1914:, S. 88. 
Auf U. campestris L., nicht häufig! Blattpareuchymgalle, E. 2046, 

Die unter u. 220 in meiner Sammlung ausgegebene von Prof. 
P. Magnus auf ülmus montana With. in Bad Nauheim gesammelte 
Galle ist nicht Eriophyes filiformis Xal., sondern Eriophyes 
ulmicola Nah 

Urficaceac, 

Urtica L. 

Aphis urticae Fabr. 
Auf U. dioeca L. und U. urens L., ziemlich häufig. — H. 2094. — 
Z. S. 120. 

Aphrophora spumaria (L.) (Terinar. 
Auf U. dioeca L., häufig. — Sproßachse an der Spitze gestaucht, 
Blätter daher zusammengedrängt, Blattstiel verkürzt. Blattfläche 
gekrümmt oder gedreht und gekräuselt. Neu. 

Dasyneura urticae (Perris) Rübs. 
Auf U. dioeca L., ziemlich häufig! — Z. S. 35. 

D. dioicae Rübs. 
Auf U. dioeca L., häufig! — Z. S. 464. Die Galle tritt namentlich 
im Herbst an den Ausläufern auf und wird daher leicht übersehen: 
sie ist gewiß auch anderswo häufig. 

tPolygonaceae. 

Jßumejc L. 

Apion violaceum Kirby. 
Auf B. acetosa L.. nicht selten. 



24 Otto Jaap: 

A. sangiiineum De Geer. 
Auf R. acetosella L., nicht selten. 

A. frumentarium L. 
Auf R. acetosella L.. nicht selten. 

Aphis rumicis L. 
Auf R. obtusifolius L. und R. hydrolapatimm Hucls., hier nicht häufig'. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Auf R. acetosa L,, R. obtusifolius L., R. crispus L. und R. sanguineus L., 
häufig. An den Sproßachsen verursachen die Larven der Schaum- 
zikade Stauchung und Verkrümmung, im Blütenstand Knäuelung und 
an den Blättern Krümmung und Kräuselung, — Z. S. 465. 

Atylodiplosis acetosellae Rübs. (Contarinia acetosae 
Kieff.). 
Auf R. acetosella L., nicht selten! 

Jaapiella rubicundula Rübs. 
Auf R. acetosella L., nicht selten! 

JPolygotium L. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Auf P. ampJiibium L. f. terrestre Leers; neu. Blätter sichelförmig 
gekrümmt, etwas verkürzt, besonders neben der Mittelri'ppe weUig 
gekräuselt, 

Wachtliella persicariae (L.) Rübs. 
Auf P, amphibium L., häufig! — Z, S. 312. 

Chenopodiaccae. 

Beta vulgaris L. 

Aphis rumicis L. , 
Nicht häutig. 

Chenopodiwm albuin L, 

Aphis atriplicis L. 
Häufig. — Z. S. 175, 

Spinacia oleracea L. 

Aphis rumicis L. 
H. 2191. Tritt in manchen Jahren im Garten sehr häufig und 
schädlich auf. — Z. S. 67. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 25 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Im Garten. Eine ähnliche Mißbildung wie die vorige; wohl neu. 

Atriplex L. 

Aphis atriplicis L. 
Auf A. pahdum L. und A. hastatum L, Nur wenig beobachtet, da 
die Nährpflanzen hier bei Triglitz nicht häufig sind. In manchen 
Gegenden aber viel häufiger als auf CJienopodium. — Z. S. 419 von 
Sattenfelde bei Oldesloe in Holstein. 

Qaryophyllaceae. 

CoronaHa flos cuculi (L.) A. Br. 
Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Nicht selten. Stauchung und Krümmung der Sproßachse. Neu. 

Mela7idryum album (Mill.) Gcke. 
Wachtliella lychnidis (Heyden) Rübs. 
-Ziemlich selten. 

Contarinia Steini (Karsch) Kietf. 
Ziemlich häufig! — Z. S. 369. 

Saponaria officinalis L, 

Insekt? 
Blüten gefüllt, sich nicht völlig entfaltend. Ob H. 2306? Milben 
wurden in den Blüten nicht vorgefunden. 

Stellaria L. 

Macrolabis stellariae Liebei. 
Auf St. media (L.) Cirillo, nicht häufig. 

M. holosteae Rübs. a. a. 0., VT/, S. 37. 
Auf 8t holostea L., nicht selten! Bei Hamburg stellenweise häufig. 

Eriophyes atrichus Nal. / 

Auf St. graminea h., nicht selten. — Z. S. 313. 

Brachycolus stellariae (Hardy) Bückt. 
Auf St. holostea L., häufig. — Z. S. 16. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Auf St. nemorumJj. — Blätter gehemmt, g.ekrümmt und gekräuselt; neu. 



26 Otto Jaap: 

Cerastium L. 

Dasyneiira friictiium Rübs. 
Auf C. caespitosum Gilib., nicht häufig. 

Aphis cerastii Kalt. 
Auf C. arvense L.,. Z. S. 221, und C. caesjntoswn Gilib., nicht selten. 

Trioza cerastii (L.) F. Low. 
Auf C. arvense L., nicht häufig. 

Moehringia tfHnervia (L.) Clairv. 
Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Sproßachse gestaucht, Blätter gehäuft; neu. 

Jianunculaceae, 

Caltha palustris L. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Blattfläche gekrümmt, mehr oder weniger grubig-wellig gekräuselt^ 
oft kleiner bleibend. Ziemlich häufig. Neu. — Z. S. 467. 

JPulsatilla pratensis (L.) Miller. 
Dasyneura pulsatillae (Kielf.) Rübs. . 
Bei Triglitz noch nicht beobachtet, aber viel bei Suckow unweit 
Putlitz. 

Hanunculus L. 

Cecidomyidarum sp. 
Auf B. auricomus L., häufig! R. 1556. 

Dasyneura ranunculi (Bremi) Rübs. 
Auf R. acer L.,, ziemlich häufig! — Z. S. 222. 

Rhopalosiphum dianthi (Sulzer) Koch. 
Auf R. repens L., nicht häufig. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Auf R. acer L. — Sproßachse gestaucht, zuweilen etwas ange- 
schwollen, verbogen; Blätter gekrümmt oder etwas gekräuselt. Neu. 

Papaveraceae. 

JPapaver L. 

Aphis rumicis L. 
Auf P. dubium L. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 1- i 

Aylax papaveris (Perris) G. Mayr. , 

Auf P. diihium L., häufig. ■ — Z. S. 314. 

Dasyneura papaveris (Winn.) Rübs. 
Auf P. argemone L.. nicht häufig! 

Cruciferae. 

Lepidium sativum L. 

? Contarinia ruderalis Kieff. 
Im Garten. Die Gallbildung ähnelt der von Sisymhrium. Mücke 
noch nicht gezogen. Neu. 

Cochlearia arnioracia L. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Blattfläche oder Teile derselben gekrümmt und mehr oder wenig 
wellig- grubig gekräuselt. Neu. 

Sisymbrium L. 

Baris laticoUis Marsh. 
Auf S. officinale (L.) Scop., bisher nur wenig beobachtet. 

Contarinia ruderalis Kieff. 
Auf S. officinale (L.) Scop., häufig! — Z. S. 176b-, seltener au 
S. Sophia L. 

Sinapis arvensis L. 

Ceuthorrhynchus pleurostigma Marsh. 
Ziemlich häufig. 

Brassica L. 

Brevicoryne brassicae (L.) Das. 
Auf B. yiapus L. v. napobrassica L. und B. oleracea L. v. capitata L., 
häufig. — Z. S. 469, als Aphis brassicae L. 

Itaphanus L. 

Ceuthorrhynchus pleurostigma Marsh. 
Auf B. raphanistrum L., häufig. — Z. S. 315. 

Gephyraulus raphanistri (Kieff.) Rübs. 
Auf P. raphanistrum L., sehr häufig! — Z. S. 177, unter Dasyneura; 
im Garten auf Ä. sa^imts L. v. racUculaVers., nicht selten auftretend, 
scheint aber auf dieser Pflanze noch nicht beobachtet worden zu sein. 



28 Otto Jaap: 

NasturtiuTH R. Br. 

üasyneiira sisyrabrii (Schrank) Rond. 
Auf 8. süvestre (L.) ß. Br., nicht häufig. Die Nährpflanze ist hier 
ziemlich selten. — Z. S. 223 von Hamburg. 

Contarinia nasturtii Kiefi'. 
In geschlossenen Blüten von N. officinale R. Br., nicht selten! — 
Z. S. 420. - Neue Nährpflanze. 

CardaTnine. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Auf C. pratensis L., nicht selten. Sproßachse gestaucht un.d ver- 
bogen; neu. 

Ceuthorrhynchus pectoralis Schult. 
Auf C. pratensis L. und C. amara L., häufig! Z. S. 370. Die aus 
den Gallen von mir gezogenen Rüßler erschienen Ende Juni; die 
Larven waren Ende Mai in die Erde gegangen. 

Dasyneura cardaminis (Winn.) Rübs. 
Auf C. pratensis L. und C. amara L., nicht selten! — Z. S. 371. 

Cecidomyidarum sp. 
Auf C. pratensis L., Fruchtgalle, R. 377; nicht häufig! 

Coleopterarum sp. 
Auf C. pratensis L. Früchte etwas deformiert; nicht selten! Käfer 
noch nicht bestimmt. 

Stenophragnia Thalianum (L.) Gel. 
Ceutorrhynchus atomus Bohem. 
Häufig. — Z. S. 471. Die aus den Gallen gezogenen Käfer er- 
schienen Mitte Juni, während die Larven von Mitte bis Ende Mai 
in die Erde gegangen waren. Aus den Gallen schlüpfte auch 
Pteromalus sp. 

Turritis glahra L. 

Aphididarum sp. 
Nicht selten. R. 1972. Tier noch nicht bestimmt. 

JErysimum cheiranthoides Ij. 

? Contarinia ruderalis Kieif. 
Gallbildung wie auf Sisymbrium officinale (L.) Scop. (R. 1821), aber 
Mücke noch nicht gezogen; neue Nährpflanze. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 29 

? Aphididarum sp. ' 

Sproßachse im oder unter dem Blütenstand gestaucht, Blätter und 
Blüten dichter beisammen stehend. 

Saxifragaceae. 

Saxifraga granulata L. 

Dasyneura saxifragae (Kieff.) Eübs. 
Ziemlich häufig! — Z. S. 421. 

Ribes L. 

Eriophyes ribis (Westw.) Nal. 
Auf R. nifjrum L. und R. rubrum L., häufig. — Z. S. 17 und 125. 

Aphis grossulariae Kalt. 
Auf R. grossularia L., Z. S. ]24, R. rubrum L. und R. nigrum L., 
Z. S. 423; ziemlich häufig. 

Myzus ribis (L.) Pass. 
Auf R. rubrum L., Z. S. 126; R. nigrum L. und R. alpinum L., 
Z. S. 266, häufig; seltener auf R. grossularia . L. 

Dasyneura Teten si Rübs. 
Auf R. nigrum L., nicht selten! (Syn.: Perrisia ribicola Kieff.). 
Z. S. 373, — Nach dem Berliner Entomologen Tetens benannt; 
die Schreibweise „tetensis" ist daher, unrichtig. 

Jlosaceae. 

Spiraea salicifolia L. 

Macrosiphum ulmariae (Schrank) Schouteden. 
Im Garten, nicht häufig. — Z. S. 267 von Cassel. 

Filiperidula ulmaria (L.) Maxim. 
Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Sproßachse gestaucht^ Blätter dichter beisammenstehend, kürzer, ge- 
bogen und gekräuselt; ziemlich häufig. Neu. 

Dasyneura Jaapiana Rübs., a. a. 0., VI (1917), S. 50. 
An mehreren Stellen in nassen Erlengehölzen, nicht selten! Be- 
schreibung dieser großen, interessanten Galle, die merkwürdigerweise 
so langre übersehen w^orden ist, bei Rübsaamen a. a, 0, — Z, S, 473. 



30 Otto Jaap: 

Insekt. 

Kleine, pusteiförmige, stecknadelkopfgroße^ Anschwellungen am Blatt- 
stiel. Die Tiere hatten die Galle beim Auffinden bereits verlassen. 

Dasyneura ulmariae (ßremi) E,übs. 
Häufig! — Z. S. 68. 

? Eriophyidarum sp. 
E. 1976. Anschwellung der Blattnerven. 

Dasyneura pustulans Eübs. 
Häufig! - Z. S. 316. 

D. Engstfeldi Rübs. 
Nicht häufig! — Z. S. 474. — Syn.: Perrisia Eostrupiana Kieft. 

Aphis spiraeella Schont. 

Häufig! — Z. S. 475. 

JPlrus L. 

Schizoneura lanigera (Hausm.) Kalt. 

An Piriis malus L., häufig und sehr schädlich auftretend. 

Eriophyes piri (Pagenst.) Nal. 
Auf P. communis L., sehr häufig, Z. S. 317, auf P. malus L. seltener: 

var. marginemtorquens Nal. in litt. 
Auf P. acerba DC, nicht häufig; E. 1193. — Z. S. 425. 

Epitrimerus piri Nal. 
Auf P. communis L., ziemlich häufig. — Z. S. 424. Es bleibt noch 
festzustellen, ob diese Milbe wirklich Erzeugerin der Eandrollungen 
ist oder nur als Einmieter bei der vorigen lebt, wie Nalepa meint. 

Dasyneura piri (Bouche) Eübs. 
Auf P. communis Lt.. nicht selten!' — Z. S. 127. 

D. mali (Kieff.) Eübs. 
Auf Plrus malus L. (verwilderte Form), nicht häufig! — Z. S. 476. 

Aphididarum sp. (? Aphis pomi de Geer)., 
Auf P. malus L., häufig. E. 1198 oder 1199. Die Laus ist noch 
nicht mit Sicherheit bestimmt. 

V Dentatus crataegi (Kalt.) v. d. Goot. (xA^^lhis piri Fonsc.) 
Auf P. malus L., nicht selten. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 31 

Myzus oxyacanthae (Koch) Pass. 
Auf P. malus L., nicht häufig. 

Eriophj-es goniothorax Nal. var. malinus Nal. in 
li'tt. 1915. 

Auf P. acerha DC, nicht selten. — Z. S. 69. 

Anthonomus cinctus Kollar. 
Auf P. communis L.. häufig. 

A. pomorum (L.) Germ. ■ ' 

Auf P. malus L., häufig. 

Oontarinia pirivora (Riley) Kieff. 
Auf P. communis L. häufig und besonders auf Strauchobst sehr 
schädlich auftretend! — Z. S, 374. Das ausgegebene Material 
stammt von einem Baum, an dem im Frühjahr 1915 fast sämtliche 
Früchte vernichtet wurden. 

Sorbus aucuj^aria L. 

Dentafns sorbi (Kalt.) v. d. Goot. 
Häufig. — Z. S. 70 als Aphis sorbi Kalt. 

Eriophyes piri (Pagenst.j Nal. 
Häufig. — Z. S. 224. 

Oontarinia sorbi Kieff. 
Häufig! — Z. S. 477 — In denselben Gallen lebt als Einmieter 
Clinodiplosis sorbicola Rübs. a. a. 0., VI. S. 74. 

Eriophyes goniothorax Nal. var. sorbeus Nal. in litt. 
E. 1208. Nicht häufig. — Z. S. 478. Auch bei Groß-Langerwisch 
lind im Hainholz bei Pritzwalk. — Erineum sorbeum Pers. 

Oontarinia floriperda Eübs. a. a. 0., S. 89. 
E. 1212. Ziemlich selten. 

Crataegus oxyacantha L., nionogyna Jacq. 
Dentatus crataegi (Kalt.) v. d. Goot. (Aphis piri Fonsc.) 
Nicht selten. H. 2954. 

Dasyneura crataegi (Winn.) Eübs. 
Häufig! Namentlich an den jungen Sprossen der Hecken. — Z. S. 36 
von Sattenfelde bei Oldesloe in Holstein. 



32 Otto Jaap: 

Myzus oxyacanthae (Koch) Pass. 
Häufig. — Z. S. 427. 

Eriophyes goniothorax Nal. 
Häufig. — Z. S. 37. . — (Erineum oxyacanthae Pers.) 

Contarinia anthobia (F. Low) Kieff. 
Nicht selten! — Z. S. 426. 

Anthonomiis pomornm L. 
Nicht selten. 

Muhus L. 
Diastrophus rubi (Boiiche) Hartig. 

Auf R. caesius L., hier nicht häufig. — Z. S. 72 vom Priwall bei^ 
Travemünde. 

Lasioptera rubi Heeger. 
Auf R. idaeus Li., Z. S. 318, R. nemorosus Hayne und R. plicatus- 
W. et N., häufig. 

Dasyneura plicatrix (H. Loew) Eübs. . 
Auf R. idaeus L., R. suberedus Anders., R. plicatus W. et N!,. 
Z. S. 319, R. villicaulis Koehler, R. 7iemorosus Hayne und R. caesius 
L.; häufig. 

Eriophyes gracilis Nal. 
Auf R. idaeus L., R. nemorosus Hayne und R. caesius L., nicht selten. 

Aphis urticae Fabr. 
. Xui R. /idaeus L., Z. S. 428, R. plicatus W. et N., Z. S. 71 und 
R. nemorosus Hayne. 

Eriophyes gibbosus Nal. 
Auf R. suberedus Anders., Z. S. 376, R. plicatus W. et N., Z. S. 320, 
und R. nemorosus Hayne. 

Fragaria L. 

Aphrophora spumaria (L.) Gerinar. 
Blättchen gekrümmt und wellig gekräuselt. Auf Garteuerdbeeren, vieL 

Potentilla L. 

Eriophyes parvulus Nal. 
Auf P. silrestris Necker, selten; bisher nur einmal gefunden. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobacliteten Zoocecidien. o3 

Xestophanes potentillae (Retz.) Fürst. 
Auf P. rejitaus \j., ziemlich liäufig! — Z. S. 321. 

X. brevitarsis (Thoms.) Gr. Mayr. 
Auf P. silveMris Necker, ziemlich häufig'. — Z. S. HO. 

Geuni Jj. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Auf Cr. iirbamun L. — Blätter verbogen und gekräuselt. 

Eriophyes nudus Xal. 
Auf O. rivale L.. hier ziemlich selten. Auch bei Redliii in der 
nördlichen Prignitz. (Erineum gei Fr.). 

Contarinia geicola Eübs. a. a. 0., VI, S. 93. 
Auf O. virale L,. (L nrhnninn !.. und a. rirale/urhanum, nicht 
selten! — Z. S. 479. 

Mosel L. 

Ediodites rosae (L.) Hartig-. 
Auf i?. canina L. und B. diimetorum Thuill.. ziemlich häufig, — 
Z. S. 480. — Außer Ehodites erhielt ich aus den Gallen noch den 
Parasiten r t h o p e h n a 1 u t e o 1 a t o y > Gray. 

Rh. Mayri 8chleclitd. 
Auf i?. canina L., nicht häufig. 

Rh. rosarum Giraud. 
Auf R. canina L. und R. dmnetorum Thuill., nicht selten. 

Rh. eglanteriae Hartig. 
Auf i?. canina L., R. diimetorum Thuill. und R. clnnamomea L., häufig. 

Rh. centifoliae Hartig. 
Auf R. canina L. und R. dumetonmi Thuill.. nicht häufig. 

Rh. spiuosissimae Giraud. 
Auf R. canina L., Z. S. 225.. R. dumetorum Thuill. und R. tomentom 
Sni.. ziemlich häufig. 

Wachtliella rosarum (Hardy) Rübs. 
Auf Rosa canina L., Z. S. 322, R. dumetorum Thuill., R. tomentosa 
Sm. und R. cdba L., häufig! Aus dem Material von Triglitz zog 
Rübsaamen auch Macrolabis rosae Rübs. a. a. 0., IV, S. 498 
(?M. Luceti Kieff.). 

Abhandl. des Bot. Vereins f. Brandenb. LX. . o 



34- Otto Jaap: 

Blennocampa pnsilla (Klug-.) Thoms. 

Sehr häufig'. Auf IL cauina L., Z. S. 272, B. diimetoy/rin Tliuill.. 
i?. tomentosa Sm., R. alba L.. Z. S. 221). 

Pt*unus T^. 

Argyresthia spiniella Zeller. 
kw.i P. iiadusli., häufig! — Z. S. 228. Spiudelfürmig-e Auschwellung- 
einjähriger Sproßachsen. Eine Eaupe. Diese häufige und auffällige 
Galle ist in den Büchern von Houard und Roß nicht verzeichnet. 

Dasyneura tortrix (F. Low) Eübs. 
Auf P. spinosa, 1j., ziemlich häufig! Z. S. 431: 274 von ( 'attaro in 
Dalmatien. R. 1326 und 1334. 

Gecidomyidarum sp. 
Avd P. ^idnosalj.. nicht selten! Triebspitzengalle; neu. Jugendliche 
Blätter an der Sproßspitze wie in der Knospenlage gefalt'et, etwas 
angeschwollen, bleich: mehrere weiße Larven. Mücke bisher noch 
nicht gezogen. 

Putoniella marsupialis (F. J^üw) Kiett". 
Auf P. spinosa L., nicht häufig! — Z. S. 273 von Castelnuovo bei 
Cattaro in Dalmatien. 

? Blennocampa sp. 
Auf P. spinosa L. nicht häufig. R. 1335. -» 

Eriophyes similis Nal. 
Häufig. Auf P. domestica L. und P. spinosa L. — Z. S. 76 und 227. 

E. padi Nal. 
Auf P. padus L., häufig. — Z. S. 129. — (Ceratoneou' attenu- 
atum Bremi). 

E. paderiueus Nal; 
Auf P. padus L., nicht selten; in manchen Jahren häufig. — Z. S. 
229. Auch im Eisholz bei Laaske. bei Groß-Langerwisch und 
Steifenshagen (Erineum padinum Duv.). 

Hyalopterus pruni (Fabr.) Koch. 
Auf P. domestica Xi., Z. S. 74, und P. spinosa L.. Z. S. 378, sehr 
häufig, als Aphis pruni Koch. 

Myzoides cevasi (Fabr.) v. d. Gnot. 
Auf 1\ ariinn L.. in Gärten, häufig. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten 2oocecidien. oO 

? Aphis cerasi Schrank. 
Auf F. insitlria L. in CTärteii; häufig. 

Siphouaphis padi (L.) v. d. Goot (Aphis padi L.). 
Auf P. j^aäus L., sehr häufig. — Z. S. 377. 

Ceguminosae. 

Genistet L. 

Contarinia melanocera Kieff. 
Auf fr. tindoria L., nicht häufig! 

Jaapiella genisticola (F. Low) Rübs. 
Auf Ct. tindoria L., nicht liäuflg! — Z. S. 275. 

J. genistamtorquens (Kieff.) Eübs. 
Auf (r. i)ilosa L.. nicht selten! — Z, S. 324. 

Sarothamnus scojicirius (L.) Wimnier. 

Eriophyes genistae Nal. 
Hier ziemlich selten; l)isher nur auf einigen Sträuchern beobachtet. 

Asphondylia sarothamni H. Loew. 
Häufig! -- Z. S. 432. 

Dasyneura tubicola (Kieff.) Rübs. 
Nicht selten! — Z. S. 379. 

Janetiella tuberculi Rübs. 
Ziemlich selten! 

Agromyza pulicaria Meigen. 
Selten! 

Jaapiella sarothamni Rübs. a. a. 0., VI, S. 39 (mit Ab- 
bildung der Galle). 

Nicht häufig! Blüten geschlossen bleibend, nur wenig angeschwollen, 
rötliche Larven. 

Asphondylia Mayeri Liebel. 
Ziemlich häufig. Auch bei Krummbeck in der nördlichen Prignitz. 
— Z. S. 231 von Ehestorf bei Harburg in Hannover. 

Ononis repens L. 

Eriophyes ononidis (Oan.) Nal. 
Hier selten. 



30 Otto Jaap: 

Medicago L. 

" Dasjnieura lupnlinae (Xieft'.) lUibs. 
Auf M. lupulhia L,, nicht häufig'. 

D. ig-norata (Wachtl) Eübs. 

Auf M. safiva L., selten. Die Luzerne wird hier nur \yenig und 
vorübergehend angebaut. 

Jaapiella Jaapiana Eüb's., a. a. O., IV, S. 501; Marcellia 
XIV, 1914, S. 107 sub Dasyneura. 
Auf 21. hipuUna L., häufig! — S. Z. 233. 

Trifolium Jj. 

Apion pubescens Kirb3\ 
Auf T. agrarium Tj. und T. minus Sm.. nicht selten. 

Dasjmeura trifolii (F. Low) lUibs. 
Auf T. ijvatensp L. und T. repens L.. häufig! — Z. S. 234. Aus 
den Gallen auf T. pratense L. zog Herr Professor Rübsa^amen auch 
Tricholaba trifolii Rübs. a. a. ()., VL S. 62. 

Lotus L. 

Eriophyes euaspis Nal. 
Auf L. coriüculatus L.. bei Trigiitz selten. 

Jaapiella loticola Rübs. 
Auf L. idifjiuosus Schkuhr, nicht häufig! Syn. : P er r isla loti Kieif. 

Contarinia Barbichei Kieif. 
kvd L. corniculatus L. und L. nlighwsus Schkuhr, häufig! — Z. S. 32(). 

C. loti (De Geer) Rond. 
Auf L. corniculatus L. und L. uliginosus Schkuhr, hier ziemlich 
selten. — Z. S. 235 von Dülmen bei Cilxhaven. 

As-phondylia melanopus Kief. 
Auf L. corniculatus L.. nicht häufig! 

Ornitliopus perpusillus L. 

Eriophyes plicator Nal. 
Ziemlich häufig! R. 1115. — Z. S. 481. — Auch in Schleswig- 
Holstein und Hannover von mir beobachtet. 



\'erz(^'u'linis der bei Tiin'litz in der I^ionitz ljeo!)achteten Zooceciflien. •> ' 

Vicia \i. 

Apioii (iyllenhali Kirb^'. 
Auf r. cmcca L., häufig. — Z. S. 482. — K. 2057, 2059. 2073. 

Pbysoi^us basicornis Reuter. 
Auf V: cmcca L., häufig. — Z. S. 238. 

Phyllocüptes retiolatus Nal. 
Auf V. cracca L., nicht selten. 

Dasyneura spaclicea Rübs. a. a. 0., VI, S. 45. 

Auf V. cmcca L., häufig! R. 2063 p. p. — Larven reingelb. — 
Z. S. 237. — Aus. ebensolchen Gallen zog Rübsaamen auch 
Dasyneura Loewiana Rübs. a. a. 0., Larven blaßrötlich; Macro- 
labis sp. (vielleicht M. hippocrepidis Kieft'.). Larven weiß, und 
Tricholaba similis Rübs. a. a. 0.. S. 64, Larven gelbrot. Es- 
bleibt noch festzustellen, wer Erzeuger dieser Galle ist; wahrschein- 
lich aber D. spadicea, da deren Larven bisher am häufigsten in den 
Gallen beobachtet wurden. Dasyneura viciae (Kieff.) Rübs. wurde 
von Prof. Rübsaamen bisher nur aus Vicia sepium L. gezogen, 
dürfte also nicht in Betracht kommen. — Eine ähnliche Galle findet 
sich hier auf V. tetmsj^eriiHi (L.) Mönch. 

Gontariuia craccao Kieff. 
Auf V. cracca L., häufig. — Z. IS. 236 von Kirchwärder bei Ilamljurg. 

Lathyrus pratensis L. 

Contarinia Jaapi Rübs. in ]\larcellia XIV (1914), S. 110. 
Häufig! — Z. S. 239. — Beschreibung der Galle, die der von 
Dasyneura lathyricola Rübs, ähnlich ist, bei Rübsaamen a. a. 0. 

Phyllocoptes retiolatus Nal. var. lathyri Nal. in Sitzungs- 
ber. d. K. Akad. d. Wiss. Wien, mathem.-naturw. Kl., 1917, Sep, 
Nicht selten! R. 941. — Z. S. 483. 

Jaapiella volvens Rübs,, Cecidomyidenstud, VI (1917). S.42. 
Niclit häufig! Rand der Eiederblättchen nach oben eingerollt, ohne 
Verdickung. Gelblichweiße bis blaßrötliche Larven. Neu. Auch 
bei ^^'einheim an der Bergstraße von mir gesammelt. 

Anabremia Bellevoyei (Kiefi:'.) Rübs. 
Ziemlich häufig! R. 945. Z. S. 328. 



38 ^ Utto Jaap: 

Seraniaceae, 

JUrodiiini ciciitarifitn (\j.) L'Her. 
Eriophyes Sclilcclitendali Nal. '' 

Im 8ommer 1916 auf sandigen Aeckern liäulig auftretend, früher 
nicht bemerkt. — Z. S. 133. 

Cuphorbiaceae. 

Euphorbia cyparissias L. 

üasyncura subpatula (Bremi) Rübs. 
Nicht häufig; weil die Nährpflanze hier nicht häufig ist und erst in 
neuerer Zeit eingewandert ist. In dieser Galle lebt auch Macrolabis 
lutea Rübs. a. a. 0., VI, S. 52. 

J3uxaceae. 

Buxus senipervireiis L. 

Psjdla buxi L. 
Häufig. , 

Die unter n. 18 in meiner Sammlung ausgegebene Galle gehört nach 
brieflicher Mitteilung von Dr. v. Schlechtendal zu Eriophyes ungui- 
culatus (Can.) Nal. 

Celasfraceae. 

Euonymus europaeiis L. 

Aphis rumicis L. (A. euonyrai Fabr.). 
Sehr häufig. — Z. S. 80. ^ 

tAceraceae. 

Acer L. 

Dasyneura acercrispans (Kieft'.) Rübs. 
Auf ^4. canipestre L., nicht häufig! auch Sukow bei Putlitz, — Z. S. 385 
von Jena. 

Elriophyes raacrorrhynchus Nal. 
Auf A. campestre L. und A. pseudoiüatanus L., viel. — Z. S. 135 von 
Bad Nauheim und 434 von Blankenburg in Thüringen. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. oJ 

E. pseiiduplataiii (Jorti. 
Auf .i. pseadoplalanns L., nicht häufig. 

E. macrochelus' Nal. 
Auf A. canipestre L. und A. ijseudoplatanus L. Auf A. platanoldes L. 
in der Nähe bei Laaske. — Z. S. 435 von Jena. 383 von Blanken- 
burg' in Thüringen; 

var. megalonyx Nah 
Auf A.. caiiipesh-c L., nicht häufig. 

Ei'iophyidarnm sp. 
Auf .4. pseudo'platanus L. — R. 32. Eisher nur auf einem Baum 
beobachtet, aber alljährlich in Menge! Die Milbe ist noch nicht 
bestimmt worden. 

Anmerkung: Von den Ahornarten kommt hier bei Ti'iglitz nur Acer 
ca)npestre L. hin und wieder in Gebüsch und Hecken wildwachsend vor, während 
A. pseucloplatanus h. nur in wenigen Exemplaren angepflanzt ist; A. platanoides 
L. aber fehlt ganz. Deshalb sind auch die Ahorngallen hier nicht häufig und 
mehrere sonst wohl überall vorhandene Arten wurden nicht beobachtet. 



JCippiocasfanaceae. 



Aesculus hippocastanuin L. 

Eriophyes hippo'castani (Fockeu) Nah 
Nicht selten. — Z. S. 32i). — : (Erineum aesculi Endl.) 

Jlhamnaceae. 

Hhanmus catliartica L. 

Trichochermes Walkeri (Fürst.) Kirk. 
Häufig. — Z. H. 81 als Trieb opsylla Walkeri (Fürst.) Thoms. 

Trioza rhamni (Schrank) F. Low. 
Ziemlich häufig!— Z. S. 136. 

Aphididarum sp. (? x\phis rhamni Fonsc). 
Ziemlich häufig. R. 1578. 

Frangula alnus Mill. 

Uasyneura frangulae Rübs. a. a. 0., VI, S. 51. 
Nicht häufig! Blüten etwas vergrößert, geschlossen bleibend; rötlich- 
gelbe Larven. In ebensolchen deformierten Blüten leben auch die 
gelben Larven von Contarinia rhamni Rübs. Wer Erzeuger der 
Gallen ist; bleibt noch festzustellen. 



40 - , Otto Jaap: 

Tilia L. 

€ontarinia tiliariim Kieff. 
Auf T. cordata MilL, an Schößlingen, Blättern und Blüten, häufig! 
— Z. S. 84 und 485; an Schößlingen von T. platyjihyllos Scop. seltener. 

Cecidomyidarura sp. 
Auf T. cordata Mill. ! In vergrößerten Knospen gelbrote Larven. » 
Ende' Mai 1915. 

Dasyneura Thomasiana (Kieff.) Rübs. 
Auf T. corr/ato Mill. ! und T. plah/phi/Ilos Scoj). nicht selten. — Z. S. 386. 

Didymomyia Eeaumuriana {V. Low) Eübs. 
Auf T. platypliißlos Scop. in Laaske. — Z. S. 20 von Magglingen bei 
Biel in der SchAveiz. 

Dasyneura tiliamvolven.s Rübs. 
'Auf T. cordata Mill., nicht selten! — Z. S. 388. Kommt hier auch 
an den Hochblättern des Blütenstandes vor. Spärlicher an T. platy- 
IjJiyllos Scop. 

Eriophyes tetratrichus Nal. 
Auf T. cordata Mill., häufig. — Z. S. 387. 

E. tiliarius (Murr.) (Jonn. (nom. nud.). 
Auf T. cordata Mill., häufig! R. 1926. — Z. S. 82. — Eine Be- 
schreibung der Milbe, die wahrscheinlich von der folgenden Art nicht 
verschieden^ ist, ist mir nicht bekannt geworden. 

E. tiliae (Pagenst.) Nal. 
Auf T. cordata Mill. und T. platypliyllos Scop., nicht sehr häufig; 

var. exilis Nal. 
Auf T. platyphyllos Scop., wenig; auch bei Laaske; 

var. liosoma Nal. 

Auf T. cordata Mill,, sehr häufig. — ■■ Z. S. 42. 

Anmerkung: Tilia cordata Mill. kommt bei Triglitz nur spärHch wild- 
wachsend vor, ist aber häufig angepflanzt, während T. platyphyllos Scop. nur 
in wenigen Exemplaren angepflanzt ist. 

Malva neglecta Walir. 
Aphis urticae Fabr. 
Nicht häufig. 



^'e!•zeicl^^is der i)ci Trinlitz in der l'ri"iiitz beol^aehteten Zoocecidien. il 



fSfCypsricaceae. 



HypeHcmn L. 

Geocr3'i)ta Braueri (Handl.) Rübs, 
Auf H. i)erforatum L., nicht selten! In Oberbayern fand ich die 
Galle auch auf H. quadraufjulam L.. das als Nährpflanze neu ist. 

Das3^neura hjqjerici (Bremi) Eübs. 
Auf H. perforatmn L., Z. S. 330!, H. qiiadrangidum L., Z. S. 437! 
und H. humifnsum L.. nicht selten. Dasyneura serotina (Winn.) 
Rübs. ist nach Rübsaamen nicht verschieden. 

Violaceae, 

Viola L. 

Dasyneura affinis (Kieff.) Rübs. 
Auf Y. caiiina L.. nicht hcäufig! R. 2079 und 2083. 

D. violae {F. LiJw) Rübs. 
Auf T'. fricolor L.. sehr häufig! — Z. S. ,43. 

Ottofheraceac. 

EpiloMum L. 

x4.phis epilübii Kalt. 
Auf E. Idrsutmn L., E. parvifionun (Schreb.) Reich., E. niontaniim L. 
und E. iKdiistre L., nicht selten. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Auf E. montaiium L. und E. roscuni (Schreb.) Roth. — ■ Blätter 
gekrümmt, und gekräuselt. 11. 7140. 

Umbelliferae. 

Anthriscus silvesfrl.s Hoftm. 
Aphis antlirisci Kalt. 
Nicht häufig. 

Torlli.s anthi'iscK.s (L.) (.iiuel. 

Kiefferia pimpinellac (F. Low) Mik. 
Nicht häufio-. 



■42 • Otto Jaap: 

-Petroselininn safivuni Hoftin. 
Aplirophora spumaria (L.) (Termar. , 

Im Garten. Sproßachse gestaucht, Blätter gekrümmt und gekräuselt. Neu. 

Kiefferia pimpinellae (F. Low) Mik. 
Nicht häufig. Neue Nährpflanze! 

Lasioptera carophila F. Low. 
Nicht selten! 

Sitim erectuni Huds, 

[Berula angustifoUa (L.) Koch.] 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 

Nicht selten. »Sproßachse gestaucht, Blätter etwas zusammengezogen. 

Blättchen verbogen und gekräuselt. Auch bei Grünberg in Schlesien 

von Schmidt beobachtet. 

I*MnpineUa L. 

Lasioptera carophila F. Low. 
Auf F. saxl fraget L., nicht häufig. 

Kiefferia pimpinellae (F. Low) Mik. 
Auf F. macjna L. und F. saxlfraga \i., häufig! Z. S. 242 und 486. 
Synonym ist Asphoudyl'ia umbellatarum F. Low. In den Gallen 
kommen als Einmieter hier vor: Contarinia inquilina Rübs., 
Trotteria sp.; Dasjneura umbellatarum Eübs. und Amerapha 
gracilis Eübs. Man vergleiche Rübsaanien in Marcellia 1914, 
S. 99 und Cecidomyidenstud. VI, S. 94. 

Cecidomyidarum n. sp. 
Auf.P. saxlfraga L., nicht häufig! In locker eingerollten und ver- 
dickten Blättchen weiße Larven. Neu. 

Aphis anthrisci Kalt. 
Auf F. magna L., ziemlich selten.. 

Diodaul US Traili (Kieff.) -Rübs. 
Auf F. saxlfraga L., häufig! — Z. S. 243. Auch in Gesellschaft 
dieser Art, sowie der der folgende!), lebt Contarinia inquilina Rübs. 

Contarinia umbellatarum Rübs., in Zeitschr./ f. wiss. 
Insektenbiologie 1910, S. 422. 

Auf F. saxlfraga L., wie die vorige Art in angeschwollenen Blüten! 
Ob sie selbständig Gallen hervorruft oder nur als.Inquilin bei der 
vorigen Art lebt, ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt worden. 



Verzeielmis der bei Tri<;lit?: in der Pi-ii>nitz beobachteten Zooeeeidien. ^o 

Aegopodiiun podagraria L. 

Apliropliora spumaria (L.) Germar. 
Die Larven der Scliaumzikacle verursachen Kürzung, Krümmung' und 
Kräuselung der Blätter. Man vergleiche auch H. 7lG9. 

? Macrolabis corrugans (F. Low) Kieff. 
Nicht häutig! 11. G5? Die Gallbildung ist der auf Heradcum 
siiliondylium L. ähnlich und dürfte wohl auch von derselben Mücken- 
art erzeugt werden. 

AiigcUca sUvestris L. . 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Stiele der Blätter und Fiedern gekürzt, Blattfläche gekrümmt und 
mehr oder weniger gekräuselt. Neu. 

Dasyneura angelicaeRübs., Cecidomyidenstudien IV, S.513. 
Häufig! Z. S. 488. — E. 142. 

Peucedanutn oreoselinutn (L.) Mönch. 
Macrolabis corrugans (F. Low) Kieff. 
Bisher nur wenig beobachtet. 

Kieff er ia pimpinellae (F. Low) Mik. 
Nicht häutig. 

Anethutn graveolens L. 

Aphis rumicis L. 
Blätter verbogen und gekräuselt; neu. Im Garten. 

Meracleuni sx^hondyliuni L. 

Contarinia Nicolayi Rübs. 
In manchen Jahren sehr häufig! — Z. 8. 214:. 

Macrolabis corrugans (F. Low) Kieff". 
Häufig! ~ Z. S. 489. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Nicht selten. li 7184. 

Daucus carota L. 

Kiefferia pimpinellae (F. Low) Mik. 
Häufig! Z. S. 332. 



•i-i Otto -Jaap: 

Cricaceae, 

Vaccinium uti/rfUlus L. 

Jaapiella (?) vaccinii Rübs., Cecidoniyideiistud. IV, S. 501. 
Nicht häufig! R. 2004. 

Jaapiella (?) myrtilli Rübs. in litt. 
Ziemlich selten! R. 2007. 

Calliina vulgaris Salisb. 
? Eriophy.idarum sp. 
Zweigsucht, hexenbesenartige Bildungen; nicht häufig. Herr Prof. 
Rübsaamen fand in dem Material von Triglitz vereinzelt Milbeneier 
(briefl. Mitt.). 

Erica tetralix L. 

Eriococcus ericae Sign. 
Häufig. Meine Cocciden-Sammlung n. .182. Bei dichter Besetzung 
der Tiere werden die Pflanzen zum Absterben gebracht. 

tPrimulaccae. 

Lysimachia vulgaris L. 

Kriophyes laticinctus Nal. 
Ziemlich häufig. - Z. S. 87. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Blätter verkürzt, gebogen und wellig gekräuselt; n e u. 

öleaceae. 

Fraxinus excelsior L. 

Psyllopsis fraxini (L.) F. Low. 
Häufig. — Z. S. 88. 

Dasyneura fraxini (Winn.) Rübs. 
Nicht selten! — Z. S. U. 

Hyringa vulgaris L. 

Kriophyes Löwi Nal. 
Häufig. — Z. S. 22. Auch in Laaske. H. R. von Öchlechtendal 
sagt in dem großen (iallenwerk von Rübsaamen, daß die Galle in 



Verzeichnis der bei Triglitz, in der Prionitz beobachteten Zoocecidien. •*'> 

Xorddeiitschkmcl noch nicht beobachtet sei (Zoocecid. 2. Lief. [191G], 
441). Bei Hamburg aber ist sie stellenweise sehr häufig! Aus der 
Mark ist mir die Galle nocli von T?aulinenaue im HavelländiscliHU 
Tiuch bekannt geworden; 

Cabiatae. 

Ajuga reptans L. 

Myzus ajugae Schont. 
Nicht häufig. — Z. S. 441. 

Scutellaria (jalericulata Ij. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Blätter gekrümmt, verbogen und gekräuselt. Neu. 

Nepeta caiaria L. 

Jaapiella catariae Eübs. a. a. ().. IV. S. ;")02. 
Im Garten, 1914 viel! — Z. S. 334. Die rosenroten Larven leben 
in den Blüten oder am Grunde der Früchtchen, die etwas deformiert 
werden. Der Blütenstand ist oft fast geknäuelt. 

Glechonia Jiederaeea Ij. 

Dasyneura glechomae (Kieft'.) Rübs. 
Nicht selten. 

?,Aylax glechomae (L.) Kiefi". 
Häufig. — Z. S. 492. Die Tiere wurden noch nicht untersucht. Es 
kann daher auch die Galle von A, Latreillei Kietf. in Betracht 
kommen. 

Oligotrophus bursarius (Bremi). 
Nicht häufig. 

Galeopsis tetrahlt L. 

Cecidomyidarum sp. 
Nicht häufig! E. 704. Neue Nährpflanze. Die Galle wird nur auf 
(L ocJiroleuca Lam. angegeben. Vgl. H. 6234. 

Lamiuni L. 

Dasyneura ga] e ob do lentis (Winn.) Karsch. 
Auf L. gcileolnlolon (L.) Crantz. Bei Triglitz. und überhaupt in der 
Mark bisher noch nicht gefunden, aber unter Buchen am Planer See 
in Mecklenburg! — Z. S. 442 aus dem Schwarzatal in Thüringen. 



4-6 Otto Jaap: 

Man yergieiclie über die Verbreitung dieser Galle die Af-beit von 
H, Harms in diesen Yerhandl. LVIII. (lUlG). S. 158: vgl. auch LIX. 
(1917), S. 197. 

Contarinia lamiicola Rübs. a. a, ()., IV, S. 495. 
Auf L. maculatum L., nicht häufig! — Z. S. 391. — H. 4838? — 
Nach Rübsaamen, a. a. 0.. \l, 8. 47, ist Dasjnieura lamiicola 
(Mik), angeblich von derselben Nährpflanze (R. 922). als Synonym 
zu der vorigen Art (Dasyneura galeobdolontis) zu stellen. 

Macrolabis lamii Rübs. a. a. 0.. IV, 8. 494. 
Auf L. album L.. nicht selten! R. 923. 

Ballota nigra L. 

Contarinia ballotae Kieff. 
Hier nicht häufig. — Z. S. 392 von Jena! 

Thymus serpylluni L. 

Eriophyes Thomasi Nal. 
Häufig. — Z. S. 24. 

Apion atomarium (L.) Kirby. 
Nicht häufig. 

31entha L. 

Apion vi ein um Kirby. 
Auf M. arrensis L., ziemlich selten. 

Aphrophora spumaria (L.) (Termar. 
Auf 21. aquatira L. — Blätter gekrümmt und wellig gekräuselt; 
neu. Auf J\I. arvcmsis L. auch von H. Schmidt bei Grünberg 
beobachtet. 

Solanaceae. 

Physalls alkekengi L. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Im Garten, alljährlich. — Blattstiele gekürzt, Blattfläche gekrümmt 
und wellig gekräuselt. Neu. 

Solanmn L. 

Aphis rumicis L. 
Auf S. nigrnm L., nicht selten. H. 4985. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz l^eobachteten Zoocecidien. ■* i 

Apliropliora spiiraaria (L.) Germar. 
Auf S. d/ilrauiara L. — Blattstiel kürzer, Blattfläclie gekrünimt und 
gekräuselt. Neu. 

Eriopln'Bs cladoplitliirus Nal. 
Auf S. dulcamara L.. nicht häufig. 

Oontariuia solani Eiibs. 
Auf ^S. rluJcamara L.. hier ziemlich selten! 



Scrophülariaceae. 

Verbascuni nif/rum L. 

C'ontarinia anthophthora (F. Low) Kieff'. 
Häufig! — Z. 8. 337. 

Linaria vulgaris ^lill. 
Gymnetron linariae Panz. 
Nicht selten. 

Seropliularia aquatiea Tj. 

Anguillulidarum sp. 
Neu! Knospen- und Zweigsucht; Blätter oft mehr oder weniger 
schuppenförmig, Blüten zuweilen 'mißgebildet oder vergrünt. Herbst 
1916. Die Aeichen wurden in den Stengelteilen von Herrn Professor 
Rübsaamen nachgewiesen. 

Vei'onica L. 

Jaapiella veronicae (Vallot) Eübs. 
Auf V. chamaedrys h., sehr häufig, Z. S. 46; auf T'. officinalis L. 
seltener, namentlich auch in den Blüten! R. 2025 und 2039. — 
Z. S. 394: von Stützerbach im Thüringer Walde. 

Dasj^neura similis (F. Low) Pubs, 
Auf T: scutdlata L., häufig! P. 2026 und 2040. 

Gymnetron beccabungae (L.). 
Auf y. scufeUata L., nicht häufig! 

Eriophyes anceps Nal. 
Auf r, offichicdis L., nicht häufig. 



48 Otto Jaap: 

J^lantaginaceac. 

Mantaffo Urnceolata \i. 

? Tylenclius dipsaci Kulm. 
Nicht liäufig! Tiere iiocli niclit untersucht. 

Jaapiella Schmidti Eübs. in Zeitschr. f. wiss. Insektenbiol. 
1912, S. 284 unter Dasyneura. sowie (*ecidomyidenstudien IV, S. 501. 
Bisher nicht häufig! Rötliche Larven zwischen den Früchten, die 
etwas deformiert werden. ' 

Jlubiaceae. 

Oalinni L. 

Ametrodiplosis auripes (F. Lihv) Rübs. 
Auf G. moUufjo L., nicht selten! 

Dasyneura aparines (Kieff.) Rübs. 
Auf G. aparine \j. — Z. S. 838! 

IMacrolabis Jaapi Rübs. a. a. ()., TV, S. 495. 
Auf G. aparhiG \j.\ Die Gallen gleichen denen der vorigen Art. 
und es ist noch nicht mit »Sicherheit erwiesen, ob beide Arten 
selbständig Gallen hervorzurufen vermögen, oder ob die eine bei der 
andern als Einmieter lebt. Viel häufiger als die vorige. 

Dasyneura hygrophila (Mik) Rübs. 
Auf G. palustre L., häufig! — Z. S. 841. 

Contarinia moUuginis Rübs. 
Auf G. mollufjo L., nicht häufig. 

Trioza galii Forst. 
Auf G. moUugo L., G. aparine L. und G. palastre L., nicht selten. 

Geocrypta galii (H. Loew) Rübs. 
Auf G. nioUugo L., Z. S. 840, und G. uUginosnm L., Z. S. 145, 
häufig! Die Nährpflanze in dem Exsikkat 145 ist versehentlich als 
G. pahistre L. bezeichnet worden. 

Eriophyes galii (Karp.) Nal. 
Auf G. mollufjo L., Z. S. 47, und G. apar'nie T;., Z. S. 296, häufig, 
seltener auf G. n/i/jinosuni \j. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 4-J 

Scliizorayia galiorum Kieff. 
Auf G, mollugo L., häufig-'. — Z.. S. 245. 

Eriophyes galiobius (Cau,) Nal. 
Auf G. mollugo L.> ziemlich häufig. — Z. S. 196. 

Aphis galii Kalt. ' 

Auf G. mollugo L., häufig. — Z. S. 389. 

Caprifoliaceae. 

Sambiicus nigra L. 

Rpitrimerus trilobus Nal. 
Sehr häufig. — Z. S. 92. . 

Placochela uigripes (F. Low) Hubs. 
Nicht häufig! 

Vibiiriiuni opitlus L. 

Aphis vuniicis L. (A. euüuymi Fabr.). 
Häufig. — Z. S. 446, als A. viburni Scop. Auch im Garten auf 
f. r s e a L. sehr schädlich auftretend. 

Lonieera L, 

Kriophyes xylo st ei (Can.) Nal. 
Auf L. iieridgmemim L., nicht häufig'. — Z. S. 447. 

Dasyneura periclynieni Rübs. 
Auf L. perichjnie)nim L., häufig! — Z. S. 448. Oft finden sich in 
den Gallen die w'eißlichen Larven von Macrolabis lonicerae 
Rübs. in Zeitschr. f. wiss. Insektenbiol. 1912, S. 355, und es ist nicht 
ausgeschlossen, daß diese die Gallen auch erzeugt. 

Siphücoryne xylo st ei (Schrank) Pass.*) 
Auf L. peridymeiunn L., häufig. — .Z. S. 94. Auf L. xylostewn L. 
bei Laaske. R. 1006 und 1009. 

Syndiplosis lonicerearum (F. Low) Rübs. 
Auf L. .'■glosteum T^., im Eisholz bei T^aaske! — Z. S. 95 von Bad 
Nauheim in Uberhessen. 



*) Vergl. über diese Galle: L. Diels, Der F'ormbildungsprozeß bei der 
Blütencecidie von Lonieera Untergatt. Periclipnenum; in Flora GV. (1913) 184. 
— H. Haiuis. 

Vcrbandl. des Bot. Vereins f. Brandenb. LX. a 



50 Otto Jaap: 

Valerianaceae. 

Valeriana excelsa Poir. 
Cecidomyidarum si). 
R. 2011. Bisher imv wenig beobachtet. Nene Nährpflaiize. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Blättclien verkürzt, gekrümmt und gekraust. Neu. 



Dipsacaceae. 



Succisa lyratensis Mönch, 
Contarinia dipsacearum Rübs. n. sp. in litt. 
Blüten geschlossen, dunkelgeibe Larven! Auch Itei Partenkirchen in 
(Jberbavern von mir beobaclitet. 



Composifae. 



EupatoHutn cannahinuni L. 

Leioptilus microdactylus (Hübner) Wallgr. 
Nicht selten. — Z. S. 344. 

Solidago t^irf/a atirea L, 

Dasj^neura virgae aureae (Liebel) Rübs. 
Ziemlich häufig! — Z. S. 494. 

Aphis helichrysi Kalt. 
Nicht selten, oft mit der vorigen. 

Callistejyhus chinensis (L.) Nees. 
Aphis rumicis L. ' 
Z. S, 197. Neue Nährpflanze.— Blätter verbogen und gekräuselt. 
Trat 1911 sehr schädlich auf den jungen Pflanzen im Garten auf. 

Aster lanceolatus Willd. 
Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Blätter sichelförmig gekrümmt, etwas verbogen und wellig gekräuselt. 
Im Garten. Neu. Die Aster wurde von Herrn Dr. Thellung 
bestimmt. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocceidien. Ol 

GnapJiftlluni uliyitiosum L. 

Pempliigus filaginis Foiisc. , 

Häuüg-. — Z. S. 345. 

Bidens ceniUNs L. 

Apliididariim sp. 
Blätter gefaltet, gekrümmt, verbogen und gekräuselt. N e u. 

AutJietnis ari-eitsis L. 

Apion laevigatum Payk. 
Sehr liäutig. — Z. S. 495. 

Cliuorrliyuclia antliemidis Rübs. a. a. 0., IV, S. 5G1. 
Nicht selten, oft in Gesellschaft der vorigen Art! 

AchiUea L. 

Ehopalomyia millefolii (H. Loew). 
Auf .4. miVefoVntm L., nicht häufig. 

Rh. i)tarmicae (Vallot) Rübs. 
Auf .4. jitarmicü L.. häufig! — Z. S. 247. 

Aphrophora spumaria (fj.) l-iermar. 
Auf .1. ptarmica L. — Sproßachse gestaucht. Blätter spiralig ver- 
bogen und gekräuselt. N e u. 

Tylenchus millefolii F. Tiöw. 
Auf .4. m/JlpfoVnim Tj., häufig. R. 3(), 42 und 46. 

Chrysanthetuuni leucantheniuni L. 

Clinorrhyncha chrysanthemi H. Loew. 
Nicht selten. R. 469? — Gl. leucantherai Kiett'er ist ein nomen 
uudum. Man vergl. Rübsaamen a. a. ()., TV. S. 560. 

Tcmacetuni vulgare (I..) Beruh. 

Eriophyes tuberculatus .Nal. 
Bisher bei Triglitz nochs nicht beobachtet, aber Sukow bei Piitlitz. 
— Z. S. 248 von Handorf bei Harburg in Hannover; 

var. calathinus Nal. in litt. 
In deformierten Blütenkörbchen, ziemlich häufig! — Z. S. 49(). In 
Gesellschaft finden sich öfter die gelblichen I^arven von Contarinia 
tauaceti Rübs. n. sp. und die gelbroten Larven von Arthrocuodax 
.Taai)i Rübs. n. sp. 

4* - 



52 Otto Jaap: 

Arteniisiff L. 

Misopatlia baccarum (Wachtl) Eübs. 
Auf .4. vulgaris L., selten; bisher nur einmal beobachtet! R. 178. 

Boiicheella artemisiae (Bouche) Rübs. 
Auf A. campestrls L., häufig! — Z. S. 397. R. 181 und 203. Tn 
(resellschaft kommen in den Gallen öfter Misopatha campestrls 
Rübs. a. a. 0.; IV, S. 550, Oecidophila artemisiae Rübs. a. a. ()., 
S. 552 und Dasyneura artemisiae Rübs. a. a. 0., S. 516, vor; 
wahrscheinlich vermag* aber die zuerst genannte Art auch selbständig 
(-Jallen hervorzurufen. 

Aphididarum sp. 
Auf A. absinthium L. Sproßachse gestaucht, Blätter gedrängt stehend, 
mehr oder weniger verbogen. Neu. 

Aphrophora spumaria (L.) (jermar. 
Auf A. vulgaris L. Blätter kürzer, verbogen nnd gekräuselt. N e u. 

C-ryptosiphum artemisiae (Passer.) Backton. 
Auf A. vulgaris L., nicht selten. — Z. S. 200. 

Eriophyes artemisiae (Oan.) Nal. 
Auf A. vulgaris L., ziemlich häufig. — Z. S. 49; 

var. horridus Nal. in Sitzungsber. K. Akad. d. Wiss., 
mathem.-naturw. Kl., Wien 1917 (Sep.). 

Auf A. vulgaris L., nicht selten! — Z. S. 346 (als var. subtrlis Nah). 
— In den Galleh lebt als Inquilin Anthodiplosis artemisiae 
(Kieff.) Rübs. Vgl. R. 206 und 208. 

Contarinia artemisiae Rübs. a. a. ()., VI, S. 92. 
Auf J^. vulgaris L. — Blütenkürbchen schwach verdickt, gelbe Larven. 
In Gesellschaft nach Rübsaameh (briefi. Mitt.) auch Rhopalomyia 
Magnusi Rübs. 

Seneclo I^. 

Aphididarum sp. 
Auf 8. vulgaris L. — Blätter verbogen und gekräuselt, ob Aphis 
jacobaeae Schrank? R. 1786? Die Laus ist nicht bestimmt worden. 

Tephritis niarginata Fall. 
Auf c^. jarohaea L., häutig. — Z. S. 497. 



Verzeichnis der bei Trigiitz in der Prignitz i^eoljaclitel'en Zoocecldien. 0'^ 

Oontariuia jacobaeae (H. Loew). 
Auf S. öiiUjaris \j. iiucl S. jacohaea L., häufig'. R. 178Ü. 

Cirsiuni L. 

Uropliora cardui L. 
Auf C. cirvensc (L.) Scop., ziemlich selten. 

Clinodiplosis (V) oleracei Kübs. a. a. 0., VI, 8. 75. 
Auf C. oleracenm (L.) Scop. Bisher nur einmal gefunden! Die gelben 
Larven leben auf der Oberfläche jugendlicher Blätter, die etwas 
gerollt oder gefaltet und gekraust sind. 

Aphi'ophora spumaria (L.) Germar. 
Auf C. oleracenm (L.). Scop. — Blattfläche, oder Teile derselben ge- 
krümmt und wellig gekräuselt. 

Tylenchus sp. 
Auf C. oleracenm (L.) Scop., nicht' selten. 11. 484. 

Jaapiella cirsiicola Rübs. a. a. 0., IV; S. 503. 
Auf C. arvense (L.) Scop., C. acaule (L.) All. und C. lanceolatum (L.) 
Scop., nicht selten! Die roten Larven leben in deformierten Blüten- 
körbchen, öfter in Gesellschaft der folgenden Art. 

Urophora stylata (Fabr.) Rob.-Desv. 
Auf C. lanceolatum (L.) Scop., ziemlich häutig! — ■ Z. S. 498. Die 
von mir aus den Gallen gezogenen Fliegen wurden von Herrn Prof. 
Rübsaamen bestimmt. U. solstitialis scheint hier nicht vor- 
zukommen. — Von Parasiten erhielt ich Kurytoma robusta Mayr 
und Pteromalus sp. 

Centaiirea jacea L. 

Urophora sp. 
R. 432 oder 433. Die Fliege ist noch nicht bestimmt worden. 

Lanip.saua coniniuuis L. 

Macrosiphum alliariae Koch. 
Nicht selten. 

Aphrophora spumaria (L.) Germar. 
Blätter gekrümmt und gekräuselt. Neu. 



54 Otto Jaap: 

Hypoclioeris radicata L. 

Tylenchus sp. 
Nicht häufig. R. 865. 

TavfixncHni officinale Weber. 
Tyjeuchus sp. \ 

Nicht häufig. R. 1879. 

(Jystiphora taraxaci KieÖ\ 
Häufig. - Z. S. 347. 

Sonühtis arvensis h. 

Cystiphora Konchi (F. Low) Kieft'. 
Häufig. 

Crepifi palndosa (L.) Mönch. 

Aphropliora spumaria (L.) Germar. 
Sproßachse gestaucht, Blüten gehäuft, Blätter gekrümmt und ge- 
kräuselt. Neu. 

Hiemeinni Ij. 

Macrülabis hieracii Rübs. a. a. O., VI, S. 36. 
Auf iZ. vnlgatiua Fr., H. trkleidatuui Vi\ und H. horeale Fr., nicht 
selten! R. 796. Kieffer hat die Mücke nicht beschrieben (vergl. 
diese Verh. LIX. 1917, S. 119). 

M. piloseJlae (Binnie) Kiett'. 
Auf H. pilosella L., nicht selten! — Z, S. 398. 

Aulaeide a hieracii (Bouche) Kjefi". 
Auf U. oulgatum Fr., H. trideiitatum Fr., H. boreale Fr. und H. uni- 
hellaümi L., nicht selten. — Z. Ö. 350. Auf H. silvaticum (L.) Fr. 
in der A¥ittstocker Heide. 

Aulacidea sp. 
Auf H. pllosdla L . nicht häufig. R. 799. 

Uecidomyidarum sp. 
Auf H. piloseUa L. — R. 802. 

Tylenchus sp. 
Auf H. iJÜoseUa L., ziemlich häufig. R. 803. 



Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz beobachteten Zoocecidien. 00 

jMacrosi[)liuni liieracii (Kalt.) Slioiit 
Auf H. pilosdla L., Z. 8. 3i9, H. vubjatani Fr., H. tridentatam Fr. 
und H. horeale Fr., häufig. 

Oystipliora pilosellae Kielt'. 
Auf H. pilosella L., ziemlich selten. 

Trioza proxima Flor. . 
Auf H. pilosella L., nicht häufig. 

Contarinia pilosellae Kietf. 
Auf K pilosella L., häufig! R. 814. — Z. S. 499. 

Jaapiella cirsiicola Eübs. a. a. (). 
Auf H. pilosella L. — .Köpfchen angeschwollen wie bei der vorigen 
Art und öfter in deren Gesellschaft. 

Carphotricha pupillata (Fall.) H. Loew. 
Auf H. vulgatum Fr., 7J. S. 500, H. tridentatum Fr.. H. horeale Fr. 
und H. umheUatuui L., häufig'. 

Tephritis ruralis H. Loew. 
Auf H. pilosella L., ziemlich häufig. 

Hamburg, im Dezember 1917. 



Die nördliche Niederlausits. 

Von 

E. Ulbrich. 

Im Folg-enden gebe ich eine Darstellung der Veg-etationsver- 
hältiüsse des ausgedehnten (Grenzgebietes der südöstlichen Mark, 
das sich nördlich an den eigentlichen Spreewald anschließt. Das 
Gebiet umfaßt das Areal der Meßtischblätter Xr. 2183 (Niewisch). 
2184 (Groß-Muckrow), 2253 (Lieberose), 2254 (Jamlitz), 2255 (Granu) 
und einen kleinen 'J'eil von Nr. 2328 (Strega). Die Grenzen sind: 
im Westen der iSchwielochsee mit dem Lieberoser See, der Kleine 
und Große Mochowsee und die südwestlich anschließende Seenkette 
bis zum Byhlener See. Die Südgrenze bildet der Nordrand der 
Königlichen Forst Peitz bis zur Calpenz und den angrenzenden kleinen 
A\^aldmooren im Drewitzer Walde nordöstlich vom Dorfe Tauer in 
der gleichnamigen Forst, das Pastlingsmoor und die Pastling- bei 
Grabko. Die Ostgrenze verläuft vom Kerkwitzer Walde über 
Atterwasch, Bärenklau — Lübbinchen — Pinnow nach Reicherskreuz. 
Die Nordgrenze wird gebildet durch die Kette kleinerer und kleinster 
Seen und Tümpel zwischen Eeicherskreuz und Chossewitz und weiter 
westlich durch eine Linie, die durch die Stiftsforst Neuzelle bis zur 
Bahnstrecke Frankfurt — Cottbus nach Weichensdorf verläuft. 

Die Größe des ganzen Gebietes beträgt etwa 528 Quadrat- 
kilometer, von denen 332 Quadratkilometer auf Wald, etwa 
38 Quadratkilometer auf Seen, etwa 3 — 4 Quadratkilometer auf 
Moore, etwa 6 Quadratkilometer auf zusammenhängende Heideiiäche, 
etwa 16 Quadratkilometer auf Wiesen und ungefähr 136 Quadrat- 
kilometer auf Ackerland und Ortschaften entfallen. 

Die größte Ortschaft ist das Landstädtchen Ivieberose. am 
Mühlenfließ gelegen. Schon 1272 wird es in den (Jhi'oniken als 
Lubraz erwähnt; es bildet den Mittelpunkt einer etwa vier Quadrat- 
meilen großen Herrschaft, die seit 1513 den Grafen von der Schulen- 
burg gehört. Lieberose hat etwa 1500 Einwohner, größtenteils 



Die nördliche Xiederlausitz. 0( 

Ackerbürger; Industrie ist scliwäclier vertreten durch einige herr- 
schaftliche Holzsclineidewerke. durch Wollweberei und etwas Leineu- 
iudustrie. Die früher vorhandene Torfindustrie ist bis auf einige 
Eeste verschwunden. 

Von Dörfern liegen im (jehiete 42, unter denen am bedeutendsten 
sind: im Nordwesten Xiewisch. Speichrow. .Tessern am Schwielochsee, 
Dobberbus am Mühlenfließ, im Nordosten Chossewitz am gleichnamigen 
See, Groß- und Klein-Muckrow, Leeskow, Eeicherskreuz, sämtlich 
Heidedörfer, Lamsfeld am gleichnamigen Fließ im "Westen, Byhlen 
im Südwesten. Jamlitz und Staackow in der Mitte, Tauer und Drewitz 
im Süden. Lübbinchen, Pinuow, Grano, Bärenklau im Osten des 
Gebietes. 

^^'eit über die Hälfte des ganzen Gebietes ist Kiefernwald und 
herrschaftliche Forst.' Zur herrschaftlichen Forst Lieberose gehören 
105, zur herrschaftlichen Forst Straupitz 45, zu den Königlichen 
Forsten Tauer. Dammendorf, Peitz, Stiftsforst Neuzelle, zusammen 
etwa F23 (^)uadratkilometer, der Rest (47 (^)uadratkilometer) entfällt 
auf Bauernheiden. 

Der größte Teil des (Gebietes gehört zum Kreise Lübben. der 
Süden mit den Dörfern Tauer und Drewitz zu Cottbus, der Osten 
mit den Dörfern Lübbinchen, Grano, Grabko, Bärenklau und Atter- 
wasch zum Kreise Guben. 

Geschichte der botanischen Erforschung. 
Um die Erforschung der Flora von Lieberose hat sich der 
emeritierte Lehrer Anton Busch sehr verdient gemacht. Er wurde 
am 23. März 1823 zu Lieberose geboren und starb ebendort am 
27. Mai 1895.') Er widmete sich besonders dem Studium der Krypto- 
gamen, vornehmlich der Moose. Seine Moosfunde sind von Warns- 
torf berücksichtigt worden. Die Phanerogamen und Gefäßkryptogamen 
führte Ascherson in seiner Flora der Provinz Brandenburg auf, 
jedoch erst von Bogen 26 an. Vollständig berücksichtigt sind sie 
in Aschersons Beiträgen zur Flora der mittleren und westlichen 
Niederlausitz. ■■^) Diese Angaben beziehen sich auf die Umgebung 
von Lieberose. Sonst liegen floristische Angabeh über das Gebiet 
nicht vor. Sehr viel reichhaltiger sind die Angaben über die floristisch 
auch besser bekannten Nachbargebiete; eine Aufzählung der Literatur, 
die sich ^uf die östliche Niederlausitz bezieht, gibt P. Decker.'^) 



1) Vergl. Verhandl. Bot. Ver. Prov. Brandbg. 37. Jahrg. 1895 (1896) S. V. 

2) A. a. 0. 21. Jahrg. 1879 (1880) S. lOÜ-1^3. 
^) A. a. 0. 53. Jahrg. 1911 (1912) S. 87- 93. 



öS E. Ulbrich; 

P. Aschcrson war im Juni 188li in IJeljerose, wie Pflanzen aus 
seinem Herbar Ijeweisen. Das reiche Plianerogameiiberl)ar der 
Umgebung von Lieberose, das Busch zusammengebracht hatte, ist 
Eigentum des Gymnasiums vou Frankfurt a. (). geworden, ■wogegen 
seine reichhaltige Moos- und Flechtensammlung und ein Teil seiner 
botanischen Bibliothek schon bei seinen Lebzeiten in den Besitz des 
Naturwissenschaftlichen Vereins übergingen. Das Gebiet floristiscli 
zu untersuchen, wurde Verfasser dieser Zeilen angeregt durch Auf- 
finden von Betula humills gelegentlich eines kurzen Aufenthaltes in 
Jamlitz 1904. In den Jahren 1908 — 1910 war ich dann mehrmals 
kürzere Zeit in dem Gebiete, das ich von Jamlitz aus durchstreifte. 
Auf einigen Ausflügen wurde ich von Herrn Dr. E. Pritzel begleitet, 
dem ich auch photographische Aufnahmen vej'danke. Eine vor- 
läufige Schilderung einiger Teile des nmfangreichen Gebietes gab 
ich in diesen Verhandlungen in den Jahren 1906 und 1907/) Die 
Angabe des Vorkommens von Pxdida nancv') im Pastlingsmoor im 
Drewitzer Walde bei Taner veranlaßte mich, im Jahre 1916 auch die 
Gegend östlich des Calpenzmoores bis Kerkwitz zu besuchen. Der 
Ausflug fand im August statt-, leider bei überaus schlechtem Wetter, 
sodaß ein Betreten des Pastlingsmoores, zumal bei dem ungewöhnlich 
hohen Grundwasserstande dieses Jahres, sich als unmöglicli erwies. 

Die topographischen Verhältnisse des Gebietes. 

Das von mir besuchte Gebiet gliedert sich der Höhenlage ent- 
sprechend in die im westlichen Teile gelegene -Niederung (41 — 50 m 
Meereshöhe) der Spree mit ihren östlichen Zuflüssen und in die 
Hochfläche (über 50 bis 140 m), deren Randgebiet zahlreiche Seen- 
ketten und Moore enthält, wogegen die höchste Stufe äußerst wasser- 
arm ist. Im Westen des Gebietes ist die Strömungsrichtuug der 
Wasserläufe eine ostwestliche, im Uebergangsgebiet vorherrschend 
nordsüdliche oder südnördliche (Seen- und Moorketten), im östlichen 
Grenzgebiete dagegen eine westöstliche. Die Wasserscheide bildet 
die Hochfläche, auf welcher das ausgedehnte Wald- und Heidegebiet 
zwischen Groß-Muckrow und Grabkow — Kerkwitz liegt. Die west- 
lichen Wasserläufe fließen zur Spree, die östlichen zur Neiße oder 
zur (Jder. 

Topographisch interessant sind die Ketten von Seen oder i\Iooren 
des (j^ebietes. das nur im Westen, in der Niederung ebene Flächen 

■*) Verhandl. Bot. Ver. Prov. Brandbg. 48. Jahr"-. 1906(1907) S. 272-292; 
43. Jahrg. 1907 (1908) S. 146-158. 

^) Schriftliche Mitteilg. der Staatlichen Stelle f. Naturdenkmalpflege nach 
Angaben aus Cottbus- 



Die nördliche Niederlausitz. o9 

aufweist, sunst iilierall wellig' uiul hiig-elig ist. |)er gTößte und 
längste Wasserlauf ist das I)()l)bei'l)user Müblentlielx das bei Janilitz 
50,1 111 ü. 31. entspringt und 'nach Verlauf in ostwestliclier, dann 
südwestlicher und schließlich nordwestlicher Richtung über Jamlitz, 
Elasdorf, Lieberose, Dobberbus östlich von Jesssrn am Speichrower 
Berg in den Schwielochsee mündet. Im Oberlauf führt das Fließ 
den Namen Biele, dann Lieberoser Fließ und im Unterlauf Dobber- 
buser Mühienfließ. In Jamlitz nimmt es den Abfluß aus dem Schwan- 
see, in Blasdorf den Abfluß aus dem Eadduschsee, oberhalb Lieberose 
den Abfluß aus dem Pulverteich und oberhalb Dobberbus den Abflul.N 
aus dem langgestreckten Dammerteich auf. Die Mündung liegt 
4:1 m über dem Meeresspiegel, sodaß das (lefälle etwas über 18 m 
bei einer Länge von etwa 18 Kilometer beträgt. 

Den stärksten Zufluß erhält das Dobberbuser Mühlenfließ in 
Dobberbus durch das von Süden her einmündende Lamsfelder Fließ, 
das bei Klein-Liebitz in der Lieberoser Forst entspringt und nord- 
westlich von Lamsfeld die ziemlich wasserreichen Abflüsse aus dem 
Seen- und Fenngebiet des Möllnsees und Großen MocJio'wsees auf- 
nimmt. In den letztgenannten See mündet der Abfluß aus der west- 
lichsten Seen- und Moorkette des (Gebietes, aus der Kette des 
Rammolz-, Bergsees, des Butzener Bagen mit dem Bschone, dem 
Alten und Neuen Teich und den nördlich anschließenden Wiesen 
und Mooren. Die ganze Kette verläuft in südnördlicher Richtung. 
Weiter südlich schließt sich an die nur durch schmale Wiesenflächen 
bei Butzen südlich des Rammolzsees unterbrochene Kette des Butzener, 
Rauhen und Bjdilener Sees und einer Anzahl von Mooren, die Plönitz 
und Klausch. Diese Seenkette stellt ganz augenscheinlich ein 
diluviales Nebental dar, das über den Grro-ßen und Kleinen Mochowsee 
in das alte diluviale Spreetal, den Schwielochsee, mündet. 

A\'emg östlich davon liegt eine zweite, gleichfalls süd-nördlich 
gerichtete Seen- und Moorkette, gleichfalls noch in der Straupitzer 
Forst, die beginnt im Süden am Teerofensee nördlich der Tanken- 
berge, die sich bis 86 m erheben und erstreckt über das Gusteluch. den 
Großen Zehmesee, das Fenn in Jagen 71 der Straupitzer Forst, das 
Lange Luch, den L^gringsee, Lossagks Luch, den Großen Ziestesee. 
das Ziesteluch,, den Möllnsee mit seinen Stauteichen bis zum Großen 
Mochow-See, in welchem sich diese Kette mit der vorigen vereinigt. 
Ein kleines Nebental im Oberlauf dieser Kette beginnt nördlich der 
Zehmischen Berge, die sich bis 86,3 m erheben. Es enthält den 
Kleinen Zehmesee und einige Moore und mündet in den (jroßen 
Zehmesee. 



60 -' E. Ulbrich: 

p]in dritte^ erheblich kürzere und iii&ht so ausgeprägte Seen- 
kette beginnt etwa 7 km östlich in der Lieberoser Forst am Meierei- 
teiche, südlich von Blasdorf und erstreckt sich gleichfalls in süd- 
nördlicher Richtung über das Fenn in Jagen 48, den Pulverteich 
und mündet über sumpfige Wiesen ins Tal des Lieberoser Mühlen- 
fließes. 

Bei diesen drei 8eenketten finden wir überall ein stufenweises 
Absinken der Wasseroberfläche von Süden nach Norden und damit 
auch eine, wenn auch nicht mehr lebhafte und unregelmäßige Ent- 
wässerung in der gleichen Richtung.. Alle diese Gewässer und 
Moore geben ihren Ueberschuß in das Tal des Lieberose-lJobberbuser 
Mühlenfließes ab. Ebenso auch eine vierte Kette von Seen des Ge- 
bietes im Nordosten der Herrschaftlichen Forst Lieberose, trotz der 
im oberen Laufe genau entgegengesetzten Strömungsrichtung von 
Nordwesten nach Südosten: es ist dies die Seenkette, die in der 
Kleinen Heide mit dem Kleinen nnd Mochlitzer See beginnt, die 
beide 59,6 m ü. M. liegen und an welche sich südostwärts der über 
5 km lange, schmale Schwansee (59,6 m) anschließt. Das Gefälle ist 
hier also kaum feststellbar; ein lebhafter ilbfluß aus dem Schwansee 
ist jedoch trotzdem stets vorhanden und in nasseren Jahren auch 
von den nördlicheren Seen zum Schwansee, der seinerseits den Ueber- 
schuß an das Lieberoser Fließ abgibt. 

Die gleiche nord-südliche Richtung zeigt die Wasserführung in 
den Moorgebieten, die südlich vom Flecken Schadow im Nordwesten 
des Gebietes beginnnen und in dem langgestreckten Dammer Teich 
abschließt, der nördlich vom Lieberoser Schloß.berg ins Dobberbus- 
Lieberoser Mühlenfließ mündet. Der höchste Punkt dieses Moor- 
wiesengebietes liegt etwa bei Sieheshof, bei etwa 46,5 m ü. M. : von 
hier aus entwässert der südliche Teil nach Süden ins Dobberbuser 
Fließ, durch den 464 n^ hoch gelegenen Dammer-See, der nördliche 
Teil unmittelbar südlich von Schadow dagegen nach Nordwesten 
durch den Pieskower Torfgraben' direkt in den Schwielochsee. Der 
Pieskower Torfgraben hat die gleiche Strömungsrichtung M'ie der 
südliche, Wasserlauf des Dobberbnser Mühlenfließes und ist zur 
Entwässerung des angrenzenden Wiesen- nnd Moorgeländes an- 
gelegt worden, welche durch die ZuHüsse zum Lieberoser Fließ in- 
folge des geringen Gefälles von 46,4 m auf 44,7 m nicht ausreichte, 
um das Gelände nutzbar zu machen. 

Der zweit-längste Wasserlauf des Gebietes ist das Samgase- 
Fließ, das aus dem Moorwiesengelände entspringt, das etwa 3 km 
südlich Weichensdorf liest und mit seinem Gstrande an die Bahn- 



Die nördliche Niederlausitz. 61 

linie Frankfurt— Cottbus grenzt. Die Höhenlage beträgt hier 57,7 m 
ü. M.; sie nimmt nach Süden auf 54- m ab; in diesem Teile fließt 
das Wasser in der Nordsüd-Richtung, die es am Nordrande der 
Kleinen Heide östlich Trebitz verläßt, um die bis zur Mündung 
gleichbleibende Nordwest-Richtung anzunehmen. Das Gefälle des 
Samgase-Fließes beträgt von der Quelle bis zur Mündung in die 
Nordost-Bucht des Schwielochsees bei Möll.en im ganzen etwa 16, m 
bei einer Länge von etwa 12,5 km. 

Ein vierter kleiner, künstlich wiederhergestellter Wasserlauf 
liegt im Norden des Gebietes: die AVnggel, welche ungefähr parallel 
zum Samgasefließ strömt und in den moorigen Wiesen des nördlichsten 
Teiles der Lieberoser Forst nördlich vom Trebitzer Teich in den 
Jagen 218—220 ihren Ursprung nimmt und nach einem Laufe von 
etwa 5 Kilometern über Karras westlich der Wuggelmühle in den 
versumpften -Zufluß zum Nordostzipfel des Schwielochsees noi-döstlich 
von Mollen ins alte Spreetal einmündet. Außer diesen vier genannten 
besitzt das von mir durchforschte Gebiet keinen weiteren A\'asserlauf 
Diese Wasserläufe liegen sämtlich im westlichen Teile unseres 
Gebietes, wogegen der ganze Osten keine gleichartigen Wasser- 
läufe besitzt. 

Die bisher noch nicht genannten Seen und Moore des Gebietes 
stehen in keinem Zusammenhange mit diesen Wasseradern. Sie 
sind ganz abflußlose Becken, wie z. B. der Pinnow^r See. der Großsee 
und der Kleinsee, die Oalpenz, der Burgliofl:er See, das (4roße Luch, 
Trockene Luch^ Kesselluch u. a. An der Nordostgrenze des Gebietes 
findet sich gleichfalls eine Seenkette, die aber nach Nordosten ent- 
wässert und zwar in die Gelse, die sich bei Oegeln gegenüber 
Beeskow in die Spree ergießt. Es sind dies von Süden beginnend 
der Krüger See, Rähdensee, Möschensee, die sämtlich 63 m ü. M. 
liegen und gegenwärtig mit einander nicht mehr in Verbindung 
stehen, der Chossewitzer See und Klinge Teich. Sie gehören augen- 
scheinlich gleichfalls einer Schmelzwasserrinne an. 

Eine große Anzahl der Seen des Geljietes zeigt deutlich den 
Charakter von Rinnenseen, ma ausgeprägtesten der Schwansee, der 
bei einer Länge von mehr als 5 Kilometern stellenweise nur wenige 
Meter breit ist. 

Außerordentlich wasserarm ist der ganze Südosten unseres 
Gebietes, in welchem sich außer dem Großsee, Kleinsee, der Pastling 
und wenigen Mooren auf einer Fläche von etwa 25 Quadratkilometern 
kein einziger Wasserlauf findet. Dieses Gebiet stellt eine ausge- 
dehnte Hochfläche dar, deren Erhebung zwischen 70 und 85 m ü. M. 



()2 K. Ulhrich: 

schwankt. Sie fällt iiacli allen Richtungen sehr allmählich ab und 
stellt augenscheinlich einen Teil der Xordgrenze der eigentlichen 
Lansitzer Flora dar. zu welcher unser (lehiet nicht mehr zu rechnen 
ist. Die höchsten Erhebungen dieses (-lebietes sind die Berge in 
Jagen 22 der Lieberoser Foi'st (108,1 ra) im Südwesten, in Jagen 46 
südlich vom Meiereiteicli (90,1 m) im Nordw-esten, südlich Staackow 
in Jagen 94 (98,4 m) im Nordwesten, in Jagen 107/116 (93,5 m) 
im Nordosten, in Jagen 131 südwestlicli Forsthaus Eichhorst (96,3 m) 
im Osten, der Judenberg nordöstlich Tauer (90,3 m) im Süden. 

Diese höchsten Erhebungen liegen sämtlich an den Räudern 
der Hochfläche; sie fallen jedoch bei der beträchtlichen Durchschnitts- 
höhe des ganzen (Gebietes nicht sehr ins Auge. 

Viel auffälligere und auch absolut bedeutendere Hcdien treten 
ganz außerhalb der Hochfläche im Westen des Gebietes auf: so 
erhebt sich der Spitzberg in Jagen 25,26 der herrschaftlich Lieberoser 
Forst östlich Klein-Liebitz bis 111.6 m und stellt damit die höchste 
Erhebung dieses (Tebietes dar. Nur wenig stehen ihm die 
nordöstlich davon gelegenen Liebitzer Berge nach, die sich bis 
100.2 m und 109,8 m in Jagen 128 östlich (T-roß-Liebitz erheben. 
Gleichfalls 100,2 m hoch ist der Oottbuser Berg in Jagen 3 östlich 
vom Tiefen Luch. Recht bedeutende Erhebungen weist auch der 
Höhenzug südlich von Dobberbus auf. der einen Teil des Mittellaufes 
des Dobberbuser Mühlenfließes begleitet': hier finden sich als höchste 
Erhebungen Berge von 87,6 m. am Eichberg von 96 m, „am Theater" 
von 97,7 m, südlich vom „Stein" 102 m Höhe. Nördlich davor 
beginnt die ziemlich ausgedehnte Niederung, deren Meereshöhe von 
50 bis 41 ra von Osten nach Westen abnimmt. Die bedeutendsten 
Erhebungen in dieser Niederung östlich des Spreetales (Schwieloch- 
sees) sind der Spitzberg bei Neubrück (87,7 m), Eules Weinberg 
(87,1 m) beiden am Südostufer des Dobberbuser Mühlesfließes und 
am Westufer des Schwielochsees der Speichrower Berg (65,4 m). 
die beiden Weinberge südlich von Jessern (61,7 m) und südwestlich 
von Pieskow (64,7 m) und der im Südosten in den See vorspringende 
Babenberg (53,9 m). 

Dicht an der Nordostgrenze unseres Gebietes in der (xegend 
von Reicherskreuz und östlich von Groß- und Klein-Muckrow treten 
in dem bewaldeten Höhenzuge der Königlichen Forst Dammendorf 
bedeutende Erhebungen auf, z. B. der Fuchsberg 126 m. dicht 
südlich davon ein unbenannter Berg 123,5 m, der Schwarze Berg 
123,4 m, und weiter nördlich der Streitberg 141,7 m und die Wirchen- 
berge 130,4 m. Wenn diese Erhebungen an sich auch ganz beträcht- 



Die nöi-dliche Niederlaiisitz. (i-j 

licli sind, so fallen sie ilnrli nicht sehr auf, da die Durchschnittshühe 
der ganzen Hochlhiclie zwischen 85 und 110 ni liegt. Auch der 
AVasserspiegel in den Seen. Teichen und .Alonren dieses Teiles der 
Königlichen Forst Damniendorf liegt sehr hoch. z. B. beim AVirchen- 
see 83,4 ni ü. M.. hei Eeichei'ski'euz in mehreren kleinen Wasser- 
becken bei TG— 84-. 7 m. 

Die Bodenverhältnisse des Gebietes entsprechen den ge- 
schilderten topographischen Verhältnissen. Vorherrschend ist im 
größten Teile des Gebietes Sandboden oder lehmiger Sand, in den 
Taltlächen und an den Abfällen der Hochfläche vielfach stark aus- 
gewaschen, nahrstoffarm und von geringer Fruchtbarkeit oder etwas 
tonig und stai'k vermoort. Außerordentlich steril ist der Boden im 
Spreetale am Schwielochsee. dessen Ufer ausgedehnte Strecken 
sterilsten, ausgewaschenen Sandbodens. Talsande, bedecken. Das 
Spreetal ist hier sehr breit: ist doch der Söhwielochsee. der dieses 
Tal erfüllt bis zu 2,5 km breitj^^'z. B. auf der Linie Zaue — Speichrow. 
An den Rändern türmen sich die sterilen diluvialen und altalluvialen 
Sandmassen zu Binnendünen von bedeuteiider Höhe auf. so z. I). am 
AVestufer auf dem Fichwerder bis •14,2 m. in der Tauer Heide Ijis 
•52 m, am Ostufer 1)ei Pieskow bis 46,2 m. westlich von Jessern bis 
gegen 42 m. Ein breiter Band sterilen, weißen Dünensandes säumt 
namentlich auf der Ostseite die Ufer des Schwielochsees ein. 

Auch die Erhebungen der Talebenen des Dobberbuser Mühlen- 
fließes und seiner Zuflüsse begleiten vielfach sterilste Sandbiiden, 
die durch die Wirkung der Auswaschung und Abspülung durch die 
Atmosphärilien ihres Gehaltes an feinen Bestandteilen mindestens 
in den obersten Schichten und auf den Gipfeln beraubt sind.- 

Sterile Sande herrschen ferner auf großen Strecken im Osten 
und Süden des Gebietes vor. Aeußerst sterilen Sandboden besitzt 
die Gegend zwischen Staackow und Leeskow, wo vielfach Rohhumus- 
bildung, dicke Bleisandschichten und Ortstein auftreten. 

Das Gebiet der Hochfläche im Süden und Südosten hat dagegen 
vielfach besseren Boden, leidet aber infolge der Erhebung und des 
Mangels an AVasserläufen und sonstigen Wasseransammlungen vielfach 
stark unter AVassermaugel. Das < -Grundwasser findet sich in dem 
ganzen ausgedehnten Gebiete der Hochfläche augenscheinlich in 
63 — 66 m ü. M., d. i. etwa 10—50 m unter der Oberfläche. Dies 
ergibt sich einmal daraus, daß Senkungen in diesem Gebiete, die 
höher liegen als 66 m keinerlei AA'asser und Moorbildungen zeigen 
und dann daraus, daß der AA'asserspiegel in den Seen und Mooren 
daselbst zwisclien 63 und 66 m liegt. So am Kieinsee bei 65.3 m. 



04 E. Ulbrich: 

am Großsee bei 63,4 m, in der Oalpenz bei 65,9 — 65,1 m, in Pinhower- 
see bei 64,5 m ü. M. und in den Waldraooren westlich von diesem 
See bei 66,3 — 66,6 m, bei dem Hochmoor in Jagen 180 bei 64,3 m. 

Die Gebiete der verschiedenen südnördlich gerichteten Seen- 
imd ]\Ioorketten zeigen auf den Gipfeln und im oberen Teil der 
Hänge und im Tale, soweit ein stärkeres (xefälle vorhanden ist und 
Vermoorung fehlt, gleichfalls vorherrschend geringwertigen Sandboden. 

In einem großen Teile der Lieberoser Forst, namentlich in der 
Umgebung von Jamlitz und Staackow ist eine starke Verschlechterung 
des Bodens durch unzweckmäßige Bodennutzung eingetreten. Es 
wird in den Waldteilen besonders südlich der genannten Ortschaften 
die Waldstreu seit Jahrzehnten entfernt und als Stallstreu oder zu 
anderen Zwecken verwendet. Da der Boden ohnehin nahrstotfärmer 
Sand ist, bringt diese gewaltsame Störung in der Oekologie des 
Waldes natürlich eine weitgehende weitere Verschlechterung des 
Bodens mit sieb, die in dem Wuchs, und Wert des Holzbestande%s 
und der traurigen Beschaffenheit des Bodenwuchses und Unterholzes 
jener Gebiete zum Ausdruck kommt. 

Lehmiger Sandboden bis zum nährstoffreicheren Grundmoräne- 
lehm findet sich im Gebiete der wasserarmen Hochfläche, besonders 
im Osten und Nordosten in der Gegend von Schönhöhe bis Bärenklau. 
südwärts bis in die Gegend nördlich von Tauer. Die ausgedehntesten 
und besten Lehmböden finden sich im Nordosten des (Tebietes in 
der Umgebung von Klein- und (xroß-^Iuckrow bis Ohossewitz. Hier 
gibt die ausreichende Wasserführung des Bodens günstigere Verhält- 
nisse als sonst in der ganzen Gegend. 

Sand und lehmige Böden in allen Stufen der Vermoorung bis 
zum reinen Wiesen- und Hochmoortorf finden sicli in großer Ver- 
breitung im westlichen, tiefer gelegenen Teile des Gebietes, und 
zwar Wiesenmoorboden, z. T. mit sehr starker Ver Wässerung in den 
Talflächen der Wasserläufe, Uebergangs- und Hochmoorbödeu in den 
Waldmooren. Vorherrschend ist in den Wieseiimooren Cnre.r- und 
Pliraf/wifpä -Torf, in den Hochmooi'cn Sphaguum-, Polf/iricJnun-. 
Eriopliormn- und Wii/ncliOi^pora-Torf. 

Die Kul tu rf lachen. 

Den vorherrschend ungünstigen Bodenverhältnissen entspri-cht es. 
daß in dem (gebiete größere Kulturflächen mit reicheren Erträgen 
spärlich vertreten sind. Die moorigen und sumpfigen ''I'alflächen 
sind nur zur Heugewinnung und im Herbst, nach Absinken des 
Grundwasserstandes, auch zur ^\'eide verwertbar, (rras Wirtschaft. 



Die nördliche Niederlausitz. bo 

ist liier, wie im ganzen Spreewalde cTer Haupterwerb der Bewohner. 
Auch die Art, der Aufbewahrung- des Heus ist die gleiche: das Heu 
wird nicht anf Heuböden gebracht, sondern in tonnenfürmigen, großen 
Schol^ern im Freien aufgestapelt, und überwintert. Der Kern dieser 
Schober l)esteht wie im Spreewald aus einem Gestell, das aus zwei 
kreuzweise übereinander gelegten Balken errichtet wird, die auf 
vier Pfählen ruhen, die so hoch sind, daß die Basis des Schobers 
über dem höchsten Wasserstande liegt. In der i\Iitte befindet sich 
ein senkrecht gestellter ]\rast, der dem ganzen Schober Halt gibt 
und an der Spitze hervorragt. Da die Bewohnerschaft des Gebietes 
vorherrschend wendischen Ursprungs oder noch in ganzen Dörfern 
wendisch ist. kann diese Uebereinstimmung nicht überraschen. ]\ran 
höi-t in der Gegend noch ziemlich viel wendisch sprechen und auch 
die Bauart der (iehöfte und Anlage mancher Dörfer ist vollkommen 
wendisch. Rein .wendisch ist z. B. das Dorf Schönhöhe. I)ie Gehöfte 
liegen hier an einer einzigen, sehr breiten, platzartigen StraBe, 
jedes für sich mit hohem, geschlossenem Bretterzaun umgeben, die 
Häuser mit der Giebelseite der Straße zugewandt. Auch der wendische 
Ziehbrunnen fehlt nicht; man findet ihn' übrigens im ganzen Gebiete 
garniclit selten, auch in sonst vollkommen deutschen Ortschaften.- 

Auf etwas trockenem Moorboden werden 'Kartoft'eln, Hafer, 
^iais. i\ohl, Kohlrabi gebaut. Die sandigeren Aecker werden mit 
Lupinen, Kartoffeln, Roggen. Buchweizen l)estellt. Hin und wieder 
findet man auch Felder von Phaceüa tanaceüfolui. die als Bienen- 
futter gebaut wird. 

Nur selten sieht man Spargelfelder. Auf besserem Boden 
werden auch Gerste, Serradella (meist nur als Xachfrucht zwischen 
Getreide), Klee. Weizen sehr selten, Bohnen, Erbsen, Zwiebeln und 
Futterrüben gebaut. In der Umgegend von Byhlen und an einigen 
andern Stellen sah ich auch Lein- und Hirsefelder. 

Meist wird Kleinwirtschaft betrieben: an jedem Gehöft liegt 
ein umzäuntes Stück Land, das die zum persönlichen Lebensunter- 
halt notwendigen Gemüse- und Obstarten liefert. Der Obstbau ist 
sehr kümmerlich; die Bodenverhältnisse sagen der Obstkultur ja 
auch wenig zu und auch das Klima ist nicht recht geeignet. Wein- 
bau wurde auf einigen Hügeln früher betrieben, wie der mehrfach 
wiederkehrende Name AVeinberg verrät. 

In der Gegend nördlich Staackow bis Reicherskreuz und Klein- 
Muckrow hin herrscht Heidewirtschaft vor. Die Bodenverhältnisse 
sind hier zu schlecht zu anderer Bewirtschaftung der Fluren und 
die Bevölkerung ist zu arm. A\'ie in der Lünoburger Heide,, ist hier 

Abhandl. des Bot, Vereins f. Brandenb. LX. ,-; 



<)() E. Ulbrich: 

Schaftziiclit, der Haiipterwerl). während in den übrigen (hegenden des 
Gebietes Rindvieh und Ziegen gehalten werden. Der AVasserreiclitiim 
der Thiigebnng der meisten Ortschaften Ijedingt ansgiebige Zuclit 
von A\'assergeflüge], 

Die VegetationsverhäDnisse. 

Den geschilderten topographischen nnd Bodenverhältnissen 
entspricht die Verteilung der Vegetation. Es ergibt sich daraus 
folgende Gliederung der A'egetation des Gebietes: die Niederung 
zwischen 41 und einigen 50 m Meei'eshöhe umfaßt das diluviale und 
gegenwärtige Spreetal mit seinen östlichen Zuflüssen und einige 
Waldgebiete und Hidien, welche aus der Niederung aufragen oder 
die Flußtäler begleiten. Dieser Niederung steht gegenüber die Hoch- 
fläche mit ihren Uebergängen zur Niederung, die sich zwischen 
einigen 50 m und über 100 m, in den höchsten (-üpfeln der Hügel 
bis über 140 m iV. M. erhebt. Diese Hochfläche ist zum allergrößten 
Teile mit Wald, zum kleinen Teile mit Heide, zum kleinsten Teile 
mit Ackerland bedeckt. Zählreiche Seen, Süm])fe nnd Moore zeichnen 
namentlich das Uebergangsgebiet ans. Wasserarmut ist für die höchste 
Stufe der Hochfläche charakteristisch. 

1. Die Niederung 41 — 50 m. 

IMe Niederung unseres (rebietes umfaßt die (Tcgend' vom Ost- 
ufer des Schwielochsees bis Weichensdorf ostwärts, bis Lieberose 
und Blasdorf südostwärts, bis Hollbrunu und Lamsfeld südwärts, 
Sie gliedert sich in natürlicher Weise durch die in südost-nordwest- 
licher Richtung fließenden Wasserläufe mit ihren Zuflüssen nnd 
durch die entsprechenden AValdgebiete in fünf Abschnitte. 

a) Die Flußtäler. 

Der nördlichste Abschnitt umfaßt das Entwässernngsgebiet des 
AVuggelfließes mit den Ortschaften Weichensdorf. <TÜnthersdorf, Karras 
nnd ^[öllen. Das Wuggelfließ selbst begleiten Ueberschwemmungs- 
wiesen, während der größte Teil des übrigen Abschnittes, besonders 
auf der nördlichsten Strecke zwischen AVeichensdort; Günthersdorf 
und der Wuggelmühle und in der Umgebung von Karras von Kultur- 
flächen, meist Getreidefeldern, eingenommen wird. 

Der zweite Abschnitt umfaßt das Entwässeruugsgebiet des 
Samgase-Fließes von Trebitz über die Siedelimgen bei der Postbrücke. 
Elisenruh bis , Mödlen und Niewisch. Auch hier sind ursprüngliche 
Formationen kaum noch vorhanden. Den ganzen Ober- und .Afittol- 



Die nördliche Niederlausitz. ■ b / 

lauf des Samga.seliießGs Ijegieiten Kieferwälder, im l^nterlauf stark 
durch Kultur veränderte Wiesen und Aecker. Im Mittellauf westlich 
von Trebitz ist das Samgasetließ zu einem großen Fischzuchtteiche, 
dem Trehitzer Teiche, angestaut. 

Der dritte, nach Süden folgende Abschnitt umfaßt das 
r4ebiet des Pieskower IVirfgrabens mit den Ortschaften Schadow. 
Annenhof und Pieskow. In seinem ganzen Verlauf durchfließt der 
Pieskower Torfgraben stark moorige Wiesen, die im Pieskower Luch 
eine Breite von mehr als 2 km erreichen. Auf der ganzen Strecke 
finden sich zahlreiche Torfstiche, deren Untersuchung mir leider 
nicht möglich w^ar. 

Der vierte und wichtigste Abschnitt umfaßt das Dobberbus- 
Lieberoser Mühlenfließ mit seinen Zuflüssen und ausgedehnten 
Wiesenmooren. Bei Jamlitz tritt das Mühlenfließ, das in seinem 
Oberlaufe den Namen Biele führt, in die Ebene ein. Hier liegt der 
durch Aufstauung eines Quellaufes gebildete Schäferteich, dessen 
Vegetation eine Anzalil l)emerkenswerter Arten aufweist. Die Ver- 
landungsvegetation besteht aus Schilf (Phmgmitps rommiinis). viel 
Tuplia aiu/ustifolia. untermischt mit liohen Carpx-AvtQu wie C. sfi-icta. 
('. i).-;r/if/nr//jif}'us. C. arni/fnniüs. Sjiarfji'nif/nn raiim^ion und ■'>af//ftar/fi 
si(f//tti/'i)liiL Rnmex Jiyili'o/njxitli/iui u. a. Davor findet sicli an vielen 
Stellen reicher Bestand von s'r/ryv/,s^ hirustris mit Mi'in/Kuflii's trifoliati! 
und vieler Nereiden. Reich entwickelt sind z. B. auch die weißen 
Seerosen. Der See wird, wie die benachljarten Blasdorfer und andere 
Seen, im Herbste zum Zwecke des Karpfenfanges abgelassen und 
l)lei))t dann kurze Zeit ohne Wasser. An selteneren Arten finden 
sich in der Ufervegetation des Schäferteiches Rumex uiar/thuus. 
Triglochin palustris, Spargdulum simplex, Scirpiis acicularis f. siihmorsa. 
Siiijiftaria sagittifolia D) BoUei, Scropjlndaria alata C) patens. Ciuertirin 
palustris u. a. Das Dobberbuser Mühlenfließ umfließt diesen Schäfer- 
teich, nur durch den Blasdorfer Weg getrennt, und tritt an seiner 
Südwestecke in die über einen Quadratkilometer große Fläche der 

Blasdorfer Wiesen 

zwischen dem 64 m hohen Sandberg am Westufer des Schäferteiches 
und Blasdorf ein. Von Norden her durchfließt diesen Wiesenkomplex 
der Abfluß aus dem, Radduschsee, der südlich von Mochlitz liegt. 
Dieses AViesengebiet ist noch jetzt sehr naß und besteht auf große 
Strecken hin aus Wasserkissen, die mit einer stark schwankenden 
Vegetationsdecke überzogen sind. Die AViesen sind teilweise durch 
Abzugsgräben entwässert und gedüngt. Hier herrschen Polggontrni 



08 E. Ulbrich: 

liistorta, Bolcus lanatiis, Poa paliiMri'^ und P. triüialis, Briza media, 
Crepis iKiludosa u. a. Namentlich die erstgenannte Art bildet stellen- 
weise fast Reinbestände; Carex-kview treten dagegen ganz zurück. 
An besonders, nassen Stellen hat vielfach Hochmoorbildung beträcht- 
lichen Umfang angenommen. Sp/iaf/num-F olster und -RaseTr-^rrrrxr 
vorhanden .mit einer ganzen Anzahl tj^pischer Hochmoorbegieiter. 
Es fanden sich hier Carex dioica. Ccdla palustris, Menycmthes trifoUata 
Vaccimmn oxycoccus, Hieracium mtricida. Die letztgenannte Art bildet 
an mehreren Stellen kleine Bestände auf den SjjJiagnum-yolüteYn. 
Als Ueberzug findet sich an mehreren Stellen in großer Menge 
Marclmnüa polymorpJia, die daselbst jeden anderen Pflanzenwuchs 
verdrängt. Als Gehölz tritt an diesen hochmoorigen Stellen Salix 
repens auf, während sonst auf den Blasdorfer Wiesen Behila puMscens, 
B. carpatliica vorherrschen. B. Immilis kam früher vor, ist jedoch 
leider verschwunden. Erhalten geblieben ist ein schönes Exemplar 
von Betnla Immilis X verrucosa, das auf den Vorschlag des Verfassers 
als Naturdenkmal erklärt und von der Staatlichen Stelle für Natur- 
denkmalpflege geschützt wurde. Zum Schutz gegen AVeidevieh wui'de 
der Strauch mit einem Zaun umgeben. An sehr nassen Stellen der 
Wiesen herrschen JLiOtus uliginosus, Menyanthes trifoUata, Comarum 
palustre vor. Trockenere Stellen zeigen einen erheblicli größeren 
Artenreichtum. Hier finden sich u. a. Orchis latifolius, Listera ovata. 
ÄlcJiemilla vulgaris, zum Teil in sehr großen Formen (var. major), 
Diantlius siiperhiis, Geum rivale, Linmn catliarticiim, Ranuiicuhis acer, 
R. auricomus, 8elinmn carvifolia, Heradeiim s2)hondyUitm, Angelica 
silvestris, Cirsitmi oleracCAim, C. palustre u. a. Cuscuta epilinum tritt 
vielfach als böser Schädling an trockenen Stellen der Wiesen auf. 

Die Abzugsgräben sind bewachsen mit Sparganium simplex, 
Polygonum hydfopiper, P. minus, P. ampliibium ß) terrestre, Bmnex 
aquaticus, R. hydrolapatluim, R. maritimiis, Ranuiicuhis sceleratus, 
Oenanthe phellanärium, ■ Veronica bccccdninga, Bidens ccrmuts und B. 
tripartitus, Menta arvensis u. a. • ' 

Im Wasser des Mühlenfließes selbst findet sich Helodea canadcnsis 
in großen Massen, auch vielfach blühend, Potamogeton pusiUus sehr 
zahlreich, P. crispus, P. gramineiis, Ranunculus aquatilis, Sagittaria 
sagittifolia und Sparganium simplex, beide vielfach mit langhinflutenden, 
untergetauchten, riemenförmigen Blättern, Alle diese Arten kommen 
selbst an ziemlich schnellströmenden Stellen vor. In ruhigeren Ein- 
buchtungen des Ufers treten zu diesen Arten nocli Hydrocharis 
morsus ranae, Potamogeton natans und P. perfoliatus hinzu. Am Ufer 
finden sich vereinzelt Schwarzerlen und höhere Moorbirken. 



Die nördliche Niederlausitz. 69 

Das Wiesengeläude zwischen Blasdorf und Lieberose 

zeigt den Charakter feuchter, ziemlich fruchtbarer Wiesen, auf denen 
an nasseren Stellen Orchis latifoliiis. Poli/gomun historta in großer 
Menge vorkommen. Im Hochsommer sind die Wiesen sehr reich an 
Cirsium oleraceani, C. palustre und hohen Umbelliferen. Die Ufer 
des Mühlentließes sind von Erlen und Weidenbüschen eingefaßt und 
große Bestände von Ulmaria fiUpendula treten vielfach auf. 

Unmittelbar oberhalb Lieberose durchfließt das Mühlenfließ den 
Lieberoser- Schloßpark, in welchem besonders schöne Bestände 
von Weyhmouths-Kiefern (Pinus strobus) auffallen. Bei der großen 
Feuchtigkeit des Bodens herrschen im übrigen Baumbestande Erlen, 
Pappeln, Birken, Eschen und Eichen vor. Dichte Gebüsclie von 
Haseln, Geißblatt, Hollunder und Weiden, die mit saftigen Gras- 
l)lätzen und Wiesen abwechseln, bieten einem reichen Wildbestande 
und Fasanen Unterschlupf und Nahrung. 

Unterhalb Lieberose windet sich das Fließ wieder durch feuchte, 
ziemlich fruchtbare Wiesen, die Massenbestände der Kohldistel 
{Cirsium oleraceum), Weidenbüsche und eine Vegetation tragen, die 
nichts bemerkenswertes Neues bietet. Bei Behlow tritt das Fließ 
in einen ausgedehnten feuchten Busch ein, der augenscheinlich aus 
einem Elrlenbruch durch Einbringung von Buclien und Eichen hervor- 
gegangen ist, den 

Stockshof. 

Die A''egetation ist hier recht artenreich und wechselnd. Im 
Baumbestand herrschen bald Eichen, bald mehr Erlen oder Buchen 
vor. Ueberall flndet sich ein reiches Unterholz aus Haseln, Weiden, 
Crataegus, Brombeeren und ein sehr reicher Kraut- und Stauden- 
wuchs, der eine Mischung von Erlenbruch- und Laubwaldelementen 
darstellt; sehr häuflg ist Circaea lateticma und die große Nessel 
(Urtica dioica). dazwischen mischen sich viele Umbelliferen, z. B. 
Heraclmun sjjJionclyUwn, Aegopodium podagraria, ChaeropJiyllum siluestre, 
Torilis anthriscus, Peucedanum oreoselinum u. a. Prächtige Farn- 
bestände, vorherrschend Aspidiiuii ßix mas treten auf, dazwischen 
Bromus asper, Festiica gigantea, Melampyrmn nemorosum, Geranium 
palastre, Solidago virgaurea u. a. 

Bald wird der Bestand reiner, sehr schattiger Buchenwald mit 
spärlicherem Unterholz^ aber artenreicher Krautflora. Quellige 
Stellen tragen kleinere und größere Bestände von Equisetum silvaticum, 
Carex remota, Poa nemoralis, Bracliypodium silvaticum, Maianthemum 
hifolium, Polygonatimi ofßcinale, Merciiri'alis perennis, Circaea lutetiana, 
Impaüeyis nolitangere, Geranium Rohertianum, Geum iirhanum u. a. 



70 E. U]l)rich: 

Sonst fanden sich nocli an Ijemerkenswerteren Arten GaleohdoJon 
lideum. SrrojjJ/ularia nodosa, GaJeopsis tetraldt und G. ladanuiii. 
2Ielariipyram nentorosnni, auch mehrfach mit weißen Tragblättern. 
Lmnpsana (■oinnitmis, Milium e.ff'asum, Rcuuuiculas auriconias und 
R. polijanthcuiiis u. a. '•^'^^^^ 

Hin und wieder treten im Baumbestande Eschen und Acn- 
.pspiuloplatanus auf. 

Auf trockenerem Boden lierrscht vielfach auch die Eiche vor: 
hier lindet sich Adlerfarn in reichen Beständen. 

Zwischen dem Eichberg und Schloßberg hat sich das Lieberoser 
Fließ hindurchgenagt und biegt dann nach Norden um in das aus- 
gedehnte 

W i e s e n UKj (j r g e 1 ä n d e zwischen B e h 1 o av - D o b h e r 1) u s 
und Forsthaus Damme, 

das auch durch den Abfluß aus dem Dammer Teich stark versumpft 
ist. Im Süden dieses Geländes sind die Wiesen durch Entwässerung 
und Düngung artenärmer, aber dafür sehr ertragreich geworden. 
^Massenbestände von Cirsimn oleracrinii und C. jjalustre, Rcumnculus 
acer, Coronaria fios ciicnli, fallen schon aus der Ferne ins Auge. 

Die Entwässerungsgräben beherbergen viel Sparijanium ramosani, 
Heleocharis ixdustris, Älisnia plantago, Polygonum hydropiper, Raniin- 
culiis flaniniida u. a. 

Das Ufer des Fließes begleiten vielfach Schwingmoore, die wohl 
an selteneren Arten reicher sind und in ihrer Zusammensetzung mit 
den Dammer Wiesen augenscheinlich übereinstimmen. Hier fand ich 
zwischen Sieheshof und Forsthaus Damme in der Nähe von Torf- 
stichen in Schwiugmooren folgende bemerkenswerteren Arten: Carex 
limosa, stellenweise fast in Reinbeständen, C. dioica in Massen- 
beständen, zusammen mit Epilohiiun pcdustre, Parnassia pidusfris^ 
Saxifraga hircidns. Gtdituu pcdustrc Mgosotis palustris, Redicularis 
palustris, Sageim nodosa u. a., Saxifraga hirculus mag im Gebiete 
noch mehrfach vorkommen; ich sah diese seltene Art an zwei ähn- 
lichen Standorten (vergl. S. 77). Als Begleitpflanzen fanden sich 
fast stets Carex dioica und C. liuiosa oder auch Liparis, jedoch nirgends 
Torfmoose fSpItagnauiJ. Unterhalb Dobberbus begleiten bis zur 
Mündung das Fließ ausgedehnte Schilf- und Glgceria a(p(atica-Betit-dm\e, 
soweit nicht x\ckerland bis unmittelbar an die hier festeren Ufer 
reicht. An einigen Stellen treten auch ausgedehnte E(ßiisetum- 
Bestände auf, in welche sich stattliche Bestände von Rumax hydrola- 



Die nördliche Niedetiausitz. ■ <1 

pidliion iiiisclieii. Andere BegieitpÜanzen sind hier Iris jisendarorns. 
(.'altJta palustris. Iiaii/iurulds Uiigua, Stdlaria r/Iaara. Si/an latifoliimi. 
JloiycoitJiPS, Coiiiariuii paliistrc i\. a. - 

Gehölze fehlen in dem ganzen Unterlauf von Dobherhus bis 
zum Schwielochsee vollständig. Besonders ansehnlich werden diese 
riesigen und ausgedehnten GIijC('ria-P]i)-af/>iiitr's-'BeiitänAe östlich von 
Jessern. 

In der Zusammensetzung' - der Ptlanzeng'emeinschaften schließt 
sich das ausgedehnte Wiesenmoorgebiet am Damm er Teich 
den geschilderten Gemeinschaften des Mittellaufes und Unterlaufes 
des Dobberbuser Mühlenfließes an. Den fünften und südlichsten 
Abschnitt der Ebene umfaßt das Lamsfelder Fließ, der südlichste 
Zutluß zum Dobberbuser Mühleufließ, das durch den Abfluß aus dem 
(Troßen Mochowsee verstärkt, bei Dobberbus sich mit dem Mühlenfließ 
vereinigt. Auf seinem ganzen Verlaufe von der Quelle bei Klein- 
Liebitz über Groß-Liebitz, Lamsfeld bis zur Mündung bei Dobberbus 
wird es von Kultur wiesen begleitet, die im Oberlaufe stark torflg 
sind. Die Flora dieser Wiesen genauer zu untersuchen, war mir 
nicht möglich. Ich glaube jedoch annehmen zu dürfen, das sie 
Ijotanisch nichts Besonderes bieten. Die beiderseitige Wieseuzone 
ist im ganzen Verlaufe des Fließes schmal. 

b) Die Wälder der Xiederung 
liestehen zum allergrößten Teile aus ziemlich trockenem, sandigem 
Kiefernwald mit Calhoia viih/aris, Genista pilosa. Sarothamniis scoiKirms. 
viel Fcsüij-a oviiui. Aira /icmosa. Carli)ia r/ij//a.j'is, Aiitfiniaria dioica. 
Hif^raciiun pilosdhi, Oniitltoinis pf^rpiisUlus, Yicia LUigustifoUa u. a. 
Zusammenhängende gr'ißere A\'aldstreckeu sind der Speichrower 
\\'ald, der Dobberbuser AVald und die angrenzenden Teile der 
Lieberoser Forst. 

Vielfach gehen die Wälder iu Flechtenheiden über mit locker- 
stehenden, niedrigen Krüppelkiefern undMassenbeständen \onClivhmia- 
Arten. iu denen Phanerogamen zurücktreten. In weniger dürren 
Wäldern ist der Boden dicht mit Moosen bedeckt. 

Die Ränder der Wälder gehen vielfach in dürre Sandplätze 
über mit reichen Beständen von Wi'iiKjai'rtiwria auiuscens, Sediim acrr, 
TrifoliHiii urccrLse. Heliclinjsaui arenariwn. Arnu'ria vid(jaris, FiltKjo 
uunima, Arnoseris minima und ähnlichen I^eitpflanzen. 

Die Behlower Heide, in welcher Busch im Jahre 1860 PulsatiUa 
Vf'rnaUs fand, ist bis auf einen kleinen öden Kiefernwaldbestand ver- 
schwunden, in welchen ich keine bemerkenswerten Arten außer den 
gewöhnlichen Begleitern t]-ockener Kiefernwälder auffand. 



72 E. Ulbrich: 

Sonst sind meist nur kleinere Parzellen erhalten; alles übrige 
hat Knlturflächen Platz machen müssen, soweit -nicht Niecleningsmoore 
vorhanden sind. 

Nur bei Lieberose am Stockshof zwischen Behlo'wuTrtiÄ^dem 
Eichberg finden sich Laubwälder, die z. T. durch den Menschen 
stark beeinflußt sind. In den Jagen 225 und 226 der Herrschaftl. 
Forst Lieberose findet sich prächtiger Laub-Mischwald, Eichen- 
bestand und reiner Buchenwald mit allen charakteristischen Begleit- 
pflanzen. 

c) Die Hügel der Niederung. 

Die bedeutendsten isolierten Hügel der Niederung sind im 
Norden des (jebietes der Weinberg bei Pieskow (64,7 m)^ der teil- 
weise mit Laubholz bedeckt ist, im Süden der Speichrower Berg 
(65,4 m), der breite Luttchenberg östlich voü Jessern, der Weinberg 
südlich von Jessern (61,7 m), der Spitzberg (87,7 m) und Eules 
Weinberg (87,1 m) zwischen Baroldmühle und Neubrück, der Schloß- 
berg, Weinberg und Galgeuberg bei Lieberose. Wie der mehrfach 
wiederkehrende Name Weinberg vermuten läßt, sind die Boden- 
verhältnisse dieser Hügel teilweise etwas günstiger; der Boden ist 
vielfach anlehmig bis lehmig, damit auch nahrstoffreiclier und für 
die Vegetation günstiger. Weinbau wurde auch noch im vorigen 
Jahrhundert an einigen Südhängen der genannten Berge versucht, 
jedoch später eingestellt. A\'einbau wurde ja auch in der Gubener 
Gegend wohl um die gleiche Zeit getrieben. Jetzt findet man in 
der Lieberoser Gegend wohl noch hin und wieder au günstigen 
Stellen einige Rebstöcke, von einem Weinbau ist jedoch längst keine 
Rede mehr. ' • 

Die Flora' der isolierten Hügel der Ebene ist meist niclit 
wesentlich verschieden von der der benachbarten Kieferwälder. Hin 
und wieder sind Gebüsche reichlicher vertreten und einige andere 
Laubgehölze, sodaß bei größerem Artenreichtum der Charakter pon- 
tischer Hügel mehr oder weniger zum Ausdruck kommt. Dorngebüsche 
von Eilbus, Rosa, Crataegus sind nicht selten. Sehr häufig ist an 
den Hängen Centaarea rluniana, die stellenweise sogar Massenbestände 
bildet. Am meisten den Vegetationsverhältnissen der pontischen 
Hügel entspricht der Schloßberg bei Lieberose, auch „Altes Schloß" 
genannt, ein steil abfallender Hügel am Nordufer einer fast halb- 
kreisförmigen Schleife des Lieberoser Mühlenfließes. Aus prächtigem 
alten Mischwalde von Buchen, Eichen und Fichten erhebt er sich 
steil bis zu etwa 70 m Höhe. Die Hänge sind bedeckt mit lichtem 



Die nördliche Niecleiiausitz. (o 

Eicbengebüsch. in das sich Haseln. „Birken. Kosen. Brombeeren nnd 
Crataerfiis-Biische mischen. Auch Carijinus bctulu.s tritt in Biischform 
nicht selten auf. Der Kraut- und Staudenwuchs besteht aus Gräsern 
und Riedgräsern, unter denen Carcx prarcor, ohtusata, C. fjlauca, 
C. Dtiiy/cata, bemerkenswert sind, ferner linden sich Seduni maximnm 
und S. acrc, Hypericuni pi'rfonduui, Epilobiunt jiwnfaiuon. Eupliorbia 
ci/parissias, VerbasciAm hjcluiiüs. JlaJra alcra, Vuicetoxicum officiiiale, 
CUnopodlüm vidgarc, Cainpaiuda pcrsic/foUa, C. latifoüa und C.patida, 
Gnaphcdiuui sllvestrc u. a. Brachypodium silcaticiwi überzielit auf 
größere Strecken den Boden fast vollständig, untermischt mit MeUca 
nutaiis. 

Der (lipfel des Schloßberges ist vollkommen eben und im l'mril> 
oval: ziemlich dichter Bestand schöner Eichen. Eschen, Ahorn, Hain- 
buchen beschattet den Boden, der ziemlich grasig und krautreicli 
ist. In großer Menge finden sich hier von Gräsern Braclnjpodunn 
silvatkiun, Poa nenioraUs, ' Mellca ludans, von Kräutern MiTCiiricdis 
pi'reiiiiis. Starhijs siJrrdica. Ajinja [juvroisi^i. V/iicctoxicuin offirijude, 
CJhwpodium oidyarc. Astragalus [ßycpphpllus. Cijüsus nigricans, der 
früher auf dem Schloßberg vorkam, ist jetzt verschwunden. Busch 
sammelte die Art noch im Jahre 1889. Ganz spärlicli fand sich 
CoroniUa raria, die an anderen, ähnlichen Standoi'ten der Umgebung 
von Lieberose zahlreicher ist. 

In der Umgebung von .lamlitz. am Kande des Waldgebietes 
t]'eten mehr pontische Hügel auf, wie z. B. Ebels Berg am Kleinen 
Radduschsee, Im Eichengebüsch ist hier Polypodium vulgare in 
ziemlich reichlicher Menge zu linden. Von anderen erwähnenswerten 
Arten dieser Hügel seien genannt Vrronica spicata, Peucedanum 
oreoseluinm. Äidltmicfis ya))wsus. Si'diim inaxhiinni, Gcraniiiin scDigidneun), 
Diandui.s earÜiAisianuriun. Yerbascnsn lycduütis, Scahio><a columharia, 
Knaidia aroensis ,j) iniegrifoUa. 

2. Die Hochfläche (50— 111 m). 

Die Hochfläche beginnt östlich der Linie Lamsfeld — Lieberose — 
.Tamlitz — Mochlitz — Trebitz. Sie ist bis auf kleine Strecken mit 
Wald bestanden, und zwar im westlichen Teile vorherrschend Kiefern- 
wald, im östlichen mit gemischtem Wald. Eichen und an kleinen 
Stellen auch Buchenwald, der jedoch nirgends in reinem Bestände 
auftritt. 

Die Hochfläche steigt von A\'esteu nach Osten von oO m bis 

gegen 90 m Durchschnittshöhe au. An den Rändern, am Ueber- 

■ gange zur Ebene ist das Gelände meist reich bewegt, die höchste 



71 . E. Uibrich; 

Erhebung dagegen ziemlich ebeji,, z. B. in der Gegend südlich v(m 
Öchöuhöhe. Die Entwässerung erfolgt im Westen der Hochebene 
nach Westen nach dem Lieberoser-Dobberbuser Mühlenfließ, im 
(3sten dagegen östlich der Linie Pinnow— Lübbinchen— BärSTh*.au — 
Grabko nach Osten. An den Rändern des Gebietes im Südwesten und 
Nordosten erfolgt die Entwässerung nach Süden bezw. Norden. Die 
Hochfläche bildet also einen Teil der Wasserscheide zwischen Elbe 
und Oder: die östlichen Wasserläufe unseres Gebietes fließen nach 
Nebenflüssen der Oder, alle übrigen nach der Spree und damit nach 
der Elbe. Das ausgedehnte Waldgebiet der Hochfläche gliedert sich 
durch die Wasserläufe, Seen- und Moorketten in ein ziemlich wasser- 
reiches westliches Eandgebiet und in den wasserarmen eigentlichen 
Rücken der Hochfläche, die über 20 km breit ist. 

a) Das Randgebiet der Hochfläche 51 bis ca. 70 ra. 

Das Randgebiet der Hochfläche umfaßt die Umgebung der Ort- 
schaften Groß- und Klein-Liebitz, Hollbrunn, Jamlitz, Uilersdorf und 
ist gekennzeichnet durch den Reichtum an Seen und Mooren, die 
ketten weise untereinander im Zusammenhange stehen und ihren 
Wasserüberschuß nach dem Spreetale hin abgeben. Wir können 
sieben Abschnitte unterscheiden, die durch die Richtung der Wasser- 
läufe, Seen- und Moorketten bestimmt sind. Von diesen sieben Ab- 
schnitten gehören je drei zum Entwässerungsgebiete des Lieberoser 
und Lamsfelder Fließes, einer, der südwestlichste, zum Gebiete des 
Byhlener Sees. 

Das ganze Randgebiet ist mit Kiefernwald bedeckt, der auf 
große Strecken hin einen äußerst dürftigen Wuchs zeigt. Nur an 
ganz wenigen Stellen treten einzelne Laubhölzer in Mischbestand auf. 

1. Die Zuflüsse zum Lieberose -Dobberbuser Mühlenfließ. Der 
erste Abschnitt umfaßt die nordsüdlich gerichtete Seenkette vom 
Mochlitzer und Kleinen See, Schwansee,. Splaugraben und Splausee 
bis zum Mühlenfließ. An ihn schließt sich an der Große und Kleine 
Radduschsee mit ihren Abflüssen, die sich gleichfalls ins Lieberoser 
Fließ ergießen. 

Der Kleine und Mochlitzer See liegen -wie der langgestreckte 
Schwansee sämtlich 59,6 m ü. M., der Splausee 57,6 m, alle rings 
von Kiefernwald umgeben. Die Seen zeigen sämtlich eine reichliche 
\"erlandungsvegetation, die infolge des geringen Nahrstoftgehaltes 
des Bodens an sehr vielen Stellen zur Hochmoorbildung neigt. Der 
Kleine und Mochowsee zeigen' an ihren Ufern schon typische Hoch- 
mooransätze mit S^yliagnuin-I' olsteni und Rasen, in denen Drosera 



Die iiöidliche Niederlausitz. /O 

i-ütinidifo/ni uiclit selten ist. Die Flora dieser beiden kleinen Wald- 
seen bietet sonst nicht allzuviel Bemerkenswertes. Die Verlandungs- 
Hora bestellt vornehmlich aus Typha anijustifolla, Scirpus lacustris 
und Taberuaemoutani, untermischt mit hohen Carex-Avteu, unter denen 
C. lasiocafpa Ehrh., Gooch-'noMfjhü, fjraciUs und echinata in reichen 
Beständen, C. jjseiidoqjperns nicht selten sind. Calla palustris tritt 
am Südwestufer des Kleinen Sees in größeren Beständen auf, eine 
Art, die in der Flora von Lieberose nicht allzuhäufig" ist. Bemerkens- 
wert ist vielleicht, daß Drosera rotundifoUa hier stellenweise auf dem 
sterilen, feuchten Sandboden ohne jedes Spharpium unter Kiefern 
auftritt, zusammen mit Hydrocotule vulf/aris. 

Die angrenzenden Moore, das Kleine UUersdorfer Fenn 
und Mochlitzer E^enn. sind Uebergangsmoore mit viel Carex und 
t^^pischer Mischflora mit Anflug von Birken, Weiden und Kiefern. 
Erwähnenswert erscheint, daß hier, wie in dieser ganzen Seen- und 
Moorkette nordöstlich von Jamlitz Rhyncliospora fusca zu fehlen 
scheint und nur Rh. alba auftritt, wogegen Rli. fusca in den Mooren 
des Südwestens und Westens unseres Gebietes häufig und vielfach 
in Massenbeständen auftritt. 

Der größte und landschaftlich schönste See dieser nördlichen 
Seeiikette ist 

der' Schwan See, 
ein weit über 5 km langer, schmaler, vielfach S-förmig gewundener 
See vom Typus der Rinneuseen mit steilen Ufern, die mit Ausnahme 
eines Teiles des Ostufers, an welches die Dammendorfer Heide 
grenzt, rings von Kiefernwald umgeben sind. Die Gestalt des Sees 
bedingt reiche Buchtenbildung und dementsprechend die Möglichkeit 
einer stärkeren Verlandung. soweit die Steilheit der Ufer dies zu- 
läßt. Die durchschnittliche Breite des Schwansees beträgt 100 bis 
250 m (Ost- West-Richtung), sinkt in der Mitte bis auf wenige Meter 
und nimmt am Südende bis auf '500 m zu, sodaß der See hier ein 
breites Becken bildet. An seiner schmälsten Stelle, etwa in der 
Mitte, führt die Blasdorf-Leeskower Landstraße über den See. An 
diesen schmalen Stellen ziehen sich ausgedehnte Schwingmoore über 
die Wasserfiäche, die vornehmlich als Cariceta, meist ohne Sphagnmn- 
Arten entwickelt sind. Am häufigsten sind folgende Arten: Carex 
ampuUacea, C. painüculata, C. teretiuscnla. C. acuüformls und C. pseudo- 
c/jperus, mehrfach auch in der kleinährigen Form ß) nünor Hampe. 
(Jharakterpflanzeu dieser Schwingmoore sind ferner Cicuta virosa 
3) angusüfolia, Hydrocotylevulfjaris, Epilobimnpalustre, Lotus iiUymosus, 
Galium palustre, ' Myosoüs palustris. Vereinzelt findet sich in ihnen 



76 E. Ul brich: 

außer anderen gewöhnlicheren Arten iScirjjiis uniglnmis. Festeren 
Boden zieht dagegen Parnassia pahistris vor, die sich übrigens am 
Südostufer mit gefüllten Blüten fand. 

In der Verlandungsvegetation ist Plirafjmites communis ver- 
hältnismäßig spärlich vertreten. Reiche Bestände von Carex riparia 
vertreten diese Art an mehreren Stellen des Westnfers. T/jpJia 
angusüfoUa und Scirpus Tabernaemontani bilden mehrfach Bestände 
von erheblicher Ausdehnung. Das mehr dem Wellenschlag aus- 
gesetzte Ostufer zeigt dagegen verhältnismäßig reichere Bestände 
von Schilf, wogegen andere irrten mehr zurücktreten. Auch Carex 
Umosa tritt am Südwestufer in ruhigen Buchten- in schöner Ent- 
wicklung auf. Seerosen sind ziemlich spärlich vertreten, dagegen 
Potamofjeton natans in Massenbeständen und andere submerse Arten 
in einiger Menge. 

Erlenbrüche fehlen am Schwansee, treten aber unterhalb des 
Abflusses am Sp lau graben und Sp lauteiche auf. Dieser kleine 
See ist bereits stark im Verlanden, sodaß von der olfenen Wasser- 
fläche nur noch ein Bruchteil vorhanden ist. Die Verlandungs- 
vegetation ist reich und üppig; sie besteht vornehmlich aus TypJia 
angusüfoUu, einer Art, die hier in einer auffallend schmalblättrigen 
Form vorkommt, Scirpus lacustris und großen Carex-Arten. Reich 
■vertreten ist Aspidium tlielypteris^ vereinzelt auch Memjcmtlies trifoliata, 
Peuceclanum palustre, Menia silvestris, Juncus alpinus u. a. Stellen- 
weise ist PTtrcujmites der vorherrschende Bestandbildner. Nereiden 
sind reich vertreten auf dem See durch Nupliar luteum, Nymphaea 
Candida, Potamoyeion natans, Stratiotes aloides u. a. 

Am Südufer schließt sich ein kleines, mit Birken und Kiefern 
durchsetztes Erlenbruch an, in welchem Aspidinm spimdosum, Poly- 
podium vulgare, Op)]iioglossum vulgatum, Holcus niollis und Pirola 
uniflora und P. minor in ziemlich großer Menge vorkommen. 

In dem anschließenden, etwas feuchten Kiefernwalde ist der 
Boden stellenweise mit dicken Polstern von Leucohrgum cdbum bedeckt, 
zynischen denen Festuca ovina, AntJioxanthum odoratum, Armeria 
vidgaris und Galluvi verum wachsen. Am sonnigen Waldrande tritt 
mehrfach Rosa mollis in ziemlich stattlichen Büschen am Splau- 
graben auf. 

Der Splaugraben ist ein flaches, ziemlich schnell fließendes 
Wasser mit sandigem Flußbett, dessen Vegetation durch vielfache 
Ufer- und Laufregulierungen in den letzten Jahren gestört wurde. 
Er mündet bei Jamlitz in das Mühlenfließ, nachdem er oberhalb 
Jamlitz zu einem kleinen Teiche, dem sogenannten Brauereiteich, 



Die nördliche Niederlausitz. (i^ 

• 
und südlich des Dorfes zum Scliäferteicli aufgestaut wurde und 

einen Teil seines Wassers nach Westen abgegeben hat zum Aufstau 

zum sogenannten Kleinen Raddusch see, der seinen Ueberschuß 

durch einen Graben gleichfalls in den Schäferteich abgibt. 

Eine Abzweigung der Se^nkette des ersten Abschnittes des 

Randgebietes bildet der 

Große Radduschsee 
südlich Mochlitz, dessen Wasserspiegel nur 48 m ü. M. liegt, der seiner 
Umgebung nach jedoch besser dem Randgebiete als der Ebene zu- 
zurechnen ist. Sein Abfluß geht nach Süden in das Mühlenfließ, das 
er auf den Blasdorfer Wiesen erreicht. Der Große Radduschsee ist 
ein natürlicher Stausee, der sein Wasser aus benachbarten Quellen, 
besonders von den Steilhängen seines Ostufers erhält und nach 
Süden zwischen zwei Hügeln von 56,3 m und 58,3 m Höhe abfließt. 
Die Ufer sind hügelig und zum Teil ziemlich steil und mit Aus- 
nahme des Südens rings bewaldet. Der Wald ist ärmlicher Kiefern- 
wald, im Osten teilweise untermischt mit Eichen. Die Uferhänge 
treten nur im Nordosten bis unmittelbar an die Wasserfläche des 
Sees heran, sonst sind überall sumpfige Wiesen, Sumpfgebüsche oder 
Elrlenbruch vorgelagert. Diese Wiesen bestehen aus Ried- und 
Sumpfgräsern mit wenigen Orchideen, Polygonum blstorta, vielen 
Umbelliferen, wie Sellumn can-ifoUa, Heracleum spliondyliwn, ÄD/jelica 
f^/lvestr/f^, Pastinaca sativa usw. Als bemerkenswerteste Kxi fand sich 
Carex Buxbaumii nicht selten, auch in abweichenden Formen. 

Die Verlandungsflora des Großen Radduschsees ist mannigfach 
und reich an interessanten Pflanzengemeinschaften. Auf der AVest- 
seite herrschen Schwingrasen vor, abwechselnd mit reichen und 
dichten Beständen von Schilf und Tyiiha. Besonders bemerkenswert 
sind die Schwingrasen am Südwestufer.- Hier finden sich in dem 
moosigen, sehr nassen Schilf bestände, der kein Sidhagnum ^wiMit 
Saxifraga liircuJns, Drosera longifoUa, Sagina ■ nodosa. Diantims 
superbiis, Eligiichospora alba. Sclijnis 'paarißorus und wiiglumis, 
Epipacüs palustris mit kleinen Weiden, eine Pflanzengemeinschaft, die 
sich in ganz ähnlicher Zusammensetzung in der Flora von Lieberose 
mehrfach findet. In den Entwässerungsgräben der anschließenden 
AViesen, die ein. sehr eisenockerreiches AVasser führen, findet sich 
Utricidaria vulgaris in prächtigster Eutwickelung in großer Menge 
zusammen mit Cp.ratopligllnm demersum, Stratiotcs ald/des u. a. 

AVeiter nördlich sind die durch A^erlandung entstandenen AViesen- 
moore reich an Birken, Rhamuas, kleinen Kiefern und anderen 
Gebüschen. Am Ostufer liegt ein üppiges, Pflanzenreiches Erlen- 



78 E. TTlbrich: 

brach, der sogenannte Moclilitzer „Park". Zahlreiche (^hiellen rieseln 
über den stark ockerhaltigen Sandboden, der dichte Massenbestände 
von Cardaunne aiiiara, Circaea Inteüana, Veronim heccahuiiga, Urtica 
dloica, Eiqjatorium cannahlnmn, LysliiiacJüa vtdr/aris n. a. trägt. 
Dichte Gebüsche von Rihes nlgrmn, Sambucus nif/ra treten als Unter- 
holz in, dem prächtigem Banmbestande auf, der sich zusammensetzt 
aus Aliins fjlutinosa, Salix pentandra und anderen Weiden, Birken 
und Pappeln. In großer Menge treten (re?«»« urhammi und rivale auf 
und hin und wieder auch Kreuzungsformen zwischen diesen beiden 
Arten. Zu einem schier undurchdringlichen Dickicht verfilzt Oaliam 
aparinp die Kräuter und Büsche und auch Convolvuhis seinam und 
Solamun dulcamara treten als Schlingpflanzen neben Hopfen in großer 
Menge auf. Selbstverständlich ist das Erlenbruch reich an Farnen 
und Moosen; unter diesen verdient Aneara phicjuis in üppigen Formen 
Erwähnung. 

Die Wälder des ersten Abschnittes des Uebergaugsgebietes 
sind, von ganz kleinen Parzellen Mischbestandes abgesehen, ärmlichere 
Kiefernwälder, die jedoch stellenweise, z. B. in der 

Schwanheide, 

i-eicher sind an 'interessanten Pflanzengemeinschaften. So finden 
sich mehrfach, z. B. in Jagen 81 westlich vom Schwansee reiche 
Bestände von Lycopodlnm comjjlanatani Am moosigen Kiefernwalde 
zusammen mit viel CMmopliüa auihellata, Pirola rotumlifolia, , 
Ramischia secunda u. a. Leurohrijam albuni, das Weißmoos, bildet 
stellenweise dicke und zahlreiche Polster. Jüngere Kiefernbestände 
tragen Massenvegetation von Moosen Hylocomium splendens, Hi/paani 
^Sclireheri, Dicranum scoparlum, fast ohne jede Phanerogame und im 
Herbste eine außerordentlich reiche Pilzvegetation. Unter den Pilzen 
ist besonders die Hydnacee Phaeodon ferrugineus bemerkenswert, die 
in großer Menge erscheint und durch die Abscheidung blutroter 
Flüssigkeitstropfen aus dem weißen Hute auffällt. Diese Art tritt 
mehrfach in ausgeprägten Hexenringen auf. 

Eine sehr merkwürdige Vegetation findet sich in Jagen 132 
unweit der sogenannten Leeskower- Brücke westlich vom Schwansee: 
eine kleine Senkung im dürftigen Kiefernwalde enthält ein ausge- 
prägtes Pohjtrirlmm-UozhmQOY. Dichte und hohe Polster und B.asen 
von Polytriclium commune, die nur spärlich Sporogone zeigen, bilden 
eine Massenvegetation, in der nur wenige andere Arten auftreten, 
wie Hylocomuim splendens, Pteridiam aqailijnnii, Agrostis valgarif<. 
Yipoal alnstris, Hydrocotyle und Care.r Goadmiongliii, alle sehr spärlich 



Die nördliche Niederlausitz. i •' 

1111(1 kümmorlich. In etwas größerer Menge findet sich Lycopod'nnn 
davatiüii, jedoch nnr wenig fruchtend. Der Boden ist naß.; in 
feuchten Jahren, wie z. B. 1910, stand das Moor ganz unter Wasser. 
Die Unterlage ist Polytriclinni-Tovf von etwa V2— 1 m Mächtigkeit. 
Der Untergrund steriler Diluvialsand, Die Mitte der Senkung ist 
ständig naß; ein kleines Jiinectnm aus Juncufi effnsns in lockerem 
Bestände geniisclit mit Carex Goodevoufjliü und Agrostis vulgaris 
nimmt diesen Platz ein, an welchem das klare, kaifeeliraune (Grund- 
wasser offen zu Tage tritt. Zu große Nässe sagte dem Polytrichum 
augenscheinlich nicht zu. An den trockeren Rändern des Polytrlclmm- 
Best<indes tritt Hypericinn Immif'nswn recht üppig, Bnmi'x acpioseUn 
spärlicher und Seuerio siloaüois vereinzelt auf. SpJiagnmn, Leuco- 
hryuDi und andere Moose fehlen. Der Po/v/i^ri(f/;?(;«-Bestand zieht 
sich östlich aus der Senkung heraus in den anschließenden Kahl- 
schlag, der eine dichte Adlerfarnvegetation trägt. Etwa in der 
Mitte des PolytrlcJium-MooYe^ steht eine Anzahl (etwa neun) kleiner 
absterbender oder l)ereits abgestorbener Kiefern. Die größte lebte 
1908 noch, war aber 1910 völlig abgestorben; sie maß 46 cm Stamm- 
umfang in 1 m Höhe, bei einer (resamthöhe von etwa 6 m, Eings 
umgeben ist das PolytrirJutm-Moor von etwa 15 m hohen Fichten, 
die mehr oder weniger kränkelndes Aeußere zeigen und stark unter 
Harzfluß leiden. 

Unweit des Bahnhofes Lieberose liegen in .Tagen 78 einige 
kleine Waldmoore, die z. T. eine ganz ähnliche Zusammensetzung 
der Vegetation zeigen, nur artenreicher sind, vor allem mehr Gräser 
(Molinia coerulea, Nardiis stricta) und Riedgräser (Carex pamcea, 
filiformis, Ooodenouglni, rostrcda), Wollgras {Eriophorum polystacliyum) 
enthalten. Sphagnmn fehlt auch hier vollständig, Polytrichum- Arten 
bilden Massenvegetation und ihre Rasen und Polster sind übersponnen 
von Lycopodium clavatum. In der Nähe liegt aber auch ein kleines 
typisches Sp]}agnum-}ioQ\\mooY, in welchem in Gegensatz zu den 
Polytrichiim-RoQ\\moovQ\\ alle uns als Hochmoorbegleiter geläufigen 
Arten auftreten, wie 'Carex- limosa, Srlieuchzeria palustris, Drosera 
rotiindifolia, Andromeda polifolia, Vaccinium oxycoccus, die man in 
den Polytrickuni-HochmooYen sämtlich vermißt. Die einzigen Arten, 
welche ich als beiden Hochmoortypen gemeinsam beobachtete, waren 
Viola palustris, Hydrocotyle vulgaris^ Jimeus e/f'usus (in den PolytricJium- 
Stellen häufiger.) 

Auffallig stark ausgeprägte Zonenbildung zeigt ein anderes 
langgestrecktes Waldmoor an der Grenze von Jagen 78/79: es folgen 
sich hier von Süden nach Norden eine PolyfriclniDt-ZAme (Pnlytriclnun 



80 , E. IT] brich: 

conimiüw) mit tiefen und großen polsterartigeu Rasen mit viel 
LycQ'podhim davatiun, Carex Ipporina, C. (Joodenoiigliü, Janrus effusus, 
Agrostis vulgaris, sämtlich sehr spärlicb. Darauf folgt eine Zone mit 
Jimcus effasiis als Leitart, gemischt mit Carex lepori na, Gooäenoiighü, 
rostrata, acuüforinis, Aira caespUosa, Aspldium filix nias, Viola palustris. 
Als dritte Zone scliließt sicli weiter nördlich ein ausgedehnter und 
fast reiner Bestand . von . Nardas stricta an, in welchem nur ganz 
wenige andere Arten auftreten, wie Carex Uporiiia, Siegli)u/ia derifinhens^ 
Agrostis vidgaris. Zu erklären ist diese Zonenfolge hier wohl 
aus der Verteilung des Sonnenlichtes: der PolytricJium-Besta.nä liegt 
auch um die Mittagszeit noch im Schatten der umgebenden Kiefern, 
der Nardas-Best'dwä ist dagegen der stärksten Besonnung ausgesetzt. 
Die Bodenverhältnisse scheinen in den drei Zonen sonst nicht erlieb- 
licli von einander verschieden zu sein. 

Der zweite südlich folgende Abschnitt des Uebergangsgebietes 
zur Hocbfläche umfaßt den (Jberlauf des Dobberbuser Mühlenfließes, 
die Biele, welche an der (xrenze von Jagen 74/82 der Herrschaft- 
lichen Forst Lieberose in 59,1 m Meereshöhe entspringt,- Die Biele 
fließt zusammen aus einer Anzahl kleiner Quellen, die in einer ziemlich 
engen Schlucht im Kiefern wal de dem stark ockerhaltigen Boden 
entspringen. Der Boden dieser ([uelligen Waldstellen ist mit dichten 
und tiefen Rasen von Aneura fasco-virens Lindbg, bedeckt, die 
von Beständen von Cardamine amara, Carex ediinata, C. Goodcnungiiii. 
C. turfosa u, a. umsäumt werden. Vielfach tritt statt der Aiwura 
Marchantia polymorplia in ausgedehnten Lagern auf, besonders auf 
mehr sandigem, weniger Eisenoxyd enthaltenden Boden. 

Der größte Teil des Oberlaufes der Biele ist durch die Anlage 
terrassenförmiger Fischzuchtteiche verändert, deren Ufer und Dämme 
eine reiche Farnvegetation (vornehmlich Aspidium filix mas, spimdosuni 
thelypteris u. a.) und Gräser und Carcx-Axiew tragen. 

Die kleinen (Traben und Teiche enthalten eine sehr reiche und 
üppige Vegetation submerser Wasserpflanzen und Nereiden, unter 
denen Potamogeton pusühts und P. naians, P, gramineus, P. crispjus a. a.. 
TJtricularia vulgaris und minor in großen, zahlreichen und reich- 
blühenden Beständen, Hydrocharis morsus ranae, Banunculus aquatilis u. a. 
besonders erwähnenswert erscheinen. Die Oberfläche des Wassers 
bedeckt oft auf große Strecken die (Tallertalge Nostoc mit rötlich- 
brauner, schlüpfriger Schicht. 

Die Hänge der Schlucht tragen wie die Umgebung Kiefern- 
wald, der in der Nähe des Wassers reich wird an Unterholz von 
Saiidiiirii.^ riir/ra, Bii'ken. Weiden und auch einigen Rosen, Crataegus- 



Die nördliche Niederlausitz. 81 

und Iihcüjiniis-Büsdien. Stellenweise geht er in Erlenbrüclie über. 
z. B. dicht unterhalb der Staatsbahn. Dicht oberhalb Jamlitz zeigen 
die Hänge des Bieletales auf der Nordseite sandigen Kiefernwald 
mit ausgedehnten Massenbeständen xon Carpx (ire)iaria, die auf große 
Strecken kaum eine andere Art aufkommen lassen. Die sonstigen 
Begleitpflanzen sind z. B. Epilohhim muiusiifoJium, SiJene miians. 
Hteracium murorinn. Ecltiiiin nihjai'<'. 

Eine erheblich reichere Vegetation tragen die Hänge der Süd- 
seite, die anlehmigen bis lehmigen Boden enthalten. Laubgehölze 
herrschen hier vor und Buchen und andere Gehölze bildeten ehemals 
einen Mischbestand, der ,den einstigen Charakter in der daselbst 
noch erhalten gebliebenen Bodenflora verrät. Es finden sich hier 
nämlich typische Buchenwaldbegleiter wie. Lamium f/aleohdolou. 
ÄJienionc he^Jotica, LuiUla pilosa. Care.r mar /rata B) nnnorosa. Mai- 
ajitltfinuni hifoJiam. ('ircaea hdrtiana u. a. (Tegen\yärtig sind die 
Hänge dicht buschig und mit einzelnen Laubgehölzen licht bestanden. 
Quellige Stellen zeigen reichliche Moosvegetation, besonders hohe 
PolytrieJuou-Xiteu, Eqaisefum silratirum, arrPDSt^. palusfre und Itit-rnale. 
Polypodiuni cidgare. Aspidiuni pJtefjopterls. A. fili.r ))}as. Pterklium 
aquiUnuin u. a. Die Gebüsche sind vornehmlich Hasel. Weißbuche 
und Yiharninn opulits, P/rns aucuparia und Iiliamnus frangala, Birken 
und A\'eiden. Vereinzelt treten wilde Birnbäume (Pirus commimts 
A) r/lahraj auf. 

Bei Jamlitz tritt die Biele dann in die Ebene. Die Wälder 
des Biele-Al)schnittes des l'ebergangsgebietes sind ärmliche, z. T. 
sehr dürftige Kiefernwälder, mit den typischen Leitpflanzen, stellen- 
weise sehr dürr mit viel Cladonia und im Herbste durch großen Pilz- 
reichtum ausgezeichnet. Der dritte Abschnitt des Randgebietes umfaßt 

die Blasdorfer Teiche 
mit ihrer Unigeljung, kleine Eischzuchtteiche. die aus dem stufenweisen 
Aufstau eines kleinen Quellbaches entstanden sind, der aus einer 
kleinen Senkung entspringt, die mit einem Erlenbruch erfüllt ist. 
Die Elora der Teiche bietet wenig Bemerkenswertes. Das flachere 
rt'erwasser enthält große ^Massen von Algen (Spirunpra. CUulopdiora. 
Ondogonhun u. a.) zwischen den Rohrbeständen aus Jupiisetayit Ii}ii()Sit)iL 
Schpus palustris. T/jpJia latifolia und aiirjastifoUa. in denen als Begleit- 
pflanzen Bump.r hydrolapathnm. Lpsiniarlua t]///i\slfiora. Cnltlia pidnstris. 
ViTonlca srutcllida. Cicida rrrosa. Epilu/duiii-Xvten. Sa/jlttaria sai/itti- 
fol/a n. a. auftreten. Sehr reich sind die 'l'eiche wieder an 
J-'ofaiiini/etnii-Xrten. unter denen P. ludiois und P. (j}'aiiii}ir/i-< am 
häuflgsten sind. 

Vcrhandl. des Bot. Vereins f. Erandenb. LX. i; 



82 E. Ulbrich: 

Die quelligen Wiesen oberhalb des höcbstgelegeneu der Teidie 
sind ziemlich reich an Spltüfjumn und beherbergen Dro^pra rotnndifolui. 
Vaccin/tiin o.rycoccas und Andromrda 'polifolia. 

Unweit des untersten Blasdorfer l'eiches liegt ein ^ehr nasses 
Erlenbruch, das eine l-eiche und interessantere Flora aufweist. 
Der Bestand an Gehölzen setzt sich zusammen aus Alnus glutinosa, 
Birken, Haselgebüsch, Pirus aacuparia, Rliamnas catliarücu und 
Frrt^/y;«/«, massenhaften Brombeergebiischen und einigen Rosen. Die 
(Tebüsche sind vielfach durchrankt von ConvolDulm^ sepinni. Polf/goiitini 
convolvulüs und Solanum didrcunara. Der Kraut- und Staudenwuchs 
ist sehr üppig und mannigfach: Eapatorium rannalnmmi bildet ganze 
Bestände zusammen mit Epilobiu.m Jursutum, Uhiiaria nhiKtrla, Cirs/iun 
pahisfrc und oleracetim, Crepls pjcdiidosa, Sclrpns sänaticKs, Junrus 
s/lvaticas, LythriDU saücaria, Lysimacdiia oulgarls, Urtica d/o/.ca, (Jarex 
pseudorypents, CaltJia p/dustrif?, Poa palustris, Holcns niollis u. a. An 
vielen Stellen treten schöne Bestände von Calla palustris auf und in 
großer j\Ienge überall die gewöhnlichen Erlenbruch-E'arne. Trockenere 
Stellen sind von Anemone riPmorosa bedeckt und unter dem. Hasel- 
gebüsch tritt Latliraea squaumria in schönster Entwicklung auf, eine 
Art, die ich auch in dem aus einem quelligen. Erlenbruche hervor- 
gegangenen Garten des Paeperschen (lasthauses in Jamlitz fand. 

An Eeldrainen fanden sich einige gutwüchsige, nocli nicht selir 
alte Maulbeerbäume (Aforiis alba) von 8 — 10 m Höhe. 

Der umgebende Kiefernwald dieses Absclinittes ist sehr dürr 
und zeigt nur einen kümmerlichen Bodenwuchs von Callnna vulyaris. 
Carlina vulyaris, Tliymiis serpyyllmn, EupJiorhia cyparissias, Sieylinyta 
decumhens. Weingaertneria canescens, Nardus strida, Festura ovina und 
ähnlichen xerophilen Arten. Ziemlich große Strecken bleiben fast 
vegetationslos. Anflüge von Pogonatum nanum, Rhacomitriuvi in- 
canescens und stellenweise auch LopJiocolea tomentella bedecken an 
anderen Stellen den trockenen, lockeren Sandboden. An feuchteren 
Stellen, in Senken und an ähnlichen Plätzen finden sich mehr Moose 
und Molinia coerulea, Sleglingia, Nardus und -luncus Sipiarrosus bilden 
ganze Bestände. Ganz vereinzelt findet sich an moosigeren Stellen 
auch Lycojjodium clavatmn. Vielfach lichtet sich der kümmerliche 
Wald derartig, daß typische dürre Sandplätze entstehen mit allen 
charakteristischen Begleitarten, unter denen mehrfacli Plantagn 
arenaria und Ononis Jiircina zu finden sind. 

Den dritten Abschnitt des Uebergangsgebietes l)ildet dei' west- 
lich der Blasdorfer 'l'eiche gelegene 



Die nürdliche Niederlaiisitz. ^3 

•Pulverteicli 

mit den sich südüstlicli anschließenden, gleiclifalls stufenförmig an- 
gelegten kleinen Fischzuchtteichen. Diese kleinen Teiche sind durch 
Aufstau eines kleinen (i)uellbaches entstanden, der von den Steil- 
hängen des südlicher gelegenen Höhenzuges entspringt. An der 
(Quelle ist der Boden kiesig-sandig nnd mit dichtem Rasen von 
A)ieura fiiscovlrpus bedeckt, wie im obersten Teile der Biele und 
sonst in der Umgebung. Auch Xai^Unihivn foidantiin fehlt nicht und 
dichte Bestände von Farnen und Riedgräsern, unter denen Carex 
reuiota und pseudocypenis am bemerkenswertesten sind. 

Ein schönes Erlen-Birkenbruch liegt am Ostuter des unteren 
der Stauteiche, in welchem prächtige Massenbestände von Aspklnini 
tlit-/i/pter/.<: auffallen nnd Tyylia IntifoUa nicht selten ist. 

Tu dem klaren, kalten Wasser der Stauteiche sind wiedei' viele 
Pntanio(jpfo))-Xvten und J^trimlarhi ndtjari.'^ in Menge zu finden. 

Der Pulverteich selbst bietet wenig Bemerkenswertes. Die 
steilen I^ferhänge sind mit dichtem (Tebüsch bedeckt und von den 
Ufern her drängt eine ziemlich reichliche ^^erlandnngsvegetation in 
den See hinein. Schwingmooro sind an diesem, wie an allen Teichen, 
die im Herbst abgelassen werden, nicht vorhanden. 

Südlich schließen sich an diesen Abschnitt des Uebergangs- 
gel)ietes an die Waldmoore und Fenne, l)eginnend am 

]\leiereiteich 

in Jagen 47 der Herrschaftl. Lieberoser Forst, der auf dem ^leßtisch- 
blatt.(Nr. 2254, Jamlitz) keinen Namen führt. P]s ist ein 58.9 m 
hoch gelegener stiller und tiefer Waldsee in einer Senkung im 
Kiefernwalde. Seine Wasserfläche ist schon bis auf ein kleines 
Restchen dnrch starke Verlandung verschwunden. Die Uferränder 
nmgeben rings ausgedehnte, sehr nasse Schwingmoore, die ans Cari- 
cAen mit starker Hochmoorbildung bestehen und deren Betreten nur 
mit besonderen Hilfsmitteln ohne Gefahr möglich wird. Diese 
Schwingmoore enthalten bereits viel Sphaf/mini, daneben Fob/tn'rJiu:ni 
fifridnm mit vielen typischen Hochraoorbegleitern wie Drosera rotundi- 
folia, Yacciiihun o.rijcocrus, Iihynchospora alba, Carex Umosa, Comaram 
paJasfre. Sclieach-jeria prdasfris u. a. Prachtvolle Bestände bilden 
Aspid'nim tliehjpteris und Ca/Ia palustris. Auffällig häufig ist auch 
Mfiiyaidlies trifoliata, jedoch in merkwürdig kleinblättrigen Formen. 
Das offene Wasser des Sees wird von Seerosen Nymphaea alba, 
und Potaiiioyefoi/ nafai/s mit Sfratinies alo/des erfüllt. An den trockenen 

G* 



B4 ■ E. Ülbrich: 

Lanrlräiicleni der Scliwiiigmoore treten ausgedehnte, fast artenreine 
Bestände von Juncus aljjinus (J. fuscoater) auf, die sich vielfach mit 
J. effusus vermischen. 

Die nördlich anschließenden Moore in den Jagen 47/48 sind 
teils als Junceta (aus Jmicus effusus), teils als Molinieta (Molinia 
coerulea) entwickelt, die stellenweise in mehr oder weniger reiche 
Ehynchosporeta übergehen. In diesen herrscht RhyncJtospora alha 
vor, Rh. fusca ist dagegen spärlich vertreten. In diesen Rhyncho- 
sporetis fehlt fast niemals auf offenem Boden Drosera, mtermedia, die 
oft in großer Menge auftritt. 

Der umgebende Kiefernwald ist dürftig und fast frei von Unter- 
li'olz; .7^^m/|jen«5 kommt nur ganz vereinzelt vor. Chimophila umheUata 
ist stellenweise nicht selten und findet sich namentlich in einer 
kleinen Erosionsschlucht im Kiefernwald am Meiereiteiche zusammen 
mit Polypodium vulgare, Ramiscliia secunda. Carex curvata und Senecio 
süvaücus. Nicht selten ist u. a. Epilohhim amjusüfolium und Hieraciwn 
■umhellatuui in mannigfachen Formen und am Rande Süene cJdorantha. 
Diesem Abschnitte zuzurechnen ist ein kleines Erlenbruch bei dem 
Vorwerk Hollbrunn, dessen offenes Wasser in gior^ev Menge Stratiotes 
aloides, Lemna trisulca und Sagittaria sagütifolia enthält. 

Die bisher besprochenen Abschnitte des Randgebietes entsenden 
ihre Abflüsse in das Lieberoser Fließ. Die folg'enden drei Abschnitte 
umfassen dagegen diejenigen Seen und Moore, welche ihren Ueber- 
schuß an das Ijamsfelder Fließ abgeben. 

Der vierte Abschnitt umfaßt das Elsenluch, Potewotschow- 
luch und Butzenlnch südlich und , östlich von Klein-Liebitz,. die 
sämtlich botanisch wenig Interesse erwecken, da sie durch Nutzung 
und Düngung stark verändert sind. Von ihrer ursprünglichen 
Vegetation ist kaum noch eine Spur vorhanden. Eine kleine, etwas 
offene Stelle im Potewotschowlnch trägt noch eine interessantere 
Pflanzendecke: auf dem schmierigen Torfboden finden sich Drosera 
mtermedia, Peplis portnla reichlich blühend und fruchtend, Juncus 
supinns und capitatus und Carex Oederi, die letzten Reste einer einst 
wohl reichlicher vertretenen Gemeinschaft. Fruchtbare, , feuchte 
Wiesen mit viel Lytltrum sal/caria, Cirsium oleraceum und palustre, 
Liuum carthaticum, Holms lanatus, Rammculus acer und Umbelliferen 
sind durch Düngung und Viehwirtschaft aus den einstigen Mooren 
entstanden. 

Die Wälder dieses Abschnittes sind etwas bessere Kiefern- 
bestände mit Genlsta pilosa, ihuior/a, Galiuni veruin, D/anfJius deUo/des,- 
CaJhuuA vulgaris, Preißel- und Blaubeereu. viel Adlerfarn und Gräsern 



üie nördliche Niederlausitz. 8o 

{Aira flcxuosti, Afjrostis-Avteu, Fesüica ovina, Antlioxaidlmm odoratum 
u. a.). Eiiiig'e Senkungen sind wieder als Jnnceta (•/. effiisus und 
comßomeratus) entwickelt. An einigen Stellen findet sich auch 2[ono- 
fropa Jiupopithys ziemlich zahb'eich. An der Grenze der Jagen 
87/86 und 76/75 fand sich auch Tli)j)nus serpylbim mit schnee- 
weißen Blüten. 

Der fünfte Abschnitt des Uebergangsgehietes umfaßt eine 
lange Kette von Mooren und Seen, die am Langen Luch südöstlich 
von Groß-Liebitz beginnt und den Ugringsee, Lossagks Luch, den 
(.Troßen Ziestesee, das Ziesteluch, den Möllnsee mit seinen Stauteichen 
enthält und in den Großen Mochowsee zwischen Mochow und Lamsfeld 
mündet. 

Das- Lange Luch 
ist ein ziemlich ödes (Jariceto-Juncetum mit sehr zahlreichen ab- 
sterbenden Krüppelkiefern. Es liegt 54 m ü. M. und ist durch Ent- 
wässerung, die durch einen Abzugsgraben nach Nordwesten nach 
dem Ugringsee erfolgt, bereits ziemlich trocken gelegt. Den Ent- 
wässerungsgraben begleitet eine breite Zone von Typha anyustifolia, 
Carex stricta, Moliida coerulea, Jancus effusus mit wenig Eriophoruui 
polystacJiynin und BhyncJtospora alba. Das Wasser bedecken kleine 
weiße Seerosen {Nympluiea Candida) und Potamoyeton natans und 
ynanincas zusammen mit Lenma trisulca. Stellenweise erfüllt diara 
in dichten Massen den Graben. Die Uferhänge des Luches bedecken 
Bestände von MoUnia, Xardus und Aira caespitosa. 

Das Ugrings-Luch 
folgt nördlich in der gleichen Längserstreckung wie das Lange Luch. 
Es trägt den Gharakter einer nassen Trift mit Alsine nodosa. Triylochin 
palustris. Farnassia palustris auf otfenerem Torfboden. Der Boden 
ist vielfach zerwühlt und umgebrochen durch Schwarzwild, das man 
in dieser Waldeseinsamkeit hier garnicht selten beobachten kann. 
Die Verbindung mit dem Langen Luch stellt ein Juncetum (./. eff'asus) 
dar, das sehr wenig andere Arten enthält. 

Der Ugringsee, 
52,8 m ü. M. gelegen, scheint sehr tief zu sein, denn seine Ufer 
fallen steil ab und zeigen nur eine sehr schmale und spärliche Ver- 
landungszone. Seine ziemlich runde Gestalt läßt vermuten, daß es 
sich um ein diluviales Strudelloch handelt, dessen Entstehung sich 
aus. der Bodengestaltung daselbst erklärt. Der verlandete Nord- 
zipfel der Senkung ist flach und von einem Caricetum mit einzelnen 



8(3 E. IJlbrich: 

Kiefern eingenommen. Die Yerlandungsvegetation bestellt, größten- 
teils aus Eohrsümpfen von Phraf/mites, am Ostufer aus Scirpus 
lacH.stris, Carex stricta und Heleoclmris mit den gewöhnlichen Begleit- 
arten. Den See bedecken Seerosen und Potanmgeton natans^ aber 
nur an den Kändern. Landschaftlich ist der kleine Ugringsee sehr 
schön, zumal seine idyllische Weltabgeschiedenheit nur sehr selten 
durch Meuschen gestört wird. 

An den Ugringsee schließt sich nordwestlich 

Dossagks Luch 

an; ein rings von Kiefernwald umgebenes Caricetum mit beginnender 
Hochmoorbildung, das botanisch wenig bietet. Die Vegetation besteht 
vorherrschend aus Ca rea;- Arten, gemischt mit Foa palustris, Jnncns 
eff'asns und con</lomeratas mit Anflug von 6'2;/<rt/y«/fm-R,asen, in denen 
Hydrocotyle wächst. Stellenweise tritt Calamagrosüs neglecta bestand- 
bildend auf, zusammen mit Elnjhcliospora alba und Drosera intermedia 
an otfeneren Stellen in niedrigen Formen. . 

Die Verbindung mit dem Moorgebiet am Ugringsee bildet ein 
duncetum aus Juucus eff'asns mit Aclüüea ptarmica, GnapJ)aliam 
silvaticum, Odoutites serotina, Lotus corniculatu.s als Begleitpflanzen. 

Der Große Ziestesee 

schließt sich nördlich an. Sein Wasserspiegel liegt 51,7 m ü. M. 
Es ist ein prächtig gelegener, ziemlich großer Waldsee, rings von 
Kiefernhochwald umgeben, der nur im Norden und Süden der West- 
seite in zipfelförmigen, tiefen Buchten schon völlig verlandet ist. 
Hier linden sich kleine Uebergangsmoore mit Drosera rotandifolia, 
Lotus uliginosas, Hydrocotyle, Juiuuis alpinas^ Farnassia palustris noch 
ohne größere Sphaguum-Vol^iQv und ohne Ericaceen. .Der Nordzipfel 
enthält ein Wiesenmoor mit kleinen Weiden, vielen CVtrerr- Arten, 
Nardus, Sieglimjia decumbens, Moliuia coeralea und landeinwärts mit 
Linuni ccäliarticum, Siiccisa, Erythraea centaurium und Briza media. 

Die Rohrbestäude am Nordufer bestehen aus Carex stricta, 
C. acutiformis, C. riparia: an anderen Stellen mehr Pliragmites com- 
munis, dem viel Typlia angustifolia beigemengt ist. Auch das Süd- 
ufer zeigt große Schilfbestände mit vorgelagerter Scirpus lacustris- 
Zone. Die Limnäen- Vegetation ist sehr reich. Das schilfige Ufer 
ist an der ganzen Süd- und Ostseite sandig und reich an Polygonum 
amphibium a) natans, Elodea, Potamogeton naians, P. lucens, P. qra- 
mineus u. a. Dicht am Ufer fand sich schon in geringer Tiefe Najas 



Die nördliche Niederlausitz. ^7 

Diajor zusamiiieii mit C cratopl iijllam deniersuni zwisclieu Sciriius lacustris. 
Am Ufer viel angespülte Bruchstücke dieser seltenen AA'asserptlanze 
lassen auf ein reichlicheres Vorkommen im See schließen. 

Das Zieste-Luch, 
wenig nördlich vom Großen Ziestesee, ist ein ausgedehntes ( laricetum, 
im Süden noch sehr naß, mit Carex stridcL Sc/rpus- nnujlwuis, der 
Ijandform von Fotamorjeton (jramineus, Triglocldn palustris in sehr 
großen Formen, Alolinia coerulea, Eriopliorum polystachyum, Ixantui- 
rulas ßautinnla, Cirsiimi palnstre. Die Nordhälfte des Zieste-Luches 
ist dagegen unter dem Einfluß des nacli Norden zum Mölln-See und 
und seinen Stauteichen hin fließenden Entwässerungsgrabens schon 
stark ausgetrocknet, sodaß Carex panicea in großen Mengen auftritt. 
Am Rande findet sich Eupatorhun cannahimim in einiger Menge. 

Der nördlich anschließende 

Mölln see 
mit seinen kleinen Stauteichen liegt nur noch 44:, 7 m hoch, also nur 
ganz wenig über dem Großen Mochowsee (44,4 m). Die Vegetation, 
seiner Ufer bietet manche interessante Art. An seinem AVestufer 
liegen genutzte Wiesen, die teilweise sehr naß sind, reichlich 
iSpJiafjnam enthalten und mit Schilf {Phragmites comnuinis) und Binsen 
(Jnncns alpinus) und Hochmoorarten durchsetzt sfnd. Die Eigen- 
artigkeit der Mischflora ist auffällig; so finden sich hier in Gemein- 
schaft Aspidium thelypferis, Ju7icus stßiarrosus, J. alpinus, Eriopliorum 
polystachyum, Briza media, Scirpus rompressus, Meiiyantlies trifoliata, 
Parnassia palustris, Epilohimn palustre und parvifiorum, Pirola uiinor^ 
Hydrocotylc, Veronica scuiellata, Caltha palustris, Hypericum ipiadrau- 
yulum, Gqliuin palustre, Lotus uliyinosus und Crepis palud.osa. 

Sehr nasse Stellen tragen sehr viel Moose, z. B. PcdwleUa 
snuurrosa und von Phanerogamen Älsinc nodosa, Scirpus uniylumis, 
Epipactis palustris. An anderen Stellen bildet Nardus stricta große 
Bestände. 

Die ßohrsümpfe der Verlandungsvegetation bestehen vornehm- 
lich aus TypJuj anyustifolia mu\ Scirpus lacustris. 

Die Nordufer des Sees sind weniger artenreich. Debergangs- 
moore mit SpJiaynum, Pcdudella Sipiarrosa, Lycopodium ckwatu.m, viel 
Juncus- A.vte\i, besonders J. scpiarrosus, Drosera rotundifolia, Potentilla 
silvestris u. a. herrschen vor. MarcJiantia polymorplia bildet an 
mehreren Stellen Massenbestände. Sehr nasse, z. T. schwingende 
Stellen der Verlandmigsmoore enthalten CincUdium styyimn, Paludella 



88 E. Ulbrich: 

squan'osa, eigenartige, sterile Formen vun Marrliaiiüa jtohjDioi-jiltu. 
Calla pal astr IS, Sar/ina nodosa, Cardamine palustris, Lotus uUglnosus u, a. 
Auf den trockeneren Teilen herrschen Leguminosen vor und auf 
ihnen vielfach Cuscuta epitliymuni. 

Der Große Mochowsee 
zwischen Lamsfeld und Mochow nimmt dann den Abfluß aus der 
Seenkette auf. An seinem vSüdende an der Einmündung dieses 
Baches liegt ein kleines Erlenbruch mit viel Eupatorium cannahinum. 
Am Seeufer selbst bildet Ohjceria aquatica große Bestände, zusammen 
mit Siiarganium ramosum, Cicuta virosa, ' Menyanihes trifoliata, Equise- 
tum heleocliaris, AclüMea ptarmica und ähnlichen Begleitern. Den 
größten Teil der Ufer an der Ost- und Westseite umrahmen frucht- 
Ijare Wiesen mit viel Cirsium oleraceum und palustre, Succisa u. a. 
Schöne Erlen- und Ehammts-Büsche, sind an den Ufern nicht selten. 
Im Norden und Südwesten gehen sterile Kiefernwälder bis an den 
See heran, soweit nicht Ackerland und Getreidefelder vorhanden 
sind; die eine reiche Unkrautflora zeigen, besonders von Panicum 
crus f/alli, P. viride und P. lineare. 

Das Waldgebiet de's fünften Abschnittes des^Uebergangs- 
gebietes zwischen dem Langen lAich und Mölln-See ist etwas ab- 
wechselungsreicher als die weiter östlich gelegenen Abschnitte. 

l'eberall herrscht zwar Kiefernwald, doch wechselt der Boden- 
wuchs vielfach. Wegen des Nahrstoffarmutes des Sandbodens und 
der größeren Feuchtigkeit neigt der Waldboden stellenweise leicht 
zur Yermoorung und stärkereu Eohhumusbildung. So findet sich in 
Jagen 78 eine größere Waldstelle, die sich zu einem Polijtrichuiu- 
Waldhochmoor entwickelt. In den dichten Poli/trichwn-llRiie'n und 
Polstern finden sich als Begleitpflanzen Molinia coerulea, tSier/liiu/ia; 
dpcumhens, Xardus strida, Luzula raiiipestris, Carex Goodeiioufj/iii, 
Viola palustris, Hydrocotyle, Potentilla silvestris und Aspidiuni spinn - 
losum mit Lycopodium davütum. ' 

Andere Waldstellen sind reich . an Ericaceen, besonders Vaeri- 
nium vitis idaea und Calluna; auch Leucobryum-Vohter sieht ' man 
nicht selten und vielfach in großer Ausdehnung, z. B. in Jagen 78/79. 

Die Uferhänge der Seen und Moore sind meist reich an 
Pteridiuni aquilinuui und anderen Farnen, besonders Aspndiuni spi)iu- 
losum: auch findet ^idi Lycojwdium rlavatnin nicht selten und vielfach 
reich fruktifizierend. 

Der Wald ist vielfach mit jüngeren Fichten durchsetzt, deren 
Gedeihen meist nichts zu wünschen übrig läßt. Nur in den ver- 



Die nördliche Niedcrlausitz. oJ 

iiiuoreiifleii Senken ist die Kiefer entschieden überleo'en. An Unter- 
liolz ist der Wald arm; Janiph-us ist sehr spärlich oder fehlt anf 
große Strecken, dafür sind Buhas-GeMisdie. namentlich nach den 
Seen und Mooren hin zahlreicher, vorherrschend E/tbiis ■plkatus. 
Einzelne Schläge sind vorherrschend mit Fichten aufgeforstet und 
und namentlich in diesen Dickichten hält sich ziemlich viel Schwarz- 
Avild auf, dessen Spuren man in den Mooren' vielfach findet, das auch 
bis in die Wiesen um den Möllnsee hinaus wechselt und hier viel- 
fachen Schaden stiftet. ■ 

Der folgende Abschnitt, zugleich der westlichste und längste 
des Uebergangsgebietes zerfällt in zwei Teile: die nördliche Hälfte 
umfaßt die Seen vom Rammolzsee bis zu den Seen bei Mochow. 
Die Entwässerung erfolgt hier nach Norden in den Großen Mochow- 
see. Die südliche Hälfte umfaßt die Seen bis zum Byhlener See. 
Die Entwässerung erfolgt hier nach Süden. 

Der Kammolzsee 
nördlich von Butzen liegt 54,5 m ü. M., er ist der höchstgelegene 
der ganzen nordsüdlich verlaufenden Kette. Nur an der Ostseite 
ist er vom Kiefernwald umgeben, an allen änderten Seiten umgeben 
ihn Felder und fruchtbare Wiesen. Die Verlandung erfolgt durch 
T/jpha cuif/iisüfoUa-BestsiYida mit nur wenig Schilf, gemischt mit 
Spar!)aniam ramosurii, Rumex hydrolapathnm und anderen gewöhn- 
lichen Begleitarten. Am Ostufer finden sich schöfte, ziemlich aus- 
gedehnte Easen von Scirpus acicaluris mit Bidens cmiuds. Im See 
ist Ohara cf. fraijiUs in sehr großer Menge vorhanden. Seerosen 
sind spärlich vertreten, reichlich Folijgonain natans und Raniuicalas 
(ßatracJüuiii) dlvancatas. 

Der Bergsee 
liegt 53,3 m hoch; er ist etwas größer als der Rammolzsee und 
rings von Kiefernwald umgeben. Seine Ufer sind auf allen Seiten 
von ausgedehnten Schilf- {Plirarjmites) Beständen eingefaßt, die reichlich 
mit Äspldiain tlii4yxjteris, Peucedanuni pjalastre^ Calla palustris, Cicnta 
vlrosa^ Riunex hydrolapjatlmm, Solanum /lulcamara durchsetzt sind. 
Am Nordende finden sich Schwingmoore mit TypJia angustifolia, am' 
Südufer ein kleines Hochmoor mit viel ScJienchzerki, das mir unzu- 
länglich war. p]in Verbindungsgraben zwischen diesem Hochmoor 
und dem See enthielt viel Stratiotes aloides und Spargafiium mimmuni. 
Der Bergsee stößt nördlich an ein ausgedehntes über ein Kilo- 
meter langes, dabei aber schmales Moorgebiet, den ■ 

\ , ■ 



1)0 E. Ul brich: 

: Butzener Bagen, 
das bereits erlieblicli durch Entwässerung- beeinflußt ist. Es wird 
seiner ganzen Länge nach von einem breiten Graben durchzogen, 
der zurzeit, als ich das Gef)iet besuchte, frisch gereinigt und aus- 
gebaggert wurde. Der Butzener Bagen ist ein Erlenbruch, das erst 
kürzlich abgeholzt wurde; ein großer Teil wird als Viehtrift be- 
nutzt und ist damit stärksten Veränderungen ausgesetzt. Massen- 
bestände von Juncus artkulatas überzogen auf große Strecken hin 
den Bodeu, gemischt mit großen Mengen von Bldens radlatus, 2Ii/osotls 
palustris, Alisma plantago, Banunculus flaiiiviula, Polygoniun lii/dropipcr. 
Am Waldrande linden sich große Bestände von Carex pseudoci/penis, 
Äira caespitosa, Glyccria fiultcDis, MoUnia coeridea, Juncus effusus u. a. 

Der innerste und mittelste Teil, zugleich der trockenste, ist 
ein eintöniges C!aricetum mit einzelnen Erlen. Den Hauptbestand, 
bildet Carex fiUfornüs, dazwischen C. rostrata, C. panicpa u. a,, ganz 
späidich Rh/fiichospora alba, ferner MoUnia cocrulea und (Jalamagrosüs 
■ lu'ijk'cta. Einzelne Stellen zeigen Anflüge von Syhagnum mit Drosera 
intermedia, Aspidium t/udgpteris. Menta uipuitica u. a. Weiter folgt 
ein Stück, mit kleinen Erlen und Krüppelkiefern, in welchem 
Eriopliornm polgstacJiyam in größerer Menge vorkommt, gemischt mit 
Scirpus palustris und aniglmnis. Daß die Entwässerung erst kurz 
vorher in stärkerem Maße gewirkt haben muß, beweist ein Bestand 
von Spa)-ganiuin niinimuni in einer niedrigen Landform auf frisch 
abgetrocknetem Schlammboden zusammen mit Alisma p/antago, Ranun- 
culus flainmula, >ScuteUaria galcriculata u. a. 

Li der Mitte des Butzener Bagen liegt noch ein Rest des 
ursprünglichen Wasserannes 

die Bschone 
ein kleiner See in 52.4: m Meereshöhe, der gnißtenteils von Schwing- 
rasen umgeben ist und durch einen Damm zugeschüttet wird. Ein 
Teil des Dammes mit den Gleisen einer Eeldbahn war in dem See 
verschwunden, da die Schwingrasen nachgaben. Der Elntwässerungs- 
graben der Bschone und des Butzener Bagen mündet nördlich der 
Schaf-Brücke in den 

Alten Teich 
Avestlich des 124 m hohen Grünen Berges halbwegs zwischen j\lochow 
und Butzen. Schöne Bestände von Aspidium spinulosuin füllen die 
- Bucht am Südufer. Der Alte Teich, ein alter Eischzuchtteich. bietet 
botanisch sehr wenig. Große Faulschlammablagerungen, die in der 
Mitte der Nordbucht eine fast vegetationslose Insel bilden, erfüllen 



Die inirüliche Nicderlausitz. 91 

(las tiache, (Uiukelbraune Wasser. Am Ufer tiiicleii sich schrme Be- 
stände von Sagittariü siff/nlifoUa. yorlierrscheud in der Form Bollci, 
g'emisclit mit viel Jtuicas alphius und Massenbestände von ■Juncns 
sqnarrosns. Ein durch sehr schmalblätterige Formen anltällender 
Bestand von Tjjplia annustifolia findet sich am Westufer zusammen 
mit Lijthntin SiAlicarki. Carc.r strida, Sajjittarla, Lyshnarliia cidgarisw. 'ä. 

Nördlich folgen einige kleine Seen in einem Moorgebiete in 
Jagen 140y'141 der Herrschaftlichen Forst Straupitz, die auf der 
Karte keinen Namen führen. S-ie enthalten Riesenbestände von 
.Potdinof/eton natans, P. i/tcsillns und am Ufer viel SjjfDy/aniuiii riDuos^tui. 
Sagittariü. Typha augnstifolia. 

Das Moor selbst trägt bereits den ('harakter eines Cariceto- 
dunceturas mit Carex filifoDiiis, C. stricfa, Xardus strida. Jiuicas 
sqnarro<ins. zwischen denen Calla palustris zerstreut auftritt. 

Nördlich der Butzen-Lamsfelder Chaussee setzt sich die Rinne 
fort durch fruchtbar gewordene, feuchte Wiesen zwischen den Jagen 
14-7 und 14:1) der Herrschaftlichen Forst Straupitz. üie Entwässerung 
und Düngung hat aus den einstigen Mooren Wiesen geschatfen, die 
reich sind an Moliiiia coeralea, Holcas Jaiiatus. Linum cartliartirtiuu 
Farnassia palustris, Coronaria fioscacaU, Odontites serotiaa. Eaplirasia. 
o/fici)iaIis, AledorolopJnis minor u, a. Verirrt hat sich in diese 
Wiesen auch Linum asitatissiniuut, das ziemlich zahlreich auftritt 
und vermutlich von früherer Kultur in der Nachbarschaft stammt. 
Nassere Stellen tragen eine Vegetation von Jlcjigatdltcs trifoliata, 
Jancits filiformis, Mgosotis palustris u. a. 

Der kleine Lnchsee in diesem Moorwiesengelände enthält in 
großer JMenge Elodca canadcnsis, Hgdrodiaris, Sparganiani sinipk\r. 
Große Bestände von Tgpha angustifolia und Scirpus palustris säumen 
die Ufer ein, an die sich an der Westseite im Norden trockenere 
süße Wiesen^ weiter südlich Uebergangsmoore mit einzelnen Birken 
anschließen. Spliagnuni ist reichlich vorhanden mit verschiedenen 
Hochinoorarten wie Yacci)iiu))i oxyrocras, Drosera rotandifolia. 2I(ni- 
gantJies, Coiiatra)ii palastre, Scirpus paucifiorus u. a. 

Die Wälder des sechsten Abschnittes des Uebergangsgebietes 
bestehen überall aus Kiefern mittlerer bis geringerer Güte. Die 
Hänge zu den Seen und Mooren hin, zeigen reichlicheres Unterholz 
von Ruljus- kviöw, ganz selten Juniperas, Crataegus und vereinzelt 
Rosen. Der Kraut- und Staudenwnchs ist ärmlich und beäteht meist 
aus Adlerfarn, Aspidiam fili:rnias, vereinzelt Polgpodiuni vulgare. Calluna 
und den anderen gewöhnlichen Kiefernwaldarten. Tiefer gelegene 
Waldstellen neigen zur stärkeren Ansammlung von Polytrivhmu und 



92 E. Ulbrich: 

Leucobrij/in/, und zur RuliliiTmiisbildiing- und beginnenden Versumpfung. 
In Jagen 109 der Herrschaftlichen Forst Straupitz steht am West- 
rande des Butzener Bagen eine große Kiefer mit einem riesenhaften 
Hexenbesen an einem der unteren, stärksten Aeste der Krone. 

Die südliche Hälfte der Seenkette bildet den siebenten und 
letzten Abschnitt des Uebergangsgebietes, beginnend mit den 
feuchten, fruchtbaren Wiesen auf der Höhe der W^asserscheide südlich 
vom Rammolzsee, 

Der Butzener See 
ist das nördlichste Glied der Kette, ein über 1,6 Kilometer langer, 
schmaler See, dessen Wasserspiegel 53,3 m ü. M., demnach nur 
0,2 m unter dem des Rammolzsees liegt. Der Butzener See zeigt 
deutlich ausgeprägt den Charakter eines typischen Rinnensees mit 
steilen, hier aber nicht sehr hohen Ufern und einer besonders auf 
der Ostseite schmalen Verlandungszone, die aus Srirpas lacttstris und 
PJircifjnütes besteht. Am Ostufer findet sich eine auffällige Zonen- 
folge: landeinwärts auf schlammigem Boden Schjms lacustris, davor 
seenwärts Pltragmites coDimiuiis. 

Die Ufer des Butzener Sees sind im Westen eingenommen von 
Kulturland. Acker- und Getreidefeldern, im Osten von Kiefern- und 
Eichenwald. Südlich schließt sich 

der Eauhe See 
an. durch eine schmale Moorzone getrennt^ die von einem Ueber- 
gangsmoor eingenommen ist, in dem schon sehr viele t3'i)ische Hoch- 
moorarten vertreten sind z. B. Drosera aii/jl/ca, Scirpiis paucifionis, 
Carex limosa, C. dioica, C. OederL Rhyncliospora alba u. a. Daneben 
finden sich aber noch viele Wiesenmoorarten, \n\q Parnassia palustris, 
('altJia palustris u. a. Spliayrntm ist noch nicht sehr reich vertreten; 
andere Laubmoose sind zahlreicher. 

Die Ufer des Sees umgeben ausgedehnte, z. T. stark schwankende 
Schwingrasen mit viel Sphagnanu die aus ungemein dichten Rasen 
von Carex fiUformis gebildet sind, in denen nur ganz wenige andere 
Begleitarten auftreten wie Aspidium thelypteris, Ecpiisetum heleovharis, 
Cicuta virosa ji) angustifolia, Epilolniun palustre u. a. Schöne Erlen- 
bestände mit viel Calla finden sich am Süd- und Ostufer. 

Das südlichste und Endglied dieser Seenrinne bildet 

der Byhleuer See 
52,8 m ü. M. gelegen. Unmittelbar an seinem Südvvestufer liegt 
das Dorf Byhlen, Knotenpunkt der Spreewaldbahn, ein freundliches 



Die nördliche Niederlausitz. 93 

vveiidisclies Dorf mit sauberen Ziegelbauten, die vielfach unter Wein- 
laab und hinter Linden und Obstbäimien verschwinden. Am West- 
und Südufer des ßyhlener Sees finden sich kräuterreiche, schöne 
Erlenbrüche, die z. T. kaum betretbai\ sind, da der schlammige Boden 
nicht genügend trägt. Die Vei-landungsvegetation besteht aus großen 
und ausgedehnten Schilfbänken. Das Schilf erreicht stellenweise 
eine Höhe von mehr als 5 Metern und dringt tief in die Erlenbrüche 
hinein. An manchen Stellen bildet wieder Glyreria acßiaüra die 
Rohrbestände, üeberall sind Begleitpflanzen wie Peucedanum palustre. 
Cicida, Oenaiülte fistulosa, Selinum rarvif'olia, Bumex liyärolapatlnnn, 
Lijsnnachla ruigaris und tltyrsifiora u. a. reich vertreten und stellen- 
weise rankt der Hopfen auch am Schilf empor. 

Die ITiier des Sees umgeben, abgesehen von kleinen Kiefern- 
waldparzellen am Xordufer, fast überall fruchtbare Kultiirwiesen oder 
Ackerland. 

Genetisch zum Byhlener See gehöi-en zwei kleine Fischzucht- 
teiche östlich von Byhlen. 

der Alte und Neue Teich 

57 und 55 m ü. ^\. gelegen, die ihren Wasserüberschuß zum Byhlener 
See entsenden. Der Neue Teich ist durch riesige Bestände von 
Typha anyusfifoUa fast vollständig verlandet, wogegen am Alten Teich 
^Wyvx- Arten vorherrschen, besonders C. stricta, zwischen denen viel 
Juucns eff'usus und Sphaynmu vorhanden ist. Sonst bieten beide 
Seen botanisch wenig. Der Wald in diesem Abschnitte des Ueber- 
gangsgebietes ist abwechselungsreicher als in den weiter östlich 
gelegenen Abschnitten. 

Die Butzener Dubrau 

östlich vom Butzener See, südlich der AVinitzka-Berge. ist eine flache 
Senkung, die mit jüngerem "Eichenbestande dicht bewaldet ist. in 
welchem Melampyrum prate}}><i\ TJij/mJis serpijllum, CalJuna vulyari^, 
Cdvlina indgarii^ und Antlioycoitl/ant udoratiim recht häuflg sind. 

Erlenbestände begleiten das Ostufer des Byhlener Sees, gemischt 
mit einzelnen Birken, Eichen und Weiden. Als Unterholz ti-eten an 
den Uferhängen besonders Dorngebüsche auf wie Crataeyas. Prunus 
splnosa. Rosa, Juniperus communis u. a. 

Die übrigen Wälder sind ärmliche, z. T. ganz dürftige, düri-e 
Kiefernbestänile mit viel Cn/hjjia und den gew(»hnlichen Begleit- 
pflanzen. 



•t-l- E. Ulbrich: 

Ij) Die Hochfläche (70 bis über 100 m ü. M.). 

Die Hochfläche des hier behandelten Gebietes umfaßt ein Areal 
von über 180 Quadratkilometern. Sie ist gekennzeichnet durch Mangel 
an Seen und Mooren im Gegensatz zur Talfläche und zum Ueber- 
gangsgebiete. Der westliche Teil enthält allein' eine Anzahl von 
Seen und Mooren, von denen einige kleine Gruppen bilden. In 
diesem Teile der Hochfläche liegt die Durchschnittshöhe zwischen 
65 und 80 m. Gegen Osten steigt die Hochfläche weiter an bis 
über 100 m Durchschnittshöhe. Dieser Teil ist ganz wasserarm; er 
besitzt nur zwei Seen (Großsee, Kleinsee) und zwei Moore (in Jagen 
180 und die Oalpenz bei Tauer). Sämtliche Seen und Moore der 
ganzen Hochfläche sind abflußlose Becken. 

Die Gliederung der Vegetation der Hochfläche ist sehr einfach. 
Weitaus der allergrößte Teil ist von ^\'ald bedeckt, ein kleiner Teil 
des Nordostens von Heide, das übrige Kulturland. 

1. Die Wälder der Hochfläche. 

Der westliche Teil der Hochfläche zeigt vorherrschend Kiefern- 
wald geringer bis mittlerer Güte. In der Nähe der Ortschaften 
Jamlitz, StaackdW. l'Uersdorf, Weichensdorf ist der Wald größtenteils 
außerordentlich dürftig, namentlich südlich und (istlich der beiden 
erstgenannten Dörfer. Der sterile (Sandboden trägt stellenweise vor- 
wiegend Cladonien. an feucliteren Stellen ]\Ioose mit nui' wenigen 
eingestreuten Phanerogamen. Die Streunutzung des Waldes hat die 
A^egetationsverhältnisse des Waldes äußerst ungünstig beeinflußt. 
Erst in größerer Entfernung weiter östlich, in der herrschaftlichen 
Forst Lieberose und besonders in der königlichen Forst Tauer werden 
die Vegetationsverhältnisse günstiger. Hier zeigt der Wald auch 
reichlicheren Bodenwuchs von Yaccinlnm myrülliis. V. r'dh idara. 
Fragaria vesra und anderen typischen Kiefernwaldbegleitern. Adler- 
farn bildet oft an sehr sandigen Stellen Massenvegetation. Auch 
Unterholz von Juniperus roinnuniis, hin und wieder Crataegus, ist vor- 
handen. Weiter östlich, in der Gegend von Schönhöhe geht der 
AVald dann in Mischbestand über und stellenweise, besonders in der 
Richtung auf Grano • und Bärenklau, streckenweise in fast reinen 
gutwüchsigen Eichenbestand. Damit sind im Südosten die höchsten 
Durchschnittserhebungen der Hochfläche erreicht. 

In dem niedrigeren, vorherrschend mit Kiefernwald bestandenen 
Teile der Hochfläche liegt eine Anzahl abflußloser ]\loüre und kleinerer 
Seen: deren Vegetationsverhältnisse zum Teil recht interessant sind. 
Der hiichste Teil der Hochfläche hat nur wenio'o erheblichere Seen 



Die nördliche Niederlausitz. 95 

aufzuweisen, nämlich den Großsee bei Scliönhölie, den Kleinsee etwas 
östlich davon, den Pinnower See bei Pinnow und die Pastling- bei 
(rrabko, die schon außerhall) des von mir besuchten (Gebietes liegt. 
An Mooren treten in diesem ausgedehnten ^^"aldgel)iete nur das 
Hochmoor in Jagen 180, die Rinne westlich Pinnow, die Oalpenz 
und das Pastlingsmoor unmittelbar (»stlich (jenseits) der Grenze 
'unseres Gebietes auf. 

Sehr viel reicher an Seen ist der äußerste Nordosten des 
(Gebietes, die Umgegend von Groß- und Klein-]\luckrow, ( 'hossewitz 
und Eeicherskreuz. 

Die abflußlosen Seen und Moore des Waldgebietes. 

Die Abflußlosigkeit der durchweg kleineren Wasseransammlungen 
und Grundwasserseen des Waldgebietes ist einer Verlandung sehr 
günstig, zumal alle in kleinen Senkungen des Bodens liegen und die» 
störende \Mrkung des ^^'indes bei der Verlandung ausgeschaltet ist. 
So hat denn die Verlandung frühzeitig eingesetzt, sodaß wir fast 
'nur noch Moore antreffen. Da die Xahrstott'-Verhältnisse des sterilen 
Sandbodens vorherrschend ungünstige "sind, ist das Ergebnis . der 
Verlandung fast überall ein kleines Hochmoor oder TTebergangsmoor 
mit wechselnder Zusammensetzung der Vegetation. 

a) Der Westen, 

Westlich der I^inie Staackow — Schönhöhe — 'J'auer finden sich nur 
im westlichsten Teile eine Anzahl kleiner und kleinster ^loore und 
Seen, nämlich: bei Klein-Liebitz, 1. Das Teuf^lsluch in Jagen 19 
der Herrschaftlichen Forst Lieberose gelegen, ein Ehynchosporetum. 
dessen Leitart größtenteils Bhi/ncliospora alba ist. Weniger zahlreich 
ist Bit. fasca, in großer Menge findet sich Drosera intermedia^ spärlich 
EriDphonnn poli/stadnjio)!, MoJuta coerulea, Coinarum palustre. Sphagnurii 
findet sich nur an einigen Stellen in Polstern von erheblicherer 
Ausdehnung. Der nordwestliche Teil des Teufelsluches ist noch 
sehr naß und trägt hier Massenbestand von ■Tnnciis efftimfi mit viel 
Carex gemischt, dazwischen O-lyceria flnitaus. Scirpas palastr/s u. a. 

Der trockenere Luchrand wird von großen Beständen von 
Xardus stricta, Triodia denmihens eingenommen oder PohjfricJniui in 
tiefen Rasen mit Hydrocotylc. Carex ecJünata. Molinia, Jiuicu^^ alpinus. 
Jxanunculuft fiammula bilden die Pflanzendecke. 

Die waldigen Steilhänge sind mit ausgedehnten, prächtigen 
Adlerfarnbeständen bedeckt. 



96 E. Ulbrich: 

2. Südlich des 111,6 m hohen Spitzberges liegt eine Gruppe 
kleinster Moore: (Tnesse-Luch, Bengesicke-Luch und Balken- 
keute-Luch, die botanisch wenig bieten. 

3. Interessanter sind die in der Umgegend des Forsthaiises 
Burghof gelegenen, die zum Teil auch bedeutenderen Umfang be- 
sitzen; es sind die folgenden: Poppensken-Lucli, Kaynges-Luch. 
Schwarenze-Luch, Geserchen-Luch, Weinbergs-Luch, Schirne- 
Luch, Birken-Luch, Großer und Kleiner Luchsee, Paynscher- 
Luch und ganz abseits davon das kleine fast ausgetrocknete Neu- 
acker-Luch. 

Das Poppensken-Luch, dicht am Haltepunkte Burghof — 
Liebitz der Spreewaldbahn nördlich der Bahnlinie ist wieder ein 
fast reines Rltynchosporetum, wie es für das Gebiet sehr charakteristisch 
ist. Leitart ist hier Rhyiichospora alba. SpJiagintm ist nur wenig 
«vorhanden und Massenbestände bildet auch hier Drospra intermedia. 
Auch sonst sind die Vegetationsverhältnisse denen des oben geschil- 
derten Teufelsluches sehr ähnlich. Mehr als Juncetum oder C'aricetum 
ist das südlich folgende Kaynges-Luch entwickelt. Moliuia 
coerulea ist hier auch häufiger und Sphagniim in größerer Menge zu 
finden. Der südlichste, trockenste Teil ist in Kartoffelacker umge- 
wandelt. 

Das südlich folgende Schwarenze-Luch ist ein trockeneres, 
durch versumpften Kiefernwald unterbrochenes Junceto-Molinietum, 
das auch reicher ist an Farnen, besonders Aspidium spinulosum und 
auch Blechnnm spicant (Herb. E. Ulbrich Nr. 6849) birgt. Als typisches 
Sphagnum-UQz\m\ooY mit viel Blnjuclwspjora alba, Carex eclünata und 
Birkenanfluo- ist das weiter südlich gelegene Geserchen-Luch ent- 
wickelt. Auffällig ist jedoch, daß fast alle gewöhnlichen Hochmooi'- 
begleiter fehlen oder nur stellenweise und spärlich vertreten sind. 
Nur am Südende des Luches sind Vaeciiiiuni oxycoccas und Drosera 
rotnndifolia etwas zahlreicher. Am Rande des Luches sind Farne, 
besonders Aspidium sjmndosam und Ptcridium zahlreich und in den 
tiefen, reichen PolytrirJumiAl-änew in Menge Li/copodiuri) aunotinum 
zu finden. Den kahlen, offenen Torfboden bedecken stellenweise in 
]\lenge Carex Oedi'ri., Safjina procambens und CaUitriclte sfaynaJis. 

Reine SpJiagwim-Bestmde mit einzelnen Büscheln von J/nicn.^ 
effmns und Molinia coerulea überziehen das angrenzende, ebenfalls 
sonst artenarme Schirne-Luch. In den angrenzenden Kiefern- 
wäldern fallen prachtvolle Bestände von Pteridinm aipiili])uni auf. 

Fine kleine moorige Wiese stellt da.s A^^einbergs-Luch dar. 
wogegen das unweit davon gelegene l>ii'keii- Luch ein sehi' nasses 



i'i 



Die nördliche Niederlausitz. 97 

Caricetum ohne Birken ist. Prachtvolle Calhmn-Bestmde mit Molinia 
umsäumen das Birken-Lucli. das im Süden wieder fast reine Bestände 
on BJnjiirlio.-^poj'a alba aufweist. 

Abweclislungsreicher und auch artenreicher si^d dagegen das 
anschließende Torfiauch, der Große und Kleine Luchsee. Das 
Torflauch ist ein Hochmoor mit ziemlich viel Lechimpalnstre, Molinia 
und Erioplioruui raiiiuaium, dessen Ufer viel Lycopodium aniiotiiiuni 
in PolytricJtuni-Rdiaen mit Drosera roiaudifolia und Ledain palastre 
zieren. Der Große und Kleine Luchsee zeigen noch oifenes \\'asser 
mit kleinen Beständen von Typha latifolia, Menyanthes. Jancas e/f'asus 
und Cornarani palastre. An anderen Stellen bildeten Carex-Arten. 
gemischt mit Eriophoram und Jancas effasas, die A^egetationsdecke. 
Auf offenem Torfboden findet sich Drosera intermedia zusammen mit 
liJiynrtiosjiora alha. 

i (Jestlich schließt sich an das Gruße Luch im Jagen (J der Herr- 

f- schaftlichen Forst eine tiefe Erosionsschlucht, deren Hänge einen 

I reichen Farnbestand von Aspidiaiu füix mas. AtJiyriain filix femina, 

|t Aspidiaui spinalosain. Plieyopteris dryopteris und Pteridiarn aqailinam 

|| tragen. 

% Das einige hundert Meter südlich vom Kleinen Luchsee gelegene 

'1\ Paynscher Luch trägt vorherrschend Jaiicas e/fasas-Be^Vdnde mit 

etwas Spliaynam: an offeneren Stellen finden sich Drosera intermedia, 

Blryia-liDspora fdha und einige Carex. 

4. Die größte Gruppe abflußloser Seen und Moore liegt am 
Fuße der 76 — 86 m hohen Zehmischen Berge: der Große und Kleine 
Zehmesee, das (Tuste-Luch und dei- Teerofensee und einige kleinere 
unbenannte Waldmoore. * 

Der Große Zehmesee mit seinen ausgedehnten JMoorgebieten 
liegt östlich vom Beyers-Berg (78,6 m), ist ein Gebiet von großer 
landschaftlicher Schönheit, das floristisch jedoch recht wenig bietet. 
F]s wechseln ab Junceta, Cariceta und Rhynchosporeta oder Molinieta. 
sämtlich ziemlich arm an sonstigen Begleiti)fla.nzen. Namentlich ist 
Spliaynam und mit ihm die typische Hochmoorpflanzengemeinschaft 
si)ärlich vertreten. Am interessantesten ist der Nordzipfel der Moore, 
in welchem ein reicher Bestand uralter, etwa 3 — 4 m hoher und bis 
30 cm (Durchmesser) dicker Krüppelkiefern auftritt. 

Interessanter ist ein kleines Luch nördlich vom Kleinen 
Zehmesee, das als artenreiches Bliynchosport^tnu} entwickelt ist. 
und zwar findet sich hier besonders BJtyncJiospura fa^ea in großer 

Verliaiidl. des Bot. Vereine f. BranUenb. LX. , n 



• r 



i)8 E. Ulbrich: 

Menge, sodaß Tili, alha dagegen zurücktritt. Daneben findet sicli 
Cavex stricta, C. anvpuUarea^ Juncns sit])iiiit>i und auf otfenerem Torf- 
boden in großer Menge Drosera liitoiiie/lin. 

Am Kleinen Zehmesee treten ganz ähnliclie Pflanzengemein- 
schaften auf. nur ist Tiliuncliospora f/isca sj)ärlicb, dafür finden siclj 
noch Srlioucltzeria, Androiupda, ganz wenig Lcilnuh in großer Menge 
Yacc'niium oxycoccus, Car^'j' liniosa, Viola palastrls u. a. StellenAveise 
(südlicli) tritt Andromeda sogar bestandbildend auf. 

Das in Jagen 40 gelegene r-ruste-Luch zeichnet sicli durch 
einen Riesenbestand von Ledmn palustre aus, der dieses mit Kiefern 
und Birken bestandene Sphagneto-Rhynehosporetum-Hochmoor trägt. 
Von anderen Begleitern sind noch anzutreffen Carpx l'nmm, Drosera 
rotundifol/a, Andromeda. Varcinia.m oxyroceas. 

Südlich schließt sich dann der Teerofensee an, dessen Ufer 
teils von Wiesen mit Saccisa und L/iuuii catJiarücam, teils von 
Kiefernwald umsäumt werden und dessen V.erlandungsvegetation aus 
Schilf und TyjjJ/a aru/asfJfoJia besteht. Der offenere, etwas foi-fige 
Sandboden am Ufer trägt viel Carex OeAerl, Saglna nodosa, AnayaUis 
ari'P)isis, Gtiaplialinui aliyinos/nit und G. Udeo-allnnn. 

5. Um den Kottbuser Berg (100,2 m) herum liegt eine Anzahl 
weiterer Moore, n'ämlich das tiefe Luch, Laken -Luch, Kessel- 
Luch und Trockene Luch, die in der Vegetation alle verschieden 
sind. So ist das tiefe Luch ein zwergholzreiches Hochmoor, in 
welchem Andromeda pollfoUa in ]Massenbeständen vorherrscht, 
Vaccinium oxycoccas sehr zahlreich. .Callana vulgaris und Ledum 
palastre nicht selten sind und auch andere Begleiter, wie Drosera 
rotandifoUa nicht fehlen. Stellenweise geht der Bestand in ein 
Molinietum und Juncetum aus Juncns effasus über. 

Bemerkenswert ist, daß Ledmn 'palustre vom. tiefen Luch aus 
weit in den benachbarten moosigen Kiefernwald vordringt und hier 
zusammen mit Vaccinium vitis idciea vorkommt. Birken und Kiefern 
fehlen. 

Das Laken-Luch ist dagegen ein SpJiayiuun-HoQlimooY mit 
zahlreichen Birken und Juncus eff'usus, das Kessel -Luch teils ein 
Rhynchosporetum {Rh. alba), teils ein fast reines Scheuchzerietum 
{Sc])euch>:eria palustris), in welchem nur ganz wenig Carex stricta 
und Eriopliorum. vayinatum vorkommen. Am Eande findet sich ein 
schöner Mischbestand von Ledmn pcdustre und Ccdluna vulgaris, der 
sich vom Moor aus tief in den benachbarten Kiefernwald hineinzieht. 

Das wenige Schritte östlich gelegene Trockene Luch ist da- 
gegen ein Caricetum mit einzelnen Tvieferu, wenig Iiligncliospora alha 



Die nördliche Niecleiiau.sitz. -'J 

und MoUn/a caerulea. Zur Zeit meiues Besuches enthielt das Luch 
ottenes Wasser. Interessant ist die große Verschiedenartigkeit der 
Vegetation in diesen oft nur wenige Schritte auseinanderliegenden, 
isolierten kleinen Mooren, die bei einzelnen Mooren geradezu über- 
raschend wirkt. 

b) Osten und Süden. 

üestlich der Linie Staackow — Schönhiihe — Tauer ist die Zahl 
der ]\[o()re und Seen sehr gering und die einzelnen Wasserstellen 
liegen meist viele Kilometer voneinander getrennt. 

G. Die Luchgruppe südlich von Staackow und ein namen- 
loses Luch in Jagen 96 der Herrschaftlichen Forst Lieberose 
sind sämtlich mehr oder weniger durch Kultur verändert und tragen 
mehr oder weniger den (Jharakter saurer A\'iesen oder Junceta 
(meist Jnuciis eff'iisufi) oder Cariceta. 

7. Der Großsee, etwa V^ km südöstlich von Schönhöhe, südlich 
der Kolonie und Försterei Teerofen, ist der größte See der ganzen 
(legend. Er liegt in einpr tiefen Einsenkung 63.4 m il M.. die selir 
steil . zum Seespiegel abfällt, im Xorden von Aeckern und Gärten, 
der Kolonie, sonst rings von Hochwald besten Standes umgeben. Die 
Verlandungszone ist. wie ich aus der Ferne feststellen konnte, nicht sehr 
Ijreit. Eine genauere Untersuchung des Sees war mir nicht möglieh. 

8. Etwa Vo km östlich liegt in Jagen 180 der Königlichen 
Forst Tauei- ein abgeschlossenes, gänzlich unberührtes Hochmoor. 
Es ist ein nasses, lebendes Sphagnetum, dessen mächtige Sphaguum- 
Bulten und -Rasen durchzogen sind von ScheiirJiTeria palastris, Carex 
I/iiiosa. C. canescens. C. pchinata, Erioplioriim pohistacliijum. Jmicns 
effnsufi u. a. Aiidromeda polifolia ist zahlreich und auch der in dem 
östlichen Teile unseres Gebietes sehr spärliche Sumpfporst Ledum 
pcdustre ist nicht'selten. Mit dichtem Netzwerk überspinnt die Moos- 
beere {Varcinhtm oxycoccus) die Polster, uuter denen auch einige 
dunkelgefärbte von Polytrklunn strictum auffallen. Drosera rotundifulia 
konnte ich m großer Menge in dem zurzeit unbetretbaren Hochmoore 
feststellen. Vereinzelte absterbende Kiefern und einige wenige 
Birkenbiische bilden den Baumbestand des ]\Ioores. 

Der sehr nasse Rand des Hochmoores ist umsäumt von 
schönem Farnbestand, besonders Asjndium ßix mas, A. spiiiulosuui 
und A. tlielyyteris gemischt mit Ledum u. a. 

Dieses zwar kleine^ aber völlig unberührte, isolierte Hochmoor 
ist botanisch sehr interessant, da es alle typischen Begleitpflanzen 
enthält und ein noch lebendes Hochmoor darstellt, dessen unan- 
getastete Ei'haltung für aUe Zeiten sehr zu wünschen wäre. 



100 E. Ulbrich: 

9. Die Calpenz nennt sich ein ziemlich ausgedehntes Moor- 
gebiet, das unmittelbar (»stlich vom Jiidenberge (90,3 m) bei 'J'auer 
am Drevvitzer Walde etwa 3 Kilometer südlich des eben erwähnten 
Hochmoores in der Königlichen Forst Taner an der Südgrenze der 
Jagen 24 nnd 25 liegt. Die Calpenz erfüllt eine flache Talsenkung, 
die von Westen nach Osten sich ein wenig senkt von 65,-3 auf 
05.1 m ü. M. Die umgebenden sandigen, mit ärmlichem Kiefern- 
walde bestandenen Höhen fallen auf der Nord- und Ostseite sanft 
zum Moore hin ab, sodaß das Moor hier bis tief hinein flacli bleibt; 
im Westen und Süden fallen die Ufer dagegen steil ab und das 
Moor hat hier eine bedeutende Tiefe. Die Calpenz stellt einen fast 
vollständig verlandeten See dar, von welchem an der Ostseite nur 
noch ein kleines Stückchen offenen Wassers übrig ist. Die Größe 
der Calpenz ist nicht unbedeutend: von Ost nach West beträgt der 
größte Durchmesser etwa 1 Kilometer, von Nord nacli Süd 800 Meter. 
Nur das Südufer ist gegliedert durch eine tief in das Moor vor- 
springende Landzunge, wogegen die übrigen Ufer ungegliedert sind. 
Die Vegetationsdecke hat in der Mitte und nach dem Osten zu noch 
keine sehr bedeutende Mächtigkeit, denn der Boden schwankt hier 
überall stark, sodaß ein Betreten ohne besondere Ausrüstung nicht 
ungefährlich, vielfach unmöglich ist. Von Gehölzen finden sich auf 
dem Moore nur einige wenige, einzeln stehende Kiefern von etwa 
1—2 m Höhe, die stark im Rückgang oder bereits völlig abgestorben 
sind. Schwingrasen sind vorherrschend, nur im Südwesten ist der 
Boden fest und ^bereits in Kultur genommen. Hier finden sich auch 
ehemalige Torfstiche, deren jetzt mit Wasser gefüllte Gräben und 
Gruben vielfach wieder durch Schwingrasen teilweise bedeckt sind. 
Im festeren Westteile der Calpenz 'ist der Baumbestand reichlicher: 
hier . finden sich Birken (Betiila jmhescenii) und Weiden (besonders 
SüHj- aurita), Erlen {Alnns (jlutmosa) und Rliammis ratharfica-Büsdie. 
Die Vegetation trägt im Westen und Norden den Charakter von 
Wiesenmooren: (Uiriceta sind vorherrschend. Im Süden und Osten 
herrscht dagegen vielfach Hochmoorcharakter vor. Einzelne Stellen 
sind fast reine Scheuchzerieta von ziemlich großer Ausdehnung, in 
denen fast nur Scliendiseria j^alnsfris, gemischt mit einigen wenigen 
Carex'-AriQYi und etwas Erioi^Jiorum auftritt. An anderen Stellen 
hat sich Torfmoos bereits in Menge angesiedelt und bildet dichte 
und hohe Polster und Rasen, die alle typischen Hochrtioorbegleiter 
enthalten. Interessante Pflanzengemeinschaften finden sich mehrfacli 
auf dem torfig-schlicKigen, (tffenen. nassen Sandboden am Nordnfer. 
Scij'pu:! ac!ctil((ris, Sr. piiuci/lnnt.^, .hnihis cap/tntiis. liadiitJa Vnioides, 



*Die nördliche NieckM'lausitz. 101 

Di'osera intermedia, Bwiiüirulas sceleratus sind hier mehrfacli anzu- 
treffen und garniclit selten zusammen' mit Lycopodimn inundatum. 
Neuerdings ist das Calpenzmoor durch Entwässerungsgräben 
stärker verändert worden und weitergehende Melioration im Gange. 

10. Wenige Schritte südöstlich der Calpenz liegt ein kleines 
unbenanntes Hochmoor in einer flachen Talsenkung, das sehr reich 
ist an Drosera rotnndifoUa, Yacc'ni'uuii ox/jcoccas. Rlnjnchospora alha 
und anderen Hochmoorarten. Ringsherum, namentlich auf der West- 
seite, ziehen sich Bestände von Jaiicus effasus und Gebüsche von 
Jiulnis und Moorbirken. Der Boden ist dicht bedeckt mit Polijtrichani 
r(»innniie. 

11. Etwa V:> Kilometer östlich liegt gleichfalls im. Drewitzer 
Walde das Pastiingsraoor und östlich anschließend die Pastling. 
ein idyllischer einsamer Waldsee. Moor und See erfüllen eine 
zusammen etwa einen Kilometer lange, in der Mitte tief eingeschnürte 
Talmulde, die an der engsten Stelle kaum 100 Meter breit ist und 
sich sowohl nach Osten wie nach ^^'esten auf etwa 500 Meter Breite 
erweitert. Die westliche, zu Dorf Drewitz gehörige Hälfte, ist völlig 
verlandet und erfüllt das Pastlingsmoor; die etwa ebenso große 
östliche Hälfte nimmt der zum Dorfe Grabko gehörige Pastlingsee 
ein. Erst in diesem Jahre. (1916) war es mir möglich, See und 
Moor zu besuchen. 

Gelegentlich der von der Staatlichen Stelle für Naturdenkmal- 
pflege veranstalteten Umfrage über zu erhaltende Moore, wurde auch 
das Pastlingsmoor in V;orschlag gebracht, und zwar wegen des Vor- 
kommens seltener Glazialrelikte wie Beüda nana. Lijcoiiodiam 
selüf/o u. a. Das westlich gelegene Pastlingsmoor ist ein nasses 
Hochmoor, in dessen Mitte eine kleine Insel liegt, die mit Moorkiefern 
]iestanden ist. Ein Betreten erwies sich wegen des ungewöhnlich 
hohen Wasserstandes in diesem nassen Jahre leider als unmöglich. 
Ich mußte mich daher darauf beschränken, vom Piande her, die 
Bestände zu untersuchen. Leitart ist für den größten Teil des Moores 
Carex ampidlacea in nassen Sphar/nuni-'Ra.SG\i mit Vaccinium oxycoccas, 
Andromeda polifolia, Carex ümosa, Kliijncliospora alba, Scheuclizeria 
palustri.'^, Drosera rofd)idifolia u. a. ■ Stellenweise ist augenscheinlich 
auch in trockeneren Jahren oöenes A\'asser vorhanden. Darin findet 
sich massenhaft J^tricularia minor und auch Potajiiof/eton- Arten und 
Xymphaea randida. In und an dem Kiefernbestande kommen große 
Mengen von Ledum palustre vor. Vielleicht auch die angegebene 
Betida nana oder B. liamilis. Das Vorkommen der letztgenannten 
Art scheint mir wahrscheinlicher, da sie sich ja auch weiter westlich 



102 E. Ulbrich: 

im Gebiete bei Jamlitz auf den Blasdori'er Wiesen fand. Das 
Pastlingsmoor scheint jedoch sehr reich und einer genaueren Unter- 
suchung wert. Ich hotfe zu günstigerer Zeit meinen Besuch ^Yieder- 
holen zu können. 

]->er Pastlingsee ist rings von ärmlichem Kiefernwald umgeben. 
Die Ufer werden von Gebüschen von Salix aurlta, S. inirinirca und 
anderen Weiden umsäumt, zwischen denen sich vielfach Sphwiinnn 
in großer Menge finden, übersponnen von Vaccmiivm oxyroccus. durch- 
setzt mit Meiiyanilies trifoliata, Gomarum palnstre. Ledum iialustre 
FeucedanuDi palustre u. a. Die eigentliche Verlandungsvegetation 
besteht vornehmlich aus Srirpns lacustrls; Schilf ist v/eniger vorhanden. 
Interessant ist, daß auch an diesem See Älcnyanthes 'trifoliata bis 
tief in den See vordringt und z. B. am Südwestufer die vorderste 
Zone einnimmt. Reich entwickelt sind Schwingrasen von Carex- 
Arten mit SjjJuiyn um. Cineraria palastris und den gewöhnlichen Hoch- 
raoorbegleitern. Am Ufer hndet sich an verschiedenen Stellen reichlich 
ütricularia vul/jaris und U. minor in seichtem Wasser. 

12. Etwa 2V2 Kilometer nördlich vom Pastlingsinoor, dicht an 
der E^ahrstraße Tauer — Bärenklau in Jagen 75 b der Königlichen 
Forst Tauer liegt KrolPs Lauch, ein einige Hektar großes Wald- 
moor, das als Uebergangs- und Hochmoor entwickelt ist. Die mir 
zur Verfügung stehende Zeit gestattete leider keine eingehendere 
Untersuchung. 

13. Zwei Kilometer nordwestlich liegt der id3dlische Kleinsee, 
an ihm die gleichnamige Försterei und Kolonie einsam im herrlichsten 
Hochwald, in welchem Eichen vorherrschen. Der See liegt 63,5 m ü. M. 
in einer tiefen Senkung und zeigt nur am Nordwestufer einige Moor- 
bildung, sonst nur eine ganz schmale Verlandnngszone von Schilf 
und Begleitarten entsprechend der Steilheit der Ufer. Ehemalige 
Moore östlich vom Kleinsee sind der Kultur erschlossen. 

14. Das gleiche Schicksal haben die meisten der Moore der 
Pinnower Höhen erlitten, die größtenteils jetzt umzäunte Wald- 
wiesen sind. Einzelne sind noch jetzt Junceta {Junrus effusus) oder 
Cariceta oder Mischungen dieser Gemeinschaften. Vieh Wirtschaft 
liat die ursprüngliche Vegetation fast vollständig vernichtet; nur 
Reste sind noch erhalten geblieben. 

15. Oestlich schließt sich an die Moorwiesengruppe der schmale, 
langgestreckte Pinnower See an, der größtenteils von dürftigem 
Kiefernwalde oder dürren Sand])lätzen umgeben ist. Da der See 
seine größte Ausdehnung in der Ost-West-Richtung hat, sind Nord- 



Die DÖrrllirhe Niedeiiausitz. lOij 

und Siidiifer aiisgeJebiit. i)st- und Westufer sehr schmal, die Yer- 
landungsvegetatiou infolgedessen nicht sehr reich. Eine schmale, 
lockere und niedrige Schilfzone, die nur am Ostufei- etwas üppiger 
ist. bildet die Hauptmasse der Verlandungsvegetation, gemischt mit 
Carex strida, TypJia latifolia u. a. Stellenweise tritt ßcirpiis lacnstns 
in fast reinen Beständen als einzige bestandbildende Uferpflanze auf. 
Erleubruch, gemischt mit einigen Weiden, säumt im Südosten das 
Ufer ein.. Das ganze Ostufer besitzt klaren, weißen Sandstrand fast 
ohne Pflanzenwuchs. Der infolge der Lage des Sees oft recht starke 
"Wellenschlag läßt eine Verlandungsvegetation nicht aufkommen. 

16. Etwa 2 km östlich vom Pinnower See, nördlich vom 
liUschker Berg, dicht bei dem Gut und Dörfchen Lübbinchen, liegt 
eine Anzalil kleinerer Moore, die aber auch durch Kultur stark ver- 
ändert sind. Meist hat hier die Benutzung als Viehweide (Rinder 
und Schafe) die ursprüngliche' Flora fast vernichtet und Ruderal- 
ptianzeii in Menge Eingang verschafft. Das ausgedehnteste dieser 
31oore, der Zwieten genannt, ist leider am stärksten durch die 
Viehtrift verändert, bietet infolgedessen botanisch nichts. Daß die 
Vegetation hier früher recht artenreich gewesen sein muß, beweisen 
zwei kleinere'Moore, die .südöstlich und südlich vom Zwieten liegen. 
Das südöstliche trägt noch Hochmoorcharakter: die Sphagnen haben 
der Einwirkung der Nutzung als Viehtrift zwar bereits fast voll- 
ständig weichen müssen, eine Reihe ihrer Begleitarten ist jedoch 
noch erhalten geblieben. So findet sich noch Drosera rotandifoUa 
zusammen mit Dr. intermedia in sehr großen Beständen, die den 
kahleren Torfboden mit leuchtender, rötlicher Decke überziehen, und 
stellenweise ebenfalls massenhaft Lycopodiuni iiiundatum. Von anderen 
hier beobachteten Arten seien noch erwähnt Bidens cenmiis, Ejjilohium 
paliistre, Lijcopus europaeus, Parnassia palustris. Leontodon tara.raroides 
(Thrincia liirta) und Masseubestände von Hydrocotyle valyaris und 
Viola palustris. In großen Mengen bedeckt auch Marchantia poly- 
niorplitt, zum Teil in hohen Formen, den toriigen Boden. Das noch 
vorhandene Wasser ist bedeckt mit HydrocJiaris morsus ranae und 
erfüllt von Utricularia rulyaris. 

Das südlich vom Zwieten gelegene Moor ist dagegen als Erlen- 
l)ruch entwickelt mit dichtem BJtamnus-Gehiiisc]! und reichem Farn- 
Ijestand (meist Aspidiuni spinulosuni) und dichtem Krautwuchs. 

c) Norden. 

17. Die Gegend um Klein- und Groß-Muckrow und Reichers- 
kreuz ist reich an kleinen und kleinsten Tümpeln und Lachen — ich 



104 E. Ulbrich: 

zählte gegen 60 —, die größtenteils den ('harakter von Heidetümpeln 
tragen. Am sandigen Ufer findet sich nicht selten Illecehrnni verti- 
cillatuni, zusammen mit Badlola Ihioldes, Veronica scutellata, Lycopodiuni 
Imtnäatum, Juncus capitatus und ähnlichen Begleitarten. 

18. Größere Seen liegen an der Nordostgrenze des von mir 
besuchten Gebietes: der Krügersee, Rähdensee, Möschensee 
und Chosse witzer See, von denen die drei erstgenannten 69 m, 
der letzte 65.2 m ü. M. hoch liegen. Ihre Ufer fallen sehr steil al), 
da die angrenzenden Höhen bis gegen 115 m hoch sind. Infolge- 
dessen ist die Verlandungszone bei allen sehr schmal und J\Ioor- 
bildungen fehlen, außer am Möschensee. Da diese Seen. für den 
Standort ineiner Untersuchungen zu entlegen waren^ konnte ich eine 
eingehendere Untersuchung leider nicht vornehmen. Bei der Art ihrer 
Lage dürften sie interessantere Arten bergen. 

2. Die Heide. 

Oestlich der südlichen Hälfte des langen Schwansees bei Jamlitz 
beginnt ein ausgedehntes Heidegebiet, das sich nach Osten bis in 
die Gegend von Keicherskreuz, nach Norden bis in die Gegend von 
Groß-Muckrow erstreckt, zur Königlichen Forst Dammendorf gehört 
und eine Bodeniläche von etwa zehn Quadratkilometern bedeckt, 
wenn man die bereits in Kultur genommenen Flächen al)rechnet. 

Der südliche Teil zwischen den Dörfern Staackow und Leeskow 
ist typische Calluna-Heide mit auffallend wenig Wacholder und 
SarotJuunnus und fast ganz ohne Kiefern. Die beiden letztgenannten 
Arten treten im östlichen und nördlichen Teile in der Gegend von 
Eeicherskreuz und Klein-Muckrow^ mehr hervor. Zwischen Leeskow 
und Klein-Muckrow ist die Heide vielfach von kleineren Kiefernwald- 
parzellen unterbrochen und in der Umgegend von Reicherskreuz geht 
sie in geschlossenen Kiefernwald mit viel Calluna und Juniperus 
über. Große Strecken in der Umgebung der genannten Ortschaften 
sind in Ackerland verwandelt, aus dessen Unkrautflora die bei uns 
nur sehr selten auftretende, gelbblütige, sparrige Linaria spartea (L.) 
Hoffm. et Lk. genannt sei. Diese aus dem westlichen Mittelmeer- 
gebiet stammende Art fand sich in großer Menge auf Aeckern süd- 
lich von Leeskow. Sie ist hier vermutlich mit Serradella-Samen 
eingeschleppt worden und trat so massenhaft auf, daß die nicht lauge 
vorher umgepflügten Aecker schon aus der Ferne gelb schimmerten. 

In der Gegend von Reicherskreuz wird Sarothamnus scoparius 
so zahlreich, daß die Heide dadurch vollkommen ihr Gepräge ändert 



Die nördliche Niederlausitz. lOo 

und zur SarotJiainims-Hiiide wird. Juniperus ist aber auch liier recht 
spärlich. Diese Art tritt in den nördlicheren Teilen des Heidegebietes 
südlich und östlich v.on Klein- und Groß-Muckrow in größerer Menge 
in schönen und mannigfachen Formen auf. Oestlich Klein-Muckrow 
fand sich auch ein ziemlich bedeutender Bestand von Ulex europaeus 
zusammen mit Calluna, .funiperüs, Epüohkun angusüfoUum, Sieglingiu 
decumhens. Festwu ovimi, Heüclirijsum arenarium und anderen typischen 
lleidearten. 

Die B'lora der Heide selbst bietet sonst wenig Bemerkenswertes. 
Außer den gewöhnlichen Heidebegleitern fand ich keine seltenen 
Arten. Bemerkenswert ist jedoch einmal das Auftreten eines ziemlich 
ausgedehnten Heidegebietes, das eines der östlichsten der Provinz 
Brandenburg ist, dann das Zurücktreten des Wacholders, das 
vielleicht aber wohl dem Einfluß des Menschen zuzuschreiben ist, 
und das Vorkommen des Stechginsters Ulex eurojmeus bei Klein- 
Muckrow und vielleicht auch sonst noch in dem Heidegebiete. Ich 
bin geneigt das Vorkommen für ursprüngiich zu halten, da die 
Bestände wüchsig und ziemlich reichlich waren. Die Möglichkeit 
der Anpflanzung ist jedoch bei dieser Art nicht ganz ausgeschlossen, 
da Ulex vielfach als Schaffutter angepflanzt wird. 

Aufforstungsversuche sind in der Dammendorfer Heide mehrfach 
gemacht worden und zwar vornehmlich mit Birken (Bdula verrucosa). 
Ein Eorstgarten liegt mitten im Gebiete. Botanisch interessanter 
sind einige flache Senkungen in der Heide in den Jagen 138/137 
und die zahlreichen Heidetümpel zwischen Keicherskreuz und Klein- 
und Groß-Muckrow. Sie tragen meist den Charakter lockerer Junceta 
{Junrus eßusus), wenn das Wasser nur flach in ihnen steht und im 
Laufe des Sommers verschwindet. Der oftene, torfig-sandige Boden 
bedeckt sich dann mit einer interessanten Mikro-Elora. Große Be- 
stände bildet iUeci^brwn rerticillatum^ das z. B. in Jagen 137/138 der 
Dammendorfer Heide so massenhaft in dem dortigen Forst -Versuchs- 
garten auftrat, daß es die Birkensämlinge teilweise erstickte und 
die beim Reinigen der Saatfelder entfernten Massen zur Verbesserung 
der Wege, verwendet wurden. Von anderen typischen Arten dieser 
feuchten Senkungen seien genannt: Li/copodium immdatun), Juncus 
capiMus, hufonius und supinus, Carex leporiua, Hi/pericum humifusmn, 
Radiola Imoides, Peplis portula. Die Senkungen mit noch off"enem 
Wasser, die mehrfach als tiefe, kreisrunde Strudellöchei' ausgebildet 
sind, bergen u. a. Potamogetön conipressus, Utricularia vulgaris, 
Sparganium simplex und affine, Xuphar pumilum (?), Sagittaria 
sagitäfolia, Polggonum liydropiper und ampJiibium, Callitriclie stagnalis, 



i06 - E. Ulbrich: Die nördliche Niederlausitz. 

Hottonia palustris, Bideiis cernmis, Alopecurus rjeniculatus, Glijceria 
fiidtans. 

Die genauere Untersuchung der sehr zahlreichen kleinen Tümpel 
— (las Gebiet um (Troß- und Jvlein-]\Iuckrnw und Keicherskreuz 
weist deren etwa 60 auf — dürfte wohl noch manche interessante 
Art erweisen. 



Veränderungen der Holsstruktur, 

Von 

F. Graf von Schwerin. 

(Mit 3 Figuren.) 

Die llolzstruktur kann sich bei ein und derselben Gehölzart 
aus zwei Gründen verändern. 

Zunächst kann der Standort auf die Eigenschaften des Gehölzes 
einwirken. vS. Defregger (Kufstein) gibt in den „Mitteilungen der 
Deutschen Dendrologischen Gesellschaft" 1905. S. 203, an, daß 
Lärchen, die in fetten, grasreichen Böden üppig wachsen (Gras- 
lärcheu), ein weicheres und weißliches, nur gegen die Mitte zu hell- 
rotes Holz haben, dessen Dauerhaftigkeit nur der des Kiefernholzes 
gleich geschätzt wird. Anders bei den Lärchen, die in steinigen 
oder festen lehmigen Böden wachsen (Steinlärchen). Diese pflegen 
die ersten 20 bis 30 Jahre rasch in die Höhe zu wachsen, dann 
aber nicht mehr viel an Höhe, sondern im Verhältnis mehr an Dicke 
zuzunehmen; sie haben dann, je sonniger der Standort ist und je 
älter sie werden, desto dunkelroteres Holz, das äußerst hart, über- 
aus dauerhaft, fast unverwüstlich und sehr wertvoll ist. Bei beiden 
beschriebenen Formen ist an lebenden Stämmen äußerlich kein 
Unterschied zu erkennen. Er zeigt sich erst nach dem Fällen der 
Stämme. 

Vorstehende Angaben Defreggers lehren, daß es sich bei 
den vorbeschriebenen Pflanzen nicht etwa um konstante botanische 
Formen oder Rassen, sondern lediglich um Standortsformen handelt. 
Würde man also Triebe von einer „Graslärche" auf junge Pflanzen 
veredeln, die auf Bodenarten stehen, die „Steinlärchen" hervorbringen, 
so würden diese Veredelungen nicht die Holzeigenschaften der Gras- 
lärche bewahren^ sondern voraussichtlich zu Steinlärchen werden. , 

Herr Peters (Holzhandlung Brügmann & Sohn), Lübeck, teilt 
auf Anfrage brieflich mit, daß er die gleichen Beobachtungen über 
die Einwirkung des Standortes auf die Struktur und überhaupt 



10«^ F. Graf von Schwerin; 

den ganzen Habitus der Stämme bei Lärchen sowie Kiefern ver- 
vschiedenster Arten schon immer gemacht habe, Beobachtungen, die 
sich ganz mit den vorstehenden Ausführungen declven. Das bestätige 
auch seine Beobachtung bei Lärchen im Ober-Engadin in Höhenlage 
von über 1500 bis 2000 m, die ein wunderbar kerniges, dunkelrotes 
Holz mit einem elfenbeinfarbigen nur ganz geringen Splint von 
ungefähr 1—2 cm Stärke zeigten. 

Auch der Harzgehalt soll vom Standort abhängen, - da alle 
Koniferen, je sonniger sie stehen, ein desto harzreicheres, also hoch- 
wertigeres Holz erhalten sollen; bei schattigem Standort umgekehrt. 

Nun kommen aber auch Holzveränderungen bei ein und der- 
selben Holzart vor, die nicht im mindesten von der Bodenart oder 
sonstigen Standortseigenschaften abhängig sind, da solche Pflanzen 
in ein und demselben Bestände mit den normalholzigen im Gemenge 
durcheinander stehen und erst nach dem Fällen erkannt werden 
können, falls nicht das Forstpersonal an geringen äußeren ]\Ierkma]en 
gelernt hat, die noch stehenden Bäume bezüglich ihrer Holzeigen- 
schaften zu unterscheiden. Bei nachstehenden Formen handelt es 
sich also zum Teil sicher, zum Teil wahrscheinlich um wirkliche 
botanische Formen oder Rassen, die als konstant zu betrachten sein 
dürften. Sie könnten durch ganz dünne Hokscheibchen auch in 
Herbarien darstellbar sein. Eine derartige umfangreiche Sammlung 
von Dünnschnitten befindet sich im Botanischen Institut der Land- 
wirtschaftlichen Hochschule zu Berlin. Es ist dies die bekannte 
Sammlung H. Nördlinger, die auch käuflich zu haben ist; sie 
besteht aus sehr schönen, etwa 1 dm- messenden Schnitten, die 
durch Holz und Rinde gleichzeitig geführt sind. 

In Württemberg wurde mir wiederholt mitgeteilt, daß den 
Tischlern und Drechslern zwei verschiedene Holzformen der Feld- 
rüster, Ulmus campestris. bekannt seien, eine mehr gelbholzige, 
weichere, und eine mit mehr rötlichem, festerem Holze, die ..Mutioliue" 
genannt werde. Beide Formen ■sollen nebeneinander zu finden sein, 
und sich äußerlich in nichts unterscheiden. Die betreifende Holz- 
eigenschaft kann erst nach dem Abholzen bei Oeft'nen des Stamm- 
holzes erkannt werden. 

Defregger,^ a. a. 0., gibt bezüglich der Fichte, Picea excelsa, 
ähnliches an. Er teilt sie ein in „widersonnige", gegen die 
Sonne, also links drehend wachsende (die gewöhnlicheren), und in 
„nachsonnige", nach der Sonne, also rechts drehende (die selteneren) 
oft in ganzen Wäldern überhaupt nicht vorkommende Fichten. 
Letztere werden von ganz besonderen Kennern schon am Wuchs, 



Veränderungen der Holzstruktur. lOJ 

im allgemeinen aber erst nach dem Abziehen des Bastes erkannt. 
Das Holz dieser letzteren soll geradspaltiger sein nnd sich beim 
Trocknen fast garnicht werfen, was für die ßan- und Möbeltischlerei 
von hohem A\''ert ist, sodaß sie früher sehr gesucht waren, Avährend 
das Handwerk in den letzten Jahrzehnten leider gleichgültiger da- 
gegen* geworden ist. Durch ihre Geradspaltigkeit wurden sie ganz 
besonders zur Herstellung der Schindeln gesucht. 

Noch eine dritte Holzvarietät kommt bei den Fichten vor, die 
„Ha sei flehte" genannt wird. ' Sie besitzt ein sehr gleichförmiges, 
hartes, gewelltes Holz, das unübertrefflich für die Resonanzböden 
aller Streichinstrumente ist und daher von Noi-dtirol nach Deutsch- 
land, von Südtirol nach Italien und Frankreich, besonders nach 
Paris, ausgeführt wird. Der berühmte Geigenbauer Amati soll 
diese Figenscliaften des Holzes am Klang erkannt und im Walde 
mit einem Hammer die Stämme abgeklopft haben, bis er einen fand, 
der im Ton seinen Wünschen am meisten entsprach. Nach Angabe 
des K: u. K. Forst-Oberkommissars soll die „Haselfichte" in der 



FiP-. 1. 



a) Zapfen der Haselfichte. b) Zapfen der typischen Fichte. 

Umgebung von Kufstein bis 30%, im nahen Thiersee sogar bis 
60 "/o des Fichtenbestandes ausmachen. Der Name soll von dem 
feinen haßelähnlichen Holze herkommen. Defregger gibt noch an, 
d^ß sie auch an der Schuppenlage der Zapfen erkennbar sei. Sie 
habe auffallend schräge Schuppenspiralen, während die tj^pische Fichte- 
fast wagerechte habe (siehe Fig. 1). Der Splint ist warzig, wollig, 
da aber frühere Jahresringe glatt gewachsen sein können, so werden 
sie von Käufeim meist daraufhin angebohrt. Weiter sollen sie auch 
an feinerem Wuchs und zarteren Nadeln erkennbar sein. 

Zu diesen Defregger" sehen Angaben wären folgende Be- 
merkungen zu machen. Jede Pflanzenart hat einen etwas drehenden 
A\'uchs; einq absolut gradlinig, also senkrecht wachsende Art dürfte 
kaum zu finden sein. Diese Drehung der Holzsäule hat für jede 
Art eine spezifische Richtung; entweder dreht die Art links oder 
sie dreht rechts, wie man es auch bei den Sclilinggewächsen 
beobachten kann. Mir ist nicht bekannt, daß es hiervon Ausnahme- 
fälle gibt, also, wenn ich mich so ausdrücken soll, „verkehrt drehende" 





110 ■ F. Graf von Schwerin: 

oder „verkelirt windende" Individuen oder gar Rassen ein und der- 
selben Art. Da die normale Fichte linksdrehend ist, so möchte 
ich, ehe ich die Stämme niclit selbst in Augenschein genommen 
habe, annehmen, die vorstehend als „nachsonnig", also rechtsdrehend 
beschriebenen Pflanzen drehen nicht wirklich rechts, sondern nur 
weniger links als die andern, sodaß sie fast aufrecht (nicht drehend) 
erscheinen. Für diese meine nur vorläufige Annahme spricht die 
Angabe, dal?, die nachsonnigen Fichten als „geradspaltig" 'bezeichnet 
werden, denn je geringer die Drehung, desto gei-adspaltiger ist 
das Holz. 

Ob es sich, bei der „Haselficlite" um eine Holzvariation oder 
wie bei der Lärche (siehe oben) nur um eine Standortsform handelt, 
ist nicht- ohne, weiteres festzustellen. Det feinere Wuchs, die 
zarteren Nadeln und vor allem die abweichende Zapfenschuppen- 
stellung sprechen für eine Varietät. Aus der obigen Beschreibung 
gellt jedoch hervor, daß das Holz bei einigen Stämmen durchweg 
wellig ist, während dies bei anderen Pflanzen erst in spätören Jahren 
eingetreten ist, und die inneren, also früheren Jahresringe glatt und 
nicht gewellt gewachsen sind. Durch letztere Beobachtung könnte 
man wieder auf eine Einwirkung des Standortes schließen, etwa in 
der Weise, daß die Pflanzen in den ersten Jahren noch unbehindert 
wuchsen, daß aber später die weitere Ausdehnung der Bewurzelung 
durch steinigen oder undurchlässigen Untergrund örtlich behindert 
wurde. Damit stimmt auch der feinere, also „spillerige" Wuchs und 
die „zarteren"' Nadeln überein. Es wäre noch zu untersuchen, 
ob die mehr oder weniger schräge Stellung der Zapfenschuppen 
ebenfalls von der Ernährung abhängt, wie es fast den An- 
schein hat. 

Dr. Wurm (Waldgeheimnisse S. 29, Kosmos-Verlag) beschreibt 
ebenfalls eingehend die ..Haselfichte" und führt als ihr äußerliches 
Merkmal die hängenden Sekundärtriebe an. Er schlägt die botanische 
Bezeichnung Picea excelsa alhens' vor, obwohl er „Beißner's Nadel- 
holzkunde" gelegentlich anführt, also daraus wissen müßte, daß für 
diese „Zottelfichte", „Trauerfichte" oder noch besser „Fahnen- 
fichte" bereits die Bezeichnung viminalis besteht. — Außer den 
peitschenschnurartigen von den horizontalen Aesten herabhängenden 
Sekundärzweigen wären die „Haselfichten" zu erkennen an der 
zarteren und glatteren Rinde, dem weißrindigen Frühjahrstriebe, und 
dem blendendweißen Holze, während die Nadeln nicht von denen 
der typischen Fichte unterschieden sind. Nach seinen weiteren Aus- 
führungen ist die r/iiihi/:tl/.^ mit der ..Hasel flehte" absolut identisch. 



Veriinderung'en der Holzstruktur. 111 

Auch bei den Birken selieint eine Holzvariation vorzukommen. 
HeiT von Bennigsen auf Waitze, Posen, jetzt Major in einem 
Armee- Hauptqiiavti er, berichtete brieflich, daß er bei russischen 
Drechslern Birkenholz von ganz eigentümlicher Struktur gefunden 
habe, und fügte Proben davon bei (s. Abbildungen). Bei oberfläch- 
lichem Hinsehen könnte es scheinen, als ob die Jahresringe in 
scharfem, spitzwinkligem Zickzack verlaufen. Da die Jahresringe 
nun den jährlichen Holzzuwachs anzeigen, so könnte man annehmen, 
die .Stämme seien in ihrer ganzen Länge mit tiefen Längsrimien 
versehen, also ähnlich, wie es an den untersten Stammteilen alter 
Uhnus cam})e>itrls mitunter zu sehen ist. Dies ist aber, wie der 
Querschnitt zeigt, durchaus nicht der Fall; Stämme und Aeste sind 
kreisrund. 

Untersucht man das Holz genauer, so erkennt man aber, daß 
die Zickzacklinien garuicht die Jahresringe sind. Die richtigen 
kreisrunden Jahresringe lassen si(di auch auf der Photographie noch 
sehr gut erkennen, obwohl sie sich wenig in der Farbe abheben und 
äußerst eng zusammen stehen, also: ganz schwacher Zuwachs und 
gToliö Holzfestigkeit. 

Nun ist es auffallend, daß die dunkelbraunen Sterulinien 
(|uer ditrch die Jahresringe hin und her gehen, doch ohne an der 
Oberfläche des Stammes unterbrochen zu werden; sie bleiben oft 
einheitlich' geschlossene Linien, müssen sich also erst in späterer 
Zeit innerhalb schon fertig ausgebildeter Jahresringe entwickelt 
haben. Ist dies durch eine im späteren Leben des Baumes ent- 
stehende plötzliche oder allmähliche Saftstockung überhaupt möglich? 
Die dunkelbraune Farbe • dieser Sternlinien könnte allerdings auf 
eine dünne Yermoderungsschicht deuten; wie sich diese aber durch 
Säftstockung ini Zickzack quer dtirch die Jahresringe bilden kann 
und dabei völlig zusammenhängend bleibt, ist schwer zu erklären. 
Sie scheint auch schon deswegen keine Moderschicht zu sein, weil 
sie nicht weich, sondern ebenso hart ist, wie das gelbweiße Holz 
daneben, wie Versuche mit einer Nadel oder einem spitzen Messer 
sofort erweisen. Auch da, wo zufällig einmal eine Spitze dieser 
. Sternlinie die Oberfläche des Holzes erreicht, ist nicht etwa eine 
Spalte, sondern vielmehr ein ganz besonders harter hervorstehender 
Maserknoten. Die dichte Bemaserung, der Oberfläche steht also 
augenscheinlich mit diesen bratmen Innenlinien in ursächlichem 
Zusammenhang. 

Die Aeste sind mit glatter typischer Birkenrinde bedeckt. Zieht 
man die Rinde aber ab, so zeigt sich die Oberfläche des Holzes wie 



112 



F. Graf von Schwerin: 






B 



C 



Fig. 2. , 
A) Querschnitt durch einen Stamm der Jvönigsbirlce" fvergl. S. 113). 
B) Gemaserte Oberfläche eines entrindeten Astes der Königsbirke. 
C) Längsschnitt eines solchen. 



Veränderungen der Holzstruktur. 



IIB 



mit einer dichten Maserung- bedeckt, die jedoch nicht knollig auftritt, 
sondern die g-anze Oberfläche des Holzes gleichmäßig überzieht. Ob 
e's sich, wie bei den meisten anderen Maserungen, um verholzende 
Adventivknospen handelt, konnte ich aus dem eingesandten Material 
nicht mit Sicherheit feststellen; dies scheint auch unwahrscheinlich, 
da die bei den Drechslern liegenden Stammstücke von über zwei 
Meter Länge ganz gleichmäßig außen und innen die beschriebene 

Struktur besitzen. Dieses eigentümliche 
Birkenholz kommt, wenigstens nach den 
Angaben der Handwerker, nur im Gou- 
vernement Minsk vor. Diese Birken haben 
angeblich eine krumme Gestalt und. werden 
nicht so hoch wie die gewöhnlichen Birken. 
Die Eussen nennen sie „Ivönigsbirken". 
Daß es sich nur um den Typus der gewöhn- 
lichen Sumpfbirke überhaupt handelt, kann 
ich nicht annehmen, da mir eine derartige 
Struktur ihres Holzes durch den ganzen 
Stamm nicht bekannt ist. . 

Auf dem Wege des Holziraportes scheint 
dies so beschaffene Birkenholz auch nach 
Deutschland zu kommen, denn die in den 
letzten Jahren Mode gewordenen kleinen 
zierlichen Zigarettendosen zeigen ganz die- 
selbe Struktur. Daß es sich nicht um 
deutsches Holzmaterial, also um die ge- 
wöhnliche Sumpfbirke, handelt, scheint der 
ganz enorme Preisaufschlag dieser Dosen 
zu beweisen, den sie jetzt im Kriege 
wohl wegen mangelnder Einfuhr dieser 




Fig. 3. 

Ast der „Königsbirke", 
teils mit, teils ohne Rinde 



Holzqualität erfahren haben. Auch in 
Petersburg ist von den Drechslereien eine 
Maserbirke zu solchen Arbeiten stark be- 
gehrt, die dort als „Karelische Sumpf- 
birke '' bezeichnet wird und aus dem finnländischen Gouvernenient 
Karelien stammen soll. Ohne Holz hiervon gesehen zu haben, kann 
ich nicht erkennen, ob es sich um dieselbe Birke handelt, wie die 
Minsker Königsbirke. 

Herr Ritter (Lübecker Hobel werk) teilt mir mit, daß die ihm 
mitgesandte beschriebene Holzart schon seit langer Zeit in Deutsch- 
land unter' dem Namen „Maserbirke" bekannt ist. Die Birke ist 

Verhaiidl, des Bot. Vereins f. Braiidenb. LX. ' o 



114 F. Graf von Schwerin: 

ZU ]Mübelii sehr wenig verwendet worden, weil das Holz des Baumes 
für Brettersclmitt wenig nutzbar ist. Aus der Birke sind infolge- 
dessen liauptsäclilicli Dreclislerarbeiten gefertigt worden, insbesondere 
seien in Wilna und Minsk größere Dreclislereien, die sicli mit der 
Herstellung von Zigarettenetuis, Dosen, Aschbechern usw. befassen. 
Diese Gegenstände sind in Friedenszeiten sehr billig zu haben. In 
Deutschland kommt die Birke nicht vor, oft ist dagegen stark bork- 
gallige Birke, die in Deutschland in einzelnen (iregenden wächst, 
mit der „IMaserbirke" verwechselt worden; das ist 'aber, wie schon 
bemerkt, ein Irrtum, die „Maserbirke" wächst nicht in Deutschland. 

Herr Peters-Lübeck fügt hinzu, daß die in starken Maserungen 
ausfalle-nden Stammteile von Birken aus keiner einen besonderen 
Namen tragenden Birke bezw. besonderen Trieben gewachsen sind, 
sondern daß es sich auch in diesem Falle nur um di(? . gewöhnliche 
Birke, handelt. Der angegebene Name „Königsbirke" wird in Ost- 
preußen bei recht weißfallenden, also bei den hellsten Birken ange- 
wendet, hängt aber nicht mit besonders gemaserten Hölzern zusammen. 
Die Maserung rühre wohl immer aus einer durch krankhaften Wuchs 
hervorgerufenen Saftstockung her und lindet sich in der Eegel im 
Stammende, kurz oberhalb der Wurzeln aufwärts, und zwar zeigen 
sich die Stämme , in durch die Saftstockung hervorgerufenem lang- 
samerem Wachstum gewöhnlich in verdicktem Ansatz. Bei dem 
einen Stamm erstreckt sich dies auf ein kurzes, bei dem andern auf 
ein längeres Stück. Auch kann es vorkommen, daß sich ähnliehe 
Partien, noch später höher in weiterem Wachstum . des Baumes von 
neuem zeigen. Eine besondere Art der Birke, die speziell diese 
Eigenschaft hat, ist nicht bekannt. Starke Maserungen finden sich 
auch häufig bei der Rüster. Die Angabe Ritters (s. o.) bestätigt, 
daß die betr. Birke namentlich in der Minsker r4egend wachsen 
müsse. Dagegen schränkt diese Mitteilung die vorstehenden Angaben 
doch 'nicht ganz ein. Es kommen unter unseren Birken in Ost- 
preußen und auch wohl überall sehr viele Stämme vor, die die 
(Charaktereigenschaft der starken Maserung aus dem angeführten 
Orunde von einer periodischen krankhaften Saftstockung haben, 
bezw. auf solche zurückzuführen sind, und zwar nicht nur in ein- 
zelnen CTegenden, sondern überall, wo Birken waclisen, jedoch be- 
sonders in Ost])reußen. 

Auch bei Nußbäumen tritft man starke Maserung, aber meist 
bei der italienischen und deutschen Nuß, Jugla'm rer/ia, nicht aber 
bei den amerikanischen Arten, die schliclit wachsen, und auch bei 
der iOiciU^ Ist l)ei der Bii'ke. wenn es sidi iiielit um die übli<'lie 



Veränderungen der Holistruktur. ll'J 

Art der Maserbirke handelt, Saftstockung' die Ursache, so ist es bei 
der Eiche eine vielfach vorkommende Spieg-elbildung im Kern des 
Holzes, die der Saft nicht passieren kann und nm welche hernm er 
seinen Aufgang machen muß. ■ 

Herr Kluth, Lübeckischer Oberförster, teilt mit: Es kommen 
in den Lübeckischen Forsten Birken mit Maserbildung vor, die ich 
aber nicht als eine besondere Art ansehe. Bei ihrem äußeren Habitus 
gleichen sie den ungemaserten Birkenstämmen vollständig; ich führe 
diese Maserung auf Knospenwucherung zurück'. 

Herr Professor Dr. E'. Jahn, Charlottenburg, der so gütig war, 
das vorbeschriebene Birkenmaterial zu untersuchen, teilt darüber 
folgendes mit: 

Leider ist das Kambium selbst an den Holzstücken nicht er- 
halten; trotzdem bleibt kein Zweifel, daß die merkwürdige Maserung 
des Holzes einer abnormen Tätigkeit des Kambiums ihren L'rsprung 
verdankt. Schon an jugendlichen Zweigen tritt eine lokale Stockung 
der Kambiumtätigkeit ein, gewöhnlich in Form eines Streifens. Nach 
einiger Zeit wird, wenn vom Kambium mehr Holz abgeschieden ist, 
jeder Streifen als eine sch\varze Einne im Holzzylinder erscheinen. 
An allen anderen Stellen geht die normale Holzbildung- weiter, sodaß 
regelmäßig pai-allele Jahresringe vorhanden sind. Während der 
folgenden Jahre bleibt die Stockung an derselben Stelle, die Rinne 
oder Mulde erhält sich also; sie wird aber nicht radial gerade nach 
außen geschoben, sondern wandert langsam in tangentialer Richtung. 
Dabei nähern sich natürlich verschiedene Rinnen allmählich so weit, 
daß die zwischen ihnen liegende Kambiumzone schließlich wie eine 
vorspringende Nase erscheint. Sind sie aufeinander gestoßen, so 
scheint die Störung gewöhnlich zu verschwinden. Oft tritt auch das 
normale Bildungsgewebe in eine Mulde ein und spaltet sie, sodaß 
man auf dem Querschnitt von jetzt an zwei divergierende schwarze 
Spuren verfolgen kann, die schließlich nach einig-en Jahren mit 
anderen zusammenstoßen und wieder verschwinden. Durch diese 
Störungen scheinen namentlich die Alarkstrahlen in ihrem Verlauf 
abgelenkt oder im Bau verändert zu werden. Auch die Elemente 
des Holzes selbst scheinen kleiner und starkwandiger zu sein als im 
normalen Holz der Birke. So erklärt sich die größere Festigkeit 
und Dichtigkeit des Holzes. 

Hiernach scheint es sich bei dem vorliegenden Fall um eine 
erbliche Abnormität des Kambiums zu handeln. Man muß bedenken, 
daß solche Abnormitäten in allen Bildungsgeweben voi-kommen; die 

8* 



IK) F. Graf von Schwerin: Veränderungen der Holzstruktur. 

abnorme Korkbildung- mancher Gehölze z. B. ist eine Wucherung des 
Korkbildung'sgewebes, die Fasziationen sind Abnormitäten des Vege- 
tationspunktes usw. Dort ist die Erblichkeit nachg-ewiesen; hier 
würde sie sich wohl auch nachweisen lassen. Schon die geographische 
Verbreitung- der Form spricht dafür. 



' Ueber das Variieren 
der Pflansen in ihrer chemischen Zusammensetzung. 

Von 

F. Graf von Schwerin. 

Die Möglichkeit zum Variieren besteht nach jeder Eichtung hin, 
also auch in der chemischen Zusammensetzung der einzelnen Pflanzen- 
teile. Ich brauche nur an den verschiedenen Geruch der einzelnen 
Rosensorten und den verschiedenen Geschmack der Obstsorten zu 
erinnern. Aber auch das Laub und das Holz ist solchen Ver- 
änderungen unterworfen. So erwähnt P. Müller^) (Baumschnlbesitzer 
in Jüngsfeld), daß an einzelnen Formen der Chamaecyioaris Lcuvsoniana 
die rote Spinne sehr stark auftritt. Ebenso habe ich die Beobachtung 
gemacht, daß einzelne Formen von Acer clasycarpmn und Acer 
Pseucloplcdanus in manchen Jahren sehr stark von Schildläusen be- 
fallen wurden, während unmittelbar daneben stehende Reihen anderer 
Formen derselben Arten wenig oder überhaupt nicht mit Schildläusen 
besetzt waren. Es geht hieraus hervor, daß der Zuckergehalt der 
Triebe bei verschiedenen Formen ein und derselben Art verschieden 
sein kann. 

Opiz (Seznam [1852] 9) belegte ein Acer Pseuclojjlatanus mit 
dem Namen Ac. melUodorum ; das Exemplar ist nur noch in Herbarien 
(Prag) vorhanden, wo im getrockneten Zustande natürlich kein Geruch 
wahrnehmbar ist. Nach meiner Beobachtung haben alle Blüten 
sämtlicher kultivierten Varietäten und Formen der Urlen (Berg- 
Ahorne) den gleichen schwachen Honiggeruch. Möglich, daß Opiz 
beim Sammeln seiner Pflanze zum erstenmale diesen Geruch entdeckte 
und nun glaubte, er sei nur diesem einen Exemplar eigen, möglich 
aber auch, daß bei diesem ein, gegenüber anderen Pflanzen der 
gleichen Art, sehr verstärkter Honiggeruch vorhanden war. Acer 



1) Müller, P. (Handelsblatt f. d. D. Gartenbau 1917, S. 383). 



118 F. Graf von Schwerin: 

melüodorum ist ein nomeii nudum. so daß nichts mit Sicherheit 
festgestellt werden kann. Ein Irrtum konnte für Opiz jedoch 
insofern möglich sein, als alle mehr oder weniger duftenden Blüten 
hei heißem Sonnenschein erhehlich stärker duften, als an kühlen 
oder überhaupt sonnenscheinlosen Tagen. . 

Daß in mehr nördlichen Gegenden die Laubblätter von BäumeU; 
die im Herbst normaler Weise gelb werden, sich orange oder rot 
färben, ist zunächst kein Variieren der betreuenden Pflanze, sondern 
eine von klimatischen Faktoren bedingte Erscheinung. 

Ich brachte 1911 den ganzen September in Livland zu und 
war überrascht und erstaunt über die herrliche Herbstfärbung vieler 
Clehölze. Si)itzahorne {Acer lüatanoicles) und Pappeln {Populus trenmla), 
die bei uns eine rein gelbe Herbstfärbung besitzen, zeigten ein so 
leuchtendes Orange, wie es selten bei anderen (Tehölzen zu finden 
ist, auch die Ulmen färbten leicht orange. Sorbus Aucuparui hatte 
ganz allgemein dunkelrote Blätter, noch viel intensiver als die Rot- 
eiche; nur die Birken, Eschen und Linden blieben, wie bei uns, 
gelb. Da die vorgenannten Arten die in Livland am häufigsten 
vorkommenden Laubgehölze sind, so strahlten die AValdränder und 
die Gärten in einer herbstlichen Farbenpracht, wie wir sie sonst 
nur aus Beschreibungen der Ufervegetation der großen amerikanischen 
Seen kennen. 

Es wäre nun verkehrt, zu glauben, daß diese livländischen 
Pflanzen besondere Farben Varietäten seien, so daß die mit dort 
geschnittenen Reisern veredelten und dann im wärmeren Klima 
kultivierten Pflanzen diese prächtige Färbung bewahren würden. 
Sie ist vielmehr eine Folge der im nördlichen Rußland ganz unge- 
wöhnlich großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. 
Die Septembersonne überschreitet mittags oft noch 20 Grad, während 
die Temperatur nachts nicht selten bis auf — 2 Grad sinkt. Dieser 
schnelle tägliche Wechsel bewirkt im Blatte chemische Veränderungen, 
die eine mehr rötliehe Färbung auslösen, was bei uns nur mitunter 
bei der Zitterpappel (Espe) geschieht. 

Nicht zu verwechseln mit dieser natürlichen Herbstfärbung ist 
die häufig zu beobachtende rote Ivrankheitsfärbung, die verletzte 
oder sonstwie kümmernde Pflanzen, ^auch oft nur einzelne Aeste, im 
Herbst annehmen. Solche rotkolorierende Acer platanoides^ Frnnns 
seroüna u. a. haben schon oft zu der Annahme geführt, man habe 
eine rotfärbende Varietät entdeckt, die sich durch Veredlung ver- 
mehren lasse, was, da es nur eine vorübergehende Krankheits- 
erscheinung war. natürlich nicht der Fall ist. 



lieber das Variiereu der Pflanzen usw. 11 J 

Eine andere Erscheinung dieses starken und schnellen Teraperatur- 
wechsels ist das ..Durchsichtig"-Werden mancher A})felsorten. d. h. 
die Frucht bekommt ein wachsartiges Aussehen und hat innen, 
trotzdem das Fleisch durchaus fest bleibt, eine Farbe etwa wie 
dünnes Apfelmus (Eisapfel), ohne deshalb an Geschmack zu verliereu. 
im Gegenteil. Dieselben Arten nach Deutschland verpflanzt, zeigen 
diese Veränderung nicht mehr oder nur in sehr geringem Grade, 
der beste Beweis, daß klimatische Einwirkung der alleinige Grund 
dieser Erscheinung ist. 

Es ist als sicher festgestellt, daß Beziehungen zwischen kälteren 
Standorten einerseits und Anthocyan- (bezw. Zucker-) Gehalt der 
Blätter andererseits bestehen.') Es zeigt sich also ein Hervortreten 
des Cha.rakters der Anthocyanbildung nach Norden hin. Mithin 
müßte, wie bei allen Standortsformen, der Nachwuchs (die Sämlinge) 
dieser nördlichen rot und rötlich kolorierenden Pflanzen; ebenso wie 
die Veredelungen (s. o.), w^ieder eine gelbe Herbstfärbung erhalten, 
sobald er in' wärmeres Klima zurückgebracht würde. Dies ist aber 
nicht allgemein zutreffend. Die Untersuchungen Fr. Toblers'') an 
HMera haben ergeben, daß die Fähigkeit der Anthocyan- 
bildung (bezw. Unfähigkeit der Stärkebildung) -sich an nörd- 
licheren Standorten ausbildet, aber dann als ein sich 
unabhängig vom Standort erhaltendes, vererbbares Merk- 
mal erscheinen, also zu einer bleibenden Varietät oder Form 
führen kann. Diese wichtige Beobachtung läßt das Vorkommen 
vieler Varietäten auch im Bezirke des Typus der betr. Pflanzenart 
erklären, da die Samen so mancher Standortsformen durch Samen- 
flug oder Vögel wieder in das ursprüng-liche Verbreitungszentrum 
zurückgebracht sein können; sie ist überhaupt für das Studium der 
Formenbildung von ganz besonderer Wichtigkeit! 

Zucker wirkt als Schutzmittel gegen Erfrieren, Avie bei allen 
rot- und violettrindigen Varietäten bekannt; Gerbstoff' wirkt hemmend 
auf die Keimung von Pilzsporen und das Vorkommen organischer 
Säure macht z. B. gewisse Getreidesorten widerstandsfähig ^QgOrW 
Brand- nüd Rostpilze. Zu allen diesen Wirkungen genügt das Vor- 
handensein der genannten Substanzen in nur äußerst geringfügig 



2) Pfeffer, W., Pflanzenphysiologie I (Leipzig 1897), S. 514. — Overton, F., 
Betrachtungen und Versuche über das Auftreten von rotem Zellsaft bei Pflanzen 
(Jahrb. f; wiss. Bot. 1899, XXXIII, S. 173). 

^) Tobler, Fr., Die Gattung Hedera (Jena, G. Fischer 1912, S. 105); Die 
physiologische Bedeutung des Anthocyans bei Hedera (Festschrift d. mediz. 
naturhist. Gesellsch. Münster 1912)." 



l-'J F. Graf von Schwerin: 

vermehrtem Grade (wie es ja auch Prinzip der Homoeopathie ist). 
Nach Angaben Prof. Brich" s'*) ist die Widerstandskraft 
solcher Sorten vererblich, mithin auch das bleibende ver- 
mehrte Vorhandensein jener chemischen Bestandteile 
(Anthocyan etc.). 

Das wärraeabsorbierende Vermögen des Anthocyans haben 
Kuy, Stahl und Whitten') durch eingehende ]\Iessungen und Ver- 
gleiche dargetan. Wenn B. Lidforß'') Beispiele angibt, daß auch 
bei Gehölzen einige rotblättrige Formen sich in einzelnen Fällen 
gegen Kälte weniger widerstandsfähig erwiesen haben, als die 
grünen Stammformen, so gesteht er schließlich doch zu, daß diese 
Ausnahmen von der Regel je nach den äußeren Umständen eintreten 
dürften. Ich habe die (von anderer Seite bestrittene) Erfahrung 
gemacht, daß in den meisten — nicht allen — - Phallen die Winter- 
festigkeit der Pflanze von der Provenienz des Samens abhängt. Säm- 
linge der typischen Quercns x^edunculata und des Acer Pseudoplatanus 
aus der Umgegend von Florenz froren bei mir in der Mark selbst 
in milden Wintern alljährlich zurück: bei CJirunaecyparis Lcuvsoniana 
imd Fseudotsur/a Douf/Iasii viridis hciha ich ähnliches beobachten können. 
Ist eine rotblättrige Form daher i]i einem milderen Klima 
entstanden, so kann sie, nach einem härteren Klima ver- 
bracht, trotz ihres AnthocyangehaHes sehr wohl weniger 
winterfest sein, als die grüne Form, die an dem neuen^ 
kälteren Pflanzort einheimisch ist. 

Ferner ist zu berücksichtigen, daß die meisten rotblätterigen 
Formen auch rötlichere oder doch dunklere Rinde produzieren. 
Diese erwärmt sich nach den Messungen Whitten's a. a. 0. bei 
hellem Sonnenschein erheblich stärker, als die grüne Rinde. Hier- 
durch müssen die betreffenden Triebe früher austreiben 
oder doch früher saf.treicher werden, als die grünen. Treten 
dann stärkere Nachtfröste ein, so werden sie trotz ihres 
Anthocyangehaltes leichter von niedrigen Temperaturen' 
geschädigt, als die in der Entwicklung weiter zurück- 



*) Brick, Entartung unserer Kulturpflanzen (Vortrag im Natürwiss 
Verein, Hamburg, 2. 1. 18). 

') Kny, L., Zur physiologischen Bedeutung des Anthocyans (Atti del 
Congresso botanico internazionale Genova 1892, S. 135). — Stahl, E., Ueber 
bunte Laubblätter (Ann. du Jard. bot. Buitenzorg XIII, 1896, S. 137). — 
Whitten, Das Verhältnis der Farbe zur Tötung von Pfirsichknospen durch 
Winterfrost (Inaug.-Diss. Halle 1902). 

■''0 Lidforß, B., Ueber den biologischen Effekt des Anthocyans (Lund; 
Botaniska Nx)tiser 1909, S. 65). 



/ Ueber das Variieren der Pflanzen usw. 121 

stehenden grimen Triebe. Aelinliche Beobachtungen machte 
Bitter'), der für einige Arten die wachstumfördernde Eigenschaft 
des roten Pigmentes bespricht. 

Die l'ntersuchungen von Tischler und Hryniewicki be- 
stätigen, daß die rotgefärbten Formen eine größere Resistenz gegen 
Kälte besitzen, als die grünen derselben Arten. Tischler^) führt 
hierfür eine Anzahl gleicher Beobachtungen sowohl seitens Botaniker 
wie seitens Pflauzenzüchter an. Wenn W bitten in einzelnen Fällen 
das Gegenteil beobachtet haben will^ so kann einerseits mangel- 
hafte Vergleichung, andererseits das von mir vorerwähnte oft frühere 
Austreiben der roten Formen hierzu die Ursache sein. Auch von 
letzterem Umstände wurde schließlich das Gegenteil behauptet''), 
während Griffon wieder das Unrichtige dieser Jumelle'sch'en Be- 
hauptung nachwies. 

Die Tatsache, daß die roten Formen widerstandsfähiger gegen 
Kälte sind als die grünen, ist von besonderem pflanzengeographischen 
Interesse; sie erhält, wie auch Tischler bestätigt, eine große 
Wichtigkeit für die Lehre von dem Entstehen neuer Arten. Nach 
de Vries^'^) sind die samenbeständigen elementaren Arten auf dem 
Wege der Mutation entstanden. Wäre dies aber ausschließlich und 
ohne andere Ursachen der Fall, so wäre es unmöglich, daß Pflanzen 
durch das Hervorbringen von rotem Pigment sich einem härteren 
Klima anpassen könnten. Daß letzteres aber, wenigstens bei vielen 
Formen, tatsächlich der Fall sein kann, glaube ich mit meinen vor- 
stehenden Darlegungen bewiesen zu haben. Auch Kerner 
von Marilaun^^) glaubte zu derselben Erkenntnis zu kommen, da 
er beobachtete, daß von allen Tieflandpflanzen, die er in seinem sehr 
hoch gelegenen Alpeugarten kultivierte, nur diejenigen gut fort- 
kamen, die hier Rotfärbung annahmen. 

Wenn nun Tischler, 1. c, meint, die auf solche Weise ent- 
standenen Arten seien nicht samenbeständig, so möchte ich dies 



') Bitter, Dichroismus und Pleochroismus als Rassencharaktere (Fest- 
schrift zu Aschersons 70. Geburtstage, Berlin 1904, S. 158). 

**) Tischler, G., Ueber die Beziehungen der Anthocyanbildung zur 
Winterhärte der Pflanzen (Beiheft z. Bot. Centralbl. XVIII, Abt. 1, 1905, S. 452 ff); 
vergl. auch Fr. Tobler m Engler's Bot. Jahrb. XXXVIII. (1906), S. 9 des 
Litt. Ber. 

^) Jumelle, in Buscalioni e Pollacci, Le Antocianine ed il loro signifi- 
cato biologico (Atti del Ist. Bot. d. Univ. Pavia, N. Ser. VIII, S. 135, Mailand 
1904); dazu Ref. von Fr. Tobler, a. a. 0., S. 5 des Litt. Ber. 

1") De Vries, Die Mutationstheorie I, S. 597 ff.; Leipzig 1901. 

") Kerner von Marilaun, Pflanzenleben I, S. 364; Leipzig 



1-2 F. Graf von Schwerin: Ueljer das ^^1riicren der Pflanzen usvi\ 

bezweifeln, da nach den oben angeführten Beobachtungen Toblers 
sich sogar die im kälteren Klima rotfärbenden Formen als samen- 
beständig auch im wärmeren Klima erwiesen haben. , 

üebrigens Avird die Eotfärbung nicht nur durch tiefe Tempe- 
raturen begünstigt, sondern auch durch Licht. Ich konnte durch 
langjährige Beobachtungen feststellen, daß das Laub der Blutbuchen 
eine bedeutend intensivere und dunklere Färbung erhält, wenn 
Avährend der Periode des Heranwachsens der jungen Blätter der 
Himmel wolkenlos war. In Jahren, wo die noch nicht ausgereiften 
Blättchen keinen oder wenig Sonnenschein fanden, blieb die Farbe 
für das ganze Jahr hindurch stumpfer und heller. Auch die im 
Schatten des Außenlaubes liegenden Blätter sind bei allen rot- 
blättrigen (^ehölzen weniger intensiv gefärbt, als die der Sonne 
ausgesetzten,, und spielen mehr ins Grünliche. 

Verringern irgendwelche chemischen Veränderungen für die 
betreffenden Pflanzen die Widerstandsfähigkeit gegen den Befall 
mit Krankheiten oder tierischen und pflanzlichen Schädlingen, so 
merzt im allgemeinen die Natur die anfälligeren Formen allmählich 
von selbst aus. Wir sehen dies z. B. an der „La France"-Eose, 
manchen Kartoffelsorten, Malvenformen und vielen anderen Pflanzen. 
Die ungeschlechtliche Vermehrung hat, wie längst bewiesen, nicht 
das mindeste mit einem allgemeinen Rückgang zu tun. Die angeblich 
wegen Steckliugsvermehrung seit 1879 (dem Jahre ungewöhnlich 
großer Frostschäden) absterbenden Pyramidenpappeln tun im Rheintal 
und in anderen wärmeren Gegenden Deutschlands den Anhängern 
jener ganz willkürlichen und vor allem unbewiesenen Annahme nicht 
den Gefallen, sondern sind kerngesund'^), ebenso der gesamte junge 
Stecklings-Nachwuchs seit 1880. Erst durch den harten Winter 
1916 17 sind erneute Schäden entstanden. 



*'-) Graf von Sfchwei'in, F., Das Absterben der Pyramidenpappeln (in 
Mitt. d. D. Dendrol. Ges. 1002, S. 63 (S. 442 des Neudrucks), und 1904, S. 107). 



Zur Eeurteihng der Gfenussfähigkeit 
von Aznanita pantherina. 

Von 

Professor Dr. H. Raebiger, 

(Leiter der Pilzbestimmiiiig-sstelle des Bakteriologischen Instituts 
der Landwirtschaftskammer in Halle a. S.). 

Im vergangenen Jahre hat ß. Kolkwitz in diesen Verh. LIX. 
1917 (1918), S. 151, einen Aufsatz über die (jiftigkeit von Amnwta 
pmitlierlüü verütfentlicht, zu dem ich mir auf Grund der neueren 
Literatur und mehrjähriger eigenen Erfahrungen nachstehende Be- 
merkungen gestatte. 

Nicht nur Gramberg bezeichnet den Pantherschwamm nach 
Abziehen der Oberhaut als guten Speisepilz, sondern auch Michael 
(Führer für Pilzfrennde. Verlag Förster e^: Borries, Zwickau i. Sa.) 
sagt, daß er eine vortrelf liehe Speise abgibt. 

Walther (Taschenbuch für deutsche Pilzsammler, Verlag 
Hesse lV:. Becker, Leipzig, 1917) betont, daß der Schwamm nach 
Entfernung der Oberhaut zweifellos ohne Schaden für die Gesundheit 
gegessen werden kann und auch Schnegg schließt sich dieser 
Meinung an, indem er ihn in seinem Buche über „Unsere Giftpilze 
und ihre eßbai'en Doppelgänger" (Verlag Dr. Frz. Jos. AM")ller. 
München. 1918) überhaupt nicht anführt. 

Weiterhin weist Obermeyer (Pilz -Büchlein II, Verlag 
(-J. K. Lutz, Stuttgart, 2. Auflage) darauf hin, daß der Pantherpilz 
in abgehäutetem Zustande in Sachsen und Böhmen gegessen wird. 

Ferner ist mir von Pilzsachverständigen, wie Staritz-Ziebigk 
bei Dessau, Hinterthür-Schwanebeck und A. Schulze-Nossen, 
bekannt, daß sie den Pantherschwamm auf ihren Pilzwanderungen 
als eßbar bezeichnen. 

Herrfurth behandelte kürzlich in Heft 7/8 1918 des ..Pilz- 
und Kräuterfrennd" (Verlag August Henning, Nürnberg, Tucherstr. 20) 
ausführlich die Frage, ob Perl- und Pantherpilz wirklich verdächtig 



i'-i H. Raebiger: Zur Beurteilung der Genußfähigkeit usw. 

oder giftig sind. Er hat sich mit diesen Pilzen über 33 Jahre 
besonders beschäftigt nnd Iveine Gelegenheit versäumt, die Er- 
fahrungen alter erprobter Pilzsammler in den verschiedenen (legenden 
auszuforschen, lieber 30 Jahre steht er nunmehr auf dem Stand- 
punkt, daß beide Arten, vorausgesetzt natürlich im frischen Zustande, 
ohne Ausnahme zu genießen sind, wenn sie ihrer Oberhaut ent- 
kleidet werden. 

Ich sel))st habe den Pantherpilz seit Jahren iji den verschiedensten 
Teilen unserer Provinz und des Herzogtums' Anhalt gesammelt und 
in mannigfaltiger Zubereitung ganze, nur aus dieser Pilzform be: 
stehende Gerichte ohne Gesundheitsschädigung genossen. Es ist 
allerdings gleich beim Einsammeln die Oberhaut des Hutes abgezogen 
sowie der Stiel geschält und bei der Zubereitung das erste Brüh- 
wasser abgegossen worden. 

In dem von Kolkwitz erwähnten Ealle hat dagegen die bei 
verdächtigen Schwämmen stets zu beachtende Vorsichtsmaßregel des 
Abgießens des Kochwassers keine Berücksichtigung gefunden, denn 
er schreibt ausdi'ücklich, daß das benutzte Wasser zur Ver- 
wendung kam. ■ 

Außerdem hat er die eingesammelten Pilze, die die Jvrankheits- 
erscheinungen hervorgerufen haben, nicht selbst gesehen, so daß der 
Verdacht besteht, daß die ihm nachträglich vorgelegten Exemplare 
seitens der betroffenen Personen verwechselt worden sind, zumal 
derartige Irrtümer bei der verbleichenden Form des Fliegenpilzes 
und anderen giftverdächtigen oder ungenießbaren Amanitaarten -den 
wenig erfahrenen Sammlern schon unterlaufen sind. 

Näheres über die Verwertung der Pilze unter besonderer Be- 
rücksichtigung der als giftig oder verdächtig bezeichneten Schwämme 
habe ich in einer Denkschrift niedergelegt, die in Heft 24, Jahr- 
gang 27, und Heft 1 — 3 bezw. 5, Jahrgang 28/1917 der Zeitschrift 
für Fleisch- und Milchhygiene (Verlag Rieh. Schoetz, Berlin SW. 18) 
veröffentlicht ist. 



Hans Foerster. 

Nachruf von Th. Loesener. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 21. Dezember 1917).') 

Die Wissenschaft und besonders die Naturdenkmalspfieg-e hat 
abermals den Verlust eines Mannes zu beklagen, der von einer 
glühenden Liebe zu den Schöpfung-en der Natur erfüllt mit außer- 
gew (ihn lieh er Tatkraft für die Ziele g^ewirkt hat, für die auch unser 
Verein von jeher eingetreten ist. Dr. Hans Foerster in Barmen 
er^ag am 6. Dezember 1917 einem langen schmerzvollen Leiden. 

Er war geboren am 10. September 1864 zu Pirna in Sachsen 
als Sohn des damaligen Rechtsanwalts und Notars, späteren Justiz- 
rats, Paul Eugen Foerster. Schon in frühen Jahren mußte er 
das Elternhaus seiner schwerleidenden Mutter wegen verlassen und 
wurde einige Jahre bei einem Pastor erzogen, der ihn für die Fürsten- 
schule St. Afra in Meißen vorbereitete. Ln Jahre 1884 bezog er 
die großherzogl. technische Hoehschule in Karlsruhe in Baden und 
studierte dort Chemie bis zum Jahre 1887. Zugleich war er bei der 
Burschenschaft Teutonia eingetreten und mit Begeisterung vertrat 
er die burschenschaftlichen Ideale. Danach ging er nach Freiburg i. B. 
und promovierte dort 1889 „multa cum laude". 

Nach vorübergehender Beschäftigung in einer Zuckerfabrik in 
der Nähe von Liegnitz erhielt er eine Anstellung als Betriebsleiter 
in den Farbenfabriken von Dahl cV: A\'ülfing in Elberfeld-Barmen im 
Frühjahr 1890, die ihm die Möglichkeit bot, einen Hausstand zu 
gründen; und so verheiratete er sich 1893 mit Fräulein Elise Mayer, 
die er schon in Karlsruhe lieb gewonnen hatte. Eine überaus glück- 
liche Ehe hat nunmehr ihren Abschluß gefunden; außer der Witwe 
trauern ein Sohn und eine Tochter um den zu früh Verstorbenen. 



Die in den folgenden Zeilen enthaltenen biographischen Angaben 
wurden mir von der Witw^e des Verstorbenen freundlichst zur Verfügung 
gestellt, wofür ich ihr auch an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank 
ausspreche. 



126 Th. Loesener: _ 

Außer seiner Dissertation (siehe Schriftenverzeidmis) hat 
Foerster keine Arbeiten chemischen Inhaltes verötfentlicht. Was 
er in der Farbenindustrie an Erfindungen, N&uerungen und Vej- 
> besserungen in dem unter seiner Leitung stehenden Werke erzielte, 
konnte wohl von der Firma, der es zugute kam, anerkannt werden, 
aber aus begreiflichen Oründen natürlich nicht zur Veröffentlichung 
gelangen. 

Neben seiner beruflichen Tätigkeit beschäftigte sich Foerster 
in seinen Mußestunden viel mit bur sehen scliaf fliehen Arbeiten, sowie 
mit der Niederschrift der Erlebnisse und Eindrücke, die er a,uf 
seinen verschiedenen Eeisen gewonnen hatte. ,Ueber einzelne Ab- 
schnitte dieser Tagebücher hielt er gelegentlich auch Vorträge in 
Vereinen vor einem größeren Zuhörerkreise. Später wandte er sich 
seiner angeborenen Neigung folgend in den letzten zehn Jahren 
besonders auch den Bestrebungen des Heimatschutzes und der Natur- 
denkmalspflege zu. Er war es hauptsächlich, auf dessen Betreiben 
im Februar 1910 das Bergische Komitee für Naturdenkmal- 
pflege gegründet wurde, das er bis zu seinem Tode als Vorsitzender 
geleitet hat. Den Interessen dieser Vereinigung widmete er seither 
den größten Teil der ihm übrig bleibenden freien Stunden. An den 
Verhandlungen nahm er fast immer persönlich Teil. Jeden Sonntag 
benutzte er zu Ausflügen, um im (xebiete des Bergischen Landes 
Beobachtungen in der Tier- und besonders in der Pflanzenwell 
zu machen, bemerkenswerte Funde einzutragen, Messungen an 
besonders alten und schönen Bäumen auszuführen, und all die vielen 
Vorarbeiten zu leisten, wenn es sich darum handelte, die Aufmerk- 
samkeit der leiten'den Kreise auf eine schutzbedürftige Art oder ein 
besonders schönes, ehrwürdiges oder irgendwie merkwürdiges Exem- 
plar usw. zu lenken. Keine Mühe ließ er sich da verdrießen, keine 
AVitterung konnte ihn abschrecken, kein Weg war ihm zu weit. 
Freilich niul'N er auch über eine sehr erfreuliche körperliche Leistungs- 
fähigkeit und Zähigkeit vei-fügt haben. Konnte er doch noch in den 
letzten Lebensjahren Tagemärsche von 50 — 60 Kilometer Länge 
mühelos zurücklegen. Und so war er durch seine zahlreichen und 
ausgedehnten Wanderungen auch bei der Landbevölkerung bald so 
bekannt geworden, daß es im Gebiete des Bergischen Komitees, wie. 
Oberlehrer Paeckelmann berichtet, kaum einen Bauer gäbe, der 
Foerster nicht kannte.'^) Durch seine offene und freundliche Weise mit 



*) H. Conwentz, Beitr. zur Naturdenkmalpfl. IV; 1914, S. 366 (Bericht 
des Bergischen Komitees von W. Paeckelmann auf der 0. Konferenz für 
Naturdenkmalpfl., S. 42). 



Nnchriif auf Hans Foerster. 127 

den Leuten zu verkelireu, hatte er es verstaudeu, sich ihr Vertrauen 
zu erwerben, für seine Bestrebungen Verständnis zu erwecken und 
manchen von ihnen so veranlaßt, Exemplare auf ihren Gehöften zu 
schonen, die sonst wahrscheinlich der Axt zum Opfer gefallen wären. 

Auch durch Vorti'äge und Verötf'entlichungen suchte er in diesem 
Sinne zu wirken. Einen solchen durch Lichtbilder erläuterten Vor- 
trag, den er am 2. 12. 1916 auf der 8. Naturschutzkonfei-enz im 
alten Botanischen Museum in Berlin-Schöneberg vor Kriegsbeschädig- 
ten über „Heimatliebe und Naturschutz" hielt, konnte der Verfasser 
dieser Zeilen mit anhören und sich dabei überzeugen, welches Interesse 
und was für Begeisterung Foerster bei seinen Zuhörern zu wecken 
verstand. Mehrere Aufsätze veröffentlichte er im Sountagsblatt der 
„Barmer Zeitung" über die bemerkenswertesten Bäume im Bergisch- 
Märkischen Lande. Bei der Herausgabe der „Mitteilungen" des 
Bergischen Komitees .war Foerster wohl der tätigste ]\Iitarbeiter. 
Außer verschiedenen, anderen Arbeiten veröffentlichte er darin auch 
einen inhaltreichen Nachtrag zu seinen Artikeln in der „BarmerZeitung". 
Mit der Herausgabe eines zusammenfassenden größeren, mit 15 schönen 
Tafeln ausgestatteten Werkes über seine bisherigen Ergebnisse, eines 
„Baumbuches", in dem ein nach Regierungsbezirken und Kreisen 
geordnetes Inventar aller bemerkenswerten Bäume des L-rebietes 
gegeben wird, war er beschäftigt, als ihn der Tod ereilte. Doch 
hat er wenigstens den größten Teil der Korrekturen noch erledigen 
können.^) 

Von allen Pflanzen aber war es die Hülse, Ihx Aqn/folium L., 
die der Verstorbene am meisten in sein Herz geschlossen hatte. 
Ihre Lebensbedingungen, blütenmorphologischen und biologischen 
Verhältnisse, ihre Verbreitung in seiner Gegend, und alle Fragen, 
die mit ihr irgendwie in Zusammenhang stehen, hatten ganz besonders 
seine Aufmerksamkeit wachgerufen. In einer sehr anregend ge- 
schriebenen längeren Arbeit, die unter dem Titel „Die Hülse oder 
Stechpalme, ein Naturdenkmal" als besonderes Heft der von der 
Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege herausgegebenen „Vorträge 
und Aufsätze" erschienen ist, hat er seine Beobachtungen über diese 
Pflanze zusammengestellt. Darin macht er u. a. auf die bemerkens- 
werte Tatsache aufmerksam, daß spontane Hülsenkeimpflanzen oder 
aus solchen, und nicht aus Wurzelausschlägen, hervorgegangene 
iunge Pflänzchen so außerordentlich selten anzutreffen seien. Be- 



*) Nach einem von H. Conwentz und F. Moewes verfaßten, warm emp- 
fundenen Nachrufe vom 14. XII. 1917, der von der Staatl. Stelle für. Naturdenk- 
inalpflege in Preußen an die Komitees f. Naturdenkmalpfl. versandt worden ist. 



128 Th. Loesener: 

solidere Beachtung verdient auch der von ihm beschriebene Fall von 
Geschlechtswechsel, den er an einem mächtigen, alten, ursprünglich 
weiblichen Hülsenexemplar, das er einige Jahre später männlicl) 
blühend wieder antraf, beobachtet hat und das, nach Ankauf durch 
das Bergische Komitee, unter dem Namen „Dr. Foerster-Hülse" grund- 
buchamtlich eingetragen, nunmehr als Naturdenkmal gesichert ist. 

Die Beschäftigung mit der Stechpalme führte auch mich mit 
Fo erster zusammen und bald hatte sich ein lebhafter Briefwechsel 
über die Natur dieser eigenartigen Pflanze zwischen uns entwickelt, 
der uns auch persönlich näher brachte. Für die Zeit nach dem 
Kriege waren gemeinschaftliche Ausflüge nach den wichtigeren Stand- 
orten geplant. Es trat der Tod dazwischen. Ein heimtückisches 
Leiden, das in seinen ersten Anfängen bis zum Beginn des Jahres 1912 
zurückreichte, machte wiederholte Kiefernoperationen notwendig. Nach' 
der siebenten, die im April 1917 vollzogen werden mußte, konnte der 
x\rzt seinen Angehörigen den Ernst des krebsartigen Zustandes nicht 
mehr verbergen. Doch blieb der hoffnungslos Kranke selber trotz der 
heftigsten Schmerzen, die ihn tagsüber und nachts quälten, bis an 
sein Ende hoffnungsfroh und tätig mit eiserner Energie. Auch ich 
verliere in dem Entschlafenen einen liebenswerten, lebensfrohen und 
so arbeitsfreudigen Freund. 

Unser Verein hatte Fo erster in Anerkennung seiner Verdienste 
um die floristische Erforschung des Bergischen Landes und um die 
Naturschutzbestrebungen erst vor kurzem zum korrespondierenden 
Mitgliede ernannt. Dieselbe Ehrung hatte ihm auch die Natur- 
wissenschaftliche Gesellschaft Isis in Dresden zum Ausdruck gebracht. 

Seine selbstlose Schaffensfreudigkeit bleibe uns ein Vorbikl. 
sein Andenken bei uns in Ehren! 



Verzeichnis seiner S c li r i f t e n. 
Beiträge zur Kenntnis des Diphenyltrichloraethans und seiner Homo- 
logen, Inaugural-Dissertat. E'reiburg i. Br. 1889. 
Hervorragende und eigenartige Bäume im Bergiscli-Märkischen Lande. 
L Sonntagsblatt zur Barmer Zeitung Nr. 88 vom IG. April 1910. 
Desgl. IL a. a. 0. Nr. 248 und 254 vom 22. und 29. Oktober 1910. 
72 vom 25. März 1911. 
129 und 134 vom 3. und 10. Juni 1911. 
289 vom 9. Dezember 1911. ' 
105 und 111 vom 4. und 11. Mai 1912. 
Nr. 223 und 229 vom 21. und 28. September 1912. 



III. 


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Nr 


IV. 


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V. 


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Nachruf auf Hans Foerster. 1-^^^ 

Desgl. vm. a. a. 0. Nr. 85 und 91 vom 12. und 19. April 1913. 
„ IX. ,. Nr. 227 und' 233 vom 27. Sept. und 4. Okt. 1913. 

„ X. „ Nr. ()8. 74- und 80 vom 21. und 28. März und 

, 4. April 1914. 
Bergisclies Komitee für Naturdenkmalpfleg'e. Barmer Zeitung Nr. 251, 

Jahrgang 1911. 
Zum Schutze der Hülsen. Sonntagshlatt zur Barmer Zeitung- Nr. 35 

vom 10. Februar 1912. 
Pflanzen und Tiere in Tümpeln und Teichen des Bergischen Landes, 

ihre Gefährdung- und ihr Schutz. A. a. 0. Nr. 271 vom 16. No- 
vember 1912. 
Naturdenkmäler im Oberbergischen. Mitteilung-en des Rheinischen 

Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz. 5. Jahrg., 1912, 

Heft 3. 
Die Stechpalme oder Hülse {IUt afßdfolium). Zeitschrift „Natur". 

Leipzig (Th. Thomas), 1913, Heft 18. 
Die Stechpalme als Naturdenkmal. Mitteilungen des Bergischen 

Komitees für Naturdenkmalpflege. Heft 1, Elberfeld (B. Hart- 
mann), 1913, p. 11 — 20, mit 5 Abbildungen. 
Naturdenkmalpflege. Vortrags-Sammlung des Informationskursüs für 

weibliche Jugendpflege vom 7. bis 10. Juni 1913 in Barmen. 

Herausgegeben vom Ausschuß für weibliche Jugendpflege in 

Barmen. 
Etwas über alte dicke Bäume. Wanderbuch für die Bärmer Jugend, 

2. Jahrgang, 1913. 
Wanderungen zu Naturdenkmälern, IL „Im Oberbergischen". Barmer 

Zeitung Nr. 188 vom 13. August 1913, und andere Tagesblätter. 
Die Hülsen. Heimatschutz-Flugblatt für Volk und Jugend im Bergischen 

Lande. Herausgegeben vom Rheinischen Verein für Denkmal- 
pflege und Heimatschutz, sowie vom Bergischen- Komitee für 

Naturdenkmalpflege, Dezember 1913. 
Wanderungen zu Naturdenkmälern, IV. „Im Banne der Homert". 

Barmer Zeitung Nr. 27 vom 2. Februar 1914, und andere 

Tagesblätter. 
Naturschutz und Natui'denkmalpflege. Rheinischer Bauer, 32. Jahrg., 

Nr. 7 vom 14. Februar 1914. (Cöln, Vereinsschrift des Rhein. 

Bauern-Vereins.) 
Desgl. Landwirtschaftl. Zeitschrift für die Rheinprovinz, 15. Jahrg. 

(neue Folge) Nr. 7, Bonn, 13. Februar 1914. 
Desgl. Feld und Wald, landwirtschaftlicher i^nzeiger für ganz 

Deutschland, 33. Jahrg., Nr. 12. Essen (Ruhr), 20. März 1914. 

Verhancil. des Bot. Vereins f. Brandenb. LX. n 



130 Th. Loesener: Nachi'uf auf Hans Foerster. 

Schützt die Natur! Waiiderbiicli für die Barmer Jugend, 3. Jahrg., 

1914. 
Natuvschutzwanderungen in der Kriegszeit. Mitteilungen des Berg. 

Komitees für Naturdenkmalpflege^ Heft 2/3, 1916, S. 1—7,. mit 

Abbildungen. 
Die Kerspetalsperre. A. a. 0., S. 16 — 18, mit Kartenskizze. 
Der Wald in den Naturschutzgebieten (nämlich der Kerspetalsperre). 

A. a. 0., S. 18—19. 
Die höher stehenden Pilze in den Naturschutzgebieten. Desgl. 

A. a. 0., S. 27—28. 
Hervorragende und eigenartige Bäume im Bergisch-Märkischen Lande. 

Nachtrag zu den Baumartikeln 1 — 10. A. a. 0., S. 52 — 104, 

mit 3 Abbildungen. 
Die Hülse oder Stechpalme, ein Naturdenkmal, in „Naturdenkmäler", 

Vorträge und Aufsätze, herausgegeben von der Staatlichen 

Stelle für Naturdenkmalpflege, Band II, 3. Heft 13. Berlin 

(Gebr. Borntraeger) 1916. 47 Seiten. 
Bäume in Berg und Mark sowie einigen angrenzenden Landesteilen. 

Herausgegeben vom Bergischen Komitee für Naturdenkmalpflege. 

Berlin 1918, Gebr. Borntraeger. 168 Seiten und 15 Tafeln. 
Einiges über Ilex aquifolium L. im Bergischen Lande und seinen 

angrenzenden Gebieten, in Mitteilungen der Deutsch. Dendrolog. 

Gesellschaft 1919 (noch nicht erschienen). 



Bericht über den Ausflug 
des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg 
in das Tal der oberen Löcknitz am 25. Mai 1918. 

Von 

H. Harms. 

Wie in den vergangenen Kriegsjaliren. so liaben wir auch 
diesmal von einer Friilijalirsversammlung- abgesehen und uns auf 
einen Frühjalirsansflug beschränkt. Unser zweiter Vorsitzender, 
Herr K. Jahn, schlug das östlich von Erkner gelegene Gebiet der 
oberen Löcknitz vor, das der Verein noch nicht besucht hatte. Die 
Herren Jahn, Duysen, Osterwald und Schumacher trafen auf 
einer Vorexkursion die nötigen Vorbereitungen; ganz besonderer 
Dank gebührt den Herren F. Schumacher, der die Gegend von 'einem 
vierjährigen ilufenthalt im Dorfe Kagel (östlich von Rüdersdorf) gut 
kennt und uns auf die wichtigsten floristischen Besonderheiten- des 
Gebietes hingewiesen hat, und E. Ulbrich, der uns seine während 
des Ausflugs geraachten Notizen für den Bericht zur Verfügung stellte. 

Am Sonntag, den 26. Mai 1918, trafen auf dem Bahnhof Fang- 
schleuse um Yoll Uhr über 30 Teilnehmer des Ausfluges ein, denen 
sich , später noch Herr Osterwald zugesellte. Außer zahlreichen 
Mitgliedern des Vereins, unter denen sich viele ältere befanden (wie z. B. 
die Herren Bock, Born, Charton, Gerber, Kammann, Loeske, 
Matzdorff, Strauß u. a.) nahmen an dem von prächtigem sonnigem, 
aber kühlem Wanderwetter begünstigten Ausfluge noch mehrere 
Gäste teil, die Herren Zoologen Dr. Paul Schulze (Charlottenburg) 
und Regierungsrat Dr. Zeller. sowie Herr Dr. Bullrich, ferner 
unser Kollege Herr P. Düsen aus Schweden, der verdienstvolle 
Erforscher der südamerikanischen Flora und angesehene Bryologe, 
außerdem die Töchter unserer Mitglieder, Fräulein Gerber und 
Fräulein Matzdorff. Wir alle aber mußten die erstaunliche Rüstig- 
keit unseres hochbetagten Ehrenmitgliedes Herrn L. Wittmack 
bewundern, den der mehrstündige Weg nicht ermüdete. 

■ 9* 



132 H. Harms: 

Nach einem anfangs einförmigen Wege längs der Bahn von 
Fangschleuse ostwärts dnrch Kiefernwald (mit einer eigenartigen 
Mischflora von Kiefern- und Lanbwaldbegleitern: Convcdlaria'majaiis. 
Majantlipmiim MfoUum, Pohjfjonatnm officincde, Vincetoxienm officinale. 
Oenista rjermcmwa und pilosa, Campanida persicifoUa, Eamincidus 
hulbosus, Arahis arenosa, Silene nntans, Vicia anfjustlfolia), wobei 
uns ein einzelnes Exemplar von Osmunda regatis (zusammen mit 
Pteridium, Vaccinium vitis idaea und myrüllus) überraschte, über- 
schritten wir die Bahn, um nach Klein -Wall zu gelangen. 
Hier bemerkte man u. a. ein Exemplar der bekanntlich bei Küders- 
dorf in großen Mengen auftretenden, bei uns eingeschleppten 
osteuropäischen Crucifere Bunias orientalis. Herr Loeske fand an 
der Brücke das seltene Moos Ambhjstegmm Jnraiilamim. Zwischen 
dem Bahnübergang und Kl. Wall: im Kiefernhochwald vereinzelt 
Scorzonera Jiimülls, Ramischia secnnda, Siegl'mgia decumhens und 
Polygonatmn officinale; in einem Luch links vom Wege viel Orrltis 
IcdifoUa und incarncda, Triglochin jjcdustre, Creiris pahidosa, Bestände 
von Carex diandra, panirulata n. a. Bei Kl. Wall viele schöne 
Linden und Spitzahornbäume; im Wasser der Löcknitz viele See- 
rosen {Nupliar luteum) mit Wasserblättern. Von Kl. Wall an wird 
der Wald üppiger, mit grasigem Untergrund {Arrlicriatlierum elcdins). 
Wir betreten das von ziemlich breitem Wiesengürtel umsäumte Tal 
der oberen Löcknitz. Streckenweise sind die Kiefern zur Harz- 
gewinnung angeschlagen; sie liefern freilich meist nur spärliche 
Ausbeute, doch der Krieg hat zu dieser Maßnahme gezwungen, da 
uns das sonst aus dem Auslande bezogene Harz fehlt. In diesem 
Waldgebiete bis nach Rüdersdorf ist Astragcdus danicus^) nicht selten. 
Eine zweite im (jrebiete recht verbreitete bemerkenswerte Art ist 
die bereits erwähnte Scorzonera Jiumiüs'^). 

Die größtenteils sumpfigen oder nassen Wiesen des Löcknitz- 
tales bieten die für solche charakteristische Flora, z. B. Eriophorum 
polgstachyum, Carex dioica, flava., Oederi, panicea u. a., OrcJiis latifolia, 
0. incarnata, Valeriana dioica, Polygala amara (bemerkenswert, weil ' 
auf nassem Boden, in Moospolstern), Lysimachia tJiyrsi/lora. Hieracia^rn 
auricula, Polygala comosa, Caltha jjcditstris. ^ 

Im Kiefernwalde finden sich u. a. Ulmaria'pentapetala, Tludictrnni 
flexu.osum, Peucedanum oreoselinum, Astragalus danicu..'^, Polygala 



Ascherson, Fl. Prov. Brdbg. 154: Rüdersdorfer Kalkberge (als 
A. hypoglottis). 

^) Ascherson, 1. c 371: Friedrichshagen; Woltersdorfer Schleuse. 



Bericht über den Ausflug in das Tal der oberen Löcknitz. loo 

vulf/aris und seltsamerweise in beträchtlicher Menge Äsperala tindona, 
eine Art sonniger Hügel und trockner WäldeiV die nur sehr zerstreut 
in der Mark auftritt''). Ferner Galium horeale, Arahls Mrsuta. Selinum 
carrifoUa, YieUa,di Tri foUiuii al2)estre, vereinzelt Tiu-ritis (jlahra. Die 
interessanteste Pflanze dieser AVälder ist die lieblich duftende, lila- 
bläulich blühende Scorzonera jmiyurea^), die wir mehrfach in Blüte 
antrafen, besonders bei den Eabenbergen. Dort fand sich auch 
Polygala vulgaris mit weißen Blüten. Am Anfang des Postfenns 
konnten wir einen Standort der bereits in voller Blüte stehenden 
Linnaea horealis besichtigen, die hier an mehreren Stellen sich 
findet. Nach Ascherson (1. c. 270). der übrigens diesen Standort 
noch nicht nennt, blüht die Pflanze etwa vom 5. bis 20. Juni (also 
nicht vor seinem Geburtstage, dem 4. Juni); die ungewöhnlich frühe 
Blütezeit hängt olfenbar mit dem warmen April des Jahres zu- 
sammen. Im Postfenn, das einen ausgedehnten, fast reinen Bestand 
von Eriopliorum vaginatum bietet, wurden u. a. beobachtet: Ledum 
palnstre (stellenweise mit CJtrgsomgjri Ledi\ daher vielleicht der Name 
Porstfenn) und Vaccinium oxycoccus reichlich blühend, Sphagnum 
cnspidatmn viel im Wasser der Torfstiche; im Kiefernwald am Fenn 
Lgcopodiuvi clauatum und in der Nähe (nach Schumacher) Pirola 
uniflora. — Vom Postfenn ging es durch den Wald nach Alt-Büchhorst 
{Ruhus saxaülis, Astragalus dcuiicus, Genista germanica, Scorzonera 
JiuiniUs); auf dem Wege Aira praecox und ihr steter Begleiter 
cargopJiyllea, viel Potentilla venia, vereinzelt Cynoglossum ofßcinale. 
Frst gegen 3 Uhr trafen wir in Alt-Buchhorst am MöUensee ein, 
wo wir in Wilh. Haase's Gasthaus zu Mittag aßen. Unser Ehren- 
mitglied, Hferr J. Winkelmann (Stettin), hatte in einem Schreiben 
an Herrn Jahn sein Bedauern ausgesprochen, daß er wegen Er- 
krankung an dem Ausfluge nicht teilnehmen konnte. Einen Gruß 
sandte uns auch der z. Z. an der Westfront kämpfende Herr 
Nauwerck.'^) 



^) Ascherson, 1. c. 272: Zw. Friedrichshagen und Schöneiche; Rüdersdorf. 
Kalkberge. 

■') Der Standort oder ein nahegelegener ist in Ascherson's Fl. 372 nicht 
genannt; vielen Mitgliedern des Vereins ist die seltene Art aus der Umgegend 
von Potsdam (Baumgartenbrück) bekannt. Ascherson nennt sie eine der 
schönsten Pflanzen unserer Flora; der Wohlgeruch (etwas vanille-ähnlich) ver- 
schwindet bald nach dem Aufblühen. 

°) Unser hoffnungsvolles kenntnisreiches Mitglied, A. Nauwerck, Ober- 
lehrer an der Oberrealschule in Berlin-Steglitz, ist bald darauf, nachdem er 
noch einen kurzen Heimatsurlaub genossen hatte, am 24. Juni 1918 auf dem 
westlichen Kriegsschauplatze gefallen. 



134 H. Harms: 

Auf dem Wege von Alt-Bucliliorst nach Eüdersdorf, der durch 
teilweise etwas hügeliges Gebiet und schönen Wald führt und manche 
Abwechselung bietet, wurden wieder Astnujaliia danicns und IScorzonera 
liuiiüUs bemerkt. Auch Eanüschla secunda kommt hier vor, ferner 
Firola minor vereinzelt. Raniincidus polyantlieiiios, viel Siloie nutans 
mid Läpp a iicniorosa, in schönen Gruppen .d_y'«Y/« fjeiieueiisis, in einem 
Eichen- und Birkenbestand viel Lathyrus nwntaiuis in verschiedenen 
Formen. In einem A\''aldtümi)el rechts vom Wege wuchsen Lysünaclda 
tliyrsiflora, Ixanancidas cupiaüUs und /laninuda; auf einem Kiefern- 
baumstumpf Stemoniüs fUivcida. »Schließlich schwindet der ^^'ald und 
wir betreten die Felder vor dem hochgelegenen Dorf lUidersdorf, 
auf denen uns u. a. Antliemis ridhenka auffiel. Dann ging es abwärts 
in den Alten Grund, wo im Gasthaus zum Dampfboot Kattee ge- 
trunken wurde. Nach G Uhr unternahm man dann noch unter der 
Führung von Herrn Schumacher einen halbstündigen Spaziergang 
in die Kalkberge {Süpja capülata spärlich an einer Stelle. Aiienione 
silvestris, Viola Jdrta, Salvia pratensis. Ash-ayidiis anmarias). Um 7 Uhr 
fuhren wir mit der Straßenbahn nach h'riedrichshagen zurück. Während 
der Fahrt fiel uns bald hinter Kalkberge ein Kieferngehölz mit 
prächtig blühendem Ginster {Sarodiauuias scoparius) auf; bei Schön- 
eiche b^mei'kte man an einer Stelle einige Bäume von Castanm sativa^ 
und Prunus serotina als Alleebäume. 

Der vortreftlich gelungene Ausflug hatte den Teilnehmern 
mannigfache Anregung und Belehrung geboten und wird vielleicht 
manche ■ veranlassen, diese wenig bekannte Gegend noch einmal zu 
durchstreifen. Allen denen, die zu dem Gelingen des Ausfluges bei- 
getragen haben, sei hiermit herzlicher Dank des Vereins ausgesprochen! 



Herr Dr. Paul Schulze hatte dife Freundlichkeit, uns die folgende 
Liste der auf dem Ausfluge von ihm gesammelten Gallen mitzuteilen: 

Svld.cOuiyki gaUorum Kieff. auf Galunn verum. 

Rl I opalos Ip] tum Uyustri Kalt, auf Liyu.strum vnlyarc. 

Eriophyes laücinctus tJvjrsifiorinus Nal. auf Lysimaclda tliyrsiflora. 

Cnaphalodes strohdohias Kalt, auf Picea exculsa. 

JErionliiics iti.ri niri Nal. \ ^. t^- 

_, . . . xr 1 ^^^1 Pirus communis. 

P. pin maryincmtorquens Nal. ) 

Eriophyes dirersipujictatus Nal. i 

Tlipcahins afpjds Kalt. auf Popnlus nigra. 

PetupJdgus fdaginis Fonsc. 1 

Eriopliyes similis Nal. auf Prunus spinosa. 

Euura Icucosücta Htg. auf Saüx caprea ('^). 



Bericht über den Ausfluar in das Tal der oberen Löcknitz. 135 



auf Tilia platijphyllos . 



Erioiihijes tetratrichus Nal. 
E. tiliae tiliae Nal. 
E. tiliae exilis Nal. j 

E. tiliae liosoiiia Nal. > 

EpicecicUen: Eyiox)hijes tiliae liosoma Nal, auf Er. tetratricJms Nal. auf 
Tilia uhnifoUa/') 

'^) Man vergl. auch: P. Schulze, Mischgallen und behaarte Hörnchen- 
gallen bei unseren Linden (Sitzungsber. Ges. Naturforsch. Freunde Berlin 1917, 
Nr. 8-10, S. 519; ferner 1916, S. 222); behandelt Mischgallen zwischen dem 
hörnchenbildenden Eriophyes tiliae Nal. und dem filzrasenerzeugenden Er. 
tiliae liosoma Nal. — Den Begriff der Epicecidie hat H. Hedicke aufgestellt 
(Sitzungsber. Ges. Naturforsch. Fr. 1914, S. 425); es sind solche Mischgallen, 
bei denen der Älutterboden der sekundären Galle ein typisches Gallengewebe 
ist. — H. Harms. 



Tagesordnung 
der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Die Sitzungen fanden vom November bis März im Eestaurant 
„Zum Heidelberger" in Berlin (Dorotiieenstr. 16), vom April bis 
vSeptember im Hörsaal des Kgl. Botanischen Museums in Dahlem 
statt und wurden von dem ersten Vorsitzenden, Herrn A. Weiße, 
geleitet. 

Sitzung vom 10. November 1917. 

Der Vorsitzende berichtete über einen Unfall unseres hoch- 
betagten Ehrenmitgliedes, Herrn S. Schwendener, der kürzlich 
unter ein Automobil geraten war und besinnungslos nach einer Unfall- 
station gebracht werden mußte. Bei einem Besuche in der Wohnung 
fand der Vorsitzende ihn schon außerhalb des Bettes, sodaß glück- 
licherweise keine (aefahr mehr vorlag. — Die Seuckenberglsclie 
TSaturforscliende Gesellschaft in Frankfurt a. M. hatte den Verein 
zur Feier ihres 100jährigen Bestehens am 22. November 1917 ein- 
geladen. Da der Verein nicht in der Lage war, einen Vertreter 
zur Feier dorthin zu senden, so schickte er folgendes Glückwunsch- 
schreiben,, das der Vorsitzende in der Sitzung verlas: 

Der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 
zu Frankfurt am Main 
übersendet anläßlich der 
Feier ihres 100jährigen Bestehens der Botanische 
Verein der Provinz Brandenburg die herzlichsten und 
aufrichtigsten Glückwünsche. 
Die altehrwürdige, um die Entwicklung der Naturwissen- 
schaften so hochverdiente Gesellschaft kann nun auf eine 
außergewöhnlich lange und erfolgreiche A^'irksamkeit zurück- 
blicken. Sie hat durch ihr wohlbegründetes wissenschaftliches 
Ansehen einen nicht geringen Anteil an der Gründung der Frank- 
furter Universität. Möge es ihr, der alten, vergönnt sein, in 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjatire. 13/ 

wechselweiser Anregung mit dieser neuen Hochburg der Wissen- 
schaften auch in Zukunft ihre idealen Aufgaben zu pflegen, 
möge sie weiter blühen-, wachsen und gedeihen! 

Mit uuserm Verein, der ja nur einen kleinen Teil aus 
dem umfassenden Gebiet behandelt, das die Senckenbergische 
Gesellschaft zum Felde ihrer Tätigkeit erkoren hat, bestehen 
herzliche und freundschaftliche Beziehungen, die, durch den 
bald 50 Jahre umfassenden Austausch der beiderseitigen wissen- 
schaftlichen VerüÖentlichungen auch äußerlich zum Ausdruck 
kommen. Möge sich dieses gemeinsame Band stets als ein 
festes erweisen. 

Berlin-Dahlem, im November 1917. 
Der Vorstand 
d. Bot. Ver. d. Prov. Brandenburg. 

Herr Dr. Hans Foersfer in Unter-Barmen, der kürzlich zum 
korrespondierenden Mitgiiede gewählt worden war, sandte ein vom 
Vorsitzenden verlesenes Dankschreiben. 

Herr H. Harms berichtete, daß Herr Oberpfarrer Dr. G. Küken- 
thal nach langer Gefangenschaft auf Korsika nunmehr in der Schweiz 
(Heiden, Appenzell) interniert sei, während unser Mitglied Herr 
Hermann -Bernburg immer noch in Korsika festgehalten werde. — 
Uebrigens ist Herr Kükenthal seit Dezember wieder in der Heimat 
(Coburg). Vergl. auch Verh. LIX (1918) S. 163 und 176. 

Herr Emmerling teilte mit, dal^ Herr Lutze-Sondershausen 
sein aus 60—80 Paketen bestehendes Herbar Thüringer Ptlanzen 
billig verkaufen wolle. 

Herr Loesener besprach einiges aus dem Inhalte einer im 
Jahre 1919 zum Abdruck gelangenden Abhandlung von Dr. H. Fo erster 
über das Vorkommen von Hex aqnifoUum im Bergischen Lande, und 
behandelte besonders die Beobachtungen Foersters über Geschlechts- 
wechsel bei dieser Art. — Auf eine Anfrage von Herrn J. Gerber, 
ob auch bei anderen Pflanzen schon Geschlechtswechsel beobachtet 
sei, wies Herr Graf von Schwerin') auf eine eigene Arbeit über 
derartige Vorkommnisse bei den Weiden hin. 



^) GeschlechtsveränderuDg bei diözischen Gehölzen (Gartenflora LV. [19061 
283). Andere Fälle dieser Art habe ich erwähnt in Naturwissensch. Wochen- 
schrift XXIV. (1909) 672 und 703; bei Weiden hat 0. von Seemen Aende- 
rungen. in der Verteilung der Geschlechter in verschiedenen Jahren beobachtet 
(Verh. des Bot. Ver. d. Prov. Brdbg. XXVIII. 1886 (1887) 1—15, und Qesterr. 
Bot. Zeitschr. XLV. [1895] 254). — Aehnliche Fälle hat man in neuerer Zeit 



138 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Herr H. Harms legte vor iiiul ljes})rHcli die beiden jetzt besondere 
Beaclitiing' verdieuendeu Arbeiten unseres Mitgliedes, Herrn F. Pax- 
Breslau, über die polnisclie J-'lora: 1. Die plianzengeograpliisclie 
Gliederung' Polens (»Sonderabdruck aus der Zeitschrift der Gesellsch. 
Erdkunde Berlin 1917, Nr. 5, Seite 280—281:), 2. Die Püanzenwelt 
Polens (Sonderabdruck aus: Handbuch von Polen. Beiträge zu einer 
allgenieinen Landeskunde, herausgegeben von der Landeskundlichen 
Kommission beim Generalgouvernement Warschau, 1917, Seite 179 — 212), 
von denen die erste nur eine vorläuhg'e Zusammenfassung des in der 
zweiten ausführlich gebotenen Stolt'es ist. In der letzteren behandelt 
der Verfasser der Reihe nach die Geschichte der botanischen Erforschung, 
Polen als Glied der sarmatischen Provinz, Gliederung der Pflanzenwelt, 
Entwicklungsgeschichte der Elora, Literatur; G Tafeln mit Vegetations- 
ansichten und 2 die wichtigsten Vegetationslinien des Gebietes dar- 
stellende Karten sind beigefügt. Das Gebiet umfasst das ehemalige 
Kongreßpolen, das Verfasser auf vei'Schiedenen Reisen nach allen 
Richtungen kennen gelernt hat. Die bei uns wenig bekannte polnische 
Literatur ist viel reichhaltiger, als man oft annimmt; zahlreiche 
polnische Eorscher Averden für die Zeit von 14:23 bis jetzt genannt, 
Ohr. Kluk (1739—1796) gilt als Begründer der polnischen Floristik. 
Für uns hat die Elora Polens ein besonderes Interesse wegen der 
LTebergänge von Mitteleuropa nach (Osteuropa; bis zur Weichsel reiclit 
ohne Zweifel jenes und erst jenseits dieses Tales erinnert das Land 
schon an die Gebiete im Osten der Bugniederung. Es wird der 
Verlauf wichtiger pflanzlicher Verln-eitungsgrenzen behandelt: zu 
nennen ist besonders die Buche, der Charakterbaum Westeuropas, 
der an der ( )stgrenze Polens längst erloschen ist und dieses Land 
wie auch noch viel schärfer der Efeu zu Mitteleuropa weist. Das 
Land zwischen Weichsel und Bug zeigt deutliche Anklänge an Ost- 



hei Myrica gale beobachtet, (A. J. Davej^ and M. Gibson, On the distribution 
of monoecious plants and the occurrence of hermaplirpdite flowers m.Myrica yale, 
with observations on variations of sex, in Journ. of Bot. LV. [19171 63). Zwischen 
Pflanzen oder Schößhngen, die bezeichnet worden waren und in aufeinander- 
folgenden pJahren beobachtet wurden, zeigten einige während einiger Jahre 
einen progressiven Wechsel von weiblichen zu männlichen Stadien, z. B. zeigten 
Pflanzen, die 1913 reichlich gefruchtet hatten, im Jahre 1914 gemischte Schöß- 
linge und im Jahre 1915 wurden sie nahezu völlig männlich. Im Jahre 1916 
wiesen mehrere solche Fälle Anzeichen von entgegengesetztem Wechsel auf. 
Einige Pflanzen scheinen ständig im Geschlecht zu schwanken, während andere 
durch viele Jahre konstant bleiben. — VergL ferner H. Schneider, Ueber 
einen Fall von partieUem Geschlechtswechel bei Mercurialis annua $ (Zeitschr. 
Pflanzenkrankheit. XXV, 3. (1915) 129; Bot. Centralbl. Bd. 132. Nr. 7. [1916] 166). — 
H. Harms. 



TagesordniiBg der Sitzung-en im abgelaufenen Geschäftsjahre. 139 

europa, wie auch der Verlauf gewisser Vegetatiuiislinien bestätigt, 
die parallel mit A\'eichsel und Bug iu der Nähe des Hauptstroms 
nordvvestwärts verlaufeu; östliche Typeu wie Gyuinadcnia cucnllata, 
Arenaria t/i'antinifolki, StcUaria crassifoUa, erlöschen in der Nähe der 
Buchengrenze. Polen hebt sich, trotzdem es sich nicht allseitig 
geographisch scharf umgrenzen läßt, doch durch bestimmte ptianzen- 
geographische Charaktere von seiner Umgebung etw^as ab; allerdings 
verschwindet anf weite Strecken im A\"esten eine deutliche Grenzlinie, 
während sich solche gegen den Süden in der subkarpathischen 
Niederung, gegen den Norden im baltischen Höhenrücken, gegen den 
Osten im Sumpfgebiet des Bolesie festlegen lassen. Alit dieser 
Abgrenzung steht der Verlauf wichtiger Vegetationslinien im Einklang; 
Bilanzen westlicher nnd südlicher Heimat (Buche. Efeu etc.) linden 
an der Bugiinie die letzten Bedingungen ihres Gedeihens, östliche 
Ty[»en verschwinden dort. 'JVotzdem die politische Westgrenze Polens 
nii^ht natürlich ist, gibt es doch einige Arten südöstlichen Ursi>rungs, 
die an der lieichsgrenze verschwinden oder bald anfhören {Cimicifuga 
füdida. F)'niui.^ fraticosd). An der Südgrenze Polens findet die reiche 
Karpathenilora rasch ihr Ende, wenn auch einzelne Arten die Rand- 
linie nach Norden nicht unerheblich überschreiten und als Glieder 
Südpolens in der ^^'aldÜora des Mittelgebirges erscheinen {Eupliorlna 
a)iii/fjdaloi'lc.'^). Am baltischen Höhenrücken, an der Nordgrenze Polens, 
häufen sich wieder die Vegetationslinien; hier biegen die Grenzen 
östlicher und nordöstlicher Arten in charakteristischer Weise nach 
Westen um, Polen aus dem Areal ausschaltend oder es einschließend 
(Betala JianiiliSj Caiiipiuin/a sihirica, Viola cautiia); das (irouvernement 
Suwalki wird Ijotanisch von Polen getrennt. Im allgemeinen beherbergt 
Polen ohne Zweifel mitteleuro[)äische Vegetation, freilich durch das 
Auftreteu gewisser Arten stark beeinflußt. Es ist der sarmatischen 
Provinz Euglers zuzui'echnen, in der atlantische Sippen fast ganz 
fehlen (wie z.B. Erica tetralij:); mir sehr wenige Typen westeuropä- 
ischer Herkunft dringen in das Gebiet weiter ein {Hydrocotyle vulgaris, 
Gciiista pilosa, Sarotliamnas)^ denen gegenüber die östlichen Ein- 
wanderer auf polnischem Boden erheblich an Bedeutung gewinnen 
(wie z. B. Eroiigiitus rci-racusus). — Einen großen Raum beanspruchen 
in Polen sowohl Sandfelder wie Moore; Polen ist relativ waldami 
bis mäßig bewaldet, der herrschende Banm ist die Kiefer, nnr der 
Süden ist reich bewaldet, wo im polnischen Mittelgebirge Edeltanne 
und Buche die Höhen schmücken. Typische F.elsenflora hat nur der 
Süden, wo wir auch eine Kalkflora finden. In drei Bezirken haben 
wir eine Salzflora. — Nord- und Mittelpolen zerfallen in kleinere 



14-0 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Gebiete, die weniger durch die Formation oder durch Verschieden- 
heiten im Landschaftsbilde von einander abweichen als durch gewisse 
Vegetationslinieu, freilich von Arten, die nicht gerade zu den häutigeren 
gehören. Das mittlere Weichseltal bildet den östlich bis etwa zum 
Xarewtal reichenden masoAvischen Bezirk. Die Vegetationslinie der 
Buche trennt die westlichen Grenzlandschaften als kujawischen Bezirk 
ab. Oestlich vom Xarewtal uncl der ^^'eichsel treten Typen östlicher 
Herkunft stärker in den Vordergrund; da haben wir den ostpolnischen 
Uebergangsbezirk. An ihn schließt sich im Norden die seenreiche 
Suwalkier Platte, die eine verbindende Brücke bildet zwischen der 
preußisch-baltischen Platte und dem litauischen Ilügellande. Viel 
deutlicher als in Mittel- und Nordpolen heben sich im Süden einzelne 
Bezii'ke durcli die Eigenart ihrer Flora hervor. Am besten ist der 
Bezirk des polnischen Jurarückens von Krakau bis (yzenstochau 
gekennzeichnet, dem eine große Zahl Arten ausschließlich zukommen. 
Der schmale Streifen zwischen dem polnischen Jura und der Eeichs- 
grenze, stark beeinflußt ^ von oberschlesischer Vegetation,, kann als 
westpolnischer Grenzbezirk bezeichnet werden. Auch der Bezirk des 
polnischen Mittelgebirges ist gut abgegrenzt. Der Bezirk des klein- 
l)olnischen Hügellandes umfaßt das nach Ausschluß der genannten 
Landschaften Südpolens übrigbleibende Gebiet links der Weichsel, 
das eine Kalkflora mit stark montanem Einschlag hat. Am Südrand 
dieses Gebietes haben wir den Bezirk der Pinczow-Sandomiei'zer 
Lösszone. Die Weichsel scheidet in ihrem Verlauf zwischen Sando- 
mierz und Pulawy von^ den am rechten Ufer gelegenen Hügelland- 
schaften Südpolens den Bezirk des Lubliner Hügellandes. — Möge 
die verdienstvolle Arbeit des Verfassers, einer ersten Autorität auf 
dem Gebiet osteuropäischer Floristik, zu weiteren Forschungen in Polen 
und den Grenzlanden anregen! Das Verständnis auch unserer Flora 
der Mark können diese Studien nur fördern helfen. 

Herr E. Jahn legte Exemplare von Acer campestre f. suherosa 
aus Holstein (Uklei-See) vor. An ' der lebhaften Erörterung über 
Ausbildung von Eorkleisten an Sträuchern und Bäumen nahmen die 
Herren Loesener {ßvonymns; hier die Korkbildung bisweilen Art- 
charakter, in anderen Fällen nur gelegentliches Auftreten von Kork 
bei gewissen Formen einer Art), Jahn (Hinw.eis auf die Angaben 
über den Bau dieser Leisten bei De Bary), (jraf v. Schwerin 
(Vorkommen bei Acer, Ulmus. Popidus, Fraxinus etc.), Herter und 
Wittmack teil. 

Herr Fr. Duysen sprach über die Einwirkung des strengen 
Winters und der sommerlichen Dürre auf die Schädlinge. Es hat 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 1*1 

sich gezeigt, daß die letzteren durcli die ungünstigen klimatischen 
Verhältnisse nicht gelitten haben, vielmehr in äußerst verheerender 
Weise viel schlimmer als sonst aufgetreten sind, wofür er verschiedene 
Beispiele nannte und vorlegte (Kartoffeln durch Agrioüs spfjetum. 
Erbsen durch Bruchus irt^'i geschädigt, Rüsselkäfer in L/Harfa-Kapseln, 
Savotluimnns-Rixl^QW mit dem Rüsselkäfer Apion fuscirostris u. s. w.)- 
In einer längeren Diskussion, an der die Herren L. Peters, Loesener. 
Herter, Kolkwitz, Wittmack, Schikora, Reinhardt, Emmerling 
teilnahmen, besprach man .die oft sehr schwierige Bekämpfung der 
Schädlinge. Auch die Mäuseplage wurde gestreift. Herr Schikora 
betonte den Nutzen der Saatkrähe zur Bekämpfung der Schädlinge: 
leider versäume man es in gewissen Gegenden, diesen nützlichen 
Vogel zu schützen. Herr Emmerling erzählte von günstigen Er- 
gebnissen bei der Anwendung des Löftler'schen Mäusebazillus in 
Thüringen, während nach Herrn Reinhardt diese Methode in Sachsen 
versagt habe. Herr Herter berichtete von Schädigungen durch 
Af/riotis an Beta in Argentinien. Herr Emmerling sprach von guten 
AMrkungen des Ziehens von Gräben (Käfergräben) gegen Ungeziefer. 

Herr A. Weisse legte zwei monstriise Maispflanzen vor 
und gab dazu folgende Erläuterungen: 

Ich verdanke diese Mißbildungen der Aufmerksamkeit eines 
meiner Schüler, des Primaners Paul Kirchhoff, dem sie unter den 
im elterlichen Hausgarten , in Zehlendorf gezogenen Maispflanzen 
auffielen. 

Bekanntlich kommen bei Zea Mays Bildungsabweichungen sehr 
häufig vor: auch wurden solche bereits mehrfacli in unserm Verein 
vorgelegt. Wenn ich trotzdem auf diese Frage zurückkomme, so 
geschieht es, weil gerade die vorliegenden lilxemplare schöne Beispiele 
für die beim Mais zu beobachtenden Monstrositäten darstellen. 
Während die eine der Pflanzen als Rückschlagserscheinung zu 
deuten ist, ist die andere durch einen Pilz verunstaltet und zeigt eine 
Eigentümlichkeit, die ich in der Literatur noch nicht erwähnt finde. 

Die Literatur über Maismißbildungen reicht schon weit zurück. 
Wie Ascher so n"-) im Anschluß an einen von Daramer in der 
Sitzung unsers Vereins vom 26: September 1879 vorgelegten ästigen 
Maiskolben bemerkte, war der erste Botaniker, der diese Mißbildung 
beobachtete, der Sizilianer Paolo Boccone, der sie in Calabrien 
autfand und in den 1674 von Robert Morison zu Oxford heraus- 
gegebenen Icones et descriptiones rariorum plantarum Siciliae, Melitae, 



-) P. Ascherson, Bemerkungen über ästige Maiskolben. (Verh. d. Bot. 
Ver. d. Prov. -Brdbg., XXI, 1879, Sitzgsber. S. i;33-138. Mit 2 Figuren.) 



142 Tagesordmin^ der Sitzungen im abg'elaufenen Geschäftsjahre. 

Galliae et Italiae besclirieb und abbildete. — Eine monogTapliisclie 
Bearbeitung der Maismoustrositäteii lieferte Pen zig- im Jahre 1884 
in italienisclier Sprache^). Ihr wesentlicher Inhalt ist in seine 
bekannte Pflanzen-Teratologie*) überg-egangen. Hier ist die ältere 
Literati;ir eingehend berücksichtigt und verwertet worden. — In 
unserm Verein wurden ferner eine Anzahl von mißgebildeten Blüten- 
ständen des Maises in der Sitzung vom 12. September 1902 von 
Loesener"') vorgelegt. Sie lieferten eine Kette von Uebergangs- 
gliedern zwischen dem männlichen und w.eiblichen Blütenstand. Im 
Jahre darauf besprach Loesener noch eine merkwürdige Maisform 
mit scheinbar gegenständigen Blättern •■'), die er eingehender in einer 
besonderen Abhandlung ') beschreibt und abbildet. 

Von den beiden heute mitgebrachten Exemplaren gehört das 
eine in die Reihe der von Loesener im Jahre 1902 vorgelegten 
Mißbildungen. Es ist eine terminale Inflorescenz. die im wesentlichen 
aber nur im oberen Teile männliche Blüten trägt, während der untere 
Teil fast vollständig zu einem weiblichen Kolben umgebildet ist. 
der am (gründe noch einen ebenso umgeformten Seitenzweig trägt. 
Der 10 cm lange Hauptkolben ist in seinem Bau nur wenig von 
einem gewöhnlichen Maiskolben verschieden. Die Früchte stehen 
ziemlich regelmäßig in 10 Längsreihen angeordnet. Dann folgen 
männliche Aehren in direktem Anschluß, zwischen diesen noch einmal 
drei einzelne Früchte in ungefährer Längsreihe, dann nur männliche 
Aebren an der im übrigen unverzweigten Spindel, so daß es also 
hier nicht zur Ausbildung eines rispigen Blütenstandes kommt. 
Der männliche Teil der Inflorescenz erreichte eine Länge von 11 cm. 
— Der im ganzen 12 cm lange Seitenzweig läßt im unteren TV. cm 
langen Teile vier unregelmäßige Längsreihen erkennen, auf denen 
zu Unterst meist Früchte bzw. verkümmerte weibliche Blüten stehen. 
Es ist auttallend, wie bei vier übereinander stehenden Aelii'clien 
je eine der beiden Blüten (die dem Hauptkolben zugewandte) 
männlich, je eine (die dem Hauptkolben abgewandte) weib- 
lich ist. Die männlichen Blüten stehen im ül)rigen auf der 



^) O. Penzig, Studi morfologici sui cereali. I. Anomalie osservate nella 
Zea Mays (Bollet. della Stazione Agraria di Modena, N. S., IV, 1884.) 

*) 0. Penzig, Pfianzen-Teratologie. 11. Band, Genua, 1894, S. 4.58-403. 

■') Th. Loesener in den Verh. d. Bot. Ver. d. Prov. Brdbg., XLIV, 19Ü2, 
S. XLVII. 

ß) Th. Loesener in den Verh. d. Bot. Ver. d. Prov., Brdl)g., XLV, 1903, 
S. XLVL 

') Th. Loesener, lieber eine Bildungsabweicliung beim Mais. (Verh. d. 
Bot. Ver. d. Prov. Brdbg., XLV, 1903, S. 146—148. Mit Taf. IL) 



Tagesovclnimo- der Sitzunoen im abgelaufenen Gescliäftsjahre. 1-tb 

dem Hauptkolben zugewandten Seite des Zweigkolbens schon fast 
vom (Trunde ab nnd nehmen dort an Zahl zu. Auch ist auf dieser 
Seite eine schwache Verzweigung- der Inflorescenz zu bemerken. Im 
oberen Teile ist aber auch bei diesem Nebenkolben nur eine Spindel 
mit männlichen Blütenähren vorhanden, — Während die normalen 
^Maiskolben bekanntlich in den Achseln der unteren Blätter stehen 
und durch besondere scheidenförmige Hüllblätter geschützt werden, 
ist bei unserer monströsen Pflanze die gemeinsame Umhüllung der 
beiden Kolben durch den scheidenartigen Grund der drei obersten 
Laubblätter hergestellt. Die beiden unteren Blätter besitzen noch 
ziemlich normale Spreiten,, dagegen ist die des oberen Blattes, dessen 
Grund die Hauptscheide bildet', stark reduziert. Sie mißt nur 9 cm 
Länge und 6 mm Breite, während die Scheide 17^ o cm lang ist. — 
Es ist bemerkenswert, daß der Seitenzweig auf der dem obersten 
Blatte gegenüberliegenden Seite steht, also an der Stelle, wo die 
Umhüllung den weitesten Spielraum darbietet. Es sieht fast so aus. 
als ob hier eine mechanische Beziehung bestände. 

Daß in den Liflorescenzen von Zea Mays so häutig Bildungs- 
abweichungen auftreten, hat seinen Grund darin, daß der Mais, 
wenigstens was seine weiblichen Inflorescenzen anbetrifft, ja selbst 
als eine durch die Kultur fixierte teratologische Form anzusehen ist. 
HackeP) war wohl der erste, der diesen Gedanken ausgesprochen 
hat, der dann auch von vielen andern Forschern geteilt wurde, ohne 
daß er genauer bewiesen war. Während man über die •Verwandt- 
schaft und Abstammung des Mais lange Zeit vollständig im Unklaren 
gewesen war, brachte das Bekanntwerden der T eosinte in Europa, 
die im Jahre 1875 aus Guatemala nach Frankreich eingeführt und 
von Ascherson und Durieu als EucJdaena luxurians bestimmt und 
benannt und ebenso wie die wild vorkommejide Euchlaena mexicana 
Schrad. als nächste Verwandte von Zea 2Iays erkannt wurde, hierin 
eine Aenderung. Besonders sind es die Arbeiten von Harshberger^), 
die uns in dieser Frage förderten. Die von ihm festgestellte Tat- 
sache, daß der Mais mit der Teosinte einen fertilen Bastard lieferte, 
gab eine Stütze für die nahe Verwandtschaft der beiden Gräser. 
Vor allem war es aber das genauere Studium des morphologischen 



*) Hackel in den Xatürl. Pflanzenfamilien, .II. 2, 20. 

^) John W. Harshberger, Maize: a botan. andi eeonom. study (Contiib. 
Bot. Labor. Univ. Pennsylvania, I, 1893, p. 75—202, 4'pls.). 

JohnW. Harshberger, Fertile Grosses of Teosinthe and Maize (Garden 
a. Forest, IX, 1896, p. 522—523). 

-John W. Harshberger, Notes on the hybrid of Maize and Teosinthe 
(Gard. a. For., X, 1897, p. 48). 



144 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Baues und der Eiitwicklung-sg'eschiclite der Inflorescenzen dieser 
Gräser, durch die jene Ansicht erhärtet wurde. Schon Pen zig'") 
hatte den gleichartigen morphologischen Aufbau der weiblichen und 
männlichen Inflorescenz von Zea nachgewiesen und insbesondere 
gezeigt, daß der weibliche Kolben durch Längsverwachsung zahlreicher, 
jedoch in der Zahl wechselnder Aehrchen mit platter Spindel ent- 
standen sei. Aber erst die Abhandlung von Schumann in der 
Festschrift zu x\schersons 70. Geburtstag'^) ließ den bindenden 
Schluß zu, „daß man mit einem sehr hohen Maße von Wahrschein- 
lichkeit den Mais für eine durch langdauernde Kultur fixierte Form 
der Teosinte ansehen darf." Schumann zeigte, daß die ersten 
Entwicklungsstadien der Blüten und Inflorescenzen beider Gräser 
sich völlig gleichen und daß jede Blüte zunächst zvvitterig angelegt 
würde; allerdings kommen bei den männlichen Blüten das Primordium 
des Fruchtknotens; bei den weiblichen die der Staubblätter schon 
sehr frühzeitig zum Abort. Jedenfalls lehrt aber die Entwicklungs- 
geschichte, daß Mais und Teosinte von Gräsern mit zwittrigen Blüfreu 
abstammen und daß wir das häufige abnorme Auftreten von Ueber- 
gängen zwischen den männlichen und weiblichen Inflorescenzen als 
Rückschlagserscheinungen aufzufassen haben. 

Auch durch systematische Züchtung monströser Maisformen 
konnte die Auffassung von der teratologischen Natur des Maiskolbens 
gestützt w^erden. Solche Avurden m umfangreichem Maßstabe von 
Blaringhem ausgeführt, der zunächst von einer besonderen Rasse 
ausging^'^), dann aber neue Abnormitäten, die sich als erblich er- 
wiesen, durch Verstümmelung (besonders Decapitation) der jungen 
Maispflanzen erzielte^^). Umfangreiche Kulturen von Maispflanzen 

'0) Vgl. Penzig, Pflanzen-Teratologie, II, S. 461. 

") K. Schumann. Mais und Teosinte. (Festschr. für F. Ascherson, 
1904, S. 137-157). 

^^) L. Blaringhem, Heredite d'anomalies florales presentees par le Zea 
Mays tunicata (Compt. Rend. Soc. Biöl., LVII, 1904, p. 578—579). 

^') L. Blaringhem, Anomalies hereditaires provoquees par des traumatis- 
mes (Compt. Rend. Acad. Sei. Paris, 6. fevr. 1905). 

L. Blaringhem, Production d'une espece elementaire nouvelle de mais 
par träum atismes (ibid., CXLIII, 1906, p. 245-247). 

L. Blaringhem, Production par traumatisme et fixation d'une variete 
nouvelle de Mais, le Zea Mays var. pseudo-androgyna (1. c, p. 1252—1254)- 

L. Blaringhem, Especes et varietes nouvelles de Mais obtenues apres 
mutilation et distribuees par le Museum (Bull, du Mus. d'Hist. nat., 1907, 
p. 83-84). 

L. Blaringhem, Mutation et trauraatismes. Paris, 1907, 248 pp. 8" 
mit 8 phot. Doppeltafeln. 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 14:0 

hat dann Graebner im Garten des botanischen Museums in Dahlem 
vorg-enommen, die eine Fülle von interessanten Rückschlags- 
erscheinnngen darboten. Er legte eine Auswahl der im Jahre 1911 
erhaltenen Züchtungen, die sich auf vier Generationen erstreckten, 
in der Dezembersitzung der Deutschen Botanischen Gesellschaft vor, 
die auch wohl mehrere der Anwesenden gesehen haben dürften, und 
gab in den Mitteilungen jener Gesellschaft'*) eine Beschreibung und 
eine Anzahl von Abbildungen derselben. 

Es erübrigt sich nun, noch kurz auf die zweite der heute vor- 
zuleg-enden Maispflanzen einzugehen. Es handelt sich, wie schon 
eing-angs erwähnt, um eine durch einen Pilz verursachte Verbildung. 
Die Pflanze ist nämlich von dem bekannten sehr verbreiteten Mais- 
l)rand üsülago Mays Zeae (DC.) Magn. befallen. ^^) Durch den Pilz 
ist die weibliche Inflorescenz, die sich in der x\chsel des dem termi- 
nalen männlichen Blütenstand vorausgehenden obersten Laubblattes 
befindet, völlig mißgebildet. An Stelle des Kolbens befindet sich ein 
ö'/i cm langes wurmförmig verkrümmtes Gebilde, das von dem Pilz 
stark durchwuchert ist. Von den normale J\olben umhüllenden Blatt- 
scheiden ist nichts zu entdecken, dag-egen treten die Anlagen der 
Früchte stellenweise deutlich hervor. Das Interessanteste an der 
Mißbildung ist, daß der Kolben mit der Hauptachse der Länge nach 
mehrfach verwachsen ist. Es erklären sich so leicht die eigentümlichen 
Krümmungen des Kolbens: da er in seinem Längenwachstum durch 
die Anheftung an die Hauptachse zurückgehalten wurde, mußte er 
sich nun durch Verbiegen den nötigen Raum verschaffen. Es. sei 
noch erwähnt, daß die männliche Inflorescenz dieses Exemplars ganz 
regelmäßig ausgebildet ist. Nur an einer Stelle der Hauptachse 
zwischen dem ersten und zweiten Seitenzweig- der Rispe trat noch 
einmal eine kleine Pilzwucherung hervor. 

An der Diskussion nahmen die Herren Duysen, Wittmack 
und Graf von Schwerin teil. 

. Herr Duysen legte Photographien einer Vv^asserrübe vor, die 
in auffälligerweise einen weiblichen Körper nachahmt; ähnliche 
menschenähnliche Wurzeln finden wir bekanntlich bisweilen bei 
Mandragora. 

^*) P. Graebner, Rückschlagszüchtungen des -Maises (Ber. d. Deutsch. 
Bot. Ges., XXX, 1912, S. 4—10. Mit Doppeltafel I u. 2 Textfig.). 

'^) lieber die Nomenklaturfrage dieses Pilzes verweise ich auf die Abhandl. 
von P. Magnus, Die Ustilagineen (Brandpilze) der Provinz Brandenburg. 
Nebst Bemerkungen über Umgrenzung der Gattungen und Arten derselben 
(Verh. d. Bot. Ver. d. Prov. Brdbg., XXXVII, 1895, S. 65—97. Mit Tafel I), S. 72. 



VKihandl. des Rot. Vereins f. Branäenb. LX. 



10 



l-J-l) Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Herr Emmerliug besprach die verg-eblicheii Versuche, die 
Trmisch s. Z. in Thüringen ang-estellt hatte, um die Trüffeln zu 
kultivieren, und fragte nach den Ursachen des Mißerfolges. Nacli 
Herrn Reinhardt sind auch heute noch keine Fortschritte im 
Trütfelbau erzielt; die S[.>oren konnten bisher nicht zum Keimen 
gebracht werden. 3Ian kann nur die jungen Trüffeln aus dem Boden 
herausheben und verpflanzen und dann weiter wachsen lassen. 

Herr Kolkwitz sprach über die Versuche Hesse' s mit Trüffel- 
kultur in Wäldern und erzählte von den Erfolgen der Trüffeliäge]-. 

Sitzung vom 21. Dezember 1917. 

Der Vorsitzende er\\'ähnte. daß unser E]hrenraitgiied. Herr 
li. Wariistorf. am 2, Dezember den 80. Geburtstag gefeiert hatte: 
der Vorsitzende hatte ihm folgendes Schreiben gesandt: 

Hochverehrter Herr Warnstorfl 

Im Xamen des Botanischen Vereins der Provinz Branden- 
burg spreche ich Ihnen zu Ihrem achtzigsten Geburtstage die 
aUerherzlichsten Glück- und Segenswünsche aus. .Alöge es 
Ihnen vergönnt sein, noch eine lange fieihe von Jahren l)ei 
bester Gesundheit sich der Wertschätzung Ihrer dankljaren 
Kachgenossen zu erfreuen! 

Die außerordentlichen Verdienste, die Sie sich um die 
Erforschung der heimischen Flora, insbesondere die der ]\l()Ose. 
in SO reichem ]\Iaße erworljen haben, sind von dem Botanischen 
Verein auch äußerlich schon soweit anerkannt worden, wie es' 
ihm nur möglich war. Zählen Sie doch schon seit l2 Jahren 
zu seinen Ehrenmitgliedern, und konnte Ihnen, als erstem und 
bisher einzigem Botaniker, unsere höchste Auszeichnung, die 
\^erleihung der Ascherson-Piakette, zu Teil werden! "Weitere 
Ehrenbezeugungen haben wir nicht zu vergelien; und so bleibt 
uns nur übrig, Ihnen von neuem zu versichern, in wie dank- 
l)arer Verehrung der Verein Ihrer in alter Treue gedenkt. 

Gestatten Sie, hochverehrter Herr Warnstorf, daß icli 
Ihnen auch persönlich meine herzlichsten Glückwünsche und 
Grüße üljermittele. 

In vorzüglichster Hochachtung Ihr sehr ergel)ener 
A. Weiße. 

T^nser Ehrenmitglied beantwortete den (-ilück wünsch mit einem 
vom V(jrsitzenden verlesenen Schreiben. 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. l*« 

Ebenso gTatnlierte der Vorsitzende unserem ho clibe tagten Ehren- 
mitg-liede K. Warnstorf wenige Tage danach zur Verleihung des 
Professortitels. 

Die Kgl. Ungarische Akademie der Wissenschaften (Magyar 
Tudomänyos Akademia) feierte am 17. Dez. 1917 den 100-jährigen 
Todestag' von Paul Kitaibel durch eine Sitzung, bei der Joh. Tuzson. 
Prof. der Botanik a. d. Universität in Budapest, die Festrede hielt. 
Der Bot. Verein war zur Teilnalime an der" Sitzung eingeladen 
worden. Aus diesem Anlasse sandte der Vorsitzende folgendes Schreiben 
an die Akademie, zu Händen des Herrn Prof. Dr. Tuzson in 
Budapest : 

Im Xameii des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg 
sage ich der Königlich Ungarischen Akademie der Wissenschafte]i 
für die gefällige Einladung zur 100-jährigen Erinnerungsfeier des 
Todes von Paul Kitaibel verbindlichsten Dank. Die durch den 
Krieg bedingten B.eiseschwierigkeiten machen es uns leider un- 
möglich, der Einladung Folge zu leisten. Dies bedauern wir 
um so mehr, als wir ja seit längerer Zeit mit der Kgl. Akademie in 
freundschaftlichem Schriftenaustausch stehen und das Andenken 
von Prof. Kitaibel als hochverdienten Naturforscher gleichfalls 
hoch in Ehren halten. Wenn Kitailiel sich auch um die Förderung 
der ungarischen Zoologie und Mineralogie reich verdient gemacht 
und als Chemiker Bedeutendes geleistet hat, so steht er unserm 
Verein doch am nächsten als der hervorragende tloristische 
Erforscher Ungaras. insbesondere des Banats. Mit dem AVunsche, 
daß die lebenden Botaniker des uns verbündeten und befreun- 
deten Ungarlandes stets das Vorbild des berühmten Kitaibel 
in der Erforschung, der Flora ihrer 'schönen Heimat beherzigen 
mögen, sendet der Botanische Verein der Provinz Brandenburg 
der Königlichen Akademie der Wissenschaften die herzlichsten 
Grüße. 

In vorzüglichster Hochachtung ganz ergebenst 
A. Weilte. 
Wer sich über die hohen Verdienste Paul Kitaibers (geb. 1757 
in Alattersdorf in Ungarn, einem deutschen Dorfe, später Pi'ofessor 
der Botanik in Pesth) um die landeskundliche Erforschung I^ngarns 
unterrichten will, lese den Abschnitt in Flora XTV. 1. (ISHl). 
S. 14i). 

Am 2. Jan. 1918 feierte die Naturforschende (»esellschuft in 

Danzig" ilir 17ö-jähi-iges Bestehen. Der Vorsitzende sandte im Namen 
des Vereins folgendes Glückwnnschschreiben: 

10* 



148 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Der Natnrforschenclen Gresellschaft zu Danzig 
sendet zur Feier ihres 
175-jährigen Bestehens der Botanische Verein der 
Provinz Brandenburg die herzlichsten und aufrichtig- 
sten Glüclvwünsche. 

Die altehrwürdige, um die Entwickelung der Wissenschaften 
so hoch verdiente Gesellschaft, eine der ältesten wissenschaftlichen' 
. Vereinigungen Mitteleuropas, kann nun auf VU Jahrhunderte 
ihrer erfolgreichen Tätigkeit zurückblicken. Möge es ihr ver- 
gönnt sein, auch in Zukunft ihre idealen Aufgaben in ebenso 
fruchtbringender Weise pflegen'zu können; möge sie stets blühen, 
wachsen und gedeihen! 

Mit unserem Verein, dessen Arbeitsfeld nur einen kleinen 
Ausschnitt aus den weitgehenden Zielen der ■ Naturforschenden 
Gesellschaft zu Danzig darstellt, bestehen von jeher herzliche 
und freundschaftliche Beziehungen, die durch den mehr als 
fünfzig Jahre umfassenden Austausch der beiderseitigen wissen- 
schaftlichen Veröffentlichungen auch äußerlich zum Ausdruck 
kommen. Die Naturforschende Gesellschaft hat den .Stifter 
unseres Vereins, unsern unvergeßlichen Paul Ascherson, 
mehrfach geehrt, indem sie ihn im Jahre 1893 zu ihrem 
korrespondierenden, im Jahre 1904 zu ihrem Ehren'mitgiiede 
ernannte. Anläßlich des 50-jährigen Bestehens unseres Vereins, 
im Jahre 1909, ließ die Naturforsch. Gesellschaft durch ihn uns 
eine künstlerische Adresse überreichen, die als schöne Zierde 
unser wissenschaftlicli/^s Heim im Kgl. Botanischen Museum in 
Dahlem schmückt. Auch ehrte sie den Verein bei dieser 
Gelegenheit noch dadurch, daß sie unsern damaligen Vorsitzenden, 
Herrn Professor Dr. E. Koehne, zum korrespondierenden 
Mitgliede ernannte. Enge Beziehungen verknüpfen unsere 
Gesellschaften ferner durch unser geschätztes Ehrenmitglied, 
Herrn Geh. Eegierungsrat Prof. Dr. H. Conwentz, der viele 
Jahre hindurch als angesehenes Vorstandsmitglied in der Natur- 
forschenden Gesellschaft zu Danzig wirkte. Mögen sich die 
Bande der Freundschaft zwischen unsern Vereinigungen stets 
als feste erweisen. 

Berlin-Dahlem, im Dez. 1917. 

Der Vorstand 
des Bot. Vereins der Prov. Brandenburg. 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjalire. 149 

Der Vursitzende teilte mit, daß unser kürzlich erst ernanntes 
korrespondierendes Mitglied, Dr. H. Foerster-Barraen, am 6. Dez. 
im Alter von 53 Jahren gestorben sei. Herr Th. Loesener hielt 
einen Nachruf auf ihn (vergl. S. 125). 

Herr L. Diels sprach über Verschiedenheiten in den Standorts- 
verhältnissen bei einer und derselben Pflanzenart. Er klassifizierte 
die Fälle des Standorts-Wechsels der Arten und erörterte die Be- 
dingungen dieser Erscheinung. In feuchteren Gegenden oder Lagen 
suchen Arten wie Calluna vulfjaris (im feuchteren Westdeutschland auf 
offenen Heiden, im trockenen Osten mehr in Wäldern), Cornus saiiguhiea 
(bei uns in feuchten Wäldern, im Westen Deutschlands mit wilden 
Eosen auf steinigen Hügeln), TrientaUs eiiropaea (in moosigen Wäldern 
Norddeutschlands, im Gebirge an offenen Flächen), Primida elaüor 
(bei uns im Laubwald, in Hessen. Baj^ern und Tirol auf Wiesen), 
Platcuithera hifolia (im Taunus auf Triften, bei uns im Walde) u. a. 
"freie Exposition, während sie in trockneren den Wald bewohnen. 
Eine ähnliche Beziehung besteht zwischen kühleren und wärmeren 
Gebieten bezw. Oertlichkeiten bei Melampyrum ijratense (nach Linne. 
Fl. suec. ed. 2. [1755] . 214, in Schweden „ubique in pratis" ; bei 
uns Waldpflanze), AiKnnone iiemorosa (nach Linne. a. a. o. 190, „ubique 
in pratis nemor'osis, non in campis apricis", bei uns im Walde), 
Cürijdalis u. a., wobei wahrscheinlich der Lichtgenuß entscheidet- 
Für Standortswechsel nach dem Boden bieten Phifjuicula vulfjaris 
(bei uns auf feuchten Wiesen, aber auch an Gipsfelsen des Harzes), 
Tetragonolohus siliquosus (meist auf Salzwiesen, in Hessen an Kalk- 
abhängen). Oplirijs lunsrifi'ra Beispiele. Mit diesen Verhältnissen im 
Zusammenhang stehen die Fragen nach der Formationsstetigkeit der 
Arten und nach dem Zerfall der Spezies in standörtlich begrenzte 
Rassen. Fm alle diese Probleme zu fördern, sind weitere zuverlässige 
Beobachtungen sehr erwünscht. Der Vortr. schloß mit der Bitte," 
ihm einschlägige Wahrnehmungen mitzuteilen. 

Dem die Aufmerksamkeit der Zuhörer in hohem Grade 
fesselnden Vortrag, der einen Ausblick auf eine Fülle noch ungeklärter 
Fragen erölfnete, folgte eine längere lebhafte Aussprache, an der die 
Herren Gerber, Loesener, Beyer, Graebner. Wittmack, Harms, 
Graf von Schwerin, Sabalitschka, Duysen und Jahn teilnahmen, 
die nach eigenen Beobachtungen Fälle nannten, die zu den Aus- 
führungen des Vortr. in Beziehung stehen. So wies z. B. Herr 
Gerber darauf liin, daß Pasiin.aca sativa, bei uns Wiesenpflauze, in 
Bayern auf Kalkboden im Walde merkwürdigerweise in einer schmal- 
blättrigen Form {temäfolki Geisenheyner; vergl. A. F. Schwarz. 



150 Tagesordnung der -Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Fl. XiirulKTg-Eiiangen [1892] 84:7) vorkomme: Herr Loesener 
erörtert L' das A^jrkommeii der sonst bei uns Mitore Ijewolinenden 
Mifi-DstijUs nioiKiiilnjUa im trockenen. Kiefernwald des Streckelberges 
auf Tsedom: Herr Be\'er besprach das Auftreten der Hoclimoorpflanze 
Lediuii paliidre an B'elsen der i^ächsischen Schweiz: Herr Harms nannte 
Empetruin )i/f/i-/tin (in den Alpen im AValde, an der Nordsee auf 
Dünen) und äußerte die Meinung, das Auftreten der im Mittelgebirge 
und in den Alpen auf Kalk wachsenden Eplixidis rtihujtnusa an der 
Ostsee, die nach Herrn Graebner übrigens auch in tiefer im Inueni 
gelegenen Wäldern (z. B. bei Bialowies) wachse, habe wohl mit dem 
Salzgehc^lt des Bodens an der Küste iiichts zu tun, nachdem Herr 
Jahn die Abhängigkeit solcher und ähnlicher Fälle von edaphischeu 
Bedingtingen im Anschluß au die Forschungen von Kolkwitz"') 
vermutet hatte (Halophile seien an anderen Stellen Kalkptlanzen) 
und nebenljei auch zoologische Parallelfälle zu den von Herrn Di eis 
gegel)en Beispielen angeführt hatte, 

Herr Graebner betonte, daly im Xorden alle Moorpflanzen mehr 
als bei uns trockene Standui'te l^evorzugen, da dort die Pflanzen mehr 
Wärmel)edürfnis haben: er teilte mit, daß im \\'alde von Bialowies 
Si'rratida wachse. Herr Duj'sen hat Didens auf Muschelkalk in 
Franken Ijeoljachtet, wo die Pflanze ein schwer zu vertilgendes 
Fukraut sei. 

HeiT Graf von Schwerin wies hin auf seine Abhandlung 
„Ueber Pflanzeneinbürgerung sowie 'Gründe und Abwendung vor- 
kommenden Mißlingens" (in Mitteil. Deutsch. Dendrol. Gesellsch. 
[1907] 98). Dort hatte er näher erörtert, welche verschiedene Arten 
der ., Finbürgertmg" es gebe und dabei unterschieden: 1) Akklimati- 
sation (Ansiedlung einer Pflanzenart in einem anderen Klima, d. h. 
•in einer anderen (4egend mit höheren oder niedrigeren Temperatur- 
graden, mit längerer oder kürzerer A'egetationsperiode, und mit 
größerer oder geringerer Ltiftfeuchtigkeit). 2. Atterrenisation (An- 
siedlung einer I'flanzenart auf anderen Bodenverhältüissen als den 
von ihr in der Heimat geforderten: es handelt sich hier um Boden- 
art, Bodenfetichtigkeit und Bodenbeschattnng), 3. Naturalisation 
(Ansiedhmg einer Pflanzenart in ganz gleichen A'erhältnissen sowohl 
des Klimas als des Bodens). Neu ist hierbei das Wort und der 
Begriff der Atterrenisation, der mit dem Gegenstande des obigen 
Vortrages in Beziehung steht. 



*'') R. Kolkwitz, Ueber die Standorte der Salzpflanzen (Ber. Deutsch 
Bot. Ges. XXXV. [1917] 518). 



Tagesordnung- der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. lol 

Außerdem erwälmte Herr Graf von Scliweriu einen Bestand 
von fast 2 'm hohen im tiefsten Schatten stellenden Exemplaren von 
AronUnjii I/jrnctnjiiiiit bei Rostock (wohl aus dem Bot. Garten ver- 
wildert) und die Arbeit von Dr. A. Zickg-raf: Schreibweise und 
Aussprache der botanischen Namen (3. Bericht des Xat. Ter. Biele- 
feld 19U: 52 Seit. — Pief. in Mitt. Deutsch. Deudrol. Ges. Xr. 2ij. [1917] 
241). die sich mit Abänderungen bekannter Xamen aus grammatika- 
lischen Gründen, falscher Schreibweise, falscher Wortbildung- und 
falscher Betonung befaßt. 

Herr Th. Sabalitschka berichtete über zwei in den Berichten 
der Deutsch, chemisch. Ges. (Heft 17. s. 1777 u. folg. 1917) ver- 
ötfentlichte Arbeiten von Bichard Willstätter und Arthur Stoll 
..Ueber die Baeyersche Assimilatioushypothese" und „Ueber 
das Verhalten des kolloidalen Chlorophylls gegen Kohlen- 
säure." Bereits der Lehrer und Vorgänger AVillstätters auf dem 
3]ünchner Lehrstuhl. Adolf Baey er. hatte die Annahme ausgesprochen, 
daß Formaldehyd in den chlorophyllhaltigen Ptianzen als Zwischen- 
glied der rmwaudlung von Kohlensäure in Kohlenhydrat auftritt. Ks 
ist bisher vergeblich versucht worden, die An\yesenheit v^n l^jrmal- 
dehydspuren in den grünen rHanzen zu bestätigen. Abtr wenn dies 
auch gelänge, so hätte es doch keine Bedeutung für die Beurteilung 
des Assimilationsvorganges, da Formaldeliyd auch in der Ptianze 
durch Umwandlungen entstehen kann, die keinen Zusammenhang mit 
der Desoxydation der Kohlensäure haben. 

Die Annahme von Formaldehyd als Zwischenprodukt ist viel 
umstritten, so in den letzten Jahren namentlich von E, Bauer (l'h. 
Gh. 63 S. 083 und 706 (1908) und 72, S. 323. 336 [1910J) (Ber. 
d. d. ehem. Ges. 1-6, S. 852 [1913]), ferner von Bredig (Umschau 
18. 362 [Vdl^) und von K. A. Hoffmann und K. Schumpelt 
(Ber. d. d. ehem. Ges. 19. 303 [1916]). Es Avurde von diesen Seiten 
eine Zei'setzung des A\'assers und das Entstehen von Zwischenprodukten. 
die saucr.^tott'reicher als Fin'maldehyd sind, so von Ameisensäure 
und Oxalsäure angenommen, A^'illstätter untersuchte nun, ob der 
assimilat(.)rische Koettizient bei der Assimilation unter hohem Teildruck 
der Kohlensäure und auch im übrigen günstigen Bedingungen bei 
sehr langer Dauer d. h. also .bei gesteigerter Assimilation 
konstant bleibt. Der Gasaustausch würde sich ändern, und die 
Menge des freiwerdeuden Sauerstoffes müßte sinken, falls Zwischen- 
produkte der Reaktion auftreten und sich anhäufen, wofür die Vor- 
aussetzungen möglichst günstig gestaltet wurden. Zwischen CO'' und 
Kohlenhydrat gibt es, wenn man nur die einfachsten Möglichkeiten 



15'2 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

" in Betracht zieht, mindestens drei Zwischenstufen, nämlich 1. Oxal- 
säure, 2. Ameisensäure, 3. Glyoxal und Glykolsäure. Diesen Reduk- 
tionsprodukten entsprechen folgende Quotienten aus Kohlendioxyd 
und abgespaltenem Sauerstoff 

CO" für Oxalsäure = 4 
0^ „ Ameisensäure = 2 
,, „ Glykolsäure ^ 1.33. 

Wenn die Konstante genau 1 ist, so sagt sie aus: die Kohlen- 
säure wird reduziert zum Kohlenstoff, der natürlich als Hydrat auf- 
tritt; das einzige Hydrat des Kohlenstoffes mit nur einem Atom 
Kohlenstoff im Molekül ist Formaldehyd. 

Es ist erklärlich, daß die Resultate aus der Assimilation und 
Atmung, wde sie z. B. Boussingault (Agronomie, Chimie Agricole 
et Physiologie. 2. Aufl., III. Band, S. 266 und 378; Band V, S. 1) 
angibt, nichts über die photosynthetische Reaktion aussagen. Nur der 
reine assimilatorische Koeffizient zeigt eindeutig die niedrigere Oxyda- 
tionsstufe des Kohlenstoffs an, in die CO" unmittelbar umgeformt 
ward bei der Assimilation, Der große Fehler bei der Bestimmung 
des assimilatorischen Gaswi'echsels war bisher der zu bedeutende 
Einfluß, den man dem Atmungsvorgang neben der Assimilation 
gelassen hat (Bonnier und Mangln C. r. d. l'Acad. des sciences 
100, 1303). Da nun AVillstätter die Blätter unter Bedingungen 
maximaler Assimilationsleistung bei konstanter Temperatur prüfte, 
so übt er, wenn er auch im Licht und im Dunkeln nicht genau 
gleich ist, mit den möglichen Differenzen doch nur einen unbedeuten- 
den Einfluß auf den Assimilationskoeffizienten ^us, da bei gesteigerter 

Assimilation die Atmung nur ^^ bis ^^ der Assimilation ausmacht. 

20 oO 

Willstätter untersucht nun im strömenden Gas das Verhältnis von 
00^ und 0. Dadurch ist es möglich, den Blättern konstante Be- 
dingungen der Assimilation zu bieten. In den Analysen ergibt 1 . die 
CO' Differenz in der Luft vor und nach dem Strömen über die Blätter 
im Dunkeln den Betrag der Atmung; 2. die CO'"^ Differenz zwischen 
dem im Dunkeln und bei Belichtung über die Blätter geleiteten Gase 
die assimilatorische Leistung; 3. die CO" mid 0" Differenz zwischen 
dem Versuchsgas und dem im Dunkeln über die Blätter gelei^ 
teten Gas den Atmungsquotienten; 4. die CO' und 0" Differenz 
zwischen den Gasen im Dunkelversuch und bei Belichtung den 
Assimilationsquotienten ohne Einfluß der Atmungstätigkeit, Die 
Vers'uche ergaben, daß in gesteigerter und laug dauernder 



Tagesordnung- der Sitzungen im abgeJaufcnen "Geschäftsjahre. 153 

Assimilation, bei 16—35" der Uiiotient -;, konstant ist nnd 

^ 0- 

genan 1 beträgt. Es wird also der gesamte Sauerstoff des Kohlen- 
dioxyds in der Assimilation entl)iinden. Auch wenn der assimilatorische 
Apparat der Blätter überanstrengt wird, so daß die Leistung scharf . 
zurückgeht, sei es infolge der Anhäufung von Assimilaten oder durch 
Elrmüdung des enzymatischen Systems, so wird dadurch doch im 
assimilatorischen Gaswechsel keine Anomalie herbeigeführt und sie 
läßt sich auch nicht erzwingen. Es ist daher nicht möglich, daß 
ein Zwischenglied der Desoxydation frei vorkommt. Die Untersuchungen 
wurden ausgeführt mit Blättern von Samhucus nigra, dem Laubmoos 
Leucohryum ißancum Schimp.. Pelarqoniahi £onal(\ Cyclamen enropaeuni. 
Aesculus Hippocusfannni. llcx uquifoliuui und den Sukkulenten Plti/Uo- 
cacius und Opuiitia. Bei den letzteren zeigte sich eine interessante 
Verschiebung .des (Quotienten während der Dauer des Versuches, 
verursacht durch die innere CO- Versorgung der Sukkulenten, die 
durch Aufzehrung von den in der nächtlichen Atmung gebildeten 
organischen Säuren stattfindet. Bei langer Dauer des Assirailations- 
versuches gelang es dadurch, daß der Vorrat an Pflanzensäuren auf- 
gebraucht wurde, den assimilatorischen Koeffizienten, der zu Anfang 

2 1 

nur ^ oder ^ betrug, der theoretischen Zahl immer näher zu rücken 

und auf diese Weise zu zeigen, daß die Assimilationsreaktion bei 
den Sukkulenten keine Ausnahme darstellt. 

In der zweiten Arbeit zeigt der Verfasser, daß in organischen 
Mitteln gelöstes Chloi'ophyll nicht mit CO" reagiert; wohl aber wird 
es in kolloider wässriger Lösung in Magnesiumcarbonat und Phäophytin 
gespalten, das aiisgefiockt wird. Will stätter betrachtete auf Grund 
seiner Versuche das Chlorophyll als eine sekundäre Magnesium Ver- 
bindung des Phaeophytins. Bei. der Abspaltung des Metalls durch 
CO" werden beide Valenzen gelöst, mit denen das Metall an N-Atome 
gebunden ist. Das Zwischenprodukt ist eine primäre Magnesium- 
verbindung des Phaeophytins, in der eine Valenz des Mg an N ge- 
bunden, die zweite mit CO'^ abgesättigt ist. Verfasser folgert weiter, 
daß das -Chlorophyll auch im Assimilationsvorgaug eine chemische 
Funktion ausübt, indem es mit der Kohlensäure chemisch reagiert 
und daß das absorbierte Licht im Chlorophyllmolekül selbst chemische 
Arbeit leistet. Durch die Bindung an den chromophoren Magnesium- 
komplex des Chlorophylls ist die Kohlensäure oder ein Kohlensäure- 
derivat Bestandteil des Farbstoffes geworden. Willstätter nimmt 
weiter die IJmlagerung der CO' zu einer peroxydischen Verbindung 



lo4- Tygesordnung- der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

an, so zu Formylliydroperuxyd oder Per^nieiseiisätire und zu F(jrn].al- 
dehydperoxyd. Weiter sagt die Konstanz des assimilierten 
Koeffizienten aus. daß das ßeduktionsprodukt der (JO- mit 
dem Cliloropliyll verbunden bleibt, bis die g-anze mole- 
kulare Sauerstoffmenge abgespalten ist, daß also erst dann 
ein neues Molekül CO'-^ mit dem Cliloropliyllmolekül ' in 
Keaktion treten kann, wenn das vorher aufgenommene 
Molekül zur Formaldehydstufe desoxydiert worden ist. 

Herr Gerber fragte, woran es läge^ daß Liiina<;a horitalls L. 
bei uns (Tegel) seit mehrei'en Jahren nicht geblüht habe. Herr 
Graebner meinte, der Standort sei vielleicht zu schattig. Herr 
Weiße erinnerte sich, vor etwa 20 Jahren die Plian^e bei Tegel 
blühend gesehen zu haben. Herr Beyer hat blühende Plianzen z. B- 
bei (jrünheide beobachtet. lierrHürnlein ))erichtete über auli'allend 
hohe Horste von GaU:,(y})sis tctraliit im Kuhrtale. Herr L. ^\'ittmack 
legte einen Strick aus Hopfen vor; diese Kaserpflanze spielt jetzt 
eine wichtige EoUe, 

Sitzimg vom IS. Januar 1^>1S. 

Der Vorsitzende teilte mit, daß der angesehene Botaniker 
C. F. 0. Xonlstedt in Luud (Schweden), Herausgeber der sehr ge- 
schätzten Zeitschrift „Botaniska Notiser," am 20. Januar seinen 
80. Geburtstag feierte; es wurde ihm im Namen des Vereins ein 
Glückwunschschreiben gesandt. 

Herr A. Weiße bes])racli das bei Paul Parey (Berlin SW. 
Hedemannstr. 10-11) erschienene, von der lieichsstelle für Ge- 
müse und Obst herausgegebene Buch „Wildgemüse und Pilze," 
ihre Kinsammlung und Verwertung, das aus Lehrgängen hervor- 
gegangen ist, die am 14. Mai in Berlin und vom 21. — 25. Mai in 
Bonn abgehalten wurden. An dem ersten Tjehrgange, der durch 
Eeden des Kgl. Oekonomierat llartert (Entstehung und Ziel des 
Lehrganges) und des Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Kuhn er (Bedeutung 
der Pilze und Wildgemüse für die Volksernährung), und eine Ansprache 
des Schriftführers des Reichsausschusses für Volksernährung, Sanitäts- 
rat Dr. Moll, erölthet wurde^ beteiligten sich unsere Mitglieder die 
Herren G. Lindau (Pilzkunde), Fr. Duysen (Anleitung zum 
Anschauungsunterricht an der Hand von Pilzmodellen) und 
E. Ulbrich (Sammeln und Konservieren von Pilzen). Der 
zweite Kursus, an den sich zwei Ausflüge und drei Probe- 
essen schlössen, fand in Bonn unter Jjeitung von Herrn Prof, Dr. 
E. Küster statt, der bei der Gelegenheit Vorträge über Ernährungs- 



TafTcsordnuno- der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 155 

l)li3'.siülugie, Wildgemüse und ^^'ildobt^t hielt. In einem Anhang- 
werden Organisationsfragen besprochen, die in einer von Dr. Gerlich 
verfaßten „Denkschrift über Erfassung und Verwertung der wild- 
wachsenden Nutzpflanzeu und Wildfrüchte für ,die Volkseruährung" 
zusammengefaßt sind. An beide Kurse knüpfte sich eine lebhafte, 
vielseitige Fd'agen streifende Aussprache der Teilnehmer. Im Anschluß 
au die Besprechung dieses sehr zeitgemäßen nützlichen Buches betonte 
Herr A. Weiße, daß nach seiner Erfahrung der Tee aus Brombeer- 
blättern der beste Teeersatz sei. Herr Lo'esener besprach dann 
jioch verschiedene Tee-Ersatzstofte; übrigens habe schon 0. Kuntze 
tlie Vorzüge des Brombeerblättertees gepriesen,, der von echtem kaum 
zu unterscheiden sei. Ferner berichtete er von der zeitweise ver- 
schiedenen Zusammensetzung gewisser käuflichen Ersatztee-Marken, 
was otf'enbar mit zeitweiligem Mangel an bestimmten Eohstott'en zu- 
sammenhängt; die Hersteller der Teesorten sind genötigt, die Bestaiul- 
teile hin und wieder zu wechseln, so daß mau nie angeben kann, ob eine 
bestinuute Marke auch immer die gleichen Bestandteile enthält. Herr 
Be3er rühmte auch deu Tee aus Brombeerblättern, nur seien diese 
oft sehr schwer zu trocknen, da sie leicht schimmeln. Herr Weiße 
besprach seine Methode, die Brombeerblätter zu trocknen, die man 
in trockenen Blechbüchsen aufbewahren müsse. Herr Beyer erwähnte, 
daß Hauerampfer als gutes Heilmittel gegen Arteriosklerose gelte; in 
ganz verzweifelten Fällen wende man erfolgreich Oxalsäure an. 
Herr Duysen erzählte, das Hauerampfer in Holstein ein verbreitetes 
und geschätztes Gemüse sei, das nach Herrn AVittmack überhaupt 
in \\'estdeutscliland, ferner in Belgien und Frankreich sehr beliebt 
sei. — Seite 152 erzählt Jjehrer C. Faust, den besten Kaö'eeersatz 
erhalte man aus den gerösteten und gemahlenen Körnern des klebrigen 
Labkrautes [GuUiun aparhu). In unserer nächsten Sitzung erwähnte 
Herr Graf von Schwerin, daß sich ein guter Tee aus Pappel- 
blättern gewinnen lasse; man solle sie frisch auf Haufen schütten 
und etwas gären lassen. 

Herr H. Harms bes[»rach folgende Arbeit: liudolf Rakete, 
Aiil)au und Verwendung von Pcuiicum saufjuinak' L. u. Sdaria italica 
P. B. in der Görlitzer Heide, sowie einige andere kulturgeschichtlich- 
botanische Mitteilungen aus derselben Gegend (In Abhandl. Natur- 
forsch. Ges. Görlitz XXVIII. 1917, S. 446—4:57). Der in Rothwasser 
(Gberlausilz) ansässige Verfasser ist seit Jahren bemüht, alle Nach- 
richten über allmählich immer mehr zurückgehende oder schon 
größtenteils ausgestorbene Kulturen oder der jetzigen Generation 
nicht mehr geläufige Verwendungsweisen heimischer Pflanzen seines 



156 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Gebietes zu sammeln. Ueberall beobachten wir. daß mit dem Vor- 
schreiten der Kultur und besonders mit der Verbesserung der Verkehrs- 
verhältnisse manche früher reichlicher angebauten Pflanzen in immer 
geringerem Umfange angebaut werden, bis ihr Anbau schließlich 
ganz erlischt. Leider verabsäumt man nur zu oft das rechtzeitige 
bammeln aller Angaben über aussterbende Kulturen; und bisweilen 
läßt sich ein vollständiges Bild der alten Kultur nicht mehr wieder- 
geben. Alle Angaben über solche Erscheinungen sind daher dankbar 
aufzunehmen, und jeder, der in seinem Wirkungskreise auf eine im 
Verschwinden begriffene Kultur stößt oder eine jetzt nicht mehr ge- 
bräuchliche Verwendungsweise einer Pflanze bemerkt, möge nicht ruhen, 
bis er, sei es durch eigene Beobachtungen, sei es durch Erkundi- 
gimgen bei den älteren Landbewohnern, alle irgendwie erhältlichen 
Nachrichten über die betreffende Pflanzenart und ihre Nutzanwendung 
m früherer oder jetziger Zeit beisammen hat. Auch in unserer 
Provinz möge man, mehr noch als bisher nach solchen alten Nutz- 
pflanzen Umschau halten. — Nachrichten darüber haben aber nicht 
allein rein wissenschaftliches Interesse, indem sie uns die Kultur- 
geschichte eines Gebietes genauer kennen lehren und die Heimat- 
kunde fördern helfen, sondern gerade heutigen Tages können sie 
auch, bisweilen von praktischem Wert sein. Bekanntlich waren wir 
seit Kriegsbeginn immer mehr vom Weltverkehr abgeschlossen und 
daher genötigt, nach Ersatzstoffen für die nicht mehr von Uebersee 
oder aus Eeindesland erhältlichen Produkte der Pflanzenwelt unter 
unseren heimischen Gewächsen zu suchen. Dabei sind uns recht 
oft Angaben der Literatur über frühere Nutzanwendungen zustatten 
gekommen, und so kam jetzt manche früher mehr genützte Pflanze 
wieder zu ihrem Eechte, ja wurde erst jetzt in ihrem wahren Werte 
erkannt (wie z. B. die zurzeit als Faser- und Futterpflanze hochge- 
schätzte Brennessel). Auch von diesem Gesichtspunkte aus sammle 
man Nachrichten über frühere Verwendungsarten. ' • 

In der Görlitzer Heide, deren allgemeinen floristischen Charakter 
der Verf. mit besonderer Berücksichtigung der 'Moose und Flechten 
in einer früheren Abhandlung geschildert hat (Bryologische und 
lichenologische Beobachtungen im Süden der Görlitzer Heide; Abh. 
Naturforsch. Ges. Görlitz NXVII. 1911, S. 413-487) haben wir 
zwei aussterbende Getreidearten: Panicum scuujninalr L. und Setaria 
italica P. B. Einst hatte die Kultur dieser beiden > Gräser eine 
größere Wichtigkeit für die dortige Heidebevölkerung, jetzt ist sie 
aber schon so gering geworden, daß sie in der Lebensmittelversorgung 
keine Rolle mehr spielt. Der Verf. sagt: ,,,Wie gut wäre es in der 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 157 

gegenwärtigen Zeit für die Abwechselung im Speisezettel, wenn so 
manches sandige Ackerstück damit bebaut werden könnte; aber der 
Anbau ist ja schon so gering geworden, dal] es an dem nötigen 
Saatgut fehlen würde." xAscherson hat die Bluthirse bereits einmal 
in einer eigenen Abhandlung besprochen (Eine verschollene Getreide- 
Art; Brandenburgia [1895] 37); danach hat zuerst J. Kühn auf die 
Kultur dieser Hirsen-Art in der Görlitzer Heide hingewiesen (Fühlings 
Landwirtsch. Zeitg. 1876, S. 35). Später hat der beste Kenner der 
dortigen Flora, E. Barber in Görlitz, Angaben über diese Kultur 
gesammelt (siehe a. a. 0. bei Ascherson, S. 53). Die Mitteilungen 
Rakete' s decken. sich im wesentlichen mit letzteren, sind, aber von 
besonderem Wert, da sie auch auf eigenen Erkundigungen und 
Beobachtungen beruhen. P. sanguinale (Bluthirse, Blutfennich, Manna) 
ist (nach Ascherson-Graebner, Synops. II. S. 64) ein über die wärmeren 
und gemäßigten Zonen verbreitetes Gras, das zuweilen wegen der 
eßbaren Samen gebaut wird, verschieden von der gewöhnlichen 
Rispenhirse (P. miliaceum L.) durch die fingerförmig gestellten 
Scheinähren und längliche Samen; die violette Varietät der Rispen- 
hirse wird auch bisweilen als Bluthirse bezeichnet. P. sang^üiiaJp 
heißt auch Himmeltau oder Manna; in der Görlitzer Heide macht 
man aus Manna den dort üblichen Namen „Moan;" dort ist daneben 
der Name „Schwoade" (nicht Schwaden, Olyceria fluitans) ebenso 
gebräuchlich. Die Kultur, die im .Alittelalter in Ostdeutschland und 
Oesterreich weiter verbreitet war als jetzt, kommt heute nur noch 
in Böhmen, Untersteiermark und einem Teile der Oberlausitz vor. 
fraglich ist sie für Ungarn (nach Ascherson-Graebner). H. Werner 
(Handb. des Getreidebaues II. [1885] 908) sagt: Diese Pflanze wachest 
vielfach auf den bessei-en humosen Böden und wird- vielfach auf 
sandig-moorigen Boden, so z. B. seit Jahrhunderten in der Görlitzer 
Heide (Niederschlesien) und auch in Böhmen, Görz, Kärnten, Slavonien 
kultiviert. Kör nicke (Handb. Getreideb. I. [1885] 283) hält es für 
wahrscheinlich, daß sie zuerst von Slaven in Kultur genommen 
wurde. Ihr Auftreten im westlichen und mittleren Rußland beruht 
auf neuerer Einführung (nach A. F. Batalin^') im Samenprüfungs- 



1') Danach war sie in Rußland bis 1883 nicht bekannt. Ein tschechischer 
Landwirt in Kiew, der ihre Kultur aus nordöstlichen Teilen Böhmens kannte, 
empfahl ihre Einführung auf wenig fruchtbarem sandigen Boden, und seitdem 
hat sie sich dort rasch verbreitet, wo sie besonders in den mittleren und südlichen 
Gouvernements gebaut wird, besonders zur Bereitung von Grütze. In Rußland heißt 
sie „tscherwonnaja rossitschka" oder einfach „rossitschka". Batalin 
unterscheidet: 1. wax.amethystinuni. Aehren violett, Blätter teilweiserot. 2.var. viri- 
dans. Aehren undBlätter grün. Nur die erstgenannte Varietät wird inRußland gebaut- 



158 TatTesoidnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

stat. Kaiser!. Bot. Gart. Petersburg- TV. (1887) Sep. 40). ■ Daß die 
Bhtthirse eine der jüngsten (retreide-Arten ist. dafür spricht (nach 
Körnicke und Ascherson) ihre völlige Gleichheit mit der wilden 
Stammform. Der ,,Moan" wurde in der Görlitzer Heide nie in 
großen Feldern, sondern immer nur streifenweise oder beetweise 
gebaut. Ausgesät wurde er zur Zeit, wo mau die Kartoftelu steckt, 
geerntet im Herbst, gemäht mit der Sichel; die leicht ausfallenden 
Körner reifen sehr ungleich, sodaß man die halbtrockene Pflanze 
ernten muß und die Körner sofort abdrischt; das Stroh ist ein vor- 
zügliches Futter. Die Samen wurden in besonderen Stampfen enthülst, 
nicht gemahlen, und waren dann weiß. Si'e wurdeu nur mit Wasser 
oder mit Milch zu einem Brei gekocht, der unter der Bezeichnung 
..Moanpappe" oder „Schwoadpappe" nach Ueberstreuen mit Zucker 
in kaltem Zustande genossen ein beliebtes kühlendes Erntegericht 
war und als ländliche Delikatesse bei keiner Festlichkeit fehlen 
durfte. 

Die uralte Kulturpflanze Setaria itaUcaV. B. (Kplbenhirse, auch 
Fennich, in der Oberlausitz Fennch; bei Ascherson-Graebner (Synops. 
77) Panicum italicum L., Unterart von P. viride L.) wird im Ge1)iet 
der Oberlausitz nur hier und da gebaut, weit seltener als die 
gewöhnliche Hirse; die Kultur ähnelt der der Bluthirse. Die ent- 
hülsten Körner wnrden mit Milch zu einem dicken Brei gekocht. 
der mit Zucker überstreut oder noch mit brauner Butter übergössen 
wurde („Fennchpappe"). Ko er nicke (Handb. (Tetreideb. I. [1885] 
268) sagt von ihrem Anbau in Deutschland schon, daß sie jetzt auch 
in ihren alten Bezirken ihre Bedeutung veiioren habe und nur noch 
vereinzelt und gelegentlich ausgesäet werde; übrigens hielt er s. Z. 
das rechte Rheinufer zwischen Deutz und Düsseldorf für den nörd- 
lichsten Punkt ihres i\.nbaues bei uns. Das Aufhören der Kultur 
l)eider Getreide-Arten fällt etwa in die 60 er Jahre. Der Gründe des 
Rückganges gibt es wohl mehrere. Durch die höhere Kultivierung des 
Bodens wurde dieser verbessert und' daher geeigneter für das" ertrag- 
reichere gewöhnliche Getreide, sodaß sich der Anbau jener Hirse-Arten, 
die nur auf sandigen oder sandig-moorigen Aeckern gedeihen, nicht 
mehr lohnte. Mit der Vergrößerung des Eisenbahnnetzes verloren 
die Heidedörfer ihren C'harakter, die Lebenshaltung wurde bessei-, 
jene (Berichte aus Bluthirs« und Kolbenhirse verloren ihre A\'ert- 
schätzung, da der Vei'kehr ähnliches (z. B. Reis) bequemer zuführte. 

Im Anschluß daran gibt der Verf. noch einige Bemerkungen 
über die dortige Anwendung einiger anderen Pflanzen, die jetzt 
besondere Beachtuii«' verdienen, da man auf eini^'e von ihnen als 



Tao-esordnuna' der Sitzunoen im abo-elaufenen (Teschäftsiahre- 159 

Ersatzstoffe zariickgegTiffeu liat. Z. B. erwähnt er, daß man ans 
der Rnnkelrnbe nnd den (,) necken wnrzeln Kattee-ICrsatz liergestellt 
habe. Hanfsnppen wnrden in folgender AVeise bereitet: Die Samen 
wnrden im Ofen getrocknet nud dann leicht gestampft, nm die 
Schalen zu entfernen; dann wurden sie in besonderen (Tefäßen aus 
Stein oder Ton (mit netzartig geriefter Bodentläche) mit Stampfen 
feingerieben, die entstandene milchartige Flüssigkeit wtirde der 
^lehlsuppe zugesetzt. Die AA'asserrübe {Bnif^^ica rapa esrnJenta) 
wurde zu Sauerkraut verarbeitet, eine Sitte, die jetzt wieder auf- 
kommt. — An der Diskussion nahmen die Herren Beyer. Duyseu. 
Loesener, Harms. Herter und ^^'ittmack teil. Herr AA'ittmack 
teilte mit, daß Prof. PI Hahn aus Steiermark Pauicum sanguiiiaJe 
mitgebracht habe; man habe l)eobachtet. daß es sehr ungleich reift. 

Sitzuuii- vom 15. Februar 11)18. 

Der Vorsitzende teilte mit. daß die Herren Fedde und Vaupel 
das Eiserne Kreuz 2. Ki. erhalten hätten. — Herrn I. Urban wurde 
zum 70. Geburtstag (7. Jan. d. J.) das Ehrenmitgliedsdiplom zusammen 
mit einem Glückwunschschreiben gesandt. Da die Gesundheit unseres 
Ehrenmitgliedes infolge einer eben überstandenen Krankheit noch 
angegriffen war. so mußte auf seinen A\'unsch ein Empfang in seiner 
AVohnung unterbleiben. Das Schreiben hat folgenden AA'ortlant: 
Hochgeehrter Herr Geheimrat! 
Von allen, die sich heute Ihnen nahen, ist besonders auch 
der Botanische Verein der Provinz Brandenburg hoch erfreut. 
Ihnen zu Ihrem 70. Geburtstage seine herzlichen Glückwünsche 
aussprechen zu können. Zählen Sie doch nicht nur zu seinen 
ältesten, sondern auch zu seinen tätigsten Mitgliedern, wovon 
Ihre zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten einen beredten 
Beweis liefern. Aber nicht die- große Zahl Ihrer Ver- 
öffentlichungen ist es, die uns Jüngere in Ehrfurcht zu Ihnen 
aufblicken läßt, sondern das zielbewußte Arbeiten, die peinliche 
Sorgfalt, der ausdauernde Fleiß, der kritische Blick und die 
scharfe Beobachtung, die Ihr wissenschaftliches Streben Ihr 
ganzes Leben hindurch kennzeichnen und ihm den Stempel 
echten Forschersinnes aufdrücken. Dies war das Ihnen von 
der yatur mitgegebene Rüstzeug, das Sie befähigte, so schöne 
Erfolge zu erzielen. Zwei Gipfel heben sich aus dem Gefilde 
Ilirer Tätigkeit heraus, um die sich die verschiedenen Erzeugnisse 
Ihrer geistigen Arbeit grui)piereu. Der eine nennt sich „Flora 
Brasiliensis-. Erforschuno' der Flora Westindieus der andere. 



160 Tagesordnung der Sitzungen im, abgefaiifenen Geschäftsjahre. 

Mit der Herausgabe des genannten, in seiner Art einzig- da- 
stehenden Werkes stellen zahlreiche Veröffentlichungen auf dem 
Gebiete der systematischen, morphologischen und biologischen 
Botanik im Zusammenhang, von denen hier nur Ihre Unter- 
suchungen über die Linareae und Humiriaceae, Ihre mono- 
graphischen Bearbeitungen der Turneraceae und Loasaceap. 
sowie der brasilianischen ümhelliferae genannt sein mögen. 
Brachten Sie mit der „Flora Brasiliensis" ein schon von 
Martins begonnenes und Ihnen selbst von Eichler hinterlassenes. 
gewaltiges Unternehmen zu einem glücklichen Abschlüsse, so 
haben Sie in der planvoll und kritisch durchgeführten Er- 
forschung der so überaus reichhaltigen Pflanzenwelt Westindiens 
Ihre allereigenste Aufgabe gesehen, die Sie zum Teil auch durch 
. Ausrüstung und Entsendung besonderer Forschungsreisen zu 
erreichen bestrebt waren. Ihre Additamenta Florae Indiae 
Occidentalis, die Sjmibolae Antillanae und- nicht zum mindesten 
die so überaus mühevoll durchgeführte, klassische Sammlung 
des westindischen Herbars, dessen wertvollste Bestandteile aus 
neuerer Zeit durch Ihre Bemühungen herbeigeschafft Vv'urden, 
legen davon -ein schönes und dauerndes Zeugnis ab. "^ 

Aus dieser in erster Linie systematischen Forschung ergaben 
sich Ihnen daran anschließend viele wichtige pflanzengeo- 
graphische und morphologische Tatsachen und im Zusammenhange 
mit diesen so manche interessante biologische Beobachtung, 
über die Sie in einer großen Zahl von Publikationen berichten. 
so über die Biologie und Morphologie der Riitaceen, über die 
Morphologie der Gattung Bauhinia, über die Bestäubungsein- 
richtungen und den Blüten- und Fruchtbau der Loasaceen. und 
noch während des Krieges über Ranken und Pollen der 
Bignoniaceen. 

Neben dieser aus der Beschäftigung mit der Pflanzenwelt 
selbst hervorgehenden Tätigkeit hatten Sie von jeher ein leb- 
haftes Interesse an dem Entwicklungsgange sowohl der einzelnen 
Menschen, die sich dieses Gebiet als ihr Arbeitsfeld erwählten, 
als auch der wissenschaftlichen Anstalt, an der Sie so erfolg- 
reich gewirkt haben und in uneigennütziger Weise noch weiter 
wirken. In einer Anzahl ausführlicher Ijebensbeschreibungen 
von Forschern, wie z. B. G. Engelmann, G. Bentham, und 
Forschungsreisenden, von denen nur Friedr. Sellow. Ed. 
Poeppig und C. Aug. Ehrenberg genannt seien, hat diese 
Neigung Gestalt gewonnen, ebenso wie in Ihren Notae l)io- 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Gescliäftsjahre. 1(^1 

grapliicae zur vvestindisclieii niicl brasilianischen Flora. Besonders 
aber liabön Sie in archivarisclier Hinsicht unübertroffene Werke 
in Ihrer T-ieschichte des Kg]. Botan. Gartens 1881 und der 
Geschichte des Kgl. Botan. ^luseums Berlin-Dahlem 1916 uns 
geliefert. 

Unser Verein aber ist Ihnen zu besonderem Danke ver- 
pflichtet. Schon 1871 als junger cand. phil. ihm als Mitglied 
beigetreten und 1874 zum ersten Male in den Ausschuß gewählt, 
sind Sie seit 1883 bis heute dauernd ehrenamtlich für den 
Verein tätig gewesen, teils als erster Schriftführer, teils als 
dritter Vorsitzender, teils als jMitglied des Ausschusses oder 
der Redaktionskommission. Haben Sie nun auch später Ihre 
Hauptaufgabe in der Beschäftigung mit der tropischen Pflanzen- 
welt gesehen, so fanden Sie doch besonders in früheren Jahren 
neben Ihrer dienstlichen Tätigkeit noch Zeit, auch der 
heimischen Flora liire Aufmerksamkeit zu widmen. So ver- 
öflentlichten Sie im Jahre 1878 in unseren Verhandlungen 
&ine Arbeit „Zur Flora von Teupitz" und wenige Jahre darauf 
Ihre Flora von Groß-Lichterfelde. Besonders aber verdient in 
diesem Zusammenhange Ihre Monographie der Gattung Medicago, 
auf Grund deren Sie am lö. Februar 1873 promovierten, hier 
hervorgehoben zu werden, in der ein vorzugsweise in Europa 
verbreiteter Formenkreis eine treffliche Bearbeitung gefunden 
hat. Unserm Verein haben Sie allezeit ein warmes Interesse 
entgegengebracht und dies bis in die letzte Zeit durch Teil- 
nehmen, an unseren Sitzungen und Ausflügen und durch Ihre 
ehrenamtliche Tätigkeit bewiesen. Wir glauben daher, Ihnen 
zum heutigen Tage unsern Dank und unsere Anerkennung nicht 
anders zum Ausdruck bringen zu können als daxlurch, daß wir 
Sie zu unserm Ehrenmitgliede ernennen, und verbinden damit 
den Wunsch, dal5 Sie ' noch recht lange auch weiterhin Ihre 
noch immer so erfolgreiche Forschertätigkeit in vollster geistiger 
und körperlicher Frische mögen ausüben können. 

Der Vorstand 
des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg. 

Herr I. Urban sandte an den- Vorsitzenden folgendes Dank- 
schreiben, das verlesen wurde: 

Für die herzlichen Glückwünsche und die freundlichen 
Worte der Anerkennung für meine wissenschaftlichen Be- 
strebungen, welche der Vorstand des Bot. Ver. der Provinz 

Verhandl: des Bot. Vereins f. Bramlenb. T.X. -I ■) 



1G2 Tagesordnung fler Sitzungen im abgelaufenen Gesehäftsjahre. 

Jji'aiidenbiirg mir in ^eiuer Adresse zu meinem siebzigsten 
(Teburtstag- übermittelt bat. beehre icli mich, meinen aufrichtigsten 
l)ank auszusprechen. Die Ernennung zum Ehrenmitglied des 
Vereins hat micli hrx^h erfreut. 

3rit vorzüglicher Hochachtung 
ergeben st 
I. Urban. 

HeiT.E. Koehne feierte am 12. Februar 1918 seinen 70. Ge- 
burtstag. Der Vorstand überreichte ihm bei dieser Gelegenheit zu- 
sammen mit dem Ehrenmitgliedsdiplom ein Glückwunschschreiben, 
das Herr A. Weiße verlas. Wir hatten die große Freude. Hei-rn 
.Koehne, der seit längerer Zeit unter wiederholten schweren Krank- 
heitsfällen zu leiden hatte, gerade an diesem Tage in verhältnismäßig 
günstigem Gesundheitszustand «zu sehen, sodaß es ihm vergönnt war, 
die Feier in seiner Wohnung gut zu überstehen. Bei der Feier 
waren außer den nächsten Angehörigen, Verwandten, alten Freunden 
(z. B. Herrn L Urban nebst Gemahlin) und den Vorstandsmitgliedern 
unseres Vereines noch die Vorstandsmitglieder der Deutschen 
Botanischen Gesellschaft erschienen, die ihm durch ihren ersten 
Vorsitzenden, Herrn Wittmack, eine künstlerisch ausgestattete 
Adresse überreichen ließ; ferner überbrachte der Präsident der 
Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, Herr Graf von Schwerin, 
die Grüße und Glückwünsche dieser Gesellschaft, deren Vizepräsident 
dei- (iefeierte seit vielen Jahren ist, und Herr A. Engler sprach 
im Namen der Direktion des Botanischen Gartens und Musemns den 
Dank für die laugjährige wertvolle wissenschaftliche 31ithilfe aus. 
die Herr Koehne diesen Anstalten gewährt hatte. Der Botanische 
Garten hatte einige Sträuße entsandt, unter denen man l)esonders 
die angenehm duftende Ha.mampJis japonicfi, einen ^\'interb]ühe]^ 
beaclitete. Auf die verschiedenen Ansprachen erwiderte Herr 
Koehne mit Ausdrücken herzlichen Dankes. Das an ihn gerichtete 
Glückwunschschreiben liat folgenden Wortlaut: 

Hochgeehrter Herr Professor! 
Zu Ihrem 70. (jeburtstage Ijringt der Botanische Verein 
der Provinz Brandenburg. Ihnen herzliche (Tlückwünsche dar. 
Wenn er Sie bei dieser (ielegenheit zum Ehrenmitglied ernennt. 
so will er dadurch dem Danke für die wertvollen Dienste 
Ausdruck gel)en. die Sie in langjähriger Wirksamkeit dem 
Vereine sowohl, wie den von ihm hauptsächlich geptiegten Be- 
strebungen geleistet haben. 



Tagesordnung' der Sitzung'en im abgelaufenen Geschäftsjahre. 168 

Bereits während Ihrer Berliner Studienzeit, im Jahre 1867. 
traten Sie unserem Vereine bei, dem sie demnach jetzt über 
50 Jahre angehören. Nach dem Sie dann in Berlin promoviert 
und bald darauf hier eine Lebensstellung- als Oberlehrer ge- 
funden hatten, wurden Sie im Jahre 1876 mit dem x4mte- eines 
Schriftführers unseres Vereins betraut, das Sie seit der Zeit, 
teils an erster, teils an zweiter Stelle, ununterbrochen bis zum 
Jahre 1889 verwaltet haben: in dieser Stellung haben Sie sich 
besonders um die Abfassung der Berichte über unsere Frühjahrs- 
und Herbstversammlungen verdient gemacht, die Sie größtenteils 
gemeinsam mit Ascherson redigierten. Damals lieferten Sie 
uns auch einen Beitrag zur märkischen Floristik, indem Sie 
1879 eine Florenskizze der Umgegend von Putlitz in unseren 
Verhandlungen publizierten, ein Beweis, daß Sie niemals das 
Interesse an der heimischen Pflanzenwelt verloren haben, trotz- 
dem gerade in jenen Jahren der Schwerpunkt Ihres wissen- 
schaftlichen Schattens die eingehende Erf(n'schung der besonders 
in Brasilien reich vertretenen Familie der Lytliraceae war, der 
Sie Ihr ganzes Leben hindurch Ihr Studium gewidmet haben. 
Auch uns haben Sie des öfteren in unseren Sitzungen über 
den Fortscliritt Ihrer Arbeiten auf diesem Gebiete Kunde 
gegeben. Einen ersten Abschluß fanden Ihre Lythi'aceen- 
Forschungen in Ihrer 1881 — 86 erschienenen Monographie dieser 
Familie: doch nötigte die Fülle des Ihnen zuströmenden Materials 
bereits lHt)B zu einer zweiten (xesamtdarstellung, der schon 
nach vier Jahren wieder Nachträge folgten. 

Daß Sie neben dieser unermüdlichen wissenschaftlichen 
Tätigkeit noch Zeit fanden, Ihre Arbeitskraft in den Dienst 
unseres Vereins zu stellen, werden wir um so hiJier anzu- 
erkennen haben, als in der Hauptsache Ihre Zeit durch Ihre 
schweren und verantwortungsvollen Berufsi)flicliten als Lehrer 
in Anspruch genommen war, die Sie stets mit vorbildlicher 
Treue erfüllt haben. Bis zu Ihrer vor fünf Jahi-en erfolgten 
Pensionierung hat Ihr Unterricht zahlreichen (Tenerationen dank- 
barer Schüler naturwissenschaftliche Kenntnisse vermittelt. In 
Ihren Stunden konnte die deutsche Jugend strenge Sachlichkeit, 
sorgfältige Untersuchungsmethoden und genaueste Beachtung 
der feinsten Unterschiede in den Foi'men der ( »rganismenwelt 
lernen und zugleich Ihre hervorragende (xabe bewuiiderii, ■ mit 
wenigen Strichen die Gegenstände in getreuer bildlicher Dar- 
stellung wiederzugeben. 

11* 



104 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Zum Vorsitzenden unseres Vereins wurden Sie zum ersten- 
male im Jahre 1893 gewählt, in dem Jahre des Erscheinens 
Ihrer „Deutschen Dendrologie," eines Werkes, das, eine Fruclit 
viel jähriger Vorarbeiten, unter seinesgleichen stets einen der 
ersten Plätze einnehmen wird und ein unentbehrlicher Rat- 
geber in der Gehidzkunde geworden ist. Bis zum Jahre 1900 
haben Sie ununterbrochen den Vorsitz geführt, teils an erster, 
teils an zweiter oder dritter Stelle, -durch eine große Zahl 
von Vorträgen aus dem weiten Gebiete Ihrer dendrologischen 
Studien, denen Sie während jener Jahre den größten Teil 
Ihrer freien Zeit widmeten, unsere Sitzungen belebend und uns 
über den Blüten- und Fruchtbau sowie über die Einteilungs- 
merkraale formenreicher Gehölz-Gattungen, wie Cormis, Lyciiim. 
Philaäelplnifi, Sopliora und der Ihnen besonders am Herzen 
liegenden Gattungen der Pomaceen und Prunoideen berichtend. 

Als der Verein sich anschickte, im Jahre 1909 sein 
öOjähriges Stiftungsfest zu feiern, fiel unsere Wahl bei der 
Frage nach dem Leiter dieser Veranstaltung einstimmig auf 
Sie. Wareu Sie doch eines unserer ältesten Mitglieder, hatten 
viele Jahre hindurch an der Seite unseres Ehrenvorsitzenden 
P. Ascherson in unserem Vereine gewirkt und sich durch 
Ihre zahlreichen gediegenen wissenschaftlichen Arbeiten 
einen allgemein geachteten Xamen unter den Botanikern des 
In- und Auslandes erworben. Dazu kam aber noch besonders, 
daß gerade mit Ihrem Berufe die Verbreitung botanischer 
Kenntnisse in der Allgemeinheit verknüpft ist. Unser Vei-ein 
sieht aber eine seiner Hauptaufgaben darin, eine Verbindung 
zwischen den Berufsbotanikern und dem großen Kreise der 
Liebhaber der „scientia amabilis" herzustellen; unser Ziel sei 
es in erster Linie, wie es unser leider so früh verstorbener 
(t. Volkens ausgesprochen hat, der Botanik neue Freunde zu 
erwerben, ihr Jünger heranzuziehen, ihre Ergebnisse in weite 
Kreise zu tragen. So begrüßten wir es mit besonderer Freude, 
als Sie damals die Wahl zum ersten Vorsitzenden annahmen, 
und wir sprechen Ihnen heute für die vortrettliche, umsichtige 
und taktvolle Leitung unserer Festversammlung unseren auf- 
richtigen Dank aus. Bis zum Jahre 1915 haben Sie dann noch 
das Amt des Vorsitzes an erster, zweiter und dritter Stelle 
. versehen. Unser Wunsch, daß Sie noch darüber hinaus den 
A^orsitz führen möchten, ging leider nicht in Erfüllung, da Sie 
im genannten Jahre durch Gesundheitsrücksichten sielt, zur 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 165. 

Niederlegiing dieses Amtes genötigt sahen. Zu unserem lel)- 
liaften Bedauern 'haben körperliche Leiden 8ie in den letzten 
Jahren unseren Sitzungen meistens ferngehalten; doch ver- 
mochten sie nicht Ihre wissenschaftliche Tätigkeit zu unter- 
brechen. Unser aller herzlichster Wunsch geht dahin, daß es 
Ihnen vergönnt sein möge, sich noch sunt viele Jahre geistige 
Frische un,d körperliche Rüstigkeit zu erhalten, damit Sie die 
begonnenen umfangreichen und mühevollen Arbeiten zu einem 
gedeihlichen Abschluß l^ringen können! Mögen Sie überzeugt 
sein, daß unser Verein sich stets aufrichtig freuen würde, sein 
langjähriges treues Mitglied, sein neues Ehrenmitglied, dem er 
soviel Förderung und Anregung verdankt, in seiner Mitte be- 
grüßen zu können. 

Der Vorstand 

des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg; 

Herr A. Weiße verlas ein Dankschreiben (^ F. 0. Nordstedfs 
auf die ihm' zum 80. Geburtstag ausgesprochenen Glückwünsche und 
legte eine Broschüre der Gesellschaft „Wildfrucht" vor: Grundzüge 
und Anweisungen der Wlldfrucht; Anleitung zum Sammeln von 
Früchten und Pilzen. 

Herr Oraf von SchAveriii hielt einen Vortrag über Veränderungen 
der Holzstruktur (Vergl. S. 107), an den sich eine längere Diskussion 
knüpfte. 

Herr H. Harms sprach über Pflanze nfun de aus altperu- 
anischen Gräbern, mit besonderer Berücksichtigung der bisher 
nachgewiesenen Bohnen-Arten, die er in einigen Proben vorlegte. 
Herr II Sei er hatte ihm eine größere Anzahl solcher Funde aus 
dem Material des Museums für Völkerkunde zur Bestimmung über- 
geben. Die Funde stammen aus dem Küstengebiete unweit Lima, 
nämlich von den Grabstätten von Chuquitanta und Pachacamac. 
an letzterem Orte waren sie von dem bekannten Peru- Forscher 
Gretzer gesammelt, von dem auch eine Anzahl (gegenstände von 
Ica im Südosten des Landes herrührt. An allen B Orten fanden 
sich in größerer Zahl Bohnen yow Pliaseolus lunatus L.^^), einer Art, 
die schon L. Wittmack (in Verh. Bot. Ver. Prov. Brandenburg 
XXL 187Ü [1880] 176; Trans. Acad. St. Louis XV. 1. [1905] 14) 
unter den von W. Peiss und A. Stübel bei Ancon gesammelten 



^'*) Die Art PA. Pallar Molina ist ganz unzulänglich beschrieben. (Saggio 
Chile [1782] 130; Comp. Hist. Chile I. [1788] 136). — Die von R. A. Philipp i 
(in Bot. Zeitg. XVII. [1859] 363) unter dem Namen Ph. Pallar beschriebene 
Bohnen-Art ist offenbar Ph. lunatus L. 



166 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Grabfuiuk'ii erwähnt hat. Daneben fanden sich auch Samen von 
PJuiseoUts ütihjaris L., der Gartenbohne, deren Vorkommen unter den 
Gräberfunden von Ancon Wittmack nachgewiesen hat (Verh. Bot. 
Ver. Prov. .Brdbg. XXI. 1879. [1880] 176). Damit bestätigte sich 
neuerdings die von Wittmack geäußerte Ansicht von der amerika- 
nischen Heimat der Gartenbolme. Bei der anatomischen Untersuchung 
der Bohnen von Pli. vulfjarls, die in viel geringerer Zahl unter den 
Eesten auftreten als die yon. Ph. Innatus (Mondbohne oder Limabohne) 
konnten mit Leichtigkeit die für diese Art charakteristischen eng- 
lumigen Krystallzellen unter der Palissadenschicht festgestellt werden 
(vergl. G. Haberlandt in Sitzber. Akad. AVien LXXV. 1. [1877] 33). 
Es handelt sich um eine längliche oder elliptische Form von purpur- 
schwärzlicher oder schwärzlicher Farbe, im wesentlichen überein- 
stimmend mit der von Wittmack von Ancon beschriebenen Form, 
die er zu Ph. vuhjaris ohloiujiis pnrpureus von Martens (der purpur- 
roten Dattelbohne) oder zu Ph. valfjaris eUiptica^ Alefeld rechnete. 
Unter den obengenannten Resten fanden sich auch Samen einer 
Canavalia-kvi (wahrscheinlich C. oUaslfoüa D(J.), die bisher noch 
nicht aus peruanischen Gräberfunden nachgewiesen war. In Pacha- 
caniac fand sich eine kleine, ganz mit solchen Bohnen gefüllte Tasche. 

Herr H. Harms verlas, dann noch in Uebersetzung einen 
Abschnitt „Von den indischen Bohnen*' aus dem 1653 geschriebenen, 
aber erst neuerdings herausgegebenen Werke des Jesuiten-Paters 
Bernabe OjIjo, Historia del Nuevo ]\lundo I. (1890) 375, das ihm in 
freundlicher A\'eise von Herrn Sei er geliehen worden war; es enthält 
eine Fülle wichtigen Materials über peruanische Nutzpflanzen. Der 
genannte spanische Forscher unterscheidet 3 Bohnenarten: Die 
größeren, die als die besten gelten, nennt er PaUares, worunter man 
offenbar die Mondbohne oder Limabohne {Pliaseolas liumtiis) zu 
verstehen hat. Daneben erwähnt er noch die Bohnen des Namens 
Puroto oder Pnrutu, die wohl als Pliaseolas valfjaris anzusprechen 
sind, und schließlich die Bohnen-Art „CJiavi'-'' (rund, von der Größe 
der Kichererbsen, weiß und rot bemalt). 

An der Diskussion nahmen die Herren Wittmack, Herter 
und Harms teil. Man erörterte u. a. die Frage nach dem Blau- 
säuregehalt der Samen von Phascolas lanatas und der Giftigkeit 
gewisser Sorten. Herr Emmerling wies auf das aus dieser Bohne 
dargestellte Phase olunat in'") hin. 



^'■') Das aus dem Samen von Fhaseolns lunatus gewonnene Glukosid 
Phaseolunatin (W. R. Duustan and Th. A. Henry in Proc. Roy. Soc. 



Tagesordnung- der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. Ib7 

Herr R. Kolkwitz sprach lieber Apfelsclialeiitee, wobei er 
darauf hinwies, daß solcher Tee als Ersatzmittel besondere Beachtung' 
verdient, wenn er sachgemäß bereitet wird. Es empfiehlt sich, zu 
seiner Herstellung Schalen edler an sich aromatischeY Apfelsorten 
frisch (im Winter) oder getrocknet (im Sommer) zu verwenden. Die 
Aepfel werden fein, d. h. etwa 0,2 — 0,5 mm stark, geschält, damit 
in den Tee nicht zuviel' Säure aus dem Apfelfleisch gelangt. x\ns 
den Schalen wird nicht, wie beim chinesischen Tee, ein Aufg-ul> 
bereitet, sondern eine Abkochung. Mindestens 100 g Eriscli- 
substanz werden mit 1 1 Wasser zunäc^ist kurz aufgekocht, um 
Säuren, Gerbstotte u. dergl. zum größeren Teil aus den Schalen zu 
entfernen. Diese erste, ziemlich stark trübe Abkochung wird im 
Gegensatz zum chinesischen Tee fortgegossen oder zum Schmoren 
frischen Obstes verwendet. Beim zweiten Mal lälit man langsam etwa 
V4 Stunde lang kochen und erhält dann einen rötlichgelben Auszug von 
angenehmem teeartigen Geruch und (Geschmack. Die Abkochuiigen 
können noch mehrmals mit immer frischem A\'asser wiederholt 
werden; sie liefern miteinander vermischt einen Extrakt von schöjier 
tiefdunkler Farbe, ähnlich Portwein, und, besonders nach Stehen» 
von großer Klarheit, wenn man geringe Wassermengen l)enutzt. 
Dieser Extrakt läLst sich im Winter längere' Zeit aufbewahren. 
Teile davon werden jedesmal mit entsi)rechenden Mengen kochenden 
Wassers zur endgültigen Bereitung des Tees vermischt. Durch die 
Kochhitze wird, wahrscheinlich infolge Karamellierens und gleichzeitiger 
Gerbstoft'wirkung, eine besonders schöne goldgelbe Teefarbe erzeugt. 
Zur endgültigen Fertigstellung des klaren Getränkes werden ge- 
nügende Mengen Zucker (ca. tt'Vu) und, falls erwünscht, geringe 
alkoholische Beigaben hinzugefügt. Im Sommer hält sich der Extrakt 
schwerer. Deshalb ist es ratsam, zu dieser Zeit die getrockneten 
Schalen an jedem Tage frisch aufzukochen. Bei \'erwendung eines 
Emaillegefäl.Nes läßt man die gebrauchten Schalen darin und fügt 
jedesmal eine geringe Menge neuer Schalen hinzu. Die Aromastoft'e 
sind wahrscheinlich Fettsäure-Verl)indungen, welche vermutlich im 
Zellsaft gelöst sind und ihren Sitz in der Schale und in den dicht 
darunter befindlichen Geweben haben. Ein irgendwie wesentlicher 
Nährwert kommt dem Auszug aus den Apfelschalen nicht zu, da 

LXXII. fl9031 285) ist identisch mit dem Linamarin, das A. Jorissen und 
E. Hairs aus den Samen und Keimlingen des Flachses (Linnm usitatissUuum) 
isolierten (Bull. Acad. Belg. 3. s. XXI. 11891] 529), wie Dunst an, Henry und 
Auld ermittelten (Proc. Roy. Soc. LXXVIII. 11906] 145, LXXIX. 11907] 315) 
Vergl. besonders E. Fischer und G. Anger, Synthese des Linamarins (in 
Sitzungsber. Akad. Wiss. Berlin 1918. Nr. 11. S. 203). — H. Harms. 



168 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

schon diese ' selbst nach dem Ausweis der beigefügten chemischen 
Analyse wenig gehaltvoll sind. 

Chemische^ Analyse von Apfelschalen, 

(Gemisch von Boskop und Gravensteinern). Die bei 100 " ( 
getrocknete Substanz enthielt in Prozenten: 

Asche: 2,7. — Kisen (Fe, 0,): 0,03. — Sulfate (SO;,): 0,1. - 
Phosphate (PoO.o): Spuren. — Kalk (CaO): 0,2. — Magnesia (MgG) :[>,,_ , 
— Kali (K, 0): schwache Reaktion. — In Aether Lösliches: 60 (meist 
wachsartige Substanzen). — Eiweiß (Reiuprotein): 3,8. — Gerbstoff: 1,4. 

Herr Emmerling, der übrigens den ßrombeertee als den 
l)esten Ersatztee empfahl, wies daraufhin, daß dem Apfelschalentee, 
dessen säuerlicher Geschmack von der Dicke der Schalen 9-bhängt, 
gerade der wertvolle Stoff des echten Tees, das Thein,. fehle.. Herr 
Loesener hielt Zusatz von Thein zu dem Getränk für bedenklich, 
das durch die Säure von eigentlichem Teegetränk verschieden sei. 
Jedoch kommt nach Herrn Kolkvvitz die Säurefrage nicht mehr in 
Betracht, wenn die Aepfel dünn geschält werden nnd die erste Ab- 
kochung fortbleibt. 

Herr IV. Herter sprach über die Schimmelpilze des Brotes 
(mit Demonstrationen): Seit einer Reihe von Jahren habe ich die 
der Versuchsanstalt für Getreide Verarbeitung zur Unter- 
suchung eingeschickten oder sonst irgendwie erhältlichen Gebäeke 
auf das Vorhandensein von Schimmelpilzen hin betrachtet. Mein 
Kollege Dr. Fornet, Vorstand der Bäckereiabteilung der Versuchs- 
anstalt, hat eine große Zahl von (^ebäcken eigens zu dem Zwecke 
herstellen lassen, um das Wachstum der Schimmelpilze auf denselben 
unter den verschiedensten Bedingungen zu verfolgen. Wir haben 
gemeinsam über unsere Untersuchungen an anderer Stelle berichtet.^") 
Es sei mir hier gestattet, kurz einige Erg^ebnisse mitzuteilen, die 
das Gebiet der Botanik berühren. 

Ich konnte auf Brot spontan folgende 11 Schimmelpilze, nach 
der Häufigkeit geordnet, feststellen: Aspergillus glaucus Link. EliUopus 
ni(jrica)is Ehrenberg, Penicillmm crustaceiun (L.) Fries, Oospora variabilis 
(Ljndner) Lindau, Penlcilliam oliuaretuii Wehmer, Aspergillus fumigatiis 
(Fresenius) De Bary, A. lüger Van Tieghem, A, fiavus Link, A. nkluhuis 
(Eidam) Winter, A. candklns (Persoon) Link, Mucor pusillus Lindt. 
Davon war Pinäcllliani olwaceuni auf Brot überhaupt noch nicht. 



^"j Herter, W., und Fornet, A., Systematische Studien über das 
Schimmeln des Brotes und deren praktische Nutzanwendung (Zeitschr. f. d. 
ges. Getreidewesen, 9. Jg., 1917). — Studien über die Schimmelpilze des Brotes 
(Centralbl. f. Bakt., 2. Abt., 1918 mit Abb.). 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 16 J 

Äsj'ierfjilhis ni<lnlinix auf Brot noch nicht mit vSicherheit bekannt. 
Ei'steres ist von W'ehmer'') nur auf reifen Südfrüchten beobachtet, 
letzterer von Eidam von einem Hummelnest beschrieben worden. '0 

AVie aus früheren Beobachtungen und aus den neuen Versuchen 
hervorgeht, ist verschimmeltes Brot an sich für Menschen und Tiere 
unschädlich. -Wegen der gleichzeitig mit dem Schimmelwachstum 
auftretenden bakteriellen Prozesse, über deren eventuelle toxische 
•'tVirkung noch nichts bekannt ist, ist jedoch Vorsicht geboten.^'') Zur 
Vermeidung von Substanzverlusten ist es namentlich jetzt in der 
Kriegszeit notwendig, nicht nur das verschimmelte Brot zu verwenden, 
sondern auch das Schimmeln des Brotes überhaupt mit allen zu 
Gebote stehenden Mitteln zu verhüten. 

Die Konidien der Schimmelpilze gelangen init dem Korn in 
die Mühle und mit dem Mehl in die Bäckerei. Hier fliegen sie mit 
dem Staub umher und können jederzeit das Brot infizieren. In 
unsauberen Betrieben siedeln sich die Schimmelpilze in den Ecken, 
an . den Wänden, Decken, Fußböden, in alten Brotkästen an und 
werden durch den geringsten Luftzug, ferner durch Insekten (Fliegen, 
Motten, Käfer) von einer Stelle zur andern übertragen. 



^^) Leider konnte Herr Prof. Dr. Wehmer, dem ich eine Reinkultur des 
Pilzes zusandte, nicht entscheiden, ob wirklich sein PeniciUium olivaceum 
vorlag. Mit der von Wehmer (Morphologie und Systematik der Familie der 
Aspergillaceen, in Lafars Handbuch der Technischen Mykologie, 2. Aufl., Bd. 4, 
1906) gegebenen Beschreibung stimmt mein Pilz indessen genau überein. 

^'0 Das Temperaturoptimum des Aspergillus nidulans liegt naclfWehmer 
(1. c.) bei 40 " C. In meinen Kulturen trat eine VorUebe des Pilzes für so 
iiohe Temperaturen nicht zu Tage. Er wuchs bei 15—45 ° C. Ich identifiziere 
ihn trotzdem mit .4. nidulans, da er in allen übrigen Einzelheiten mit den 
Beschreibungen der Autoren übereinstimmt. Meine frühere Vermutung (Zur 
Kritik neuerer Speciesbeschreibungen in der Mycologie. Ueber drei angeblich 
neue Aspergillaceen, in Mykolog. Centralbl. Bd. 3, 1913), daß auch A. Sydowii 
Bainier et Sartory (mit den Temperaturgrenzen 13— 41" C.) dem A. nidulans 
sehr nahe steht, wird übrigens durch meine neuen Untersuchungen bestätigt. 

-^) Schon Weite (Biologische und pathologische Untersuchungen über 
das Verschimmeln des Brotes, in Arch. f. Hygiene, Bd. 24, 1895) trank selbst 
einen Auszug von 20 g durch PeniciUium crustaceimi völlig verschimmelten 
Brotes mit 75 ccm Wasser, ohne die geringsten Beschwerden danach zu ver- 
spüren. Sodann bestrich er ein Semmelbrötchen dick mit Konidien desselben 
Pilzes und verzehrte dasselbe, ebenfalls ohne nachteilige Folgen. Während 
des Feldzuges gegen Rußland 1915 beobachtete ich mehrfach, daß verschimmeltes 
Brot gegessen wurde. Ich selbst verzehrte es wiederholt, ohne danach zu 
erkranken. Herr Geheimrat Appel hat an sich selbst die gleiche Beobachtung 
gemacht, wie er mir freundlichst mitteilte. Fütterungsversuche, von ver- 
schiedenen Autoren ^owie von mir selbst an Haustieren angestellt, ergaben die Un- 
gefährlichkeit der verfütterten Schimmelpilze auch diesen Haustieren gegenüber. 



1/ü Tci^esordnung' der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Je reicher die Luft an iScliimmelpilzküuidien ist, um so größer 
ist die Scliimnielgefalir. Das Brot schimmelt von anßen her. nicht 
wie vielfach angenommen wird, von innen. Dnrch den Backl)^ozel^ 
werden alle im Innern des Brotes belindlichen Konidien abgetötet. 
Durch Einwickeln in Papier und nochmaliges Erhitzen im Backofen 
gelingt es, Brot schimmeifrei zu erhalten.^') 

Von Einfluß auf das. Schimmeln des Brotes sind die physi- 
kalischen Eaktoren: Eeuchtigkeit und Wärme, sowie die chemischen 
Eaktoren: Zucker, Säure und Sauerstoffgehalt. An trockenen 
Orten hält sich Brot wochenlang schimmelfrei. Ereigeschobene, stark 
ausgebackene und angeschnittene Brote sowie Kleingebäck schimmeln, 
später und weniger als angeschobene, schwach ausgebackene und 
ganze Brote sowie Großgebäck. Mit der geringsten Eeuchtigkeit 
nimmt Asperrjülus fjlaucus vorlieb. Bei niederer Temperatur kommen 
Aspertjäliis ßlancas, Rlüzopas nifjylcans und FeiiicilUani ci'tisfKcciuii 
zur Entwicklung, die andern oben genannten Pilze sind wärmeliebend. 
(Vgl. Uebersicht auf S. 171). AsperrjültLs fjlaucus ist gegen Säure, 
Oospora varlahlüs gegen Zucker relativ tolerant. Bei Luftabschluß 
gedeiht keiner der genannten Schimmelpilze, lihliopus npjvicans 
und Mucor pnsUlns wachsen am schnellsten, Feiücilünin rrastaccuin 
gehört zu den am langsamsten wachsenden Arten. Demgemäß 
findet sich auf unserem heutigen gesäuerten Kriegsljrot am häufigsten 
Asperg'dlas r/laurns, der zur Perithezienbilduug schreitet, sobald die 
Lebensl)edingungen für ihn ungünstig werden, also besonders beim 
Ausgehen der Eeuchtigkeit, Rldzopus nigr Irans bevoi'zugt feuchtes 
ungesäuertes Brot, also das übliche Weizenbrot, FeiürlUinm criistaceujn 
tritt als letzter Schimmelpilz auf Gebacken aller Art auf. Oospora 
varlahiUs liebt Zwieback, kommt aber auch auf Roggenbrot vor. 

Die Mehrzahl der Versuche wurde in Petrischalen auf Brot- 
stücken angestellt. Solche Schimmelpilzkulturen lassen die Earbe 
und die sonstigen mikroskopischen Einzelheiten der Pilze sehr 
gut erkennen, sie halten sich luftdicht verschlossen, jahrelang frisch 
und sind jederzeit zu Demoustrationszwecken gebrauchsfertig. Es 
empfiehlt sich, die -Kulturen vor dem Verschließen der Schalen mit 
Formalin zu desinfizieren. 



'^^) Schimmelfrei, aber nicht bakterienfrei. Bei Temperaturen von 25 ^'C. 
an aufwärts wird ungesäuertes genügend feuchtes Brot durch den hitze- 
beständige Sporen bildenden Spaltpilz Bacillas mcsenfcricnn (Flügge) Lehm, 
et Neum. „fadenziehend." Dies trifft besonders für das Kriegs -Weißbrot zu, 
das in den Sommermonaten leicht von diesem Pilz befahen wird und danij 
anfangs obst- oder loheartig, sodann ekelerregend riecht und beim Aus- 
einanderbrechen Schleimfäden erkennen läßt. 



TatT-esordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 171 



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172 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Sitzung vom 15. März IDlN. 

Unser Elireumitgiied. der liocliangeseliene Begrüiuler der 
Mutatiouslehre. Herr Hii^^'O de Vries in Amsterdam., hatte am 
16. Februar den 70. Geburtstag- g-efeiert. Auf die ihm ausgesprochenen 
Glückwünsche hat er mit folgendem, an den ersten Schriftführer 
gerichteten Schreiben geantwortet, das der A^irsitzende vorlas: 

Hochgeehrter Herr Professor! 
Für die mir im Namen des Botanischen Vereins der 
Provinz Brandenburg- gesandten freundlichen (^lückwünsche zu 
meinem 70. (leburtstage erlaube ich mi]', Ihnen recht herzlich 
zu danken, und Sie zu bitten, meinen aufrichtigen Dank auch 
au die Gesellschaft übermitteln zu wollen. Ich betrachte es 
stets als eine hohe Ehre,- von der Gesellschaft erwählt worden 
I zu sein, um mit ihr zum Zwecke der Förderung der Wissen- 

schaft zu arbeiten. 

Hochachtungsvoll ergebenst 
Hugo de A^ries.- 

Herr Graf vou Scliwei:iu hielt einen Vortrag über das Variieren 
der Pflanzen in ihrer chemischen Zusammensetzung (vergl. S. 117), 
an den sich eine längere Diskussion knüpfte. 

Herr H. Harms verlas folgenden Brief des Herrn C. Karstadt 

an ihn aus Tzschetzschnow v. 28. Febr. 1918: 

Ich hatte seinerzeit, gelegentlich des Besuches des 
Botanischen Vereins in Frankfurt .a. Oder, Mitteilung davon 
gemacht, daß durch den Verkauf der Kgl. Domäne i;i Lebus 
an die ..Eigene, Scholle'' in Frankfurt a. Oder die Befürchtung 
entstände, daß die Lebuser Adouisberge der Bebauung und 
Beackerung anheimfielen. 'Nach eingehender Besprechung mif 
Herrn Professor. Jahn hatte ich an die Kgl. Regierung in 
Frankfurt a. 0. das Gesuch gerichtet, die Lebuser Berge unter 
staatlichen Schutz zu stellen, und die eigenartige pontische 
Hügelflora der Nachwelt zu erhalten. Dieses Gesuch ist von 
der Kgl. Regierung an die „Eigene Scholle" weitergegeben 
worden, und diese hat nun A'^eranlassung genommen, die xA.donis- 
l^erge der Stadt Lebus mit der Maßgabe zu übergeben, die im 
botanischen Interesse zu schützenden Flächen zu erhalten und 
vor Zerstörung zu bewahren. Mein Gesuch ist demnach von 
gutem Erfolg gewesen. ' Durch geschäftliche Ueberbürdung bin 
ich bis jetzt noch nicht dazu gekommen, dem botanischen 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. J-io' 

Verein Kenntnis von dem Ergebnis zn machen. Ich hole dies 
hiermit nach, nnd bitte Sie. das beiliegende Schriftstück in 
den Verhandinngen des Botanischen Vereins abdrncken zn wollen. 

ilit bestem <4]iiß Ihr 
Carl Karstadt. 
Abschrift. 
Frankfnrt a. 0., den 9. September 1913. 
Urschriftlich. Herrn Regiernngspräsidenten, Hoch wohlgeboren, 
hier, mit folgendem Erwidern znrückgesandt. 

Zn den Ausfiilirnngen des Herrn Karstadt, betreffend Er- 
haltnng der Lebuser Berge in ihrer natürlichen Flora, ist 
znnächst sachlich Folgendes zn bemerken. 

Es kann nicht anerkannt werden, daß es sich bei dem 
dortigen Pflanzenbestande nm so seltene Vertreter der heimischen 
Flora ^ handelt, wie zum Beispiel im Falle des vernichteten 
Eqii/.sHfmi varlef/atu)ii am Bnschmühlenweg anf dem Gebiete 
von Lossow. Es ist vielmehr eine Flora, die auf sonnigen 
pontischen Hügeln des östlichen nnd besoliders südöstlichen 
Gebietes der Mark häufiger zn finden ist. so vor allem die 
BrimeUa f/randiflora. Aster linosyris, die Orohaurl/r' -Avten. 
Asperula cj/nanr-Jüra, Yeronica spicata. Pulsatilla pratensis, 
Campauula sihirka etc. Wohl aber geben wir zu, daß auch 
einige Vertreter derselben zn den selteneren Erscheinungen 
auch der pontischen Hügel der östlichen Mark gehören, so die 
Adonis verualis, die außer im Magdeburgischen nur an der 
Oder entlang auf solchen Bergen vorkommt bis hinab 'auf die 
Höhe von Pyritz; Erynrjium (■■ampjestre. das nur im Eibtale sehr 
häufig ist nnd wohl von dort nach hier und einigen Stellen 
bei Küstrin und in Westpreußen verschleppt worden ist. nnd 
endlich Anthericum UUcifjo, das hier als ziemlich seltener öst- 
licher Ausläufer auftritt, in Posen, Westpreußen aber schon 
überhaupt nicht mehr gefunden wird. Wir schränken also die 
Bitte des Herrn Karstadt, der die Hügel als einzigartig be- 
zeichnet, erheblich ein. lehnen sie aber nicht ganz ab. Besonders 
betreffs der Adonis veriialis ist es wohl angebracht, der Pflanze 
ein Opfer zu bringen und ihr auch in unserer Gegend auf alle 
Fälle eine Zufluchtsstätte zu sichern. Wir haben deshalb bereits 
die vom Antragsteller bezeichneten Flächen als Gemeinde- 
dotation vorgesehen. Der Stadt Lebus wird rezeßmäßig die 
Verpflichtung auterlegt werden müssen, die im Ijotanischen 



1 '4 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Interesse zu scliiltzenclen Mächen zu erhalten und die Fii)ra 
durch näher zu bestimmende Maßnahmen vor Zerstfirung zu 
bewahren. Der Auseinandersetzungsbehörde haben wir Nach- 
riclit gegeben. 

Landgesellschaft E^igene Scholle (t. m. b. H.- 

(gez. Unterschriften.) 

Dem Botanischen Verein kann ich noch die Mitteilung 
machen, daß ich Poh/gonatinn verücillatmn in einigen Exemplaren 
bei Buschmühle entdeckt habe. 

Carl Karstadt. 

. Herr H. Harms besprach folgende Arbeit: Dr. B. Palm n- 
Dr. A. A. L. Rutgers, The embryology of ÄMcuha japonica (Recueil 
des trav. bot. neerlandais XIV. Livr. 3/4, 1917, S. 119—126); vergl. 
H. Harms, Ueber Fruchtbildung bei Aucuhajaponka (Gartenflora LXVII, 
1918, Heft 7/8, S. 81). Die Vermutung, daß bei der Pflanze Apogamie 
vorkomme, hat sich nicht bestätigt; zur Ausbildung reifer Samen 
ist nach den Untersuchungen der Verf. Bestäubung unbedingt 
erforderlich. 

Herr H. Harms legte folgendes Werk vor: Ersatzstoffe aus 
dem Pflanzenreiche; ein Hilfsbuch zum Erkennen und Verwerten der 
heimischen Pflanzen für Zwecke der Ernährung und Industrie in 
Kriegs- und Friedenszeiten, herausgegeben von Prof. Dr. L, Di eis 
(Stuttgart 1918, E. Schweizerbärt'sche Verlagsbuchhandlung); be- 
arbeitet von L, Diels, E. Gilg, P. Graebner, H. Harms. Th- 
Loesener, E. Ulbrich. Preis 10 Mk. 418 S. u. 412 Text-Ab- 
bildungen. 

Herr R. KolkAvitz besprach nochmals seine Methode der Bereitung 
des Apfel Schalentees unter Vorführung von 3 Flasclien mit konser- 
vierten Abkochungen in verschiedenen Stadien. — Die Diskussion 
(Herren Du3"sen, Weiße, ^^'it■tmack, Diels, Jahn, Kolkwitz) 
erörterte besonders das Zustandekommen der Rotfärbung bei den 
Auszügen. 

Herr L. Wittmack em])fahl den Besuch der Fäsei-stotf- 
Ausstellung (März-April) in den Ausstellungshallen am Zoologischen 
Gai'ten; der Bot. (harten hatte sich mit reichlichem Pflanzenmaterial 
und vortrefflichen, unter der Leitung von Herrn E. Ulbrich ge- 
zeichneten Tafeln beteiligt; man vergl. dazu den Aufsatz von 
E. Ulbrich, Heimische Faserpflanzen, in Gartenflora LXVII. 1918. 
S. 9—16, S. 64-73. 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre- 175 

Sitzimg Yom H). April 191.S. 

Die Sitzung, zu der besondere Einladungen verschickt worden 
waren, fand im Hörsaal des Kgi. Bot. Museums in Dahlem statt- 
Herr R. Polile hielt einen Lichtbildervortrag über die Vegetation 
am unteren Ob und Tas (Sibirien), der von den in großer Anzahl 
erschienenen Mitgliedern und Gästen sehr beifällig aufgenommen 
wurde. Herr Po hie ging am Schlüsse seines Vortrages des näheren 
auf den Charakter und die Stellung der westsibirischen Flora ein. 
die er auf seinen weiten Reisen eingehend erforscht hat. Vgl. 
E.. Po hie, Beiträge zur Kenntnis der westsibirischen Tiefebene 
(Zeitschr. Gesellsch. Erdkunde Berlin 1918, Heft 1/2, S. 1—47, mit 
2 Tafeln) . Am Schlüsse berichtete der Vortragende über sehr schönes 
Nesseltuch, das die Ostjaken in Sibirien weben. 

Vor dem Vortrage verlas Herr A. Weiße das Dankschreiben 
der Naturforsch. Gesellsch. in Danzig für das von uns an sie ge- 
sandte Glückwunschschreiben zur Feier des 175jährigen Bestehens 
der Gesellschaft am 2. Januar 1918. ilußerdem legte Herr H. Harms 
vor das im Erscheinen begriffene Werk unserer Mitglieder Max 
Fleischer und L e o p o 1 d L o e sk e, Iconographia Bryologica Universalis ; 
Abbildungen von Moosen aus allen Erdteilen nach Originalzeichnungen 
sowie aus bryologischen Werken. 1. Serie, Auswahl von Abbildungen 
aus L. Loeske, Die Laubmoose Europas. 40 Tafeln; März 1918. 
Verlag Max Lande (Hoffmann u. Campe's Verlag), Berlin-Schöneberg. 
Die Lieferung von 40 Tafeln kostet 8 Mk., also jede Tafel 20 Pfg. 
Das Werk ' ist zum Studium der Moose sehr geeignet. Die Tafeln 
können als instruktive Beilage in Moosherbarien verwendet werden.' 
Größere Museen und Herbarien werden die Anschaffung dieses Werkes 
nicht verabsäumen, das auch für Unterrichtszwecke, z. B. in Schulen 
und bei Vorlesungen mit Vorteil zu gebrauchen ist. 

Ferner las Plerr H. Harms einen Auszug aus einem Briefe 
unseres Ehrenmitgliedes Herrn L. Geisenheyner (Kreuznach) an 
ihn vor, worin über die Verwendung des Oeles aus dem Fruchtfleisch 
von Cornus ^anguhiea berichtet wird (vergi. L. Diels, Ueber den 
Hartriegel, eine weniger bekannte Oelpflanze der Heimat; Merkblätter 
des Kgl. Bot. Gartens über die Verwendung nutzbarer Gewächse der 
heimischen Flora, Nr. 4, April 1917; dazu vergl. auch L. Diels 
in Verh. Bot. Ver. Prov. Brdbg. LIX. 1918, S. 183, Sitzg. v. Febr. 
1917). Herr L. Geisenheyner schreibt (IG. April 1918): 

„Für Herrn Prof. Diels wird jedenfalls das. was ich 

Ihnen von Cornus mitteile, Interesse haben. C. sanguinea enthält 

im Fruchtfleisch fettes Oel. Ich sprach darüber mit dem hiesigen 



l<b Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Rektor Faust. Der sammelte mit seinen Söhnen etwa 60 Pfd. 
Früchte, ließ sie beim Bäcker trocknen (gab 40 Pfd.). und da 
er mit einem Müller gut bekannt ist. veranlaßte er diesen, ihm 
daraus Oel zu schlagen. Aus den 40 Pfd. trockenen Früchten 
hat er nun etwas über 2 L. gutes Speiseöl erhalten, das. da 
es nicht raffiniert ist. dunkelgrün, fast schwarz aussieht, sich 
aber außerordentlich fett anfühlt. Es riecht etwas gewürzig und 
hat einen anfangs ungewohnten würzigen Geschmack, an den 
man .sich aber bald gewöhnt. Die Kerne sind so hart, daß sie 
nicht zerquetscht worden sind; sie enthalten übrigens auch noch 
Oel. Dieses ist (d. h. das aus dem Fruchtfleisch!) nun von dei- 
Frau Rektor in der Küche vielfach versucht worden, und sie 
fand es zum Kochen und Backen durchaus gut zu gebrauchen, 
ebenso zum Fetten des Salates. Alle damit bereiteten Speisei,i 
(auch Waffeln wurden damit gebacken) sind wohlschmeckend 
und nach keiner haben sich die erwarteten Leibschmerzen 
eingestellt." 
In einem späteren Briefe (19. Mai) heißt es: 

..Hinzusetzen will ich noch, daß das Oel gar nicht erst 
lange raffiniert zu werden braucht. Wenn man sich an die 
dunkle Farbe gewöhnt liat und an den würzigen Beigeschmack, 
dann freut man sich über den großen Fettgehalt, so versichert 
wenigstens der Rektor Faust". 

Ferner verlas Herr H. Harms den oben S. 128 abgedruckten 
Aufsatz von H. Raebiger. 



An Stelle der für den 21. .Juni geplanten Sitzung fand auf 
Einladung unseres ]\fitgliedes. Herrn Prof. Dr. E. IJaur, eine Be- 
sichtigung einiger Versuche im Institut fürA'ererbungsforschung 
in Potsdam (Saarmunder Landstraße) statt, zu der auch die Mitglieder 
der Deutschen Botanischen Gesellschaft eingeladen waren. Trotz des 
ungünstigen regnerischen Wetters trafen Nachmittags (> Uhr am 
Bahnhof Potsdam eine große Zahl von Mitgliedern unseres Vereins 
und der Bot. Gesellschaft zusammen, um sich nach dem Gelände zu 
begeben, auf dem Herr E. Baur seine sowohl für die Vererbungs- 
wissenschaft wie für die landwirtschaftliche Züchtungslehre außer- 
ordentlich wichtigen Versuche anstellt. 

Das Institut selbst ist noch nicht gebaut, da die ungünstigen 
Zeitverhältnisse dies noch nicht erlaubten. An seiner Stelle stellen 
dort einige Baracken mit kleinen aber ])raktisch eingericliteten 
Räumen. Für uns war die llauptsnche die Resiclitigung der 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 



177 



FreiJandknlturen. Nachdem Herr Baur uns einige Versuche über 
die Bastardierung von Weizensorten, von Stachelbeersorten u. a., 
sowie über die Sortentrennung bei den Kartoffeln gezeigt hatte, 
führte er uns auf seine ausgedehnten Änürrlünuin-Feldei', um uns 
in einem längeren Vortrage seine neuesten Forschungen über die 
Kreuzung der Formen und das Auftreten der Mutationen an Hand 
einer großen Anzahl von Beispielen vorzuführen; in den Kulturen 
als Mutationen aufgetretene eigentümliche Bildungsabweichungen 
(wie Spaltungen in der Blumenkrone und Verkümmerungen der 
Blütenorgane) und die Vererbung ihrer Merkmale bei Kreuzungen 
mit normalblütigen Formen wurden uns vorgeführt, sowie die 
mannigfachen bei Kreuzungen auftretenden Farben-Kombinationen, 
die eine Unzahl von Möglichkeiten ergeben. Zum Schlüsse zeigte 
Herr Baur die große Reihe seiner langjährigen Versuche, Pfropf- 
bastarde zu erzielen, wobei es stellenweise zu höchst seltsamen Ver- 
wachsungsprodukten gekommen ist. Wir danken Herrn Baur im 
Namen des Vereins für seine lehrreichen und anregenden Aus- 
führungen und wünschen ihm erfolgreiche^ Fortsetzung seiner 
Forschungen in dem aufblühenden Institute, das hoffentlich bald 
gebaut werden kann. 

Sitzmii; vom 20. September 1918. 

Der Vorsitzende, Herr A. Weiße, teilte mit, daß Herr 
P. Kuckuck am 7. Mai gestorben und Herr A. Nauwerck am 
24. Juni auf dem westlichen Kriegsschauplätze gefallen sei (vergl. 
S. 133). Als neue Mitglieder wurden die Herren Kgl. Seminarlehrer 
Ernst Droge (Berlin) und Dr. Martin Herb er g (Potsdam) ver- 
kündet, 

Herr Cl außen hat einen Lehrauftrag für die Universität 
Dorpat erhalten, zunächst bis Ende des Jahres. Herr Tessendorff 
ist im August auf Urlaub hier gewesen und jetzt wieder an die 
Front abgereist. 

Herr Th. Loeseiier legte eine größere Arbeit des kürzlich 
verstorbenen korrespondierenden Mitgliedes Dr. Hans Fo erster 
(Barmen) vor, die sich betitelt „Bäume in Berg und Mark, sowie 
einigen angrenzenden Landesteilen, herausgegeben vom Bergischen 
Komitee für Naturdenkmalpflege, Berlin-, Gebr. Borntraeger, 1918". 
und die mit 15 schönen photographischen xVbbildungen ausgestattet ist. 
Darin stellt F. die Ergebnisse aller seiner Beobachtungen und Messun- 
gen zusammen, die er in der Zeit von 1910 — 1917 im Auftrage des 
Komitees gemacht und ausgeführt hat. Aael Mühe und Zeit hat er 
darauf verwandt, oft weite Wanderungen unternommen, und alle 

Vcrhandl. des Bot. Vereins f. Brandcnb. LX. -| 9 



178 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Nachrichten, die ihm teils von privater S^ite, teils aus den Akten 
zur Vorbereitung eines forstbotanischen Merkbuches zugingen, hat er 
selbst nachgeprüft. Außer den heimischen Gehölzen sind auch 
wichtigere ausländische Bäume, deren Erhaltung wünschenswert 
erschien, berücksichtigt worden. x411es, was in botanischer oder 
kulturhistorischer Hinsicht über die einzelnen Exemplare und Baum- 
arten, von denen die Buche, Eiche, Linde und besonders die Hülse 
die wichtigsten sind, Wissens- und bemerkenswert ist, findet sich in 
diesem „Baumbuche," das über den Rahmen eines forstbotanischen 
Merkbuches noch hinausgeht, zusammengestellt. Besonders wertvoll 
ist auch eine im Anhang gegebene „Zusammenstellung der im 
deutschen Verbreitungsgebiet vorkommenden stärksten Hülsenbäume," 
Die Verbreitungsgrenze verläuft nämlich gerade auch durch das 
Bergische Land (von Osten kommend über den Arnsberger Wald, 
das Ebbegebirge, in fast südlicher Eichtung nach dem Orte Wissen 
an der Sieg und südwärts weiter an den Rhein). 

Herr H. Harms legte die Abhandlung unseres Ehrenmitgliedes 
Herrn Hugo de Vries, vor: Van Amoebe tot Mensch (Von den 
Amoeben bis zum Menschen); ytrecht, A. Oosthoek, 1918. In dieser 
letzten vom Verf. am 13. Juni 1918 an der Universität Amsterdam 
gehaltenen Vorlesung gibt der Forscher eine üebersicht über die in 
den letzten Jahren erreichten Ergebnisse auf dem Gebiete der 
Mutationslehre. 

Ferner legte er vor die glänzend ausgestatteten umfangreichen 
Bände aus unserer Vereins-Bibliothek Meddelanden frän Statens 
Skogs-Försöks- Anstalt, Hafte 13—14, Bd. I. u. IL 1916—17. Stock- 
holm (Mitteilungen aus der Forstlichen Versuclisan statt Schwedens). 
Unter den darin enthaltenen auch für Botaniker wichtigen Abhand- 
lungen seien z. B. genannt: Nils Sylven, Die nordschwedische 
Kiefer; H. Hesselman, Studien über die Nitratbildung in natür- 
lichen Böden und ihre Bedeutung in pflanzenökologischer Hinsicht; 
J. Mattsson, Formen und ' Formen -Variationen der «Lärche; 
H. Hesselman. Studien über die Verjüngungsbedingungen der norr- 
ländischen Kiefernheiden. Der Direktor G. Schotte berichtet am 
Beginn des Bandes über die Entstehung und die Aufgaben der Kgl. 
Forstl. Versuchsanstalt Schwedens; die forstliche Abteilung untersteht' 
ihm, die naturwissenschaftliche dem angesehenen Botaniker H. Hessel- 
man, die entomologische wird von Ivar Trägärdh verwaltet. 

Herr H. Harms besprach sodann folgende Mitteilungen, die 
unser hochbetagtes Ehrenmitglied C. Warnstorf eingesandt hatte, 
wobei er zugleich die von diesem gesammelten Pflanzen vorlegte. 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 17 J 

1. Ueber Gallenbildiiiig' auf JSFasturtiuni silvestre (L.) 
R. Br. — B,ei meinen Nachmittagsspazi ergangen nach dem herrliclien, 
ausgedehnten Stadtpark' von Steglitz führte mich der Weg im August 
dieses Jahres zuweilen, auch über den neuen Steglitzer Friedhof an 
der Bergstraße. Hier bemerkte ich an einem begrasten Abhänge 
an zahlreich dort angesiedelten Exemplaren von Nasturümn silvestre 
in den noch unentwickelten Blütenständen sowohl als auch in den 
Blattachseln der Pflanzen weißliche, erdbeerförmige Gailenbildungen 
in sehr großer Menge,, wie ich solche auf Nasturtium bisher noch 
nicht beobachtet hatte. Ich nahm deshalb Proben davon mit und 
ermittelte nun an der Hand von A. B. Frank. Die Krankheiten der 
Pflanzen > (1880), daß diese Gallen von einer Gallmücke, Cecklomyia 
Sisijmhrü Schrank''^'"^) herrühren, über die 1. c. S. 715 — 747 ausführlich 
berichtet und von denen in Fig. 138 eine gute Abbildung gegeben 
wird. Wenn ich trotzdem in Nachfolgendem meine eigenen Beobach- 
tungen über diese eigentümlichen Gallenbildungen mitteilen zu müssen 
glaube, so geschieht es aus dem Grunde, weil ich meine, daß sie 
geeignet sind, die Frank'schen Mitteilungen darüber in einigen 
Punkten zu ergänzen. 

In den meisten Fällen trifft man die in Rede stehenden Gallen 
im Zentrum der Gipfelblüten einer Traube des Nasturtium an, wo- 
selbst die Blütenstiele der noch geschlossenen Knospen erst wenige 
Millimeter lang sind. Zwischen diese Stiele legt die Gallmücke ein 
oder mehrere rötliche, längliche Eier ab, aus denen die Larven nach 
kurzer Zeit hervorgehen. Ersf dann, wenn dies geschehen, findet 
in den kurzen Blütenstieleir eine merkwürdige Veränderung statt, 
indem sie unmittelbar unterhalb der Blüte kugelartig anschwellen. 
Diese Anschwellung führt endlich dazu, daß sie sich räumlich immer 
näher rücken, schließlich sich gegenseitig drücken und zuletzt eine 
unregelmäßige kurze Pyramide darstellen, deren Grundfläche in der 
Oberfläche der Galle liegt. Aus der Mitte dieser Grundfläche ragt 
dann meist noch deutlich die betreftende Blütenknospe hervor, die 
häufig zwar noch zum Aufblühen, aber nicht mehr zur Frucht- und 
Samenbildung gelangt. Nicht selten wird aber auch die Blüte selbst 
in die Gallenbildung einbezogen, indem die vier Kelchblätter durch 
schwammige Auftreibung ihres Zellgewebes sich ebenso verdicken 
wie die Blütenstiele. An der Bildung der in den Blattachseln 
vorkommenden, übrigens ebenso häufig wie in den jüngsten Blüten- 



^^) Jetzt Dasi/neura sisymhrii (Schrank) Rondani; vergl. unten. — Die 
Frank'sche Abbildung ist wiedergegeben in'E. Küster, Gall. d. Pflu. (1911) 
157 Pig. 74:. — H. H. , 

12* 



IbO Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Stauden auftretenden Galleu, beteiligen sich zumeist nur der basale 
Teil des Blattstiels und die in den Blattacliseln stehenden jugend- 
lichen Sproßanlagen mit ihren Blättern; seltener tritt noch der 
benachbarte Steugelteil hinzu. — Diese schwammigen, bleichen, 
kugeligen Gallen erreichen meistenteils einen Durchmesser von etwa 
5 — 6 mm und stehen nicht sol-ten gehäuft auf der Pflanze. Anfangs 
August trifft man in denselben nicht blos sehr verschiedene Larven- 
zustände des Insekts, sondern auch schon vereinzelte Puppenzustände 
an. Die unlängst aus dem Ei hervorgegangene Made ist bleich und 
sehr winzig, wächst aber bei der reichlichen Nahrungszufuhr inner- 
halb der Galle sehr bald bis 2 mm Länge und 1 mm Dicke' heran 
und erscheint alsdann schön gelb gefärbt; in manchen Gallen habe 
ich bis 5 gefunden. Im Puppenzustande ist die Larve von einer 
dünnen, glatten, etwas knitterfaltigen Haut umschlossen. Während 
der Puppenruhe der Cecidomyia trocknet allmählich das Schwamm- 
gewebe der Gallen ein, sie werden schmutzig-bräunlich und bekommen 
auf der Oberfläche Risse, aus denen das vollkommen entwickelte 
Tier leicht ins Freie gelangen kann. Die anscheinend sehr flüchtige 
Gallmücke habe ich zwar auf den Pflanzen bemerkt, aber nicht 
näher untersuchen können. Ebensowenig ist es mir gelungen in 
den jüngsten Blütenständen ein Ei aufzufinden oder zwischen den 
kurzen Blütenstielen derselben die von Frank erwähnten schleim- 
absondernden haarartigen Zellgewebekörper zu bemerken. 

Daß ich im August zwischen den noch gedrängt stehenden 
Gipfelblütenknospen weder ein Ei, noch die von Frank erwähnten , 
schleimabsondernden haarartigen Zellgewebekörper aufzufinden ver- 
mochte, hängt wahrscheinlich damit zusammen, daß die Gallmücke 
um diese Zeit überhaupt keine Eier mehr absetzt, sondern daß dies 
viel früher, vielleicht schon im Mai oder Juni, geschieht, zu welcher 
Zeit sich dann auch sicher in den Blütenständen die schleimbildenden 
Organe werden nachweisen lassen, indem der Schleim den Eiern als 
Schutz gegen Herabspülen durch Regentropfen, den jungen Larven 
aber anfangs als erste Nahrung dienen würde. In dem Maße uru, 
wie die Larven heranwachsen und selbständig ihre Nahrung aus 
den betreffenden Pflanzenteilen zu saugen veraiögen, fangen die be- 
teiligten Zellen des Gewebes an sich bedeutend auszudehnen und 
schwammig zu werden, nicht aber sich zu vermehren, wie dies in 
der Regel bei Blattgallen der Fall ist, wo das betreffende Insekt 
durch Verletzung des Pflanzengewebes seine Eier in die verwundete 
Stelle legt. Welch bedeutende Vergrößerung der Zellen in den 
kurzen Blütenstielen durch Saugen der Maden bewirkt wird. 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 181 

zeigen die Maße, die ich bei noch vollkommen normalen und bereits 
in der Gallenbildang befindlichen Blütenstielen ermittelt habe. Danach 
erreichten die Geweb.ezellen der ersteren etwa einen Durchmesser 
von 25 — 33 ;j., die letzteren dagegen einen solchen von 90 — 100 [j-, 
waren albO ungefähr 3 — 4- mal so weit wie die Zellen der noch un- 
veränderten Blntenstiele. Der durch diese sehr bedeutende Ver- 
größerung der Zellen hervorgerufene Xährstofizufluß kommt nun in 
erster Linie den in der Galle lebenden Tieren zu gute, wird aber 
den von der Gallenbildung betroffenen Pflanzenteilen zum größten 
Teil entzogen, so daß sie sich nicht mehr vollkommen zu entwickeln 
vermögen und schließlich absterben. Zwar gelangen die Blüten- 
knospen als solche meist noch zur Entfaltun'g; aber an Schoten- 
oder gar ßamenbildung ist nicht zu denken. Ebensowenig, kommen 
die in den\Blattachseln stehenden Astanlageii zur Entwickelung, wenn 
dort Gallenbildung stattfindet. 

Sollte meine Vermutung sich bestätigen, daß die Schleim- 
absonderung zwischen den jungen gipfelständigen Blütenknospen- 
ständen nur im Frühling stattfindet, wenn die Gallraücke noch keine 
geöffnete Blüte von Xasturtium vorfindet, um vielleicht hier Nahntng 
zu suchen, so ist gewiß die Annahme berechtigt, daß sie diese noch 
sehr unentwickelten Blüten Vereinigungen schon wegen ihrer eigenen 
Ernährung aufsucht und bei dieser Gelegenheit zugleich ihre Eier 
absetzt, ganz unbekümmert darum, daß sie dadurch die Krankheit 
wichtiger Pflanzenorgane, ja sogar zuletzt deren Absterben veranlaßt, 
sich selbst aber ihre Lebensbedingungen,, Ernährung und Wohnung 
sichert. Wir haben hier also einen typischen Ausnahmefall, wo ein 
Insekt zwar sich durch eine Pflanze seine eigene Existenz 
sicherstellen läßt; dabei aber wesentliche Organe der. Pflanze zu 
Grunde richtet und zum Absterben bringt. In den meisten Fällen 
ist das Verhältnis zwischen Insekten- und Pflanzenwelt kein feind- 
liches, sondern im Gegenteil ein äußerst freundliches, indem die 
Blüten zahlreicher Siphonogamen durch Absonderung von Honigseim 
vielen Insekten eine reiche Nahrungsquelle darbieten, und die Insekten 
alsdann dazu beitragen, daß innerhalb der Blüten Fremdbestäubung 
erfolgt, die in vielen Fällen für Frucht- und Samenbildung von Aus- 
schlag gebender Bedeutung ist. 

Nachschrift zu vorstehender Mitteilung. Von H. Harms. 
— Wie Heri" Warnstorf schon angiebt, hat A. B. Frank seinerzeit 
die genannte, offenbar in Europa weit verbreitete Galle sehr genau 
beschrieben. Es seien hier noch einige Literatur-Angaben beigefügt. 
Franz von Paula Schrank, damals Professor der Universität zu 



182 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Landsliut, später in München (f 1835) beschrieb die Gallmücke als 
Tiimla Sisijmhrii in seiner Flora Boica (Durchgedachte Geschichte 
der in Baj^ern einheim. n. zahmen Tiere; III. [1803] 83), und gab 
als „Wohnort" an: an den Spitzen der Moorgrandsrauke, wo sie 
beerenförmige beinfarbige Gallen verursacht (Raucken-Mücke). Unter 
„Moorgrnndsraucke" versteht er in seiner Baierschen Flora 
IL (1789) 197 Sisymhrium pa^ustre = N'asturüwii jJahtstreJJC., wSiliYeml 
er Sis. süvestre L. „wilde Raucke" nennt. Weitere Literatur über 
die Gallmücke vergl. besonders bei J. E. von Bergenstamm und 
P. Loew, Synops. Cecidomyid., in Verh, zool. bot. Gesellsch. Wien 
XXVL 1876 (1877) 74 {Cecidomijia sisijmhrii). Eine Abbildung der 
Galle gab (nach F. Loew; s. unten) H. Loew (Dipterologische 
Beitr. IV. (1850) 29, 36, Fig. 8-9), der sie in folgender Weise 
charakterisiert: „Die Blütenstiele schwellen krankhaft an, drängen 
sich wie die Körner eines Maiskolbens aneinander und bilden 
zuletzt eine scheinbar zusammenhängende, gelbliche Masse, aus 
welcher nur einzelne verkümmerte und nicht zur Entfaltung ge- 
langende Blütenknospen hervoi'ragen." J. Winnertz (Linnaea ento- 
molog. [1853] 230 Taf. Fig. 4) sagt: „Die Larve lebt im Mai und 
Juni in den Blüten von i?«rk«-«,'Y( ('»i/yan's, deren Kelch, Fruchtboden 
und Antheren zn dicken Gallen anschwellen, und von Juni bis in den 
November in den Falten blasiger Gallen auf Nasturtinm sitvestre, 
welche von derselben an den Stengeln und am Blütenstande ver- 
ursacht werden. In beiden Deformationen geht auch die ganze Ver- 
wandlung vor, sodaß sie erst von der ganz ausgebildeten Mücke 
verlassen werden." F. Loew (in Verh. zool. bot. Gesellsch. Wien 
XXVII. [1878] 22) hat die Identität der auf Barharaea vulgaris 
lebenden Gallmücke mit der von Nastarüum siloestre, nach eigenen 
Beobachtungen bei Wien erneut festgestellt und zugleich schon betonte 
daß ein bedeutender Unterschied in den Gallbildungen besteht, die 
dieselbe Mücken-Art, also Cecidomyia sisijmbrii Schrank (dazu gehört 
Cecidomijia harhareae Curtis in Gard. Chron. [1815] 4-00), auf den 
verschiedenen Nährpflanzen hervorruft; denn während die Nasturtium- 
Gallen im wesentlichen deformierte ßlütenstiele sind, wird bei 
Barharaea die Blüte selbst mißbildet, indem alle ihre Teile, Kelch, 
Blumenblätter, Antheren und Pistill anschwellen, sich besonders an 
der Basis verbreitern und wie in der Knospenlage übereinander 
geschlossen bleiben, wodurch solche Blüten das Aussehen großer 
stark bauchiger Blütenknospen erhalten. Dazu vergl. auch E. Küster 
(Gallen der tM. [1911] 135). Nach C. Houard (Zoocecid. pk 
d'Europe I. [1908 1 462, 463 Fig. 735) tritt Dasijneam Hsymhrü 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 183 

Schrank auf Barlaraea arcuata Reicbb. und B. vulgaris R. Br.-*"') auf; 
ferner auf folgenden Arten von Xasturtium : K. airqjlnhiiwi, N. austri- 
acum, X. austriaeumXsilrestre (a. a. 0. 463), X. silvestre (a. a. 0. 464, 
470 Fig. 736), X x^alastre, N. anceps (a. a. 0. 464); außerdem auf 
Sisijiiibriiuu offieinale (a. a, 0. 446) und S. sophia (a. a. 0, 449). 
Danach findet sich also die Gallmücke auf drei verschiedenen 
Gattungen der Cruciferen. Man nennt sie jetzt Dasynerira sisymhrii 
(Schrank) Rondani. Rttbsaamen (in Sitzungsber. Ges. Naturforsch. 
Freunde Berlin 1915. Xo. 10, S. 491 u. 504) führt gerade diese Art 
als Typus für die (jattung Dasyneura Rondani an. Früher hatte er 
sie als DicJielomyia sisymhrii bezeichnet (vergl. Rübsaamen in 
Biolog. Centralbl. XIX. [1899J 598). G. Hieronymus (Beiträge zur 
Kenntn. europ. Zoocecid. [1890J 99) nennt Cecidomyia sisymhrii für 
Nastartium ausiriacum (Schlesien), N. indastre (Schlesien, Königreich 
Sachsen, Baden) und X. silvestre (Schlesien, Oesterr. Schlesien, Anh. 
Bernburg, und Prov. Brandenburg: Paulsborn im Grunewald [C. Benda], 
Lehnin [A. Treichel]\ Ferner S. 76 für Barharaea arcuata (Thüringen) 
und B. vulyaris (München), Vergl. auch D. H. R. von S chl echte n- 
dal Gallbildg. deutsch. Gefäßpflz. (1891) 51 Xast. palustre und 
silvestre-^ 49 Barharea arcuata und vulyaris. — Das Herbar. cecidiologic. 
von Hieronymus und Pax enthält folgende von dieser Gallmücke 
verursachte Gallen auf Xasturtium silvestre (L.) R. Br., Nr. 262 (ges. 
Juni 1897 von R. Dittrich bei Breslau); X palustre (Leyss.) DC 



^-) Nach Houard verursacht Das^neur« sisymhrii an B. v. außer Blüten- 
anschwellungen auch rundliche weiße, schwammige Gallen im Blütenstand, sowie 
schwammige Gallen in der Blattachsel, ferner Verbreiterungen der Basis des 
Blattstiels und des Blütenstiels. 

^') Frank (a. a. 0. 747) sagt: Auf Sisymbrium offieinale sind die Gallen 
insofern abweichend, als weniger eine schwammige Auftreibung erfolgt, die 
Hauptachse nur verkürzt bleibt, die Blütenstiele oder Stengelzweige dicht bei- 
sammenstehen und trotz der Verdickimg, die sie an ihrer Basis erleiden, grün 
und fest bleiben. — Nach Houard (a. a. 0. 446, 449) werden als Erzeuger 
von Deformationen din Sisymbrium offieinale und sophia die beiden Arten 
Contarinia ruderalis (Diplosis rud.) Kieffer und Dasyneura sisymbrii neben- 
einander genannt. Doch hielt J. pj. Kieffer (in Verh. zool. bot. Ges. Wien XL. 
[1890] 199) die Angabe, daß Cecidotnyia sisymbrii auch auf Sisymbrium sophia 
Gallen erzeuge, für unbegründet, und führte die betreffende Galle auf seine 
Diplosis ruderalis zurück; vergl. auch G. Hieronymus, a. a. 0. 126, und 
H. Koß, Pflzgall. S. 274. Nach freundlicher Mitteilung von Herrn H. He dicke, 
für die ich bestens danke, kommt Dasyneura sisymbrii mit Contarinia ruderalis 
in denselben Gallen auf S. vor, doch sei es noch zweifelhaft, welche von beiden 
der Erzeuger sei. Ferner sei es noch fragliph, ob Dip)losis Kiefferi Schleehtd. 
(Gall. [1891] 52; auf Sis. sophia) mit Dasyneura sisymbrii identisch sei. 



loJ: Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Nr. 190 (ges. Juni 1897 von R. Dittrich bei Groß -Wartenberg in 
Schlesien); N. austnacum/'silvestre, Nr. 306 (g'es. von K. Rechinger; 
in Nieder-Oesterreicli. bei Dürnkrut im Marclifelde, Juni 1901, wo 
beide Arten sowohl wie der Bastard diese Gallen hatten. — Wichtige 
Hinweise auf die Gallen der Dasyneura sisymhrü linden sich ferner 
in H. Roß, Pflanzengall. Mittel- und Nordenropa [1911] 106 {Barharaea, 
Fig. 27 n. 28), 187 (Xasüirtium). 274 [Sisyinbrium); ferner in H. Roß, 
Pflanzengall. Bayerns [1916] 13 Fig. 43 — 47 {Barharea imlyaris) 
74 Fig. 249—251 {Roripa silvestris = Nast. silu.), E. W. Swanton 
(British Plant-galls 1912) nennt sie S. 188 für Badicnla silvestris 
Druce (== Nast. silc), R. palustris Moench (= Nast. fal.) nnd. 
Barbaraea vulgaris Ait., S. 190 für Sisymbrium of)icinale nnd S. sopliia^ 
unter Anführung der mir unbekannten Abbildungen: Connold, Plant 
Galls Fig. 307 u. 308 {N. s.) u. Fig. 326 {B. v.)- die Abbildungen 
Connold, Vegf. Galls pl. 29, PI. Galls Fig. 160, nennt er für Sisym- 
brium officinale. 

0. Jaap (in Verh. Bot. Ver. Prov. Brandenburg LX. [1918] 28) 
führt für Triglitz (Prignitz) die Galle auf Nast. süuestre an, als nicht 
häufig, da die Nährpflanze dort ziemlich selten sei. Seine Zoocecidien- 
sammlung hat sie unter Nr. 223 von Hamburg, — A. B. Frank 
(a. a. 0. S. 745) rechnete die Galle auf Nast. silvestre unter die sog- 
Ananasgallen: Bleiche ananasförmige Knöpfe, entstanden durch 
schwammige Auftreibung aller Blütenstiele einer jungen Traube oder 
aller Blattbasen einer Triebspitze. Ebenso E. Küster (a. a, 0. S. 157), 
■der sie, wie schon vor ihm Frank, mit der Galle von Cherm.es abietis 
auf Picea ^excelsa vergleicht, bei der es sich jedoch um deformierte 
Blätter handelt, während bei der Galle 'von Dasyneura sisymbrii die 
Blütenstiele fleischige Ringwucherungen bekommen. A. Kerner 
(Pflanzenleben, IL [1891] 537) nannte solche Gallen Kuckucks- 
gallen; er führt auch die genannte Galle auf und vergleicht zu- 
treffend diese und ähnliche Gebilde mit den Früchten des weißen 
Maulbeerbaumes. ' ' ■ 

2. Xero-photophile Pftaiizeiigeiiosseiischaften in den Rauhen 
Börg'en bei Steglitz. — In der Richtung von Osten nach Westen 
verlaufend, erhebt sich zwischen den Berliner V^ororten Südende, 
Steglitz und dem Friedenauer Ortsteil von Schöneberg ein niedriger, 
kahler, kurzgrasiger Höhenzug, der unter dem Namen der „Rauhen 
Berge"'"*) bekannt ist und im Norden von der Bergstraße, im Süden von 

^**) Die „rauhen Berge" heißen auf dem Meßtischblatt 1908 (Tempelhof) 
nur gewisse Hügel östlich der Anhalter Bahn zwischen Südende und Tempelhof- 
INIaricndorf. Das von Herrn Warnstorf durchstreifte Gelände am Steglitzer 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. Ibo 

der Mariendorfer Strtiße in Steglitz begrenzt wird. Der nach Norden 
abfallende Teil dieses Höbengeländes besteht zum größten Teile aus 
einem feinkörnigen Sande, der durch ausgedehnte Ausschachtungen 
zu verschiedenen technischen Zwecken gewonnen wird und Verwendung 
findet. Dort, wo der Nordabhang von jMenschen noch unberührt 
geblieben ist, wächst als Charakterpflanze Sdrothamnus scoiKiriiis 
Koch. Sehr reichhaltig gestaltet sich dagegen die Flora innerhalb 
der ausgedehnten Sandausstiche. Hier bilden folgende Siphonogamen 
z.T. Massenvegetation: Trifolium arvenselj., Artemisia campestris 1j.^ 
Plantarjo ramosa (Gil.) Aschers, und Corispernium ItyssopifoJ'mm L.; 
darunter finden sich vereinzelt: Sisymhriwn pannonicum Jacq. (= 
alüssimum L.), Reseda lutea L,, Tuiüca proUfera Scop., Cliondrilla 
juncea L., Coiiuolvulus aruejisis var. auricidatus Desr., Eclimm vulgare 
L. und Ballota nigra L. var. vulgaris fo. urticifolia Ortm. Der un- 
mittelbar au den ' neuen Steglitzer Friedhof stoßende Teil der Aus- 
schachtungen, woselbst gegenwärtig noch zahlreiche Arbeiter und 
Arbeiterinnen tätig sind, dient schon seit längerer Zeit als Schutt- 
ablage und bietet hinsichtlich seiner Pflanzendecke ein total ver- 
schiedenes Bild. Hier besteht, die Pflanzengenossenschaft haupt- 
sächlich aus einer üppigen Vegetation von Chenopodiaceen, unter 
denen in jMassen hervortreten: CJicnopodiuni allnim L., Atriplex patulum 
L. und A. hastatam L. Seltener sind: Salsola kali L., Amaraiitus 
relrofit'xus L. und Poa couipressa L., selten: Lactaca Scariola L. und 
Senecio silvaticns L. var. auriculatas G. Meyer. 

Bleiben wir zunächst bei einigen Gliedern der ersten Lebens- 
gemeinschaft stehen. — Unter den zahlreichen Individuen von 
Trifolium arvense fielen hier und da Exemplare mit rötlichen Köpfen 
auf; unter der Lupe zeigte es sich, daß diese Färbung nicht uur 
durch rosenrote Kronen, sondern auch durch z. T. oder völlig rote 
Borsten des Kelches hervorgerufen wurde. Die Blätter waren nicht 
selten von dem Kostpilz üromgres striatas Schrot, befallen. — Auf 
Artemisia campestris traten öfter große, kugelige, etwas struppig 
aussehende Blütenköpfe von 10 — 12 mm Durchmesser auf. die auf 
einer Vermehrung und Vergrößerung der Blütendeckblätter beruhen. 
Diese häufig vorkommende Deformation wird auf die Gallmücke 
Rhopalomyia artemisiae Bouche zurückgeführt. Corispermum liyssopi- 
folium L.'^), das ich schon vor etwa 10 Jahren in den Sandgruben 

Kirchhof westhch der Anhalter Bahn trägt dort die Bezeichnung „Steglitzer 
Fichtenberg"; jedoch* nennt das Volk fast allgemein diese Höhen „rauhe 
Berge". — H. Harms. 

' '^^) An sandigen Wegrändern und Straßen, auf Bau- und Schuttplätzen, 
an Bahndämmen bei Berlin, besonders in der Umgegend der südwestlichen 



186 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

der Rauhen Berge bemerkt habe, hat sich während dieser Zeit dort 
in diesem dürren, flugsandartigem Terrain außerordentlich vermehrt 
und ausgebreitet;, ein Beweis, daß der Standort den Lebensbedingungen 
der Pflanze vollkommen entspricht. Woher sie stammt und wie sie 
dorthin gelangt, wird sich wohl mit Sicherheit kaum ermitteln lassen. 
Ascherson erwähnt die Gattung in seiner 1864 erschienenen Flora von 
Brandenburg überhaupt noch nicht. Nach Kochs Taschenbuch der 
Deutschen und Schweizer Flora (1856) S. 417—418 soll diese Art 
am Donauufer in der Gegend von Wien^") und besonders bei Löbau 
heimisch sein und sich von der dort auf den Donauinseln vorkommen- 
den ähnlichen, nahe verwandten Spezies Corispeiimmi niüclum Kitaib. 
durch einen nur halb so breiten, häutigen, weißen Hautrand wie 
der mittlere grüne Teil der oberen Deckblätter in den Blütenähren 
unterscheiden. Die Breite des weißen häutigen Randes beträgt bei 
C. hyssopifolium nach meiner Messung zirka 0,6—0,7 mm, der grüne, 
krautartige Mittelstreifen dagegen 1,3 — 1,4 mm; außerdem sollen die. 
einer Wanze nicht unähnlichen Nüsse . doppelt so groß sein wie bei 
jener Art. Uebrigens habe ich die Pflanze bereits vor vielen Jahren 
auch bei Lindow im Ruppiner Kreise auf einer Insel im Gudelaksee 
unter ganz gleichen Standortsverhältnissen angetroffen; ob sie dort 
noch vorhanden sein mag? Sisymbrium pannonicum findet sich in 
den Sandgruben nur sehr vereinzelt, ist aber sonst in den oben er- 
wähnten Vororten auf Sandboden an Wegen und innerhalb der 
Laubenkolonien sehr verbreitet; dasselbe gilt von Laduca Scariola L. 
Selten habe ich in den Sandausstichen Convolvulus arvensis var. 
auriculatus mit äußerst schmalen, nur wenige Millimeter breiten, am 
Grunde mit langen Oehrchen versehenen Blättern und niederliegenden 
Stengeln angetroffen. An dem aufgenommenen Exemplar von Echimn 
vulgare fiel mir auf," daß der Stengel nicht nur kurzhaarig, sondern 
auch mit zahlreichen langen, steifen, auf Knötchen sitzenden 
abstehenden Borsten besetzt war, sodaß er sich beim Anfassen rauh 
wie eine Raspel anfühlte (Vorgl. Ascherson, Fl. Brandenburg 



A^ororte sehr gemein. Vergl. Ascherson-Graebner, FJ. nordostdeutsch. Flach- 
landes (1899) 287. Ruhm er hat 1876 die in Süd- und Südost Europa, Asien 
und Nordamerika verbreitete Art zuerst beim Bahnhof Schöneberg beobachtet 
(Unsere Verh. XIX. Sitzb. 9) und die Einschleppung aus der Flora von Hessen 
vermutet, wo sie bei Darmstadt seit 1850 vorkomme. Ascherson unterschied 
(Verh. Bot. Ver. XXIII. [1881] 61) zwei Formen, leptopterum mit dünnerem» 
und jmchypterum mit dickerem Flügel an der Frucht. — Nach Herrn J. Gerber 
ist die Pflanze auch im Norden Berlins sehr verbreitet, wo sie gern zusammen 
mit S^lsola kali vorkommt. — H. Harms. 

=50) Vergl. G. Beck, Fl. Niederösterreich L (1890) 339. 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. Iö7, 

S. 443). Ballota nigra, die ich auch nur einmal bemerkte, zeigt die 
Merkmale von var. vulgaris fo. urücifolia Orlm. ' (Aschers., Fl. 
Brandenb. S. 533). Der Stengel ist verhältnismäßig niedrig, aber 
sehr ästig; die Blätter sind ritndlfch-rhombisch, am Grunde mehr 
oder minder deutlich keilförmig und erinnern in- ihrer Form an die 
von Urtica urens L., daher auch der Name dieser Form, Das in 
dem schuttlagernden Teile der Sandausschachtangen aufgenommene 
Exemplar von Senecio siluaücus L hielt ich im ersten Augenblick 
dem Habitus nach für S. viscosus L.. aber schon unter der Lupe 
fiel die fast völlige Kahlheit aller seiner Teile auf; nur die Ober- 
fläche der mit deutlichen Oehrchen den Stengel fast umfassenden 
Blätter war mit vereinzelten, entfernt stehenden, langen Haaren 
besetzt; von Drüsen war nirgends eine Spur zu finden. Die fest 
angedrückten Außenhüllblättchen der Hülle betragen^ nur etwa Vg der 
letzteren und waren bis unter die Mitte herab schwarz gefärbt, 
während die eigentlichen Hüllblätter der Blütenköpfe nur an der 
äußersten Spitze diese Färbung zeigten. Die kurze Zunge der 
Strahlenblättchen war in der Regel stark zurückgerollt. As'cherson 
erwähnt in Fl. Brandenb. S. 338 eine „kahlere" Varietät von 
S. silvaücus : auriculatus G. Meyer „mit breiteren Blattabschnitten 
und deutlicheren Oehrchen", die vielleicht mit der von mir aufge- 
nommenen Form identisch ist. 

Der nach Süden abfallende Teil des in Eede stehenden Höhen- 
zuges besteht hauptsächlich aus einem fruchtbaren Lehmboden, der 
Veranlassung gegeben, daß sich >hier seit einer Reihe von Jahren 
eine ausgedehnte Laubenkolonie aufgetan hat, die sich von Südende 
bis westlich an die Bismarckstraße in Steglitz heranzieht. Auf dem 
Höhenwege, der sich zwischen den Sandgruben und dieser Lauben- 
kolonie hinzieht, stößt man auf folgende gemeine Pflanzen: Ononis 
spinosa L., Melilotus albus Desr., Potentilla argentea L., Agrimoiiia 
Evpatoria L., Daucus Carola L. und Galium verum L. 

3. Herr €. Warnstorf hatte uns mitgeteilt, daß er im Juli d. J. 
in der dürren Kiefernheide des Zentralfriedhofes von Stahnsdorf 
rechts vom Hauptwege eine Anzahl stattliche bis 45 cm hohe Exem- 
plare der blaßgelb blühenden Polentilla reda L. beobachtet habe, 
die nach Ascherson's Fl. Pyov. Brandenburg (1864) 191 zunächst in 
Sachsen und Schlesien wild vorkomme, im Gebiet nirgends mit 
Sicherheit einheimisch sein solle, aber an verschiedenen Oertlich- 
keiten unseres Florengebietes als verwildert angegeben werde. Aus 
dem Standorte glaubte Herr W. auf ein ursprüngliches Vorkommen 
schließen zu dürfen. Indessen stehen dieser Vermutung doch Be- 



lob Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

denken entgegen, da die Art jetzt an vielen Stellen eingebürgert 
auftritt (z. B. in reichlicher Menge im Kgl. Botanischen Garten 
Berlin-Dahlem) imd Ascher son bereits außer anderen Standorten 
auch einige Friedhöfe angiebt, wo sie verwildert angetroffen worden 
ist. Nach Ascherson-Graebner (Synops. YI. 1. [1904] 751) ist 
sie im norddeutschen Flachlande vielleicht nirgends ursprünglich 
einheimisch, wohl nur eingebürgert. 

Herr H. Harms besprach und verlas einen vom Landesfutter- 
mittelamt zu Bützow (Mecklenburg) verfaßten Aufruf zur 
Bucheckern-Sammlung, der ihm auf seine Bitte in einigen Exem- 
plaren von dem Amte zugesandt worden war, wofür auch an dieser Stelle 
bester Dank ausgesprochen sei (Vergl. auch Mecklenburg. Nachricht. 
Schwerin, v. 23. Aug. 1918. Nr. 196). Bekanntlich haben die Bücken bei 
uns in diesem Jahre außerordentlich reichlich geblüht; es war daher eine 
reiche Ernte, eine Vollmast zu erwarten, wie sie nur selten vor- 
kommt. Der Früchteertrag des Baumes ist sehr' wechselnd; unter 
günstigen Verhältnissen bringt die Buche nur alle 5—8, unter un- 
günstigen alle 9—12 Jahre einen ergiebigen Fruchtansatz^ während 
in den übrigen Jahren entweder der ganze Fruchtertrag sehr spärlich 
ist oder nur einzelne Bäume voll tragen, die übrigen jedoch geringe 
Ausbeute liefern. Die Bucheckern enthalten im geschälten Samen 
fast 4-3 "/o Oel, das als Speise- und Brennöl gut zu verwerten 
ist (genaueres vergl. bei L. Di eis, Ersatzstoffe aus d. Pflanzenreich 
[1918] 204). Bei dem jetzigen Oelmangel mußte man daher den 
großen diesjährigen Eeichtum an Bucheckern möglichst auszubeuten 
suchen. In gewissen Gegenden Mecklenburgs (z. B. bei Malchin) 
fand der Vortragende im August die Buchen über und über mit 
Früchten bedeckt, sodaß sie stellenweise ganz braungrün aussahen. 
— Der Staatssekretär des Kriegseruährungsamts hat am 30. Juli 1918 
(R. G. Bl. S. 987, Nr. 104) eine neue Verordnung über Bucheckern 
erlassen, die auf die zu erwartende reiche Ernte llücksicht nimmt 
(abgedruckt im Teltower Kreisblatt Nr. 212 v. 10. Sept. 1918). Der 
Aufruf des Landesfutterniittelamtes in Bützow spricht von einem 
außergewöhnlich großen, seit 100 Jahren nicht in solchem Umfange 
nns gebotenen Segen der Natur, den das deutsche Volk auszunutzen sich 
rüste. Die wichtigsten Leitsätze sind folgende: Jedermann darf und 
soll Bucheckern sammeln; er darf die gesammelten Bucheckern nach 
Belieben in seinem Hause benutzen. Er kann sie verfüttern, kann 
sie in seinem Hause zu Oel verpressen, sich menschliche. Nahrung 
aus ihnen hei'stellen, wobei hinsichtlich der etwa erforderlichen Ent- 
giftung der Bucheckern Vorsicht geboten sei. Für deu freien Handel 



Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 1*^9 

werden Höchstpreise festgesetzt. (Nach § 4 der Verordnung ist der 
Höchstpreis 1.50 Mk. für das Kilogramm.) Es werden öffentliche 
Bucheckei'n-Abnahmestellen errichtet. AVer Bucheckern an eine 
dieser Stellen abliefert, erhält eine Vergütung von 1.65 ^Ik. für das 
Kilogramm. Außerdem erhält er nach seiner Wahl entweder einen 
Schlagschein mit Berechtigung, eine gleich große Bucheckernmenge, 
wie er abgeliefert hat, auf Oel für eigenen Bedarf verarbeiten zu 
lassen, oder einen Oelbezugsschein, nach dem ihm etwa 6 — 7 Prozent 
des Gewichts der abgelieferten Bacheckern als Speiseöl geliefert 
wird. Im ersteren Falle wird die Verarbeitung auf Oel auf einer 
bestimmten Mühle angeordnet werden. Die bei den Abnahmestellen 
eingelieferten Bucheckern sind an den Kriegsausschuß für Oele und 
Fette nach den Weisungen der Reichsfuttermittelstelle (Geschäfts- 
abteilung), von der auch die Errichtung der Abnahmestellen aus- 
geht, abzuliefern. Im allgemeinen sind die Forsten für jedermann 
zum Bucheckernsammeln freigegeben (es heißt in § 5: Die Forst- 
eigentüraer und die sonstigen Forstnutzungsberechtigten sind ver- 
pflichtet, das Bucheckernsammeln der von dem örtlich zuständigen 
Kriegswirtschaftsamt mit der Durchführung der Bucheckernsammlung 
beauftragten Stellen [Kriegswirtschaftsstellen, Ortssammelstellen] in 
ihren Wäldern zu dulden). Jedoch können bestimmte Forstteile aus- 
geschlossen werden, ferner wird festzusetzen sein, welche Einrichtun- 
gen zum Sammeln, Reinigen und Wegschaffen der Bacheckern nicht 
benutzt werden dürfen und welche Bedingungen die Sammler zu er- 
füllen haben; hierüber bestimmt, je nachdem ob es sich um Staats-, 
Gemeinde- oder Privatforsten handelt, die zuständige Forstverwaltungs- 
behörde, der Landrat oder Magistrat bezw. Bürgermeister. Für die 
Sammlung kommen nur voll entwickelte Früchte in Betracht. Von 
Wichtigkeit wird auch die Verwertung der Oelkuchen sein, da damit 
ein vortreffliches Futtermittel gewonnen wird. Die Zeitungen haben 
schon auf die Bedeutung dieser Sammlung hingewiesen (z. B. Deutsche 
Zeitg. Nr. 480 v. 20. Sept. 1918), die hoffentlich reiche P'.rgebnisse 
bringt. 

Im Anschluß an eben erwähnten x\ufruf sandte das Landes- 
futtermittelamt Bützow uns noch nachträglich die gesamten 
die Bucheckernsammlung betreffenden Rundschreiben; auch dafür 
sei an dieser Stelle bester Dank ausgesprochen. Von Wichtigkeit 
ist besonders das Rundschreiben B. 1. Es behandelt: 1. Die Gewinnung 
und Verwertung der Bucheckern in Mecklenburg-Schwerin; genaueste 
Antwort wird erteilt auf die Fragen: Wo darf gesammelt werden? 
(in allen unter landesherrlicher Verwaltung stehenden Waldungen 



190 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

ist das Sammeln freigegeben; auch, ergeht der Ruf an städtische 
nnd private Besitzer von Buchenwaldangen, sie der Allgemeinheit 
zur Verfügung zu stellen). Wann muß gesammelt werden? (etwa 
Anfang Oktolber bis tief in den November hinein). Wie muß ge- 
sammelt werden? (Auflesen mit der Hand oder mit Besen oder 
Harken, Abklopfen oder Schütteln der Zweige, sodaß die Früchte 
in darunter gehaltene Tücher fallen u, s. w.). Ferner werden An- 
weisungen über die Behandlung der Bucheckern gegeben; dabei 
kommt es darauf an, daß sie vor der Ablieferung an die Abnahme- 
stellen lufttrocken gemacht werdfen, um längere Lagerung und 
Versand zu vertragen. Schließlich wird die Frage beantwortet: Zu 
welchen Zwecken soll gesammelt werden? Besonders natürlich zur 
Oelgewinnung; daneben zur Verwendung als Viehfutter, besonders 
für Schweine. Keinesfalls dürfen sie an Pferde oder Einhufer ver- 
füttert werden, da sie für diese giftig sind. Auch für den Menschen 
enthalten sie Gift, sodaß Vorsicht besonders bei Kindern geboten 
ist. 2. Die Durchführung der Sammlung (i^bnahmestellen, Orts- 
sammelleiter etc. ; die gesamte Leitung hat das Landesfuttermittelamt 
in Bützow). 3. Die Gliederung .der Sammlung (zu unterscheiden 
zwischen der privaten und der öifentlichen Sammlung, letztere gliedert 
sich wieder in behördliche und geschlossene Sammlung; an der~ 
privaten Sammlung kann sich jeder beteiligen und die gesammelten 
Buchein nach Belieben verwerten, doch darf niemand. das von ihm 
selbst gewonnene Oel und ebenso wenig die Rückstände der Bucheckern 
als Viehfutter veräußern. Jede gewerbliche Verarbeitung der Buch- 
eckern, abgesehen von der Verarbeitung auf Oel gegen Schlagschein, 
ist verboten. Schulen genießen voraussichtlich Vorzugspreise auf 
der Eisenbahn . bei der Eeise zum Sammelorte). — Rundschr, Nr. 2 
enthält die Richtlinien für die vom Landesfuttermittelamt bestellten 
Organe. Außerdem sind noch besondere Rundschreiben an die 
Bezirkssammelstellen, Ortssammeileiter, Ortseinkäufer, Abnahme- 
stellen, Stadtmagistrate, Gutsvervi^'altungen und Pastoren gerichtet. 

Herr J. Hillmann legte vor und besprach die Sammlung 
H. Sandstede (Zwischenahn), Claäonlae exsiccataeFixsc.l, Nr. 1—123, 
deren hohen Wert er gebührend hervorhob, zugleich auf die ältere 
und neuere Literatur über diese forraenreiche Gattung der Flechten 
hinweisend (Vergl. Naturwiss. Wochenschr. XXXIII. Nr. 39, Sept. 
1918, S. 566). 

Herr J. D. Charton berichtete, daß er bei Gelegenheit seines 
diesjährigen Aufenthaltes in Soden a. d. Werra nach der für den 
Bielstein im Höllenthal angegebenen, im Mittelmeergebiet, in Vorder- 



Tagesordnung' der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. ii'l 

asien, Südraßland bis Polen, Oesterreich-Ungarn (z. B. bis Wien) 
verbreiteten Salcia aethiopis L. gesncht habe, einer bekannten Selten- 
heit unserer Flora (vergl. Garcke, Fl. Dentschl. 18. Aufl. [1898] 
475), jedoch kein Exemplar davon mehr gefunden habe. Es glückte 
ihm aber, durch die große Gefälligkeit des bei Soden angestellten 
kgl. Hegemeisters Herrn Ermisch in den Besitz eines Exemplars 
aus dessen kleiner Sammlung zu gelangen, das er vorlegte. Herr 
E. hatte noch vor vier Jahren ungefähr 20—30 Pflanzen beobachtet. 
Salvia aethiopis ist . unter Glas im Museum zu Soden als größte 
Seltenheit (neben Pottia criniia) ausgestellt. 

Nachschrift (von H. Harms). — Die i^ngabe über das Vor- 
kommen der Salvia aethiopis L. in Hessen geht bis auf Mo euch 
zurück, der iu Method. pl. (1794) 374 unter Sclarea lanata (wozu 
er obigen Namen als Sjaionym anführt) sagt: „in Hassia inferior! 
ad arcem Bielstein prope Abteroda". G. W. F. Wenderoth (Versuch 
ein. Ghar. Veget. Kurhessen [1839] 88) gedenkt der Pflanze, als der 
denkwürdigsten Zierde des Bielsteins, die fortwährend die Pflauzen- 
sammler aus der Näh" und Ferne herbeilockte („Möge nur dennoch 
nicht durch schonungsloses Ausraufen das» seltene Gewächs noch 
einmal vertilgt werden"). Koch (Synops. fl. germ. et helv. ed. 2. I. 
[1843] 637) sagt: ,,Am Schlosse Bielstein im Höllental am Fuße des 
Meisners." Nach L. Pfeiffer (Fl. Hessen [1847] 348), der auf 
Moench (Hess. Beitr. 1787) hinweist, kam die Pflanze dort noch 
jährlich vor (vergl. auch Fr. Meigen in A. Wigand, Fl. Hess. u. 
Nassau IL [1891] 249). G. Weidemann (in Bot. Zeitg. XXXV. 
[1877] 758) berichtete genaueres über den Standort. Der Sage nach 
soll die Art von Kreuzfahrern aus dem Morgenlande mitgebracht 
worden sein. In den Jahren 1868 und 1869 habe die Pflanze noch 
den ganzen Abhang oberhalb der Höllenmühle im HöUentäl bedeckt, 
im August 1877 habe er weder ein blühendes noch ein samentragendes 
Exemplar gefunden, dagegen noch etwa 20 junge Pflanzen als üeber- 
rest. Seitdem die Bahn das Werratal durchschneide, soll der Biel- 
stein von den Göttinger Studenten viel besucht worden sein und 
dabei sei wohl die Salvia dezimiert worden, dazu käme, daß in den 
letzten Jahren ein großer Teil des kahlen Abhanges bepflanzt worden 
sei. In viel größerer Menge kam damals die Pflanze an der Gobert 
bei Neurode auf Muschelkalk vor, wohin sie 1836 Dr. Gonnermänn 
vom Bielstein (Basalt) aus verpflanzt hatte (Bot. Zeitg. XXXVI. 
[1878] 207), Der Standort am Bielstein wird in mehi-ereu Floren- 
werken u. Abhandlungen genannt: H. G. Reichenbach, Deutschi. 
Fl. XVIII. [1858] 31 1. 47; E. Hallier in Schlechtendal, Langethal 



192 Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

u. Schenk, Fl. Deutschland 5. Aufl. XVIII. 161; Koch-Wohlfarth's 
Synops. 3. Aufl. S. 2115. AVälirend 0.^ Drude (Hercyniscli. Floren- 
bezirk [1902] 164-, 194, 319) die Art neben dem ebenfalls im 
hercynischen Gebiete nur am Bielstein vorkommenden Alliiiru strictuin 
Schrad. für ein pontisches Element des Werra- und Weserhiiides 
hält und gegen die Meinung sich wendet, es sei die Salvia aetlnopis 
ein Resffrüherer Kultur aus der Zeit der Raubritter, meint A. Schulz 
(Ber. Deutsch. Bot. Ges. XX. [1902] 75), es handele sich wohl nur 
um eine verwilderte Pflanze; ist letzteres richtig, was doch viel für 
sich hat, so kann man diese Art auch nicht für die Charakterisierung 
von Florenbezirken verwenden (M. Zeiske in Abh. Ver. Naturk. 
Kassel [1899] 66). J. Schanze (Irmischia II. [1882] 25) sagt, er 
habe im Sommer 1879 nur noch ein Exemplar am B^iße des Bielsteins 
gesehen; die Pflanze sei dagegen am sonnigen Südabhang des Meinhard 
in ziemlicher Menge aufgetreten. Später (Irmischia III. [1883] 14; 
die selteneren Pflanzen in der Umgegend von Eschwege) teilt er mit, 
er habe sie am Bielstein in den letzten zwei Jahren nicht mehr 
finden können und sie scheine ausgerottet zu sein. Daß sie jedoch 
auch später sich dort noch gefunden hat, geht aus einem Exemplar des 
Berliner Herbars hervor, das Max Brandt im Juli 1904 am Bielstein 
gesammelt hat. Im übrigen besitzt das Berlin. Herb, mehrere Exem- 
plare von dort aus älterer Zeit (z. B. Grie wank 1850). — Salvia aetlnopis, 
eine zweijährige Pflanze, ist an mehreren Orten Deutschlands gelegent- 
lich beobachtet worden: z. B. Bochum, Horster Mühle (Fr. Humpert, 
nach Ber. Deutsch. Bot. Ges. V. [1887] S. CVII); Sablon südl. Metz 
(E. Frueth in Deutsch. Bot. Monatsschr. IV. [1886] 40); Eichstädt 
(Fr. Gallisch, Nachtrag zu d. Exkursionsfl. f. d. südöstl. Deutschi. 
1881, nach Bot. Jahresber. IX. 1881 [1884] IL S. 583; A. F. Schwarz. 
Fl. Nürnberg-Erlangen [1897] 617); Kelheim a. d. Donau (nach 
Schnizlein, vergl. Gallisch, Exkursionsfl. südöstl. Deutschi. [1878] 
240); Ostpreußen (Ascherson-Graebner, Fl. nordostdeutsch. Flacht. 
[1899] 594). ^ A. Tomaschek .(Verh. Naturf. Vereins Brunn XXI. 
1. Heft; 1882 [1883] ■ 74) berichtet über das Auftreten der Salvia 
aetJiiopis in der Umgegend Brunns, wo sie von ihm zahlreich an 
Wegrändern in den „Schwarzen Feldern" und im Obro witzer Fried- 
hofe gefunden wurde. Nach ihm gelangte diese südrussische Steppen- 
pflanze wahrscheinlich mit Schafwolle nach den westlichen Standorten, 
von denen er Preßburg in Ungarn, Umgebung von Wien im 
weiteren Sinne, Joslowitz in Mähren, Meißner in Hessen, Wilwerwiltz 
in Luxemburg und Croydon in England anführt. Dazu sei bemerkt, 
daß die niederösterreichischen Standorte wohl doch als ursprüngliclie 



Tagesordnung der- Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahreo U^ 

anzusehen sind (Beck, Fl. Niederösterreich [1893] 1001: im Gebiete 
der pannonisclien Flora). Adventives Vorkommen wird z. B. außer- 
dem angegeben für: Solothurn 1907 (A. The Ihm g. Beitr. Adventivfl. 
Schweiz, in Vierteljahrsschr. Naturf. Ges. Zürich LII. [1907J 464); 
Frankreich (A. L. Letacq, Catalog. pl. advent. observ. aux environs 
d'AleuQon et daiis le depart. de l'Orne 1909; nach Just, Bot. Jahresber. 
XXXVIII. 2. [1910] 1399). , 

Herr J. Günther zeigte einen eigentümlichen von ihm im 
Machnower Busch gefundenen Geeister, unter Vorlegung von Zeich- 
nungen des Pilzes. Vielleicht ist es eine große Form von G. limhatits. 

Herr A. Weiße besprach drei Bildungsabweichungen an 
Leguminosen, die er im letzten Sommer zu beobachten Gelegenheit 
hatte. Es handelt sich bei ihnen um Verdoppelung von Organen 
(Dedoublement), die auf Spaltung der Bilduugsprimordien zurück- 
zuführen ist. Der Vortragende legte zunächst ein Blatt von Robinia 
Pseudacacia vor, bei dem das unterste Blättchen verdoppelt . war. 
Die beiden voll ausgebildeten Teilblättchen standen auf einem 
gemeinsamen . Polster. Das zweite vorgelegte Objekt war eine 
Doppelfrucht von PJiaseolus vulgaris. Die Hülse war im unteren 
Drittel normal gebildet, dann aber so gespalten, dai] eine größere 
dorsal und eine kleinere ventral gestellte Teilfrucht entstand. Während 
ähnliche Fälle dieser beiden ]\[onstrosi täten schon wiederholt 
beobachtet sind, betriift das dritte besprochene Objekt eine Bildungs- 
abweichung, die in Penzigs Ptlanzen-Teratologie noch nicht ver- 
zeichnet ist. Es handelt sich um eine Doppelfrucht von Pisum 
saiivum, bei der die Hülse gleichfalls im unteren Drittel normal 
gebildet, dann aber so gespalten war, daß sie in eine ungefähr gleich 
große linke und rechte Teilfrucht überging. Während also bei 
der Bohne die Teilfrüchte im Diagramm eine mediane Anordnung 
zeigten, waren sie bei der Erbse transversal gestellt. 

Herr Graf von Schwerin fragte, woran es läge, daß in 
diesem Jahre die Platanen die Einde viel stärker abw^erfen als sonst; 
man schiebe dies bisweilen auf stark vermehrten Holzzuwachs. Herr 
Weiße glaubte die Erscheinung mit dem späten Austreiben der 
Platanen, für die demnach die Trockenheit des Frühjahrs, nicht in 
Betracht käme, und dem sehr feuchten Sommer in Zusammenhang 
bringen zu können. Indessen hat nach Herrn Graf von Schwerin 
das Abwerfen bereits sehr frühzeitig stattgefunden, sodaß die Sommer- 
monate dafür .nicht allein ausschlaggebend sein können. 

Nachtrag zu S. 150. P. Graebner, Die pflanzengeograph. 
Verhältnisse von Bialowies (in „Bialowies in Deutsch. Verwaltung", 

Verhnndl. des Bot. Vereins f. Brandcnb. LX. -| o 



194: Tagesordnung der Sitzungen im abgelaufenen Geschäftsjahre. 

Heft L 1918, S. 229 u. 230) hebt hervor, daß in den östlichen Ge- 
bieten viele Arten tief in den Schatten des Waldes vordringen, die 
bei uns und im westlichen Europa fast ausschließlich in offenen 
Formationen angetroffen werden (z. B. OrcJiis maciäatus, Oymnadenia 
conopea, Cam2)cmula-AYten, Lychnis floscucidi, Carex lejoorina. DiantJms 
snperbus, Serratula tindoriä). Dieser Rückzug in den Wald, der 
auch bei anderen Pflanzen im Osten zu beobachten sei, scheine eine 
Folge der strengen kontinentalen Winter zu sein. 

H. Harms, 



Albrecht Nauwerck. 

Xachnif von H. Hedicke. 

Albrecbt Xaiiwerck, am 12. Januar 1883 zu Berlin als Sohn 
eines Bankbeamten geboren, besuchte zunächst das Kgi. Frieclrich- 
Wilhelms-Gymnasium. dann das Luisenstädt. Realgymnasium seiner 
Vaterstadt, das er Michaelis 1902 mit dem Zeugnis der Reife verließ, 
um sich an der Berliner Universität dem Studium der Mathematik 
und der Naturwissenschaften zu widmen. Bereits 4 Jahre später 
bestand er die Staatsprüfung für das höhere Lehramt, absolvierte 
das Seminarjahr am Dorotheenstädt. Realgymnasium, genügte sodann 
seiner Militärpflicht beim Köuigin-Augusta-Regiment und leistete von 
Michaelis 1908 ab das Probejahr teils am Sophien-Realgymnasium 
zu Berlin, teils am Realgymnasi'um zu Wriezen a. 0., wo er eine 
Vertretung übernommen hatte. 

Schon in früher Jugend begleitete er seinen Vater, der ein 
vorzüglicher Kenner der heimischen Insektenwelt war, auf Ausflügen 
in die nähere und weitere Umgegend Berlins. Seine schon in jüngsten 
Jahi'en an den Tag gelegte Liebe für die Natur umfaßte zunächst alle 
ihre Geschöpfe; nicht selten geschah es, daß e^r znm Pflanzensammeln 
auszog und die Botauisiertroramel mit Fröschen und Kröten, Eidechsen 
und Schlangen gefüllt wieder heimbrachte. Wenn kein geeigneter 
Raum zur Unterbringung der Beute mehr vorhanden war, so mußten, 
wie er selbst gelegentlich erzählte, sogar die Hosentaschen als 
vorübergehender Aufenthalt für allerlei Getier dienen. Dem Einfluß 
Paul Aschersons ist es zu d&uken, daß sich sein Interesse vom 
Beginn seiner Studienjahre ab vor allem der heimischen Pflanzenwelt 
zuwandte. Seine gründliche Kenntnis der heimischen Flora, zu- der 
auf der Universität der Grund gelegt war, verwandte er während 
der letzten Monate des Probejahrs, die ihm genügende Muße gewährten, 
dazu, die Gegend zwischen Wriezen und Freienwalde einer eingehenden 
floristischen Durchforschung zu unterziehen. Umfangreiche Samm- 
lungen, die nun , in den Besitz des Botanischen Museums überge- 
gangen sind, legen Zeugnis von dem darauf verwandten Fleiß ab. 

Michaelis 1909 wurde Nauwerck als Oberlehrer an die Ober- 
realschule in Berlin-Steglitz berufen, wo er sich durch sein tiefes 
Wissen und sein liebenswürdiges, bescheidenes Wesen schnell die 

13* 



196 H. Heclicke: Nachruf auf Albrecbt Nauwerck. 

Achtung" lind Freundschaft auch der älteren Herren des Lehrkörpers 
und die Liebe und Verehrung seiner Schüler in hohem Maße erwarb. 
Auf den zahlreichen ^botanischen Exkursionen, die er mit seinen 
Schülern unternahm, verstand er es wie selten ein Lehrer, in seinen 
Zögling-en die rechte Liebe zur Natur und Achtung vor ihren Werken 
zu erwecken. Auch dem Aelteren war ein Spaziergang mit Nauwerck 
ein Genuß. 

Als im August 1914 der Weltkrieg ausbrach, wurde er zum 
Infanterie-Regiment Nr. 20 nach Wittenberg eingezogen, von wo es 
Ende September an die französische Front ging. In den vier Jahren, 
die er mit kurzen Urlaubsunterbrechungen größtenteils an der West- 
front, von September bis November 1915 in Serbien verlebte, war fast 
jede freie Minute mit der Lieblingsbeschäftigung, dem Eintragen von 
Pflanzen, ausgefüllt; .auch von der Front aus gingen regelmäßig 
umfängliche Pflanzenpakete in die Heimat. Auf die Anregung eines 
Amtsgenossen hin wandte er auch den geologischen Erscheinungen 
in dem von seiner Kompagnie — er war am 8. März 1915 zum 
Leutnant d. R. und bald darauf zum Führer einer Maschinengewehr- 
kompagnie befördert worden — innegehabten Gelände seine Aufmerk- 
samkeit zu, von deren Erfolgen eine ganze Reihe interessanter 
paläontologischer Funde, die er nach Haus sandte^ Kunde geben. 
Nachdem er noch die, erste Junihälfte 1918 auf Urlaub in der Heimat 
geweilt hatte; ereilte ihn südwestlich von Reims das Schicksal, 
ihn, der alle schweren Kämpfe vor Soissons, an der Marne, vor 
Verdun, wo er sich das Eiserne Kreuz erster Klasse durch helden- 
haftes Verhalten in schwierigster Lage erworben hatte, dann die 
Sommeschlacht, die Kämpfe ^ am Damen weg und bei Cambrai ohne 
nennenswerte Verwundungen durchgemacht hatte: in der Nacht vom 
24. zum 25. Juni 1918, als er aus dem Unterstand heraustrat, um 
sich von eiuem iu die vordere Stellung gehenden Kameraden zu 
verabschieden, setzte ein Volltreffer seinem Leben jäh ein Ende. 
Die Teilnahme nicht nur der Offiziere seines Regiments, sondern 
auch des Brigade- und Divisionskommandeurs an seiner Beisetzung 
und die von diesen an seine Angehörigen gesandten ehrenvollen 
Beileidsschreiben legen Zeugnis ab von der Beliebtheit, deren sich 
der Gefallene bei seinen Untergebenen erfreute, und der tiefen 
Trauer, die sein Tod bei den Kameraden hervorrief. Auch bei 
uns im^ Botanischen Verein, die wir sein freundliches, offenes 
Wesen und seine tiefgehenden Kenntnisse besonders der Flora 
unserer Mark zu schätzen wußten, wird das Andenken an Alb recht 
Nauwerck unvergessen bleiben. 



Bericht 

über die 

105. (49. Herbst-)Haupt-VersammIung 

des 

Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg 

im Restaurant „Zum Heidelberger" in Berlin, Dorotheenstr. 16, 
am Sonnabend, den 19. Oktober 1918. 

Die Versammlung wurde um 6 Uhr durch den ersten Vor- 
sitzenden, Herrn Weiße, eröffnet. Er teilte mit, daß unser Ehren- 
mitglied P]. Koehne am 12. Oktober gestorben sei. Herr H. Harms 
xhielt darauf einen Nachruf auf den Verstorbenen, wobei er besonders 
der hohen Verdienste desselben um unseren, Verein gedachte. Der 
Nachruf wird im nächsten Bande zum Abdruck gelangen. 

Die Herren J. Winkelmann (Stettin) und W. Hauchecorne 
(Charlottenburg) hatten Grüße gesandt und ihr Bedauern ausge- 
sprochen, an der' Tagung nicht teilnehmen zu können. 

Der erste Schriftführer, Herr H. Harms, verlas folgenden 
Jahresbericht: Die Zahl der ordentlichen Mitglieder belief sich am 
1. Oktober 1917 auf 252, am 1. Oktober 1918 auf 251. Im vergangenen 
Vereinsjahre traten zwei Mitglieder aus, es wurden drei neue ge- 
wonnen. Durch den Tod verloren wir die ordentlichen Mitglieder 
P. Kuckuck (gest. 7. Mai 1918) und A. Nauwerck (gefallen am 
24. Juni 1918). Das soeben erst erwählte korrespondierende Mitglied 
Dr. H. Förster starb bereits am 6. Dezember 1917 (Nachruf S. 125). 
Unser Ehrenmitglied, Herr K. Warnst orf, feierte am 2. Dezember 
1917 den 80. Geburtstag und erhielt bei dieser Gelegenheit den 
Professortitel (S. 146). Unseren Ehrenmitgliedern, den Herren 
I. Urban, E. Koehne und H. de Vries, die in diesem Jahre den 
70. Geburtstag feierten, wurden die Glückwünsche 'des Vereins aus- 
gesprochen (S. 159, 162, 172). Ferner wurden Glückwunschadressen 



198 Bericht über die (Herbst-) Haupt-Versammlung zu Berlin. 

ZU ihren Jubiläen an die Senckenbergisclie Natiirforscliende Gesellschaft 
in Frankfurt a. M. (S. 136) und an die Xaturforschende Gesellschaft 
in Danzig* (S. 147), sowie ein Begrüßungsschreiben an die Königl. 
Ungarische Akademie der Wissenschaften i;i Budapest gerichtet 
(S. 147), die uns zur Feier des. 100jährigen Todestages von 
P. Kitaibel eingeladen hatte. 

Unser zweiter Vorsitzender, Herr P. Claußen, war während 
des ganzen Jahres im Heeresdienste in Mitau, später' in Dorpat 
tätig-. Unser Bibliothekar, Herr Tessendorff, steht schon seit längerer- 
Zeit an der Westfront. Unser Mitglied, Herr F. Hermann-Bernburg, 
ist jetzt endlich nach vierjähriger Gefangenschaft auf Korsika in 
die Heimat zurückgekehrt, nachdem bereits vorher seine Reise- 
gefährten, die Herren H. Zschacke und Oberpfarrer Dr. Kükenthal 
die Freiheit erlangt hatten (vergl. Verb. LIX. 1917, S. 162 u. 176). 
Wir heißen ihn herzlich willkommen! 

Wie in den vergangenen Jahren, so gewährte uns auch diesmal 
der Provinzial-Ausschuß eine Unterstützung. 

Auch in diesem Jahre mußten wir noch von einer Frühjahrs- 
A^ersammlung absehen und veranstalteten statt dessen am 26. Mai einen, 
gut besuchten Ausflug nach Alt-Buchhorst und Rüdersdorf (S. 131). 

Die wissenschaftlichen Monatssitzungen wurden im Winter 
(v. November bis März) im Restaurant „Zum Heidelberger" in Berlin, 
in der übrigen Zeit (v. April bis -Sept.) im Botanischen Museum in 
Berlin-Dahlem abgehalten; statt der .Juni-Sitzung fand eine Besichti- 
gung des Instituts für Vererbungsforschung in Potsdam unter Leitung 
von Herrn E. Baur statt (S. 176). Am 19. April hielt Herr R. Pohle 
einen sehr gut besuchten Lichtbildervortrag über die Vegetation im 
nordwestlichen Sibirien. Unsere Sitzungen erfreuten sich im allge- 
meinen einer regen Teilnahme; von der Vielseitigkeit des in ihnen 
besprochenen Stoffes zeugen die Tagesordnungen, 

Bereits im vorigen Jahresbericht war auf die große Steigerung 
der Druckkosten hingewiesen worden. Der Schriftleitung erwachsen 
daraus ernste Sorgen für die Zukunft unserer Verhandlungen.. Sie 
ist sich wohl bewußt, daß unsere Veröffentlichungen das beste Mittel 
sind, um unsere Mitglieder dauernd an den Verein zu fesseln und 
unser Vereinsleben auch in dieser ungünstigen Zeit auf der alten 
Höhe zu erhalten. Von diesem Gesichtspunkt aus ist es ihr Streben^ 
den Umfang des Jahresbandes möglichst wenig- einzuschränken.^ 
Indessen belasten die jetzigen Druckkosten, die seit dem 1. Aug. 1918 
wieder wesentlich gestiegen sind und vom 1. Dezember d. J. an eine 
fast unerschwingliche Höhe erreichen, unsere Kasse so stark, daß 



Bericht über die (Herbst-) Haupt Versammlung zu Berlin. 199 

wir uns genötigt sehen werden, für nächstes Jahr (1919) unsere 
Yeröffentliehuugen auf eih möglichst geringes Maß herabzusetzen 
und vielleicht nur die Tagesordnungen unserer Sitzungen sowie den 
Bericht über die Herbstversammlung zu bringen, in der Annahme, 
daß diese beiden Berichte den Mitgliedern den besten Ueberblick 
über die mannigfaltigen Bestrebungen unseres Vereins bieten. Von 
jetzt an wird auch die bedeutende Erhöhung der Versendungskosten 
unsere knappen Geldmittel in ungünstigem Sinne beeinflussen. Der 
diesjährige Band, der hoffentlich noch bis Ende des Jahres erscheinen 
kann, wird ungefähr den Umfang des vorjährigen erreichen, also 
etwa 12 — ^13 Bogen umfassen, er wird aber viel teurer sein. Leider 
waren wir genötigt, drei Abhandlungen unserer Mitglieder zunächst 
zurückzustelleh. in der Hoffnung, sie vielleicht doch im nächsten 
Jahre aufnehmen zu können, falls bis dahin die Verhältnisse sich 
gebessert haben sollten. Wir werden auch daran denken müssen, 
im nächsten Jahre wieder ein Mitgliederverzeichnis zu veröffentlichen, 
das Avir seit 1916, um Kosten zu sparen, weglassen mußten. 

Herr J. Gerber berichtete sodann über den Rechnungsabschluß 
für das Jahr 1917, der sich, wie folgt, gestaltet: 

A. Einnahmen: 

1. Beiträge der ordentlichen Mitglieder, einschließlich 
des Beitrages des Herrn Geh. Eommerzienrats Arn- 

hold in Höhe von 20 :\rark M. 1316.— 

2. Zinsen der Wertpapiere und der Bank- und Spar- 
kassenguthaben „ 467.6.5 

3. Verkauf von Vereinsverhandlungen und Bücherei- 
verzeichnissen ,, 91.82 

4. Beihilfe des Provinzial - Ausschusses der Provinz 
Brandenburg 500. — 

M. 2375.47 
B. Ausgaben: 

1. Verlust aus dem .Jahre 1916 .■ M. 612.80 

2. Drucksachen 1851.60 

3. Kunstbeilagen für die Verhandlungen 77.50 

4. Buchbinderarbeiten. ' „ 18.85 

5. Verwaltungskosten 

a) Hilfeleistung, Bedienung usw. . . M. 184.20 

b) Porto „ 121.67 

c) Verschiedenes 13.3 „ 319.17 

M.. 2879.92 



200 Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. 

Gesamtausgabe M. 2879.92 

(3-esamteinnahm€ ^ 2375.47 

also Verlust M. 504.45 
Herr E. Ulbrich verlas deu Bericht über die Prüfung der 
Kasse, die er gemeinsam mit Herrn L. Di eis vorgenommen hatte. 
Die beantragte Entlastung des Kasseuführers wurde von der Ver- 
sammlung erteilt. Der Vorsitzende sprach dem Kassenführer den 
besonderen Dank des Vereins für die sorgfältige Führung der Ge- 
schäfte aus. Zugleich teilte er mit, daß zu unserem lebhaften 
Bedauern Herr J. Gerber das Amt nicht mehr weiter führen Avolle, 
da Rücksicht auf sein Alter und seine Gesundheit ihn zur Nieder- 
legung desselben bestimmten. In Herrn Apotheker R. Gülden- 
pfennig, der sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt hatte, 
das verantwortungsvolle Amt zu übernehmen, hoffen wir, einen 
Nachfolger für Herrn Gerber zu finden. 

Die neuen Wahlen ergaben folgende Zusammensetzung des 
Vorstandes für 1918/1919: 

H. Harms, Vorsitzender, 

E. .Jahn, erster Stellvertreter, 

A. Weiße, zweiter Stellvertreter. 
Th. Loesener, Schriftführer, 

F. Moewes, erster Stellvertreter, 

F. Tessendorff, zweiter Stellvertreter und Bücherwart, 

R. Gülden Pfennig, Kassenführer. 
In den Ausschuß wurden gewählt: 

L. Di eis, K. (Jsterwald, E. Britz el. 

.J. Gerber, R. Pilger, E. Ulbrich. 

Die Redaktionskommission umfaßt außer den Schriftführern die 
Herren : 

I. Urban, 0. E. Schulz. R. Kolkwitz. 

Die Krj'ptogamenkommission : 

R. Kolkwitz, G. Hieronymus, A. Moeller, 
R. Pilger, P. Claußen, E. Jahn, 

K. Waynstorf- 

Die Bestimmungskommission: 

F. Test^ndorff, K. Osterwald, R. Pilger, 

P. Claußen, E. Ulbrich, L. Loeske, 

R. Schulz, ,J. Hillmann, G. Brause, 

R. Kolkwitz, W. Kirschstein, E. Jahn, 
H. Plarms. 



Bericht über die (Herbst-) Haupt-Versammlung zu Berlin. 201 

Der Vorsitzende verlas und begründete einen von 17 Mitgliedern 
unterzeichneten, an den Vorstand des Vereins gerichteten Antrag 
auf Erhöhung: des Mitg-liedsbeitrages, mit folgendem Wortlaut: 
Infolge der gewaltig- gestiegenen Druck- und Papierkosten unserer 
Verhandlungen, der Erhöhung der Versand- und Portokosten, und 
der x^usgaben für die Bücherei hat sich die Finanzlage des Vereins 
besorgniserregend verschlechtert, sodaß bereits eine sehr erhebliche 
Beschränkung unserer Veröffentlichungen nötig geworden ist. Um 
einer weiteren Verschlechterung des Kassenbestandes des Vereins 
entgegen zu arbeiten, stellen die Unterzeichneten daher den Antrag: 
Den Vorstand zu ermächtigen, eine Erhöhung des 
Mitgliederheitrages eintreten zu lassen bis zur Höchst- 
grenze von zehn Mark. Sie überlassen es zugleich dem 
Ermessen des Torstandes zu entscheiden, ob man vorläufig 
noch mit einem Jahresbeiträge von acht Mark auskommen 
könne oder ob und wann eine weitere Erhöhung bis zu 
der genannten Höchstgrenze Platz greifen soll. Ebenso 
beantragen wir, den für die lebenslängliche Mitgliedschaft 
zu zahlenden einmaligen Beitrag in Zukunft auf 150 Mark 
festzusetzen. 
Der Antrag wurde von der Versammlung einstimmig 
angenommen. Der A^orstand hat beschlossen,, für nächstes Jahr 
den Beitrag noch nicht- auf 10 Mark zu erhöhen, sondern auf 8 Mark 
festzusetzen, in der Hoffnung, mit diesem Betrage zunächst auskommen 
zu können.* 

Herr H. Harms legte die von der Landesfuttermittelstelle 
in Bützow (Mecklenburg) herausgegebenen Rundschreiben zur 
Bucheckern-Sammlung vor und besprach die wichtigsten Gesichts- 
punkte dieser ausgezeichneten Organisation, die hoffentlich Segen 
für unser Vaterland stiftet und der Oelnot steuert. 

Herr ^\. Herter teilte mit, daß neuerdings vor dem (.Tenusse 
des ans den roten Beeren des Traubenhollunders {Samhucus racemosa) 
gewonnenen Oeles gewarnt wird (Ministerialbl. f. Medizinalangelegen- 
heit., herausgeg. v. Minist, des Innern, 18. Jahrg. 1918, S. 267; 
Apotheker-Zeitg. XXXIII. Nr. 70 [1918] 372). Die Beeren enthalten 
zwei völlig verschiedene Oele, das eine ist nur in sehr geringer 
Menge im Fruchtfleisch enthalten, das andere in größerer Menge in 
den Samen. Ersteres besitzt keine gesundheitsschädlichen Eigen- 
schaften, letzteres verursacht Erbrechen und Durchfall, wie aus Ver- 
suchen hervorgeht, die am Pharmaceut. Institut der Universität 
Berlin (Geh. Kat Pi^of. Dr. H. Thoms) angestellt worden sind. Das 



202 Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung' zu Berlin. 

durch Auskochen der frischen Beeren gewonnene Oel, wobei das 
Samen öl nicht mitgewonnen wird, war vielen Personen durchaus 
zuträglich; ebenso die aus dem Fruchtfleisch hergestellte Marmelade, 
die die Samen wohl kaum enthält. Selbst wenn auch ganze Samen 
noch in dieser Marmelade vorhanden waren, so konnte die Oelwirkung 
dei^ Samen nicht zur Geltung kommen, da das öel selbst beim Kochen 
nicht aus den Samen herausgezogen wird und daher auch beim 
Passieren des Körpers nicht zur Einwirkung auf diesen kommen 
konnte. Herr Sabalitschka bestätigte nach eigenen Erfahrungen und 
denen anderer die Brechen oder Durchfall erregende Wirkung des 
Oel^s aus den Kernen von Sambucus racemosa, während der Genuß 
der Beeren keine nachteiligen Folgen habe. Herr P. G.raebner 
betonte die Unschädlichkeit der aus den Früchten bereiteten Marme- 
lade selbst beim Zerbeißen der Kerne. Vergi. J. Zellner, Ueber 
das fette Oel von Sambucus racemosa (Monatshefte f. Chemie XXIII. 
[1902] 937; XXXIX. [1918] 87, 92); L. Diels, Ersatzstoffe aus d. 
Pflanzenreich [1918] 212; H. Matthes u. W. Rossie, Ueber Holunder- 
beerenöl (Archiv d. Pharmacie Bd. 256, Heft 4 [1918] 284, 288), 
danach soll das durch Auspressen der Samenkerne von 8. racemosa 
hergestellte Oel früher in der Saalfelder Gegend zu Koch- und 
Backzwecken Verwendung gefunden haben. Herr M. Herberg 
teilte mit, Üaß Marmelade aus den Beeren von Samhucus nigra nach 
eigener Erfahrung Durchfall verursache. Andere Herren (L. Diels? 
H. Harms u. a.) konnten diese Erscheinung nicht bestätigen; offenbar 
spielen dabei individuelle Anlagen eine Rolle. 

Herr Th. Salbalitsclika sprach Ueber den Giftstoff der 
Buchein. Zu, den von der heimischen Natur gebotenen Nähr- 
stoffen, an die uns erst ~die Kriegänot erinnern mußte, gehören 
auch die Buchein, die vor dem Kriege wohl nur noch sehr vereinzelt 
als Futtermittel dienten. Da aber heute in ganz Deutschland ihre 
Ausnützung in die Wege geleitet ist, ist auch das Interesse au der 
den Buchein seit alters nachgesagten Giftigkeit wieder in den Vorder- 
grund ^-etreten. — Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurden tötliche 
Vergiftungen an Mensch und Tier durch Buchein beobachtet.') In 
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts isolierte dann Herberger'^) 
aus den Bucheckern eine alkaloidartige, unter narkotischer Wirkung 
Katzen tötende, unangenehm riechende, mit Wasser destillierbare, 
zähklebrige Substanz, die er mit Buchner Fagin nannte. Einige 

Gottsched, Act. Havn. II. S. 160. Kortum Beitrag z. pr. Arzneiw. 
1795 S. 145. 

^) Archiv d. Pharmazie 35 (1830) S. 149. Schweiggers Journal LX. S. 255 

Buchners Repert. LXII. S. 381. 



Bericht über die (Herbst-) Haupt-Versammlung zu Berlin. 203 

Jahre später beobachtete Zanoii'^) einen ähnlichen Stoff bei der 
Untersuchung- der Buchein, den er gleichfalls aber unabhängig von 
den obigen Forschern, als Fagin bezeichnete. Brandl und 
Rakowiecki*) bestritten aber dann die Existenz dieses Fagins und 
hielten die von ihnen aus den Buchein isolierte Substanz für 
Trimethyiamin. Habermann^) trat dagegen wieder für den 
Alkaloidcharakter ein. Die Beschreibung, welche diese verschiedenen 
Forscher für die von ihnen aus den Buchein isolierten Stoffe g-eben, 
stimmen so gut überein, daß wohl der Schluß berechtigt ist, sie 
hätten stets dieselbe Substanz in Händen gehabt. Da Brandl und 
Rakowiecki diese am sorgfältigsten untersucht haben, dürfte das 
Ergebnis ib-er Arbeit wohl das annehmbarste sein. Die Möglichkeit, 
Trimethyiamin aus den Buchein zu erhalten, ergibt sich auch aus 
den Untersuchungen von Böhm*'), der in den Bucheckern namhafte 
Mengen Cholin nachwies, bei dessen Zersetzung bekanntlich das 
giftige Trimethyiamin entstehen kann. Cholin allein kann gleichfalls 
toxisch wirken. So erzeugen 0,025-0,1 gr. Cholin bei Fröschen 
allgemeine ^|ähmung, bei Warmblütlern kann Cholin weiter Speichel- 
fluß und andere Neurinsymptome in abgeschwächter Weise') ver- 
ursachen. Gerade die Versuche von Böhm") haben die Giftigkeit 
des Cholins einwandfrei erwiesen. Dabei zeigte sich eine sehr auf- 
fallende Verschiedenheit der Empfänglichkeit gegen dieses Gift bei 
den verschiedenen Tieren. Während bei Kaninchen selbst die große 
Dosis von 0,7 gr. Cholinchlorid keine schädliche Wirkung ausübte, 
wurde eine kräftig^e Katze schon durch 0,3 gr. in kurzer Zeit, eine 
andere durch 0,5 gr. innerhalb fünf Minuten getötet. Es sei hier 
gerade auf die für die einzelnen Tiergattungen so verschiedenen AVir- 
kungen des Cholins hingewiesen, da wir eine ähnliche Erscheinung 
bei dem Büchelngift antreffen. Nach dem Ergebnis dieser Forschungen 
erscheint es wahrscheinlich, daß die Giftigkeit der Bucheckern auf 
ihren Gehalt an Cholin zurückzuführen ist. Die Gegenwart dieses 
Stoffes, der bei der Zersetzung das noch giftigere Trimethyiamin 
und ähnliche Substanzen liefern kann, ist auch vereinbar mit den 
Angaben der anderen Forscher. Pott^) ist neuerdings der Ansicht, 
daß gerade auf solche Zersetzungsprodukte^ die sich beim Liegen 



=') Gazzetta eclettica Sept. 1836. Buchners Repert. LVH. S. 386. 
*) Viertel Jahresschrift für prakt. Pharmazie (1864) 13. S. 333. 
«) Verhandl. d. naturforsch. Vereins Brunn XXII. (1883) S- 287. 

^) Archiv für exp. Pathologie und Pharmakol. 19 (1885) S. 89. 

')' Lewin, Lehrbuch der Toxikologie 1897, S. 161. 

^) Pott, Lehrbuch der tierisch. Ernährung u. landw. Futterm. 1909 III. S. 45. 



204 Bericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Be run- 

der Buchein auf dem feuchten Waldboden oder auch bei sonstiger 
längerer Lagerung in großen Haufen bilden, die Giftigkeit zurück- 
zuführen ist. Die beobachteten Vergiftungserscheinungen beschränken 
sich ausschließlich auf Einhufer, dagegen scheinen die Bucheckern 
für andere Tiergattungen, wenn sie nicht in zu großen Mengen ver- 
füttert werden, gänzlich ungefährlich zu sein. Es wird von ver- 
schiedenen Autoren berichtet, so von Pusch^), Neßler^°). König^^); 
EngeP^), Lewin^'). daß Bullen, Kaninchen, Schafe, Schweine, Meer- 
schweinchen, Eichhörnchen und Vögel ohne Schaden Buchein ver- 
zehren. Im Gegensatz dazu berichtet Wamrer^*), daß bei Pferden 
nach 1 — 1,5 kg. Buchelpreßkuchen Taumeln, Zittern, Dyspnoe, Parese 
des Hinterteils, später klonische oder tetanische Zuckungen auftraten. 
Pusch") beobachtete gleichfalls bei Pferden ähnliche heftige Ver- 
giftungserscheinungen und Tod nach Bucheckern. Nach Damman^'^) 
genügen bisweilen schon Mengen von 250—750 gr. Buchelkuchen 
um durch Lähmung der Atmungszentren Erstickungstod beim Pferd 
herbeizuführen. Hartenstein^") berichtet, daß drei Pferde plötzlich 
und heftig unter Kolikerscheinungen erkrankten und nach wenigen 
Stunden verendeten, die zum ersten Male neben Hafer Buchelkuchen 
erhalten hatten. Gaben von IV2 kg wirken in der Regel letal. 
Maultiere und Esel sind noch empfindlicher gegen Buchelgift. Ent- 
gegen diesen Angaben sollen in Frankreich Pferde 3 kg Bucheckern 
anstandslos vertragen haben. — Wenn auch augenblicklich der Gift- 
stoff der Buchein noch nicht mit Sicherheit erkannt ist, so dürfte 
doch deren Giftigkeit für Einhufer sicher erwiesen sein. Vielleicht 
dürfte auch bei der Verfütterung von Buchein in großen Mengen an 
andere Haustiere die Möglichkeit einer schädigenden Wirkung nicht 
gänzlich außer acht zu lassen sein. 

Auf eine Anfrage nach Erfahrungen über die Schädlichkeit des 
Bucheingenusses für Kinder bemerkten die Herren P. Graebner 
und F. Schumacher, daß sie eine gesundheitliche Schädigung auch 
bei reichlichem Genüsse nie beobachtet hätten. 

Herr M. Herberg sprach lieber tropfsteiuartig abgelager- 
ten Holzschliff. — Bei meinem Besuche der Seefelder bei Eeinerz 



") Berl. tierärztliche Wochenschrift 1. Juni 1893. 
'") Biedermanns Zentralblatt für Agriculturchemie 1895. S. 439. 
") Dasselbe 1889. S. 500. * 

12) Landw. Versuchs-Stat. 82 (1913), 93. 
") Lehrbuch der Toxikologie 1897, S. 381. 
1*) Berl. tierärztliche Wochenschrift 1890, S. 53. 

^°) Pott, Lehrbuch der tier. Ernähr, und landw. Futterm. 1909. III. S. U. 
'") Oesterr. landw. Wochenblatt 1891, S. 396. 



Rericht über die (Herbst-) Haupt- Versammlung zu Berlin. -05 

in der Grafschaft Glatz am 30. 9. 1918 hörte ich, in der Nähe des 
Erlitzbaches einen ständig wiederholten Ton, der mit dem einer 
alten Knckncksuhr zu vergleichen war. Ich ging dem Geräusche 
nach und kam zu einer Jagdkanzel, die zwischen vier großen Tannen 
errichtet war. Eine etwas abseits stehende Birke diente als Halte- 
punkt des aus einer Iviefernstange bestehenden Geländers. Da der 
Nagel, der den Kiefernstamnr an der Birke festhielt, zerstört war, 
so konnte das Stück, das der Birke benachbart war, sich bei der 
leisesten Bewegung an der Birke scheuern. Der Erfolg der fort- 
gesetzten Reibung war eine Abschleifung der Birke und des Kiefern- 
stammes, sodaß an jeder reibenden Komponente eine starke Ver- 
tiefung erzeugt wurde. Der dadurch entstandene Holzschliff hat 
sich nun im Laufe der Zeit sowohl an der Birke, als auch an der 
Kiefernstauge tropfsteinartig abgesetzt, sodaß muschelförmige Ab- 
lagerungen unterhalb der Reibstelle zum Ansatz kamen. — An der 
Aussprache nahmen die Herren Duysen und Schikora teil. 

Herr F. Scliikora (Entwickelungs-Bedingung, einig, abwässer- 
reinigend. Pilze; in Mitteilg. Deutsch. Fischerei- Vereins VIT. 1. [1899] 
S. 9) hat ein interessantes Vorkommen von Oscillarien iu den Klär- 
bassins einer Holzschleife in Wölfeisgrund beobachtet. Dort zeigten 
sich die Wände bis zu 5 cm Dicke mit Krusten belegt, die äußerlich 
den Spongillen der süssen Gewässer völlig glichen, im Querschnitt 
aber die Struktur eines Badeschwammes mit seinem zelligen Gefüge 
zeigten. Sie bestanden ausschließlich aus feineu Celluloseteilchen 
und Unmassen von Oscülaria tenuis var. limosa. Die Alge durchzog 
die ganze Masse, war aber besonders au der Oberfläche, diese grün 
färbend, vertreten, sorgte hier durch zahlreiche „auffangend" in das 
vorüberfließende Abwasser vorgestreckte Enden für vermehrten Ansatz 
von Holzstoff, zugleich in der Tiefe der Masse die die Vacuolen 
bildenden Gase absondernd. 

Herr Wittmack teilte das Ergebnis seiner Untersuchung eines 

von den Engländern zur Verdeckung der Unterstände benutzten 

buntgefärbten Netzes mit; es sei aits Raphia-Bast gewirkt, der uns 

leider z. Z. nicht zugänglich sei. 

H. Harms. 






VERHANDLUNGEN 



DES 



BOTANISCHEN VEREINS DER 
PROVINZ BRANDENBURG. 



EINUNDSECHZIGSTER JAHRGANG. 

1919. 



IM AUFTRAGE DES VEREINS 

HERAUSGEGEBEN 

VON DEN SCHRIFTFÜHRERN 

TH. LOESENER, F. MOEWES, F. TESSENDORFF. 



Selbstverlag 
des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg. 



Berlin-Dahlem, 

Botanisches Museum, Königin-Luisestraße 6—8. 
1920. 



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VERHANDLUNGEN 



DES 



BOTANISCHEN VEREINS DER 
PROVINZ BRANDENBURG. 



EINUNDSECHZIGSTER JAHRGANG. 






IM AUFTRAGE DES VEREINS 

HERAUSGEGEBEN 

VON DEN SCHRIFTFÜHRERN 

TH. LOESENER, F. MOEWES, F. TESSENDORFF. 



Selbstverlag 
des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg. 



Berlin-Dahlem, 

Botanisches Museum, Königin-Luisestraße 6—8. 
1920. 



Ausffeg-eben am 10. Januar 1920. 



Die nächsten monatlichen Vereins-Sitzungen finden statt: 

Freitag, den 16. Jamiar 1920 i in Berlin 

„ den 20. Februar 1920 > im Restaurant „Zum Heidelberger" 

„ den 19. März 1920 ' Dorotheenstraße 16, um 6 Uhr abends. 

Freitag, den 16. April 1920 

den 21. Mai 1920 | 

18 7 ■ IQ^O ( ™ Botanischen Museum, 



17. September 1920 



in Berlin-Dahlem 
Botanischen Muse 
um 7 Uhr abends. 



Alle für den Druck bestimmten Beiträge sind völlig druckreif dem 
zeitigen Schriftführer, Herrn Professor Dr. Th. Loesener, Berlin-Dahlem, 
Botanisches Museum, Königin-Luisestraße 6—8, zuzusenden. 

Es wird gebeten, sämtliche für den Verein bestimmten Drucksachen, sei es 
durch die Post, sei es auf buchhändlerischem Wege an den Botanischen Verein 
der Provinz Brandenburg, zu Händen von Herrn Oberlehrer F. Tessendorff, 
Berlin-Dahlem, Botanisches Museum, Königin-Luisestraße 6 — 8, adressieren 
zu wollen. 

Die neu eintretenden Mitglieder können den Bibliotheks-Katalog zum Preise 
von 2.50 Mark von dem Herrn Bücherwart erhalten. 



Die Mitglieder, welche den Jahresbeitrag für 1919 noch nicht entrichtet 
haben, werden gebeten, ihn mit 8.05 Mark (einschließlich Bestellgeld) gefälligst 
kostenfrei an unsern Kassenführer, Herrn Apotheker R. Güldenpfennig in 

Berlin-Steglitz, Beymestraß.e 6, einseifden zu Avolien (Postscheck-Konto 
Berlin NW. 7, Nr. 61971). 

Laut Vorstandsbeschluss und ßeschluss der Herbstversammlung vom 19. 
Oktober 1918 ist der Mitgliedsbeitrag für 1920 auf 10 Mark festgesetzt. 

Für alle ordentlichen Mitglieder soll die Bestimmung gelten, dass der Bei- 
trag durch Postauftrag eingezogen wird, falls er nicht bis zum I. April an den 
Kassenführer eingezahlt worden ist. 

Änderungen in der Adresse wollen die Mitglieder gleichfalls dem Herrn 
Kassenführer kurz mitteilen. 



Inhalt. 



Jaap, 0. Beiträge zur Kenntnis der Zoocecidien Oberbayerns .... 1 — 29 

Schalow, E. Zur Verbreitung der Eosenfrüchte 30 — 32 

Görz, R, Floristische Beobachtungen aus der Lothringer Kampfzone . 33 — 39 

Hermann, F. Botanische Beobachtungen auf Korsika und anderwäi-ts . 40 — 54 
Graf von Schwerin, F. Über die Möglichkeit der Verwachsung zweier 

Gehölzarten 55 — 67 

Holzfuss, E. Ergebnisse einer botanischen Pfingstwanderung in die Kreise 

Saatzig und Dramburg ' 68 — 73 

Holzfuss, E. Botanische Beobachtungen von Königsberg i. Neum, bis 

Stettin 74—75 

Becker, Wilh. Spergula vernalis Willd. var. palaeomarchica var. nov. . 76 — 77 

Schulz, 0. E. Zwei Beobachtungen in der Provinz Brandenburg . . . 78 — 81 
Schulz, Roman. Zweiter Beitrag zur Flora des märkischen unteren 

Odertals 82—96 

Bericht über den Ausflug des Botanischen Vereins der 

Provinz Brandenburg in die Oranienburger und 

Liebenwalder Forst 97—104 

I. Harms, H. Bericht über den Verlauf des Ausfluges . . . 97 — 99 
IL Tessendorff, F. Bemerkungen zur Pflanzenwelt der Oranien- 
burger und Liebemvalder Forst 99 — 103 

III. Zeller, H. Verzeichnis der auf dem Ausfluge gesammelten 

Gallen 103—104 

Verzeichnis der Mitglieder des Botanischen Vereins der 

Provinz Brandenburg 105 — 119 



Aus Sparsamkeitsgründen können wir diesmal nur die einge- 
laufenen „Abhandlungen" und das „Mitgliede.''verzeichnis" bringen, dessen 
Erscheinen wegen der zahlreichen in den letzten drei Jahren ein- 
getretenen Veränderungen ein dringendes Bedürfnis geworden war. 
Die „Sitzungs- und Versammlungsberichte" mußten daher ausfallen. Wir 
hoffen sie im nächstjährigen Bande nachliefern zu können. 



r-IEW YORK 
ßOTANICAl, 



Beiträge 
zur Kenntnis der Zooeeeidien Oberbayerns. 

Von 

Otto Jaap-Hamburg. 

Die in dieser Mitteilung aufg-ezählten Zooeeeidien sind von mir 
in der zweiten Hälfte des Juli 1917 bei Garmisch-Partenkirchen und 
in der ersten Hälfte des August 1917 bei Oberstdorf im Algäu ge- 
sammelt worden. Auch einige bei Geltendorf gemachte Beobachtungen 
wurden mitaufgeführt. 

Von vielen Arten hat Herr Prof. Ew. H. Rübsaamen lebendes 
Material in Zucht genommen und bisher folgende 6 neue Gallmücken 
gezogen: Massalongia (?) aceris auf Acer pseuäoplatanus^Macrolabis 
brunellae auf Brunella grandifolia, Contarinia fagi auf Fagus 
silvatka, Dasyneura geranii auf Gercmium silvaticum, Contarinia 
dipsacearum auf Knauüa silvatica und Dasyneura senecionis auf 
Senecio Fuchsii. 

Die Aufzählung der Zooeeeidien geschah aus praktischen Gründen 
nach dem neuen Buch von Dr. H. Eoß, Die Pflanzengallen Baj^erns 
und der angrenzenden Gebiete, 1916. Die Zahl vor dem Gallennamen 
gibt die Nummer an, unter der -das Cecidium in diesem Buche be- 
schrieben worden ist. Die nicht aufgeführten Arten, die also neu zu 
sein scheinen für Bayern, sind durch einen Stern gekennzeichnet; es 
sind deren fast 100 Arten. Ein E, mit folgender Nummer hinter 
dem Namen der Galle bezieht sich auf das Buch von H. Roß, Die 
Pflanzengallen Mittel- und Nordeuropas, 1911; ebenso H. auf C. 
Houard, Les Zoocecidies des Plantes d'Europe etc., 1908 — 1913. 
Ein ! gibt an, daß Rübsaamen von dem betreffenden Fundort lebendes 
Material gesehen hat. Es bedeutet ferner: P. = Partenkirchen, G. = 
Garmisch, 0. = Oberstdorf, Z. S. ==: die vom Verfasser herausgegebene 
Zoocecidien-Sammlung. 

Verhaudl. des Bot. Vereins f. Brandenburg. LXI. 1 



2 Otto Jaap: 

Acer L. 

11. Cecidomjädariim sp. („Fenstergalle"). 
Auf A. pseudoplatanus L, — P.: Partnachklamm ! und Eselsgraben; 
G.: Höllental, oberhalb der Klamm (1225 m) massenhaft !; 0.: Seealp- 
tal, Oytal zwischen Gutenalp und Stuiben Wasserfall, Hölltobel bei 
Gerstruben, Bachertal bei Einödsbach (1250 m) viel !. 

" Massalongia (?) aceris Eübs. in litt. (Drisina glutinosa 
Giard n. nud.) — R. 17, 

Auf -4. pseudoplatanus L. — P. an vielen Stellen, z. B. Eselsgraben ! 
G.: Höllental (1250 m); 0.: Oytal zwischen Gutenalp und Stuiben- 
wasserfall bei ca. 1250 m, Bachertal bei Einödsbach (1200 m). — 
Mücke wurde von Rübsaamen gezogen. 

13. Contarinia acerplicans Kieff. 

Auf Ä. pseudoplatanus L. — 0.: Trettachtal, nicht häufig. 

14. Dasyneura acercrispaiis (Kieff.) ßübs. 

Auf A. pseudoplatanus L. — P.: Eselsgraben; G.: Höllental (1250 m). 

15. Eriophyes macrorrhynchus Nal. 

Auf A. yseudoplatanus L. — P. mehrfach, z. B. Eselsgraben ; G.: Eibsee; 
0. an vielen Stellen. 

16. Eriophyes macrorrhynchus Nal. 
Auf A. campestre L. — P.: St. Antonsanlagen. 

20. Eriophyes pseudoplatani Corti. 
Auf A. xjseudoplatanus L. — P. und 0. mehrfach, auch Bachertal bei 
ca. 1 200 m. 

Eriophyidarum sp. — R. 32. 
Auf A. pseudoplatanus L. — P.: Kankertal, Eselsgraben; 0. mehrfach. 
— Dieses Erineum, das zuweilen auch auf der Blattoberseite längs 
der Nerven auftritt, gehört wohl auch zu E. ma er och eins Nal. 

Aconitum L. 

* Aphididarum sp. 

Sproßachse gestaucht, Blätter an der Sproßspitze genähert, verbogen, 

zuletzt gebleicht. 

Auf A. lycodonum L. — P.: l^iedhänge. Neu. 

* (?) Aphididarum sp. 

Blätter verbogen und nach unten locker eingerollt. 

Auf A. napellus L. — P.: Gebüsch an der Loisach. Neu. 

" Cecidomyidarum n. sp. 
Triebspitzeudeformation. Blätter an der Sproßspitze gefaltet, ver- 
dickt und bleich; weißliche Larven. Neu. 
Auf A. napellus L. — G.: Höllental (1225m) ! " 



Beiträge zur Kenntnis der Zooceciclien Oberbayernri. 3 

27. Contarinia sp. 
Auf .4. lycodonum L. — P.: Eiedhäiig'e, Eselsg'raben, Vordergraseck, 
Raiiital; G.: Höllental; 0.: Trettachtal, Oytal zwischen Gutenalp und 
Stuibenwasserfall (1 250 m) häufig ! (mit den weißen Contarinia-Larven 
fanden sich hier in den geschlossenen Blüten auch einige gelbbräun- 
liche, wie sie auf A. napellus L. vorkommen), Bachertal bei Einöds- 
bach, Faltenbachschlucht. 

Auf Ä. na^iellus L. — 0.: Bachertal bei Einödsbach (1200 m) !. In 
den geschlossenen Blüten fanden sich auch große, braungefte Oligo- 
trophiden-Larven. Ob sie die Erzeuger der Galle sind, erscheint 
fraglich. Außerdem große Musciden-Larven. 

Adenostyles Cass. 

* (?) Insekt. 

Auf A. alpina (L.) Bluflf et Fing. — Blattfläche oder Teile derselben 
gekräuselt. G.: Höllental (ca. 1200 m). Neu. 

Aegopodium L. 

* Aphididarum sp. — H. 7170 ? 

ßlattzipfel gekrümmt und verbogen, ohne Ausbuchtungen und Ver- 
färbung. 
Auf Ae. ])odagraria L. — P.: Tal der Kanker; 0.: stellenweise viel. 

29. Trioza aegopodii F. Low. 
Auf Ae. imdagraria L. — Bei P. und G. häufig; 0.: Oytal, Hölltobel 
bei Gerstruben. 

Aesculus L. 

31. Eriophyes hippocastani (Fockeu) Nal. 
Auf Ae. hijypocasfanum L. — P. nicht selten; 0. 

Agropyrum Pal. 

* (?) Anguillulidarum sp. 
Vergrünung der Blüten. 

Auf ^4. canmum (L.) Pal. — P. an der Loisach. 

Agrostis L. 

* (?) Anguillulidarum sp. 
Vergrünung der Blüten. 

Auf A. alba L. — P.: Ufer der Loisach. 

Alchimilla L. 

* Trioza acutipennis Zett. — E. 89. 

Auf A. alpestris Schmidt. — P.: Eselsgraben; G.: Höllental (1250 m); 
0.: Bachertal bei -Einödsbach (1200 m). 

1* 



4 Otto Jaap: 

Alnus GärtiL 
39. Eriophyes brevitarsiis (Fockeu) Nal, 
Auf A. incana (L.) Willd, — P,, G. und 0., häufig-. 
Auf A. alnobetula (Ehrh.) Hart. — 0.: Oytal beim Stuibenwasserfall. 

41. Eriophyes laevis Nal. 

Auf A. Incana (L.) Willd. — P., G. und 0., häufig-. 

42. Dasyneura alni (F. Low) Pubs. 

Auf A. incana (L.) Willd. — P. und G. ziemlich häufig !; 0. sehr ver- 
breitet und nicht selten. ^ 

Amelanchier Med. 
47. Cecidomyidarum sp. 
Auf A. vulgaris Mönch. — P.: Faukenschlucht; G.: Eibsee, Höllental 
(1250 m). 

Ängelica L. 

* (?) Triozasp. — H. 4479 ? 

Blatttiäche mit bis zu 5 mm breiten, blasigen Auftreibungen nach oben, 
ohne Verfärbung (entsprechend denen von Trioza aegopodii F. Low 
auf Aegoimdium), Tiere nicht gesehen. Neu? 
Auf A. silvesfris L. — 0.: Inselanlagen an der Trettach. 

Änthyllis L. 

* Asterolecanium fimbriatum Fonsc. 
Sproßachse mit spindelförmiger Anschwellung. Neu. 
Auf A. vuhieraria L. — P.: Tal der Kanker. 

Arabis L. 

59. Dasyneura Schneideri Rübs. in (Jecidomyidenstudien VI, 
S. 48 (1917). 

Auf A. alxjina L. — 0.: am Nebelhorn bei ca. 1750 m !, ausgegeben 
in Z. S. unter n. 472, im Oytal bei 1 025 m, Breitachklamm. Die 
Nährpflanze scheint neu zu sein. Die von Prof. Rübsaamen ge- 
zogenen Mücken wurden mit denen von Arabis albida Stev. vergliclien. 

Asper ula L. 

69. Phyllocoptes minutus Nal. 
Auf A. cynanchica L. — P.: Tal der Kanker, auf Wiesen nach Far- 
chant hin. 

Astrantia L. 

* (?) Insekt. 

Blattzipfel nacli oben locker eingerollt. Neu. * 
Auf A. major L. — Oytal bei 0. 



Beiträge zur Kenntnis der Zoocecidieu Oberbayerns. 5 

Athyrium Roth. 

76. Anthomyia signata Brischke. 

Auf A. filix femina (L.) Roth. — P.: Partnachklamm, Eselsgraben; 
G.: Höllental; 0.: Faltenbachschlucht, Trettachtal, Breitachklamm. 

Atriplex L. 

77. Apliis atriplicis L. 

Auf A, patulum L. — P. und G. mehrfach. 

Bartschia L. 

* (?) Cecidomyidarum sp. 
Triebspitzengalle. Junge Blätter gefaltet, etwas angeschwollen. 
Die Tiere hatten die Galle bereits verlassen. Neu. 

Auf B. alinna L. — 0.: Nebelhornhaus, bei ca. 1900 m. 

Berberis L. 

80. Trioza Scotti F. Low. 
Auf B. vulgaris L. — Bei P. ! und G. häufig; 0. seltener (Nähr- 
pflanze hier weniger häufig). Z. S. 523. 

* Contarinia n. sp. — R. 259. 

Auf B. vulgaris L. — P. u. G.: sehr verbreitet und nicht selten !; 
0.: Trettachtal, Christlessee. 

In den Gallen fand Rübsaamen auch Macrolabis- und Dasyneura- 
Larven vor. Wird in meiner Sammlung ausgegeben werden. 

Betula L. 

* Plemeliella betulicola (Kieff.) Rübs. a. a. 0., VI, S. 87 
(1917). — R. 275 sub Contarinia. 

Auf B. verrucosa Ehrh. — Bei Geltendorf. 

89. Eriophyes rudis (Can.) Nal. 
Auf B. imhescens X verrucosa (B. carpathica W. et K.). — Garmisch, 
Eibsee. 

92. Eriophyes betulae Nal. 
Auf B. verrucosa Ehrh. — Am Riesser See bei G. 

Bromus L. 

99. Eriophyes tenuis Nal, 

Auf B. erectus Huds. — P. häufig. — Z. S. 501. 

Brunella L. 

100. Macrolabis brunellae Rübs. n. sp. in litt. 

Auf B. granäiflora (L.) Jacq. — P. an vielen Stellen, z. B. Falten- 
bachschlucht !; 0.: Oytal bei ca. 1200 m, Hölltobel bei Gerstruben. 



Q . Otto Jaap: 

Buxus L. 

104. Psylla buxi L. 
Auf B. sempervirens L. — P. in Gärten häufig. 

Calamagrostis Adans. 

* (?) Anguillnlidarum sp. 
Vergrünung' der Blüten. 

Auf C. epigeios (L.) Roth. — P.: Loisachufer. — Milben wurden in 
den vergrünten Blüten nicht vorgefunden. 

Caltha L. 

* Aphrophora spumaria (L.) Germar. 

Blattfläche etwas zusammengezogen, gekrümmt, und mehr oder weniger 

grubigwellig gekräuselt. Vgl. Z. S. n. 467. 

Auf C. palustris L. — P.: Wiesen an der Loisach nach Farchant hin. 

Campanula L. 

* Asterolecanium fimbriatum Fonsc. 
Sproßachse mit spindelförmiger Anschwellung. Neu. 

Auf C. rapunculoicles L. — P.: Abhänge im Tal der Kanker. 

107. Geocrypta trachelii (Wacht!) Rübs. a. a. 0., IV, 
S. 542 (1915). — R. 358 sub Dasyneura. 

Auf C. rotundifolia L. — P.: Wiesen nach Farchant hin. 
Auf C. cochlecmifoUa h&m. — P.: Faukenschlucht; G.: Höllental; 0.: 
Seealptal am Nebelhorn, Oytal bei ca. 1000 m !, ausgegeben in Z. S. 
n. 546, Stillachtal (1000 m). — Scheint auf dieser Nährpflanze für 
Bayern neu zu sein. 

108. Dasyneura Thomasi Rübs. in Zeitschr. f. wiss. Insekten- 
biologie 1912, S. 354. 

Auf C. cochlearnfolia Lam. — P. : Faukenschlucht !; 0.: Faltenbach, 
Seealptal, Oytal !, Trettachtal, Stillachtal (1000 m), Breitachklamm viel, 
Z. S. 493. 

* Eriophyes campanulae Lindr. — R. 360. 

Auf C. cochleariifolia Lam. — 0.: Oytal bei ca. 1000 m. Neue 
Nährpflanze. 

109. Eriophyes Schmardai Nal. 

Auf C. rapunculoicles L. — P. : Abhänge im Kankertal viel, Z. S. n. 545. 

* Dasyneura campanulae Rübs. in Cecidomyidenst. III, 
Marcellia 1914, S. 102. 

Auf C. cochleariifolia Lam. — P.: Schalmeischlucht; 0.: Faltenbach, 
Trettachtal, Oytal viel !, Z. S. 547, Stillachtal, Breitachklamm, Neue 
Nährpflanze. 



Beiträge zur Kenntnis der Zoocecidien Oberbayerns. 7 

Auf C. rotundifolia L. — P.: AViesen nach Farchant hin. 

Auf C. Seheuchzeri Vill. — 0.: Seealp tal am Nebelhorn. Neue Nähr- 

ptianze. 

(?) Contarinia canipanulae Kieff. — E. 365. 
Auf C. trachelium L. — 0.: Trettachtal. Neue Nährpflanze.' 

Cardamine L. 

* Dasyneura cardaminicola Eübs. in Cecidomyidenstud. 
IV, S. 512 (1915). 

Auf C. amara L. — Breitachklamm bei 0., ca. 850 m. Zweiter 
Fundort dieser von mir im Thüringer Walde entdeckten neuen Galle. 
Vgl. meine Sammlung n. 5(33. 

* Trioza sp. — E. 373. 

Auf C. amara L. — P.: Eselsgraben. Neue Nährpflanze. 

Carduus L. 

* Urophora solstitialis L. — E. 382. 
Auf C. crispus L. — P.: Kankertal. 

Carpinus L. 
120. Eriophyes macrotrichus Nah 
Auf G. hetulus L. — Bei Geltendorf. 

123. Eriophyes tenellus Nah 
Auf C. hetulus L. — Bei Geltendorf. 

124. Zygiobia carpini (F. Low) Kieff. — E. 404 sub 
Oligotrophus. 

Auf C. hetulus L. — Bei Geltendorf. 

Centaurea L. 

130. Löwiola centaureae (F. Low) Kiefl". 
Auf C. scahiosa L. — P.: Kankertal, Wiesen nach Farchant hin, nicht 
häufig. 

* Coleopterarum sp. 

Blütenkörbchen am Grunde einseitig stark angeschwollen,. daher schief; 
eine große Larve. Ob Larinus carlinae Oliv., H. 5982 ? 
xAuf C. scahiosae L. — P.: Kankertal !. — Die gezogenen Käfer sind 
noch nicht bestimmt worden. 

Chaerophyllum L. 

* Trioza sp. — E. 448. 
Auf Ch. hirsutum L. — 0.: Oytal !. 



8 Otto Jaap: 

Chenopodium L. 

134. Apliis atriplicis L. 
Auf Ch. album L. — Bei Garmisch. 

Auf Ch. polyspermum L. — H. 2179. — Blätter bei dieser Nähr- 
pflanze weniger stark eingerollt als wie bei der vorhergehenden. 
P. u. 0. 

Chrysanthemum L. 

* Rhopalomyia hypogaea F. Low. — H. 5732. 

Auf Ch. leueanthemum L. — P.: Lukasterrasse; 0.: bei Birgsau ! viel. 

136. Trioza chrysanthemi F. Low. 
Auf Ch. leueanthemum L. — P.: Kankertal (800 m); 0.: Seealptal, 
Oytal mehrfach. 

Cirsium Scop. 

* Coleopterarum sp. 

Blütenkörbchen etwas deformiert, Blütenboden angeschwollen. Neu. 
Auf C. rivulare (Jacq.) Lk., C. oleraceum (L.) Scop., C. rivulare X 
oleraceum und C. palustre X rivulare. — P.: Wamberg ! Die aus 
den Gallen gezogenen Rüsselkäfer sind bisher noch nicht bestimmt 
worden. In Gesellschaft hin und wieder auch Urophora- Larven. 

Clematis L. 

144. Epitrimerus heterogaster Nal. — R, 497. 
Auf C. alpina (L.) Miller. — Am Eibsee bei G. — Auf dieser Nähr- 
pflanze neu für Bayern. 

Corylus L. 

149. Eriophyes avellanae Nal. 
Auf C. avellana L. — ■ P. nicht selten. 

Crataegus L. 

153. Dasyneura crataegi (Winn.) Rübs. 

Auf C. oxyacantha L. und C. monogyna Jacq. — P., G. und 0., viel 
in Hecken. 

154. Dentatus crataegi (Kalt.) v.d. Goot. (Aphis piriFonsc.) 
Auf C. oxyacantha L. — P. : St. Antonsanlagen. 

156. Eriophyes goniothorax Nal. 
Auf C. oxyacantha L. und C. monogyna Jacq. — Bei P. sehr häufig; 
0.: Trettachtal. 

158. Myzus oxyacanthae (Koch) Paß. 
Auf C. oxyacantha L. und C. monogyna Jacq. — Bei P. häufig; 0.: 
Trettachtal. 



Beiträge zur Kenntnis der Zoocecidien Oberbayerns. 9 

Daphne L. 

, * (?) Insekt. 
Blätter locker nach oben eingerollt, ohne Verfärbung. Neu. 
Auf D. mezer eum L. — Bei P. 

Dryopteris Amman. 
ITO.^nthomyia signata Brischke. 
Auf D. filix mas (L.) Schott. — P.: bei der Partnachklamm; 0.: 
Trettachtal, Breitachklamm. 
Auf D. spinulosa (Lam.) 0. Ktze. — 0.: Trettachtal und Breitachklamm. 

Epilobium L. 

174. Aphis epilobii Kalt. 
Auf E. alsinifolium Vill. — 0.: Nebelhornhaus bei ca. 1850 m. Neue 
Nährpiianze. 

176. Dasyneura Kiefferiana Rübs. 
Auf E. cmgusüfoliufn L. — Bei Geltendorf. 

Erica L. 

178. Wachtliella ericin a (F. Low) Rübs. in litt. — R. 
605 sub Dasyneura. 

Auf E. carnea L. — P. u. G. sehr häufig; 0.: Seealp tal und Stillachta]. 

179. Eriococcus ericae Sign. 

Auf E. carnea L. — 0.: Hölltobel bei Gerstruben. 

Fagus L. 

* Contarinia fagi Rübs. n. sp. in litt. 
Triebspitzengalle. Zwischen den in der Knospenlage gefalteten, etwas 
angeschwollenen jungen Blättern weiße Larven. 

Auf F. silvatica L. — P. u. G. mehrfach; 0.: Trettachtal; Geltendorf. 
— Von mir im Jahre 1916 zuerst in Schleswig-Holstein beobachtet, 
scheint diese Gallmücke eine weite Verbreitung zu besitzen. Prof.^Rüb- 
saamen wies in den Gallen auch Macrolabis-Larven nach. 

193. Mikiola fagi (Hartig). 

Auf F. silvatica L. — P., G. und 0, sehr häufig. 

194. Hartigiola annulipes (Hartig) Rübs. 
Auf F. silvatica L. — Bei P. nicht selten. 

* Phegobia tornatella Kieif. (nee Bremi). — H. 1154 als 
Oligrotophus annulipes. 

Auf F. silvatica L. — Trettachtal, Breitachklamm ! — Bremi nannte 
die Mücke Cecidomyia tornatella, ohne eine Beschreibung gegeben 
zu haben (Rübsaamen, briefl. Mitt.j. 



10 Otto Jaap: 

* Phyllaphis fagi (L.) Koch. — R. 658. 

Auf F. silvatica L. — G. mehrfach; 0,: Trettachtal; Geltendorf. 

195. Eriophyes nervisequus (Can.j Nal. 

Auf F. silvatica L. — P. ziemlich häufig; 0.: Trettachtal und Still- 
aclital. 

Var. maculifer Trotter. 
P. mehrfach; G.: Eibsee, Höllental (1200 m); 0.: Stillachtal. 

196. Eriophyes stenaspis Nal. 

Auf F. silvatica L. — Bei P. u. G. z. häufig ; 0. an vielen Stellen. 

Festuca L. 

* (?) Anguillulidarum sp. 

Sproßachse etwas gestaucht, Rispenäste verkürzt und gehäuft, Rispe 
oft fast geknäuelt. Neu. 

Auf F. arundinacea Schreb. — An der Loisach bei P. — Herr Prof. 
Nalepa hatte die Güte, lebendes Material zu untersuchen; Milben 
wurden indessen nicht vorgefunden. 

Filipendula L. 

* Aphrophora spumaria (L.) Germar. 

Auf F. ulmaria (L.) Maxim. — Bei G. — Vgl. Z. S. n. 564. 

* Aphis spiraeella Schont. — R. 1983. 

Auf F. ulmaria (L.) Maxim. — 0.: Sumpfwiesen bei Kornau. 

* Cecidomyidarum n. sp. 

Dicke, längliche, faltenförmige Anschwellungen der Blattrippen, unter- 
seits als Wulst hervortretend, oberseits mit Längsspalt. Neu. 
Auf F. ulmaria (L.) Maxim. — Bei Garmisch bei 725 m !. Die Tiere 
hatten die Gallen beim Auffinden (1. August) bereits verlassen. — 
Z. S. 526. 

201. Dasyneura ulmariae (Bremi) Rübs. 

Auf F. ulmaria (L.) Maxim. — O. : Trettachtal und Oytal. 

202. Dasyneura pustulans Rübs. 

Auf F. ulmaria (L.) Maxim. — G. mehrfach; 0.: Oytal, Trettachtal. 

Fraxinus L. 

206. Prociphilus nidificus F. Löw\ 
Auf F. excelsior L. — P. z. häufig; 0.: Trettachanlagen. Da die Tiere 
nicht untersucht wurden, kann auch P. bumeliae Schrank in Frage 
kommen, da dieses ebensolche Gallen bildet. 

208. Da